14. August 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Prüde Republik Deutschland?

Ausgerechnet im FKK-Geburtsland spaltet Nudismus die Gesellschaft. Ein Unwohlsein am Nacktsein scheint sich in Deutschland auszubreiten. Woran liegt das? Und wie steht es eigentlich um die Nippelfreiheit?

St. Peter-Ording: Ein unbekleidetes Paar sonnt sich in einem Strandkorb am FKK-Strandabschnitt in St. Peter-Ording. Ein Unwohlsein am Nacktsein scheint sich in Deutschland auszubreiten. Foto: dpa

Von Gregor Tholl
Berlin (dpa) – «In jeder Welle hängt ein nackter Arsch» soll Romy Schneider nach einem Sylt-Besuch 1968 gesagt haben. Heute scheint die Freikörperkultur (FKK) weniger angesagt als damals. Oder besser formuliert: Sie spaltet. Viele lieben das Nackedei-Dasein, andere finden es abstoßend. Und auch die Corona-Pandemie zeitigt Folgen. Beim Strandbad Wannsee in Berlin heißt es zum Beispiel: «Aufgrund der aktuellen Bestimmungen können wir leider keinen FKK-Bereich anbieten.» Der 70 Jahre alte Wannsee-Schlager ist also beim online gebuchten Termin so wahr wie selten zuvor: «Pack die Badehose ein…»

Eine Yougov-Umfrage in Kooperation mit dem Portal Statista ergab aktuell, dass sich Erwachsene in Deutschland an Orten, an denen man nackt ist, etwa am FKK-Strand oder in der Sauna, eher unwohl fühlen (36 Prozent) als wohl (28 Prozent). Der Rest meidet solche Orte grundsätzlich oder machte keine Angabe. Vor allem Frauen fühlen sich unwohl (39 Prozent); bei Männern sind es 34 Prozent. Klischeegemäß geben Ostdeutsche (36 Prozent) häufiger als Westdeutsche (26 Prozent) an, sich an Orten wie einem Nacktstrand wohl zu fühlen.

Historisch ist Deutschland eine Wiege der Nacktkultur. «Bis zur Gründung erster FKK-Vereine Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich gab es im Umgang mit Nacktheit kaum Unterschiede in Europa», sagt der Historiker Heiko Stoff von der Medizinischen Hochschule Hannover. «Die damals neue Naturismusbewegung hatte eine Botschaft. Es ging darum, systematisch am Körper zu arbeiten, das klassische griechische Modell, eine Art idealen Marmor-Leib, zu verwirklichen.»

Sexualität habe dabei keine Rolle gespielt, höchstens in dem Sinne, dass sich nur schöne gesunde Körper fortpflanzen sollten. «Das war damals schon sehr völkisch, im Zeitgeist der sogenannten Rassenhygiene.» Teile der Lebensreformbewegung pflegten zudem einen fatalen Antisemitismus. Dabei ging es laut Stoff zum Beispiel auch darum, Juden am beschnittenen Penis zu erkennen.

In den 1920er Jahren gab es dann neben dem völkischen auch einen eher sozialistischen Nudismus. «Der geknechtete proletarische Körper sollte sich in der Nacktheit selbst bewusst werden. Man wollte die alte Moral des Kaiserreichs ablegen. Es ging um Lebensfreude.» An den Kiosken boomten in den 20ern außerdem Nacktkulturzeitschriften. Sie waren keine Pornos, wie Stoff erläutert, aber oft am Rande der Legalität. Inszeniert wurden die Körper jetzt oft tollend am Strand statt statuenhaft.

In der Zeit des Nationalsozialismus waren viele weniger prüde als man denkt. Ein Bestseller war zum Beispiel das FKK-Buch «Mensch und Sonne» von Hans Surén, in dem es von Nackten nur so wimmelt. Nach 1945 bekamen FKK-Fans vielerorts in Ost und West eigene Badestrände. Ab den 60er Jahren und in den 70ern war Nacktbaden ein Trend – bei Frauen war mindestens «oben ohne» angesagt.

Und heute? Ausgerechnet «oben ohne» löste diesen Sommer eine Debatte in Berlin aus. An der Plansche im Plänterwald zog ein Polizeieinsatz wegen einer angeblich FKK frönenden Frau mit blanker Brust eine Debatte über Gleichberechtigung nach sich. Ein Sicherheitsdienst hatte die Besucherin mehrmals aufgefordert, sich zu bekleiden, schließlich kam auch die Polizei. Das zuständige Amt verteidigte das Vorgehen von Parkaufsicht und Polizei, entschuldigte sich aber auch bei der Frau, die sich mit ihrem sechsjährigen Sohn an dem Wasser-Spielplatz befand und sonnte.

Kern der Diskussion: Warum sind nackte Frauenbrüste FKK, eine nackte Brustpartie von Männern aber nicht? Unter dem Motto «Gleiche Brust für Alle» gibt es eine Art Bewegung dazu. Sie fordert für Frauen ein Oben-ohne-Recht an Orten, an denen sich auch Männer mit nacktem Oberkörper zeigen. Man wolle Brüste «normalisieren» statt sie zu sexualisieren. Leitspruch: «No Nipple is free until all Nipples are free!» (Keine Brustwarze ist frei, bis alle Brustwarzen frei sind).

Solche Debatten über mehr nackte Tatsachen hält der Medizinhistoriker Stoff jedoch für wenig repräsentativ. Er sieht das Internet vielmehr als Antreiber einer gewissen Art von Scham. In den Selbstdarstellungen etwa bei Instagram dominiere heute stets eine Idealisierung des Körpers mit straffer Haut. «Die meisten Bilder werden nachbearbeitet. Am Strand können wir uns aber nicht nochmal durch den Filter ziehen. Das ist meines Erachtens eher ein Grund, warum es Unwohlsein in Sachen Nacktheit gibt. Die Realität ihres Körpers macht vielen Menschen Angst und wird deshalb abgelehnt. Ich halte das für entscheidender, als dass es eine Reprüderisierung gibt oder religiöses Denken auf dem Vormarsch ist.»

Auch wenn am Strand durchaus Leute unvollkommene Körper zur Schau trügen, empfänden viele für sich persönlich einen Druck, sich dem angeblichen Ideal anzunähern. «Schnell fühlt man sich als Versagerin oder Versager, der oder dem es nicht gelungen ist, den idealen Körper zu formen. Das nimmt natürlich die Freude an der Nacktheit, schafft Stress und Konkurrenz.» Eine Konkurrenz, die ansonsten die Kleidung zu überdecken helfe. «Wer sich etwa wegen seines Berufs oder Geldes gesellschaftlich höherrangig fühlt, empfindet sich dann nackt am Strand womöglich einem jungen Proletarier, der sehr viel Zeit in der Muckibude verbringt, unterlegen.»

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Sport

Arigato und Au revoir: Corona-Spiele in
Tokio beendet – Paris wartet

Die wohl außergewöhnlichsten Olympischen Spiele sind vorbei. Tokio erlebt ein Ringe-Spektakel mitten in der Corona-Pandemie und ohne Publikum. Nun ist die olympische Flagge bei Paris 2024. Sportlich erlebt das deutsche Team die schlechteste Bilanz seit 1990.

Abschlussfeier im Olympiastadion. Die olympische Flamme kurz vor dem Erlischen. Foto: dpa

Tokio (dpa) – Die XXXII. Olympischen Spiele in Tokio sind Geschichte. Um 22.14 Uhr Ortszeit erlosch am Sonntag im Olympiastadion das olympische Feuer nach 16 Tagen und 339 Entscheidungen. Damit endeten die wohl außergewöhnlichsten Spiele – mitten in der Corona-Pandemie, mit einem Jahr Verspätung und ohne Zuschauer.

Vor fast leeren Rängen kamen Sportlerinnen und Sportler noch einmal zu einer über zwei Stunden langen Schlussfeier zusammen. «Die Olympischen Spiele Tokio 2020 sind die Olympischen Spiele der Hoffnung, der Solidarität und des Friedens», sagte IOC-Präsident Thomas Bach im üblichen Pathos und erklärte die Spiele im Beisein von Kronprinz Akishino für beendet. Zum Schluss der Feier leuchtete der Schriftzug «Arigato» (Danke) durch das Stadion.

Für das Internationale Olympische Komitee steht in einem halben Jahr das nächste sowohl politisch als auch pandemisch schwierige  Ringe-Fest an. Dann werden in Peking die Winterspiele eröffnet. Zumindest politisch unkomplizierter wird es 2024 in Paris. Die Bürgermeisterin von Frankreichs Hauptstadt, Anne Hidalgo, übernahm die olympische Flagge für die Sommerspiele in drei Jahren.

Bei der Abschlusszeremonie in Tokio trug Ronald Rauhe die deutsche Fahne ins Stadion. Für den 39 Jahre alten Kanuten ein würdiges Ende einer großartigen Karriere, die er tags zuvor in seinem letzten großen Rennen mit dem Olympiasieg im Kajak-Vierer gekrönt hatte.

Der Kanu-Triumph brachte die letzte von 37 Medaillen für das deutsche Olympia-Team ein. Bahnradsportlerin Emma Hinze verpasste am Sonntag mit Platz vier Bronze und die 38. Medaille. In Rio hatte es für Team D noch 42 Mal Edelmetall gegeben. Zehnmal Gold, elfmal Silber und 16 Mal Bronze und Rang neun der Nationenwertung war die schlechteste Bilanz seit der Vereinigung. Vor allem in Sportarten wie Fußball, Handball, Beachvolleyball oder Hockey blieben die deutschen Teams hinter den Erwartungen.

So fanden auch die letzten Team-Entscheidungen ohne deutsche Beteiligung statt: Die US-Volleyballerinnen eroberten erstmals Gold, ihre Landsfrauen im Basketball gelang der erneute Olympiasieg. Im Wasserball gewannen die Serben. Frankreichs Handballerinnen holten ebenso Gold. Die USA wurden zum dritten Mal in Serie erfolgreichste Nation bei Sommerspielen vor China und Gastgeber Japan.

Die sportlichen Erfolge lösten in Japan phasenweise Begeisterung aus. Doch Olympia blieb umstritten. Während der Olympischen Spiele erreichte die Zahl der Infektionen in Tokio Rekordwerte. Die Gesamtzahl der Infizierten im Zusammenhang mit den Spielen seit dem 1. Juli lag indes bei 430, davon 32 Bewohner des olympischen Dorfs.

Im deutschen Team gab es am Schlusstag einen zweiten Fall nach Radprofi Simon Geschke. Susanne Wiedemann, Sportdirektorin im Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf, wurde positiv getestet. Sie begab sich ins Quarantäne-Hotel. Für sie ist das besondere Olympia-Erlebnis in Tokio noch nicht beendet.

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Feuilleton

Ausstellung zeigt «Fantastische Welten» auf Landkarten

Eine Landkarte der Nordpolargegend aus dem Jahr 1595. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Stuttgart (dpa) – Die Karte des Schiffbrüchigen Robinson Crusoe, ein Plan der sagenumwobenen Goldstadt El Dorado oder der Nordpol als Wassergebiet hinter dem Land, in dem die Pygmäen wohnen? Gab‘s zwar alles nicht, ist aber alles auf Karten verzeichnet. Mal bunt, mal schwarz-weiß, reich verziert oder mit schnellem Strich gezeichnet – auf Landkarten und Stadtplänen haben sich Menschen über Jahrhunderte eine Welt aus Fantasie und Vorstellungen zusammengezeichnet. Dutzende dieser «Fantastischen Welten» sind bis zum 3. Oktober in der gleichnamigen Ausstellung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart zu sehen. Sie spiegeln neben der Fantasie auch eine Welt der Mythen und des Unwissens wider. «Wo das exakte Wissen endete, setzt auch in der ernsten Kartographie die Fantasie ein», sagte Kurator Hans-Christian Pust bei der Eröffnung der Ausstellung.

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Gesundheit

Darmkrebsvorsorge: Schon im Kindesalter auf Zucker achten

Kinder lieben Süßes. Hoher Zuckerkonsum im Kindesalter kann laut einer 
Studie die Entstehung von Darmkrebs im Erwachsenenalter begünstigen.   Foto: dpaa

Köln (dpa) – Wird Fruchtzucker in jungen Jahren zu viel gegessen, kann sich das später auf die Darmgesundheit auswirken.

Das sich hoher Zuckerkonsum auf Gewicht und Zahngesundheit von Kindern auswirken kann, ist bekannt. Eine große internationale Studie hat nun ergeben, dass hoher Zuckerkonsum in jungen Jahren zudem die Entstehung von Darmkrebs im Erwachsenenalter begünstigen kann.

Vor allem Fruchtzucker und gesüßte Getränke stehen demnach im Zusammenhang mit der Entwicklung von sogenannten Adenomen im Darm, insbesondere im Dickdarm, erklärt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Diese Adenome können sich zu Carcinomen weiterentwickeln. Nicht ganz so ausgeprägt, aber ähnlich, waren die Ergebnisse für den Zuckerverbrauch insgesamt. Für die Experten ein Argument dafür, den Zuckerkonsum in der Kindheit zu reduzieren und im Blick zu behalten.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung plädiert dafür, dass Kinder sich erst gar nicht an eine hohe Zuckerzufuhr und den damit verbundenen Süßgeschmack gewöhnen sollen. So seien gerade für Kinder beworbene Lebensmittel oft stark zuckerhaltig. Insbesondere Fruchtzucker (Fructose) wird wegen seiner stärkeren Süße häufiger in verarbeiteten Lebensmitteln verwendet, so der BVKJ.

Und gerade dieser kann den Forschern zufolge die Krebsbildung beeinflussen, indem er die Darmflora verändert. Gerade hohe Dosen oder ständiger Nachschub von Fruchtzucker können die Resorptionsleistung des Dünndarms überfordern, sodass dieser bis in den Dickdarm gelangt. Zudem vermuten die Forscher, dass jugendliche Körper aufgrund von Wachstum sowie hormonellen und Stoffwechselveränderungen auf eine hohe Zuckeraufnahme besonders empfindlich reagieren. Laut der Experten sollte bei Kindern ab 2 Jahren deshalb die täglichen Kalorienzufuhr in Form von Zucker nicht mehr als etwa 5 Prozent sein. Für einen 10 bis 13-jährigen Jungen, der rund 1900 kcal pro Tag verzehrt, wären das maximal 95 Kcal in Form von Zucker. Das entspricht knapp fünf gestrichenen Teelöffeln Zucker.

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Reise

Mehr als Kirchen: Braga ist das angesagte «Rom Portugals»

Eines der schönsten Gebäude Bragas ist die Barockkirche des Heiligen Markus.  Foto: Manuel Meyer/dpa

Von Manuel Meyer
Braga (dpa) – Wer Bragas bekannteste Sehenswürdigkeit sehen möchte, muss hoch hinauf: 581 Stufen. Schweißtreibende Angelegenheit. Dabei geht es auch entspannter. Besucher können sich auch in die älteste Wasserballast-Standseilbahn der Welt setzen, die sich in drei Minuten den Steilhang des Espinho-Berges hocharbeitet.

Bahnfahrer Bruno Coroas kennt die Fakten: «Seit 1882 ist sie in Betrieb und funktioniert ausschließlich mit Wasserkraft. Wir benötigen rund 80 Liter Wasser pro Passagier.» Eigentlich müsste sein Beruf Bahnbremser lauten, findet Coroas, denn er betätigt eigentlich nur Bremsbügel, um die Geschwindigkeit zu regulieren. Interessante Erfahrung. Und eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert.

Schweißtreibender Aufstieg in den Himmel
Doch das mühsame Treppensteigen lohnt sich ebenfalls. Im Zickzack führt die barocke Monumentaltreppe 116 Meter steil hinauf zur Wallfahrtskirche des Bom Jesus do Monte. Die weiß gekalkte Freitreppe aus Granitstein gilt als die schönste Portugals. Kapellen, Kruzifixe und Statuen biblischer Figuren beschreiben den Kreuzweg Jesu.

Die «Springbrunnen der Sinne» stellen die fünf Sinne des Menschen dar. Im oberen Bereich erzählen die Treppenläufe mit allegorischen Darstellungen von den drei theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe. «Die Treppe symbolisiert sozusagen den Aufstieg eines Christen in den Himmel», erklärt Varico Pereira von der katholischen Bruderschaft des Bom Jesus do Monte.

Nein, man landet nicht im Himmel. Aber der blumengeschmückte Moses-Platz mit seinem Pelikanbrunnen und die darüber liegende Wallfahrtskirche sind zweifellos ein besonderer Ort.
«Bevor Fátima weltberühmt wurde, war das Heiligtum des Bom Jesus Portugals bedeutendster Wallfahrtsort», erinnert sich Pereira. In der Kirche selbst fällt das Altarszenarium auf, das den Leidensweg Jesus darstellt. Der Bau ist harmonisch in eine bunte Parklandschaft mit Blumenwiesen und dichten Wäldern eingelassen.

Die Unesco nahm das gesamte Ensemble samt Freitreppe und historischer Wasserballast-Standseilbahn 2019 in die Weltkulturerbe-Liste auf.

Der Blutstropfen des Papstes
Weiter oben wartet auf dem 564 Meter hohen Monte Espinho noch ein Highlight: die Wallfahrtskirche von Sameiro, nach Fátima das zweitgrößte Marienheiligtum in Portugal. Papst Johannes Paul II. erhob es 1964 zur Basilika. Heute wird im Inneren ein Blutstropfen des 2014 heiliggesprochenen Papstes als Reliquie aufbewahrt.

Vom Vorplatz der Basilika eröffnet sich ein imposanter Blick auf Braga hinab. Das kurz vor Christi Geburt von den Römern gegründete Bracara Augusta liegt in einer sanften Hügellandschaft. Dahinter glitzert der Atlantik in der Abendsonne. Unzählige Kirchtürme formen die Silhouette der Stadt mit rund 130 000 Einwohnern.

«Nicht umsonst wird Braga auch das Rom Portugals genannt. Lissabon ist politische Hauptstadt, Braga das spirituelle Zentrum Portugals», erklärt José Paulo Abreu, Vorsitzender der Wallfahrtsbruderschaft der Jungfrau Sameiro. Über 40 romanische, barocke und neoklassische Kirchen, Klöster und Kapellen prägen das mittelalterliche Braga.

Die Ruhestätte der
Bischöfe

Die Sé ist die älteste Kathedrale des Landes. Heinrich von Burgund, Vater des ersten portugiesischen Königs Afonso Henriques, ließ sie im 12. Jahrhundert erbauen. Er ist in der «Königskapelle» bestattet. Die Kathedrale – ein Mix aus Romanik, Gotik und Barock – ist das Wahrzeichen der Stadt und eines der wichtigsten Bauwerke des Landes.

Gleich neben der Schatzkammer mit dem Eisenkreuz, das die Portugiesen bei der Eroberung Brasiliens dabei hatten, sind alle Bischöfe vom 3. Jahrhundert nach Christi bis heute bestattet. Braga wird daher als Stadt der Bischöfe bezeichnet. Bischof Martin von Dumio konvertierte übrigens die Sueben um 550 zum Katholizismus. Der von der Ostsee kommende germanische Stamm machte Braga damals zur Hauptstadt seines neuen Königreichs im grünen Norden des heutigen Portugals.

Jeder Stein in Braga scheint eine Geschichte zu haben. Stadtpaläste und Herrenhäuser, Torbögen, Gassen mit Kopfsteinpflaster, Stadttore, Wehrtürme und Kirchen wie die imposante Igreja da Misericórdia prägen das Stadtbild. Eines der schönsten Gebäude der Stadt ist die Barockkirche des Heiligen Markus mit dem angeschlossenen, bereits 1508 gegründeten Krankenhaus São Marcos, in dem sich heute das sehenswerte Vier-Sterne-Hotel «Vila Galé Braga» befindet.

In unmittelbarer Nähe des Bischofspalastes blüht und duftet es im Jardim de Santa Bárbara, eine der schönsten öffentlichen Gartenanlagen Portugals aus dem 17. Jahrhundert.

Konservative Pracht und wildes Nachtleben
«Auf den ersten Blick wirkt Braga wie eine schöne, aber etwas biedere, konservative Kirchenstadt. Aber das ist weit gefehlt», sagt Daniel Pereira Cristo. Der bekannte Musiker und Gitarrist hält seine Heimatstadt sogar für ausgesprochen jung und vital.

Der Grund ist schnell ausgemacht: Braga hat eine der größten Universitäten Portugals. Fast 20 000 Studenten leben hier. «Abends füllen sich die Cafés und Bars der Stadt mit Jugendlichen. Braga hat ein richtig aufregendes Nachtleben. Im Sommer finden viele Open-Air-Konzerte statt», erzählt Cristo.

Der Musiker gilt als einer der wichtigsten Kämpfer für den Erhalt regionaler Musik und Instrumente – wie der Viola Braguesa, der «Gitarre Bragas» mit zehn Saiten. Aufgrund der kirchlichen Tradition gebe es in Braga unheimlich viele Volksfeste, auf denen aber unchristlich viel und ausgiebig gefeiert werde, sagt Cristo.

Dabei seien die regionalen Volkslieder unheimlich fröhlich und hätten nichts mit dem für Portugal bekannten melancholischen Fado zu tun. So wird die Regionalmusik auch ein Aspekt bei der Bewerbung Bragas zur EU-Kulturhauptstadt 2027 darstellen.

Wandern im Nationalpark vor der Stadt
Neben Nachtschwärmern und Kulturfans kommen in Braga auch Natur- und Wanderfreunde auf ihre Kosten. Vor allem im Nationalpark Peneda-Gerês vor den Toren der Stadt. Das Unesco-Biosphärenreservat fasziniert mit Eichenwäldern, Granitlandschaften, tiefen Tälern und unzähligen Wasserfällen. Hier leben iberische Wölfe, Bergziegen, Rehe und heimische Zuchttiere wie die Cachena-Kuh mit ihren langen Hörnern.

Im Park befinden sich 22 Dörfer, die es auf Wandertouren zu entdecken gilt – neben alten Hirtentraditionen, Burgen wie Castro Laboreiro, prähistorischen Megalithen, Römerstraßen und dem berühmten Granit-Getreidespeicher in Soajo am Fluss Lima.

Nach so einem Wandertag kommt Hunger auf. Damit ist man in Braga genau am richtigen Ort. Im Herzen des grünen Minho-Tals zwischen Bergen und Atlantik begeistert die kräftige Regionalküche mit Wild- und Fischgerichten. Wer kein Vegetarier ist, sollte unbedingt das für Braga typische gebackene Zicklein und die Regionalvariante des portugiesischen Kabeljaus probieren. Ein Besuch auf dem modern restaurierten Wochenmarkt aus dem 18. Jahrhundert gibt einen guten Eindruck von der kulinarischen Vielfalt der Region.

Der Star aus Bragas Küche ist der landesweit berühmte Eier-Pudding Abade de Priscos. «Das Rezept erfand Anfang des 19. Jahrhunderts der Klostermönch Manuel Joaquim Rebelo aus Braga», sagt Manuel Almeida, während er Eier, Milch, Zucker, Zitronenschalen, Zimtrinde und Speck karamellisiert. Zum Schluss gibt er einen Schuss portugiesischen Portwein hinzu. Seit 1922 unterhält seine Familie in Braga die Konditorei Doçaria Cruz de Pedra.

Kultur, Geschichte, Nachtleben, Kulinarik, Wandern, Shopping – und alles zu Fuß erreichbar. Braga hat überraschend viel zu bieten. Das finden auch viele Reisende. Rund 600 000 Nutzer der Ranking-Webseite European Best Destinationswählten Braga zum attraktivsten Reiseziel Europas 2021. Vor Städten wie Rom, Florenz und Paris.

Info-Kasten: Braga
Anreise: Mit dem Flugzeug nonstop von Deutschland nach Porto. Braga liegt rund 40 Autominuten nördlich der Stadt.
Einreise und Corona-Lage: Reisen nach Portugal sind wieder möglich. Eine Reisewarnung gibt es lediglich für Lissabon und die Azoren. Für die Reise auf das portugiesische Festland wird schon beim Boarding ein negativer PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) oder Antigen-Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden) benötigt. Für Geimpfte und Genese gibt es keine Befreiung davon.
Übernachtung: In Braga gibt es Optionen für jeden Geldbeutel, von kleinen Hostels bis zu großen Luxus- und Spa-Hotels.

Internet-
Informationen:
http://www.visitportugal.com

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Später Neuanfang: So gelingt ein Umzug im Alterge gefährden Kinder und Babys

Umzug: Was kommt mit und was kann weg?
Foto: Christin Klose/dpa

Von Vera Kraft
Heidelberg/Frankfurt (dpa) – So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen, das ist für viele ältere Menschen nach wie vor das Ziel. Ein Großteil von ihnen verbindet einen anstehenden Umzug vor allem mit Stress. Doch es geht anders.

Denn auch wenn der Umzug nicht aus Gründen der Selbstverwirklichung, sondern aus rein praktischen Motiven erfolgt, muss er längst kein Horrorszenario sein. Worauf kommt es an, damit nicht nur der Umzug, sondern auch der Neuanfang bestmöglich gelingt?

Wenn die Stufen hinauf zur Wohnung unüberwindbar scheinen und auch das Schmeißen des Haushalts zur immer größeren Herausforderung wird, beginnen viele ältere Menschen und ihre Angehörigen zu überlegen, ob nicht ein Umzug in eine barrierefreie Wohnung oder in eine betreute Wohnform das Leben erleichtern würde.

Dadurch werde der Umzug allerdings oft negativ wahrgenommen, sagt die Psychologin Eva Asselmann. Nämlich als ein Hinweis darauf, dass man nicht mehr so fit und selbstständig ist, wie man sich das wünscht.

Wenn der Umzug dagegen noch nicht akut notwendig ist, lässt sich ein neutraleres Bild machen. Mit Blick auf die eigene Zukunftsplanung ist es ohnehin wichtig, sich rechtzeitig umfassend über mögliche Optionen zu informieren. Asselmann empfiehlt, sich schon relativ früh, mit 50 oder 60 Jahren, Gedanken zu machen, was einem im Alter wichtig sein könnte und wie man in 15 Jahren leben möchte.

«Wenn man noch fit ist, erscheint das Alter zwar in weiter Ferne, aber es kann auch beruhigend sein, so früh zu planen», sagt sie.

Der Alternsforscher Prof. Frank Oswald forscht seit rund 20 Jahren zu Entwicklung, Lebensqualität und Wohnen im höheren Alter. Er bestätigt die Empfehlung, die Asselmann gibt: «Es macht auf jeden Fall Sinn, sich früh und möglichst angstfrei mit dem Thema Wohnen im Alter auseinanderzusetzen und sich vorzubereiten.»

Doch auch wenn wir wissen, was gut für uns wäre, tun wir es oft nicht, ganz unabhängig vom Lebensalter. «Wir Menschen warten häufig ab, was geschieht und dann reagieren wir», sagt Oswald. Immerhin seien wir im Reagieren recht gut – auch noch im höheren Alter.

Für die Psyche kann ein Umzug am Lebensabend belastend sein. «Je älter Menschen werden, desto schwieriger werden Veränderungen für sie», erklärt Sabrina Odijk, die das Soziale Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst leitet. Gerade alte Menschen vertrauen viel auf Routinen, insbesondere wenn noch eine Demenz hinzukommt. Ein kompletter Neuanfang kann daher oftmals verunsichern.

Dazu kommt: Wer schon lange an einem Ort wohnt, ist oft stark gebunden an sein Zuhause, die Umgebung und die Nachbarschaft oder die Gemeinde. Während also praktische Gründe für einen Umzug sprechen mögen, regt sich emotional oft noch großer Widerstand dagegen.

«Umzüge gelten generell als kritische Lebensereignisse, die mit viel Umstellung verbunden sind», sagt der Psychologe und Alternsforscher Prof. Hans-Werner Wahl.

«Wohnen im weitesten Sinne ist mehr als Alltagshandeln und Ausstattung, es ist immer auch mit einer emotionalen Geschichte verbunden», sagt Frank Oswald. Für die Betroffenen fühlt sich die Situation meist anders an, als sie von außen betrachtet erscheinen mag. Emotionale Bindung ist nicht so sichtbar wie Barrieren.

«Einige ältere Menschen gehen aus Gründen der Verbundenheit lieber das Risiko ein, etwa auf ihrer Treppe zu stolpern, als diese Treppe umzubauen oder sich gar vom dazugehörigen Zuhause zu trennen», sagt Oswald. Angehörige sollten die Verbundenheit ernst nehmen.

Am besten setze man sich gemeinsam hin und schreibe eine Liste mit allen Vor- und Nachteilen auf, rät Hans-Werner Wahl.

Eine «wohlgemeinte Überfürsorglichkeit» könne indes schnell dazu führen, dass sich die ältere Person entmündigt fühlt, warnt Sabrina Odijk. Selbst bei kognitiv beeinträchtigten Menschen sei es wichtig, einen partnerschaftlichen Umgang zu wahren, sagt Wahl – damit die ältere Person Teil des Geschehens bleibe.

Fühlt man sich bei den wichtigen Entscheidungen zum Umzug gut eingebunden, gelingt womöglich auch die Anpassung an den neuen Ort besser. Besonders bedeutsam ist dabei, wie aktiv man vor Ort am Leben teilhaben könne, sagt Psychologin Asselmann.

Denn eine barrierefreie Wohnung bietet zwar eine wichtige Grundlage, bringt aber nur wenig, wenn die Umgebung nicht passt. Wie weit ist es zum nächsten Supermarkt und zur Apotheke? Welche Seniorentreffs und Freizeitangebote gibt es? Sind Familie und Freunde gut erreichbar? Wer sich möglichst viel und oft mit dem neuen Wohnort beschäftigt, kann dadurch neue Sicherheit gewinnen.

Ein erfolgreiches Ankommen beginnt schon beim Abschiednehmen von der alten Heimat, sagt Alternsforscher Oswald. Besonders wenn der Umzug mit einer Verkleinerung einhergeht, muss man sich von vielen liebgewonnen Gegenständen trennen.

Was wichtig ist, kann man nur selbst entscheiden – nicht die Angehörigen. Oft zählt nicht der materielle Wert, sondern die emotionale Verbundenheit. Beim Entrümpeln sollte man sich, wenn es geht, unbedingt aktiv einbringen – die Angehörigen sollten hier darauf achten, dass das nach Möglichkeit geschieht.

Am besten ist es, wenn man selbst schon einige Wochen im Voraus beginnt, zu sortieren: Was kann weg und was muss mit? Wohnberater, die auf Seniorenumzüge spezialisiert sind, können bei diesem Prozess gegebenenfalls professionelle Unterstützung bieten.

Das Aussortieren von Gegenständen fällt oft leichter, wenn ein Großteil nicht auf dem Sperrmüll landet, sondern weiterverschenkt oder für einen guten Zweck gespendet werden kann. Statt rigoros zu entsorgen, rät Hans-Werner Wahl, sich bewusst Zeit für den Abschied zu nehmen und sich beispielsweise vor Augen zu führen, welche Rolle ein treues Möbelstück im Leben gespielt habe.

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Aus Allen Staaten

GBU Saxonia Rheingold Chor Picknick

GBU-Stimmen geniessen frische Luft, gutes Essen, trinken und Freude über das Zusammensein.

Es war einmal…..ein Chor, der jede Woche eine Chorprobe hatte, sich auf Konzerte in der Carpathia vorbereitete, den “Christmas Market” für den Sonntag vorm 1.Advent organisierte und im Februar zum traditionellen Faschingsabend einlud. Wie schon gesagt: das war einmal! Im März 2020 übernahm das Coronavirus den Taktstock und der Chor verstummte.

Vor kurzem gab es ein Wiedersehen – bei einem Picknick. Es war für den 18. Juli geplant und fand auch statt. Die Teilnehmer waren Chormitglieder und „Freunde vom Chor”. Die Evangelisch-Lutherische St. Peter’s Kirche in Warren hatte dem Chor angeboten das Picknick dort zu feiern: bei schönem Wetter draussen, je nach Geschmack im Schatten unter den Bäumen, oder ein paar Meter weiter unter freiem Himmel mit Sonnenschein. Sollte es aber regnen, könnte alles drinnen im Gemeindesaal stattfinden. Doch das Wetter machte mit, es war nicht zu heiß und nicht zu kühl. Alle Teilnehmer hatten Klappstühle mitgebracht, auch ein paar Klapptische. Es bildete sich ein grosser Kreis und die Stimmung war wunderbar. Wer wollte konnte im Schatten unter den Bäumen sitzen, wer Sonne bevorzugte, klappte seinen Stuhl ein paar Meter weiter unter Sonnenschein auf. 

Unser Chorpräsident, Wilfried Mozer, begrüßte alle Gäste und wünschte allen Anwesenden einen schönen Nachmittag. Er erwähnte auch kurz die Termine für den Chor in den kommenden 6 Monaten – wenn uns das Virus lässt.

Nun konnte gepicknickt werden! Viele Teilnehmer hatte was mitgebracht: leckere Salate, Würstchen, Käseplatten, Tomaten- und Gurkenscheiben, Kartoffelchips usw. Es gab natürlich auch was zu trinken: Wasser, Kaffee, Tee, Bier und Wein. Die Salate und Käseplatten waren im Gemeindesaal aufgebaut, man wollte kein Ungeziefer reizen! – Es war in jeder Beziehung ein wunderschöner Nachmittag. Alle freuten sich über das gelungene Wiedersehen nach so langer Zeit. Und alle Chormitglieder hoffen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis ihre Stimmbänder mal wieder “aktiviert” werden können. 
E.H.

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Von Sumerern und Sommeliers – Bier-Mythen auf dem Prüfstand

Bier zählt zu den ältesten Nahrungsmitteln. Doch wo wurde das erste gebraut? Und ist der Gerstensaft gesund? Hintergrundwissen zum Internationalen Tag des Bieres.

Mit Bier gefüllte Gläser stoßen zwei Personen an. Foto: dpa

Von Michael Kirner
Berlin (dpa) – Mehr als 1500 Brauereien, bis zu 6000 verschiedene Marken, zahllose Museen zur Kulturgeschichte. Bier gilt noch immer als des Deutschen liebstes Getränk – obwohl die Corona-Pandemie beim Absatz auch hierzulande deutliche Spuren hinterlassen hat. Zeit für einen

Faktencheck:
BEHAUPTUNG: Die Europäer haben das Bierbrauen erfunden.
BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Bier gibt es schon, seit der Mensch Getreide anbaut. Bereits vor Tausenden Jahren war das Gebräu in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, populär. Die dort lebenden Sumerer kannten Historikern zufolge mindestens neun Sorten, die sie vor allem aus Gerste und Emmer, einer Weizenart, produzierten. Die Kunst des Brauens gelangte über die Babylonier nach Ägypten, wo es schon 3000 vor Christus die ersten Kneipen gegeben haben soll. Der älteste archäologische Hinweis auf die Braukunst der Germanen stammt aus Kulmbach (Bayern): Bierkrüge aus der Zeit um 800 vor Christus.
BEHAUPTUNG: Bier ist der Gesundheit förderlich.
BEWERTUNG: Nur teilweise richtig.

Biochemiker der Universität Nürnberg-Erlangen haben tatsächlich herausgefunden, dass im Bier enthaltene Stoffe eine durch Übergewicht und falsche Ernährung verursachte Verfettung der Leber bremsen sowie den Fett- und Zuckerstoffwechsel günstig beeinflussen können. Xanthohumol zum Beispiel kommt ausschließlich im Hopfen vor und sorgt für die gelbe Farbe seiner Blüten. Dennoch: Wegen seines Alkoholgehalts ist herkömmliches Bier natürlich keine Medizin. Empfehlung der Forscher daher: alkoholfrei genießen!
BEHAUPTUNG: Alkoholfreies Bier enthält keinen Alkohol.
BEWERTUNG: Stimmt nicht unbedingt.

Wie andere Biere wird auch das alkoholfreie hierzulande streng nach dem Reinheitsgebot gebraut: aus Wasser, Gerste, Hefe und Hopfen. Ein kleiner Rest Alkohol könne in «alkoholfreiem» Bier aber noch enthalten sein, heißt es beim Deutschen Brauer-Bund: «Entweder wird die Gärung bei dem Erreichen der Restalkoholgrenze von 0,5 Prozent gestoppt oder dem fertig gebrauten Bier wird nach dem herkömmlichen Brauprozess der Alkohol entzogen.» Die gute Nachricht für Autofahrer: Selbst nach einigen Gläsern droht keine nennenswerte Erhöhung der Alkoholkonzentration im Blut, wie eine Studie der Uni Freiburg ergab. Einige Brauereien bieten aber auch Sorten mit 0,0 Prozent an.
BEHAUPTUNG: Beim Bierkonsum liegen die Deutschen europaweit vorn.
BEWERTUNG: Stimmt nur zum Teil.

FAKTEN: Mit fast 83 Millionen Hektolitern wurde in Deutschland 2019 tatsächlich mehr Bier ausgeschenkt als irgendwo sonst in Europa. Spitze war auch die hierzulande produzierte Menge: 91,6 Millionen Hektoliter, von denen knapp 16 Millionen exportiert wurden. Immerhin stammen von den 40 größten Brauereien der Welt acht aus Deutschland. Geht es allerdings um den Konsum pro Kopf, so wendet sich das Blatt: Mit 142 Litern lagen die Tschechen 2019 vor den Österreichern mit 107 Litern. 100 Liter trank im Durchschnitt jeder Deutsche: Rang drei. Weit hinten hingegen rangieren Italiener, Franzosen oder Griechen.
BEHAUPTUNG: Bier sollte man am Besten aus dem Krug genießen.
BEWERTUNG: Sommeliers raten ab.

FAKTEN: Der wahre Kenner bevorzugt ein hochwertiges dünnes und lichtdurchlässiges Kristallglas – sagen zumindest Biersommeliers wie Markus Raupach aus Bamberg. Weil er nicht die passende Form habe, könne ein dickwandiger Krug das spezielle Aroma einer Sorte nur begrenzt wiedergeben. Ein Pils zum Beispiel verliere seinen typischen Charakter. Zudem erwärme es sich in einem ungekühlten Krug leichter und werde dadurch schneller schal. Ein dünnes, glattes Glas hingegen sorgt dafür, dass Aromastoffe und Kohlensäure erhalten bleiben. Und noch ein Tipp: Bier aus der Flasche sollte für Feinschmecker tabu sein, denn die meisten Aromen nimmt beim Trinken die Nase wahr.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Prüfstand – fact-checking
zählt – is numbered
Nahrungsmitteln – foods
gebraut – brewed
Gerstensaft – barley beverage
Hintergrundwissen – background information
Marken – brands
zahllose – countless
Absatz – sales
deutliche – clearly
Spuren – traces
Behauptung – claim
Bewertung – assessment
Getreide – grains
anbaut – cultivated
bereits – already
Weizenart – kind of wheat
gelangte – arrived
über – via
Hinweis – clue
Bierkrüge – beer mugs
förderlich – beneficial
teilweise – partially
Übergewicht – overweight
Verfettung – obesity
Leber – liver
bremsen – brake
günstig – favorably
ausschließlich – exclusively
Blüten – blossoms
unbedingt – absolutely
streng – strictly
n.b. Reinheitsgebot, the Bavarian beer purity decree of 1516, mentions only three ingredients: water, barley and hops
Hefe – yeast
Gärung – fermentation
herkömmlichen – conventional
entzogen – removed
droht keine – no threat
nennenswerte – worth mentioning
vorn – on top
ausgeschenkt – served
Menge – quantity
knapp – barely
wendet sich das Blatt – another story
Rang drei – third place
raten ab – advise against
bevorzugt – favor
dickwandiger – thick-walled
schal – flat
Kohlensäure – carbonation
tabu – taboo

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*