12. März 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Ich will gewinnen» – Malik Harris singt für Deutschland beim ESC

Es sieht erst anders aus. Mit dem letzten Votum setzt sich Malik Harris gegen harte Konkurrenz beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest durch. Für das Finale in Turin nimmt sich der Sänger viel vor.

Berlin: Malik Harris freut sich bei der Show “Germany 12 Points – der deutsche ESC-Vorentscheid” über den Sieg. Der Sänger wird Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) in Turin am 14. Mai vertreten. Foto: dpa

Von Gerd Roth
Berlin (dpa) – Ein Abend zwischen Kriegstrauma und Pop-Welt: Der Sänger Malik Harris wird Deutschland beim Finale des Eurovision Song Contest in Turin vertreten. Der 24-Jährige setzte sich am Freitagabend in Berlin bei einer denkwürdigen ESC-Ausgabe durch. Die sechs Songs der Endrunde bei «Germany 12 Points – der deutsche ESC-Vorentscheid» wurden eingerahmt vom Gedenken an den Krieg in der Ukraine.

Der aus dem bayerischen Landsberg am Lech stammende Harris, Sohn des früheren Sat.1-Talkers Ricky Harris (59), setzte sich mit seinem auf Englisch gesungenen Song «Rockstars» durch. Nach dem Votum der beteiligten Radiosender hatte er noch auf Platz zwei gelegen.

Mit deutlichem Abstand führten zunächst die aus Koblenz stammenden Maël & Jonas mit dem starken Song «I Swear to God». Bei der mit ebenfalls 50 Prozent gewerteten Entscheidung des Publikums zog Harris dann noch an dem Duo vorbei. Auf den Plätzen landeten Nico Suave & Team Liebe mit «Hallo Welt», Felicia Lu («Anxiety»), Eros Atomus mit «Alive» und «Soap» von Emily Roberts.

Der Siegersong «Rockstars» von Harris dreht sich um unbeschwerte Kindheit, den Rückblick auf schöne Momente und die Besinnung auf Gemeinsamkeiten. Der deutsch-amerikanischer Popsänger, Rapper und Songwriter Harris hat viel Musik und Entertainment im Blut. Ein Großvater war Opernsänger, eine Großmutter Pianistin, sein Vater spielt mehrere Instrumente. So fand Malik Harris früh den Weg auf Konzertbühnen, spielte auf Touren, war Opener etwa für James Blunt.

Für das ESC-Finale in Turin hat sich Harris viel vorgenommen. «Ich will gewinnen», sagte er nach seinem Erfolg beim Vorentscheid. In den letzten Jahren landete Deutschland meist weit hinten im ESC-Finale, 2021 mit Jendrik zum Beispiel auf dem vorletzten Platz.

Der emotionale Höhepunkt des Abends blieb der ukrainischen Sängerin Jamala (38) vorbehalten. Die ESC-Gewinnerin von 2016 verband ihren Auftritt mit einem bewegenden Plädoyer für Frieden in ihrem Land. «Mein größter Wunsch ist, dass der Krieg aufhört», sagte Jamala. Die Sängerin war mit ihren beiden Kindern unter dramatischen Umständen aus ihrer Heimat geflohen. Ihren Mann musste sie in der Ukraine zurücklassen.

«Ich singe heute im Namen der Kinder, ich singe heute im Namen der Frauen», sagte Jamala. «Ich möchte, dass die ganze Welt unsere Stimme hört, von unseren Schmerzen und Leiden hört.» Sie werde alles tun, was sie könne. «Ich werde schreien, damit die ganze Welt hört, dass es so nicht sein darf.»

Mit der ukrainischen Fahne in der Hand sang Jamala ihren Siegertitel von 2016 «1944». Das Lied handelt von der Deportation der Krimtataren durch Sowjet-Diktator Stalin.

Auch der Sieger des Abends nutzte seinen Auftritt für ein klares Statement gegen den Krieg. Am Ende seines Songs drehte er seine Gitarre um. Auf der Rückseite des Instruments stand in großen Lettern: «I stand with Ukraine».

Und mit dem Lied «Ein bisschen Frieden» – dem Siegertitel aus dem Jahr 1982 – klang das Thema auch in einer weiteren Performance an. Gesungen wurde der Song am Freitag von Gitte Haenning, Conchita Wurst und Jane Comerford im Rahmen eines Medleys. Dass sein Lied zu hören war, freute auch den Komponisten Ralph Siegel. «Als das ganze Publikum das Lied gesungen hat, das war ein sehr bewegender Moment», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem Anti-Kriegs-Lied hatte Siegel einst den Grand Prix gewonnen, gesungen von der damals erst 17-jährigen Sängerin Nicole.

Die Fernsehshow am Freitag wurde von insgesamt 4,3 Millionen Zuschauern verfolgt. Das entsprach ab 21.00 Uhr einem Marktanteil von 14,6 Prozent. Die Sendung wurde im Ersten und in allen Dritten der ARD sowie auf dem Kanal One ausgestrahlt. 2019 hatte der Vorentscheid «Unser Lied für Israel» knapp 3 Millionen TV-Zuschauer. 2018 und 2017 waren es jeweils etwas mehr als 3 Millionen. Mehr als 4 Millionen Zuschauer – nämlich 4,5 Millionen – waren es zuletzt 2016 beim Vorentscheid «Unser Lied für Stockholm» sowie davor 2010 bei «Unser Star für Oslo», bei dem in Köln die später siegreiche Lena als deutsche Interpretin gekürt wurde.

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Sport

Paralympics: Verbands-Chef Beucher vom Start «freudig überrascht»

Para Ski Alpin, Damen, Abfahrt sitzend: Anna-Lena Forster in Aktion. Foto: dpa

Yanqing (dpa) – Deutschlands Verbands-Präsident Friedhelm Julius Beucher hat ein mehr als positives Fazit des ersten Wettkampf-Wochenendes bei den Winter-Paralympics in Peking gezogen. «Wir waren sowas von freudig überrascht, am ersten Tag mit vier Medaillen loszulegen», sagte Beucher am Sonntag. «Der Start ist vollkommen okay», erklärte auch Chef de Mission Karl Quade: «Schade, dass es noch zu keinem ersten Platz gereicht hat. Aber abgerechnet wird am Schluss.»

Insgesamt hat der Deutsche Behindertensportverband am Auftakt-Wochenende fünf Medaillen gewonnen, vier silberne und einmal Bronze. Weil Gold fehlt, belegt Deutschland nur Rang zwölf im Medaillenspiegel. In Bezug auf die Anzahl der Podestplätze waren aber nur China (16), die Ukraine (7) und Kanada (6) erfolgreicher.

Besonders überraschten am Samstag die jungen Biathleten mit drei Medaillen. Dass dies auch durch das Fehlen der ausgeschlossenen Russen begünstigt wurde, macht den Erfolg für Beucher nicht weniger wertvoll. «Ob verletzt oder nicht zugelassen, der Wettbewerb findet unter denen statt, die am Start sind», sagte er: «Und dass Fehlen der Russen ist ja nicht ungerecht und auch nicht unverschuldet.» Auch Quade erklärte: «Ja, das ergibt neue Möglichkeiten. Aber das gilt ja für alle.»

Dass Gold-Hoffnung Anna-Lena Forster bisher zweimal Silber geholt hat, werten beide nicht als Enttäuschung. «Das waren zwei starke Leistungen. Sie erfüllt ihre Favoritenrolle voll», sagte Beucher: «Es hätte beide Male auch Gold sein können. Und die Hoffnung besteht ja weiter.» Für Quade sind «zwei zweite Plätze ein herausragendes Ergebnis. Und ihre Spezial-Disziplinen kommen ja noch.»

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Feuilleton

Aus der Glanzzeit Londiniums: Römisches Mosaik in London entdeckt

Der Fund des Museum of London Archaeology (MOLA) ist der größte Fund eines römischen Mosaiks seit über 50 Jahren. Es wurde bei Ausgrabungen im Vorfeld des Baus von «The Liberty of Southwark» entdeckt, einem neuen Kulturviertel das 2024 eröffnet werden soll. Foto: Mola/PA Media/dpa

London (dpa) – Ein spektakulärer Mosaik-Fund aus römischer Zeit hat in der britischen Hauptstadt für Aufsehen gesorgt. Das Mosaik aus dem zweiten bis frühen dritten nachchristlichen Jahrhundert wurde bei Bauarbeiten in der Nähe der London Bridge entdeckt und gehörte wohl zu einem Komplex, in dem wohlhabende Reisende übernachten konnten und bewirtet wurden. Die Mosaike schmückten demnach einen Raum namens Triclinium, in dem die gleichnamigen Speisesofas untergebracht waren.

Wie die mit der Ausgrabung befasste archäologische Abteilung des Museums of London in dieser Woche mitteilte, handelt es sich um den größten Mosaik-Fund in der britischen Hauptstadt seit einem halben Jahrhundert. Nach Ansicht eines Experten sind die kunstvoll verzierten Fußböden Handwerkern zuzuordnen, die als Acanthus-Gruppe bezeichnet werden. Eines der Muster ähnelt stark einem in Trier entdeckten Mosaik. Es sei daher davon auszugehen, dass die Mosaikleger an beiden Orten arbeiteten. Dargestellt sind unter anderem stark abstrahierte Pflanzen und geometrische Muster.

Ganz in der Nähe fanden die Wissenschaftler Spuren eines luxuriösen römischen Wohnhauses. Gefunden wurden dort kleinere Gegenstände wie beispielsweise eine elegante Haarnadel aus Knochen, eine Brosche aus Bronze und eine Nähnadel. «Diese Funde sind mit Frauen von hohem sozialen Status in Verbindung zu bringen, die sich an den neuesten Moden und Frisuren orientierten», sagte Antonietta Lerz vom Museum of London dem «Guardian». Es habe sich um die «Glanzzeit des römischen Londons» gehandet.

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Gesundheit/Umwelt

Putzmittelstudie warnt vor Atemwegsbelastung durch Schadstoffpartikel

Handelsübliche Reinigungsmittel zur Desinfektion von Oberflächen in Innenräumen können einer Studie zufolge kleine Schadstoffpartikel in die Atemwege von Menschen einbringen. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Bloomington (dpa) – Büros, Sportstudios und Läden, aber auch Privathaushalte sind in den vergangenen zwei Jahren vermutlich besonders intensiv geputzt und desinfiziert worden. Doch handelsübliche Reinigungsmittel zur Desinfektion von Oberflächen in Innenräumen können einer Studie zufolge kleine Schadstoffpartikel in die Atemwege von Menschen einbringen – und zwar in einem Ausmaß, das beim Einatmen von Autoabgasen in Straßenschluchten entstehe oder sogar darüber liege. Das berichten US-amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt «Science Advances».

Dass Putzmittel nicht nur sauber machen, sondern unter Umständen auch gesundheitsschädlich wirken könnten, haben bereits mehrere Studie nahegelegt. So stellte eine 2018 veröffentlichte norwegische Langzeitstudie fest, dass Menschen, die sehr viel putzen, eine schwächere Lunge hätten als solche, die nie sauber machten. Den stärksten Abfall der Lungenfunktion beobachteten die Wissenschaftler der Universität Bergen bei Reinigungskräften. Eben jene standen auch im Fokus einer belgischen Studie, die ein Jahr zuvor berichtete, dass das Sterberisiko männlicher Reinigungsfachkräfte deutlich höher sei als etwa das von Büroangestellten. Privatpersonen könnten sogar noch gefährdeter sein, da sie wenig über entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wüssten sowie die Produkte falsch anwenden oder bedenkenlos kombinieren würden.

Zu den grundlegendsten Vorsichtsmaßnahmen gehöre, so die Autoren der belgischen Untersuchung, das Tragen von Handschuhen. Dass allerdings nicht nur direkter Hautkontakt problematisch sein könnte, legt die Studie eines Teams um die Chemikerin Colleen Rosales nun nahe, die zum Zeitpunkt der Arbeit an der Indiana University forschte.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf die primären und sekundären Emissionen der Putzmittel und dabei insbesondere auf solche, die «natürlich» nach Zitrusfrüchten oder Pinie riechen. Derartige Reiniger enthalten häufig Monoterpene, welche die Hauptbestandteile ätherischer Öle bilden. Zu den bekanntesten gehören Limonene, Alpha- und Beta-Pinen sowie Campher. Wie die Forscher beschreiben, setzen diese Mittel zum einen flüchtige organische Verbindungen (engl. VOC für Volatile Organic Compounds) frei. So werden gas- und dampfförmige Stoffe organischen Ursprungs in der Luft beschrieben.

VOC können aus zahlreichen Quellen stammen. Einige davon können Sinnesreizungen, Kopfschmerzen, aber auch Organschäden und selbst Krebs verursachen, wie aus einer Auflistung der US-Umweltschutzbehörde EPA hervorgeht. Zum anderen könnten VOC oxidieren, heißt es in der Studie, was zur Entstehung spezifischer sekundärer organischer Aerosole (SOA) führen könnte, darunter Peroxide, Alkohole, Carbonyle und Carbonsäuren.

Um diese primären und sekundären Emissionen zu messen, richteten Rosales und ihre Kollegen einen Testraum ein, der mit einer Größe von gut 20 Quadratmetern einem typischen Büro entsprechen sollte. Dieser wurde mit einem handelsüblichen, auf Monoterpenen basierendem Putzmittel eine knappe Viertelstunde gewischt und gereinigt, während die Wissenschaftler kontinuierlich die Raumluft analysierten.

Auf Grundlage ihrer Raumluft-Analyse errechneten die Forscher, dass eine Person, die einen derartigen Reiniger nutzt, zu Beginn des Wischens etwa 30 bis 40 Mikrogramm primäre flüchtige organische Verbindungen pro Minute einatmet. Hinzu kämen dann 0,1 bis 0,7 Mikrogramm sekundärer organischer Aerosole, welche durch die Reaktion des Produkts mit der Raumluft entstünden. Massemäßig sei das nicht viel, doch viele der entstandenen Partikel bewegten sich im Nanogrößen-Bereich und könnten so gesundheitliche Relevanz haben, da sie dazu in der Lage seien, in tiefste Regionen der Lunge vorzudringen.

Die Belastung mit solchen Nanoteilchen führte zu Dosiswerten in den Atemwegen, die größer oder vergleichbar seien mit denen, die man durch das Einatmen von verkehrsbedingten Aerosolen in städtischen Straßenschluchten erhalte, heißt es in der Studie.

Die Autoren betonen indes selbst, dass bislang wenig über das toxikologische Profil dieser Teilchen in Innenräumen bekannt sei. Trotz dieser Unsicherheiten bestehe Anlass zur Sorge für Menschen, die etwa aufgrund ihrer Tätigkeit als Hausmeister oder Gebäudereiniger viel Arbeitszeit mit der Reinigung von Oberflächen in Innenräumen verbrächten. «Darüber hinaus wird die Exposition am Arbeitsplatz und in Privathaushalten, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, wahrscheinlich durch die verstärkte chemische Desinfektion von Innenraumoberflächen während der derzeitigen Coronavirus-Pandemie beeinflusst», schreiben die Autoren weiter.

Intelligentes Lüften, bei dem die Ozonwerte draußen beachtet würden, könnte indes helfen, die Ansammlung von Teilchen zu reduzieren.

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Reise

Jamaika abseits des Reggae-Trubels

Das kristallklare Wasser am Doctors Cave Beach hat ganzjährig eine Temperatur zwischen 22 und 28 Grad.            Foto: David I Muir/Jamaica Tourist Board/dpa  

Montego Bay (dpa) – «Das ist eines der schönsten Erlebnisse, das man auf Jamaika haben kann», verspricht Fremdenführer Aneif Anderson, und trifft damit auf eher skeptische Gäste. In eine Art Vogelpark, eine halbe Autostunde von Montego Bay entfernt, will er sie bringen – was soll daran schon toll sein?

Die Besucher sehen es, als das Ziel erreicht ist: Das «Rockland‘s Birds Sanctuary» entpuppt sich als wunderschönes Anwesen in den Bergen mit einem grandiosen Blick aufs Meer; als ein Refugium mit uralten Orangenbäumen, exotischen Pflanzen und einem verträumten Häuschen mittendrin.

Das Beste allerdings ist erst mal nicht zu sehen: frei fliegende Kolibris, die den Gästen ein unvergessliches Erlebnis bescheren sollen – mit Fütterung auf der Hand. Fritz, der Manager und gute Geist des kleinen Parks, lässt die Besucher auf der kleinen Terrasse Platz nehmen, drückt ihnen ein Fläschchen mit Zuckerwasser in die Hand.

«Einfach still sitzen, das Zuckerwasser in einer Hand halten, dazu einen Finger der anderen Hand ausstrecken», sagt er. «Und dann einfach ein wenig warten.» Nach zwei, drei Minuten flattern hochfrequent die ersten herbei: zwei hübsche Kolibris, die im Schwirrflug die ausgestreckten Finger ansteuern und nach kurzem Zögern wie Mini-Hubschrauber vorsichtig darauf landen.

«Das Feeling, diesen federleichten Winzling auf der Hand zu spüren, seinen Flügelschlag zu fühlen und zu sehen, wie er sich mit seinem zarten Schnäbelchen das Zuckerwasser holt, ist irre und eigentlich unbeschreiblich». Marion aus Nürnberg ist buchstäblich hin und weg. Fast 20 Minuten lang füttert sie einen gefiederten Freund nach dem anderen – bis Fritz drängt. Schließlich wollen auch andere Besucher noch drankommen.

Natürlich weiß Fritz alles über Kolibris: Dass sie fast 50 Kilometer pro Stunde schnell sind, bis zu 90 Mal pro Sekunde mit ihren Flügeln schlagen und deshalb auf der Stelle fliegen können; dass die kleinsten nur zwei und selbst die größten höchstens 20 Gramm schwer sind; auch dass sich merkwürdigerweise nur die Männchen auf Menschenfinger trauen, Weibchen aber nie.

Sie wurde zur «Vogel-Lady»
Das «Birds Sanctuary», erzählt Fritz, verdanke seine Existenz der Engländerin Lisa Salmon. Die verliebte sich in den frühen 50er-Jahren in den herrlichen Platz über dem Meer, unternahm regelmäßig lange Spaziergänge – und ließ überall Futter und Zuckerwasser für die Vögel zurück.
Nach ein paar Jahren war ihr Haus Lebensmittelpunkt der örtlichen Vogelwelt, 1952 machte die Engländerin ihr Refugium der Öffentlichkeit zugänglich. Die «Vogel-Lady», wie Lisa Salmon bald genannt wurde, empfing im Lauf der Jahre nicht nur unzählige Ornithologen und Naturliebhaber, sondern auch leibhaftige Präsidenten aus Nord- und Südamerika sowie gekrönte Häupter aus Europa.

Als sie im Sommer 2000 mit 96 Jahren starb, war sie eine Berühmtheit weit über die Grenzen Jamaikas hinaus, vielfach geehrt und mit Orden überhäuft. Ihre Erben halten den kleinen Park am Leben, was bei relativ wenigen Besuchern und einem Eintrittspreis von 20 Dollar gerade in Zeiten von Corona nicht einfach ist.

Mit dem Bambus-Floß auf dem Great River
Gut verbinden lässt sich die Visite bei den Kolibris mit einem Abstecher zum Great River unweit des Dorfs Lethe. In nur 30 Minuten geht’s mit dem Auto über kurvige Bergstraßen zum Fluss, wo man sich an der «Chukka Reggae Rafting»-Basis entscheiden muss: Soll man rauf zum wilden Oberlauf des Flusses und über Stromschnellen zurück? Oder will man sich lieber den ruhigen Unterlauf auf dem Bambus-Floß herunter schippern lassen?

Wer es total entspannt haben will, wird sich für die Variante Bambus entscheiden und die nächsten zwei Stunden Joshua anvertrauen – einem bulligen Flößer mit zum Zopf gebundenen Rasta-Locken. Das Floß mit Zweiersitzbank erweist sich als stabil, gleitet manchmal aber nur knapp über die großen Kiesel des Flusses, der auf seinen letzten Kilometern zum Meer eher flach und unspektakulär dahinfließt.

Nur in ein paar Engstellen, wo die Strömung stärker und der Fluss tiefer wird, muss Joshua den Flößerstab mit aller Kraft gegen den Fels drücken. Ansonsten bleibt viel Zeit und Muße, um die herrliche Uferlandschaft mit Riesenbambus-Bäumen zu bestaunen. 

Joshua stoppt an einer langen Kiesbank, holt ein paar Steine aus dem Wasser und widmet sich den Füßen seiner überraschten Passagiere. «Hey folks, das ist Kalkstein», sagt er mit einem breiten Grinsen, und rubbelt die Fußsohlen damit sorgfältig ab. Die Gäste freuen sich über das Gratis-Peeling und erfahren, dass Joshuas Calciumcarbonat-Behandlung sogar gegen Mücken und Sonnenbrand schützen soll.

Unterwegs kommen uns immer wieder junge Männer entgegen, die im Wasser watend mühsam Flöße stromaufwärts schieben. Während die zahlenden Gäste am Ende ihrer Tour bequem im Auto zur Basis fahren, müssen die Flöße mit Muskelkraft zurückgebracht werden. Mindestens drei Stunden, bei Hochwasser noch viel länger, schuften sich die Jungs im Fluss ab – für gerade mal zehn Dollar.

Dass er und die anderen Flößer alle jämmerlich schlecht bezahlt sind und letztlich vom Trinkgeld der Passagiere leben, erzählt Joshua unterwegs immer wieder. Der Zaunpfahl, mit dem er winkt, ist so groß, dass jeder Gast einen ordentlichen Tip herausrückt und das Floß auch gerne stoppen lässt, als Joshua seinen Freund Ajani entdeckt.

Der hat auf seiner schwimmenden Bambus-Bar am Ufer festgemacht und verkauft einheimisches «Red Stripe»-Bier und jamaikanischen Punch mit 60-prozentigem Rum. Nach ein paar Bechern wird Joshua so richtig gesprächig.

Der Tag, an dem die Vögel verschwanden
Auf die Frage, ob er denn die Kolibri-Station im nahen Rockland kennt, erzählt er die wunderbare Geschichte, die bis heute in der ganzen Region Montego Bay die Runde macht: Am Tag, als Lisa Salmon starb, waren alle Vögel plötzlich verschwunden. Die Leute dachten, dass sie nie mehr zurückkommen würden, doch bei der Beerdigung von Lisa waren all ihre gefiederten Freunde wieder da. Wahr oder nicht – Joshua und die meisten Jamaikaner glauben fest daran.

Infokasten: Jamaika
Anreise: Reisende mit Ziel Montego Bay landen in der Regel auf dem internationalen Flughafen Sangster. Nonstop-Flüge werden ab Frankfurt am Main angeboten, von anderen deutschen Airports gibt es Umsteigeverbindungen. 
Einreise und Corona-Lage: Laut Auswärtigem Amt müssen alle Flugreisenden eine offizielle Reisegenehmigung einholen. Ab einem Alter von 12 Jahren müssen alle Einreisenden einen negativen PCR- oder Antigen-Test nachweisen, der bei Einreise nicht älter als drei Tage sein darf. Vollständig geimpfte Personen müssen bei Vorlage eines negativen PCR-Tests (nicht älter als 72 Stunden bei Einreise) nicht in Quarantäne. Touristen müssen nicht in Quarantäne, wenn sie sich nur in den designierten Touristenkorridoren aufhalten.
Reisezeit: Als beste Urlaubszeiten für Jamaika gelten die Trockenperioden zwischen Juli und August sowie von Dezember bis April. Die Regenzeit mit dennoch angenehmen Temperaturen ist meist im Mai und Juni sowie von September bis November. Hurrikan-Saison ist von August bis November.
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Klimakiller Haustier:
Hunde und Katzen umweltfreundlich ernähren

Herausforderung für den Verdauungstrakt der Beutetierfresser.
Foto: Ina Fassbender/dpa

Interview: Marie von der Tann
Berlin (dpa) – Katzen und Hunde sind leidenschaftliche Fleischfresser, das Menü kommt oft portioniert aus der Plastikverpackung. Für nachhaltigkeitsbewusste Konsumenten äußerst unbefriedigend. Doch was tun – selber kochen oder vegan ernähren? Kathrin Irgang, Berliner Tierärztin mit Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung Kleintiere erklärt, worauf Tierhalter achten sollten. 

Frage: Frau Irgang, Tierfutter ist oft in Plastik verpackt, woran liegt das? Und: Gibt es Alternativen?
Kathrin Irgang: Tierfutter zu verpacken, ist nicht ganz einfach. Trockenfutter ist zum Beispiel mit Fett besprüht. Das kann nicht in einfache Papiertüten gefüllt werden. Aber es gibt inzwischen Futter in Papiertüten mit kompostierbarer Folie und Leckerli-Kekse in Papierbechern. Nassfutter ist auch in Tetrapaks und Gläsern erhältlich. Glas ist aber natürlich schwer, was für den Transport wiederum ungeschickt ist. 

Frage: Wer selber kocht oder roh füttert, der kann den Verpackungsmüll sehr stark minimieren – sind das Alternativen? 
Kathrin Irgang: Selber kochen oder die Rohfütterung, das sogenannte Barfen, kann man machen. Man braucht aber spezielles Wissen. Fütterung nach Augenmaß mit ein bisschen Gemüse und ein bisschen Fleisch ist nicht automatisch bedarfsgerecht.

Hunde und Katzen sind Beutetiere, sie fressen nicht nur Muskelfleisch und sie brauchen bestimmte Mineralien aus Knochen und Innereien, ebenso Vitamine. Ich würde deshalb dringend raten, eine Ration von einem Tierarzt mit Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung (Kleintiere) oder einem Fachtierarzt für Tierernährung zusammenstellen zu lassen. 

Frage: Tritt das Tier dann nicht in Nahrungskonkurrenz mit dem Menschen? 
Kathrin Irgang: Bei einer richtig zusammengestellten Ration nicht automatisch. Dazu gehören unbedingt auch Innereien. Hunde fressen aber zum Beispiel auch das Euter, das wir nicht essen. Katzen sind sehr wählerisch. Sie fressen nur, was sie in den ersten Lebensmonaten kennengelernt haben.

Der Satz «Irgendwann kriegt sie schon Hunger und frisst es» stimmt so nicht, Katzen fressen dann lieber gar nicht. Eine Katze, die bisher keine selbstgekochte oder Barf-Nahrung kennengelernt hat, kann man also schwer umstellen. 


Frage: Kann man bei Katzen dann überhaupt Tipps geben in Bezug auf nachhaltige Fütterung?
Kathrin Irgang: Es ist schwierig. Es gibt inzwischen Trockenfutter für Katzen und Hunde, die aus Insektenprotein, den Larven der Soldatenfliege hergestellt sind. Zumindest nach Angaben des Herstellers verbraucht die Herstellung weniger Ressourcen als übliches Futter. Das könnte man probieren. Es gibt auch Futterhersteller, die ausschließlich Wildtiere verarbeiten oder auf Freilandhaltung achten. 

Frage: Ist es denkbar, Hunde und Katzen gänzlich pflanzlich zu ernähren?
Kathrin Irgang: Theoretisch ja, aber nur wenn die Tiere nicht wachsen, trächtig sind oder Milch geben. Es ist allerdings auch hier kompliziert, eine bedarfsgerechte Ration zu erreichen. Vor allem bei Katzen. Mit dieser Art der Fütterung muss man sich sehr genau auseinandersetzen. 
Hinzu kommt, dass diese Rationen aus schwer verdaulichem Pflanzenprotein und sehr viel Kohlenhydraten bestehen, teilweise eine Herausforderung für den Verdauungstrakt der Beutetierfresser.

Frage: Ein trockenes Alleinfuttermittel für Hunde ist oft unbeliebt, weil tierische Nebenerzeugnisse und Kohlenhydrate enthalten sind. Was sagen Sie dazu?
Kathrin Irgang: Hunde sind keine kleinen Wölfe, die können Kohlenhydrate an sich schon verdauen, nur eben nicht in zu großer Menge. Und hinter den tierischen Nebenerzeugnissen verbergen sich eben die Teile eines Schlachtkörpers, die wir nicht essen. Das ist unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gut. Auch ein Trockenfutter sollte bedarfsgerecht sein, wenn es als Alleinfuttermittel ausgezeichnet ist. Das gilt allerdings auch für Dosenfutter. 

Frage: Hunde schnappen ja gerne mal etwas Verwestes aus dem Gebüsch auf. So empfindlich scheinen sie bei verderblichen Lebensmitteln nicht zu sein. Ist es also vielleicht ein Ansatz, weniger Futter wegzuschmeißen?
Kathrin Irgang: Geöffnete Dosen sind im Kühlschrank etwa zwei Tage haltbar, danach sollten sie weggeworfen werden. Es ist falsch, dass Hunde mit ihrer Magensäure alle möglichen Keime abtöten können. Das sollten übrigens auch diejenigen wissen, die Barfen.

Rohfleischfütterung ist nicht ohne Risiko – für Hund und Besitzer. Hier haben Keime und Parasiten leichtes Spiel. Viele machen außerdem den Fehler, das eingefrorene Futter aufzutauen, in Rationen zusammenzustellen und wieder einzufrieren. Das macht es noch gefährlicher. Fertige Barf-Menüs zu kaufen, ist aber auch keine Alternative – denn hier ist kaum nachzuvollziehen, von was wie viel beigemengt wurde. Das muss man aber unbedingt für eine bedarfsdeckende Rationsgestaltung wissen.

Frage: Was können Besitzer noch tun?
Kathrin Irgang: Zunächst mal etwas sehr Simples: Weniger Füttern, falls das Tier zu dick ist. 60 Prozent der Haushunde sind zu dick. Das ist nicht gut für ihre Gesundheit und die Umwelt. Und Verbraucher sollten solche Futter kaufen, die nicht mit Superfoods angereichert sind oder weite Wege zurückgelegt haben. Leinsamen statt Chia – das wäre zum Beispiel eine gute regionale Alternative.

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Aus Allen Staaten

News from the St. Peters Seniorenkreis

The Seniorenkreis is an integral part of St. Peters “Outreach” to the Greater German Community, sadly we have lost members this year, however, we have added new members to our roster, and are happy to say that the number of gentlemen attending our meetings has increased. Our membership count stands at 40 and with special events that increases. Our meetings are twice a month, beginning at 11 am. We have a varied program, that includes a tasty lunch, German songs, poems, stories and jokes.

We are so fortunate to have John Benesch as our designated webmaster. He seems to find so many things to share with us: Travelogue, documentaries, Germans songs, movies; you name it – he shares it! This is an opportunity for us also, to reminisce and “journey ” back to our homeland with friends and family. We welcome anyone to participate on anything they would like to share with the rest of us.

During the winter months we have a ”movie afternoon” where we show a full-length movie. We try to find one that is based on true stories, something that will inspire, make us laugh, or cry. But one that will always touch our hearts and mind. We invite you to come join us. You may just be surprised! You will enjoy yourself, while making new friends, having lunch, and, take home a few laughs. Your body will be fed and, your Spirit will be nurtured.

We would like to extend to everyone a heartfelt invitation to share in our Worship and Holy Communion Service every Sunday morning at 10AM. (St. Peter’s Evangelical Saxton Lutheran Church on Chicago Rd., Warren). In addition, a warm welcome is extended to everyone during this season of “Renewal” in sharing our; Palm Sunday March 10, 10 AM; Good Friday service April 15, 12PM; Easter Sunday April 17, 10AM.

May God bless our group, St. Peter’s Community, and you, our new friends.
Respectfully,
LLM Gerry Udell
St. Peter’s Evangelical Lutheran Church

St. Lorenz’s monthly German worship service

On Sunday, March 13th, St. Lorenz’s monthly German worship service will be held at 11:00 am in the Church – 1030 W. Tuscola Rd., Frankenmuth.  The service focus is on our Lenten journey, focused on Jesus’ cross, enables faith growing experiences of celebrating the peace and hope Jesus secures.  May we show it and share it! The service features German liturgy and an English sermon by Pastor Bill Hoesman based on Philippians 3:17-18 entitled ‘Take Note’. Jordan Maurer will sing a solo “Gott Heil’ger Geist, hilf uns mit Grund” (O Holy Spirit, Grant Us Grace) and the congregation will join in singing favorite hymns: „ Jesu, komm doch selbst zu mir “ (Jesus, Savior, Come to Me), “Meinen Jesum laß’ ich nicht” (Jesus, I Will Never Leave), “Mir nach, spricht Christus, unser Held” (Come Follow Me the Savior Spoke) and „O Gott, du frommer Gott“ (O Gott, du frommer Gott).  

The service will also be broadcast on Charter cable channel 191, on the St. Lorenz app., and livestreamed (and stored) on the St. Lorenz website at http://stlorenz.org/stream.  At ‘Traditional Services” (on the left side), select the German service.

Broadcast can also be accessed on your Smart TV (Roku, Apple TV, etc.) by typing in “St. Lorenz Church and School” and adding the channel or on Facebook on the St. Lorenz page or the Frankenmuth-Gunzenhausen Sister Cities page. 

Prior German worship services can be viewed at https://vimeo.com/showcase/stlorenz-german.The next German worship service will be April 10th, 2022, in the school dining room. 

Please join us as our Lenten journey focuses on the cross and remembering our blessings ‘Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne’ (In peace I will both lie down and sleep; for you alone, O LORD, make me dwell in safety).  Glory be to our Redeemer!

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