16. Mai 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Schrubben, schrauben, stille Wasser – Bademeister in der Corona-Krise

Der Mai läutet in Deutschland die Freibadsaison ein. Normalerweise. Auch den Bädern macht die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Viele Bademeister geben die Hoffnung dennoch nicht auf.

Thomas Dyck, Schwimmmeister, sitzt im leeren Zollstockbad auf einem Sprungbrett. Die Becken sind geschrubbt, die Wasserpumpen kontrolliert und die Schlüsselbänder für die Garderobenschränke sind auch schon erneuert. Ginge es nach Thomas Dyck aus könnte die Saison starten. Foto: dpa

Von Anne Pollmann
Berlin (dpa) – Die Becken sind geschrubbt, die Wasserpumpen kontrolliert und die Schlüsselbänder für die Garderobenschränke sind auch schon erneuert. Ginge es nach Schwimmmeister Thomas Dyck aus Köln könnte die Freibadsaison starten. Aber ob auch in diesem Sommer in deutschen Freibädern trotz Corona-Pandemie geplanscht und gerutscht werden kann, steht noch nicht fest. Langweilig ist vielen Schwimmmeistern trotzdem nicht.

Martin Minkwitz geht dieser Tage so einiges durch den Kopf. Er ist Schwimmmeister in Berlin-Kreuzberg und dort für ein Wellenbad und das Freibad Prinzenbad zuständig. «Wir schmuggeln uns so durch», sagt Minkwitz, der seit 1986 in seinem Job arbeitet. Mit 10 statt wie normalerweise mit 20 Kollegen arbeitet Minkwitz aktuell im geschlossenen Wellenbad am Spreewaldplatz. Mit jedem weiteren Schließungstag stelle sich die Frage, mit was sich Minkwitz und seine Kollegen beschäftigen können. Die vorübergehende Lösung: «Wir schwingen den Pinsel, wir malern alles was nicht niet- und nagelfest ist», sagt Minkwitz. Im Freibad liefen die Vorbereitungen für die Saison derweil auf Hochtouren.

Seit den coronabedingten Schließungen im März sind Hallenbäder zu. Die meisten Freibäder öffnen üblicherweise Mitte Mai. Noch ist das aber nicht in Sicht. Großveranstaltungen sind bundesweit bis zum 31. August verboten. Ob auch Schwimmbäder unter diese Regel fallen, sei bisher noch nicht klar, sagt Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Der Bund will bei der nächsten Schaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten am 6. Mai entscheiden, ob ein weiterer größerer Öffnungsschritt bei den strikten Corona-Beschränkungen möglich ist.

Spätestens zum Beginn der Sommerferien müssten die Freibäder öffnen, sagt Ochsenbauer. «Sonst lohnt sich der Aufwand nicht.» Die Bäder würden ohnehin nicht kostendeckend betrieben. Rund 2700 Freibäder gibt es laut Ochsenbauer in Deutschland und einige mehr Hallenbäder. Gerade für die Freibadsaison würden zudem viele Saisonkräfte benötigt, die sich nicht von jetzt auf gleich finden ließen. Die Badbetreiber bräuchten darum klare Ansagen, so Ochsenbauer.

Und obwohl es die nicht gibt, laufen etwa auch in Chemnitzer Bädern die Vorbereitungen. Schwimmmeister und Badtechniker sind im Dienst, um die Saison vorzubereiten – unter «außergewöhnlichen Bedingungen», sagt Siegfried Kaubisch. Eine Schlammlawine im Außenbecken, Havarien und andere Notfälle – in seiner 30-jährigen Zeit im Bädergeschäft habe er als Leiter der städtischen Bäderabteilung in Chemnitz schon vieles gesehen, sagt er. Zur aktuellen Situation fällt ihm trotzdem kein Vergleich ein.

35 Grad und geschlossene Freibäder? Das will sich Kaubisch gar nicht erst vorstellen. «Ich bin Berufsoptimist», sagt er. Ein Sommer ohne Bäderbetreib ist auch für Dyck nicht vorstellbar. In seinem Kölner Zollstockbad gibt es einen Innen- und einen Außenbereich. Er befürchtet, dass viele Menschen auf unüberwachte Seen ausweichen und die Unfälle dadurch steigen könnten. Aus einem ähnlichen Grund sehnt auch Schwimmmeister Minkwitz die Wiedereröffnung herbei. Mit dem Wiederbeginn des Unterrichts müsse auch das Schulschwimmen wieder starten. «Wir haben es in den letzten Jahren gesehen. Es gibt immer noch viele Badetote, weil viele Kinder einfach nicht mehr richtig Schwimmen lernen.»

Wie so eine Eröffnung aussehen könnte, dazu hat sich die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen Gedanken gemacht und einen Pandemie-Plan entworfen. Begrenzung der Besucherzahl, regelmäßige Desinfektion von Flächen, Abstandsmarkierungen, so lauten einige der Vorschläge.

Die großen Liegewiesen und alle Becken kontrollieren, Minkwitz ist skeptisch, dass das mit dem vorhandenen Personal zu stemmen ist. «Es wird eine große Herausforderung», sagt auch Thomas Dyck aus Köln. Aber er glaubt, dass sein Schwimmbad auch mit zusätzlichen Auflagen die Schwimmbadsaison meistern könne. Security-Personal etwa könne die Liegewiesen überwachen. Auch Berufsoptimist Kaubisch hält das für machbar. Nach derzeitigem Stand töte das Chlor zudem die Viren und in Sachen Hygiene seien sie in den Schwimmbädern ohnehin Profis.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Freibadsaison – outdoor pool season
Bademeister – pool superintendants
geschrubbt – scrubbed
geplanscht – splashed
gerutscht – slid
Wellenbad – wave pool
schmuggeln durch – find a way
vorübergehende – temporary
Pinsel – paint brush
niet- und nagelfest – nailed down
Hochtouren – full-speed ahead
überlicherweise – customarily
Bund – federation
Schaltkonferenz – summit
lohnt sich – to be worth it
Aufwand – expenditure
kostendeckend – cover their costs
laut – according to
Saisonkräfte – seasonal workers
Ansagen – announcement
außergewöhnlichen Bedingungen – extraordinary working conditions
Schlammlawine – avalanche of mud
Außenbecken – outdoor pools
Havarien – accidents
Notfälle – emergencies
kein Vergleich – no comparison
Bäderbetrieb – bathing (business)
Zollstockbad – indoor outdoor pool enclosure
vorstellbar – imaginable
befürchtet – fears
unüberwachte – unmonitored
ausweichen – evade
sehnt – longs for
Badetote – people who drown
entworfen – drafted
Begrenzung – limited
Liegewiesen – sunbathing area
vorhandenen Personal – available staff
zusätzlichen – additional
Auflagen – imposed restrictions
nach derzeitigem Stand – according to the current state of affairs
zudem – moreover
Sachen Hygiene – things related to hygiene
Profis – professionals

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

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Feuilleton

Erste Schlösser in Berlin und Brandenburg öffnen Mitte Mai

Berlin: Schloss Schönhausen.       
                                               Foto: SPSG Leo Seidel/dpa

Potsdam (dpa) – Nach der Corona-Zwangspause öffnen einige Schlösser in Berlin und Brandenburg Mitte Mai wieder für Besucher. In Berlin seien der Neue Flügel des Schlosses Charlottenburg, das Mausoleum im Schlossgarten Charlottenburg sowie das Schloss Schönhausen seit dem 12. Mai wieder zu den regulären Zeiten geöffnet, teilte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) mit. In Potsdam öffnen die Bildergalerie, die Neuen Kammern und das Chinesische Haus im Park Sanssouci. Auch das brandenburgische Schloss Rheinsberg kann wieder besucht werden. Überall müssen Besucher einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Außerdem gelten die Hygiene- und Abstandsregeln.
Große Schlösser wie Sanssouci oder das Neue Palais in Potsdam bleiben vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen, wie ein SPSG-Sprecher sagte. Sie seien vor allem Touristenattraktionen. Bei der Auswahl habe man sich auf Museen beschränkt, die für Besucher aus der Region interessant sind.

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Gesundheit

Auch kleine Haustier-Bisse sind gefährlich

Haustiere sind in der Regel friedlich. Trotzdem
 beißen sie manchmal auch zu.       Foto: Christin Klose/dpa

Berlin (dpa) – Haustiere sind Spielkamerad und Kuschelkissen – gerade für Kinder. Allerdings haben sie auch Zähne, ein kleiner Biss ist dann schnell passiert. Doch Experten warnen: „Klein“ heißt nicht „harmlos“.

Selbst das friedlichste Haustier kann mal zuschnappen – weil es sich zum Beispiel erschreckt hat oder weil es sich bedroht fühlt. Einen solchen Biss sollten Haustier-Halter nie auf die leichte Schulter nehmen, rät die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Denn auch scheinbar harmlose Wunden können schnell gefährlich werden. Bei einem Biss werden Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen übertragen. Wahrscheinlich und gefährlich ist das vor allem bei Katzen, bei Hunden kann es aber auch passieren. Katzen können sich nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC sogar mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. Bisher spielen Haustiere bei der Verbreitung des Virus nach Einschätzung verschiedener Experten aber keine Rolle.

Bei anderen Haustieren sind Bissverletzungen nach Angaben der Experten deutlich seltener. Kinder sind häufiger betroffen als Erwachsene – unter anderem, weil sie zu plötzlichen Bewegungen neigen, die ein Tier erschrecken können.

Das Problem beim Biss: Oft schließt sich die Wunde nach kurzer Zeit wieder und sieht dann aus wie eine harmlose, oberflächliche Verletzung. Auch damit sollten Betroffene aber unbedingt zum Arzt gehen: Bleibt die Wunde unbehandelt, kann sie sich schwer entzünden und dauerhafte Schäden an Muskeln, Nerven oder Knochen verursachen. Spätestens wenn Rötungen, Schwellungen oder pochende Schmerzen auftreten, sollte man einen Experten auftragen. Weitere Alarmzeichen für eine sogenannte systemische Infektion sind Unwohlsein und Fieber.

Je früher ein Arzt die Wunde sieht, desto besser: Er kann die Wunde reinigen und desinfizieren sowie gegebenenfalls Antibiotika verschreiben.
Auch eine Auffrisch-Impfung gegen Tetanus kann je nach Impfstatus notwendig sein – am besten daher den Impfpass mit zum Arzt bringen.

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Reise

Urlaub in Deutschland trotz Corona – Was spricht dafür, was dagegen?

ARCHIV – 03.06.2019: Hobbykapitäne sind auf dem Storkower 
Kanal in Brandenburg unterwegs. Foto: dpa

Von Regina Wank
Berlin (dpa) – Eines ist klar: Dieses Jahr hat man sich anders vorgestellt. Neben vielen anderen Dingen gehen wegen der Maßnahmen gegen das Coronavirus auch Reisepläne flöten. Aber zumindest Sommerurlaub in Deutschland ist doch bestimmt möglich? Es gibt Argumente dafür und dagegen.

Der Sommer kommt, die Urlaubszeit rückt näher. Erholung im Ausland erscheint gerade unwahrscheinlich. Können wir trotz Corona zumindest an die Nordsee oder in die Alpen fahren? Einige Argumente aus der Wissenschaft.

CONTRA
Ansteckung: «Wenn man in den Urlaub fährt, erhöht man das Risiko, sich oder andere anzustecken», sagt der Arzt und Gesundheitsforscher Max Geraedts klipp und klar. Außerdem werde es schwieriger, die Infektionsketten nachzuvollziehen. Es besteht die Gefahr, dass sich jemand am Urlaubsort unbemerkt eine Infektion einfängt und in den Wohnort mitbringt. «Die Zufallskontakte sind auf einer Reise einfach größer», sagt Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Regeln einhalten: Auch die Einhaltung der Regeln wie Abstand halten, regelmäßiges Händewaschen und das Tragen einer Maske könnte Leuten im Urlaub schwerer fallen. «Sinn des Urlaubs ist ja auch, sich ein bisschen gehen zu lassen», sagt Kaufmann. Auch wenn sich am Strand oder auf einem einsamen Berg womöglich leichter Abstand halten ließe als im Stadtpark in einer Großstadt – in der Eisdiele an der Strandpromenade oder am Frühstücksbuffet im Hotel komme man zwangsläufig mit anderen Menschen in Kontakt. «Die Menschen machen das momentan alle so großartig und arbeiten gut zusammen. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen», meint die Epidemiologin Eva Grill.

Überlastung am Urlaubsort: Zur Urlaubszeit strömen viele Menschen an eher dünn besiedelte Orte an der Küste und in den Bergen. Dort seien die Kliniken unter Umständen aber nicht auf so viele Menschen eingestellt und die Einwohner dort könnten einem höheren Risiko ausgesetzt sein, gibt Kaufmann zu bedenken.

Zeitpunkt: «Es wäre schön, wenn wir bis zum Sommer zu dieser Art von Normalität zurückkämen und in den Urlaub fahren können. Aber dafür müssen noch einige Aspekte geklärt werden», sagt Grill. Dazu zählt ihrer Meinung nach eine komplette Identifizierung potenzieller Kontaktpersonen, um die Zahl der unerkannten Fälle zu senken. Aus infektionsepidemiologischer Sicht wäre es außerdem sinnvoll, die Ferien in den Bundesländern weiter auseinander zu ziehen, meint der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

PRO
Neue Maßnahmen: «Es ist nicht sinnvoll, pauschal den Urlaub zu verbieten, sondern man muss schauen, wo Risiken entstehen könnten», meint Schmidt-Chanasit. Man könne zum Beispiel Züge oder Hotels nur zu einem Drittel belegen, Läden in touristisch stark frequentierten Gegenden abwechselnd öffnen und in Freizeitparks nur zehn Prozent der üblichen Besucher einlassen. «Das hängt auch von den regionalen Gegebenheiten und der Art des Urlaubs ab», findet auch Stefan Kaufmann. Selbstversorgerhütten könnten es demnach leichter haben als große Hotelkomplexe mit All-Inclusive-Service.

Soziale Gerechtigkeit: Wer sein eigenes Ferienhaus hat, ist nach derzeitigem Stand fein raus. Ein Verbot oder eine starke Einschränkung des Sommerurlaubs könnte vor allem weniger gut situierte Leute treffen, die keine solche Zweitwohnung besitzen und üblicherweise eher Pauschalangebote großer Ferienkomplexe nutzen. «Das muss man breit diskutieren und es muss Unterstützungsangebote geben, damit die Leute die Möglichkeit haben, aus ihren vier Wänden und dem Stress der vergangenen Wochen herauszukommen», meint Schmidt-Chanasit.

Psychische Effekte: Gerade jetzt, wo die Menschen lange zuhause saßen, ist ein Tapetenwechsel nach Ansicht vieler Experten umso wichtiger.

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Aus Allen Staaten

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