13. Juni 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Venedig am Scheideweg: Neuerfindung oder zurück zum Massentourismus?

Corona hat Venedig vor Augen geführt, wie fatal eine touristische Monokultur ist. Die Stadt, die einst überrannt wurde, fleht nun um Urlauber. Der Bürgermeister verspricht für die Zukunft einen «intelligenten» Tourismus. Doch wie soll der funktionieren?

Venedig: Leere Stühle und Tische stehen vor einem Restaurant auf dem Markusplatz Foto: dpa

WP berichtet zum Thema:
Kreuzfahrtschiff Katastrophe (20. Juli 2019) Venedig Hochwasser (23. Nov. 2019)

Von Annette Reuther
Venedig (dpa) – Schilder wie «Nicht hinsetzen», «Respekt für Venedig» oder «Priorität für Venezianer» sind aus längst vergangenen Zeiten. Zeiten, in denen Venedig noch über eine Beschränkung für Touristen diskutierte. In der geschimpft wurde über den Massentourismus, die vielen Menschen, die die kleinen Gassen verstopfen und ihr Picknick auf der Rialto-Brücke machen. Über die Kreuzfahrtschiffe, die eigentlich keiner haben will und doch so viele brauchen.

Mittlerweile hört man das Klackern der eigenen Schuhe in den Gassen oder das Schwappen der Wellen in den Kanälen lauter als den Rummel von Touristenmassen. Seit der Corona-Abriegelung ist Venedig in der Krise. Venezianer oder Italiener aus der Region entdecken zwar auf einmal die Stadt für sich und genießen eine fast magische Atmosphäre – doch das Geld für Hoteliers, Restaurantbesitzer, Touristenführer und die Kommune fehlt. Die wirtschaftlichen Schäden sind kaum zu beziffern.

«Wir stehen heute vor einer Stadt, die wirklich leer und an einem Punkt Null ist», sagt Touristenführerin Elena Degan. Die alleinerziehende Mutter lebt wie so viele andere auch von Touristen und hat seit März keine Einnahmen. Gleichzeitig sind ihr die Massen zuwider. «Die Lage in Venedig, Rom oder Florenz hat ein unerträgliches Maß erreicht.» Sie wohnt im Zentrum von Venedig. Überall, wo ein Handwerker schließe, entstehe ein Bed & Breakfast oder ein Hotel, erzählt sie.

Auf nur noch etwa 50 000 Einwohner kommt die Unesco-Welterbestadt. Die meisten Menschen ziehen nach Mestre aufs Festland. Dafür ist der Tourismus in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, im letzten Jahr waren es laut Region rund 13 Millionen Übernachtungen. Daher wollte die Stadt eigentlich ab 1. Juli eine umstrittene «Eintrittssteuer» verlangen. Dann kam Covid-19. Die Steuer wurde auf nächstes Jahr verschoben. Und die Politiker flehen auf einmal um Touristen.

«Wir sind wieder geöffnet», verkündete Bürgermeister Luigi Brugnaro. Eine «beruhigende Botschaft» an die Welt sei nun notwendig: Venedig ist sicher. Jetzt müssten die Grenzen wieder öffnen. Denn nur dann kann der für Venedig besonders wichtige internationale Tourismus wieder beginnen. Schließlich kommen die meisten Besucher aus den USA, aus China, Großbritannien und Deutschland. Ab Mittwoch dürfen EU-Bürger wieder nach Italien reisen.

Von einer «Covid-freien» Region spricht der Regionalpräsident von Venetien, Luca Zaia. Das stimmt zwar nicht ganz. Venetien war einer der ersten beiden Brandherde in Italien. Doch im Vergleich zur benachbarten Lombardei hat die Region die Lage mit vielen Tests in den Griff bekommen und hat nun noch etwa 2000 positive Fälle gemeldet.

Venedig hat schon vor Corona bitter erleben müssen, was es bedeutet, wenn man einzig auf Touristen setzt und die plötzlich wegbleiben: Im November richtete ein Hochwasser große Schäden an, die Bilder von einer tagelang überfluteten Stadt vergraulten die Besucher.

Städte, die hauptsächlich vom ausländischen Tourismus leben, wie Venedig und Florenz, würden nun größere Verluste erleiden als Städte, die auch von inneritalienischen Besuchen lebten, heißt es in einer Studie der italienischen Fremdenverkehrszentrale Enit. Dort würde sich der Tourismus bis 2023 nicht vollständig erholen.

Bürgermeister Brugnaro verspricht nun Klasse statt Masse. Also einen «neuen und intelligenten Tourismus». Doch was genau er dafür tun will, ist unklar.

«Wir erleben gerade einen Tourismus der Nähe, so wie es vor 50 Jahren war», sagt der Umweltwissenschaftler Giovanni Cecconi von der Universität Ca’ Foscari in Venedig. «Es reicht jetzt nicht, einfach wieder zu öffnen und so weiterzumachen wie vorher.» Nicht nur die Menschen aus der Umgebung würden wieder nach Venedig kommen. Fische und Vögel seien in die Lagune zurückgekehrt, weil sie vom Motorenlärm der vielen Schiffe nicht mehr abgeschreckt würden. Ohne Motorverkehr auf den Gewässern steige die Wasserqualität.

Auch legen derzeit keine Kreuzfahrtschiffe in Venedig an. Cecconi ist der Meinung, dass die Zeit, in der der Kreuzfahrttourismus brach liege, genutzt werden müsse, um sich ein Modell für die Zukunft zu überlegen und den Hafen aus Venedig hinaus zu verlegen. «Der Kreuzfahrttourismus ist das Maximum an oberflächlichem Tourismus.» Seit Jahren wird darüber gestritten, dass die Kreuzer Umwelt und Substanz der Stadt zerstören.

Das Aktionsbündnis No Grandi Navi will nicht nur ein Ende der Kreuzfahrtschiffe in der gesamten Lagune. Die Organisation hat jetzt eine Liste mit Forderungen für die Zukunft parat: ehrliche Gastronomie für Bewohner und Touristen gleichermaßen, Ansiedelung von Handwerkern und Künstlern im historischen Zentrum, erschwingliche Mieten für Einheimische und ein Limit für Ferienwohnungen.

Venedig steht nun am Scheideweg: Zurück zu einem für Anwohner und Besucher gleichermaßen unerträglichem Massentourismus? Oder hat die Stadt nun wirklich den Mut, in eine neue, nachhaltigere Zukunft zu starten?

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

vor Augen geführt – brought home to
überrannt – overrun
fleht um – begging for
geschimpft – rail against
Schwappen – sloshing
Wellen – waves
Rummel– hustle and bustle
Abriegelung – lock-down
Kommune – municipality
beziffern – calculated
alleinerziehende – single parent
Einnahmen – income
zuwider – detests
schließe – closes shop
entstehe – opens up
Welterbestadt – world heritage city
Festland – mainland
umstrittene – controversial
verlangen – require
Steuer – tax
beruhigende Botschaft – reassuring message
Brandherde – hotspots
benachbarten – neighboring
überfluteten – flooded
vergraulten – scared off
Verluste – losses
erleiden – suffer
Klasse statt Masse – class (act) instead of masses (of people)
Umweltwissenschaftler – environmental scientist
abgeschreckt – deterred
Kreuzfahrtschiffe – cruise ships
brach liege – lies idle
verlegen – shift priorities
oberflächlichem – superficial
parat – in readiness
Ansiedelung – settlements
erschwingliche – affordable
Ferienwohnungen – vacation rental properties
Scheideweg – crossroads
Anwohner – resident
unerträglichem – unbearable
Mut – courage
nachhaltigere – lasting

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Vuvuzelas als Hoffnung: Jubiläumsfeiern für Südafrika-WM fallen aus

Es gab jede Menge Zweifler an Afrikas erster Fußball-WM. Als «Plan B»-Ausrichter war schon Deutschland im Gespräch. Gastgeber Südafrika widerlegte aber alle Afropessimisten mit einer grandiosen Sause. Doch jetzt kapituliert der Kap-Staat vor einem Virus

ARCHIV – 11.06.2010, Südafrika, Johannesburg: Ein Fußballfan bläst vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM in die Vuvuzela. Die Vuvuzelas sind nicht verstummt. Aber zehn Jahre nach Afrikas erster und einziger Fußball-Weltmeisterschaft ist beim damaligen Gastgeber Südafrika von Feierlaune nichts zu spüren. Foto: dpa

Von Ralf E. Krüge
Johannesburg (dpa) – Die Vuvuzelas sind nicht verstummt. Aber zehn Jahre nach Afrikas erster und einziger Fußball-Weltmeisterschaft ist beim damaligen Gastgeber Südafrika von Feierlaune nichts zu spüren. «Wir hatten an Konzerte und Spiele gedacht und darüber mit der FIFA gesprochen – das Coronavirus hat aber alle Pläne zunichte gemacht», klagt Danny Jordaan. Der damalige Chef-Organisator und heutige Präsident des nationalen Fußballverbands Safa gilt als das Gesicht der Fußball-WM 2010. Bedauernd gesteht er, dass auch die angedachten virtuellen Veranstaltungen kaum die Atmosphäre von damals beschwören können. «Realistisch betrachtet ist das nicht möglich», sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei hatte der deutsche Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus bei einem Besuch in Johannesburg die Idee eines Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und Südafrika aufgeworfen. Vor zehn Jahren habe er eine großartige Stimmung in den neu gebauten Stadien erlebt. Die DFB-Elf stürmte mit neuem jugendlichen Schwung um Torschützenkönig Thomas Müller bis ins Halbfinale. Erst dann kam für Bundestrainer Joachim Löw bei dessen erster WM als Chefcoach gegen den späteren Weltmeister Spanien (0:1) das Aus.

Matthäus machte seine Vorschläge im März, da wurden in Afrika gerade die ersten Fälle von Coronavirus gemeldet. Nur wenig später verhängte Südafrika eine der weltweit strengsten Ausgangssperren. Viele Konferenzen wurden gestrichen – darunter auch eine in Durban, bei der entsprechende Pläne sowie das Vermächtnis der WM in Südafrika erörtert werden sollten. «Es wäre schade, wenn Lothars Idee nicht doch noch irgendwie umgesetzt werden könnte», sagt Joe Zinnbauer, der deutsche Coach vom Johannesburger Star-Club Orlando Pirates, und betont: «Ich glaube schon, dass die WM dem Land was gebracht hat.»

Am 11. Juni 2010 hatte Südafrikas Nationalelf Bafana Bafana mit einem 1:1 gegen Mexiko im Johannesburger Soccer City die WM beginnen lassen. Das Eröffnungsspiel machte auch gleich zum Auftakt die lärmige Fan-Tröte des Gastlandes weltweit bekannt: die Vuvuzela. «Einige Fans hassten ihren Lärm – in großen US-Stadien war sie sogar gebannt», sagt Jordaan. Er deutet die Tröte als Symbol der Hoffnung – das in Corona-Zeiten nun in Südafrika eine Art Renaissance erlebt und an vielen Orten abends als Klang der Ermunterung ertönt.

Es war der Beginn einer Fußball-Show, die der Welt auch zeigen sollte, wozu Afrika fähig ist. Dazu gehörte auch eine Erste-Klasse-Infrastruktur. Mal eben einen internationalen Flughafen bauen? Was sich in Berlin über Jahre hinzog, war in Durban eine Sache von kaum zwei Jahren. Noch heute profitiert die Hafenstadt davon.

«100 Jahre herrschte der Glaube vor, Afrika könne keine WM auf die Beine stellen», sagte Jordaan und verweist auch auf die Zweifler, die einen «Plan B» für den Ausrichter Südafrika forderten. «Afropessimismus war eine große Herausforderung». Als Gastgeber zeigte sich Südafrika jedoch von der besten Seite und verbuchte damit einen Imagegewinn, der sich in den Folgejahren auch in steigenden Touristenzahlen bemerkbar machte. Allen Zweiflern an Südafrikas Leistungsfähigkeit und rechtzeitiger Fertigstellung der Infrastruktur zum Trotz wurde es ein unbeschwertes Fußball-Festival.

Die WM war zugleich der letzte große Auftritt des schon sichtlich gebrechlichen Freiheitshelden Nelson Mandela vor einem Weltpublikum. Der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte Mandela zunächst wegen des Unfalltods einer nahen Verwandten nicht zum WM-Auftakt verpflichten können, bestand dann aber auf einem kurzen Auftritt vor dem Finale. Trotz eisiger Kälte – in der Südhemisphäre herrscht im Juli Winter – wurde der unter einer Pelzmütze gütig lächelnde und winkende Mandela auf einem Golfwägelchen mit seiner Frau Graca einmal durchs Stadion gekarrt.

Und was ist geblieben? Die Stadien seien top, auch wenn sich die Frage stellt, ob sie alle gebraucht würden, sagt Zinnbauer. Auch wenn sie multifunktional angelegt wurden, gelten viele davon als defizitär. Das Vermächtnis der WM sieht Zinnbauer daher auch eher im spielerischen Bereich. Trotz aller Probleme sei der südafrikanische Fußball auf der Weltkarte des Sports aufgetaucht. Zudem habe das Ereignis dem Fußball am Kap neue Fan-Gruppen erschlossen: Er galt dort zu Apartheidzeiten als eher «schwarzer» Sport – Rugby oder Cricket dagegen als weiße Sportarten.

Der damalige Chef-Organisator Jordaan sieht es ähnlich. Seine Rückschau auf die WM fällt daher positiv aus – auch wenn er das Versagen des Heimteams mit dem Vorrunden-Aus als Schönheitsfehler sieht. Die Reaktionen der Weltgemeinschaft waren positiv, das Profil des Landes gestiegen, die Infrastruktur modernisiert, sagt er. Die WM-Standards hätten für der südafrikanische Fußball die Messlatte höher gehängt und kamen auch dem Frauen-Fußball zugute. «Wir haben jetzt mehr als 450 000 Fußballspielerinnen im Land und wollen die Zahl bis 2022 auf eine Million steigern; mehr als 20 Frauen spielen in Europa und den USA.» Es gebe nun sogar Schiedsrichterinnen.

Das Vermächtnis der WM 2010 sei auch an der hohen Zahl junger Profi-Kicker aus Südafrika ablesbar, die auf anderen Kontinenten unter Vertrag stehen. Jordaan: «Es gab einen enormen Wandel, weg vom Afropessimismus – nach 2010 galt Afrika auf einmal als Kontinent der Hoffnung.»

Die ist zehn Jahre später zunächst einmal verflogen. Der Kap-Staat, der sich schon vor der Verhängung von mehrwöchigen Corona-Restriktionen in einer schweren Rezession befand, richtet sich nach Beendigung des landesweiten, strengen Lockdown auf millionenfache Job-Verluste und zahlreiche Firmenpleiten ein. Die vielen existenziellen Probleme verstellen den Blick auf das Jubiläum.

Ob es so bald noch mal eine Fußball-WM auf afrikanischem Boden geben wird? Jordaan ist sich da nicht so sicher. Mit Indien, China und anderen aufstrebenden Weltregionen gebe da zunehmend Konkurrenz. Eine kollektive Anstrengung sei nötig, um dagegen zu bestehen, sagt er – meint aber: «Wenn Afrika sich einig ist, ist vieles möglich.»

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Feuilleton

Zeugen der Urzeit – Fossilien-Grube
Messel 25 Jahre Welterbe

Versteinerte Schildkröten und der Urahn der Pferde: In der Grube Messel finden sich Zeugnisse einer längst vergangenen Welt. In Ölschiefer gepresst geben sie Wissenschaftlern Einblicke in die Artenvielfalt vor vielen Millionen Jahren.

Ein fossiles Urpferdchen (vorn) gehört zu den wertvollen Funden aus der Grube Messel in Hessen. 
Foto: Arne Dedert/dpa

Von Oliver Pietschmann
Messel (dpa) – In porösen Schieferblättchen finden sich Spuren längst vergangenen Lebens. Gegen den Yellowstone-Nationalpark oder den Grand Canyon wirkt die kleine Grube Messel in Südhessen eher beschaulich und zunächst unspektakulär. Ihr Trumpf liegt unter der Erde: «Für die Paläontologie ist Messel von herausragender Bedeutung», sagt Krister Smith von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt. Die Grube erlaube sonst nirgendwo mögliche Einblicke.

Vor 25 Jahren wurde die Fossillagerstätte bei Darmstadt erstes Unesco-Weltnaturerbe in Deutschland – und steht damit auf gleicher Stufe mit Grand Canyon, Yellowstone und Galapagosinseln. Das von der deutschen Unesco-Kommission als «Fenster zur Urzeit» bezeichnete Areal diente einst ganz anderen Zwecken: «Wenn nicht Ölschiefer abgebaut worden wäre, würde hier heute ein Hügel stehen», sagt die Geschäftsführerin der Welterbe Grube Messel gGmbH, Marie-Luise Frey.

Der Boden wurde mehr als hundert Jahre lang abgetragen, um Öl herauszupressen. «Heute ist die Grube ein Zeit- und Klima-Archiv», sagt Frey. Mit inzwischen Zehntausenden Fossilien-Funden können Wissenschaftler ein relativ genaues Bild der Lebenswelt und des Klimas in der vor 48 Millionen Jahren tropisch geprägten Region rekonstruieren.

Die Funde sind Zeugnis einer Welt lange nach dem Aussterben der Dinosaurier und lange bevor die Evolution Neandertaler und den modernen Menschen hervorbrachte. Die Fossilien sind keineswegs nur Fragmente. Wissenschaftler fanden etwa den Affen «Ida», das wohl älteste vollständig erhaltene Fossil eines Primaten. Weltberühmt wurden auch die vollständig erhaltenen Skelette von Urpferdchen. Die Tiere, nur etwa so groß wie ein Dackel, sind die Vorfahren der heutigen Pferde. Auch Fossilien von Krokodilen, Riesenameisen, Fledermäusen und Vögeln erzählen die Geschichte einer längst vergangenen Welt.

Vor 48 Millionen Jahren war das Klima in der Region tropisch. Es gab einen Vulkansee, in dem in tieferen Wasserschichten eine Zone ohne Sauerstoff lag. Was ins Wasser fiel und dorthin sank, verweste nicht, sondern wurde von herabsinkenden Sedimenten nach und nach zu Stein gepresst.

Einige der Fossilien erzählen ganze Geschichten. So wurde Krister Smith zufolge eine Boa mit einer Eidechse im Magen gefunden. Die wiederum hatte zuvor ein Insekt geschluckt. Ebenso kann nachverfolgt werden, welche Insekten auf welchen Blüten saßen.

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Gesundheit

Gegen den Laptopnacken hilft nur Bewegung

Wer viel am Laptop arbeitet, leidet schnell an Verspannungen. Dagegen hilft ein regelmäßiger Positionswechsel und viel Bewegung nach Feierabend.
                            Foto: Monique Wüstenhagen/dpa

Berlin (dpa) – Ein richtiger Monitor, am besten höhenverstellbar, an einem passenden Tisch mit ergonomischem Stuhl: Es gibt genaue Regeln dazu, wie ein rückenschonender Arbeitsplatz auszusehen hat. Doch die Realität im Homeoffice ist davon oft weit entfernt, in der Corona-Krise und auch sonst – unter anderem, weil die Heimarbeit oft am Laptop passiert.

Droht da, analog zum sogenannten Handynacken, ein Laptopnacken – also ein Schaden durch die ständige ungewohnte Kopfhaltung beim Blick nach unten? Prof. Bernd Kladny von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) gibt Entwarnung: Die Kopfneigung sei bei der Laptop-Arbeit nicht so ausgeprägt wie beim Smartphone-Blick. „Wer jetzt mal zwei oder drei Monate so arbeitet, muss keine bleibenden Schäden fürchten.“

Allerdings: Es bleibt eine Fehlhaltung. „Und die bedeutet immer eine Überlastung der Muskulatur, weil die in dem Fall den Kopf in dieser ungewohnten Haltung stützen muss“, so Kladny. Ein Kopf wiegt etwa vier bis fünf Kilo – auf Dauer ist das also durchaus Arbeit für die Muskulatur und die Wirbelsäule. „Hinzu kommt bei der Arbeit am Laptop noch, dass die Tastatur anders ist – dadurch wird auch die Schulter-Nacken-Region belastet.“

Verspannungen und Schmerzen seien daher vorprogrammiert – beim einen mehr, beim anderen weniger. Auch Stress, andere Belastungen und das individuelle Schmerzempfinden spielen hier eine Rolle.

Was also tun? Kladny sagt: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Und zwar in Form von Ausgleichssport nach Feierabend, aber auch während der Arbeit selbst: „Man sollte bei Schreibtischarbeit grundsätzlich nicht dauerhaft in derselben Position sitzen“, so der Experte. Ideal seien zwei bis drei Positionswechsel pro Stunde. „Das muss man sich auch aktiv vornehmen – ansonsten passiert es schnell, dass man das in der Konzentration vergisst.“

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Reise

Wo Deutschland wild und einsam ist

Im Urlaub in weite Ferne schweifen? Darauf kann man in diesem Jahr nicht unbedingt setzen. Es gibt aber auch in Deutschland schöne Ecken – oft sind es sogar einsame Orte.

Der Saar-Hunsrück-Steig, einer der schönsten Weitwanderwege Deutschlands. Foto: Oliver Dietze/dpa

Von Philipp Laage
Berlin (dpa) – Auch die Heimat kann schön sein: In diesem Jahr dürften viele Deutsche ihren Sommerurlaub im eigenen Land verbringen. Angesichts einer schwelenden Pandemie aber eher nicht in trubeligen Städten und Eventhallen, sondern abseits der Massen.
Deutschland hat zum Glück so einige Regionen zu bieten, die wild und ursprünglich oder besonders einsam sind – oder gleich beides. Eine Auswahl zwischen Nordsee und Alpen, zwischen Eifel und Lausitz.

BAYERN: Mit dem Fahrrad durch das Allgäu
Auf dem Rad reist man in seinem ganz eigenen Tempo – zum Beispiel auf dem Iller-Radweg entlang des gleichnamigen Flusses. Die Route führt über 146 Kilometer vom bayerischen Oberstdorf im Allgäu bis nach Ulm, wo die Iller in die Donau mündet – die Stadt mit dem berühmten Ulmer Münster liegt schon in Baden-Württemberg. Wenn unterwegs der Schweiß läuft, können sich Radwanderer direkt in der Iller abkühlen.

Die Allgäuer Töpferkünstlerin Sophie Mische empiehlt den Auwaldsee bei Fischen als ihren Lieblingsplatz entlang der Route. Hier ist Baden allerdings verboten. Dafür lasse sich bei einem Spaziergang rund um den See eine herrliche Aussicht genießen.

Tipp für Bergprofis: Wen es hoch hinauf zieht, der kann sich am Jubiläumsgrat versuchen, der auf dem Gipfel der Zugspitze beginnt – eine ebenso fordernde wie berühmte hochalpine Tour. Allzu voll dürfte es trotzdem nicht werden – schließlich sind Kondition, absolute Schwindelfreiheit und Klettertechnik notwendig. Nur bei gutem Wetter machen und im Zweifel mit Bergführer gehen.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Wo der Moorfrosch quakt
Die Mecklenburgische Seenplatte kennt jeder – aber warum nicht mal ein Küstenmoor kennenlernen? Das geht östlich von Graal-Müritz im Großen Ribnitzer Moor. Ein neun Kilometer langer Exkursionspfad mit Infotafeln führt durch die Landschaft. Wer Glück hat, bekommt den Blauen Moorfrosch zu Gesicht.

Soll es doch die Seenplatte sein, empfiehlt der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommerns die Ivenacker Eichen. Sie sind um die 1000 Jahre alt und zählen zu den ältesten Bäumen in Deutschland. Besucher finden dort auch einen der beliebten Baumwipfelpfade.

NORDRHEIN-WESTFALEN: Besuch bei den Wildpferden
Mit einer «Oase im Alltag» wirbt die Touristikzentrale Paderborner Land, wenn es um die Moosheide geht. Das Naturschutzgebiet in der Senne in Ostwestfalen sei eher noch weniger bekannt. Es liegt in der Region des Teutoburger Walds unweit der Grenze zu Niedersachsen, dort entspringt auch die Ems. Rundwanderwege führen über Dünen und durch Täler, zu offenen Heideflächen und durch Kiefernwälder.

Das besondere Highlight der Moosheide hat jedoch Hufe – dort lebt die älteste Pferderasse Deutschlands. Die Senner Wildpferde wurden im Jahr 1160 zum ersten Mal erwähnt und lassen sich von Ende April bis Ende Oktober beobachten. Ein Wildweiteprojekt hat dafür gesorgt, dass die Tiere in ihre alte Heimat zurückkehren konnten.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Landschaft wie ein Gemälde
Wer Eisvögel, Seeadler und Kraniche sehen möchte, ist im Naturpark Lauenburgische Seen richtig. Der älteste Naturpark Schleswig-Holsteins liegt südlich von Lübeck und östlich von Hamburg und bietet eine eiszeitliche Hügellandschaft aus Seen, Wäldern, Wiesen und Feldern – ein Sehnsuchtsort für Naturfreunde.

Der Park selbst wirbt mit einer Landschaft «wie auf Gemälden alter Meister, lieblich, weich und zugleich geheimnisvoll und mystisch, aufregend und mächtig». Im Frühjahr blüht der Raps, Reetdächer und Fachwerke liefern pittoreske Fotomotive.

Eine Alternative in Deutschlands nördlichstem Bundesland ist das Naturschutzgebiet Geltinger Birk, ganz weit im Norden am Meer. Dünen, Sümpfe und lichte Wälder laden zum Wandern und Radeln ein. Hier wurde auch die alte Ponyrasse Konik ausgewildert.

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Wie viel Spielzeug brauchen Kinder?

Kleinkinder brauchen die wenigsten Spielzeuge. Um ein Überangebot zu vermeiden, 
sollten Eltern deshalb regelmäßig Dinge ausmisten. Foto: Andrea Warnecke/dpa

München/Ulm (dpa) – Neues Spielzeug bringt wohl bei jedem Kind die Augen zum Leuchten. Eltern freut das, schließlich wollen sie den Nachwuchs anregen und fördern. Doch häufige Geschenke und volle Spielkisten können genau das Gegenteil bewirken. Was braucht ein Kind davon also wirklich? Wie erkennen Eltern ein Zuviel an Spielzeug, und was können sie dagegen tun?

Spielzeug gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu – sofern es altersgemäß eingesetzt wird und es bei einer kleinen Auswahl bleibt. Gibt es jedoch zu viele Spielwaren, unterstützen sie nicht mehr die Neugierde und den Erkundungsdrang, mit dem Kinder auf die Welt kommen, erklärt Christiane Kutik, Coach für Erziehungsfragen aus München.

Ein Zuviel ist erkennbar am Verhalten der Kinder
«Ein Überangebot blockiert Kinder, sich zu konzentrieren», sagt sie. Es bremst das kreative, länger anhaltende Spiel, da das Kind sich aufgrund der vielen Sachen nichts selbst ausdenken muss. Braucht es Puppenmöbel, findet es die im Puppenhaus, will es einen Kuchen backen, steht die Miniatur-Backform auch bereit. So beschäftigt es sich mit jeder Spielsache nur kurz, legt es beiseite und fängt mit etwas Neuem an.

Weitere Anzeichen für zu viele Reize: «Wenn das Kind inmitten von Spielzeug sitzt und nicht spielt oder es dauernd etwas haben und animiert werden will, sich also nicht alleine beschäftigen kann», erläutert Kutik. Langeweile und Nörgeln können demnach ein Hinweis dafür sein, dass es zu viele Dinge im Kinderzimmer gibt. «Eltern sollten dann nicht sofort springen und das Kind animieren und ablenken, sondern es auch mal die Langeweile aushalten lassen. Dadurch kann es mit der Zeit neue, kreative Spielideen entwickeln.»

Spielzeug regelmäßig in den Urlaub schicken

Vermeiden können Eltern das Überangebot, indem sie mit ihren Kindern regelmäßig ausmisten. «Man kann mit dem Kind überflüssiges Spielzeug „in den Urlaub“ schicken. Dazu eine Umzugskiste für den Keller packen mit den Dingen, von denen sich das Kind zeitweise trennen mag«, rät Kutik.

Zuvor ist es hilfreich, das Kind beim selbstständigen Spielen zu beobachten. Was ist gerade interessant? Mit welchen Dingen beschäftigt es sich intensiv und ausdauernd? Alles andere kann vorerst außer Sichtweite. «Sobald das Interesse wechselt, können die verstauten Sachen gegen andere getauscht werden», sagt Ingetraud Palm-Walter vom Arbeitsausschuss spiel gut in Ulm. Kinder entdecken mit großer Freude die neuen, alten Spielzeuge wieder.

Mit zunehmendem Alter können sich auch neue Spielarten ergeben. Mit den Autos werden dann Rennen veranstaltet, statt sie nur anzufassen. Und mit den Bausteinen werden Straßen und Brücken gebaut. Spielzeuge wie Knisterbücher oder Rasseln, für die das Kind irgendwann zu alt ist, können verkauft oder verschenkt werden.

Kinder können lernen zu improvisieren
Eine grobe Orientierung, wie viel Spielzeug ausreicht, kann man laut Palm-Walter am Spielzweck festmachen. «Bei Rollenspielen wie etwa in der Spielküche reichen ein Rührlöffel und zwei Töpfe.» Demnach sind Toaster, Kaffeemaschine und Waffeleisen zu viel. «Kinder können improvisieren und aus anderen Dingen einen Toaster bauen.»

Von Bewegungs- und Wahrnehmungsspielen, für die etwa rollende Nachzieh- oder Schiebetiere sowie Bälle dienen, genügt jeweils eines. «Auch bei Bauklötzen sollte man sich für ein Material beziehungsweise System entscheiden», sagt Palm-Walter. Stark reduzieren können Eltern auch bei Kuscheltieren.

Nicht erneut in die Spielzeug-Falle tappen
«Wenn man das Kinderzimmer aufgeräumt hat, wird das Spiel wieder intensiver», sagt Palm-Walter. Dazu gehört auch, dass man mit offenen Regalen nicht zu viele Reize setzt. Besser ist es, Spielzeug in geschlossenen Möbeln und Kisten zu verstauen und je nach Bedarf hervorzuholen.
Soll nach einer gewissen Zeit dennoch etwas hinzukommen, sollten Eltern Impulskäufe vermeiden. «Oft ist es sinnvoller, man ergänzt ein bestehendes Spielzeug.» Das können beispielsweise weitere Bausteine oder Puppenkleidung sein.

«Natürlich wird ein Kind nicht von jetzt auf gleich seinen Wunsch nach neuem Spielzeug einstellen. Das sollte man ernst nehmen und genau hinterfragen, was dahintersteckt», rät Palm-Walter. Möchte ein Kind etwas Neues, weil es sich langweilt, ist es etwas, was die Freunde haben oder ein echter Herzenswunsch? «Wenn Eltern sich dagegen entscheiden, sollten sie begründen, warum sie etwas nicht kaufen möchten, und Alternativen aufzeigen.» Das zeigt dem Kind, dass es den Eltern wichtig ist, und hilft ihm, den Konflikt auszuhalten.

Klare Ansagen an Tanten und Großeltern
Großeltern, Tanten und Onkel bringen gern etwas mit. Hier sollten Eltern den Mut haben, zu sagen, dass man zu viel Spielzeug hat und kein neues braucht. Wer möchte, kann sich stattdessen lieber an neuen Schuhen oder einem neuem Bett beteiligen. Möglich ist auch, Verbrauchsmaterial wie Straßenkreide, Wachsmalstifte oder einen Zeichenblock vorzuschlagen.

Kleinkinder brauchen die wenigsten Spielzeuge. «Für sie ist es oft viel interessanter, wenn sie an echten Tätigkeiten im Alltag teilhaben dürfen. Sie wollen auf ihre Weise mitmachen, wenn Eltern kochen, etwas reparieren oder sauber machen», sagt Kutik.

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