15. Mai 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Ein Lob des guten Benehmens – 225 Jahre nach Knigge

Tischsitten, Manieren und Benimmregeln: Wer von Knigge spricht, meint Handreichungen und Tipps zum höflichen Benehmen. Für den alten Freiherrn Knigge, der vor 225 Jahren starb, wäre das wohl ein Grund, sich zu wundern. Denn er hatte etwas völlig anderes im Sinn.

ARCHIV – 12.02.2016, Hamburg: Ein Gedeck ist im Großen Festsaal im Rathaus auf einer festlich gedeckten Tafel für das Matthiae-Mahl platziert. Tischsitten, Manieren und Benimmregeln: Wer von Knigge spricht, meint Handreichungen und Tipps zum höflichen Benehmen. Für den alten Freiherrn Knigge, der vor 225 Jahren starb, wäre das wohl ein Grund, sich zu wundern. Denn er hatte etwas völlig anderes im Sinn. Foto: dpa

Von Thomas Strünkelnberg
Bremen/Hannover  (dpa) – Deutschland hat sich in der Corona-Pandemie neue Umgangsformen verordnet. Abstand halten, Maske tragen, weniger Gedränge, man weicht sich aus – alles aus Angst vor dem Virus. Und vor Strafen. Aber was hätte bloß Knigge dazu gesagt, was ist aus Benehmen und Etikette geworden? Selbst das Händeschütteln hat es in sich – in der Pandemie erst recht.

Irrtümlich gilt Knigge als Verkünder feiner Tischmanieren – die Einschätzung, dass sich Knigge-konform verhält, wer weiß, wo das Besteck zu liegen hat, ist weit verbreitet. Doch das war nicht das Anliegen des 1752 geborenen Schriftstellers, Aufklärers und Humanisten Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge. Zwar schrieb er 1788 das Buch «Über den Umgang mit Menschen» und legte damit den Grundstein für die Regeln der Etikette. Aber erst andere Autoren ergänzten das damals schon populäre Buch um die Benimmregeln. Heute steht Knigge für richtiges Handeln schlechthin. Der Freiherr starb am 6. Mai 1796 in Bremen – vor 225 Jahren.

Die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft, Linda Kaiser, macht klar: Dem Freiherrn gehe es um «psychologische Betrachtungen der Menschen in ihrem Wesen und ihrem System», seine Hauptanliegen seien Wertschätzung und Toleranz: «Deshalb ist Knigge heute noch sehr aktuell.» Damals, ein Jahr vor der Französischen Revolution, sei die Welt im Wandel gewesen, das Bürgertum habe Handreichungen gesucht, um wettbewerbsfähig mit dem Adel zu werden. Allerdings: Knigge wäre wohl verblüfft über das, was aus seinen Betrachtungen geworden ist.

Denn Knigge hat das Sozialverhalten der Menschen unter die Lupe genommen, analysiert und Schlüsse gezogen. Er rät: «Beurteile die Menschen nicht nach dem, was sie reden, sondern nach dem, was sie tun.» Ein anderer guter Rat, nicht zuletzt angesichts von Hass und Hetze in sozialen Medien: ««Enthülle nicht die Schwächen Deiner Nebenmenschen.» Aus solchen Einsichten seien Regeln abgeleitet worden – kleine Handreichungen wie das Aufhalten der Tür oder andere Menschen anzusehen, wenn man mit ihnen spricht, sagt Kaiser. Heute werde das hinterfragt, es sei eine «Bedrohung für die eigene Bequemlichkeit». Auch werde hinterfragt, ob Zuvorkommenheit gegenüber selbstbewussten Frauen noch angebracht sei. Für Kaiser bleibt es eine «schöne Geste», anderen Gutes zu tun.

Eigentlich erstaunlich: Dem angeblichen Benimmpapst geht es weniger um die Darstellung der Menschen in der Öffentlichkeit, sondern um deren innere Einstellung. Was bedeutet das? «Wenn ich in die Wirtschaft gehe, begrüße ich den Wirt, wertschätze seine Arbeit und freue mich, dass er mich empfängt», erklärt Kaiser. Auch wer fit ist in Fragen der vielbeschworenen Tischetikette, sollte sich zurückhalten, wenn jemand dabei ist, der dies nicht ist – so wird die Situation angenehmer. Kaiser betont: «Das Ganze lebt erst durch die Einstellung, durch Herzlichkeit.»

Wer war Knigge? Der Freiherr stammte aus einer adligen, aber verarmten Familie Knigge. Er wuchs in Bredenbeck am Deister auf, wo er standesgemäß erzogen wurde. Knigge studierte Jura in Göttingen und war unter anderem bei Hofe in Kassel und als Kammerherr in Weimar angestellt. Allerdings verabscheute er das Leben als Höfling und ging später als Schriftsteller nach Frankfurt und Heidelberg.

Er übersetzte Schriften des französischen Aufklärers Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) und verfasste zahlreiche Werke zu Geschichte, Politik und Gesellschaft, auch war er in der Theaterszene engagiert. Knigge starb in Bremen, sein Grab befindet sich im Bremer Dom. Sein wohl bekanntestes Werk «Über den Umgang mit Menschen» gilt heute als «der Knigge» – fast so wie «der Duden». Dabei verkündet auch Knigges Nachkomme Moritz Freiherr Knigge einst, er halte nichts von Regelwerken: «Was einen höflichen Menschen ausmacht, ist, dass er es versteht, sich angemessen zu verhalten.»

Dennoch sei die Nachfrage nach Knigge-Seminaren hoch, betont Kaiser. In der Pandemie seien Online-Seminare gefragt, auch wenn die Inhalte schwer zu vermitteln seien. Es gehe dort tatsächlich um Umgangsformen und Etikette – auch Tipps in Sachen Tischetikette würden angeboten, und viele reagierten darauf «ganz dankbar». Aber es fließe viel vom klassischen Knigge ein: Mit wem spreche ich wie, wie setze ich ein wertschätzendes Miteinander um?

Fest steht: Mit der sozialen Entwicklung seien auch die Regeln im Wandel, meint Kaiser. Das sehen die beiden Autorinnen Henriette Kuhrt und Sarah Paulsen, die ein Buch über Knigge im 21. Jahrhundert geschrieben haben, ähnlich: «Es hat in vielerlei Hinsicht ein Wandel stattgefunden», sagt Kurth unlängst dem Bremer «Weser-Kurier». «Wenn ich zum Beispiel jemanden zum Essen einlade, dann hat man früher etwas gekocht und es wurde gegessen, was auf den Tisch kommt. Mittlerweile fragt man aber: Ist ein Veganer, ein Vegetarier, ein Lakose-Intoleranter dabei?»

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Sport

«Unglaubliches Gefühl»: Alexander Zverev triumphiert in Madrid

Alexander Zverev ist drei Wochen vor Beginn der French Open schon in richtig guter Form. Beim Masters-1000-Turnier in Madrid holt er seinen zweiten Titel in diesem Jahr. Damit krönt die deutsche Nummer eins eine beeindruckende Woche.

ATP-Tour – Madrid, Einzel, Herren, Finale: Zverev (Deutschland) – Berrettini (ITA). Alexander Zverev spielt eine Rückhand. Foto: dpa

Von Lars Reinefeld
Madrid (dpa) – Alexander Zverev reckte die goldene Siegertrophäe voller Freude in den Himmel und ließ die Konfetti-Schlangen aus dem Himmel auf seine Schulter fallen. Deutschlands bester Tennisspieler hat zum zweiten Mal das topbesetzte Turnier in Madrid gewonnen und sich drei Wochen vor Beginn der French Open in die Mitfavoriten-Rolle für den Sandplatz-Klassiker in Paris gespielt. Zverev setzte sich am Sonntagabend im Finale gegen den Italiener Matteo Berrettini nach hartem Kampf mit 6:7 (8:10), 6:4, 6:3 durch und wiederholte damit den Triumph aus dem Jahr 2018.

«Das ist ein unglaubliches Gefühl», sagte Zverev nach dem Titelgewinn. «Es ist ein spezieller Sieg. Ich will den Titel jetzt einfach genießen», sagte der 24-Jährige. Er verwandelte nach 2:40 Stunden seinen zweiten Matchball und holte damit seinen zweiten Titel in diesem Jahr. Zuvor hatte er bereits das Sandplatz-Turnier im mexikanischen Acapulco gewonnen.

Zverev hatte in den Runden zuvor mit Siegen gegen Rafael Nadal und Dominic Thiem für Furore gesorgt. «Es waren zwei großartige Matches für mich», hatte die deutsche Nummer eins vor dem Finale gesagt. Dort knüpfte er an seine guten Leistungen an. Lange freuen kann er sich über den Triumph aber nicht. Schon in dieser Woche steht in Rom das nächste Turnier der Masters-1000-Serie auf dem Programm. «Es ist nicht einfach, jetzt nach Rom zu gehen, aber ich mag auch das Turnier und will da wieder gutes Tennis spielen», sagte Zverev.

Zverev und Berrettini lieferten sich von Beginn an eine komplett ausgeglichene Partie. Zwar agierte der Italiener im ersten Satz etwas druckvoller und holte sich zum 4:3 auch das erste Break. Doch Zverev hielt dagegen, schaffte sofort das Re-Break, so dass die Entscheidung über den ersten Durchgang im Tiebreak fallen musste.

Dort zog Berrettini schnell auf 5:0 davon, doch Zverev steckte nicht auf und wehrte insgesamt drei Satzbälle ab. Bei 7:6 im Tiebreak hatte er sogar selbst die Chance, den ersten Satz zu holen, doch nach 1:09 Stunden gewann der Italiener den ersten Abschnitt. Es war der erste Satzverlust von Zverev im gesamten Turnierverlauf.

Zverev ließ sich davon aber nicht beirren. Der gebürtige Hamburger steigerte sich und übernahm mehr und mehr das Kommando. Zum 5:4 schaffte er das erste Break des Satzes, weil Berrettini sein erster Doppelfehler im Match unterlief. Wenig später machte Zverev den Satzausgleich perfekt.

Das Momentum lag nun beim Deutschen. Zwar musste der 24-Jährige zu Beginn des dritten Satzes noch eine kleine Schwächephase überstehen und beim Stand von 1:2 einen Breakball abwehren. Kurz darauf nahm er Berrettini aber selbst das Service ab und war danach nicht mehr zu stoppen. Zverev kassierte 315 160 Euro für seinen insgesamt vierten Titel der Masters-Kategorie und tankte mit seinem 15. Turniersieg jede Menge Selbstvertrauen für die am 30. Mai beginnenden French Open.

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Feuilleton

Neues Bahn-Buch: Zwischen
Kassel-Wilhelmshöhe

Über Weniges regt man sich in Deutschland so innig auf wie über die Bahn. Zwei «Zeit»-Journalisten zeigen auf, warum das Zugfahren in der Bundesrepublik in Wirklichkeit immer besser wird.

Mark Spörrle, Claas Tatje: „Tschusing Deutsche Bahn today. Klimafreundlich reisen, ohne wahnsinnig zu werden.“ Lübbe, Köln, 269 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-431-05015-8.

Von Steffen Trumpf
Köln (dpa) – In der Corona-Krise gab es im öffentlichen Leben im Grunde nur zwei Konstanten: offene Supermärkte – und fahrende Züge, selbst wenn kaum einer in ihnen saß. Das hat der Deutschen Bahn etwas gebracht, das sie sonst eher, nun ja, selten erhält: Sympathien.

Der Deutschen liebster Boxsack hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge einstecken müssen – ohne Frage häufig auch aus gutem Grund. Verspätete Züge, ausgefallene Klimaanlagen und gesperrte Bordtoiletten haben dem Image schwer geschadet. Doch die Bahn ist – man glaubt es kaum – besser als ihr Ruf. Und mehr noch: In Zeiten eines stärkeren Klima- und Umweltbewusstseins ist sie gar zu einem Hoffnungsträger geworden. Die Bahn, dieses alte, rumpelige Stück Ärgernis, ein Hoffnungsträger? Ja, tatsächlich. Und die beiden Autoren Mark Spörrle und Claas Tatje verraten auch, warum.

Die beiden Redakteure der Wochenzeitung «Die Zeit» sind dank unzähliger Pendelkilometer und Geschäftsreisen per Zug leidgeprüfte Bahn-Experten. Diese Erfahrungen hat Spörrle unter anderem im Bestseller «Senk ju vor träwelling» verewigt, Tatje im «Fahrtenbuch des Wahnsinns». Gemeinsam haben sie nun das neue Sachbuch «Tschusing Deutsche Bahn today. Klimafreundlich reisen, ohne wahnsinnig zu werden» vorgelegt. Immer mit dabei: viel Humor, eine gesunde Prise Leichtigkeit und natürlich die richtige Bahncard.

Auf fast alles, was sich Bahnfreunde und Bahnkritiker immer gefragt haben, finden Spörrle und Tatje eine Antwort – oft selbst, manchmal im Gespräch mit Psychologen, Dauerbahnfahrern, Bahnmitarbeiterinnen, einer Reisebloggerin oder dem Restauranttester Christian Rach. Wie kriege ich einen Sitzplatz ohne Reservierung? Wann kann man sein Fahrrad sorgen- und stressfrei mit in den Zug nehmen? Wie wird aus einer klemmenden Tür eine halbe Stunde Verspätung? Und was hat das arme Hamm in Westfalen damit zu tun?

Die Leserinnen und Leser lernen auf diesen knapp 270 Seiten so ziemlich alles über die Bahn – von der (gar nicht ironisch gemeinten) «Wunderapp DB Navigator» über den richtigen Sparpreis bis hin zur Mutter aller Bahnregeln: «Steigen Sie nicht um!» Und die vielleicht wichtigste aller Bahnlektionen: «Behalten Sie die Nerven.»

«Tschusing Deutsche Bahn today» ist keine Abrechnung, sondern vielmehr eine Art gut gelauntes Selbsthilfebuch für Bahngeschädigte und die, die es werden wollen. «Vor dem Gesetz und der Deutschen Bahn sind in Deutschland alle gleich», machen die beiden Bahnprofis klar. Letztlich zeigen sie in dem Zuge (!) auch auf, wohin die Reise der Deutschen Bahn führen kann – aufs Abstellgleis in Kassel-Wilhelmshöhe oder in ICE-Geschwindigkeit in eine Zukunft mit modernem Service, mehr Verlässlichkeit und noch viel wichtiger: mehr Klima- und Umweltschutz. Und die Bahn hat dabei tatsächlich einen Plan.

Erst kürzlich hat die Europäische Umweltagentur EEA die wenig überraschende Erkenntnis präsentiert, dass die Zugfahrt weiter die umwelt- und klimafreundlichste Art des Reisens ist – vom Gehen und Radfahren einmal abgesehen. Dem stimmt auch Tatje zu: «Die Bahn ist einfach das effizienteste grüne Transportmittel», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Wir glauben daran, dass sie ein Schlüssel sein kann, um den Klimaschutz in Deutschland voranzubringen.»

Bis 2030 sollen die deutschen Züge laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung sage und schreibe doppelt so viele Fahrgäste transportieren wie 2015. Eine große Aufgabe, bei der viele Milliarden aus dem staatlichen Klimapaket helfen sollen. Ohne die Bahn wird Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen, wie die beiden «Zeit»-Redakteure feststellen.

Spörrle und Tatje geht es in ihrem neuen Buch auch um Verständnis für die so oft gescholtene Bahn. Manche Probleme entstehen nicht, weil es eben die (Zitat) «Scheiß-Bahn» ist, sondern aus Gründen, die in einem Land wie Deutschland unvermeidbar sind. Und in der Summe läuft mittlerweile mehr richtig bei der Bahn als falsch, wie vor allem in der zweiten Hälfte des Buches immer klarer wird. «Die Bahn ist DAS Verkehrsmittel der näheren Zukunft, da gibt es kein Vertun und keine Alternativen», schreiben die Autoren. Und Tatje sagt: «Wenn diese Pandemie einigermaßen durchgestanden ist, dann wird die Bahn ganz schnell viele Fans bekommen.»

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Gesundheit

Beim Rhabarber auf die Farbe achten

Rhabarber ist reich an Fruchtsäuren. Damit das Gemüse nicht zu sauer schmeckt, sollten Schale und Fruchtfleisch am besten eine rote Farbe haben.
   Foto: dpa

Bonn (dpa) – Richtig zubereitet schmeckt Rhabarber in Saftschorlen oder auch im Kuchen. Damit es aber nichtzu sauer wird, sind Farbe und auch Zeitpunkt wichtig.

Zur Frühlingszeit liegen die rötlich-grünen Stangen wieder am Gemüsestand. Rhabarber ist reich an Vitamin C und Kalium und schmeckt eingekocht als Kompott oder gebacken als Kuchenbelag. Wer es aber nicht allzu sauer mag, sollte auf die Farbe achten, rät das Bundeszentrum für Ernährung.

Denn je grüner das Fruchtfleisch und die Schale, desto saurer der Geschmack. Dies liegt an dem hohen Gehalt an Fruchtsäuren, insbesondere Oxalsäure. Ist das Fruchtfleisch grün und die Schale rot, schmeckt der Rhabarber zwar immer noch sauer aber deutlich milder. Am süßesten schmeckt das Stangengemüse, wenn Schale und Fruchtfleisch rot sind.

Aber egal welche Farbe: Roh sollte Rhabarber wegen der enthaltenen Oxalsäure nur in kleinen Mengen verzehrt werden, die Blätter sind deswegen gänzlich tabu. Am besten werden die Stangen vorher geschält, blanchiert oder gekocht, wodurch sich der Gehalt der Säure verringert, da die Säure zum Teil ins Kochwasser übergeht.

Je weiter die Saison fortschreitet, desto mehr steigt der Gehalt der Oxalsäure und desto saurer wird der Rharbaber. Eine alte Bauernregel besagt: „Sind die Kirschen rot, ist der Rhabarber tot“. Am 24. Juni endet offiziell die Saison.

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Reise

Berühmter Wolkenkratzer: Das Empire State Building wurde 90

Der zum Zeitpunkt seiner Eröffnung höchste Wolkenkratzer der Welt wurde am am 1. Mai 90 Jahre alt.
 Foto: Christina Horsten/dpa

New York (dpa) – Das höchste Gebäude der Welt ist das Empire State Building schon lange nicht mehr, aber immer noch gehört es zu den bekanntesten Wolkenkratzern New Yorks. Jetzt wird es 90 Jahre alt – und muss sich gegen wachsende Konkurrenz behaupten.

Kurz vor einem Kabinettstreffen drückte der damalige US-Präsident Herber Hoover am 1. Mai 1931 um 11.30 Uhr im Weißen Haus noch kurz auf einen Knopf – und schaltete damit die Lichter am rund 300 Kilometer entfernten Empire State Building an. Der damals höchste Wolkenkratzer der Welt war offiziell eröffnet. Mehrere hundert geladene Gäste strömten hinein zur Einweihungsparty, tausende Schaulustige musste die Polizei zurückhalten, wie die „ New York Times“ damals berichtete.

Am 1. Mai feierte das mitten in Manhattan gelegene Hochhaus nun seinen 90. Geburtstag – das höchste Gebäude der Welt ist das mit Antenne inzwischen rund 443 Meter hohe Empire State Building allerdings schon lange nicht mehr. Den Titel verlor es 1972 an das frühere World Trade Center, heute sind alleine in New York rund ein halbes Dutzend Türme höher. Aber noch immer zählt das Empire State Buildung zu den bekanntesten und beliebtesten Wolkenkratzern der Stadt, die Betreiber sprechen gar von dem „berühmtesten Gebäude der Welt“.

Gebaut wurde der schlichte Art-déco-Turm in rasantem Tempo: Nachdem das alte Waldorf-Astoria-Hotel an der Ecke Fifth Avenue, 33. Straße abgerissen war, wuchs der Bau in nicht einmal 14 Monaten in die Höhe, durchschnittlich mehr als vier Stockwerke pro Woche. Das klappte, weil viele Teile vorgefertigt waren und der Einsatz der 3500 Bauarbeiter generalstabsmäßig geplant war.

Die Eröffnung der 102 Stockwerke platzte dann mitten in die Weltwirtschaftskrise. Das Gebäude wurde trotzdem schnell zur Touristenattraktion und zwei Jahre später in dem Erfolgsfilm „King Kong und die weiße Frau“ zum Hollywood-Star. 1976 hatten schon 50 Millionen Besucher das Gebäude und den Panorama-Blick über Manhattan von seinen beiden Aussichtsplattformen bestaunt.

Schwierige Lage in der Corona-Pandemie

Während der Corona-Pandemie ließen die Betreiber die Lichter an der Spitze des Gebäudes zeitweise wie einen Herzschlag rot pulsieren – um so den Menschen zu signalisieren, dass die Stadt noch am Leben ist. Das Infektionsgeschehen im einstigen Epizentrum New York hat sich inzwischen stabilisiert, die Impfkampagne kommt rasch voran – und so arbeitet sich auch das Empire State Building gerade mühsam aus der Krise heraus. Wie viele der rund 16.000 Menschen, die einst jeden Tag zur Arbeit ins das Gebäude pendelten, werden wieder zurückkommen? Wann werden wieder vier Millionen Touristen pro Jahr zu Besuch kommen?

Zudem wuchs schon vor der Pandemie die Konkurrenz um Besucher auf den Aussichtsplattformen. Zuletzt waren am World Trade Center und im neuen Viertel Hudson Yards spektakuläre neue Besucherterrassen entstanden, für dieses Jahr ist eine neue Plattform auf dem „One Vanderbilt“ direkt neben dem Hauptbahnhof Grand Central angekündigt.
Aber das „berühmteste Gebäude der Welt“ sieht sich gerüstet. Der Platzhirsch hatte 2019 zurückgeschlagen und seine Ausstellungsräume und zwei Aussichtsplattformen für 165 Millionen Dollar komplett überholt und renoviert – und sich fit für die Instagram-Ära präsentiert. Von einem „Muss-Anlaufziel“, hatte danach die „New York Times“ geschrieben – „sogar für abgestumpfte Eingeborene“.

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Mehr- oder Einfamilienhaus – Was ist besser fürs Klima?

Ein Einfamilienhaus braucht Platz, Rohstoffe und oft viel Energie – keine guten Bedingungen in Zeiten des Klimawandels. Foto: Soeren Stache/dpa

Von Marc Fleischmann
Berlin (dpa) – Einfamilienhäuser als neue Sündenböcke in der Klimakrise. Nach dem Wirbel um Äußerungen von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zu dieser Wohnform bleibt die Frage: Ist ein eigenes Haus mit Garten in Zeiten des Klimawandels noch zeitgemäß?

BEHAUPTUNG: Ein eigenes Haus zu bewohnen ist schädlicher für das Klima als eine Wohnung.
BEWERTUNG: Das stimmt, wenn es keine gravierenden Unterschiede bei der Größe der Wohnfläche und dem Energiestandard gibt.
FAKTEN: Die Sehnsucht ist da: Viele Menschen wollen raus aus ihren Wohnungen in der Stadt in ein Einfamilienhaus auf dem Land ziehen, so eine Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Aus ökologischer Sicht wäre es jedoch oft sinnvoller, wenn sie in ihrer Stadtwohnung blieben. «Das liegt an der Kompaktheit», erklärt Jens Schuberth vom Fachgebiet Energieeffizienz im Umweltbundesamt (UBA). «Ein Einfamilienhaus hat in der Regel eine größere Hülle als eine ähnlich große Wohnung im Mehrfamilienhaus und verliert daher mehr Energie.» Natürlich gebe es auch Ausnahmen – wie etwa eine «ungünstige Wohnung mit vielen kalten Außenwänden».

Bereits der Bau eines jeglichen Beton-Gebäudes schadet der Umwelt. Rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen nach Schätzungen auf die Produktion des für den Beton nötigen Zements zurück – mehr als auf den gesamten Flugverkehr weltweit. Bei einem Neubau kommt es auf die Fläche je Einwohner an, und das bedeutet meist: Ein Einfamilienhaus tut der Umwelt besonders weh.

Dabei ist der Trend zu Ein- und Zweifamilienhäusern nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit geraumer Zeit rückläufig. Seit 2005 sank der Anteil der Wohnungen in diesen Häusern zugunsten von Unterkünften in Mehrfamilienhäusern, wie die Wiesbadener Behörde am Donnerstag mitteilte.

«Für den Klimaschutz ist es sinnvoller, den alten Gebäudebestand zu sanieren anstatt neu zu bauen (…) Und wenn neu gebaut wird, dann mit hohen Energiestandards», sagt Schuberth vom UBA. So könne der negative Umweltaspekt beim Bauen durch Energiesparen beim Leben im Objekt etwas ausgeglichen werden.

Die meisten Menschen hätten gern ein nachhaltiges Haus, sagt Dietmar Stephan vom Institut für Bauingenieurwesen der Technischen Universität Berlin. «Aber dann ist es doch so wie beim Billigfleisch: Eigentlich weiß man um die Probleme und findet das nicht gut, aber dann kauft man es doch, weil man nicht bereit ist, mehr zu bezahlen.»

Energie-, Ressourcen- und Flächenverbrauch seien bei einem Einfamilienhaus einfach immens. «Es ist vernichtend für die Ökobilanz, ein Einfamilienhaus im Grünen zu bauen», sagt Stephan. Für Mehrfamilienhäuser spreche, dass auf dem gleichen Grundstück mehr Menschen leben könnten.

Eine Studie der Behörde hat Energieverbrauch und Modernisierungsstand von Wohngebäuden ausgewertet. Ergebnis: Seit 2012 verbessert sich die Energieeffizienz bei Einfamilienhäusern kaum – anders als bei Mehrfamilienhäusern. Gebäude in Deutschland verursachen im Betrieb etwa für Beleuchten, Klimatisieren und vor allem Heizen rund 30 Prozent aller in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase.

«Momentan leisten sich die meisten lieber mehr Wohnfläche als ein nachhaltiges Zuhause», sagt Stephan.

Zahlen vom Statistischen Bundesamt zeigen: In den vergangenen Jahren stieg die Wohnfläche pro Wohnung und pro Einwohner. Ende 2019 war eine Wohnung durchschnittlich 91,9 Quadratmeter groß – ein Plus von einem Quadratmeter verglichen mit 2010. Die Wohnfläche je Einwohner betrug 47 Quadratmeter (2010: 45 Quadratmeter). Auch neue Einfamilienhäuser werden mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 157 Quadratmetern immer größer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind das 14 Prozent mehr Wohnraum als vor 20 Jahren.

Neu ausgewiesene Baugebiete sind laut UBA ein «bedeutender Treiber der Flächen-Neuinanspruchnahme in Deutschland». Eine Rolle spielt dabei die Bodenversiegelung, also die luft- und wasserdichte Abdeckung: Für ein Einfamilienhaus – mit wenigen Menschen – muss in Relation mehr Boden betoniert werden als für ein Mehrfamilienhaus. Die steigende Wohnfläche pro Kopf macht zudem Fortschritte bei der Energieeffizienz im Bestand zunichte. Stephan erklärt: «Es ließen sich eine Menge Einsparungen hinbekommen allein mit kleineren Wohnungen.»

Auf weniger Platz zu leben, darauf zielt das vom Bund geförderte Projekt «LebensRäume» des Instituts für sozial-ökologische Forschung: Mehr als ein Drittel der deutschen Haushalte befanden sich im Jahr 2018 in einem ein Ein- oder Zweifamilienhaus. 60 Prozent davon wurden nur von ein oder zwei Menschen bewohnt. Etwa drei Viertel von ihnen wären nicht abgeneigt, sich räumlich zu verkleinern. Zudem gab etwa die Hälfte der Befragten im Alter ab 55 Jahren an, über ungenutzte Räume im eigenen Haus zu verfügen. «Hier besteht erhebliches Potenzial für den Klima- und Ressourcenschutz», sagt Projektleiterin Corinna Fischer.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Uno wird 50: Regeln? Weg mit den offiziellen – her mit den eigenen!

Kaum ein anderes Spiel wird mit so vielen Sonderregeln gespielt wie Uno. Was bei der simplen Spiel-Idee kaum verwundert. In diesem Jahr feiert der Karten-Klassiker à la Mau-Mau seinen 50. Geburtstag.

Niedersachsen, Oldenburg: Eine Frau hält während einer Spielrunde die bunten Spielkarten des Kartenspiels «Uno» in den Händen. Das US-amerikanische Spiel, dessen primäres Ziel es ist, seine Karten möglichst schnell abzulegen, feiert in diesem Jahr Geburtstag. Vor 50 Jahren wurde die erste Auflage produziert und verkauft. Foto: dpa

Von Alexandra Stober
Berlin (dpa) – Es war ein Tag im Mai vor zwei Jahren, als für manch einen die heile Karten-Welt ins Wanken geriet. Zumindest kurzfristig. Der Hersteller des weltweit beliebten Ablegespiels Uno stellte klar: Man darf keine Zieh-Karte auf eine andere Zieh-Karte legen. Wer nach der Karte dran ist, muss ziehen und aussetzen. Kein Verlängern möglich. «Wir wissen, dass ihr es probiert habt», ergänzte man bei Twitter.

Ja, natürlich! Bei kaum einem anderen Spiel existieren so viele Sonderregeln – jeweils abhängig von der Runde, die die Karten in der Hand hält. Zieh-Karten verlängern – also quasi die eigene Strafkarte verdoppeln und an den nächsten Spieler weiterreichen – ist nur ein Stichwort. Zwischenschmeißen ein anderes. Gerade Erwachsenen-Runden pimpen gerne die Regeln, was daran liegt, dass Uno in seiner Grundversion nicht allzu aufregend ist. Bei dem internationalen Klassiker aus den USA, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, handelt es sich schließlich um eine Variante von Mau-Mau, die man mit farbigen Nummern und einigen Sonderkarten wie eben den Zieh-Karten spielt.

Dass viele mit diesen anders umgehen, als es die Regeln vorsehen, findet natürlich auch Hersteller Mattel keineswegs verwerflich. Die Nummer mit dem «Verlängern verboten» ist eher kokettierend zu verstehen. Man weiß die «Hausregeln» der Spielerinnen und Spieler sehr zu schätzen: «Die einzige Grenze dafür ist eure Fantasie und die Zustimmung der anderen Spieler», heißt es dazu in einem Post des offiziellen Uno-Twitter-Accounts. Und man trägt dieser Kreativität auch praktisch Rechnung: mit Blanko-Sonderkarten, auf denen man jede Spezial-Regel der Welt festlegen kann.

Apropos Welt: Die Erfinder des Spiels ahnten vor 50 Jahren sicher nichts von dem Erfolg, den Uno weltweit erzielen sollte. Heute ist es in mehr als 80 Ländern erhältlich und wird weltweit durchschnittlich 17 Mal pro Minute verkauft, so Hersteller Mattel, der das Spiel 1992 mit dem Kauf des Unternehmens International Games übernahm.

Ein Friseur aus Cincinnati entwickelte Uno mit seiner Familie für die gemeinsamen Kartenspiel-Abende, zunächst ohne Ambitionen, es zu vermarkten. Als es auch bei Freunden gut ankam, investierte die Familie 1971 einige Tausend Dollar und brachte Uno unter anderem vom Friseursalon aus unter die Leute. Ein Jahr später verkaufte man die Rechte an International Games – kein schlechtes Geschäft für die Familie. Das Unternehmen gab den Karten ein neues Design und legte die bis heute charakteristische Farb-Kombination der Rückseiten fest.

Inzwischen muss man die Uno-Karten längst nicht mehr physisch in der Hand halten. Das Spiel ist für alle gängigen Konsolen erhältlich, und eine App gibt es selbstverständlich auch. In der sind die gängigsten Sonderregeln hinterlegt und auswählbar, darunter auch jene, nach der man auf eine Zieh-Karte eine weitere Zieh-Karte legen kann. «Für eine neue Art zu spielen», kommentiert Uno bei Twitter. Neue Art? Das trifft es nicht wirklich. Egal. Hauptsache alle spielen Uno einfach so, wie sie wollen.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Sonderreglen – special rules
heile – whole
ins Wanken geriet – shook
Ablegespiels – shedding card game
Zieh-Karte – Draw Card
Wer dran ist – whoever’s turn is next
Verlängern – extension
Strafkarte – penalty card
weiterreichen – pass on
Stichwort – catchword
Zwischenschmeißen – jumping into the fray
pimpen – fool around with
umgehen – handle this situation
vorsehen – intended
keineswegs – in no wise
verwerflich – objectionable
kokettierend – teasing
Zustimmung – agreement
festlegen – set
erzielen – achieve
erhältlich – available
entwickelte – developed
vermarkten – commercialize
gut ankam – proved to be popular
kein schlechtes Geschäft – not a bad deal
Unternehmen – enterprise
gängigen – current
auswählbar – can be selected
Hauptsache – what’s important

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*