13. März 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Das ist unmenschlich» – Grenzen trennen wieder Paare und Familien

Erst wenige Wochen alt ist sein kleiner Sohn. Doch Matthias Müller kann nicht zu Freundin und Kind in Tschechien. Denn seit zwei Wochen sind die Grenzen zu Tschechien und Tirol weitgehend dicht – und entzweien viele unverheiratete Paare. Die setzen sich nun zur Wehr.

Tschechien, Usti nad Labem: Menschen stehen Schlange vor einer Abholstelle für Corona-Tests.. Die verschärften deutschen Einreiseregeln an den Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Bundesland Tirol sind in Kraft getreten. Foto: dpa

Von Katrin Mädler
Klingenthal/Innsbruck (dpa) – Nur wenige Minuten fährt Matthias Müller normalerweise vom sächsischen Klingenthal ins tschechische Kraslice (Graslitz). Dort lebt seine Freundin mit dem erst wenige Wochen alten Kind. Der Weg über die deutsch-tschechische Grenze gehört für den 32-Jährigen deswegen zum Alltag. Doch inzwischen ist alles anders. Weil die Grenze wegen der Corona-Pandemie weitgehend geschlossen wurde, kann er nicht mehr zu seiner kleinen Familie nach Tschechien. «Ich hoffe auf eine vernünftige Lösung auf legalem Weg», sagt Müller, dessen Sohn Tobias Anfang Januar zur Welt gekommen ist. Das Schicksal der Familie ist kein Einzelfall.

Seit nunmehr zwei Wochen gelten Grenzkontrollen und Einreiseverbote zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol wegen der dort grassierenden Varianten des Coronavirus. Das trifft nicht nur die grenznahe Wirtschaft, sondern auch viele Familien. Bei einigen ist der Frust über die zwangsweise Trennung groß und beschäftigt auch die Justiz. Per Eilantrag suchen Betroffene etwa beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht Hilfe und wehren sich gegen die Regelungen der Quarantäne-Verordnung. Und in einem offenen Brief appellieren binationale Paare: «Es muss (…) erlaubt sein, den/die Liebste(n) sehen zu dürfen!»

Beispiel Matthias Müller: Als Selbstständiger hat er im Vogtland ein Maklerbüro mit Mitarbeitern. «Das kann ich nicht einfach zusperren und auf tschechischer Seite bleiben. Außerdem habe ich in Klingenthal auch einen Sohn, um den ich mich kümmern muss.» Würde er Freundin und Sohn in Tschechien besuchen, müsste er bei einer Rückkehr für zwei Wochen in Quarantäne – auch bei einem negativen Corona-Test, wie er erklärt. «Das ist beruflich und privat nicht umsetzbar. Hier werden Familien getrennt, das ist unmenschlich.» Jeden Tag meldeten sich weitere Betroffene bei ihm, erzählt er. «Oft sind Kinder im Spiel. Die Situation an der Grenze spitzt sich zu. Ich befürchte, dass die Stimmung bei vielen schnell kippen könnte.»

Auch andernorts herrscht Verdruss, etwa bei Lukas Steinegger aus Tirol. Er lebt in Innsbruck, seine Lebenspartnerin Constanze Gabriel in München. Gesehen haben sich beide zuletzt am 13. Februar – einen Tag, bevor die Grenzen geschlossen wurden. Für betroffene Paare wiederhole sich derzeit der «Alptraum» aus dem Frühjahr 2020, sagt er. «Das hat letztes Jahr knapp drei Monate gedauert. Jetzt hoffen wir, dass es nicht wieder so lang wird.»

Steinegger ist einer der beiden Verfasser des offenen Briefes, der derzeit kursiert. «Liebe kennt keine Grenzen», beginnt das Schreiben. Darin wird eine Gleichbehandlung für Paare ohne Trauschein gefordert und eine Einreisemöglichkeit ohne Quarantänepflicht. Wenn nötig, könne eine Registrierung und die Pflicht zur Vorlage eines negativen Corona-Tests vorgeschrieben werden, schlagen die Initiatoren vor. Doch Ausnahmen gelten laut Bundesinnenministerium nur für «Mitglieder der Kernfamilie» von Deutschen, zu der Ehegatten und eingetragene Lebenspartner gehören. Sie müssen gemeinsam einreisen, einen negativen Corona-Test vorweisen und für mindestens fünf Tage in häusliche Quarantäne gehen.

Mit der Forderung nach weiteren Ausnahmen stoßen die betroffenen Paare bei den Behörden auf taube Ohren. Weitere «Ausnahmetatbestände» bei Einreise-Verboten aus Virusvariantengebieten seien derzeit nicht geplant, heißt es aus dem Bundesinnenministerium. Ähnlich äußert sich Sachsens Sozialministerium in Dresden, das sich mit Müllers Fall beschäftigt hat: «Der Freistaat Sachsen wird für den bekannten Fall und ähnliche Konstellationen keine weiteren Ausnahmen in die Sächsische Corona-Quarantäne-Verordnung aufnehmen.»

Müller steht über Handy und Videochat mit seiner Familie auf tschechischer Seite in ständigem Kontakt. Vielen anderen Menschen gehe es ähnlich, manchen sogar noch schlechter, sagt er und zeigt sich kämpferisch: «Wir werden die Trennung von der Familie nicht länger akzeptieren.» Er plane eine grenzüberschreitende Demonstration, erzählt er. «Ich rechne mit vielen Teilnehmern.»

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Sport

Hallen-EM nur Wegweiser nach Tokio: Es gibt viel bis Olympia zu tun

Polen, Torun: Leichtathletik/Halle: Europameisterschaft, Kugelstoß, Frauen, Entscheidung:
Christina Schwanitz aus Deutschland in Aktion. Foto: dpa

Von Andreas Schirmer
Torun (dpa) – Die Hallen-EM ist kein Sprungbrett für mögliche Medaillen bei den Olympischen Spielen in Tokio für die deutschen Leichtathleten gewesen – eher ein Wegweiser. «Es war ein Schritt in die richtige Richtung», sagte Weitsprung-Star Malaika Mihambo, die sich mit großen Sätzen bestens auskennt und im polnischen Torun auf dem Silberrang landete. Für die Weltmeisterin und ihre deutschen Mitstreiter gibt es bis zur Olympia-Eröffnung am 23. Juli noch viel zu tun, um trotz Pandemie optimal vorbereitet in Tokio zu starten.

«Ich habe mich in dieser Hallensaison schwer getan mit dem langen Anlauf, aus dem ich ein Jahr nicht gesprungen bin», sagte Mihambo. «Jetzt geht es darum, bis zum Sommer daran zu feilen.» Wegen Rückenbeschwerden hatte sie ihren Körper 2020 schonen wollen und machte 16 statt 20 Schritte bis zum Absprung. Seit der Rückkehr zum langen Anlauf trifft sie das Brett seltener, fliegt weniger weit.

Im Finale von Torun verschenkte Mihambo beim Silbersatz über 6,88 Meter Zentimeter und wohl den ersten Sieben-Meter-Sprung im Winter. «Effektiv war ich die Beste, aber im Ergebnis nur die Zweitbeste», befand die 27-Jährige von der LG Kurpfalz. «Ich bin zuversichtlich und weiß, dass ich noch einen Sprung über sieben Meter bringen kann.»

Fortgesetzt hat Dreispringer Max Heß seine bronzene Medaillenserie mit einen Satz über 17 Metern. Nach 2019 und 2017 gelang ihm erneut mit 17,01 Meter der Sprung auf Rang drei hinter dem Portugiesen Pedro Pablo Pichardo (17,30 Meter) und Alexis Copello aus Aserbaidschan (17,04). «Das ist die ärgerlichste Bronzemedaille», klagte der 24 Jahre alte Chemnitzer. «Es waren leider vier ungültige Versuche dabei, die das Potenzial hatten, bei Gold mitzuspielen.»

Als Nummer eins in Europa ging Kevin Kranz an den Start, als Zweiter reiste er mit einer Silbermedaille über 60 Meter nach Wetzlar zurück. «Auch wenn ich Bestzeit gelaufen wäre, hätte ich nicht gewonnen», sagte der 22-jährige Sprinter. In 6,60 Sekunden kam Kranz hinter dem Italiener Lamont Marcell Jacobs ins Ziel, der in 6,47 Sekunden eine Weltbestzeit aufstellte. «Ich wäre gerne schneller gelaufen, bin aber erstmal glücklich.»

Mehr als Glück empfand Hanna Klein nach Bronze in 4:20,07 Minuten über 1500 Meter. «Es war mein Traum, eine Medaille zu gewinnen. Es ist meine erste bei einer großen Meisterschaft – die Farbe ist mir relativ egal», so die Tübingerin. Schlecht gelaufen ist es für Gesa Krause. Die Hindernis-Europameisterin wurde in dem Lauf nur Letzte. «Trotz dieses Rennens bin auf gutem Weg nach Tokio», sagte die Triererin. «Ich bin aus einem Tief immer stärker herausgekommen.»

Olympia-taugliche Höhen erreichte auch Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko nicht. Gehandicapt durch Fußprobleme überquerte der 28-jährige Leverkusener nur 2,19 Meter. «Ich bin echt traurig», sagte er verzagt, versicherte nach einer schwierigen Phase aber dennoch: «Das Fluggefühl ist wieder da. Im Sommer geht es richtig ab.»

Wenn es nach der früheren Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz ginge, sollten die Tokio-Spiele wegen Corona lieber bis 2024 verschoben werden. So könne man die Vier-Jahres-Periode wiederherstellen, sagte Schwanitz im Deutschlandfunk. Dann ginge es nicht mehr um Angst, sondern «tatsächlich wieder um den Sport», argumentierte Schwanitz, die zum EM-Auftakt Bronze gewann. Die Sommerspiele in Paris (2024) und Los Angeles (2028) sollten laut Schwanitz entsprechend jeweils vier Jahre später abgehalten werden.

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Feuilleton

Berühmter «Guernica»-Wandteppich verlässt UN-Hauptquartier

Die damalige amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley geht am
«Guernica»-Wandteppich im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York vorbei.
Foto: Mary Altaffer/AP/dpa

New York (dpa) – Nach mehr als 35 Jahren vor dem Eingang des Sicherheitsrats im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York ist der berühmte «Guernica»-Wandteppich abgehängt worden. Das Kunstwerk sei eine Leihgabe des früheren US-Vizepräsidenten Nelson Rockefeller gewesen, dessen Sohn die UN vor kurzem darüber informiert habe, dass er es zurückhaben wolle, teilte ein UN-Sprecher mit. «Wir danken der Rockefeller-Familie, dass sie dieses kraftvolle und ikonische Kunstwerk mehr als 35 Jahre lang ausgeliehen hat.»

Der Wandteppich basiert auf dem Werk «Guernica», das der Künstler Pablo Picasso 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch einen Luftangriff der deutschen «Legion Condor», unter geringer Beteiligung des faschistischen Italiens, malte.

Das Original gilt als eines der berühmtesten Mahnmale gegen den Krieg und hängt heute in Madrid. Die Vereinten Nationen überlegten nun, welches Kunstwerk an die Stelle des Wandteppichs vor den Eingang des Sicherheitsrat gehängt werden könne, hieß es.

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Gesundheit

Mit Liebe kochen und das Essen feiern

Essen in Pandemiezeiten hat Vor- und Nachteile. Statt Restaurantbesuch werden wir selbst kreativ. Zu viel Schokolade nebenbei hilft dagegen nur bedingt. Wie man das Beste aus der Situation macht.

Ein feierliches Essen zuhause kann ein Gegengift zum Chaos i
n Zeiten von Lockdown und Homeschooling sein.  Foto: Christin Klose/dpa

Von Christina Bachmann
Fulda (dpa) – Ins Kino, Museum oder Theater gehen, in größerer Runde Freunde treffen – etliches ist nicht mehr möglich im Lockdown. Bleibt für viele nur der Seelentröster Essen. «Essen ist die einfachste Form der Belohnung in einer Überflussgesellschaft», bestätigt Johann Christoph Klotter, Professor für Ernährungspsychologie an der Hochschule Fulda.

Essen werde zum Emotionsmanager, sagt der Ernährungspsychologe. «Durch Essen wird die soziale Isolation kompensiert. Ich kann nicht eben mal in ein Café gehen und einen Kaffee trinken, also gehe ich zum Kühlschrank und hole mir was raus.» Weil viele Sportmöglichkeiten wegfallen, droht umso schneller Übergewicht.

In der Menschheitsgeschichte ist Essen außerdem mit sozialer Zugehörigkeit verbunden. «Ich esse in der Familie, im Freundeskreis, ich tausche mich aus über das, was am Tag passiert ist. Das Essen ist das, was die Menschen verbindet», sagt der Professor. Corona macht das ein Stück weit unmöglich.

Bewusst kochen
und essen

Doch es gibt auch Chancen, meint der Experte. «Wir können Zugehörigkeit simulieren, indem wir zum Beispiel digital miteinander kochen.» Das könne zumindest ein Ersatz sein. «Ich mache das auch mit Freunden: Wir stehen in den Küchen und schauen, wie wir was zubereiten.»

Klotter sieht nicht nur negative Auswirkungen. «Corona hat eine Zunahme an Esskompetenz gebracht», sagt er. «Die Leute kümmern sich wieder mehr um das eigene Essen.» In den vergangenen Jahren seien Kochen und Essen immer mehr ein Nebenbei geworden. «Auf einmal ist eine Liebe zum Kochen neu entstanden.»

Bewusster kochen und essen schützt auch vor Übergewicht. «Die Quantität durch die Qualität ersetzen», ist Klotters Tipp. «Ich schaue, was mir besonders gut schmeckt, und das esse ich. Ich esse nicht Schokolade vor dem Computer, sondern ich mache mir selbst Pralinen, die für mich einmalig sind.»

Essen ist etwas
Feierliches

Das Nebenbei-Essen durch Ruhe und Besinnlichkeit ersetzen, lautet ein weiterer Rat des Ernährungsexperten. Gewisse Regeln könne man für sich laut aussprechen, etwa: «Ich esse nicht vor dem Fernseher» oder «Wenn ich mit der Familie esse, habe ich nicht das Handy am Tisch».

«Das Essen muss ritualisiert werden, es muss etwas Feierliches haben», fordert der Professor. Das helfe letztlich auch gegen Übergewicht: «Wer Esskultur hat, wiegt weniger.»

Feierliches Essen – für Homeschooling-Familien mitten im Chaos mag das zynisch klingen. Muss es aber nicht, glaubt Klotter. «Es ist ein Gegengift zum Chaos.» Es sei erwiesen, dass Pausen die Arbeitsfähigkeit erhöhten. «Das kann man übertragen: Rituale, also Pausen mit Essen, reduzieren das Chaos.»

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Reise

„Alpen-Sylt Nachtexpress“ soll zu Pfingsten wieder fahren

Ab dem 20. Mai soll der Alpen-Sylt-Nachtexpress wieder rollen.  Foto: dpa

Westerland (dpa) – Der Nachtzug von Sylt in die Alpen startet zu Pfingsten in die Saison 2021 – mit Corona-Hygienekonzept an Bord. Vom 20. Mai an bis zum 7. November können Reisende wieder donnerstags und samstags mit dem Alpen-Sylt Nachtexpress von Westerland bis nach Salzburg in Österreich fahren, teilte der Betreiber RDC Autozug Sylt GmbH nun mit.

Zudem wird an diesen Tagen erstmals auch die Region Stuttgart und mit Konstanz der Bodensee angesteuert. Reisende aus dem Süden können in umgekehrter Richtung freitags und sonntags Küsten und Inseln in Norddeutschland erreichen. Der Zug wird ab Gmünd geteilt beziehungsweise vereint. Der Fahrplan ist den Angaben zufolge so getaktet, dass im Norden direkter Anschluss nach Kopenhagen, zu den Ostseeinseln Rügen und Fehmarn sowie den Kreuzfahrthäfen Kiel, Rostock und Stralsund besteht und im Süden in einer Stunde Zürich erreicht werden kann.

An Bord gilt wegen der Corona-Epidemie ein konsequentes Hygienekonzept. In das gebuchte Abteil steigen über die gesamte Strecke hinweg keine fremden Dritten zu. Deshalb muss darin unterwegs keine Maske getragen werden, wie RDC mitteilte. Maskenpflicht besteht beim Ein- und Ausstieg, auf den Gängen oder bei Mitfahrt im öffentlichen Sitzplatzwagen.

Tickets gibt es ab sofort online auf http://www.nachtexpress.de

  • Gen Süden wird der Zug ab Gemünden geteilt: Fahrgäste mit Zielort Salzburg fahren via Nürnberg, München bis Salzburg weiter. Fahrgäste mit Zielort Konstanz fahren via Frankfurt/Main, Stuttgart (Ludwigsburg) bis Radolfzell und Konstanz am Bodensee.
  • Gen Norden werden beide Zugteile ab Gemünden zu einem Zug vereint, dieser fährt via Hannover, Hamburg und Husum direkt bis auf die Insel Sylt.

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Mit Zimmerpflanzen kommt Natur ins Haus

Bei dem wilden Mix von Grün ist wichtig, dass alle Pflanzen die gleichen Ansprüche an Licht und Pflege haben. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Von Katja Fischer
Berlin/Bonn/Düsseldorf (dpa) – Ein paar Blumentöpfe auf dem Fensterbrett? Das ist vielen Pflanzenfreunden zu langweilig. Heute wird die Wohnung gerne mal zum Dschungel. Zimmerpflanzen trendbewusster Bewohner sind zahlreich, üppig und dekorativ. Fehlt es an Platz, sollten es wenigstens einige einzelne ausgefallene oder bizarre Exemplare im XXL-Format als Hingucker sein. In Mode sind auch bepflanzte Bilderrahmen oder ganze Grün-Wände. Die Zimmerpflanzen avancieren zu Elementen der modernen Inneneinrichtung.

Lange führten exotische Pflanzen wie Orchideen die Liste der beliebtesten Zimmerpflanzen an. «Sie hatten in den letzten zehn bis 15 Jahren ihre große Zeit. Seit etwa drei Jahren kommen nun aber die Grünpflanzen», so Leo Thissen vom Bundesverband Zierpflanzen in Bonn. Gefragt sind vor allem Sorten mit großen Blättern wie das Fensterblatt (Monstera deliciosa), die Geigenfeige (Ficus lyrata) oder auch Strelitzien.

«Bei den Blühpflanzen dominieren aber immer noch die Orchideen», erklärt Arne Hückstädt vom Industrieverband Garten in Düsseldorf. Neben der bekannten Schmetterlingsorchidee werden jetzt zunehmend auch anspruchsvollere Arten nachgefragt. An Beliebtheit gewonnen haben außerdem Blühpflanzen, die ansprechende Blätter oder besondere Blütenfarben haben, wie etwa Flamingoblumen (Anthurien). Auch finden Kakteen und Sukkulenten immer mehr Liebhaber.

Wer eine einzelne Pflanze in einem Raum in Szene setzen möchte, sollte nach Exemplaren mit einer speziellen Blattform oder -farbe suchen. Auch große und außergewöhnliche Blüten lassen eine Einzelpflanze wirken, ebenso wie Pflanzen mit einer auffallenden Wuchsform.

Besonders modern ist der Trend, Pflanzen an den Wänden zu platzieren. «Relativ unkompliziert sind grüne Bilderrahmen», meint Thissen. «Dafür sind stark aufrecht wachsende Pflanzen geeignet. Sie müssen wie jede andere Zimmerpflanze passend zum Klima in Raum gewählt werden, sonst leiden sie und werden unansehnlich.»

Eine wilde Mischung von Grün, den angesagten «Urban Jungle» erzielt man durch die Kombination verschiedener Pflanzen. «Dafür eignen sich alle Arten mit gleichen Ansprüchen, was Temperatur, Licht und Pflegeaufwand angeht», sagt Hückstädt. Wichtig ist, dass große Pflanzen kleineren nicht das Licht wegnehmen. Deshalb sollten die kleineren näher am Fenster platziert werden.

Pflanzen profitieren davon, wenn sie in Gruppen stehen – allerdings nicht zu dicht, da sie sich sonst gegenseitig im Wachstum behindern. Größere Pflanzen kann man auch mit kleineren Arten unterpflanzen und so zwei oder mehr Pflanzen im selben Topf unterbringen. Auch hier müssen die Ansprüche zueinander passen.

Wer einen größeren vertikalen Garten im Innenraum anlegen möchte, also zum Beispiel bepflanzte Bilderrahmen, sollte unbedingt einen Fachmann zurate ziehen. Denn hier kommt es auch noch auf einen weiteren Faktor an: die Stabilität der Wände. «Er kann die Statik der Wände beurteilen und passende Systeme fachgerecht installieren», sagt Hückstädt. In Mietwohnungen kann unter Umständen die Zustimmung des Vermieters notwendig sein, wenn es sich um eine bauliche Veränderung handelt.

Eins haben die meisten Zimmerpflanzen gemeinsam: «Fast alle Trendpflanzen kommen aus tropischen oder subtropischen Regionen. Daher benötigen sie meist Temperaturen über 20 Grad», so Hückstädt. Da sie für ein gesundes Wachstum auch viel Licht brauchen, sollten sie an einem hellen Standort stehen. Insbesondere Pflanzen mit mehrfarbigen Blättern brauchen viel Licht, damit sie farbenfroh bleiben und gut wachsen. In dunklen Ecken verkümmern sie schnell.

Sehr hell mögen es zum Beispiel Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der Palmfarn (Cycadales) und die Zimmertanne (Araucaria heterophylla). «Diese Pflanzen brauchen mehr als 4300 Lux», erklärt Jürgen Hermannsdörfer vom Zentralverband Gartenbau in Berlin. Mit erheblich weniger Licht kommen dagegen zum Beispiel Drachenbaum (Dracaena) und Kolbenfaden (Aglaonema) aus. Ihnen genügen – je nach Sorte – schon 800 Lux.

«Bevor man eine Zimmerpflanze kauft, sollte man also den künftigen Standort kennen», rät Thissen. «Es gibt für jeden Raum die passende Pflanze.»

Wichtig ist zu wissen, in welche Himmelsrichtung der Raum ausgerichtet ist. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob er nach Süden oder Norden liegt. Da kommen völlig verschiedene Pflanzen in Frage.

Vom Nachhelfen mit externen Lichtquellen hält er nicht viel. «Besser ist es, für nicht so helle Räume Pflanzen zu wählen, die sich von Natur aus im Schatten wohlfühlen, zum Beispiel die Schusterpalme. Die muss sogar dunkel stehen, sonst gedeiht sie nicht.» Auch Baumfreund (Philodendron) oder Farne kommen mit weniger Licht aus.

Die Vitalität der Zimmerpflanzen hängt auch vom passenden Pflanz-Substrat und der bedarfsgerechten Nährstoffversorgung ab. «Beim Umtopfen sind mineralisch-organische Substrate zu empfehlen und das Düngen sollte bei jedem Gießgang in kleinen Dosierungen erfolgen», meint Herrmannsdörfer.

Bei Erdpflanzen in Übertöpfen ohne Drainage oder Wasserstandanzeiger ist das Gießen gar nicht so einfach, denn es besteht die Gefahr, dass die Pflanze überwässert wird.

«Das ist ohnehin der verbreitetste Fehler bei der Pflege von Zimmerpflanzen. Sie leiden eher darunter, zu viel gegossen zu werden, als zu vertrocknen.»

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

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Soldat in Hessen verhaftet: Waffen und Munition gefunden

Waffen, Munition, Sprengstoff – und der Vorwurf rechtsextremer Äußerungen. Am Wochenende haben Ermittler in Hessen einen Soldaten und zwei Verwandte festgenommen.

HANDOUT – 01.03.2021, Hessen, Hanau: Auf dem vom hessischen Landeskriminalamt zur Verfügung gestellten Foto sind Waffen auf einem Bett zu sehen. Hessische Ermittler haben nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Waffen und Munition bei einem weiteren Bundeswehrsoldaten gefunden und den Mann vorläufig festnehmen lassen.
Foto: -/LKA Hessen/dpa

Berlin (dpa) – Spezialkräfte der hessischen Polizei haben einen Bundeswehrsoldaten festgenommen und Waffen sowie Munition sichergestellt. Auch ein Verwandter des Mannes wurde festgenommen, ein dritter Tatverdächtiger stellte sich, wie das Landeskriminalamt Hessen und die Staatsanwaltschaft Hanau am Montag mitteilten. Den Männern aus Glashütten im Hochtaunuskreis werde zur Last gelegt, «illegal Waffen und Munition gehortet und sich in rechtsextremer Weise geäußert zu haben», hieß es in einer Pressemitteilung.

«Bei der Durchsuchung der Privat- und Diensträume wurden umfangreiche Beweismittel, darunter scharfe Schusswaffen, diverse Munition, Spreng- und Explosivstoff sowie Schriftstücke und Datenträger aufgefunden und sichergestellt», teilten die Behörden mit. Eine Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Hanau habe gegen alle drei Männer Haftbefehle erlassen. Die Ermittlungen dauerten an, weitere Angaben könnten derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht werden.

Der 21-jährige Heeressoldat wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag nach einem Hinweis gestellt. Der freiwillig Wehrdienstleistende ist an einem Standort in Pfullendorf in Baden-Württemberg eingesetzt. Dort hat das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen seinen Sitz.

Festgenommen wurden demnach in Hessen auch sein Vater, freiwillig stellte sich sein Bruder. Die Behörden ermitteln wegen Verdachts der Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Sprengstoff-, Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Bundeswehr erklärte, die Strafverfolgungsbehörden würden bei ihren Ermittlungen unterstützt. Weitere Auskünfte könnten nicht gegeben werden.

Die Polizei stellte Kurz- und Langwaffen, Munition, eine Handgranate sowie Sprengmittel sicher. Dabei geht es nach ersten Erkenntnissen überwiegend um Material, das nicht aus Bundeswehrbeständen stammt. So handelt es sich bei der Handgranate wohl um ein Modell aus dem früheren Jugoslawien.

Zuletzt machte mehrfach das Kommando Spezialkräfte (KSK) im Zusammenhang mit Munitionsvorfällen Schlagzeilen. So war bei einem Kommandosoldaten aus Sachsen im Garten ein Waffenversteck mit Munition und Sprengstoff gefunden worden. Auf den Fall in Hessen sind die Behörden aber ganz unabhängig von schon laufenden Ermittlungen aufmerksam geworden.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

verhaftet – arrested
Sprengstoff – explosives
Vorwurf – accusation
Ermittler – investigators
festgenommen – arrested
Waffen – weapons
Munition – ammunition
Tatverdächtiger – suspect
stellate sich – turned himself in
zur Last gelegt – charged with
umfangreiche – extensive
Beweismittel – evidence
Schriftstücke – written documents
Datenträger – digital media
aufgefunden – discovered
dauerten an – continued
weitere Angaben – further details
Gründen – reasons
Heeressoldat – member of the army
Hinweis – tip
freiwillig – voluntary
Wehrdienstleistende – service member
Verdachts – suspicion
Volksverhetzung – inciting people
Verstoßes gegen – violation of
Strafverfolgungsbehörden – prosecutor’s office
unterstützt – supported
überwiegend – predominantly
stammt – originated
Munitionsvorfällen – ammunitions incidents
Schlagzeilen – headlines
Waffenversteck – weapons cache

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*