15. Juni 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Führen Sie keine Waffen mit» – Polizei kämpft gegen Hochzeits-Korsos

Mit Ende des Ramadans fürchtet die Polizei wieder eskalierende Hochzeits-Korsos. In Nordrhein-Westfalen war bereits ein Spezialeinsatzkommando wegen der Störer unterwegs. Jetzt sollen auch Hubschrauber eingesetzt werden. Wie kommt es zu dem neuen Phänomen?

ILLUSTRATION – Eine junge Frau betrachtet einen Flyer der nordrhein-westfälischen Polizei mit Verhaltensregeln für Hochzeitsgesellschaften. Die Broschüre soll an beliebten Hochzeitsorten ausgelegt werden. Foto: dpa

Von Oliver Auster
Düsseldorf (dpa) – Die Polizisten glaubten erst an einen Unfall, als vor ihrem Streifenwagen mehrere Luxusautos mit Warnblinkanlage den Verkehr auf der A3 bei Ratingen (NRW) ausbremsten. Die Beamten fuhren näher ran – und trauten ihren Augen kaum: Vor der Autoblockade brannte ein Ford Mustang-Cabrio mit quietschenden Reifen eine kreisrunde Bremsspur in die Fahrbahn. Im geöffneten Verdeck stand der Beifahrer und machte Fotos und Videos.

«Die Blumendekorationen auf und an Fahrzeugen sowie die Äußerungen und Kleidung der Beteiligten sprachen dafür, dass es sich um eine Hochzeitsgesellschaft handelte», berichtete Innenminister Herbert Reul (CDU) wenige Wochen später im Düsseldorfer Landtag.

Heute, rund zweieinhalb Monate nach der A3-Blockade, nennen Ermittler die Aktion intern die «Mutter aller Hochzeits-Korsos». Denn danach gab es für die Feiernden anscheinend kein Halten mehr: Jedes Wochenende rückte die Polizei zu Dutzenden Einsätzen aus. Anrufer meldeten weitere Straßenblockaden, außerdem 36 Mal Schüsse, immer wieder Bengalos, lange Korsos und einmal auch 50 Autos, die in Köln hintereinander in zweiter Reihe parkten.

Innenminister Reul ließ ein Lagebild erstellen. Die Düsseldorfer Polizei stürmte – samt Spezialeinsatzkommando – die Wohnungen der A3-Blockierer, um die Hochzeitsfotos von der Autobahn zu sichern.

Den Hintergrund des Phänomens hat das Innenministerium in seinem Lagebild recht nüchtern analysiert: «In Deutschland lebende türkische Staatsangehörige sowie Personen mit entsprechendem Migrationshintergrund haben seit Generationen die Bräuche und Sitten tradiert. Aus diesem Grund wird das Hochzeitsfest oftmals traditionell begangen. Zu den Bräuchen am Hochzeitstag zählt insbesondere die Abholzeremonie.»

Damit eine solche nicht weiter eskaliert, verteilt die NRW-Polizei seit dieser Woche auch noch Broschüren an Moscheen, in türkischen Brautmodeläden und Festsälen. Motto: Alles Gute zur Hochzeit, aber benehmen Sie sich!

«Provozieren Sie keine Staus», «Führen Sie keine Waffen mit», heißt es unter anderem in dem Papier. Ansonsten drohe das «Durchsuchen von Hochzeitsgästen und Fahrzeugen», sowie Bußgelder und sogar Freiheitsstrafen. Anlass für die Verteilaktion: Das Ende des Ramadan. Während des Fastenmonats gingen die Vorkommnisse laut Polizei fast auf Null zurück – da kaum muslimische Hochzeiten gefeiert wurden. Jetzt könnte es wieder los gehen. Die Ermittler fürchten, dass der Sommer noch mehr Feiernde auf die Straßen lockt.

Ausufernde Hochzeits-Fahrten gibt es nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Die Polizei in Bremen verteilt bereits seit 2018 Handzettel in deutscher und türkischer Sprache, um Hochzeitsgesellschaften vor der Eskalation zu warnen («Verderben Sie sich nicht den besonderen Tag»). Bebildert ist der Flyer stilecht mit einer Stretch-Limousine. Anlass waren Hochzeits-Korsos, die bereits 2017 eskaliert waren.

Tülay Koca (51) hat einen Verdacht, warum auch die Polizei in NRW plötzlich so häufig wegen Hochzeitsgesellschaften ausrücken muss: «Das liegt sicherlich an den Sozialen Medien. Diese Auto-Korsos werden ja alle gefilmt und verteilt. Und dann will jeder noch cooler sein als der andere», sagt die Türkin, die in Essen den populären «Prenses Palace» führt. In dem Festsaal für 500 Personen werden jeden Freitag, Samstag und Sonntag Hochzeiten gefeiert. «Nur im Ramadan und in den Ferien ist es ruhiger», so Koca.

Seit 15 Jahren organisiert sie Hochzeiten – eine Zuspitzung wie in den letzten Monaten kannte Koca bisher nicht. Den Flyer der Polizei will sie auf jeden Fall verteilen, am besten «gleich dem Vertrag beilegen». Denn Verständnis hat sie für Schüsse und Sperren nicht: «Eigentlich soll es darum gehen, auszudrücken, dass man seine Freude mit dem Brautpaar teilt. Ein Stau oder Waffen haben damit nichts zu tun.»

So rückten nun ein «paar Bekloppte» türkische Hochzeiten generell in ein schlechtes Bild. «Wobei die Beteiligten ja oftmals nicht mal Türken sind», betont Koca. Da hat sie recht: Bei der Blockade auf der A3 sollen laut Innenministerium auch ein Deutsch-Marokkaner, ein Deutsch-Pole, ein Deutsch-Kosovare und ein Tunesier dabei gewesen sein. Schlechtes Benehmen kennt keine Grenzen.

Dass ein schwer bewaffnetes Spezialeinsatzkommando bei den Razzien gegen die Autobahn-Blockierer beteiligt war, macht auf viele Feiernde vielleicht mehr Eindruck als ein Flugblatt. Aber Innenminister Reul geht noch weiter: So soll jetzt auch die Polizeifliegerstaffel eingesetzt werden, um Hochzeits-Korsos zu verfolgen.

So könne die Strafverfolgung «beweissicherer» gemacht werden, teilte Reul seinen Polizeidienststellen mit. Hintergrund: In etlichen Fällen hatten die Feiernden sich mit ihren Autos schon aus dem Staub gemacht, wenn die Polizei eintraf. Was bleibt, sind dann Polizeinotizen wie vom 14. April in Essen: «Hinweise auf Pkw-Konvoi und Schussabgabe mit einer Schreckschusswaffe. Sicherstellung von zwei Patronenhülsen. Fahndung negativ.»

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Hochzeits-Korso – procession of wedding cars
fürchten – to fear
Spezialeinsatz – special mission
eingesetzt – deployed
Streifenwagen – squad cars
Bremsspur – skid marks
ausrücken – to launch
Einsätzen – operations
Schüsse – (gun) shots
Bengalos – flares
Lagebild erstellen – to generate an overview of the situation
sichern – to secure
nüchtern – matter-of-factly
entsprechende – corresponding
tradieren – to hand down; to pass on
drohen – to threaten
Bußgelder – fines
Freiheitsstrafen – jailtime
Anlass – motivation
Vorkommnisse – incidents
Ermittler – agents
locken – to entice; to attract
ausufernde – (to get) out of hand
verderben – to spoil; to ruin
Verdacht – (sneaking) suspicion
Zuspitzung – sudden crisis
Bekloppte – nut case; crazy person
betonen – to stress; to emphasize
laut – here: according to
Razzien – raid
verfolgen – to pursue
Strafverfolgung – criminal prosecution
Schreckschusswaffe – shot fired in the air
Fahndung – manhunt

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Sport

Flensburgs Handballer Meister – Gummersbach erstmals abgestiegen

Flensburg feiert den dritten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Der Tabellenführer behauptet die Spitze mit einem Sieg beim Bergischen HC. Trauer herrscht beim VfL Gummersbach nach dem ersten Abstieg seit der Liga-Gründung.

Flensburgs Trainer Maik Machulla reißt die Meisterschale hoch und feiert die Deutsche Meisterschaft. Die SG Flensburg-Handewitt ist deutscher Handball-Meister. Foto: dpa

Von Eric Dobias
Düsseldorf (dpa) – Nach der erfolgreichen Titelverteidigung tanzten die Handballer der SG Flensburg-Handewitt ausgelassen über das Parkett und warfen Trainer Maik Machulla übermütig immer wieder in die Luft. Mit dem 27:24 (13:8) beim Bergischen HC machte die SG am Sonntag ihren dritten Triumph nach 2004 und 2018 perfekt. «Es ist mir ganz viel durch den Kopf gegangen. Es war verdammt harte Arbeit, die belohnt wurde», sagte Machulla im TV-Sender Sky.

Dank des Sieges verwiesen die Flensburger, die im gesamten Saisonverlauf nur zwei Niederlagen kassierten, mit 64:4 Punkten den Nordrivalen THW Kiel auf Rang zwei. «Es ist unbeschreiblich. Für mich ist das ein traumhaftes Ende», sagte SG-Kapitän Tobias Karlsson. Der Schwede geht nach zehn Jahren und 501 Spielen für die Flensburger in seine Heimat zurück. Und Marius Steinhauser kündigte an: «Heute reißen wir Flensburg ein.»

Nach 25 Minuten schien die Partie beim 13:6 schon entschieden, doch in der zweiten Halbzeit begann die SG zu wackeln. «Wir hätten es souveräner lösen können», resümierte Machulla. «Aber am Ende ist das egal.» Für den 42-Jährigen war es im zweiten Jahr als SG-Trainer der zweite Titel. Das war zuvor nur Klaus Zöll mit dem TV Großwallstadt gelungen. «Schön, dass ich jetzt in den Geschichtsbüchern stehe», sagte Machulla.

Die Kieler konnten ihrem nach elf Jahren scheidenden Erfolgstrainer Alfred Gislason trotz eines 30:26 (15:13)-Sieges gegen die TSV Hannover-Burgdorf nicht den erhofften 21. Titel der Vereinsgeschichte zum Abschied schenken. «Flensburg hat eine starke Saison gespielt und ist verdient deutscher Meister», gratulierte THW-Kapitän Domagoj Duvnjak. Immerhin ist der Rekord-Champion – mit 62:6 Zählern nun bester Vizemeister der Bundesligageschichte – wie Flensburg in der kommenden Saison in der Champions League dabei.

Trauer herrschte beim Bundesliga-Dino VfL Gummersbach. Trotz eines 25:25 (13:14) bei der SG BBM Bietigheim muss das Gründungsmitglied erstmals nach 53 Jahren in Liga zwei runter. Auch Bietigheim ist abgestiegen, da das bisherige Tabellenschlusslicht Eulen Ludwigshafen das letzte Saisonspiel gegen GWD Minden mit 31:30 (14:15) gewann und an den beiden Rivalen noch vorbeizog.

«Es hat leider nicht gereicht. Man war über die gesamte Saison nicht gut genug», sagte Gummersbachs Handball-Legende Heiner Brand bei Sky. Und auch Trainer Torge Greve war sichtlich geschockt: «Wir müssen die Jungs jetzt wieder aufrichten und uns alle neu sortieren.»

Die zwei vakanten Startplätze im EHF-Pokal neben dem Dritten SC Magdeburg und dem Vierten Rhein-Neckar Löwen sicherten sich die MT Melsungen durch ein 31:27 (16:13) gegen den TBV Lemgo Lippe und die Füchse Berlin trotz einer 25:27 (14:11)-Niederlage gegen die HSG Wetzlar.

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Feuilleton

Entenschwanz und Matrosenjacke

Donald Duck ist 85, und warum trägt er keine Hose? Foto: Disney/dpa

München (dpa) – Donald Duck trägt nach Einschätzung seines Zeichners aus praktischen Gründen keine Hose. «Donald kommt ja aus dem Zeichentrick, und Hosen behindern in der Animation», sagte der Comic-Zeichner Jan Gulbransson der Deutschen Presse-Agentur in München kurz vor Donalds 85. Geburtstag am 9. Juni. «Es ist auch schwieriger zu zeichnen, weil man auf den Faltenwurf achten muss.»

Die fehlende Hose brachte den Erpel in Finnland allerdings schonmal in die Bredouille, wie Gulbransson sagt: «Das ist jetzt echt nicht ausgedacht: In öffentlichen Bibliotheken in Finnland wurden Donald-Comics in den 1970er Jahren verboten, weil Donald keine Hose trägt und seit 40 Jahren mit derselben Frau geht, ohne sie zu heiraten. Was schlimmer war, weiß ich nicht.»

Gulbransson ist einer der wenigen deutschen Disney-Zeichner und verfasst seit fast 40 Jahren Donald-Duck-Comics. Es scheint eine Art Schicksalsgemeinschaft zu sein. Gulbransson hat fünf Tage vor Donald Geburtstag, ist gerade 70 geworden, und kennt den vielleicht berühmtesten Erpel der Welt wie kaum ein anderer.

Am 9. Juni 1934 war in den USA der erste Zeichentrickfilm mit der tollpatschigen Comic-Ente erschienen. In «The Wise Little Hen» («Die kluge kleine Henne») hatte Donald Duck nur eine Nebenrolle, aber es war der Beginn seines Siegeszugs rund um die Welt.

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Gesundheit/Umwelt

Sind bei hohem Blutdruck immer Medikamente notwendig?

Patienten sollten sich daher individuell von ihrem Arzt beraten lassen. Foto: dpa

Köln (dpa) – Nicht jeder Bluthochdruck-Patient muss gleich Medikamente nehmen. Gerade bei nur leicht erhöhten Werten ist es oft sinnvoller, anders gegenzusteuern – mit mehr Bewegung, weniger Körpergewicht oder weniger Salz im Essen zum Beispiel. Es gibt aber auch Fälle, in denen es kaum ohne Blutdrucksenker geht, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) auf Gesundheitsinformation.de. Entscheidend für die Frage „Medikamente oder nicht?“ ist vor allem, wie hoch das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist – darunter auch Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Gefahr solcher Erkrankungen steigt durch Bluthochdruck grundsätzlich, gleichzeitig gibt es aber auch noch weitere Faktoren: chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes etwa, Rauchen, Alter und Geschlecht. Männer und Ältere sind gefährdeter als Frauen und Jüngere. Das bedeutet: Zwei Menschen mit den gleichen Blutdruck-Werten haben eventuell ein unterschiedlich hohes Risiko von Folgeerkrankungen – und deshalb auch ganz unterschiedliche Antworten auf die Frage nach den Blutdrucksenkern. Patienten sollten sich daher individuell von ihrem Arzt beraten lassen.

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Reise

Vulkan auf Bali speit Asche zwei Kilometer in die Höhe

Immer wieder hält der Vulkan Agung die Menschen auf Bali mit kleineren und mittleren Eruptionen in Atem. Foto: dpa

Jakarta (dpa) – Auf der indonesischen Urlauberinsel Bali ist der Vulkan Agung erneut ausgebrochen. Über dem Berg standen am Freitag Aschewolken bis zu zwei Kilometer in die Höhe. Der mehr als 3000 Meter hohe Ganung Agung – so der vollständige Name – ist seit Ende 2017 wieder aktiv. Indonesiens Katastrophenschutzbehörde versicherte, dass für Touristen keinerlei Gefahr bestehe. „Bali ist für Urlauber sicher“, sagte Behördensprecher Sutopo Nugroho. Der Vulkan liegt von den Touristenzentren auch verhältnismäßig weit entfernt. Der Agung hält die Menschen auf Bali mit kleineren und mittleren Eruptionen seit vielen Monaten immer wieder in Atem. Der befürchtete große Ausbruch blieb bislang jedoch aus. Das Gebiet in einem Umkreis von vier Kilometern wurde zur Sperrzone erklärt. Bei einer Katastrophe 1963/64 kamen dort mehr als tausend Menschen ums Leben. Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde, an der verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander treffen. Auf den verschiedenen Inseln gibt es mehr als 120 aktive Vulkane, so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

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Schädliches Shoppen – Wie sich Klamotten auf die Umwelt auswirken

Kleidung hängt an einem Ständer zum Verkauf. Foto dpa

Neu Delhi/Würzburg/Berlin (dpa) – Tops, Sonnenbrillen oder Badehosen – angepriesen für je nur ein paar Euro. Billiganbieter für Mode und Sportartikel locken heute in vielen deutschen Städten mit häufig wechselnden Sortimenten. Kunden verlassen die Läden oft mit großen Tüten. Dabei lässt sich feststellen: Auch vermeintliche Schnäppchen haben ihren Preis. Sie gehen oftmals auf Kosten der Umwelt – und damit auch von Menschen. Das zeigen Beispiele entlang der Kette vom Hersteller bis nach Hause.

WO DIE MODE HERKOMMT
Einer der weltweit größten Exporteure von Bekleidung und Textilien ist Indien. Dort tragen gleich zwei Städte den Spitznamen «Manchester des Ostens» – nach der früheren Textilhauptstadt in England. Eine davon ist das westindische Ahmedabad. In der Region um die Metropole wird ein großer Teil der auf der Welt gebrauchten Baumwolle angebaut.

Die Industrie hat eine ganze Reihe von Problemen: Weil sich genverändertes Saatgut etabliert hat und jedes Jahr neu gekauft werden muss, häufen viele Baumwollbauern hohe Schulden an, jedes Jahr töten sich Tausende von ihnen. Der Gebrauch von giftigen Pestiziden und von Dünger belastet zudem die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

Auch der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau ist ein Problem. Für die Produktion eines Kilos Baumwolle werden in Indien nach Angaben des «Water Footprint Network» 22 500 Liter Wasser verbraucht. Damit könnten demnach mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mit 100 Liter Wasser am Tag versorgt werden. Der hohe Verbrauch wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass nach einem Bericht des staatlichen Think Tanks Niti Aayog vom vergangenen Jahr fast die Hälfte der 1,3 Milliarden Inder unter Wassermangel leidet.

Ein Lösungsansatz ist der Anbau von Biobaumwolle, der weniger wasserintensiv ist und bei dem keine synthetischen Pestizide zum Einsatz kommen. Indien ist der weltweit größte Produzent von Biobaumwolle, wenngleich sie nur einen kleinen Teil der insgesamt angebauten Baumwolle ausmacht.

Das andere «Manchester des Ostens» ist Kanpur in Nordindien – eine der Städte mit der schlimmsten Luftverschmutzung der Welt. Kanpur ist das Zentrum der indischen Lederindustrie – ebenfalls ein wichtiges Exportgut. Dort stehen rund 400 Gerbereien am Ufer des für Hindus heiligen Flusses Ganges. Gläubige baden darin, um ihre Sünden abzuwaschen, und trinken dann traditionell auch einen Schluck.

Die Gerbereien erzeugen etwa 50 Millionen Liter Abwasser am Tag, wie der Umweltaktivist Rakesh Jaiswal erklärt. Es gebe nur eine Kläranlage. Diese könne lediglich neun Millionen Liter am Tag bewältigen, so dass große Mengen ungeklärter Abwässer in den Fluss gelangten. Jaiswal beschreibt es als «Cocktail tödlicher Chemikalien». Flussabwärts würden 2500 Hektar Land mit den Abwässern bewässert. So gelangten die giftigen Stoffe ins Grundwasser – die einzige Trinkwasserquelle für die örtliche Bevölkerung.

WIE DIE MODE ZU UNS KOMMT
Textilien müssen oft über lange Wege vom Produzenten zum Händler und zum Käufer transportiert werden. «Die Preise, die für Fast Fashion ausgerufen werden, lassen kaum Spielraum, um beim Transport besonders nachhaltig agieren zu können», sagt Markus Muschkiet, Leiter des Centers Textillogistik, das zum Fraunhofer Institut für Logistik und zur Hochschule Niederrhein gehört.

Doch die langen Wege seien nicht das Problem. «Auf das einzelne T-Shirt gesehen ist die Emission vernachlässigbar», so Muschkiet. Die Containerschiffe seien extrem effizient. Bei 16 000 Containern auf einem Schiff, falle ein T-Shirt umwelttechnisch nicht ins Gewicht. Die meisten Emissionen fallen laut Untersuchungen auf den letzten Kilometern an. Fast jedes Kleidungsstück werde innerhalb Europas mit einem Lkw transportiert, sagt Muschkiet. Der Lkw ist am schnellsten, aber auch am schädlichsten für die Umwelt. Laut Umweltbundesamt (UBA) verursacht jede Tonne Ware pro Kilometer Lkw-Transport 103 Gramm Treibhausgase. Bei der Bahn wären es 19 Gramm, bei Binnenschiffen 32.

Logistik-Professor Muschkiet hält neben dem eigentlichen Transport auch Lagerentscheidungen für ausschlaggebend: Wie viele Kleidungstücke ordere ich als Händler? Wie sehen die Lagerhäuser aus? Große Lagerhäuser benötigen mehr Energie und Land. Nicht verkaufte Stücke belasten die Umwelt unnötig. Hier lässt sich laut Muschkiet relativ viel CO2 einsparen. Er rät beispielsweise zu kombinierten Lagern, aus denen Händler sowohl den stationären Handel als auch den Online-Handel bedienen können.

Beim Onlinehandel gehören übermäßige Verpackung und Retouren zu den Umweltproblemen. Um Retouren zu reduzieren, bieten einige Unternehmen inzwischen virtuelle Anproben an oder Zusatzinformationen zur Passform. Dennoch geht bisher jedes zweite Kleidungspaket zurück, wie die Forschungsgruppe Retouren-Management der Universität Bamberg ermittelt hat. Über 70 Prozent aller Retouren seien Moderetouren. Die Kleidungs-Rücksendungen belasteten das Klima so stark wie 166 000 Tonnen CO2. Der Anteil am Gesamtausstoß in Deutschland sei aber trotzdem gering.

WIE WIR MIT KLEIDUNG UMGEHEN

Trotz des Billig-Trends sind die Ausgaben der deutschen Privathaushalte für Bekleidung und Schuhe in den vergangenen Jahren nicht gesunken: 2017 lagen sie laut Statistischem Bundesamt im Schnitt bei 110 Euro im Monat, 16 Euro pro Monat mehr als zehn Jahre zuvor. Greenpeace fasste 2017 in einem Report über «Fast Fashion» zusammen: Obwohl die Schränke voll seien mit nie getragener Kleidung, kaufe jeder Deutsche pro Jahr etwa 60 neue Teile. Die Tragezeit sei aber nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren. Second-Hand-Läden, Kleidung mieten statt kaufen und Garderoben aus zeitlosen Stücken – darauf setzen zwar manche bewusste Konsumenten, wie man etwa auf Instagram verfolgen kann. Von einem Massentrend kann aber nicht die Rede sein.

Dabei ergeben sich selbst beim Tragen und Benutzen von Klamotten manchmal noch Umweltprobleme. In Outdoor-Ausrüstung etwa werden oft sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFC, eingesetzt, weil diese wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften haben. Manche dieser Stoffe sind wasserlöslich oder flüchtig und können etwa beim Waschen einer Regenjacke in den Wasserkreislauf gelangen.

In der Natur können die Substanzen laut UBA aber «kaum bis gar nicht» abgebaut werden. Sie seien in Gewässern, Tieren, Boden und Luft ebenso nachgewiesen worden wie in Muttermilch. Manche der Substanzen gelten nach UBA-Angaben als krebserregend oder können die Fruchtbarkeit schädigen. Seit das Problem vor einigen Jahren bekannt wurde, hat sich in der Branche etwas getan. «Fast alle größeren Outdoor-Marken haben inzwischen PFC-freie Produkte im Sortiment. Aber es ist noch viel zu wenig», sagte Manfred Santen, Chemiker von Greenpeace. Man müsse den Herstellern aber auch etwas Zeit geben, die Forderungen umzusetzen.

Auch bei einem weiteren Problem dauert die Suche nach Lösungen an: Es geht um kleinste Fasern aus Fleecepullis und anderen synthetischen Materialien, die sich beim Waschen lösen und in den Wasserkreislauf oder mit dem Klärschlamm auf Felder gelangen können. Sie reichern sich in der Umwelt an und werden auch von Tieren aufgenommen. «Diese Fasern sind vor allem dadurch problematisch, dass man sie sehr häufig in der Umwelt findet», sagte Leandra Hamann vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen.

Einer Studie des Instituts von 2018 zufolge fallen durch Faserabrieb beim Waschen in Deutschland hochgerechnet 77 Gramm Mikroplastik pro Person und Jahr an – das entspricht etwa der Menge von 25 Stück Würfelzucker. Waschen liegt damit den Autoren zufolge auf Platz 10 der größten Mikroplastikquellen im Land. «Wir haben so große Mikroplastik-Emissionen, dass wir einen Großteil reduzieren müssen. Da ist jede Quelle relevant», sagte Hamann. Sie forscht an Mikroplastik-Filtern für Waschmaschinen: Ziel ist es, Fasern möglichst selektiv herauszufiltern, um schnelles Verstopfen der Filter durch Haare, Steinchen oder Sand zu verhindern.

Bisher müssen Verbraucher mit Bewusstsein für das Problem in der Regel selbst aktiv werden: Es gibt spezielle Waschbeutel zu kaufen («Guppyfriend»), in die man Synthetiktextilien vor dem Waschen einpackt. Oder eine kleine Kugel («Cora Ball»), die man mit in die Trommel geben kann, um Fasern aufzunehmen. «Es wird definitiv in nächster Zeit weitere Ansätze geben, denn auch der Industrie ist bewusst, dass das Problem angegangen werden muss», sagte Hamann. Sie selbst versucht, möglichst wenige synthetische Materialien zu verwenden – bei Kleidung ebenso wie bei Heimtextilien, wie sie sagt.

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Aus Allen Staaten

GACC Fashion Show and Luncheon

Chairwoman Janet Seefried and models: Patricia Sosnowski, Karen Venton, Jennifer Johnson, Karin Schwalbe, Sonja Bresset, Gudrun Neumann and Adele Reinke
Karin Dean Kraft and Roger Kraft members of the GTEV Edelweiss

On May 2, 2019, the GACC held their Luncheon, Fashion Show and Raffle fund raising event at the Carpathia Hall in Sterling Heights.
The proceeds from the annual event help fund a partial scholarship for a Wayne State University student that will be attending their Junior Year at the University of Munich.

This year’s event was attended by approximately 150 women and men. Thanks to many generous sponsors and donors we raised nearly as much money this year as last, despite fewer attendees.

Special Thanks go to numerous people and our donors for making our event so successful. First, Jennifer Tait, Manager Soft Surroundings, located in the Village of Rochester Hills. They provided the fashions that outfitted our seven models from many of the GACC member clubs. New this year, Soft Surroundings had a mini store set-up in the rear of the ballroom and also placed store catalog orders with free shipping. Additionally, they provided a $50 gift card as one of the raffle prizes.

Next, Mr. Frank Rhinderspacher, owner of Hark Orchids of Kalamazoo, Michigan donated 30 beautiful full sized orchid plants that were our table centerpieces and prizes for the second year in a row. Hark Orchids is an orchid propagator and Mr. Rhinderspacher had one of his customers, Green Circle Orchid Growers, grow out the beautiful plants. Hark Orchids is a German Company located in Kalamazoo, Michigan and a member of the German American Chamber of Commerce here.

We were also grateful to have wonderful raffle prizes donated by all of our G.A.C.C. Member Clubs and seven new businesses as well. We received donations from Bath and Body Works in Lake Orion, Hessell’s Greenhouse in Shelby Township, Jax Car Wash, Nitsches Meats and Deli Shoppe in Shelby Township, Paper Source in the Village of Rochester Hills, Leslie Reinhart and Werner’s Hallmark stores.

Attendees were again greeted at this year’s event with gift bags on their chairs that featured the GACC logo on the front. Inside the bag were a catalog and discount coupon provided by Soft Surroundings, discount card from Williams Sonoma in the Village of Rochester Hills and favors provided by Anchorville Travel, Jennifer Ogonowski,of Party Lite candles, Dr. Scott Karlene a dermatologist and Wayne State University Graduate and Seefried Construction.

Guests were provided time before and after the event to shop. The program began with a delicious lunch prepared and served by the Carpathia Staff. Dr. Mark Ferguson, head of the Study Abroad Program for Wayne State and other universities in the United States provided a brief talk about the program and what the scholarship means. During the fashion show intermission, Karin Dean Kraft and Roger Kraft of the G.T.E.V. Edelweiss Club modeled and explained German Bavarian Tracht as it is our custom to showcase one club each year.

The program concluded with the raffle conducted by GACC members Irmgard Krause and Marianne Krenzer.

Special thanks are in order for our models for taking time from their busy schedules to be fitted and then model for the event. Extra special thanks go to the committee including Sonya Bresset, Irmgard Krause, Marianne Krenzer, Ingrid Stein and Janet Seefried. We were gratefully assisted by Kim Kirstein, daughter of member Gudrun Neumann for her graphic arts skills in developing the flyer and tickets.

It takes many hands working together to have a successful event, especially a fund raiser. Everyone at the GACC was encouraged by the success of the event and hopes next year is even more successful so we can continue to support the future educational endeavors of our youth.

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