13. Februar 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Wiesn-Laune mit Herz und Maß – vielleicht ohne Oktoberfest

HANDOUT – 02.02.2021, Bayern, München: Das Siegermotiv
für das Oktoberfest-Plakat 2021. Das Plakat wurde von der
Grafikdesignerin Maria Elisabeth Dick entworfen.
Foto: Maria Elisabeth Dick/Landeshauptstadt
München/dpa

München (dpa) – Auch wenn völlig offen ist, ob das Oktoberfest angesichts der Corona-Krise dieses Jahr gefeiert werden kann – ein Wiesn-Plakat gibt es schon. Es zeigt vor hellgelbem Hintergrund die üblichen Wiesn-Insignien: Lebkuchen-Herz mit weiß-blauem Rand, Maßkrug, Brezn, Hopfen, darüber zartblaue Olympia-Ringen, eine Anspielung auf die Olympia-Looping-Achterbahn. Am Mittwoch stellte der Wiesnchef und Münchner Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) das Plakat der Grafikdesignerin Maria Elisabeth Dick vor, das eine Jury unter 30 per Publikumsvotum favorisierten Entwürfen ausgewählt hat.

Das Motiv besteche durch handwerkliche Perfektion, Dynamik und frische Farben, lobte Baumgärtner. «Es zeigt viel Herz für die Wiesn und einige unverzichtbare Zutaten für einen gelungenen Wiesn-Besuch.»
Auch im vergangenen Jahr hatte es ein Wiesn-Plakat sowie einen Wiesn-Maßkrug gegeben – obwohl das größte Volksfest der Welt coronabedingt abgesagt werden musste.

Die Wiesn würde vom 19. September bis zum 2. Oktober stattfinden – sofern die Corona-Lage es zulässt. «Wir planen sie auf jeden Fall – und wir sind hoffnungsvoll, dass sie dieses Jahr stattfinden kann», sagte Baumgärtner. Die Entscheidung darüber soll möglicherweise im April, spätestens aber im Juni fallen.
Seit 1952 veranstaltet die Landeshauptstadt einen Wettbewerb, bei dem Entwürfe für das offizielle Oktoberfestplakat eingereicht werden können.

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Sport

Wintereinbruch stoppt Bundesliga-Fußball – «Einfach zu viel Schnee»

Bundesliga, Arminia Bielefeld – Werder Bremen, 20. Spieltag, Schüco Arena. Blick in das völlig verschneite Stadion. Foto: dpa

Bielefeld (dpa) – Der massive Wintereinbruch hat teils auch den Profi-Fußball in Deutschland gestoppt. Im besonders betroffenen Ostwestfalen wurden am Sonntag zwei Spiele abgesagt: In der Bundesliga das Duell Arminia Bielefeld gegen Werder Bremen, in Liga zwei die Partie des SC Paderborn gegen den 1. FC Heidenheim.

Schon am Morgen war die Bielefelder Schüco Arena völlig verschneit. Arminia-Mitarbeiter versuchten noch, das bedeckte Spielfeld mit Schneeschaufeln zu befreien. Doch dann kam rund fünf Stunden vor dem für 18.00 Uhr geplanten Anpfiff die Entscheidung: Eine ordnungsgemäße Durchführung des Spiels sei nicht gewährleistet, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit.

Kurz zuvor hatte die DFL auch die Absage des Spiels in Paderborn bekanntgegeben, allerdings nur etwas mehr als eine Stunde vor dem anvisierten Beginn. «Es liegt einfach zu viel Schnee in der Benteler-Arena! Die Gefahr für die Spieler ist zu groß und es wäre kein fairer Wettbewerb gegeben», teilte der Bundesliga-Absteiger SCP via Twitter mit.

Ostwestfalen war von dem Wintereinbruch, der am Samstagabend begonnen hatte, besonders betroffen. In der Nacht hatte es dort teils bis zu 30 Zentimeter Schnee gegeben. Am Sonntag schneite es weiter, zudem lagen die Temperaturen auch tagsüber deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Die DFL steht nun vor der Aufgabe, in den eng gestrickten Spielplänen Lücken für die abgesagten Partien zu finden. Mindestens zwei volle Tage ohne Spiel müssen als Pause bei solchen Neuansetzungen berücksichtigt werden. Die DFL kündigte an, die Termine zeitnah bekanntgeben zu wollen.

Immerhin konnten am Sonntag manche Spiele stattfinden, da es im Süden zunächst nicht einen solchen Wintereinbruch gab. So begannen Zweitliga-Partien in Karlsruhe und Fürth wie geplant, und auch die Austragung des Spiels Hoffenheim gegen Frankfurt in Liga eins war nicht gefährdet.

Spiel-Absagen in den beiden höchsten Fußball-Ligen Deutschlands wegen Unwettern kommen relativ selten vor. Vor rund einem Jahr wurde in der Bundesliga die Partie Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln wegen des Sturmtiefs Sabine verschoben. Nach Angaben der DFL gab es vor Sonntag die letzte Absage wegen Schneefalls bei der Zweitliga-Begegnung Erzgebirge Aue gegen den 1. FC Köln vor rund zwei Jahren.

Auch in der Bundesliga der Fußballerinnen wurden am Sonntag drei Spiele abgesagt: Die Partien zwischen Eintracht Frankfurt und dem MSV Duisburg, Werder Bremen und dem SC Freiburg sowie der SGS Essen und dem SC Sand fielen aus. Die Rasenflächen seien jeweils nicht bespielbar, teilte der Deutsche Fußball-Bund mit.

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Feuilleton

US-Poetin Gorman wird Autorin
bei Verlag Hoffmann und Campe

Die US-amerikanische Dichterin Amanda Gorman spricht vor dem US-Kapitol.
Foto: Erin Schaff/Pool The New York Times / AP / dpa

Hamburg (dpa) – Die junge Poetin Amanda Gorman, die bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden auftrat, wird Autorin bei dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Dort sollen die deutschsprachigen Ausgaben der Bücher der 22 Jahre alten Lyrikerin und Aktivistin erscheinen, wie der Verlag am Donnerstag mitteilte. Die deutsche Fassung des bei der Amtseinführung vorgetragenen Gedichtes „The Hill We Climb“ werde am 17. März verlegt. Am 22. September folge der Lyrik-Band „The Hill We Climb and Other Poems“. Gorman habe der ganzen Welt vor Augen geführt, welche ungeheure Schönheit, Kraft und Wirkungsmacht einem Gedicht innewohnen könne, sagte Verleger Tim Jung. Am 20. Januar hatte Gorman einen der wohl meistdiskutierten Auftritte rund um die Amtseinführung hingelegt. Sie las ein Gedicht vor, in dem sie ihre eigene Lebensgeschichte mit der harten sozialen Realität Amerikas verwebt. In den sozialen Medien brachte ihr das viele Reaktionen und Lob ein.

Die 1998 in Los Angeles geborene Gorman war 2017 von der US-Kongressbibliothek mit dem Titel „National Youth Poet Laureate“ geehrt worden.

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Gesundheit

Mit Licht gegen den Winterblues

Dunkelheit und Kälte drücken bei manchen Menschen auf die Stimmung.      
 Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Prien am Chiemsee (dpa) – Licht hellt die Stimmung auf und vertreibt trübe Gedanken, sagt man. Dass da etwas dran ist, spüren manche Menschen jeden Winter aufs Neue. Sie fühlen sich nicht so gut in der dunklen Jahreszeit, sind antriebsarm, die Stimmung ist gedrückt. Umgangssprachlich hat sich dafür der Begriff «Winterblues» eingebürgert.

«Das ist ein uraltes Thema und findet sich schon in der antiken Literatur», erzählt der Psychiater Prof. Andreas Hillert, Chefarzt für Psychosomatik und Psychotherapie an der Schön Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. «Wir würden bei ausgeprägten Fällen dieser Art heute von einer saisonal bedingten Depression sprechen.»

Wobei der saisonale Aspekt, in dem Fall also der Winter mit seiner Dunkelheit und Kälte, nur ein Nebenaspekt sei. Um zu beurteilen, ob eine Depression vorliegt und behandlungsbedürftig ist, schauen die Mediziner auf Symptome wie gedrückte Stimmung, Interessen- sowie Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit und weitere Anzeichen – Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten etwa.

«Es gibt aber auch nicht wenige Menschen, die fühlen sich in der dunklen Jahreszeit etwas weniger gut», sagt Hillert. «Ohne dass es Krankheitswert hätte oder behandlungsbedürftig wäre.»

Wenn fehlendes Licht eine Ursache für diesen Blues ist, könnten Therapieleuchten mit künstlichem Tageslicht doch helfen, oder?

Tatsächlich wird die Lichttherapie bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt – und kann auch selbst ausprobiert werden. Zu viel darf man aber nicht erwarten. Damit es einen Effekt hat, ist außerdem eine gewisse Disziplin gefragt.

Dabei kommt eine Lichttherapielampe zum Einsatz, die recht helles weißes Licht abgibt. Dadurch soll möglichst intensives Tageslicht imitiert werden, sagt Hillert. Der Hintergedanke ist einleuchtend: Zu viel Dunkelheit sorgt dafür, dass der Körper größere Mengen des «Schlaf-Hormons» Melantonin ausschüttet. Die Folge kann unter anderem anhaltende Müdigkeit sein – also das, was man möglicherweise als Winterblues empfindet.

Mit Hilfe des Lichts wird die Tageslichtdauer quasi künstlich verlängert. Die Ausschüttung von Melantonin soll damit am Morgen reduziert, Stimmung und Antrieb gleichzeitig besser werden.

Bei sensiblen Menschen könnte schon nach einigen Tagen eine leichte Verbesserung der Befindlichkeit zu spüren sein, so Hillert. Zugleich betont er aber: Wunderdinge seien von den Lampen nicht zu erwarten. «In den meisten Fällen, übrigens auch bei anderen Formen der Depression, ist Lichttherapie wenn dann eine ergänzende therapeutische Maßnahme, die für sich genommen meist nicht ausreicht, entsprechende Störungen zu behandeln.»

Wer die Melantonin-Ausschüttung des Körpers mit Hilfe der Lampe effektiv beeinflussen möchte, darf sich nicht nach Lust und Laune irgendwann tagsüber davor setzen. Man sollte es idealerweise am frühen Morgen machen, erläutert Hillert. Und zwar für mindestens eine halbe Stunde täglich, über mehrere Wochen hinweg.

Hillert erzählt davon, dass in seiner Klinik auch Lichttherapien angeboten werden. Viele Patienten stünden dem Angebot aber zwiegespalten gegenüber. Der Grund ist das frühe Aufstehen. «Sie müssen dann 7 Uhr, eben wenn es draußen noch dunkel ist, vor der Lampe sitzen und nicht erst um 11 Uhr. Ein Spaziergang wäre im letzteren Fall absehbar die effektivere – weil aktivere – Methode.» Nach seinen Worten führe die Lichttherapie «derzeit eher ein Schattendasein im therapeutischen Kontext».

Dennoch: Wer ausprobieren möchte, ob es einem hilft, kann es praktisch bedenkenlos machen. Lichttherapeutische Lampen gibt es in verschiedenen Preisklassen im Handel zu kaufen.
«Das Nebenwirkungsrisiko ist gering», sagt der Experte. «Man kann nicht viel falsch machen, schlimmstenfalls funktioniert es halt nicht.»

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Reise

Amrum: Der naturverliebte Wattführer

Bei 12 Grad kaltem Wasser mitten durchs Watt: Das können wetterfeste Urlauber auf Amrum erleben. 
Foto: Nicole Jankowski/dpa

                

Amrum (dpa) – Dark Blome freut sich schon auf den Sommer. «Ich bin gelernter Bäcker, kein Astronom und kein Physiker, aber ich kann meine Gäste trotzdem für das Universum begeistern», sagt er. Für seine neue Sternenführung auf der nordfriesischen Insel Amrum hat er viele Bücher studiert und bei Experten Erfahrungen gesammelt. Von Juni an führt er seine Gäste mit dem Fahrrad von Norddorf zur Sternwarte. Dort zeichnet der Insulaner die nächtlichen Sternbilder mit dem Laserpointer nach und erzählt Geschichten von griechischen Göttern, nennt aber auch ein paar Zahlen und Fakten. Anschließend kann man sich auf Isomatten in den Himmel über der Nordsee träumen.

Seit 23 Jahren führt der staatlich geprüfte Wattführer bei Ebbe durchs Meer zwischen Amrum und Föhr. Mit Kompass, Seekarte, GPS, Handy, Seil und Erste-Hilfe-Set. Auch im Winter, wenn nicht gerade Corona herrscht. Dann geht es bei Westwind mit mehr als Stärke fünf durch den Priel. Im Notfall wird die Gruppe zur Seilschaft, und Blome trägt die kleinste oder schwächste Person auf dem Arm. Ist der Priel durchwatet, geht es weiter mit Infos über Seehunde, Wattwürmer, Sturmfluten, alte Schiffswracks und Dönekes vom Inselleben.

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Mode: Geld sparen und Gutes tun mit
Secondhand-Shopping

Secondhand-Kleidung ist längst keine Nische für Vollblut-Ökos mehr. Wer sucht, findet schicke Stücke renommierter Marken für ziemlich wenig Geld. Ist das nicht auch gut für die Umwelt? Kommt drauf an.

Vintage-Blusen in einem Berliner Secondhand-Laden: Wer gebraucht und lokal kauft, tut der Umwelt etwas Gutes. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Von Philipp Laage
Essen (dpa) – Damen-Boots im Originalkarton für 30 Euro, die sonst das Fünffache kosten? Der Kaschmirmantel einer gehobenen Herrenmarke, preislich eigentlich hoch dreistellig, für 75 Euro? Wie ist das möglich? Die Antwort lautet: secondhand. Ah, gebraucht, denken Sie jetzt – also muffig und ein bisschen abgetragen. Nein, keineswegs. Sondern oft nahezu neuwertig, fast wie aus dem Laden.
Sogar Big Fashion hat den Trend erkannt

Gebrauchte Kleidung ist längst aus der Flohmarkt-Nische raus und bis ins Luxussegment vorgedrungen. «Das Thema war noch nie so groß wie jetzt», sagt Dominique Ellen van de Pol, Autorin und Expertin für nachhaltige Mode. Secondhand sei eine riesige Industrie, die immer wichtiger wird, gerade bei jüngeren Menschen. «Viele machen das aus Umweltgründen, dass sie online schauen, nach ihren Lieblingsmarken suchen und versuchen, möglichst günstig an die Sachen zu kommen.»

Die Modeindustrie hat den Trend erkannt. Die Shopping-Plattform Zalando zum Beispiel hat vor wenigen Monaten einen eigenen «Preowned»-Bereich für gebrauchte Ware auf ihrer Webseite eingerichtet. Mit Zircle – eine Anlehnung an das Wort Kreislauf – hat das Unternehmen einen eigenen Marktplatz geschaffen. Und der Fashion-Riese H&M beteiligte sich an der Plattform Sellpy, die im vergangenen Jahr von Schweden nach Deutschland gekommen ist.

Die Pandemie dürfte den Trend beschleunigt haben. «In Corona-Zeiten sitzen alle zu Hause und starren auf den Kleiderschrank», sagt van de Pol. «Viele kriegen erst mal die Krise und sortieren aus, sie wissen nicht, wohin mit all dem Zeug.» Flohmärkte und Secondhand-Geschäfte sind geschlossen, Online-Plattformen nun der einzige Verkaufsweg: zum Beispiel Vinted (früher Kleiderkreisel), Mädchenflohmarkt, Momox Fashion oder Rebelle und Vite EnVogue für Designermode.

Eine erschütternde Erkenntnis
Ein Grund, warum sich Secondhand lohnt, liegt auf der Hand: Man bekommt viele Teile einfach wahnsinnig günstig. So preiswert, dass man sich manchmal fragt, wie das überhaupt sein kann.

Van de Pol hat die Erklärung: «Getragene Kleidung verliert extrem schnell an Wert. Man bekommt sie in der Regel nur für einen Bruchteil des Neuwerts wieder verkauft.» Es sei denn, es handelt sich um absolute Klassiker oder Topmarken in tadellosem Zustand. Für viele Verkäufer sei das erst einmal ein Schock, das zu realisieren. «Viele denken, sie investieren in ihre Garderobe.» Aus finanzieller Sicht ist das jedoch fast immer ein Irrglaube – von dem wiederum Käufer profitieren können. Wenn sie ein wenig suchen.

Und so geht es: Auf den einschlägigen Plattformen lässt sich gezielt nach Marken, Farben und auch nach dem Zustand der Kleidung filtern (beispielsweise «neu mit Etikett», «neuwertig», «gut»). Van de Pol rät dazu, auf die Bewertungen der Verkäufer zu achten, um Abzocke zu verhindern. Denn Betrüger gibt es durchaus. Am sichersten ist die Bezahlung über Systeme mit Käuferschutz, etwa Paypal. Hier bekommen Käuferinnen und Käufer das Geld im Zweifel wieder zurück.

Gut für den Geldbeutel – aber auch fürs Gewissen?
Neben dem finanziellen Aspekt geht es bei gebrauchter Mode um das große Ganze: «Secondhand bringt zwei große Bedürfnisse miteinander in Einklang: den Wunsch nach Vielfalt und Abwechslung im Kleiderschrank und nach bewussterem Konsum», sagt der Geschäftsführer von Vinted, Thomas Plantenga.

Nachhaltigkeitsexpertin van de Pol meint, durch die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel hätten gerade viele jüngere Menschen innegehalten – und daraufhin secondhand aus ökologischen Gründen zum ersten Mal ausprobiert.

Sie gibt aber zu bedenken: «Nur, weil man secondhand kauft, engagiert man sich nicht automatisch gegen Fast Fashion. Viele verlagern ihr impulsives Shopping-Verhalten lediglich auf den Online-Bereich», sagt die Autorin. Die Konsumkultur lasse uns glauben, immer das Neuste zu brauchen. «Solche begehrten Produkte online für einen Appel und ein Ei zu entdecken, kann schnell dazu führen, dass wir online umso mehr Teile kaufen, die oftmals als Fehlkäufe oder Retouren enden.»

Auch der Versand schlägt sich in der CO2-Bilanz nieder. Die Expertin rät daher dazu, erst einmal nach Secondhand-Läden im eigenen Viertel Ausschau zu halten – wenn diese wieder offen haben. «Dort kann ich die Sachen anprobieren und muss sie nicht zurückschicken, wenn sie mir nicht gefallen, das spart letztlich Ressourcen.»

Bewusster Konsum ist der Schlüssel
«Indem man etwas seltener, dafür gezielter und häufiger secondhand kauft, lässt sich eine Menge Geld einsparen», sagt van de Pol. Dieses Geld könne man dann in besondere, langlebige Produkte investieren, gerne von Marken, die nachhaltig produzieren. Secondhand könne so auch der Weg sein, sich teure Marken überhaupt leisten zu können.

Geht es also nicht bloß darum, anders einzukaufen, sondern vor allem weniger? «Am besten kauft man gezielter und bewusster, nicht so impulsiv», rät van de Pol. «Man tut sich damit nichts Gutes. Es ist für den Moment toll und deshalb auch so menschlich. Ich würde das nicht verurteilen. Aber am Ende sitzt man vor Kleiderbergen, die einen stressen und unglücklich machen.» Und hat womöglich viel Geld für Dinge ausgegeben, die man nicht braucht.

Am Anfang sollte eine nüchterne Bestandsaufnahme des Kleiderschranks stehen: «Was sind Lieblingsteile? Was sind Fehlkäufe? Was trage ich wirklich und warum? Brauche ich gerade überhaupt etwas?», nennt van de Pol als Beispiele. Danach könne man auf die Jagd gehen.

Umtausch leider nicht möglich
Über eines sollten sich Modeaffine, die secondhand ausprobieren möchten, im Klaren sein: In vielen Fällen kauft man von Privatleuten und hat keine Möglichkeit zum Umtausch, wenn ein Teil nicht passt, in echt anders aussieht als im Netz oder einfach nicht gefällt. Kurze Erinnerung: Die Retourenquote im Online-Handel ist erschreckend hoch, bei Mode und Schuhen bis zu 80 Prozent, schätzt van de Pol.

Greift man voll daneben, hat man aber noch die Möglichkeit, das Teil erneut auf einer Online-Plattform einzustellen oder zum Flohmarkt zu bringen – und einen anderen Käufer damit zu beglücken.

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Aus Allen Staaten

Frankenmuth, Michigan

Children’s German Heritage Service – February 14th

On Sunday, February 14th at 11:00 am, the 3rd thru 8th grade students and the Jr. High Wind Ensemble from St. Lorenz School will participate (some virtually and some in person) in the annual German ‘Heritage Sunday’ Service at St. Lorenz Church – 1030 W. Tuscola Rd., Frankenmuth. This service uses a traditional German Service liturgy with an English sermon entitled “Love is not Blind” by Pastor Brad Hubbard. 7th grade students Braeden Mossner and Cole Pergram will read the scripture lessons and Kaitlyn Tappen will share the St. Lorenz school verses – James 1:2-3. A video of the school middle choir (students grades 5-8) will sing „Gott ist die Liebe“(God Loves Me Dearly) and 3rd and 4th grade students will sing “Weil ich Jesu Schäflein bin” (I am Jesus Little Lamb). The service includes solos by 8th grade students Molly Peake and Owen Bierlein and the congregation will join in singing favorite hymns “Where the Swallow Makes Her Nest” and “Lord, Take My Hand and Lead Me”. English translations will be included throughout the program. Everyone is welcome to attend and participate as we worship our Lord and Savior and remember and celebrate our German Heritage. The service will also be broadcast on Charter cable channel 191, on the St. Lorenz app., and livestreamed (and stored) on the St. Lorenz website at http://stlorenz.org/stream, At ‘Traditional Services” (on the left side), select the German service. Prior German worship services can be viewed at https://vimeo.com/showcase/stlorenz-german. The next German worship service will be March 14th, 2021.

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Wie geht es weiter mit dem Nachtleben?

Die Berliner Clubs ziehen ein Publikum aus aller Welt an, aber seit fast einem Jahr ist es damit wegen Corona vorbei. Wie ist die Stimmung? Und wie wird sich das Nachtleben nach der Pandemie verändern?

Berlin: Pamela Schobeß, die Betreiberin vom Club “Gretchen”, sitzt im derzeit geschlossenen Club in der Obentrautstraße in Kreuzberg. Die Corona-Pandemie hat im Nachtleben in Deutschland das Licht ausgeknipst. Darunter leidet besonders die Berliner Szene, die um 100 bis 150 Adressen zählt. Viele Clubs kämpfen ums Überleben. Foto: dpa

Von Caroline Bock
Berlin (dpa) – Musikhören, das geht zuhause auch. Aber Pamela Schobeß vermisst die glücklichen Gesichter, bei den Gästen und den Musikern. Seit März ist ihr Berliner Club «Gretchen» mehr oder weniger dicht. «Wir sind die Ersten, die geschlossen wurden, und wir sind die Letzten, die wieder öffnen dürfen», sagt Schobeß, die auch für die Szene spricht. «Wir wissen überhaupt nicht, wann es weitergeht und wie es weitergeht.»

Die Corona-Pandemie hat im Nachtleben in Deutschland das Licht aus-, oder besser: angeknipst. Darunter leidet die Szene, die in Berlin um 100 bis 150 Adressen zählt. Sie hat international einen legendären Ruf, befindet sich derzeit aber im Lockdown. Die «Generation Easyjet», die zum Feiern übers Wochenende einfliegt, ist aus dem Stadtbild verschwunden. Eine weitere symbolträchtige Veränderung: Das «Kitkat», sonst ein Ort für Leute, die lockerem Sex nicht unbedingt abgeneigt sind, wurde zur Corona-Teststation umfunktioniert.

Das Berliner Nachtleben, es war einmal. Die langen Schlangen vor den Clubs, Leute, die bangen, ob sie es am finster blickendem Türsteher vorbei schaffen. Die Nächte auf dem «Techno-Strich» an der Warschauer Straße. Der Moscow Mule in der dunklen Neuköllner Bar. Damit ist es seit zehn Monaten vorbei.

Viele Clubs kämpfen ums Überleben, die weiter laufende Miete ist für einige ein Damoklesschwert. Zwischenzeitlich waren Veranstaltungen draußen möglich, auch in den Parks wurde gefeiert. Um sich gegen die Krise zu stemmen, werden DJ-Nächte ins Netz verlegt, Wein wird als Benefiz-Aktion verkauft. Auch der Berliner Senat macht sich für die Szene stark. Wann Clubs wieder öffnen können, ist unklar.

Konstantin Krex vom «Kater Blau» sagt: «Die Situation ist bitter, weil man nicht machen kann, was man liebt. Und weil es keine verlässliche Perspektive gibt. Man guckt von der Seitenlinie zu, wie sich die Schulden anhäufen.» Wenn man null Einnahmen habe, aber einen Großteil der Ausgaben seit Krisenbeginn einfach weiterlaufe: «Dann hapert es an so ziemlich allem.» Ein anderer Clubbetreiber, der seinen Namen nicht nennen möchte, fasst es so zusammen: «kurz vorm Abnippeln».

Der Technopionier Dimitri Hegemann («Tresor») sagt: «Wir wirtschaften genau und kalkulieren sehr hart. Wir gehen von weiteren Hilfsprogrammen aus und hoffen, dass im Juli die Sonne wieder scheint.» Marcel Weber vom schwul-lesbischen Club «Schwuz» erzählt, dass sie dank eines sehr frühzeitig aufgenommenen Kredits wohl gut durch die Krise kämen, außerdem hätten sie die Überbrückungshilfen des Bundes.

Wie es nach der Pandemie weiter gehen könnte? Ein Club erwartet, dass die Eintrittspreise wegen des Spardrucks steigen werden und dass das Nachtleben kommerzieller wird. Ob sich auch das Lebensgefühl infolge der Pandemie verändern wird, bleibt ebenfalls erstmal offen. Einige halten es für denkbar, dass das Distanzgefühl aus dem Corona-Alltag bleiben wird. Oder Leute womöglich neue Hobbys gefunden und entdeckt haben, dass man ein Wochenende auch ohne Kater mit Natur und Yogakurs bestreiten kann. Schließlich gibt es die Leute, die es kaum abwarten können, wieder zu feiern.

Bei einigen aus der Szene ist vorsichtiger Optimismus zu spüren. Marcel Weber sagt: «Wir hoffen, dass sich vor allem Solidarität und der achtsame Umgang miteinander dauerhaft etablieren und dass Clubs, Kunst und Kultur eine enorme Wertschätzung erfahren und nicht alles so als beliebig und immer verfügbar hingenommen wird.»

Pamela Schobeß, die auch Vorsitzende des Dachverbands Clubcommission ist, glaubt nicht so richtig daran, dass Tanzen mit Abstand funktionieren wird. Die Nähe und die Energie fehlen dann. «Es geht ja auch um Ekstase.» Konzerte mit Stühlen funktionieren aus ihrer Sicht schon besser. Zur Zukunft der Clubs sagt sie, ohne die Hilfen von Bund und Ländern, die bis Juni gesichert sind, ginge es überhaupt nicht.

Was ihr wichtig ist: Wenn es irgendwann wieder eine Anlaufphase gibt, braucht es weiter Hilfe. «Es kann nicht von Null auf Hundert gehen.» Denn Konzerte brauchen Vorlauf, und die Touristen werden erst nach und nach wiederkommen. Sehr viele Leute werden laut Schobeß weniger Geld fürs Ausgehen haben. Derzeit werden die Auftritte von DJs und Musikern von diesem März bereits auf den März 2022 verschoben. Bis das Nachtleben wieder wie vor der Krise ist, könnte es bis Ende 2022 dauern, sagt Schobeß.

Dimitri Hegemann vom «Tresor» glaubt, dass die Sehnsucht nach dem Anderen, nach der «zwanglosen Party» in dunklen Räumen, das Berühren und das Miteinander bleiben werden. Denn darum geht es seiner Meinung nach. Die berühmteste Berliner Adresse, das «Berghain», hält sich wie immer bedeckt und will sich zur Lage der Clubs nicht äußern. Bevor auch die Museen schlossen, zog eine Kunstausstellung in das ehemalige Heizwerk ein. Das Motto: «Morgen ist die Frage».

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

ziehen an – attract
Stimmung – mood; atmosphere
Gesichter – faces
dicht – shut
aus- angeknipst – switch out, on
verschwunden – disappeared
symbolträchtige – significant symbolic
lockerem – casual
unbedingt – absolutely
abgeneigt – distasteful
umfunktioniert – repurposed
n.b. “es war einmal” – typical first line of fairy tales
die bangen – who worry
finster – grim
Türsteher – bouncer
Damoklesschwert – sword of Damocles
sich gegen…zu stemmen – oppose
verlässliche – reliable
Schulden – debts
anhäufen – pile up
hapert es an – badly off
fast zusammen – sums it up
kurz vor Abnippeln – about to kick the bucket
Technopionier – techno pioneer
Kredits – loans
Überbrückungshilfen – aid to bridge the gap
Bundes – federal government
Spardrucks – need to save money
Lebesgefühl – attitude towards life
bleibt offen – remains to be seen
Kater – hangover
bestreiten – take on
achtsame – careful
Wertschätzung – high regard
verfügbar – available
Dachverbands – umbrella organization
Abstand – social distance
Anlaufphase – start up period
Vorlauf – groundwork
nach und nach – little by little
Sehnsucht – longing
zwanglosen – informal
Heizwerk – thermal power station

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*