14. November 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Corona: Und was wird jetzt aus Weihnachten?

Im Corona-Jahr droht nicht der Grinch, sondern ein Virus das Fest zu klauen. Viele sorgen sich laut einer neuen Umfrage um Weihnachten – und ein Soziologe entdeckt Ähnlichkeiten zwischen Politikerreden und der Kommunikation von Eltern mit Kleinkindern vor Heiligabend.

Eine LED-Lichterkette hängt an einem Fenster. Die Hälfte der Bundesbürger rechnet mit einem Weihnachten in der Isolation. Konkret befürchten 52 Prozent, dass die Haushalte in Deutschland wegen der Corona-Krise diesmal getrennt feiern müssen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Foto: dpa

Von Gregor Tholl
Berlin (dpa) – Früher war mehr Lametta, heute ist mehr Lamento. Die klagevolle Frage «Und was wird jetzt aus Weihnachten?» steht im Raum. In der Vor-Corona-Zeit wurde monatelang darüber nachgedacht, was man denn nun schenke und ob Weihnachten diesmal vielleicht weiß werde.
Doch das ist Schnee von gestern. 2020 geht es um die handfeste Frage: Findet Weihnachten überhaupt statt – mit Familie, Kindern, Enkeln, Freunden? Wird es Gottesdienste geben, Krippenspiele, ein Essen an großer Tafel? Die Pandemie verunsichert, verhindert womöglich die gemeinsame Weihnacht. Das könnte eine wahrlich stille Nacht werden.

Rund die Hälfte der erwachsenen Bundesbürger rechnet laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur mit einem Weihnachten in der Isolation: 52 Prozent befürchten, dass Haushalte getrennt feiern müssen. 53 Prozent erwarten, dass Restaurants, Kneipen und Cafés rund um die Feiertage geschlossen bleiben.

Dass Weihnachten und Silvester überwiegend so ablaufen wie jedes Jahr, erwarten lediglich 8 Prozent. Gefragt nach dem persönlich vorherrschenden Gefühl mit Blick auf Weihnachten nennt die Hälfte negative Gefühle wie Sorge (19 Prozent), Traurigkeit (16), Unbehagen (14) und Angst (2). Nur 6 Prozent empfinden Vorfreude.

Weihnachten, das ist nicht irgendein Fest in Deutschland, das ist Tradition und Sentimentalität – generationenübergreifend.

Abgesagte Weihnachtsmärkte, eingeschränkte Kontakte, weniger Reisen führen wohl dazu, dass sich die Feiertage 2020 merkwürdig anfühlen werden. «Ich denke, dass Weihnachten in diesem Jahr ein anderes
Weihnachten sein wird», sagte kürzlich EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Bis zur alten Normalität werde es noch lange dauern.

Zuversicht im Zusammenhang mit dem Teil-Lockdown verbreitete dagegen Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus: «Wenn wir es jetzt im November richtig machen, dann haben wir eine Chance, dass wir einigermaßen vernünftig Weihnachten feiern können.»

Normalerweise steigen Millionen Deutsche kurz vor dem Fest oder an den Festtagen selbst ins Auto oder in den Zug, um ihre Familie oder Freunde zu besuchen. Fällt die familiäre Völlerei 2020 aus, gibt es Heiligabend nur per Skype und Zoom? Sind Oma und Opa dann abgehängt?

Der Soziologe Sacha Szabo, der das Weihnachtsfest im Wandel der Zeit erforscht hat, sieht in Videoschalten keine befriedigende Alternative, da die körperliche Präsenz fehle. Er könne sich höchstens vorstellen, dass Online-Lösungen an die Stelle des Telefons treten. «Dass man nach der Bescherung vielleicht kurz rundruft.»

Weihnachten sei das Fest, an dem sich Familien – vor allem beim Essen – ihrer selbst versicherten. «Vielleicht ist diese Bedeutung sogar noch stärker geworden, in dem Maße dieses Fest profaner wurde und seine religiöse Bedeutung in den Hintergrund trat», sagt der Weihnachtsexperte, Herausgeber des Sammelbands «“Fröhliche Weihnachten”. X-Mas Studies. Weihnachten aus Sicht der Wissenschaft».

Szabo sieht jedoch das Problem, dass die aktuellen Verordnungen die heutige Pluralität kaum abbilden. «Es wird ein bestimmtes Familienbild transportiert. Angenommen, es dürfen sich die Angehörige zweier Haushalte treffen, dann bildet man, zugespitzt formuliert, die Einkindfamilie der Babyboomer-Generation ab.» Doch werde es schon kompliziert, wenn die Feier bei deren Eltern stattfinde, oder man denke an soziale Gefüge wie Patchwork-Familien und Freundeskreise. «All das gibt es natürlich, aber es wird zugunsten eines romantisch verklärten Familienbildes ausgeblendet.»

Der Lyriker Max Czollek («Desintegriert Euch!») warf bei Twitter ein: «Wenn Weihnachten als zentraler Erwartungshorizont für Maßnahmen angegeben wird, dann ist das christliche Dominanz.»
Manche in sozialen Medien geben zu bedenken, das Fest sei als Taktgeber für eine Pandemie-Bekämpfung unpassend. Gehe es bei den jetzigen Beschränkungen nicht vor allem darum, zu volle Intensivstationen zu vermeiden?

Soziologe Szabo findet es auffällig, dass Weihnachten im Corona-Jahr immer wieder als Zeitmarke vorkomme. «Dass man Weihnachten nimmt, trägt schon auch die Botschaft mit sich, wenn man jetzt “brav” ist, dann gibt es ein “schönes Weihnachtsgeschenk”. Das kann man dahin deuten, dass die Bürger ein wenig wie Kinder betrachtet werden, die erzogen werden müssen. Aber zugleich ist es eben auch eine Botschaft, die sofort verstanden wird, weil dieses Belohnungsmuster vertraut ist.»

Noch wisse niemand, wie das Weihnachtsfest konkret ablaufen soll. «Einerseits existiert ein Bedürfnis, sich innerhalb der Familie, als Hort der Sicherheit, aufgehoben zu fühlen. Zugleich aber kann jeder auch selbst ein Spreader sein und so die Bedrohung in genau dieses sehr private Gefüge hineintragen.» Oder es existiere die nachvollziehbare Angst, eben dort angesteckt zu werden, sagt Szabo.

Und was glaubt er – gibt es ein Licht am Ende des Tunnels? «Bemerkenswerterweise wird ja nicht nur Weihnachten als markante Zeitmarke gewählt, sondern bei vielen Impfstoffprognosen wird gerne Ostern als möglicher Zeitpunkt genannt, an dem ein Mittel verfügbar ist, mit dem diese Krise endet und das normale Leben wieder beginnt. Ob das aber eintritt, weiß im Moment erst recht niemand.»

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Sport

Deutschland Cup Zeichen an DEL: «Es funktioniert» – Lettland siegt

Der bislang ungewöhnlichste Deutschland Cup verlief erfolgreich – ohne Corona-Fall. Das sportliche Ergebnis, der Turniersieg Lettlands, interessierte nur am Rande. Spieler und DEB-Chef Reindl betonten das in ihren Augen weitaus Wichtigere: eine Perspektive fürs Eishockey.

Deutschland – Lettland in der Yayla Arena. Deutschlands Andreas Eder (l) und Lettlands Renars Krastenbergs versuchen beim Bully an den Puck zu kommen. Foto:dpa

Von Carsten Lappe
Krefeld (dpa) – Wohl niemals seit dem ersten Turnier 1987 war der sportliche Ausgang des Eishockey-Deutschland-Cups so unbedeutend wie in diesem Jahr. Lettlands Turniersieg durch das 3:2 (1:2, 0:0, 1:0) nach Verlängerung am Sonntag in Krefeld gegen das deutsche Team interessierte nur am Rande. Die 31. Auflage des Heimturniers des Deutschen Eishockey-Bundes war dennoch die vielleicht wichtigste überhaupt. «Der größte Erfolg, den wir uns selbst setzen konnten, ist, allen in der Sportart das Signal zu geben, auch der Liga, dass es geht. Es funktioniert», sagte DEB-Präsident Franz Reindl am Rande des bislang ungewöhnlichsten Deutschland Cups erleichtert.

Der Deutsche Eishockey Bund hatte nach acht Monaten coronabedingten Stillstandes im deutschen Eishockey und einem Jahr ohne Länderspiel große Anstrengungen unternommen, um zumindest das Traditionsturnier durchführen zu können. «Natürlich machen wir Minus, aber wir schaffen das. Wir müssen als Spitzenverband doch voran gehen», sagte Reindl.

300 000 Euro verlor der keineswegs reiche Verband durch fehlende Zuschauereinnahmen. Hinzu kamen die Kosten für Pandemie-konforme Betreuungen der Teams in der Blase und rund 500 Corona-Tests. Laut DEB waren alle negativ – und nur daran wollte sich Reindl messen lassen. «Ein erfolgreiches Turnier, wenn wir keinen Corona-Fall haben. Das wäre der größte Erfolg für alle.»

Damit war die Mission für den 65-Jährigen trotz der Final-Niederlage am Sonntag nach hartem Kampf erfüllt. Der Ex-Nationalspieler hatte sich in den Kopf gesetzt, der gesamten Sportart, die während der Pandemie vor allem durch Vertreter der Deutschen Eishockey Liga durch Klagen und Jammern aufgefallen war, wieder eine Bühne, Hoffnung und eine Perspektive zu geben. «Ich muss ganz ehrlich sagen: Geld spielt jetzt keine Rolle. Jetzt geht es ums Überleben. Wir müssen uns präsentieren. Das haben wir jetzt gemacht.» Der DEB nahm dafür auch das Fehlen von Bundestrainer Toni Söderholm in Kauf, der sich im Vorfeld des Turniers mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Die seit Monaten verhinderten Spieler nahmen die Möglichkeit trotz widriger Umstände dankbar an. «Wir sind alle zufrieden, dass wir wieder aufs Eis konnten und dass das Turnier ohne Zwischenfälle über die Bühne ging», sagte Leon Gawanke von den Eisbären Berlin am Sonntag nach der Overtime-Niederlage gegen Lettland, das als einzige Nation trotz der Gefahren durch die steigenden Infektionszahlen in Europa zur Teilnahme am eigentlichen Vier-Nationen-Turnier bereit war. In seiner Not stellte der DEB einen dritten Teilnehmer im eigenen Olympia-Perspektivteam selbst.

Den Spielern war das Format egal. «Das kann man nicht hoch genug einschätzen», sagte der langjährige NHL-Profi Korbinian Holzer. «Das ist ein Riesen-, Riesen-Schritt in die richtige Richtung, um auch die DEL in Schwung zu bekommen», meinte Matthias Plachta.

Nun ist die im besonderen Maße von Zuschauereinnahmen abhängige Liga gefordert. Anders als die Bundesligen im Handball und Basketball sah sich die Deutsche Eishockey Liga bislang nicht in der Lage, mit dem Spielbetrieb zu starten. Am 19. November soll darüber wieder entschieden werden. Zuvor startet quasi als Testlauf vom Mittwoch an ein eigens ins Leben gerufenes Vorbereitungsturnier mit acht der 14 DEL-Clubs und täglich einem Spiel bis in den Dezember hinein.

«Für die DEL wird es natürlich noch mal schwieriger», räumte Reindl ein. Mannschaften für ein paar Tage in einer Blase zu belassen ist etwas anderes, als eine gesamte Saison durchzuführen. «Aber das kann man auch in den Griff bekommen. Im Fußball geht es ja auch», sagte Optimist Reindl, der sich im Gegensatz zu anderen DEB-Vertretern bewusst mit Kritik an der Außendarstellung der DEL zurückhielt.

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Feuilleton

Bayreuths «Lohengrin» in Bildern von Rosa Loy und Neo Rauch

„Richard Wagner, Lohengrin“. In Bildern von Rosa Loy und Neo Rauch. Verlag C.H.Beck, München, 152 Seiten, 34 Euro. ISBN 978-3-406-75066-3.
Foto: Verlag C.H.Beck/dpa

Berlin (dpa) – «Im Lohengrin gibt es viel blaue Musik», das erkannte schon der Philosoph Friedrich Nietzsche. Blau war denn auch die Farbe, in die das Künstler-Ehepaar Neo Rauch und Rosa Loy die Oper von Richard Wagner 2018 bei den Bayreuther Festspielen tauchte. Die von ihnen entworfenen Bühnenbilder und Kostüme sind jetzt versammelt in dem Band «Lohengrin. In Bildern von Rosa Loy und Neo Rauch».

Wagners berühmte romantische Oper, uraufgeführt 1850 in Weimar, erzählt die Geschichte der Elsa von Brabant und ihres «Schwanenritters» Lohengrin. Das Libretto lässt sich in dem Buch komplett nachlesen und wird illustriert von mehr als 50 Entwürfen, die die Bildsprache der beiden Leipziger Künstler deutlich machen. Fast alles ist in Blau gehalten, kontrastiert nur von dem starken Orange im Münster-Bild mit Elsa und ihrer Widersacherin Ortrud.

Bei der Festspielpremiere 2018 dirigierte Christian Thielemann erstmals in Bayreuth den «Lohengrin». «Neo Rauch und Rosa Loy erzählen mit heutigen Mitteln eine alte Geschichte, und wie sie das machen, in ihrer ureigenen Ästhetik, das hat mir ungemein gefallen», schreibt er in einem einführenden Text. In diesem Jahr fielen die Bayreuther Festspiele und damit auch der «Lohengrin» der Corona-Pandemie zum Opfer. Ob es 2021 wieder Aufführungen geben wird, vermag gegenwärtig niemand sicher zu sagen. Der schöne Band ermöglicht es, sich immerhin optisch mit deraktuellen Bayreuther «Lohengrin»-Inszenierung zu beschäftigen.

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Gesundheit

Wissenschaftler: Corona-Angst
raubt Menschen den Schlaf

Prof. Georg Nilius, leitender Arzt des Schlaflabors in den Kliniken Essen-Mitte. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Essen (dpa) – Die Angst vor einer Corona-Ansteckung raubt vor allem Menschen mit gesundheitlichen Risiko-Faktoren vielfach den Schlaf. «Ich sehe das auch aus der eigenen Sprechstunde. Es gibt Vorerkrankte, die sich große Sorgen machen», sagte der Direktor der Klinik für Pneumologie der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte, Georg Nilius, jetzt der dpa. «Da gibt‘s ein deutlich höheres Angstniveau. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Schlaf.» Nilius ist einer der Kongresspräsidenten bei der digitalen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Der Lungen- und Schlafmediziner verwies auf eine fortlaufende bundesweite Online-Studie unter Leitung der Psychologin Madeleine Hetkamp (Universität Duisburg-Essen) mit gut 16 000 Teilnehmern. Laut der im Fachmagazin «Sleep Medicine» veröffentlichten Studie hatten kurz nach dem Corona-Shutdown Mitte März dieses Jahres rund 13,5 Prozent der Teilnehmer von einer «deutlich verschlechterten Schlafqualität» und 7,2 Prozent von generellen Ängsten («anxiety») berichtet. Als die Infektionszahlen nachließen, seien diese Werte wieder zurückgegangen. Mit dem aktuell neuen Hochschießen der Infektionszahlen sei es wahrscheinlich, dass auch die Ängste wieder zunähmen, sagte Nilius. «Der Schlaf hat sich in der Pandemie verschlechtert.»

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Schlaf- und Wachzustand und das Nervensystem werden auch in einer internationalen Studie untersucht, deren deutschen Teil Thomas Penzel vom schlafmedizinischen Zentrum der Charité Universitätsmedizin Berlin leitet. Die DGSM wirbt für die Teilnahme an einer bundesweiten Umfrage für die Studie.

«Schlafmangel erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Das wissen wir von anderen Viruserkrankungen. Möglicherweise ist er auch ein Risikofaktor für schwerere Erkrankungsverläufe», sagte Nilius. Deshalb sei ausreichender Schlaf zur Stärkung des Immunsystems auch Teil der Präventionsmaßnahmen gegen Corona. Wissenschaftler empfehlen in der Regel mindestens sieben Stunden Schlaf für die meisten Menschen.

Wo Arbeitsabläufe Schlafmangel begünstigten – etwa bei der Schichtarbeit – müssten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor Überforderung schützen und ausreichend freie Tage am Stück einräumen, sagte er. Dies gelte auch im medizinischen Bereich für Klinikleitungen. Freie Intensivbetten nützten nämlich im Kampf gegen die Pandemie nichts, wenn das Personal für die Betreuung der Patienten fehle.

Ein Thema bei der Jahrestagung ist auch Schlafmangel durch Atmungsstörungen etwa beim Schnarchen (Schlafapnoe). Nach ersten Studien seien Patienten mit Schlafapnoe einem deutlich höheren Corona-Risiko ausgesetzt, weil ihr Schlaf durch die Atmungsaussetzer immer wieder unterbrochen wird, sagte Nilius. Allerdings litten Patienten dieser Gruppe häufig unter weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes. Weitere Untersuchungen müssten klären, ob die Corona-Erkrankungen in dieser Gruppe vor allem auf diese zusätzliche Erkrankungen und das vielfach höhere Alter der Patienten oder auf den Schlafmangel zurückzuführen seien.

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Reise

Aida Cruises unterbricht im November Kreuzfahrtsaison

Aida Cruises unterbricht die Saison: Auch die Fahrten der „Aidamar“
 rund um die Kanaren will der Kreuzfahrtanbieter vorerst stoppen. Foto: AidaCruises/dpa
                

Rostock (dpa) – Nach den Beschlüssen der Bundesregierung zur Eingrenzung der Corona-Pandemie hat die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises ihre Saison für diesen November unterbrochen.
Wie eine Sprecherin sagte, sind davon Fahrten der „Aidablu“ in Italien sowie der „Aidamar“ und „Aidaperla“ rund um die Kanarischen Inseln betroffen. Aida Cruises unterstütze die Bemühungen der Bundesregierung, die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle zu bringen.
Mit der „Aidablu“ im Mittelmeer habe das Unternehmen schon zeigen können, dass sicheres Reisen in diesen außergewöhnlichen Zeiten möglich ist, hieß es. Umfangreiche Konzepte zum Gesundheitsschutz seien umgesetzt worden. Aida Cruises will seinen Gästen ab Dezember wieder Kreuzfahrturlaub anbieten. In der Planung seien dann Touren ab Palma de Mallorca, vor Weihnachten sollen zudem Reisen ab Dubai angeboten werden.

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Ist Schreiben mit der Hand noch zeitgemäß?

Sollten Schüler also überhaupt noch lernen, mit der Hand zu schreiben? Unbedingt, meinen Forscher. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Köln (dpa) – A wie Apfel, B wie Birne, C wie Computer – mit Schulbeginn heißt es für Erstklässler: Schreiben lernen. Manche Buchstaben sind einfach, andere gelingen nicht direkt beim ersten Anlauf. Doch nach und nach erarbeiten sich die Grundschüler eine Technik, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten wird – das Schreiben mit der Hand.

Schon seit Jahrzehnten diskutieren Wissenschaftler und Pädagogen über die Vor- und Nachteile verschiedener Schriftarten und Lernmethoden. Längst kommt heute auch das digitale Schreiben hinzu, das in vielen Berufen unverzichtbar ist. Skeptiker sehen dadurch die Handschrift in Gefahr. Sie fürchten um das kulturelle Gut, aber auch um die motorischen Fähigkeiten, die beim Schreiben mit der Hand erlernt und gefördert werden. Wissenschaftler des Mercator-Instituts der Uni Köln haben nun bisherige Studien zum Thema ausgewertet.

«Auf Grundlage der bisherigen Forschungsergebnisse ergibt es daher keinen Sinn, das Handschreiben und Tastaturschreiben gegeneinander auszuspielen», schreibt der Direktor des Mercator-Instituts, Michael Becker-Mrotzek. «Anstatt die Entweder-oder-Frage zu stellen, sollten Lehrkräfte besser beide Techniken fördern und fordern.» Zwar gebe es Hinweise darauf, dass sich Schreiben mit der Hand positiv auf feinmotorische Fähigkeiten und das Gehirn auswirke. Andererseits gibt es den Forschern zufolge auch Erkenntnisse dazu, dass Schüler beim digitalen Tippen durchschnittlich längere, sprachlich richtigere und inhaltlich sinnvollere Texte abliefern.

Auch Christian Marquardt vom Schreibmotorik Institut beschäftigt sich seit Jahren damit, welche Bedeutung das Schreiben mit der Hand für den Menschen hat. Ihm zufolge ist es von Fähigkeiten der Schüler abhängig, ob das Handschreiben positive Effekte habe oder nicht. So wichtig das Schreiben auch ist – es lernt sich nicht von allein.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Alkoholkrank in der Pandemie: Mehr Elend, schlimme Fälle

In der Pandemie suchen viele Alkoholkranke Hilfe bei den Suchtberatungsstellen. Der Bedarf wächst mit zunehmender Kontaktarmut, Sorge um den Job, Zukunftsangst. Eine Alkoholkranke und eine Sozialtherapeutin berichten

Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier an. Suchtberatungsstellen melden in der Pandemie deutlich mehr Hilfesuchende, zugleich aber eine teils existenzgefährdende Unterfinanzierung. Viele der 1300 Suchtberatungsstellen bundesweit – davon etwa 400 in NRW – stehen finanziell wackelig da, betonte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Foto: dpa

Von Yuriko Wahl-Immel
Wuppertal (dpa) – Christiane Ludwig wirkt fröhlich, energiegeladen, positiv. Sie ist alkoholkrank. Seit vielen Jahren. Die 55-Jährige hat Entgiftungen, stationäre Therapien, Rückfälle, Gruppen- und Einzelgespräche hinter sich. Sie arbeitet noch immer an sich. «Ich bin seit einem Jahr trocken, stabil. Aber es begleitet einen immer. Man muss dranbleiben», schildert die Mutter dreier erwachsener Kinder. «Als ich Ende März aus der Klinik kam, war der Lockdown, grausam.»

Die Familie stand immer hinter ihr. Ganz zentral sei für sie auch die Betreuung in der Suchtberatung des Blauen Kreuzes gewesen – eine wichtige Anlaufstelle für sie seit vier Jahren. «Ich hätte es sonst nicht geschafft.» Während des Lockdowns habe sie in Videochats mit ihrer Suchtberaterin in Wuppertal gesprochen. Die Bedeutung der Unterstützungsangebote in der Corona-Krise betont auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU). Die Dienste der Suchthilfe sollten trotz der nun erneut verschärften Beschränkungen zunächst für November unbedingt aufrechterhalten werden.

Tatsächlich steigen die Anfragen in der Pandemie Monat für Monat, berichtet Sozialtherapeutin Fabienne Kroening. «Wir haben viele Neuaufnahmen. Eine ganze Reihe Menschen hat sich erstmals bei uns gemeldet. Und manche Klienten, die wir sonst alle zwei Wochen sehen, wollen uns jetzt in jeder Woche zwei-, dreimal sprechen.» Unzählige seien in der Corona-Krise aus dem Gleichgewicht geraten. Die Probleme der Hilfesuchenden wachsen. Unter den Klienten seien alle Gruppen und Berufe vertreten. Auffallend unter den Frauen: Viele üben helfende Tätigkeiten aus, etwa als Krankenschwestern, wie Kroening beobachtet. Sie stellten eigene Bedürfnisse lange hinten an und betäubten ihre Überforderung dann mit Alkohol.

«Viele haben sich zurückgezogen, sind einsam, haben nicht das Glück, eine Familie oder eine Arbeit zu haben.» Kultureinrichtungen, Büchereien, manche Tafeln, Sportvereine waren oder sind nun erneut geschlossen. «Soziale Kontakte fallen weg», erzählt Kroening. «Viele alkoholkranke Menschen stecken in den eigenen vier Wänden fest.» Für manche ein rotes Tuch. «Eigentlich sind sie am liebsten draußen unterwegs, suchen Ablenkung, brauchen einen strukturierten Tagesablauf.» Das wackele seit Monaten. Existenzängste und Perspektivlosigkeit wachsen.

Kroening sagt: «Wir haben zunehmend mehr Elend und schlimme Fälle in der Pandemie. Menschen kündigen uns ihren Suizid an, dass sie trinken wollen, bis es vorbei ist. Wir leisten Krisenintervention.» Für ihre oft verzweifelte Klientel sei die nahende dunkle Jahreszeit zusätzlich kritisch. Der Arbeitsaufwand der Suchtberatung wachse stark, es fehle Personal. Beratungsstellen befürchteten Mittelkürzungen.

Das wäre fatal, meint auch Ludwig. Ein alkoholkranker Mensch brauche verlässliche professionelle Unterstützung. Sie weiß, wovon sie spricht. 2013 und 2016 hatte sie sich Entgiftungen unterzogen. Danach war sie in einer stationären Motivierungstherapie in einer Klinik. «Ich war zwischendurch zwei Jahre trocken und dachte, jetzt kann ich mir ein kontrolliertes Trinken erlauben. Aber das ging total in die Hose.» Ein weiterer Klinikaufenthalt folgte. 2019 kämpfte sie gegen Entzugserscheinungen, zitterte, konnte kaum laufen. «Ich dachte, ich sterbe.» Die Suchthilfe sei eine Konstante, sie sei dort gut aufgehoben.

Angefangen hatte ihr Alkoholproblem 2002. Damals fand sie einen engen Freund tot in seiner Wohnung. Ständige Panikattacken verfolgten sie, erzählt die Erzieherin. «Ich dachte, Alkohol wäre die beste Medizin, weil mich das ruhiger gemacht hat.» Aber der Drang, zur Flasche zu greifen, wurde übermächtig. Sie appelliert an andere Alkoholkranke, sich nicht aus Scham einzuigeln, offen zu den eigenen Problemen zu stehen, rauszugehen. «Wir sind alkoholkrank, aber unser Leben ist nicht zu Ende.» Sie selbst will bald wieder im sozialen Bereich arbeiten.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat in der Pandemie als Gründe für wachsende Alkoholprobleme Sorgen um Beruf und Zukunft, psychische Belastungen, Isolation und häusliche Konflikte ausgemacht, wie Expertin Christina Rummel sagt. Viele der laut DHS 1300 Suchtberatungsstellen bundesweit – etwa 400 in NRW – seien unterfinanziert. Die Pandemie verschärfe das. Am 4. November soll ein «Aktionstag Suchtberatung» unter Schirmherrschaft der Beauftragten Ludwig auf die Bedeutung der Angebote aufmerksam machen.

Eine Erhebung von Forsa vom Oktober hat ergeben: Etwa ein Viertel der Menschen mit ohnehin problematischem Alkoholkonsum trinkt seit Corona noch mehr. Eine weitere Studie förderte steigenden Alkoholkonsum bei einem Drittel von rund 3000 befragten Erwachsenen seit der Krise zutage.

Kroening weiß: «Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Erkrankung.» Sie gehe nicht weg, aber man könne sie in den Griff bekommen. Die Beratungsstellen wollten Halt geben. «Unsere größte Sorge wäre, wenn wir diese Hilfe aus finanziellen Gründen nicht mehr anbieten könnten.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Elend – misery
Suchtberatungsstellen – addiction counseling center
Bedarf – need
Kontakarmut – paucity of contact
Entgiftungen – detox
stationäre Therapien – inpatient therapy
schildert – recounted
Betreuung – care
Anlaufstelle – walk-in center
Unterstützungsangebote – support options
Drogenbeauftragte – drug commissioner
erneut – renewed
verschärften Beschränkungen – increased limits
aufrechterhalten – maintain
Gleichgewicht – balance
vertreten – affected
auffallend – noticeably
Bedürfnisse – needs
betäubten – anesthetized
Überforderung – overtaxed state
Kultureinrichtungen – cultural offerings
Ablenkung – diversion
wachele – wobbled
Perspektivlosigkeit – lack of perspective
Suizid – suicide
leisten – offer
Arbeitsaufwand – business expenditure on
Mittelkürzungen – medicinal shortages
verlässliche – dependable
unterzogen – underwent detox treatment
ging in die Hose – was a total flop
Entzugserscheinungen
gut aufgehoben – in good hands
engen Freund – close friend
Drang – urge
zur…greifen – reach for
ubermächtig – overpowering
appelliert – called
ausgemacht – agreed
Schirmherrschaft – patronage
Erhebung – survey
mit ohnehin – already have
zutage – brought to light
Alkoholabhängigkeit – alcohol dependency

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*