13. April 2019 Selected Articles

Aus Aller Welt / Sport / Feuilleton / Gesundheit / Reise / Tipps und Trends

Aus Aller Welt

Das «von» ist tabu: Österreichs Kampf gegen klangvolle Namen

Österreichische Flaggen sind vor dem österreichischen Parlament zu sehen. In Österreich sind seit 100 Jahren alle Adelstitel und Namen, die auf adelige Herkunft verweisen könnten, tabu. Das Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 war eine Reaktion der Republik auf das Ende der Monarchie. Niemand sollte ein Privileg genießen, und sei es das eines vielleicht klangvolleren Namens. Das «Van» ist dem «von» sehr ähnlich. Foto: dpa

Die Österreicher lieben Titel: Hofrat, Generaldirektor, Kammersänger, Kommerzialrat, Obermedizinalrat. Aber bei Namenszusätzen, die durch Geburt erworben wurden und nach Adel klingen, hört der Spaß auf.

Von Matthias Röder
Dornbirn (dpa) – Am Telefon meldet sich Niklaus von Steiger ganz bewusst mit seinem Namenszusatz. «Das “von” ist Teil meines Namens», sagt der Schweizer, der mit einer österreichischen Frau verheiratet ist. Und das ist das Problem: Nach dem Jawort 2017 wollte seine Frau den Namen Christel Troll von Steiger führen. Das Standesamt habe zuerst mündlich keine Probleme gesehen, aber nachträglich «Nein» zum «von» gesagt, so von Steiger.

In Österreich sind seit 100 Jahren alle Adelstitel und Namen, die auf adelige Herkunft verweisen könnten, tabu. Das Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 war eine Reaktion der Republik auf das Ende der Monarchie. Niemand sollte ein Privileg genießen, und sei es das eines vielleicht klangvolleren Namens.

Was in Deutschland oder auch im restlichen Europa meist kein Problem ist – ein «von», ein «de», ein «di» – wird in Österreich mit teils kaum gekannter Konsequenz bekämpft. Sollte das so weitergehen, gerät möglicherweise auch der Name des Staatsoberhaupts ins Visier: Alexander Van der Bellen. Das «Van» ist dem «von» sehr ähnlich.

«Ein “von” wird überhaupt nicht mehr erlaubt», sagt der Wiener Rechtsanwalt Clemens Grünzweig, der für mehrere Mandanten vergeblich um deren Namen gekämpft hat. Erst 2018 hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) als oberste Instanz in einem Verfahren um den Namen «von der Alm» entschieden, dass auch reine Herkunftsbezeichnungen nicht mehr erlaubt sind. Das Gericht habe die Grenze weiter gezogen, als man sie nach dem 100 Jahre alten Gesetz hätte vermuten können, sagt der stellvertretende Generalsekretär des VfGH, Stefan Frank. «Ein Name, der in österreichischen Ohren nach Adel klingt, ist nicht erlaubt.»

Die neue Schärfe des Rechts und das Vorgehen der Standesämter hat den 62 Jahre alten Tierarzt von Steiger aus Dornbirn auf den Plan gerufen. Er hat die Facebook-Gruppe «Adelsaufhebungsgesetz» gegründet und will damit Druck erzeugen. Er geht von rund 2000 Österreichern aus, die noch ein «von» im Namen tragen. «Unser Ziel ist eigentlich die Revision des antiquierten Gesetzes», sagt er kämpferisch und hofft auf eine Beschwerdeflut. Dabei gehe es ihm nicht um irgendwelche Adels-Privilegien, sondern ganz schlicht um das Recht auf den angestammten Namen. Gerade ältere Menschen seien getroffen, wenn sie ihren Namen ändern müssten. Aktuell sieht es nicht gut aus. Seines Wissens nach laufen viele Namensberichtigungsverfahren.

Bei seiner Frau Christel sei der alte Reisepass sofort eingezogen worden, als sie um ein neues Dokument mit neuem Namen angesucht habe, so von Steiger. Da die 66-Jährige nicht auf das «von» ihres Mannes verzichten wolle, habe sie bis heute keinen neuen Pass.

Gerade bei binationalen Ehen auch mit Deutschen kann Österreichs Anti-Adels-Kampf zu Verwicklungen führen: Der deutsche Mann ist ein «von», seine österreichische Frau keine «von», die Kinder dürfen wieder «von» heißen – sofern sie einen deutschen Pass besitzen. «Wenn die Kinder nicht den absolut gleichen Namen wie die Mutter haben, dann gibt es bei Buchungen für Flüge und Hotels sowie an der Grenze immer ein Problem», meint von Steiger.

Auch der Enkel des letzten Kaisers, Karl Habsburg, ist von dem Gesetz, das im Verfassungsrang steht, betroffen. Auf seiner Homepage wagte er ein «Karl von Habsburg». Der Magistrat der Stadt Wien ging dagegen vor und er wurde 2018 zur Zahlung von 70 Euro Geldbuße aufgefordert. Dagegen wehrte sich der 58-Jährige. Das Gesetz gehöre auf «die Müllhalde der Geschichte», befand er jüngst. Das Verwaltungsgericht Wien machte in seinem Urteil von Mitte März jedenfalls klar, dass das «von» nicht infrage kommt. Aber wie die Strafe auszufallen habe, sei gegebenenfalls von der nächsten Instanz zu klären. «Die grundsätzliche Frage ist, wie mit der Vollzugsanweisung, also der Strafhöhe, umzugehen ist», sagt die Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts Wien, Beatrix Hornschall.

Der Ärger und die Behördenkosten für neue Dokumente übersteigen jedenfalls die aktuell drohenden Verwaltungsstrafen. Die hat das Gesetz von 1919 mit 20 000 Kronen angesetzt – das sind heute etwa 14 Cent. Allerdings wurde der Betrag 1927 in Schilling umgerechnet und 1948 auf 4000 Schilling (rund 260 Euro) erhöht. 2017 scheiterte ein Vorstoß der Grünen, die Strafen zu verschärfen. Laut Zeitung «Die Presse» hat 2007 ein selbst ernannter «Freiherr» tatsächlich eine Strafe von zehn Cent bekommen.

Unüberhörbar ist dennoch die Liebe der Österreicher zumindest zu akademischen und beruflichen Titeln. So wird selbst der akademisch wenig aufregende «Magister» gern mit diesem Titel vorgestellt. Tische im Restaurant werden für den «Herrn Hofrat» reserviert und ein Obermedizinalrat ist ein vom Gesundheitsministerium ernannter Spitzenmediziner.

Aus Sicht von Anwalt Grünzweig könnte die Sache mit den angeblich adeligen Namenszusätzen spannend werden, wenn sich der VfGH höchstrichterlich mit dem «de» oder dem «di» befassen muss. «Wenn ein “de” verboten würde, müsste dies jedenfalls aufgrund der Gleichbehandlung auch für das niederländische “van” gelten», meint von Steiger mit Blick auf den Bundespräsidenten.

Top

Sport

Triumphe, Skandale, Draufgänger am Limit: Formel 1 vor 1000. Rennen

999 Rennen. Fast 70 Jahre Formel 1. Geschichten und Anekdoten, die Bücher füllen. Hass-Duelle, Skandale, Rekorde, Kuriositäten. Eine Reise durch die Motorsport-Königsklasse, die lange vor allem eines war: Lebensgefährlich.

ARCHIV – 18.09.2014, Singapur: Der damalige Formel 1-Boss Bernie Ecclestone läuft durch die Boxengassse auf der Marina Bay Formel-1-Rennstrecke. Foto: dpa

Von Jens Marx
Shanghai (dpa) – Kurz vor dem Start herrscht höchste Anspannung. Es ist anders als heute. Die Formel 1 ist viel gefährlicher – lebensgefährlich. «Wenn man damals am Start stand, musste man praktisch immer damit rechnen, dass einer oder zwei wieder dran sein würden», erinnert sich Hans Herrmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an die Anfänge der Königsklasse.

Herrmann ist 91 Jahre alt, vor rund 65 Jahren saß er am Steuer eines Silberpfeils. Der Schwabe fuhr in den 1950er Jahren an der Seite eines Juan Manuel Fangio oder Stirling Moss. Die heutigen Autos, mit denen Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und der Rest der PS-Auserwählten am Sonntag in Shanghai den 1000. Grand Prix fahren, sind Herrmann ein bisschen suspekt: zuviel Technik, zuviel Elektronik. Als Hamilton ihm bei einem gemeinsamen PR-Auftritt für Mercedes den Silberpfeil der jüngsten Generationen anbietet, lehnt Herrmann dankend ab. «Da setz’ ich mich nicht rein, ich weiß doch gar nicht, was ich mit den Knöpfen machen soll», erzählt Herrmann. 

Die Lenkräder heute sind Mini-Computer, die Rennwagen hochkomplex. Fast 70 Jahre und weit über 900 Rennen sind vergangen seit den ersten Formel-1-Runden. Eine Geschichte von Helden und großen Duellen, von Tod und Trauer, von Skandalen, Rekorden und viel Geld.

DER ERSTE SIEGER
Am 13. Mai 1950 ist es soweit: Das erste Formel-1-Rennen. Giuseppe Farina siegt in Silverstone vor seinem italienischen Landsmann Luigi Fagioli und dem Briten Reginald Parnell. Farina krönt sich auch zum ersten Weltmeister. Die Saison 1950 besteht aus sieben Rennen, heute sind es dreimal mehr pro Jahr. Der Sieger bekommt 1950 nicht wie heute 25 Zähler, sondern acht Punkte. Schon damals gehören Monaco, Monza und Spa-Francorchamps zum Rennkalender. Am 29. Juli 1951 feiert die Formel-1-WM auf dem Nürburgring Premiere, neben dem Hockenheimring und der Avus einer von bisher drei deutschen Rennorten. 

SPANNUNG AUF KNOPFDRUCK
Spannung wird heute mit den hochgezüchteten Rennwagen auch auf Knopfdruck erzeugt. Die Autos sind es, die vor allem über Sieg und Niederlage entscheiden. «Früher konnte ein hervorragender Fahrer auch mit einem nicht ganz so guten Auto gewinnen. Das ist heute nicht mehr möglich», meint Herrmann.

Die Autos werden schneller, besser, aber das Überholen schwerer. Also muss nachgeholfen werden wie mit dem DRS – einer beweglichen Klappe am Heckflügel. Ist sie runtergeklappt, verringert sich der Luftwiderstand, der Wagen wird schneller und kann leichter überholen. Allerdings nur in bestimmten Zonen auf der Strecke und wenn der Abstand zum Vordermann maximal eine Sekunde beträgt. Früher saugten sich die Fahrer im Windschatten an und rasten am Vordermann vorbei.

Technisch seien die Autos mittlerweile das Beste, was es gebe, sagt der viermalige Weltmeister Alain Prost. Sie seien aber steril, das Gefühl sei verloren gegangen, betont der Franzose in einem Interview des «Kicker». Prost gehört in den 1980er und 1990er Jahren zu den Superstars der Szene und prägt eines der legendärsten Stallduelle.

GROßE DUELLE MIT HASSFAKTOR
Es ist die Mutter aller Hassduelle: Prost gegen Ayrton Senna, die Ende der 1980er beide für McLaren fuhren. Sie bekämpfen sich mit allen Mitteln. 1989 schießen sie sich in Japan von der Strecke. Prost wird zum vierten Mal Weltmeister, Senna nach dem Rennen disqualifiziert.

Acht Jahre später rammt Michael Schumacher in Jerez den Kanadier Jacques Villeneuve von der Strecke. Alle Saisonpunkte werden ihm aberkannt, der erste WM-Triumph im Ferrari ist dahin. Schumacher muss noch weitere zwei Jahre warten, 1998 und 1999 triumphiert der Finne Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes. Ein fesselnder Zweikampf. «Die waren nie gefährdet, den Urlaub gemeinsam zu verbringen. Aber sie haben sich auf Augenhöhe respektiert», sagt Norbert Haug, damals Mercedes-Motorsportchef.

Ob im Duell um den Titel oder gegen den ersten Gegner, den eigenen Teamkollegen – auch Sebastian Vettel und Lewis Hamilton können ihre Geschichten erzählen. 2010 gerät Vettel in Istanbul im Red Bull mit seinem Teamkollegen Mark Webber aneinander, beide scheiden aus.

Hamilton lässt sich 2007 bei McLaren als Formel-1-Debütant auf einen heftigen Stallkrieg mit dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso ein. Bei Mercedes endet die einst so gepriesene Freundschaft von Nico Rosberg und Hamilton mit diversen Eskapaden und auch mal einem Total-Aus der beiden Silberpfeile in Spanien vor drei Jahren.

RIVALITÄT MIT HOLLYWOODFAKTOR
Ein Fahrer, der einen Feuerunfall in der «Grünen Hölle» wie durch ein Wunder überlebt und sechs Wochen später schon wieder im Rennwagen Gas gibt und um die WM mitfährt – Niki Laudas Schicksal wäre eigentlich schon ausreichend für ein Drehbuch. Es geht aber noch besser, wenn der Gegenspieler ein Draufgänger und Playboy ist: James Hunt.

Ein einzigartiges Duell, das unter dem Titel «Rush» auch von Hollywood verfilmt wird. Lauda wird 1975 Weltmeister. 1976 verunglückt er auf der gefährlichen Nordschleife des Nürburgrings, um die seither die Formel 1 einen weiten Bogen macht.

Lauda erleidet schwerste Verbrennungen, in Monza sitzt er schon wieder im Ferrari. Das WM-Duell verliert er aber gegen Lebemann Hunt, weil er im Finale in Japan bei strömendem Regen den Wagen vorzeitig in die Box steuert und aufgibt. Die Vernunft siegt. Lauda war als WM-Führender angetreten. 1977 holt der Österreicher Titel Nummer zwei, der dritte folgt 1984. Losgelassen hat ihn die Formel 1 nie. Seit September 2012 ist Lauda Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams.

SCHWARZES WOCHENENDE
Es sind zwei Tage, die die Formel 1 verändern. Am 30. April 1994 verunglückt der Österreicher Roland Ratzenberger in der Qualifikation zum Großen Preis von San Marino tödlich. Einen Tag später stirbt auf der Strecke in Imola auch Senna, die brasilianische Rennikone, der dreimalige Weltmeister. Michael Schumacher fährt damals unmittelbar hinter Senna, als dieser in der Tamburello-Kurve von der Strecke abkommt. Angetrieben vom Kerpener forciert die Formel 1 danach die Sicherheitsmaßnahmen für die Fahrer.

DIE ÄRA ECCLESTONE
Einer, der all das miterlebt, ist Bernie Ecclestone. In den 1970er Jahren erwirbt der ehemalige Gebrauchtwagenhändler die TV- und Vermarktungsrechte an der Formel 1, eine neue Zeitrechnung beginnt. Die Königsklasse des Motorsports entwickelt sich unter Ecclestone zum Milliarden-Unternehmen, das immer neue Märkte erschließt. Von China bis Abu Dhabi, von Russland bis Texas. Moralische Bedenken liegen Ecclestone dabei bisweilen ziemlich fern. In Ex-Weltverbandschef Max Mosley findet der Brite über viele Jahre einen willigen Partner, mit dem er schlaue und nicht selten auch krumme Deals einfädelt. Im Januar 2017 endet nach Jahrzehnten die Ära Ecclestone, er wird von den neuen US-Besitzern Liberty Media als Geschäftsführer abgesetzt.

VON SKANDALEN UND AFFÄREN
Auch das Münchner Landgericht spielt eine Rolle in der Geschichte der Formel 1. Ecclestone muss sich hier in einem Bestechungsprozess verantworten, im August 2014 wird das Verfahren gegen eine Geldauflage von 100 Millionen US-Dollar ohne Urteil beendet.

An Skandalen ist die Formel-1-Historie reich. 2007 führt die Rennserie sogar einen Agenten-Thriller auf. Der damalige Ferrari-Logistikchef Nigel Stepney schickt dem damaligen McLaren-Ingenieur Mike Coughlan angeblich 780 Seiten geheimer Daten. «Wer die Papiere hatte, wusste alles über Ferrari», schreibt das Magazin «auto, motor und sport».

Weil Coughlans Frau in einem Copyshop die Papiere offenbar vervielfältigen wollte, fliegt alles auf. Der Laden-Besitzer soll Ferraris damaligen Teammanager Stefano Domenicali informiert haben. McLaren-Fahrer Fernando Alonso sagt gegen seinen eigenen Rennstall aus, der Weltverband verhängte die Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen US-Dollar.

Apropos Alonso. In Singapur kracht Nelson Piquet Junior 2008 in die Leitplanken. Auf dem engen Stadtkurs kann das passieren. Durch den Unfall des Brasilianers und die anschließende Safety-Car-Phase kann sein Renault-Teamkollege Alonso das erste Nachtrennen in der asiatischen Metropole gewinnen. Wie sich später herausstellt, war der Unfall fingiert. Die Verantwortlichen: Flavio Briatore, damals Teamchef von Renault und Pat Symonds, der Technikchef. Beide werden gesperrt – und später begnadigt.

DIE RÜCKKEHR DES BESTEN
Zur Saison 2010 kehrt der Meister zurück. Sieben Titel und 91 Rennsiege hat Michael Schumacher da schon auf dem Konto. Ende 2006 war er zurückgetreten, er fühlte sich leer. Die glorreiche Zeit im Ferrari war vorbei. Er hatte die Scuderia 2000 nach 21 Jahren zurück auf den Fahrerthron geführt. Vier weitere Titel nacheinander folgten. Eine bisher unerreichte Ära.

2009 will der Rekordweltmeister schon für den verunglückten Felipe Massa einspringen, die Folgen eines Motorradunfalls verhindern die Rückkehr ins Cockpit noch. Im Frühjahr 2010 ist es soweit: Schumacher fährt in Bahrain sein erstes Rennen nach dreieinhalb Jahren. Diesmal für Mercedes. Ein Sieg gelingt Schumacher nicht mehr im zweiten Karriere-Abschnitt. Er gewinnt dafür Sympathien, ist lockerer, entspannter als früher, wenngleich immer noch voll auf Erfolg getrimmt. An seiner Seite wächst auch Nico Rosberg, der dann 2016 den WM-Titel holt. Es ist der zwölfte für einen deutschen Fahrer.

VETTELS KAMPF UM DIE SCHUMACHER-NACHFOLGE
Fangio prägt seine Zeit, Prost, Senna, Schumacher auch. Sebastian Vettel holt von 2010 bis einschließlich 2013 vier Mal den Titel. Da fährt der Heppenheimer für Red Bull. Danach beginnt die Ära von Mercedes und Hamilton. Wenn Vettel und Hamilton an diesem Sonntag in Shanghai in die Startaufstellung rollen und die Ampeln noch rot leuchten, wird wieder höchste Anspannung herrschen. Aber eine andere als in den Anfangsjahren. «Früher war es sehr hohes Risiko, wenig Gage. Heute ist sehr hohe Gage und kein Risiko», sagt PS-Veteran Hans Herrmann. Es ist kein Vorwurf. Es ist eine Feststellung

Top

Feuilleton

Neue Gewandhaussaison: Von Clara Schumann bis Brahms

Das Leipziger Gewandhausorchestra. Foto: dpa

Leipzig (dpa) – Das Leipziger Gewandhaus will in der Saison 2019/2020 neben den Klassikern selten gespieltes oder vergessenes Repertoire bieten. Dazu zähle Clara Schumann, deren 200. Geburtstag 2019 gefeiert wird, oder auch eine Reihe zum wiederentdeckten Komponisten Mieczyslaw Weinberg, sagte Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons am Dienstag in Leipzig. Die Schwergewichte wie Bach, Brahms oder Beethoven seien natürlich fest in der DNA des Orchesters verankert. Aber zur Tradition des Hauses gehörten auch Entdeckungen. Das Gewandhaus plant in seiner 239. Spielzeit insgesamt 227 Veranstaltungen.

Top

Gesundheit

Speiseröhrenkrebs-Risiko steigt durch heißen Tee

Trinken sehr heißer Getränke bei über 65 Grad Celsius“ ist möglicherweise krebserregend. Foto: dpa

Teheran/London (dpa) – Sehr heißer Tee kann die Entstehung von Speiseröhrenkrebs fördern: Wer regelmäßig mehr als 0,7 Liter Tee bei einer Temperatur von mindestens 60 Grad trinkt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom in der Speiseröhre zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung von Farhad Islami von der Teheran University of Medical Sciences in Teheran (Iran), die im „International Journal of Cancer“ vorgestellt wird.

Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gibt es schon länger. Deshalb stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) das „Trinken sehr heißer Getränke bei über 65 Grad Celsius“ als „möglicherweise krebserregend“ ein. Auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) warnt auf seiner Internetseite im Zusammenhang mit Speiseröhrenkrebs vor sehr heißen Getränken.
50.000 Iraner nahmen teil.

Die Forscher um Islami präsentieren nun Ergebnisse auf einer sehr großen Datenbasis: Für ihre Untersuchung erhoben sie zwischen 2004 und 2017 Daten von mehr als 50.000 Frauen und Männern in der nordiranischen Provinz Golestan. Wie es den Teilnehmern erging, wurde im Durchschnitt gut zehn Jahre lang nachverfolgt. Neben den genauen Umständen des Teekonsums erfassten die Forscher sozioökonomische Daten und Ernährungsgewohnheiten.

Trainierte Mitarbeiter besuchten dazu die Studienteilnehmer in ihren Wohnungen. Zur Ermittlung der bevorzugten Trinktemperatur wurden jeweils zwei Tassen Tee eingeschenkt. In eine Tasse steckte der Mitarbeiter ein Thermometer. Wenn die Temperatur des Tees auf 75 Grad Celsius gesunken war, wurden die Teilnehmer gebeten, von dem Tee zu trinken. War ihnen der Tee noch zu heiß, wurden sie bei 70, 65 und 60 Grad erneut gebeten, ihn zu trinken. Die bevorzugte Trinktemperatur wurde notiert. In früheren Studien hatten die Teilnehmer selbst berichtet, wie heiß ihr Tee üblicherweise ist, wenn sie ihn trinken – ein fehleranfälliges Verfahren.

Eindeutige Zusammenhänge
Im Untersuchungszeitraum gab es unter den Teilnehmern 317 Fälle von Plattenepithelkarzinomen, eine der beiden häufigsten Arten von Speiseröhrenkrebs. Nach einer Bereinigung um mögliche andere Einflussfaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum ergaben sich statistisch eindeutige Zusammenhänge zwischen der Temperatur des Tees und dem Krebsrisiko. Dazu passt, dass das Krebsrisiko umso größer war, je kürzer die Zeit zwischen dem Einschenken und dem Trinken bei dem jeweiligen Teetrinker war.

Zur möglichen Ursache schreiben die Forscher, dass die heiße Flüssigkeit Verletzungen verursachen könne, die entzündliche Prozesse im Gewebe der Speiseröhre zur Folge haben. Dabei wiederum könne das Erbgut direkt verändert oder die Bildung krebserregender Substanzen verstärkt werden – mit einem Tumor als möglicher Folge.

Auch Stephen Evans von der London School of Hygiene & Tropical Medicine, vermutet Hitzeverletzungen als Ursache

Top

Reise

Der Tourismus in Tunesien erholt sich

Tunesien will Urlauber in die Wüste schicken: Nach Jahren der Flaute reisen wieder mehr deutsche Touristen in das Land in Nordafrika

Berlin (dpa) – Tunesien feiert als Reiseziel ein Comeback: Deutsche Urlauber besuchen das nordafrikanische Land wieder häufiger. Im Jahr 2018 reisten insgesamt 275 296 Deutsche nach Tunesien. Das war ein Plus von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie Tunesiens Fremdenverkehrsamt mitteilte. Im Jahr 2017 besuchten 181.377 deutsche Gäste das Land. Von alten Rekorden ist das Land am Mittelmeer mit der Ferieninsel Djerba aber noch entfernt: Im Jahr 2010 – und damit vor der Revolution in Tunesien – reisten 458.631 deutsche Besucher ein. 2019 hofft das Land auf 400.000 Gäste aus Deutschland. Tunesien will sich darum bemühen, auch Regionen abseits der Badeorte touristisch zu erschließen. Vor allem der Wüstentourismus in der Sahara soll dabei entwickelt werden.

Top

Senioren: Haben Videospiele therapeutischen Effekt?

In einer Testphase werden Videospiele in Pflegeheimen
ausprobiert. Foto: dpa

Hannover (dpa) – In der virtuellen Welt gelingen ihnen Dinge, die in der Realität nicht mehr klappen: Kegeln, Tanzen, Motorradfahren. Games können positive Effekte auf die Gesundheit von Senioren haben. Ein bundesweites Projekt soll dies jetzt wissenschaftlich belegen.

Neben dem gemeinsamen Singen oder Kochen steht in vielen Pflegeheimen künftig Zocken an der Konsole auf dem Wochenplan. Speziell für ältere Menschen entwickelte Videospiele sollen Gedächtnis, Lebensfreude und Beweglichkeit fördern.

Nun wurde die Spielekonsole „MemoreBox“ eines Hamburger Start-up-Unternehmens in Hannover vorgestellt. Sie wird nach einer Testphase in Hamburg und Berlin jetzt bundesweit in 100 Senioreneinrichtungen eingeführt. Die Krankenkasse Barmer finanziert die Geräte sowie die weitere wissenschaftliche Evaluation.

Drei Mal in der Woche werden in den 100 von der Barmer ausgesuchten Heimen Senioren mit der „MemoreBox“ zocken. Forscher der Berliner Humboldt-Universität kontrollieren regelmäßig mögliche körperliche und geistige Veränderungen sowie ihre Lebenszufriedenheit

Top