16. Januar 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Kein Kiffer-Paradies: Amsterdam will Coffeeshop-Verbot für Touristen

50 Jahre lang konnte jeder über 18 Jahre in Amsterdam Gras oder Hasch kaufen und Joints rauchen. Ganz legal. Doch das soll ein Ende haben. Die Grachtenstadt will keine kiffenden und saufenden Touristen mehr. Das Ende einer Ära.

ARCHIV – 30.01.2014, Niederlande, Amsterdam: Red Light Bar Coffee Shop im Rotlichtviertel. Foto: dpa

Von Annette Birschel
Amsterdam (dpa) – Jahrzehntelang war Amsterdam ein Paradies für Kiffer aus aller Welt. Auch viele Deutsche machen noch immer gerne den Ausflug über die Grenze in die Grachtenmetropole. Denn in den Coffeeshops kann jeder über 18 Jahre legal Haschisch oder Marihuana kaufen und auch rauchen. Das soll nun – nach mehr als 50 Jahren – ein Ende haben. Zumindest für Touristen. Die niederländische Hauptstadt will ausländischen Touristen den Zugang zu Coffeeshops verbieten. Damit solle dem Massentourismus und der Drogenkriminalität Einhalt geboten werden, kündigte die Stadt am Freitag an.

Nach dem Plan sollen nur noch Einwohner des Landes mit einem Club-Ausweis Zugang bekommen. Die Zahl der Verkaufsstellen würde drastisch reduziert. Wann das Verbot in Kraft treten soll, ist noch unklar. Das Stadtparlament muss den Plänen noch zustimmen.

«Wir wollen den Drogentourismus stoppen», sagte Bürgermeisterin Femke Halsema. «Die sogenannten Cannabis-Touristen sorgen für große Probleme in der Stadt». Die grüne Bürgermeisterin ist nicht für ein totales Drogen-Verbot, sondern will ein Ende der Auswüchse. Darin wird sie unterstützt von Staatsanwaltschaft, Polizei und vielen Bürgern.

Fast zehn Millionen Touristen kamen 2019 – also vor Corona – in die Stadt mit rund 700 000 Einwohnern. Viele von ihnen wohl nur um zu saufen und zu kiffen. 57 Prozent der Besucher des Rotlichtviertels im Zentrum gaben bei einer Studie an, dass sie hauptsächlich wegen der Drogen kamen. «Wir wollen lieber nicht die Touristen, die nur hierher kommen, um betrunken und stoned rumzulaufen», sagte die Bürgermeisterin.
Um 1970 hatte in Amsterdam der erste Coffeeshop geöffnet. Wenig später folgte das sogenannte Duldungs-Gesetz. Danach darf man im ganzen Land sogenannte weiche Drogen für den persönlichen Gebrauch kaufen und auch konsumieren. Auch jetzt während des Lockdowns sind die Coffeeshops geöffnet, allerdings müssen die Kunden die Waren mitnehmen.

Vor gut zehn Jahren hatte sich Amsterdam erfolgreich gegen ein neues Gesetz gewehrt, nachdem nur Einwohner des Landes in den Coffeeshops Drogen kaufen dürfen. Die Angst, dass dann der illegale Straßenhandel wieder zunehmen werde, war groß. Seitdem gilt in Amsterdam eine Ausnahmeregelung. Touristen dürfen also noch Joints kaufen. Dafür musste die Stadt jedoch die Zahl der Verkaufsstellen stark reduzieren.

Der Verband der Coffeeshop-Händler ist strikt gegen die Pläne und warnt vor negativen Folgen. «Leute wollen ihren Joint rauchen. Wenn das nicht im Coffeeshop geht, dann kaufen sie es auf der Straße», sagte Sprecher Joachim Helms.

In den vergangenen 20 Jahren ging die Zahl der Coffeeshops in Amsterdam stark zurück von 283 auf jetzt 166. Das sind trotzdem noch immer etwa 30 Prozent aller Coffeeshops des Landes. Und mit dem Massentourismus nahm auch die Nachfrage nach Cannabis zu – um bis zu 200 Prozent, wie die Stadt mitteilt.
Der Kiffertourismus nahm zu: Sie kommen mit dem Auto aus Deutschland, Belgien, Frankreich und vor allem mit den Billigfliegern aus Großbritannien. «Cannabistouristen kommen nur hierher, um in den Coffeeshops zu sitzen», sagte die grüne Bürgermeisterin. Nach einer Studie werden sie zu Hause bleiben, wenn sie dort nicht mehr ihren Joint rauchen dürfen.

Die Polizei beobachtet auch eine Zunahme der Kriminalität rund um Drogen und Geldwäsche. Denn noch gilt ein Paradox: Während der Verkauf von Haschisch legal ist, sind Anbau und Großhandel verboten. Coffeeshops müssen sich also ihre Ware quasi über die Hintertür illegal besorgen. Die Regierung in Den Haag will das nun ändern und steht kurz vor einem Modellversuch mit staatlich kontrolliertem Anbau durch ausgewählte Produzenten.

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Sport

Stammplatz Podest: Das deutsche Rodelteam räumt auf der WM-Bahn am Königssee richtig ab und dominiert in allen Wettbewerben.

Weltcup, Slalom, Herren. Linus Strasser, aus Deutschland in Aktion. Foto: dpa

Adelboden (dpa) – Das breite Podiums-Grinsen im Gesicht von Linus Straßer war hinter der obligatorischen Maske deutlich zu erahnen. Der beste deutsche Slalomfahrer hat nach dem Sensationssieg von Zagreb erneut seine Ausnahmeform im Weltcup gezeigt und ist in Adelboden als Zweiter wieder auf das Podest gerast. Auf dem komplizierten Chuenisbärgli war der Münchner am Sonntag nur von Marco Schwarz aus Österreich zu schlagen, der 0,14 Sekunden schneller war.

«Das war ein unglaublich schwieriges Rennen und eher ein Arbeitserfolg», sagte Straßer zum famosen Finale auf seinem Lieblingshang. Der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier freute sich über ein «absolutes Weltklasse-Ergebnis» seines Comeback-Künstlers, der auf beachtliche Art gezeigt hat, keine Eintagsfliege zu sein.
Wie schon am Mittwoch in Kroatien hatte Straßer im zweiten Lauf eine beeindruckende Aufholjagd gestartet und war von Rang zwölf noch fast ganz nach vorne gefahren. «Das war mehr ein Kampf als ein Genuss», sagte der Edeltechniker im ZDF. «Ich bin wirklich zufrieden.»

Im Berner Oberland erlebte Straßer das Happy End eines spannenden Ski-Krimis. Er verwies den Briten Dave Ryding um eine Hundertstelsekunde auf den dritten Rang. Auch dahinter ging es eng zu: Wäre Straßer 0,06 Sekunden langsamer gefahren, hätte es nur zu Rang fünf gereicht. «Das Hundertstelglück war heute definitiv auf meiner Seite, aber das darf es ja auch mal sein», flachste er.

Nach Jahren der Suche nach dem perfekten Schwung und der richtigen Einstellung im Schatten von Felix Neureuther scheint Straßer nun sein Erfolgsrezept gefunden zu haben – zwei derartige Rennen sind der Beweis. «Es passt gerade einfach», sagte Maier. Nachdem Straßer im ersten Lauf noch nicht die ideale Ski-Abstimmung zu dem aggressiven Schnee gefunden hatte, klappte es im Entscheidungslauf besser. «Das war von oben bis unten eine gute Vorstellung», lobte Maier. Statt wild zu attackieren, fand Straßer besonnen die schnellste Spur.

Trainer und Betreuer sind erleichtert, dass der talentierte Athlet cool genug ist, um aktuell genau die richtige Mischung zu finden. Gefordert bleibe er aber weiterhin. «Man darf nicht in Hysterie verfallen und glauben, es geht immer so weiter», sagte Bundestrainer Christian Schwaiger im ZDF. «Er muss versuchen, relaxed zu bleiben und gut Ski zu fahren. Dann erledigen sich die Dinge von allein.»

Dabei hatte sich der Sportler in Adelboden nach eigener Aussage gar nicht so gut gefühlt. Aber dann konnte er im Ziel doch erschöpft und glücklich ausschnaufen und den Zeigefinger in die Höhe recken.

Nach seinem Zagreb-Coup war Straßer mit ganz neuen Gefühlen in einer eigens für die Rennfahrer gecharterten Maschine in die Schweiz geflogen. «So ein Sieg macht etwas mit einem», erzählte der Sportler vom TSV 1860 München am Wochenende. «Jetzt muss man das nur in die richtige Richtung lenken. Ich habe gemerkt, dass es machbar und menschlich ist, ein Rennen zu gewinnen.» Dieses Selbstbewusstsein kann er nun mitnehmen in den nächsten Slalom am Sonntag in Wengen.

Dort wird übrigens trotz Corona-Meldungen aus der Region gefahren, wie die örtlichen Behörden und der Weltverband Fis am Sonntag bekanntgaben. Der formstarke Linus Straßer wird sich freuen.

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Feuilleton

Axel Springer Award 2021 geht an Biontech-Gründer

Özlem Türeci und Uğur Şahin. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Die Gründer des Mainzer Corona-Impfstoff-Herstellers Biontech, Özlem Türeci und Uğur Şahin, bekommen den Axel Springer Award 2021. Der Preis solle im Frühjahr verliehen werden, teilte der Medienkonzern Axel Springer in Berlin mit. Springer-Chef Mathias Döpfner betonte: «Der Axel Springer Award will Vorbilder auszeichnen, die durch ihr Handeln andere ermutigen: zu Unternehmertum, Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung. Für das Jahr 2021 kann es dafür keine besseren Beispiele geben als Özlem Türeci und Uğur Şahin.» Als Mediziner, Forscher und Unternehmer hätten sie Bahnbrechendes in der Krebsforschung erreicht. «Der von ihnen entwickelte mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 hat das Potenzial, uns allen ein großes Stück Freiheit zurückzugeben und auf der ganzen Welt Menschenleben zu retten. Ich gratuliere in Dankbarkeit», ergänzte Döpfner.

Der undotierte Preis des Springer-Konzerns («Bild», «Welt») wird zum sechsten Mal verliehen. Damit werden jährlich Personen gewürdigt, die laut Springer in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern, die Kultur prägen und sich gleichzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen.

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Umwelt

Klimawandel bedroht Rentiere in Russland

Die Erderwärmung bedroht nach Einschätzung von
Umweltschützern zunehmend Rentiere in Russland. Foto: Dmitriy Boldyrev/WWF/dpa

Moskau (dpa) – Die Erderwärmung bedroht nach Einschätzung von Umweltschützern zunehmend Rentiere in Russland. «Der Klimawandel ist bereits heute die größte Bedrohung für diese Tiere», sagte Wladimir Krewer von der Umweltstiftung WWF der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. Ein frühes Schmelzen von Eis habe etwa zur Folge, dass selbst trächtige Tiere durch eiskaltes Wasser schwimmen müssten. In der Vergangenheit konnten sie problemlos zugefrorene Seen und Flüsse überqueren. Auch die Nahrungssuche gestalte sich schwieriger, weil Pflanzen häufiger mit Eis statt mit Schnee bedeckt seien.

Russische Umweltschützer beobachteten im August, dass Rentiere so früh wie noch nie zurück in den hohen Norden Russlands gezogen sind. Dabei seien südlich der Taimyr-Halbinsel am Nordpolarmeer viele Jungtiere beim Überqueren eines großen Flusses ertrunken, weil ihnen die Kraft dafür gefehlt habe. «Etwa 200 Jungtiere blieben erschöpft am Ufer zurück», heißt es in einem WWF-Bericht. Viele Tiere seien streunenden Hunden zum Opfer gefallen. «Wir müssen uns bewusst werden, dass Klimaveränderung immer mehr Phänomene mit sich bringen wird, die in der Arktis bisher noch nicht aufgetreten sind», sagte Umweltschützer Alexej Kokorin. So gebe es etwa häufiger Hitzewellen und Flächenbrände. Der WWF schätzt, dass sich der Bestand der am Nordpolarmeer lebenden Tundra-Rentiere in den vergangenen zehn Jahren auf rund 400 000 halbiert hat.

In Russland leben zwei Arten von Rentieren: die eine hat in den Wäldern ihren Lebensraum und die andere in der Tundra, wie Krewer sagte. Sie seien für das Funktionieren der Ökosysteme und die indigenen Völker von erheblicher Bedeutung. Ohne Rentiere könnten sie nicht existieren.

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Reise

Was das Brexit-Abkommen für Reisende ändert – und was nicht

Der Brexit ändert für Reisende mit Ziel Großbritannien nicht allzu viel. Die wichtigste Änderung betrifft – jedoch nicht sofort – das benötigte Reisedokument. Viele Rechte bleiben Urlaubern erhalten.

Der Brexit und seine Folgen: Wer als EU-Bürger einen Citytrip zum Beispiel nach London unternehmen möchte, braucht dafür vom 
Oktober 2021 an einen Reisepass.  Foto: Michael Kappeler/dpa

                

London/Kehl (dpa) – Die Brexit-Übergangsphase ist mit Ablauf des Jahres 2020 beendet. Nun wird das neue Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich (UK) greifen. Doch wie wirkt sich das auf Menschen mit Reiseplänen für die Britischen Inseln aus?

Reisepass statt Personalausweis
Die wichtigste Änderung greift erst im Herbst: Vom 1. Oktober 2021 an wird für die Einreise nach Großbritannien und Nordirland ein Reisepass benötigt, wie das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) erklärt. Den Pass stellt das Bürgeramt am Heimatort aus. Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem Alter des Antragstellers, der Zahl der Seiten und der Bearbeitungsdauer.

Der Personalausweis wird dagegen nur noch bis zum 30. September 2021 für die Einreise akzeptiert. Urlauber müssen allerdings weiterhin kein Visum für Großbritannien beantragen.

Eine Ausnahme gibt es bei der Passpflicht für bestimmte Personen: Wer über einen «settled»- oder «pre-settled»-Status verfügt, Grenzgänger oder ein «S2-Healthcare-Visitor» ist, kann seinen Personalausweis noch bis 31. Dezember 2025 zur Einreise nutzen, erläutert das EVZ.

Wer sich für eine Rundreise in Großbritannien einen Mietwagen leiht, der kann dafür weiter den deutschen, europäischen oder internationalen Führerschein nutzen.

Europäische Krankenversicherungskarte wird weiter akzeptiert
Und noch eine gute Nachricht gibt es für Reisende: Die von deutschen Krankenkassen ausgestellte Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) und auch die Provisorische Ersatzbescheinigung (PEB) behalten bei Urlaubsreisen ihre Gültigkeit, erläutert das EVZ.

Mit der EHIC können Reisende innerhalb der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und im Vereinigten Königreich in Notfällen zum Arzt gehen und bekommen die gleichen Leistungen wie die Bürgerinnen und Bürger des jeweiligen Reiselandes. Die Kosten für die Notfallbehandlung werden von der Krankenkasse übernommen. Allerdings empfehlen Verbraucherschützer für Reisen außerhalb Deutschlands generell eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung, weil die Krankenkassen oft nicht alle anfallenden Behandlungskosten erstatten.

Fluggastrechte bei Verbindungen zwischen EU und UK
Die EU-Fluggastrechte gelten für alle Flüge, die innerhalb der EU starten und für alle Flüge, die in der EU landen, wenn die Airline ihren Sitz in der EU hat. Sie regeln die Höhe von Entschädigungen, etwa wenn ein Flugzeug ausfällt oder sich deutlich verspätet.

Vom 1. Januar 2021 stellt sich das nun so dar: Die Rechte gelten weiterhin für alle Flüge aus dem Vereinigten Königreich – und für Flüge aus der EU dorthin von Fluggesellschaften mit Sitz in der EU. Sie gelten aber nicht mehr, wenn man aus einem Drittstaat wie den USA mit einer britischen Fluggesellschaft in die EU fliegt.
Wer mit dem Eurostar-Zug oder einem Fernbus nach Großbritannien reist, für die- oder denjenigen gelten weiterhin die entsprechenden Fahrgastrechte zum Beispiel bei Verspätungen. Die EU-Gesetzgebung ist hier laut EVZ jeweils in britisches Recht überführt worden.

Was gilt bei Roaming-Kosten?
In der EU gibt es keine Roaming-Gebühren für das Telefonieren per Smartphone und für mobiles Surfen mehr. Für das Vereinigte Königreich entfällt diese Regel nun. Allerdings haben deutsche Netzbetreiber angekündigt, an bestehenden Tarifen erst einmal nichts ändern zu wollen. Im Zweifel sollten Verbraucherinnen und Verbraucher vor der Reise bei ihrem Provider nachfragen, welche Kosten konkret anfallen.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Reisen aus Deutschland nach Großbritannien und Nordirland aktuell deutlich geringer als in früheren Jahren. Das Auswärtige Amt warnt in seinen Reisehinweisen vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins gesamte Vereinigte Königreich. Die reiserechtlichen Regelungen für die Nach-Brexit-Zeit werden für viele Menschen daher erst dann unmittelbar spürbar werden, wenn das Reiseaufkommen in der Zukunft wieder größer wird.

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Von wegen von gestern:
Stricken liegt wieder im Trend

Altmodisch war gestern, verstaubt erst recht: Das Stricken erobert die sozialen Netzwerke, wird zur Kunst – und treibt die Umsätze nach oben. Stricken ist Trend, wer hätte das gedacht? Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die Corona-Pandemie ist nur einer.

Die Textildesignerin Anne-Susanne Gueler hält in ihrem Werkstattladen “hand-werk“ ein Foto aus der Normandie neben einen von ihr gestrickten Pullover. Gueler lässt sich häufig von Landschaften inspirieren. Foto: Ole Spata/dpa

Von Thomas Strünkelnberg
Hannover (dpa) – Wer denkt, Stricken sei ein Hobby für die Oma, dürfte sich wohl noch nie so getäuscht haben: Das Stricken erobert die sozialen Netzwerke, bei Instagram wird Stricken wieder schick, wenn hippe Anbieter wie We Are Knitters oder Wool And The Gang auf die Masche kommen – und fertige Pakete mit Wolle, Nadeln und Anleitung anbieten. Von wegen zwei rechts, zwei links, und bloß keine Masche fallen lassen: Im Gegenteil, Stricken geht immer mehr in Richtung Kunst, und Strickdesigner, meistens Männer, entwerfen immer wildere Muster. Altmodisch war gestern, verstaubt erst recht, meint die Textildesignerin Anne-Susanne Gueler aus Hannover.

Schon vor einigen Jahren seien die Menschen über einfache Techniken ans Stricken herangeführt worden, erzählt Gueler. Damals aber gab es aus ihrer Sicht wenig richtig gute Wolle: «Das hat sich geändert.» Und: Die Menschen merkten, dass sie auch mit geringen Mitteln etwas Eigenes schaffen: «Es braucht Konzentration und Aufmerksamkeit, man braucht einen klaren Kopf dafür», erklärt die Textildesignerin. Einfach alles andere ausschalten – den besonderen «Flow» beim Stricken betont auch Ute Frederich, die in Paderborn lange eine Boutique führte und außerdem Strickreisen nach Sylt und Berchtesgaden organisiert.

Denn es gebe Menschen, die zur Entspannung stricken, dabei an nichts denken und in einen «inneren Flow» kommen, erklärt die 59-Jährige. Andere fühlten sich sicherer mit dem Rundum-sorglos-Paket, mit Wolle, Nadeln, Anleitung und am besten noch einem Youtube-Videotutorial. Aber es gebe auch Stricken, das «in Kunst hineinreicht», betont auch sie. Schon seit 2008 sei das Stricken wieder im Kommen, was allerdings das Geschäft mit der Wolle nicht leichter mache – denn viele kauften via Internet. Und inzwischen habe sie eine so starke Nachfrage nach den Strickreisen, dass sie dem gar nicht mehr nachkommen könne.

Merkt das auch die Branche? «Das kann ich bestätigen, wir haben deutlichen Zuwachs», sagt eine Sprecherin der Initiative Handarbeit, eines Verbandes, in dem sich die nach eigenen Angaben führenden Anbieter der Handarbeitsbranche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben. Marktdaten für das laufende Jahr gebe es zwar noch nicht, aber für die Anbieter sei 2020 ein «Ausnahmejahr», die Umsätze seien extrem nach oben gegangen. Auch an den Zugriffen auf die eigene Website mit Anleitungen und Schnittmustern merkt das der Verband – im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr sehr stark, dann nachlassend, seit Oktober wieder deutlich stärker.

Die Pandemie spielt also auch eine Rolle? Aber sicher, meint die Sprecherin. Denn: Die Menschen seien mehr daheim, investierten auch in ihr Zuhause und gingen Hobbys nach, für die sie lange wenig Zeit hatten. Dazu komme der Wunsch, selber etwas mit der Hand herzustellen, eine Rückbesinnung auf handwerkliche Werte: «Die Leute wenden sich ab vom Fast-Konsum.» Trendforscher Peter Wippermann bestätigt: Im Moment des Lockdowns, wenn die Menschen eine meditative Beschäftigung suchten, sei Stricken ideal. Man beschäftigt sich und hat ein Erfolgserlebnis – dabei gehe es weniger um einen echten Mehrwert wie einen Pullover oder Schal: «Sondern um die Befriedigung, etwas geschafft zu haben.»

Und um sich eine kleine Auszeit zu nehmen, sagt Gueler. Das mag schon in den 1970er und 1980er Jahren dazu geführt haben, dass so gut wie alle strickten, wenn man nach alten Fotos gehen kann. Letztlich wird aber auch das Stricken nun gewissermaßen digital: Um die reine Handarbeit muss sich jeder immer noch selbst kümmern, aber die Anleitungen werden nicht nur von eigens geschaffenen Plattformen heruntergeladen, kreative Strickkünstler laden eigene Entwürfe auch für andere hoch. Sehr gefragt und trendy seien derzeit Mützen und Schals, aber auch selbst gestrickte Tücher, urteilt Gueler.

Während die Stricktreffs in der Pandemie ausfallen müssten, halte man Kontakt über Messenger-Dienste – und warte darauf, dass das normale Leben wieder beginne. Der Trend zum Stricken leidet aus ihrer Sicht nicht unter der Corona-Krise. Im Gegenteil.

Und noch etwas könnte sich als wichtig erwiesen haben für den Strick-Trend: Die Qualität des Materials spiele eine immer größere Rolle – auch das sei ein Trend, sagt die Textildesignerin. Wie auch die Bereitschaft, etwas mehr Geld für gutes Material auszugeben. «Wenn jemand ein Stück haben will, das 20 Jahre hält – das gibt es im Handel nicht.»

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Aus Allen Staaten

Carpathia Blasmusikanten: Drive-In Weihnachtskonzert

Um etwas Schutz für die Musikanten der Blaskapelle zu gewährleisten, wurde das zur Carpathia Halle gehörende Wirtschafts-Gebäude zu einer „Bühne“ umfunktioniert.
Christmas Carol Drive-In der Blaskapelle auf dem Parkplatz der Carpathia Halle an der Utica Road in Sterling Heights, MI.

Sterling Heights, MI

  1. Dezember 2020
    Aufgrund der aktuellen Lage mit der scheinbar endlos fortlaufenden Pandemie war uns, den Carpathia Blasmusikanten, seit geraumer Zeit klar, dass in der heurigen Advent- und Weihnachtszeit keine unserer traditionellen Festlichkeiten in gewohnter Art und Weise gefeiert werden können.

    Trotz der restriktiven Vorgaben bezüglich feiern in unseren Klubs sowie im Freundeskreis, drängte einer der Musiker und Vizepräsident der Blaskapelle, Mike Stampfer, für eine vorweihnachtliche Aktivität musikalischer Natur. Nach einigen internen Diskussionen entschied sich der Vorstand der Blaskapelle für die Durchführung eins Drive-In Weihnachtskonzertes, so ähnlich wie man das auch von Drive-In Kinos kennt. Um diese Idee umzusetzen wurden die derzeit geltenden Social-Distancing Vorgaben vom Komitee unter Einbeziehung der Leitung des Carpathia Clubs, per Zoom Meeting – versteht sich, eingehend diskutiert. Der Entschluss fiel relativ schnell das Drive-in Konzert in die Tat umzusetzen da alle Vorkehrungen eingehalten werden konnten und es der Carpathia Blaskapelle wirklich wichtig erschien eine gute Dosis an Weihnachts-Gefühl und Vorfreude an die stets treuen Gäste und Gönner zu vermitteln.

    Und somit war dem ersten Christmas Carol Drive-In der Blaskapelle auf dem Parkplatz der Carpathia Halle an der Utica Road in Sterling Heights nichts mehr im Weg. Natürlich mussten zahlreiche Freiwillige Angehörige der Musikanten und auch Mitglieder des Carpathia Clubs einen sicheren und Vorschrift gemäßen Ablauf der Veranstaltung sicherstellen. Obwohl man wegen der derzeitigen Umstände verstehen kann das sich die Mehrheit unserer Mitmenschen nach irgendwelchen Tätigkeiten außerhalb der eigenen vier Wände sehnt, ist es doch immer wunderbar zu sehen das sich immer noch genug Freiwillige finden, die sich selbstlos der Organisation vor und während des Konzertes hingeben. Besonderer Dank sei hier gerichtet an Cindy Schleis und Renee Stampfer, beide mit Verwandten in der Blaskapelle, für das Begrüßen und die Anweisungen an die eintreffenden Gäste. Bester Dank auch an die Parkplatz- Wärter Mauro Caporuscio, Walt Hoeckl und Martin Kohl für das Parken der Fahrzeuge in einem sehr effizienten Versatzmuster.

    Knapp nach Mittag begann sich der Parkplatz in bemerkenswerter Ordnung und Ruhe mit Fahrzeugen zu füllen. Der Zulauf war phantastisch und damit war der Parkplatz vor dem Beginn des Konzertes reichlich aufgefüllt. Der Eintritt zum Drive-in Konzert war natürlich frei. Und so manche Besucher hatten Ihre eigenen Getränke und auch Imbisse um diese während der Veranstaltung zu konsumieren.

    Um Platz und auch etwas Schutz für die Musikanten der Blaskapelle zu gewährleisten, wurde das zur Carpathia Halle gehörende Wirtschafts-Gebäude zu einer „Bühne“ umfunktioniert.

    Knapp nach 14:00 Uhr war es dann soweit: Der Präsident der Blaskapelle, George Schleis, begrüßt und bedankt sich bei allen Gästen für die fortlaufende Unterstützung und auch der Tatsache das die Anwesenden nicht scheu sind diese Art von Zusammensein auszuprobieren. Die Besucherschaft honorierte die Worte von Hrn. Schleis mit einem tobenden Applaus der besonderen Art: nicht durch Klatschen der Hände, sondern durch Betätigen der Hupen in all den anwesenden Fahrzeugen. Das war aber schon laut! … trotzdem sehr schön und diese Art Applaus wiederholte sich laufend während der diversen Darbietungen der Blaskapelle.

    Mit dem Verklingen des letzten Haupttones nach der Begrüßung durch Präsident Schleis hebt der Kapellmeister Matthias Eichmann seinen Taktstock und der erste vorweihnachtliche Choral erklingt. In gewohnter Manier wurden diverse Melodien zur Weihnachtszeit, mal etwas besinnlich aber mitunter auch heiter zum Vortrag, gebracht. In Summe, eine gute Mischung von den beliebtesten Weihnachtsliedern aus dem Deutschen- und englischen Kulturraum.

    Insgesamt dauerte die Darbietung eine volle Stunde lang, mit einer kurzen Pause zur Halbzeit. Das Wetter war Gott sei Dank relativ freundlich, was dem generell guten Klang der Carpathia Blaskapelle keinen Abbruch tat.

    Als besonderes technischen Schnippchen wurde ganz nebenbei das gesamte Konzert auch per FM -Signal ausgestrahlt und konnte in jedem Radio in den Autos am Parkplatz empfangen werden. Ein wunderbares Zeugnis für die Finesse der Akteure die dies ermöglichten!

    Allen voran, Mike Cole, der den FM Transmitter abgesetzt hatte. Und auch Erwin Rauschendorfer, der wie immer, in unermüdlicher Weise für die Tonaufnahme der Blaskapelle sorgte. Die Empfangsfrequenz wurde von den Parkwächtern vor dem Konzertbeginn an alle Fahrzeuginsassen weitergegeben. Somit hatte praktisch jeder Besucher einen Sitz in der ersten Reihe, wenn auch etwas auf der virtuellen Seite!

    Nach gutem Alten Brauch und als vorweihnachtliche Überraschung, speziell für unsere Kleinen, wurden natürlich auch Süßigkeiten verteilt. Wenn auch etwas unkonventionell, die Packungen wurden von dem Personal, mit Masken und Handschuhen ausgestattet, auf die Motorhauben der Fahrzeuge deponiert, von wo diese dann von den Eltern ins Fahrzeuginnere geholt wurden. Bester Dank geht an Karen Beattie und Ruth Dietz für Verteilen der Süßigkeiten.

    Alles in Allem war es wirklich nett nach so langer Zeit wieder Mal gesellschaftlich zusammen zu kommen, wenn auch nur von Autofenster zu Autofenster in entsprechendem Abstand. Diverse Kommentare der Besucher, wie etwa: „It’s new! It’s different“ (Mr. & Mrs. Koberstein), oder „The radio channel was a great idea!” (Familie Locher), oder auch “This is really nice!” (Mr. & Mrs. Zoller). Per e-mail versandt, war auch noch zu lesen: „We really enjoyed the music and the effort of the musicians!” (Nina und Rupert Reisenberger).

    Nach all dem Social-Distancing trug diese Veranstaltung mit Sicherheit zur Findung und Erneuerung zwischenmenschlicher Beziehung bei, die viele von uns lange vermissten, allerdings in einer Art die allen Besuchenden Schutz und Sicherheit gewährte.

    Um Rosemarie Sortzi zu zitieren: „We are all craving human contact outside of our immediate family!”
    Idee und Inhalt: Katharina Steiner Cole
    Übersetzung-Deutsch: Herbert Gruber

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Rio fehlt der Karneval – «Es geht nicht, dass wir ohne das leben»

Nach der Absage der Silvesterparty war die Verschiebung des Karnevals wegen Corona der nächste Schlag für Rio de Janeiro. Tausende Menschen leben vom Tourismus und vom Karneval. Sie können es wie das Tanzpaar einer Sambaschule kaum erwarten, dass es endlich wieder losgeht.

ARCHIV – 05.03.2019, Rio de Janeiro: Eine Tänzerin aus der Sambaschule Uniao da Ilha Porta Dandara Ventapane tritt bei Karnevalsfeiern im Sambadrom auf. Foto: dpa

Von Martina Farmbauer
Rio de Janeiro (dpa) – Eigentlich herrscht in Rio de Janeiro das ganze Jahr über Karneval. Kaum sind die Umzüge zu Ende, beschäftigen sich die Sambaschulen in der brasilianischen Metropole schon wieder mit dem nächsten Thema, der nächsten Leitmusik, den nächsten Wagen und Kostümen, die sie in das Sambodrom bringen wollen.

Jetzt im Januar würden die Schulen für gewöhnlich zu öffentlichen Proben an ihren Stammsitzen einladen, die Tänzer unter Hochdruck trainieren. Die «Cidade do Samba» in Rios Hafengegend würde einem Bienenstock gleichen. «Das müsste hier rundgehen», sagt Phelipe Lemos von der Sambaschule «Unidos da Tijuca» und schaut sich in der Produktionsstätte des Karnevals um.

Es ist leer und still. Nur die Figuren aus dem vergangenen Jahr stehen an diesem Montagnachmittag vor der Halle der Sambaschule. Phelipe, der Zeremonienmeister, und Denadir Garcia, die Fahnenträgerin der Schule, sind an diesem Nachmittag zu Besuch. «Es geht nicht, dass wir ohne das hier leben», sagt Phelipe.

Rio hat wegen Corona den Karneval im Sambodrom, der im Februar stattfinden sollte, verschoben, den Straßenkarneval abgesagt. Ein neuer Termin hängt laut dem Verband der Sambaschulen (LIESA) davon ab, wann es eine Impfkampagne geben wird. Der Verband hofft auf einen Karneval im Juli und hat kurz vor Jahresende schon einmal bekannt gegeben, um was es bei den einzelnen Umzügen gehen soll. Aber wann die Impfungen starten, ist offen: Nachdem Präsident Jair Bolsonaro erst das Coronavirus geleugnet hat, ist er nun gegen die Impfung.

Brasilien ist einer der Brennpunkte der Pandemie. Mehr als 7,7 Millionen Menschen haben sich mit dem Coronavirus infiziert, fast 196 000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Rio de Janeiro ist mit mehr als 435 600 Fällen und 25 600 Toten einer der am meisten betroffenen Bundesstaaten. Die Belegungsquote der Intensivbetten für Covid-19-Patienten nahm zuletzt wieder zu.

Corona hat Rio de Janeiro mitten ins Herz getroffen. Das Virus hat der Stadt das Leben in den Straßen genommen, die Treffen auf Plätzen und in Bars, die fast immer von Musik begleitet waren. Der Samba ist die Seele der Millionenmetropole. Er hat gefehlt in den vergangenen Monaten – erst seit kurzem sind die Sambaschulen wieder geöffnet. Zum ersten Mal seit 1912 findet der Karneval nicht wie geplant statt.

Dabei ist der Karneval die jährliche Katharsis eines Volkes, bei der sich der Druck wie aus einem Dampfkochtopf befreit. Fast alles ist erlaubt – das Tanzen, das Flirten und noch mehr. Er hilft bei der Flucht in eine andere, nach der Theorie des brasilianischen Anthropologen Roberto da Matta umgekehrte Welt: Autofahrer halten an, wenn Sambagruppen vorbeiziehen. Männer verkleiden sich als Frauen. Weiße jubeln Schwarzen zu.

Doch in diesem Jahr ist die «Cidade do Samba» eine Geisterstadt. «Weil der Karneval nicht nur vier Tage dauert, sondern für die, die damit arbeiten, ein Jahr, ist das auch wirtschaftlich sehr schlecht», sagt der Journalist Philipe Alves vom Karnevalsportal «Carnavalesco». «Eine Reihe von Leuten leiden darunter.» Von der Kostümnäherin über den Figurenbildner bis zur Königin einer Sambaschule.

«Das Traurigste ist, all die Leute arbeitslos zu sehen», sagt Elias Riche, Präsident der Sambaschule Mangueira. Für eine Besprechung mit anderen Präsidenten ist er in der «Cidade do Samba». Versonnen schaut er aus dem ersten Stock der Lagerhalle hinunter auf die Figuren, etwa den schwarzen Jesus, mit dem die Mangueira noch im vergangenen Februar für Aufsehen sorgte. Im Juli stellte die Sambaschule die Zahlungen an Hunderte Angestellte und Mitarbeiter ein.

Wie der Mangueira geht es vielen anderen Schulen. Hinzu kommen Tausende Beschäftigte aus der Hotellerie- und Gastronomiebranche. Als afro-brasilianische Musik war der Samba zunächst verpönt. Doch längst hat sich der Karneval zu einem gesellschaftlichen Ereignis und einer Touristenattraktion entwickelt. Januar in Brasilien ist wie August in Deutschland Ferienzeit, von Mitte Dezember bis nach dem Karneval ist in Rio Hochsaison. Mehr als zwei Millionen Touristen kamen allein zum Karneval im vergangenen Jahr.

Nach einem Bericht des Portals «Carnavalesco» bringt das Spektakel der Stadt Einnahmen von umgerechnet rund 620 Millionen Euro. Ohne Silvesterparty an der Copacabana und ohne Karneval bleiben die Besucher aus. «Es ist kompliziert», sagt Denadir Garcia. Eigentlich fiebert sie nach dem Wechsel von einer anderen Sambaschule ihrer Premiere als Fahnenträgerin der «Unidos da Tijuca» entgegen. Während Phelipe Lemos sich vorerst als Fahrer durgeschlagen hat, bis ihn ein Unfall stoppte, betreibt Denadir ein natürliches Bräunungsstudio, wie es in den Favelas Trend geworden ist.

Dabei kleben sich die Frauen dünne Streifen auf die Haut und legen sich in die Sonne, um einen perfekten Bikiniabdruck zu bekommen. Das Lechzen nach Sonne und Bräunung ist in Rio heilig. In der Pandemie sind aus Angst vor Menschenansammlungen allerdings selbst Denadirs Kundinnen weggeblieben. Sie stellte unter anderem auf Hausbesuche um. Und sagt: «Ich erfinde mich wie viele Brasilianer jeden Tag neu».

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Absage – cancellation
Silvesterparty – New Year’s Eve party
Umzüge – parades
Sambodrom – Samba Dome
Proben – rehearsals
Stammsitzen – reserved places
Bienenstock – beehive
Fahnenträgerin – flag bearer
verschoben – delayed
Impfkampagne – vaccination roll out
einzelnen – individual
geleugnet – denied
gegen die Impfung – against vaccination
Brennpunkte – hot spots
sich infiziert – been infected
betroffenen – affected
Belegungsquote – occupancy rate
nahm zu – is increasing
Seele – soul
gefehlt – has been missing
Druck – pressure
Dampfkochtopf – pressure cooker
Flucht – escape
umgekehrte Welt – upside down world
jubeln – cheer
Geisterstadt – ghost town
versonnen – lost in thought
Beschäftigte – workers
zunächst – at first
verpönt – taboo
ungerechnet – equivalent
rund – approximately
bleiben aus – stay away
fiebert nach – yearn for
Wechsel – change
entgegen – opposite
betreibt – runs
Bikiniabdruck – bikini tan lines
Lechzen nach – thirst for
ansammlungen – crowds

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*