16. April 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Mit Ruhe und Gelassenheit: Post kommt im Spreewald wieder per Kahn

Brandenburg, Lehde: Andrea Bunar, Postzustellerin,
ist zum Saisonbeginn der Postzustellung per Kahn mit
ihrem gelben Postkahn auf einem Fließ (Wasserweg im Spreewald)
unterwegs. Seit heute liefert sie mit ihrem Kahn wieder
Briefe und Pakete an die Einwohner aus. Foto: dpa

Lehde (dpa) – Der gelbe Postkahn leuchtet wieder auf den Fließen des Spreewalds in Brandenburg: Als Postfrau verteilt Andrea Bunar seit Dienstag wieder Briefe und Pakete im Dorf Lehde auf dem Wasserweg. Mit ihrem Kahn liefert sie pro Woche mehr als 600 Briefe, Einschreiben und Postkarten sowie rund 70 Pakete und Päckchen an 65 Haushalte über die Spreewaldfließe. Pakete können bis zu 31,5 Kilogramm wiegen. Auch Rasenmäher, eine Hollywoodschaukel oder eine Gartenhecke habe sie schon transportiert, berichtet Bunar. Im vergangenen Jahr habe sie sogar einen Strandkorb mit dem Kahn zu Kunden gebracht.

Den neun Meter langen Kahn bewegt sie auf der rund acht Kilometer langen Tour mit reiner Muskelkraft. Traditionell nutzt sie dafür ein etwa vier Meter langes Rudel (Ruderstange). In einer Postkahnsaison können etwa 1100 Kilometer zusammenkommen. Ein Motor sei im Unesco Biosphärenreservat Spreewald nicht gestattet, so Bunar, die mittlerweile die elfte Saison fährt.

Die Postzustellung per Kahn hat eine 125-jährige Tradition. Damals geschah das auch noch in anderen Orten im Spreewald, da viele Dörfer nicht mit dem Straßennetz verbunden waren. Ende der 1890er Jahre mussten die Bewohner Lehdes ihre Post sonntags beim Kirchgang abholen. Ende des 19. Jahrhunderts richtete die Post als Service-Angebot die Zustellung per Spreewaldkahn ein, um Haushalte besser erreichen zu können. Heute hat sich diese Tradition nur noch im Spreewalddorf Lehde erhalten.

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Sport

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Feuilleton

Die «Lindenstraße» wird abgerissen – zuletzt wohnten dort Spatzen

Bagger reißen die Filmkulissen der «Lindenstraße» auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd ab. Foto: Ludolf Dahmen/WDR/dpa

Köln (dpa) – Die «Lindenstraße» wird abgerissen. Zwei Jahre nach dem Ende der ARD-Serie sind auf dem Produktionsgelände in Köln-Bocklemünd die Bagger angerückt und brechen die Außenkulisse vollständig ab. Das Haus, in dem unter anderem Mutter Beimer wohnte, ist bereits verschwunden. Bis Ende April sollen die Abrissarbeiten nach Angaben einer WDR-Sprecherin beendet sein.

Mehr als 30 Jahre lang war der aufgebaute Straßenzug mit Wohnhäusern, Supermarkt, Café Bayer und Restaurant Akropolis für Fans der Serie ein vertrauter Anblick. Für die Abrissarbeiten wurden die aus Beton oder Holz bestehenden Bauten zunächst entkernt. Fassadenverkleidungen, Fenster und Firmenschilder wurden abgebaut und entsorgt.

Die Wohnungen, in denen sich so ziemlich alle Dramen des Lebens abspielten, befanden sich in Wirklichkeit jedoch in einer großen Halle und sind schon lange abgebaut. Einige Teile der Innenkulissen stehen in Museen. Helga Beimers Küche zum Beispiel ist im Bonner Haus der Geschichte zu sehen.
Vor einigen Wochen startete nun auch der Abriss der Außenkulissen. Darin hatten sich Mauersegler, Haussperlinge und Fledermäuse eingenistet, die aber kurz vor Beginn der Arbeiten nicht mehr da gewesen seien, sagte die Sprecherin. Auf der Grünfläche, die auf dem «Lindenstraße»-Areal entstehen soll, will der WDR ein Artenschutz-Haus als Ersatzwohnraum für die Tiere aufstellen.

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Gesundheit/Umwelt

Vitaminpräparate: nur «teurer Urin» oder auch schädlich?

Vitaminpräparate. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Von Sandra Trauner
Frankfurt/Berlin (dpa) – Sie sollen das Immunsystem unterstützen oder die Knochen stärken, manche Hersteller versprechen sogar Schutz vor Corona oder Heilung von Krebs: Vitaminpräparate erleben Marktstudien zufolge einen Boom. Seit Beginn der Pandemie greifen immer mehr Menschen zu solchen Produkten. Nicht immer ist das nur Geldverschwendung – es kann auch gefährlich werden.

Ein Drittel der Bevölkerung nimmt mindestens einmal pro Woche Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel ein, wie eine repräsentative Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt. Jeder oder jede Sechste nimmt sogar täglich Pillen oder Pulver mit Vitaminen.

Dabei ist das meist völlig unnötig: «Bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung erhält der Körper fast alle Vitamine in ausreichenden Mengen. Nahrungsergänzungsmittel sind für die meisten Menschen verzichtbar», sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. «Wer hoch dosierte Vitamine einnimmt, ohne dass es nötig ist, riskiert eine Überversorgung und damit unerwünschte Auswirkungen auf die Gesundheit.»

Im besten Fall produziere man durch die unnötige Einnahme von Vitaminen «teuren Urin», sagt Ernährungswissenschaftlerin Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen. Im schlimmsten Fall schade man seiner Gesundheit. Die Behörden prüfen Nahrungsergänzungsmittel – beispielsweise Vitaminpräparate – nicht wie Arzneimittel auf ihre Sicherheit und Qualität, bevor sie auf den Markt kommen. So kommt es bei diesen Pillen und Pulvern immer wieder zu Verunreinigungen.

Im Auge haben müsse man auch mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten: Betacarotin, eine Vorstufe zu Vitamin A, könne bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Auch eine Überdosierung sei «nicht unbedenklich», sagt Franz. Zu viel Vitamin D könne etwa zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Nierenverkalkung führen. Sehr lange zu hohe Einnahme von Vitamin C könne zu Blasen- und Nierensteinen führen.

Manchmal werde eine Überdosierung auch gar nicht erkannt, erklärt Franz: Denn zu den Pillen und Pulvern kommen noch die Mengen, die wir natürlich über die Nahrung zu uns nehmen oder die in mit Vitaminen angereicherten herkömmlichen Nahrungsmitteln stecken. Dass dafür keine Höchstmengen definiert sind, kritisieren Verbraucherschützer seit Jahren.

«Deutschland ist kein Vitaminmangelland. Die überwiegende Zahl der Menschen ist hierzulande mit Vitaminen ausreichend versorgt», betont die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Nur in Ausnahmefällen wird die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen, beispielsweise in der Schwangerschaft, nach einer Chemotherapie, bei sehr alten Menschen oder bei ausschließlich veganer Ernährung.

Doch der Markt boomt: Allein in Apotheken haben die Kunden 2020 knapp 2,3 Milliarden Euro für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben, wie das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IQVIA berechnet hat. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf Mineralstoffe und Vitamine. 2020 wurden davon elf Prozent mehr verkauft als 2019. Den höchsten Zuwachs verbuchten mit plus 12 Prozent Immunstimulanzien. Auch weitere Vitaminkategorien wie etwa Kombinationen aus Vitamin A und D oder Vitamin-C-Kombinationsprodukte sind zweistellig gewachsen.

«Dass einige Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Produkte aus Kombinationen der Vitamine A und D oder auch Vitamin C 2020 einen Boom erfuhren, dürfte mit der Covid-19-Pandemie zusammenhängen», sagt Thomas Heil, Vice President Consumer Health bei IQVIA. «Verbraucher versprachen sich durch die Einnahme der Präparate einen gewissen Infektionsschutz.»
Fachleute winken ab: Es seien «keine Studien bekannt, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor einer Infektion mit diesem Virus bzw. vor der Auslösung der Erkrankung schützt», heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

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Reise

Der spanische Ignatiusweg: Wo Pilger noch einsam wandern

Pilger können in den Herbergen des Klosters von Montserrat übernachten.     
Foto: Manuel Meyer/dpa

Von Manuel Meyer
Azpeitia (dpa) – Langsam fallen die ersten Sonnenstrahlen auf die mächtige Klosteranlage von Loyola im Baskenland. Hinter ihren Mauern direkt neben der Basilika steht das mittelalterliche Herrenhaus, in dem 1491 der Gründer des Jesuitenordens zur Welt kam: der Heilige Ignatius.

Lange Zeit seines Lebens war Ignatius alles andere als ein Heiliger. Er galt als Frauenheld, als adeliger Lebemann, er war ein Ritter. Als Ignatius 1521 im Krieg gegen die Franzosen schwer von einer Kanonenkugel verletzt wurde, veränderte sich sein Leben.

Im Krankenbett las er Geschichten von Heiligen. 1522 machte er sich schließlich auf eine Sinn- und Glaubensreise, die ihn quer durch den Nordosten Spaniens von der baskischen Atlantikküste bis nach Manresa bei Barcelona ans Mittelmeer führte.

Auf den Spuren einer spirituellen Reise
Heute, genau 500 Jahre später, kann man seiner spirituellen Reise, die zur Gründung des Jesuitenordens führte, auf einem Weitwanderweg folgen. Entlang des Flusses Urola schlängelt sich der Weg zunächst vom Kloster in Loyola auf ehemaligen Bahnstrecken langsam durch das grüne Tal bis nach Zumarraga. Hoch über dem schmucken Städtchen thront die alte Wallfahrtskirche Santa María La Antigua mit ihrem prachtvollen Deckengewölbe aus Eichenholz.

Am Kircheingang steht Fermín Lopetegui. Der Baske betreut die Kirche und stempelt Pilgerpässe ab. «Hier schlief und betete auch Ignatius auf seinem Weg», sagt er.

Lopetegui war der erste, der 2012 auf dem neuen Ignatiusweg wanderte. «Damals war der Weg nur grob markiert, Schlafmöglichkeiten gab es kaum», erzählt er. Neun Mal ist der 67-Jährige seitdem den 676 Kilometer langen Camino Ignaciano gewandert. Jedes Jahr absolviert der Baske zumindest ein Teilstück. Lopetegui schrieb bereits Bücher über den Weg, führt auf Anfrage auch Gruppen.

Landschaften von Hochgebirge bis Wüstenstrich
Es sind vor allem die unterschiedlichen Landschaften, die den Weg derart reizvoll machen, sagt er. «Vom Hochgebirge über dichte Wälder und Weinregionen bis hin zu Wüstenstrichen und mediterranen Landschaften sieht man auf dem Ignatiusweg einfach alles.» Das Eindrucksvollste sind aber die Stille und Einsamkeit, die man auf diesem Weg genießen kann: «Er ist wie der Jakobsweg vor 50 Jahren.»
Vorbei am Barrendiola-Stausee geht es durch dichte Wälder nun steil hinauf zum Biozkornia-Pass auf über 1 200 Meter Höhe. Das Bergkloster von Arantzazu, das nächste Etappenziel, ist nicht mehr weit.
Das spektakulär in einer Bergschlucht liegende Sanktuarium ist so etwas wie das spirituelle Nationalheiligtum der Basken. Der Legende nach erschien hier 1468 einem Hirtenjungen die Madonna.

Wo schon Ignatius übernachtet haben soll
Die alte Wallfahrtskirche, in der Ignatius auf seiner Wanderung betete, gibt es nicht mehr. Nach dem letzten zahlreicher Brände baute man 1959 eine moderne, nahezu avantgardistisch wirkende Basilika mit stacheligen Zwillingstürmen. Die weltberühmten baskischen Bildhauer Jorge Oteiza und Eduardo Chillida gestalteten Fassade und Eisentore.

Der daneben liegende Gasthof Goiko-Benta Ostatua aber, in dem Wanderer heute mit schönen Zimmern und deftigen baskischen Speisen empfangen werden, war bereits seit 1500 Anlaufstelle für Pilger. Die Besitzer beteuern, Ignatius habe hier mit Sicherheit übernachtet.

Xirimiri sorgt für mystische Stimmung
Gleich hinter dem Sanktuarium beginnt eine der schönsten Etappen des Ignatiuswegs. Doch der Morgen ist verregnet. Nebel hängt über der Schlucht. Es wird immer schwieriger, den orangen Wegweisern zu folgen.

Xirimiri nennen die Basken den feinen Nebelregen. Er gibt dem Weg durch die dichten Bergwälder etwas nahezu Mystisches. Oben bei der Schutzhütte von Urbia auf über 1000 Meter weiden halbwilde Kühe und Pferde in der menschenleeren Wiesenlandschaft mitten im Nationalpark Aizkorri-Aratz. Beim Abstieg nach Araia verläuft der Weg im dichten Laubwald einige Kilometer auf dem baskischen Jakobsweg und einer alten Römerstraße, die im Waldboden fast versunken ist.

Durch das spanische Rotweinparadies
Malerische Steindörfer säumen den Weg aus den baskischen Bergen. Getreidefelder dominieren jetzt die Hügellandschaft. Schon von weitem ist in der Ebene zwischen endlosen Weinbergen Laguardia zu sehen.

Die alte Stadtmauer, die Kirche Santa María de los Reyes mit ihrem monumentalen Eingangstor aus dem 14. Jahrhundert, die zahlreichen Weinkeller. Das autofreie, mittelalterliche Wein-Städtchen ist ein wahrer Hingucker und hat sich seit dem letzten Besuch des Heiligen Ignatius wahrscheinlich nicht groß verändert.

Jetzt geht es quer durch Spaniens Rotweinparadies La Rioja. Weinberge, soweit das Auge reicht. In Navarrete schlief Ignatius beim befreundeten Herzog von Nájera, dessen rustikaler Palast heute ein nettes Hotel ist: die Posada Ignatius.

Es wird voller – ein Stück auf dem Jakobsweg
Zwischen Navarrete und Logroño verläuft der Ignatiusweg auf dem Jakobsweg – bloß in entgegengesetzter Richtung. «Nach den einsamen Tagen in den baskischen Bergen ist es ist immer wieder komisch, plötzlich auf so viele Wanderer zu treffen», sagt Imanol Goikoetxea. Mit seinem Unternehmen «Slow Walking» begleitet er Gruppen auf dem Ignatiusweg.

In der Provinzhauptstadt Logroño gibt es zunächst kein Weiterkommen – es duftet einfach zu verführerisch. In den Straßen der Altstadt mit ihrer barocken Kathedrale reiht sich eine Tapas-Wein-Bar an die andere. Ein Ausritt in die Weinberge, Bodega-Besichtigungen, erstklassige Gastronomie – es gibt viel zu erleben.

La Rioja sei ein guter Ort für eine Wanderpause, bevor es in das weite, schattenlose Ebro-Tal und die Wüstenlandschaften Navarras und Aragoniens geht, meint Wanderguide Goikoetxea.

Kurz nach Logroño erreicht man Alfaro mit seiner gigantischen Stiftungskirche, die auch wegen ihrer riesigen Storchenkolonie mit Hunderten von Tieren auf ihrem Dach beeindruckt.

Der Wanderer erreicht in Navarra als erstes die Stadt Tudela mit ihrer mozarabischen Architektur, ihrer romanischen Kathedrale und zahlreichen Pintxo-Lokalen. Pintxos sind eine Art Gourmet-Version der spanischen Tapas. In Tudela sollte man unbedingt einen Tag für einen Fahrrad-Ausflug in die nahe Halbwüste Bardenas freihalten, eine der faszinierendsten Felslandschaften Spaniens.

Die Leiden beim Pilgern
Entlang des Ebros geht es auf dem Ignatiusweg weiter in Richtung Saragossa, der Hauptstadt Aragoniens. Die eindrucksvolle Basilika del Pilar gilt als älteste Stätte der Marienverehrung der Christenheit.
Kurz hinter Saragossa beginnt der härteste Teil des Weitwanderwegs – die Wüstenlandschaft der Los Monegros. Unbarmherzig brennt die Sonne. Eine Steppenlandschaft, es gibt kaum Dörfer, um an Wasser zu kommen. Unweigerlich denkt man in der unwirtlichen Einsamkeit an die Worte Goikoetxeas zurück: «Man muss auf dem Ignatiusweg auch ein wenig leiden. Auch das gehört zum Pilgern.»

Im Hinterland Kataloniens prägen dann Obstbäume und Getreidefelder die nun wieder grüner werdende Landschaft. Anstatt der bisher orangen Wegweiser zeigt nun ein Sonnensymbol den Weg.

Die Provinzhauptstadt Lleida verzaubert mit ihren romanischen Kirchen, Stadtpalästen und ihrer imposanten Kathedrale La Seu Vella aus dem 13. Jahrhundert, die hoch über der Stadt thront.

Eine besondere Art der Gastfreundschaft
Ein wirklich besonderer Ort ist das nächste Etappenziel El Palau d‘Anglesola. Das liegt an Francesc Balcells. «Der Kontakt und das Kennenlernen der Einheimischen war für mich immer das Schönste am Ignatiusweg», sagt er. Deshalb gründete der Bürgermeister in der kleinen Gemeinde die Gruppe «Freunde des Wegs».

Sie nehmen die Pilger in Empfang, zeigen ihnen das Dorf, laden sie sogar zu sich nach Hause zum Essen ein. Für fünf Euro kann man in der von ihnen improvisierten Pilgerherberge im Dorf-Schwimmbad schlafen. Das kostenlose Bad ist nach dem Wandern ein wahrer Genuss.

Das nächste Etappenziel ist sehr wichtig für den Jesuitenorden. In Verdú kam 1580 der Jesuiten-Heilige Petrus Claver zur Welt, der Verteidiger der schwarzen Sklaven.

Sein Geburtshaus ist heute teils eine Pilgerherberge. Das mittelalterliche Schmuckstück mit seiner Festung, Weinkellern und zahlreichen Kirchen ist umgeben von Weinbergen und Olivenbäumen.

Übernachtung im Kloster mit Ausblick
Die gezackte Bergsilhouette von Montserrat ist schon von weitem zu sehen. Der Aufstieg zum Bergkloster führt durch atemberaubende Natur, ist aber auch schweißtreibend: 27 Kilometer und 1300 Höhenmeter. Drei Tage legte Ignatius hier vor der «schwarzen Madonna» seine Beichte ab, verzichtete endgültig aus sein vorheriges Leben.

Das aus den Felsen wachsende Bergkloster ist ein magischer Ort. Sobald die Tagestouristen wieder nach Barcelona verschwinden, haben Pilger, die hier in Herbergen schlafen können, das Kloster mitsamt der Panorama-Ausblicke nach den allabendlichen Gesangsmessen der Mönche für sich alleine.

Angekommen in Manresa
Die letzte Etappe steht an, 25 Kilometer sind es noch bis zum Endziel des Weges. Vorbei an der Einsiedelei Santa Cecilia führt der Weg vom Berg Montserrat hinab nach Manresa.

Über die mächtige Steinbrücke aus dem 12. Jahrhundert betrat bereits der Heilige die Stadt. «Hier lebte Ignatius fast ein Jahr, bettelte um Almosen für die Armen, meditierte und schrieb in dieser Höhle seine Erfahrungen der Wanderschaft und die Exerzitien», sagt Jesuitenpater José Luis Iriberri.

Kapellen, das ehemalige Krankenhaus Santa Lucía, die Kathedrale mit Kataloniens größtem gotischen Altar: Es gibt zahlreiche Orte in Manresa, an denen Ignatius wirkte.

Der wichtigste ist aber die Höhle am Flussufer, in der er die Exerzitien schrieb. Eigentlich handelt es sich dabei eher um einen Felsvorsprung. Drumherum haben die Jesuiten ein gewaltiges Kloster gebaut, in dem auch eine Sandale, persönliche Gegenstände und ein Schriftstück vom Heiligen Ignatius ausgestellt werden.

Die Exerzitien – oder geistlichen Übungen – bilden heute den Grundstein des Jesuitenordens, dem auch Papst Franziskus angehört. Das sagt Pater Iriberri, während er mir die Ignaciana ausstellt. Das Pilger-Zertifikat bekommt jeder, der mindestens 100 Kilometer des Wegs zu Fuß oder 200 Kilometer per Fahrrad zurückgelegt hat.

Die einsame Alternative zum bekannten Pilgerweg
Iriberri leitet nicht nur das zentrale Ignatius-Pilgerbüro, sondern konzipierte auf Basis historischer Dokumente auch den erst vor zehn Jahren eröffneten Ignatiusweg.

«Der Weg stellt eine interessante Alternative zum Jakobsweg dar», sagt der Pater. «Du folgst hier einem historischen Weg und lernst auf ihm eine historische Person kennen. Auf dem Jakobsweg gehst Du nur zu einem Grab. Der Apostel Jakob pilgerte niemals nach Santiago de Compostela.»

Iriberri sagt weiter: «Der Ignatiusweg steckt noch in den Kinderschuhen und bietet einsame Naturerlebnisse und Stille für Ruhesuchen.» Die Zahlen verdeutlichen, was er damit meint: 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie, erreichten nur 2500 Pilger Manresa. Den Jakobsweg machten im selben Jahr 350 000.

Informationen:
Beste Wanderzeit: Die besten Monate sind von April bis Mitte Juni sowie September bis Mitte November.
Wegplanung: Routenbeschreibungen sowie Informationen über Unterkünfte, Wandertouren-Anbieter, Transportmittel, Pilgerdokumente, Geschichtliches und vieles mehr findet man auf Deutsch auf der Seite des Ignatianischen Pilgerbüros:
http://www.caminoignaciano.org/de

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An Rosenkohl und Sauerkraut scheiden sich die Geister

Viele Deutsche können Sauerkraut aus Weißkohl nicht ausstehen. Foto: dpa

Köln (dpa) – «Krauts» nannten englische und amerikanische Soldaten einst ihre deutschen Kriegsgegner – doch jetzt müssen vor allem die Briten stark sein, die das Klischeewort noch manchmal gern benutzen. Denn viele Deutsche können Sauerkraut aus Weißkohl nicht ausstehen. Das Wort «Kraut» für Deutsche kam im Ersten Weltkrieg auf, als Briten den deutschen Soldaten unterstellten, sehr viel Sauerkraut zu essen.

Aus einer neuen Yougov-Umfrage geht hervor: Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland mag kein Sauerkraut. Beim Rosenkohlgemüse ist es sogar jeder Vierte, der es nicht mag. Wesentlich beliebteres Winter- und Feiertagsgemüse ist der Rotkohl, der in einigen deutschen Regionen auch Rotkraut oder Blaukraut genannt wird. Drei Viertel der Erwachsenen (74 Prozent) mögen ihn gern oder sogar sehr gern. Nur etwa jeder Achte sagt, er möge ihn ungern oder überhaupt nicht gern.

Das Meinungsforschungsinstitut Yougov befragte im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur repräsentativ knapp 2100 Menschen.

Vor allem Rotkohl ist an Feiertagen eine der beliebtesten Beilagen. Egal ob zur Gans, Ente, Roulade oder zum Sauerbraten oder Wild: Er landet auf Millionen Tellern.

Auch wenn Ernährungsexperten Rotkohl eher als Rohkost empfehlen, weil enthaltene Vitamine beim Kochen zerstört werden können, ist die klassische deutsche Zubereitungsart weichgekocht. Viele mögen ihn gar als zerkochte, süße Pampe neben dem Braten.

In vielen Rezepten wird Rotkohl mit Essig oder Wein gekocht, meist kommen Äpfel und Zwiebeln hinzu. Typische Gewürze sind Nelken, Muskat, Lorbeer und Zucker. Viele rühren auch rote Marmeladen hinein.

Was die klassischen Wintergemüse angeht, so fördert die neue Umfrage auch zutage: Je älter die Menschen in Deutschland sind, desto lieber mögen sie Rotkohl.

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Aus Allen Staaten

Deutsche Reporterin startet in Michigan durch

Lisa Wiewgorra im Studio in Lansing

By William Böhm
Lansing, Michigan – Nicht allzu weit weg von Lansing ist Frankenmuth, eine Stadt, die bekannt ist für ihre bayrische Architektur und deutschen Produkte. Als gebürtige Potsdamerin hat sich die Fox 47 News Reporterin Luisa Wiewgorra (23) gefragt, wie deutsch Frankenmuth wirklich ist. In einem unterhaltsamen Beitrag sagte sie, dass es die perfekte Stadt sei, um der deutschen Kultur näher zu kommen und stellt verschiedene Attraktionen vor, unter anderem Bronner’s Christmas Wonderland.

Wiewgorra ist nach ihrem Abitur im Jahr 2017 nach Michigan gezogen, um Journalismus und Public Relations an der Madonna University in Livonia zu studieren. Sie erzählte uns im Interview, dass sie durch ein Volleyballstipendium die Chance bekommen hat, in Michigan zu studieren, es aber schon immer ihr Traum war, eines Tages Journalistin zu werden. „Ich wusste es seit dem Moment, als ich das erste Mal bei 89.2 Radio Potsdam war“, ein Radiosender in ihrer Heimatstadt, „und habe seitdem immer daran geglaubt, dass ich Nachrichtensprecherin werde.“ Seit ihrem Uniabschluss im Mai 2021 ist sie mittlerweile fast jeden Abend in den Nachrichten zu sehen und hat sogar schon mehrfach die Nachrichten am Morgen moderiert. „Die englische Sprache war am Anfang meines Studiums schon eine Herausforderung”, sagte Wiewgorra. Umso beeindruckender, dass sie nun täglich vor der Kamera steht. Kollegen bezeichnen sie schon jetzt als unglaublich talentiert. “ Ich denke und hoffe, dass mein Weg andere inspirieren kann, wirklich Dinge zu wagen, die sie ihrem Traum näherbringen könnten”, sagte Wiewgorra. „Ich denke, dass man Träume erreicht, wenn man an sich glaubt und auch hart dafür arbeitet.”

Wiewgorra mag die Stories am meisten, bei denen sie das Gefühl hat, dass sie anderen helfen und mit denen sie auf Themen aufmerksam machen kann, über die sonst nicht genug gesprochen wird. Sie berichtet häufig über komplexe und tiefgründige Themen. Wer mehr über Wiewgorra erfahren möchte oder ihre komplette Frankenmuth Story sehen möchte, kann bei fox47news.com vorbeischauen.

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Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Bilanz 2021: Jugendherbergen setzen auf Rückkehr der Schulklassen

Auch die deutschen Jugendherbergen leiden unter der Corona-Pandemie. Der Gästeschwund in den Jahren 2000 und 2021 war eklatant. Nun setzt das Jugendherbergswerk die Hoffnung auf die Rückkehr der wichtigsten Zielgruppe.

Osnabrück: „Jugendherberge“ steht auf einem Schild. Die Landesverbände
der Jugendherbergen geben hre Übernachtungszahlen für 2021 bekannt. Foto: dpa

Detmold (dpa) – Die 422 Jugendherbergen in Deutschland haben im zurückliegenden Jahr rund 3,9 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Wie das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) am Montag online in seiner Bilanz für das Jahr 2021 informierte, waren dies rund 300 000 mehr als im ersten, von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2000. Zwar habe man den Abwärtstrend stoppen können, doch von einem «normalen Ergebnis» wie vor der Pandemie im Jahr 2019, als es 9,8 Millionen Übernachtungen gab, sei man noch sehr weit entfernt, sagte DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz.

Für dieses Jahr erwartet der 2,3 Millionen Mitglieder starke Verband wieder ein Stück Normalität. Trotz der beiden Pandemie-Jahre habe man 2021 nur vier Prozent der Mitglieder verloren. «Wir hatten so wenig Austritte wie nie zuvor. Darüber sind wir sehr glücklich», sagte Co-Geschäftsführer Oliver Peters. Die Zahl der Buchungen und Reservierungen habe in den ersten Monaten 2022 merklich angezogen.

Ganz oben auf der Agenda des DJH steht die Rückkehr der wichtigsten Zielgruppe, der Schulklassen. «Zwar erleben wir nach wie vor einen positiven Trend bei den Familien», sagte Schmitz. «Aber wir wollen jetzt endlich auch wieder Schulklassen in unseren Häusern für wichtige Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Sport, Kultur oder soziales Lernen begeistern und Freiräume ermöglichen.»

Finanziell geholfen haben zuletzt auch Sonderprogramme für Familien sowie Gruppen und Vereine. Dafür wurden den Jugendherbergen vom Bund rund zwei Millionen Euro für die Jahre 2021 und 2022 zur Verfügung gestellt. Gleichwohl mussten im Vorjahr 10 bis 15 Häuser aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Auch der Personalmangel machte den Jugendherbergen arg zu schaffen. «Das ist ein großes Problem», sagte Schmitz. Daher wolle man nun verstärkt um Arbeitskräfte werben.

Ein großes und wichtiges Anliegen ist den Jugendherbergen, den aus der Ukraine flüchtenden Menschen Unterschlupf und Sicherheit zu bieten. Jugendherbergen stünden auch in Krisenzeiten für «gesellschaftlichen Zusammenhalt», hieß es. 2021 seien die Herbergen bei der Bewältigung der Pandemie «wichtige gesellschaftliche Partner» gewesen. Bei der Unterstützung von Heranwachsenden und Familien seien sie «sichere Orte, an denen Werte wie Weltoffenheit und Völkerverständigung, unabhängig von Kultur, Religion oder sozialer Herkunft, täglich aufs Neue gelebt werden – auch und vor allem in Krisenzeiten», so Schmitz. Aktuell sind in 45 bis 50 Jugendherbergen schutzbedürftige Menschen aus der Ukraine untergebracht.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Jugendherbergen – youth hostels
setzen auf – counting on
Rückkehr – return
Schulklassen – school groups
leiden – suffer
Gästeschwund – drop in reservations
eklatant – sickening
Zielgruppe – target group
zurückliegenden – previous
verzeichnet – recorded
Bilanz – balance
geprägten – stamped
Abwärtstrend – downward trend
Verband – association
Austritte – resignations
angezogen – increased
Nachhaltigkeit – sustainability
Umweltschutz – environmental protection
begeistern – to inspire
Freiräume – freedom
Vereine – clubs
zur Verfügung gestellt – made available
gleichwohl – nevertheless
wirtschaftlichen – economic
Personalmangel – employee shortage
machte arg – worked hard
zu schaffen – to manage
verstärkt – intensely
werben – advertise
Anliegen – request
Unterschlupf – hiding place
stünden – stand
gesellschaftlichen Zusammenhalt – social union
Bewältigung – management
Unterstützung – support
Heranwachsenden – adolescents
Werte – values
Weltoffenheit – multiculturalism
Völkerverständigung – international understanding
unabhängig – independent
Herkunft – origin
schutzbedüftige – needing protection
untergebracht – accommodated

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*