12. September 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Prämie für Elterntaxis – «ein ganz falsches Signal»

Wenn Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule kommen und die Eltern dabei ein Chaos auslösen: Vielen ist das ein Dorn im Auge. Ändert sich durch Corona diese Sichtweise?

Das Schild „Elterntaxi“ steht vor der Grundschule Grimsehlweg in Hannover. Der Kreis Peine zahlt Eltern Kilometergeld, wenn sie ihre Kinder zur Schule fahren. Foto: dpa

Von Christian Brahmann
Peine (dpa) – Parken an der Bushaltestelle oder Wenden auf dem Gehweg: Gestresste Eltern lösen vor Schulen regelmäßig Chaos aus, wenn sie ihren Nachwuchs absetzen oder abholen. Viele ärgern sich über die sogenannten Elterntaxis. In der Corona-Pandemie hat sich der Alltag vieler Menschen aber verändert, was vor allem zum Ferienende deutlich wird. Die Schulen mussten mit Hygienekonzepten auf die Situation regieren. Manche Eltern denken neu über den Weg ihrer Kinder nach: Setzen wir sie in einen vollen Bus oder bringen wir sie doch lieber selbst?

Um überfüllte Busse mit zu wenig Abstand zu vermeiden, wollte der Landkreis Peine in Niedersachsen den Eltern helfen. Die Verwaltung kündigte in der vergangenen Woche eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer für das Bringen der Kinder an und sorgte damit seit dem Schulstart für einigen Wirbel. Nach viel Kritik an der finanziellen Förderung beendete der Kreis die Testphase am Freitag vorzeitig und räumte Fehler ein. In der Vorbereitung seien einige wichtige Faktoren wie die derzeitige Baustellen- und Umleitungssituation in Peine unberücksichtigt geblieben.

Unter anderen hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) überrascht von der Idee gezeigt und eingeräumt, sich an den Gedanken erst gewöhnen zu müssen. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag) sagte er aber: «Ich habe auch Verständnis dafür, wenn Eltern unter den gegenwärtigen Bedingungen ihre Kinder öfter mit dem Auto zur Schule fahren.» Noch gesünder sei allerdings Fahrradfahren.

Ganz so gelassen und moderat hatten aber längst nicht alle auf den Vorstoß aus Peine reagiert. «Auch wenn Kreativität in Corona-Zeiten grundsätzlich wünschenswert ist, geht diese Aktion eindeutig in die falsche Richtung», sagte Alexandra Kruse vom ADAC. Aus Sicht des Automobilclubs entsteht das Chaos oft durch den wenigen Platz vor Schulen. «Es wird verkehrswidrig an Bushaltestellen oder in zweiter Reihe gehalten, wo ein Aussteigen nicht sicher ist», so Kruse. Die angedachte Kilometerpauschale sei vor allem mit Blick auf die Rolle der Kinder als eigenständige Verkehrsteilnehmer «ein ganz falsches Signal».

«Es geht darum, die Busunternehmen zu entlasten», hatte der Peiner Landkreissprecher, Fabian Laaß, in der vergangenen Woche zur Begründung gesagt. Den Eltern sollte damit vor allem mehr Flexibilität gegeben werden und viele hätten sich nach der Kilometerpauschale erkundigt. Aber: «Eine erste Auswertung und zahlreiche Gespräche unter anderem mit Schulen, Beförderungsunternehmen und der Polizei haben gezeigt, dass die geplante Entschädigung für Eltern, die ihre Kinder statt mit dem Bus mit dem Auto zur Schule bringen, viele andere Probleme mit sich bringt», sagte Laas am Freitag.

Ein paar Kilometer südlich, im Landkreis Northeim, ist eine ähnliche Förderung mittlerweile sogar bis zu den Herbstferien verlängert worden. Seit Ende April können dort 20 Cent pro Kilometer beantragt werden. Um Verkehrsprobleme zu vermeiden, sollten Eltern nicht ganz an die Schule fahren und auf langwierige Abschiedsrituale verzichten, hieß es aus Northeim.

Für Förderungen von Elterntaxis hagelte es aber nicht nur vom ADAC viel Kritik. Die Polizei warnt immer wieder vor den Risiken und kontrolliert auch vor den Schulen. Das Sozialministerium in Hannover wirbt eher dafür, den Schülertransport zu stärken; der Städte- und Gemeindebund in Niedersachsen sieht einen beträchtlichen Verwaltungsaufwand. Nur wenige Kommunen seien finanziell in der Lage, solche Prämien auszuschütten.

Kurz vor dem Schulstart in Bayern in der kommenden Woche riefen das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub VCD dazu auf, Elterntaxis zu vermeiden. «Es gibt meist keinen Grund, Kinder morgens mit dem Auto in die Schule zu chauffieren», betonte Holger Hofmann, Geschäftsführer des Hilfswerkes, in einem gemeinsamen Aufruf.

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Sport

UEFA Nations League  «Sehr ärgerlich»: Löw-Team gibt Vorsprung her – 1:1 in der Schweiz

Wieder den Sieg verspielt. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft führt auch gegen die Schweiz – bringt das Spiel aber nicht ins Ziel. Am Ende fehlte der Löw-Mannschaft auch die Kraft.

Timo Werner von Deutschland in Aktion gegen Silvan Widmer (r) von der Schweiz. Foto: dpa

Von Jens Mende, Arne Richter und Jan Mies
Basel (dpa) – Joachim Löw nahm einen Schluck aus der Wasserflasche – und wirkte nicht wirklich zufrieden. In einem kräftezehrenden zweiten Spiel der Nations League hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schon wieder einen Sieg verspielt. Trotz erneuter Führung reichte es am Sonntagabend in Basel gegen die Schweiz nur zu einem mageren 1:1 (1:0) – wie am Donnerstag gegen Spanien. Ilkay Gündogan (14. Minute) traf zwar für das zunächst überlegene Löw-Team, doch Silvan Widmer (58.) glich nach der Pause für die Gastgeber zum am Ende sogar etwas glücklichen Endstand aus.

«Leider hat es nicht gereicht», sagte Löw im ZDF. «Wir haben es einfach wieder versäumt, das 2:0 zu machen. Das hätte uns Sicherheit gegeben. Wir schaffen es nicht, aus den guten Möglichkeiten Kapital zu schlagen. Ich denke, das Unentschieden geht in Ordnung.» Zwei Unentschieden in Folge seien «auf jeden Fall» ärgerlich.

Der Bundestrainer und seine Nationalspieler warten damit in dem neuen Wettbewerb weiter auf den ersten Sieg und stehen in den Oktober-Spielen in der Ukraine und in Köln gegen die Schweiz bereits mächtig unter Druck – wie bei der Erstauflage droht sogar der Abstieg aus der A-Gruppe. «Im Oktober greifen wir richtig an», sagte Löw. Nach zwei Spieltagen ist Deutschland mit zwei Punkten Dritter vor der Schweiz und hinter Tabellenführer Spanien und der Ukraine.

«Es war leider ähnlich wie gegen Spanien, da können wir definitiv daran arbeiten, dass wir da mehr Lösungen haben und als Mannschaft mehr Selbstvertrauen», sagte Toni Kroos. «Wenn sechs Punkte zu verteilen sind, und du nur zwei holst, ist das enttäuschend.» Gündogan ergänzte: «Ich bin auch ein bisschen angepisst. Wir haben unnötig Bälle verloren. (…) Nach dem 1:1 ist es schwierig, uns fehlen die Lösungen, wir werden immer müder. Insgesamt ist es sehr ärgerlich, und es geht mir ein bisschen auf den Sack.»

Löw rief schon zu Beginn immer wieder Anweisungen auf das Feld. «Ruhe» und «ruhig» gehörten oft dazu, genauso aber auch Lob für gelungene Aktionen seiner Spieler, die sich gut erholt vom Kraftakt gegen Spanien zeigten. Der Bundestrainer hatte etwas überraschend nur zwei Veränderungen in der Startelf vorgenommen. In der Abwehr-Dreierkette spielte Matthias Ginter für Emre Can, im Tor durfte sich Bernd Leno beweisen. Kevin Trapp rückte auf die Bank.

Die engagierte Spielanlage beider Mannschaften mit hohem Pressing ähnelte sich stark. Auch die Schweizer hatten sich vorgenommen, das DFB-Team extrem früh und dann mit gleich vier, fünf Spielern unter Druck zu setzten, um das deutsche Aufbauspiel zu stören. Leno hielt gegen den früheren Frankfurter Haris Seferovic (12.). Zunächst gelang es der deutschen Mannschaft aber, sich ballsicher und spielerisch zu befreien. In der zweiten Halbzeit war die Partie etwas mehr von Taktik als von hohem Tempo geprägt, die DFB-Elf wirkte zunehmend weniger zwingend.

In der Offensive war bis zu seiner Auswechslung zur Pause erneut der Neu-Münchner Leroy Sané, der gegen Spanien nach gut einer Stunde mit Krämpfen vom Platz gegangen war, auffälligster Akteur. Einen ersten Schuss des Bayern-Profis, der immer wieder zwei, drei Schweizer Abwehrspieler beschäftigte, hielt Torhüter Yann Sommer (7.). Bei Gündogans überlegtem und platziertem Schuss von knapp außerhalb des Strafraums nach Vorlage von Ginter zur deutschen Führung war der Gladbacher Bundesliga-Keeper machtlos.

Löw jubelte kurz und ballte beide Hände zu Fäusten. «Natürlich will man gewinnen», hatte der 60-Jährige vor dem Anpfiff seiner 183. Partie als DFB-Chefcoach gesagt. Zuletzt hatte es in Basel gegen die Schweiz ein 4:0 und ein 3:5 gegeben.

Mit sechs aktuellen Bundesliga-Profis in der Startelf wurden die Gastgeber nach der deutschen Führung stärker. Der schnelle Gladbacher Breel Embolo, der aus dem Mittelfeld heraus immer wieder in die Spitze vorstieß, sorgte für enorme Unruhe in der deutschen Abwehr um Ginter, Antonio Rüdiger und Niklas Süle.

Leno musste auch gegen den Wolfsburger Renato Steffen (26.) und den Schweizer Kapitän Granit Xhaka (44.) retten. Seferovic setzte einen Schuss, der abgefälscht wurde, auf das Tornetz (35.), zudem traf er den Außenpfosten (42.). Dem deutschen Mittelfeld fehlte in dieser Phase der Zugriff, um die entscheidenden Pässe vor den Torchancen zu verhindern.

Der DFB-Elf eröffneten sich durch das Powerplay der Schweizer, die am Donnerstag mit 1:2 in der Ukraine verloren hatten, aber immer wieder auch Kontersituationen. Julian Draxler hätte nach Zuspiel von Timo Werner erhöhen müssen, der Schuss des herangerauschten PSG-Profis ging aber direkt auf Sommer (31.). Dennoch rief Löw nach der Aktion laut: «Sehr gut!» Draxlers Schuss in der 52. Minute rauschte vorbei.

«Saubere Pässe», forderte Löw zur Mitte der zweiten Halbzeit von seinen Spielern. Gerade als das DFB-Team die Partie in den Griff zu bekommen schien, erzielte Widmer den Ausgleich, dem ein böser Fehler des für Sané eingewechselten Julian Brandt vorausging. Die gesamte deutsche Abwehr ließ den Schweizern zu viel Raum, bei Widmers Schuss kam Außenverteidiger Robin Gosens zu spät. Für Süle kam nach gut einer Stunde Jonathan Tah. In der Offensive ging nicht mehr viel.

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Feuilleton

Haydns «Schöpfung» – Erstes Chorkonzert seit Corona

Die Corona-Pandemie hat die klassische Musik ausgebremst und vor allem freie Musiker in Existenznot gebracht. In Dortmund findet jetzt erstmals wieder ein großes Chorkonzert statt. Das treibt auch Profis die Tränen in die Augen.

Der Dirigent Thomas Hengelbrock (vorne, M) probt mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Von Rolf Schraa
Dortmund (dpa) – Klarinettist Florian Schüle hat schon drei mehr oder weniger schmerzhafte Corona-Abstriche hinter sich, in seinem Hotel in Dortmund muss er zwei Meter Abstand von Kollegen und anderen Gästen halten, das Frühstück bekommt der Musiker in einer Tüte vors Zimmer gelegt: Strikte Hygieneauflagen für das bundesweit wohl erste große Chorkonzert seit Beginn der Corona-Pandemie, für das Schüle mit dem renommierten Balthasar-Neumann-Ensemble unter Dirigent Thomas Hengelbrock gerade probt. Am 3. 9. führten die rund 90 Musiker im Dortmunder Konzerthaus mit Chor und Orchester das Oratorium «Die Schöpfung» von Joseph Haydn (1732-1809) auf. «Ich könnte die ganze Zeit heulen, das ist so ein Befreiungsschlag», sagt der 44-jährige aus Pforzheim.

Seit März dieses Jahres können professionelle Chöre wegen der gefährlichen Aerosol-Wolken beim Singen nicht mehr auftreten, für Orchestermusiker gelten strenge Abstandsregeln auf der Bühne und – wenn überhaupt – stark reduzierte Besetzungen. Der gewohnte Orchesterklang ist damit unmöglich, und freiberuflichen Musikern haben die Vorgaben teils sechs Monate ohne Einnahmen und existenzielle Einschränkungen gebracht. «Klar, wir leben von den Ersparnissen», sagt etwa die Neumann-Chor-Sopranistin Dorothee Wohlgemuth – vor allem, wenn – wie bei ihr – auch der Mann Musiker ist.

«Ich kenne Künstler, die derzeit nebenbei im Call-Center arbeiten», sagt der Dortmunder Intendant Raphael von Hoensbroech. Für professionelle Chorsänger gelte de facto derzeit ein Berufsverbot, das nicht nur ihre Finanzen, sondern ihre gesamte künstlerische Existenz angreife.

Um dagegen ein Zeichen zu setzen, hat von Hoensbroech sein Haus geöffnet für Hengelbrocks Ensemble und dessen besonderes Corona-Konzertkonzept, das mit Unterstützung aus der Berliner Charité entwickelt wurde und sich an der Praxis des Profi-Fußballs orientiert: Drei bis vier Abstriche für jeden Musiker, strenge Separierung im Hotel, vier Meter Mindestabstand zum Publikum – dafür aber keine Sicherheitsabstände auf der Bühne mehr, da alle Musiker immer wieder getestet werden.

Aufgrund der vielen Tests sei alles sicher, versichert Hengelbrock. «Wir sind keine Hasardeure.» Und ohne zwei Meter Abstand auf der Bühne klängen etwa die Bläsergruppen endlich wieder wie vom Komponisten gedacht, sagt der Musiker, der 2017 das Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie dirigiert hatte. «Wir müssen die Welt, die derzeit so zerborsten scheint, mit unserer Musik heilen.» Musiker dürften nicht in der Hoffnungslosigkeit versinken angesichts einer möglicherweise noch langen Pandemie. Mit dem Konzert wolle er auch anderen Chören Mut machen und ein Beispiel geben, sagt Hengelbrock.

Denn die Corona-Krise der klassischen Musik wirkt sich bundesweit aus: Die rund 9500 fest angestellten Musiker der 129 Berufsorchester in Deutschland seien in der Krise auch durch Kurzarbeitergeld noch relativ gut abgesichert, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens. Aber Orchester in freier Trägerschaft könnten mangels ausreichender Zuhörerzahlen derzeit kaum spielen. Die Berufsvereinigung kritisiert vor allem strikte Obergrenzen – egal wie groß das Haus ist. Sie hält mit Abstand und Maske die Nutzung mindestens jedes zweiten Platzes für möglich.

Das Dortmunder Konzerthaus bietet am Donnerstag 790 von 1550 Plätzen an, die Warteliste für Karten ist lang – und dennoch wird das Konzert ein fünfstelliges Defizit erwirtschaften, sagt Intendant von Hoensbroech. Die Musiker verzichteten auf einen Teil des Honorars, ein Sponsor springe ein, und die Kosten für die zahlreichen Coronatests übernehme ein weiterer Unterstützer.

Haydns 1798 in Wien uraufgeführte «Schöpfung» sei wie geschaffen für den Versuch, mit einem Kunstwerk die Dunkelheit der Zeit bei Musikern und Publikum zu überwinden, sagt der Intendant: «Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht!» heißt es in der bekannten Anfangspassage des Chors – dann folgt der triumphale Einsatz des Orchesters im Fortissimo mit Gänsehautgarantie, der das Chaos der Vorzeit überwindet.

«Endlich bekommen wir unser Lebenselixier zurück», sagt Sopranistin Wohlgemuth.

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Gesundheit

Brotzeit: Warum ist Vollkorn besser?

Brotliebhaber haben heutzutage die Qual der Wahl: Während das Weißbrot einen schlechten Ruf hat, gilt Vollkornbrot als gesund. Doch nicht jedes ist gleichermaßen bekömmlich.

Von Farbe und Form sollte man sich bei der Auswahl aber nicht 
täuschen lassen – der Inhalt der Backwaren zählt.                                  Foto: Paul Knecht/dpa 

Von Bernadette Winter
Bonn (dpa) – Lieber eine Vollkorn-Schnitte als ein Toast: Das empfehlen viele Ernährungsexperten, und zwar nicht ohne Grund. Doch Weißbrot hat auch Vorzüge – zu viel sollte es aber nicht sein.

Fakt ist: Wer Vollkornbrot isst, wird dank der vielen Ballaststoffe rascher satt. «Sie füllen den Magen, ohne viel Kalorien zu liefern», erklärt die Ökotrophologin Maike Groeneveld aus Bonn.

Ballaststoffe können laut Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) dazu beitragen, das Risiko für einen Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Dickdarmkrebs und auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.

Vollkorn muss innen nicht körnig sein
Gut zu wissen: Der Begriff Vollkorn sei gesetzlich geschützt, so Restemeyer. Laut Lebensmittelbuch müssen in diesem Fall 90 Prozent des verwendeten Getreides aus Vollkorn sein.

Echtes Vollkornbrot besteht zwar aus dem gesamten Korn, das vermahlen wird. Das heißt aber nicht, dass das Innere des Laibs körnig ist oder man Körner sieht. Es kann ganz fein vermahlen sein.

Optik ist aber nicht alles: «Lassen Sie sich von der Farbe nicht täuschen», warnt DGE-Expertin Restemeyer. Eine dunklere Färbung könne durch zugesetzte Malzextrakte entstehen. «Das wird gerne mit Vollkorn verknüpft, ist aber in diesem Fall oft Zuckerkulör», erklärt die Diätassistentin Claudia Krüger aus Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen).

Also am besten genau hinschauen: Bei echtem Vollkornbrot steht der Begriff «Vollkorn» auf der Verpackung. In der Zutatenliste steht Vollkornmehl an erster Stelle der Zutaten. Beim Bäcker können Sie darauf achten, was an der Auslage steht.

Bekömmlicher durch Sauerteigverfahren
Verbraucher können sich auch erkundigen, ob traditionelle Fermentationsverfahren zur Anwendung gekommen sind. Das Brot wird so bekömmlicher. «Durch das Sauerteigverfahren hat der Teig länger Zeit, sich zu entwickeln», erklärt Groeneveld.

Studien hätten gezeigt, dass dadurch Stoffe, die bei manchen Menschen Bauchschmerzen und Blähungen auslösen, abgebaut werden, führt die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) aus.

Für die Expertinnen ist Dinkel-Vollkornbrot der Gesundheits-Champion und mit seinem Geschmack auch für Kinder gut geeignet. Je feiner das Mehl gemahlen ist, desto bekömmlicher ist es für den Magen. Dagegen wird laut Restemeyer frisches, noch warmes Brot häufig nicht gut vertragen. Grobe, also wasserunlösliche Ballaststoffe können zu Bauchweh und Blähungen führen, ergänzt Diätassistentin Krüger.

Weißbrot schont den Magen
Wer viel Vollkornbrot isst, sollte ausreichend trinken, rät Restemeyer. Außerdem gilt es, das Brot gut zu kauen. Haben Sie bisher ausschließlich Weißbrot gegessen, gewöhnen Sie ihren Magen-Darm-Trakt am besten langsam an das volle Korn.

Weißbrot, das größtenteils aus Weizenmehl besteht, hat für die meisten nämlich einen Vorteil gegenüber dem vollkörnigen Bruder: Nach einer OP, einer Magen-Darm-Grippe oder bei chronischen entzündlichen Darmerkrankungen vertragen sie Weißbrot, Toast oder Zwieback besser.

Wie viel Brot am Tag ist Ordnung?
Bei vielen gibt es jeden Tag traditionell Abendbrot. Aus gesundheitlicher Sicht spricht nichts dagegen. «Die Low Carb-Welle macht den Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie abends ein Butterbrot essen», meint Krüger. Das sei jedoch unnötig. «Aber mindestens die Hälfte des Brotes am Tag sollte Vollkorn sein.»

Groeneveld empfiehlt, zur Brotmahlzeit stets etwas Gemüse zu essen – Paprika, Radieschen, Tomaten oder Möhrenstreifen zum Beispiel. Auch Salat sei eine gute Ergänzung.

Die DGE gibt vier bis sechs Scheiben Brot, also 200 bis 300 Gramm pro Tag, als Orientierungswert an – oder drei bis fünf Scheiben (150 bis 250 Gramm) und 50 bis 60 Gramm Getreideflocken.

Zum Vergleich: Eine Scheibe Vollkornbrot von 50 Gramm liefert 99 Kilokalorien (kcal) und vier Gramm Ballaststoffe. Um das mit Toast zu erreichen, müsste man vier Scheiben à 30 Gramm essen, was dann jedoch mit 312 kcal zu Buche schlägt. Wer sich an den Wert orientieren möchte, sollte außerdem Brot nicht mit Brötchen gleichsetzen. «Ein Vollkornbrötchen kann zwei Scheiben Brot entsprechen», erklärt Krüger, «weil für Brötchen oft die doppelte Mehlmenge verwendet wird.»

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Reise

Große Änderung bei Lufthansa:
Was Kunden nun kostenlos tun können

Lufthansa-Kunden können ihre Tickets bis Jahresende kostenlos umbuchen.
       Foto: Silas Stein/dpa

                

Frankfurt/Main (dpa) – Die Lufthansa verzichtet in der Corona-Pandemie darauf, von ihren Kunden bei Umbuchungen zusätzliche Gebühren zu verlangen. In sämtlichen Tarifen könnten Tickets bis Jahresende mehrfach gebührenfrei auf ein anderes Datum oder ein anderes Reiseziel umgebucht werden, teilte das Unternehmen mit. Man komme damit den Kunden bei der flexiblen Reisegestaltung noch weiter entgegen. Bislang war unter dem Eindruck der Pandemie eine einmalige Umbuchung kostenfrei gestellt worden. Die neue Regelung gelte weltweit sowohl bei Kurz-, Mittel- als auch bei Langstrecken für alle Neubuchungen bei den Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian und Brussels. Nachzahlungen könnten sich erst ergeben, wenn bei dem neuen Flug die ursprüngliche Buchungsklasse nicht mehr verfügbar sei.

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Forscher: Omas
Parfüm als Stern

Eine Frau nimmt Parfüm der Duftwassermarken „4711 Echt Kölnisch Wasser“ aus dem Regal. Kölner Physiker haben einen ungewöhnlichen Stern nach einem sehr bekannten Parfüm benannt. Foto: Oliver Berg/dpa

Köln (dpa) – Kölner Physiker haben einen ungewöhnlichen Stern nach einem sehr bekannten Parfüm benannt. Der Stern S4711 hat die kürzeste jemals beobachtete Umlaufzeit um das Schwarzes Loch – Sagittarius A* – im Zentrum der Milchstraße, schreiben Forscher um Florian Peißker im «Astrophysical Journal». Der Stern sei bei der Datenanalyse an der Universität zu Köln entdeckt worden. Das habe man mit dem Namen «S4711» unterstreichen wollen, sagte Peißker der Deutschen Presse-Agentur. 4711 Echt Kölnisch Wasser war vor allem in der Nachkriegszeit ein weltweit gefragtes Parfüm. Seine Oma habe es auch immer benutzt, «weshalb ich positive Erinnerungen damit verbinde», sagte Peißker. Peißker und sein Forscherkollege Andreas Eckart fanden S4711 mit dem «Very Large Telescope» in Chile. «Wir haben insgesamt fünf Sterne entdeckt», sagte Peißker.

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Aus Allen Staaten

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Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Tunnelweltmeister Schweiz feiert – Blick auf tolle Tunnel weltweit

Die Schweiz wäre riesig, wenn das Gelände nicht so aufgefaltet wäre, lautet ein Scherz. Um trotz Bergen gutes Durchkommen zu haben, sind die Schweizer Tunnelmeister. Sie feiern jetzt eine Neueröffnung und ein Jubiläum. Aber tolle Tunnel können auch andere Länder.

Es teilen sich Passanten und Autos den Alten Elbtunnel in Hamburg. Foto: dpa

Von Christiane Oelrich
Genf (dpa) – Als Tunnel-Weltmeister haben sich die Schweizer spätestens 2016 hervorgetan, als sie den längsten Eisenbahntunnel der Welt einweihten: 57 Kilometer führt der Gotthard-Basistunnel unter den Alpen hindurch. Die Berge sind im Nachbarland durchlöchert wie ein Schweizer Käse: Mehr als 550 Auto-, Eisenbahn-, Wasser- und andere Tunnel gibt es schon. Am Freitag wird ein weiteres unterirdisches Bauwerk übergeben – der 15 Kilometer lange Ceneri-Basistunnel im Tessin. Am Samstag (4. September) feiert der alte Gotthard-Straßentunnel 40-jähriges Bestehen. Zeit für einen Blick auf ikonische Tunnelbauwerke.

DER LÄNGSTE EISENBAHNTUNNEL DER WELT: Das ist der 2016 eröffnete Gotthard, mit einer Länge von 57 Kilometern. Autos und Lastwagen werden auf die Schiene gebracht. Personenzüge rauschen teils mit 200 Kilometern in der Stunde hindurch, die Fahrt dauert keine 20 Minuten.

DER LÄNGSTE AUTOBAHNTUNNEL DER WELT: Der Lærdalstunnel in Norwegen ist 24,51 Kilometer lang. Er feiert im November 20-jähriges Bestehen. Der Tunnel verkürzt die Autobahnfahrt zwischen Oslo und Bergen. Er wurde extra kurvig angelegt, damit die Autofahrer nicht ermüden. Alle paar Kilometer gibt es bunt beleuchtete Galerien zur Abwechslung.

DER HÖCHSTGELEGENE TUNNEL DER WELT: Der Punta Olímpica liegt in den Anden in Peru auf gut 4700 Metern. Er wurde 2013 eröffnet. Der Tunnel ist zwar nur rund 1400 Meter lang, aber er verkürzt die Reise zwischen zwei Tälern von neun auf zweieinhalb Stunden.

DER TIEFSTE STRAßENTUNNEL DER WELT: Der Eiksundtunnel in Norwegen liegt 287 Meter unter dem Meeresspiegel, ist acht Kilometer lang und verbindet seit 2008 einige Inselkommunen mit der Westküste. An einer Stelle hat der Tunnel eine Steigung von 9,6 Prozent.  

DER LÄNGSTE UNTERWASSERTUNNEL DER WELT: Von den 50 Kilometern des 1994 eröffneten Eurotunnels verlaufen 37 Kilometer komplett unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien. Am tiefsten Punkt verlaufen die Eisenbahnröhren 75 Meter unter dem Meeresboden.

DER LÄNGSTE FORSCHUNGSTUNNEL DER WELT: Er gehört zum Teilchenbeschleuniger der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) und liegt rund 50 Meter unter dem schweizerisch-französischen Grenzgebiet. Er wurde 2008 eröffnet. Hier gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, im Gegenteil: Protonen schaffen mehr als 11 000 Umrundungen – pro Sekunde.

EINER DER SICHERSTEN TUNNEL DER WELT: Der 2011 eröffnete A86-Duplex-Tunnel in Paris gilt als besonders sicher, weil die Fahrbahnen in die entgegengesetzten Richtungen nicht nebeneinander, sondern übereinander liegen. Der zehn Kilometer lange Tunnel hat ein intelligentes Unfallwarnsystem, bei einem Brand wird automatisch Wassernebel zum Feuerlöschen freigesetzt.

DEUTSCHE REKORDHALTER: Der längste Unterwassertunnel in Deutschland ist der 1975 freigegebene neue Elbtunnel mit gut 3300 Metern, der bei Hamburg unter der Elbe durchführt. Der längste Autobahntunnel ist der Rennsteigtunnel in Thüringen. Er führt seit 2003 unter dem Kamm des Thüringer Waldes hindurch und ist knapp acht Kilometer lang.

ANDERE BERÜHMTE TUNNEL: Der Tunnel des Großen St. Bernhard in der Schweiz war bei der Eröffnung 1964 mit 5,8 Kilometer der erste alpendurchquerende Straßentunnel Europas. Der 11,6 Kilometer lange Montblanc-Tunnel verbindet seit 1965 Chamonix in Frankreich mit Courmayeur im italienischen Aostatal. Der Seikan-Tunnel in Japan ging 1988 als längster Unterwassertunnel an den Start. Er verbindet über gut 53 Kilometer die Inseln Honshu und Hokkaido. Weil die Strecke aber nur gut 23 Kilometer unter Wasser liegt, wurde er 1994 vom Eurotunnel überholt.

DER SCHÖNSTE TUNNEL DER WELT (sagen zumindest die Hamburger): Der Alte Elbtunnel, der seit 1911 St. Pauli mit dem Hafengebiet in Steinwerder verbindet. Die 426,5 Meter können zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden, in die Tiefe geht es mit einem Fahrstuhl. Autos können theoretisch mit hydraulisch betriebenen Fahrkörben in die Tiefe gebracht werden, aber der Autoverkehr ist bis auf weiteres ausgesetzt. Zum 100-jährigen Bestehen wurde der Tunnel mit dem Titel «Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland» ausgezeichnet.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

wäre – would be
riesig – gigantic
Gelände – country
aufgefaltet – folded up
Scherz – joke
Tunnelmeister – master tunnel builders
Weltmeister – world champions
hervorgetan – excelled
einweihten – dedicated
durchlöchert – bored through
unterirdisches – subterranean
übergeben – handed over
jähriges Bestehen – anniversary of its completion
rauschen – rush
verkürzt – shortens
angelegt – laid out
ermüden – get fatigued
Abwechslung – change of pace
unter dem Meerespiegel – below sea level
verbindet – connects
Steigung – gradient
verlaufen – runs
Ärmelkanal – English Channel
Eisenbahnröhren – train tunnels
Teilchenbeschleuniger – particle accelerator
Kernforschung – nuclear research
Grenzgebiet – border region
Geschwindigkeitsbegrenzung – speed limit
Protonen – protons
Umrundungen – circuits
entgegengesetzten – opposing
Richtungen – directions
übereinander – above one another
Brand – fire
Wassernebel – water mist
Feuerlöschen – extinguish the fire
freigesetzt – released
Kamm – ridge
knapp – scant
überholt – surpassed
bewältigt – managed
Fahrstuhl – elevator
betriebenen – driven
Fahrkörben – lift cage
ausgesetzt – suspended
Wahrzeichen – landmark
Ingenieurbaukunst – feat of engineering

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*