17. April 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Im Dienste der Wissenschaft: Schweizer vergraben
2000 Unterhosen

In der Schweiz soll landesweit weiße Unterwäsche in der Erde verschwinden. Was hat es damit auf sich?

Eine Unterhose vor dem Vergraben und eine nach dem Ausgraben liegen neben einer Schaufel. In der Schweiz soll landesweit weiße Unterwäsche in der Erde verschwinden. Foto: Nicolas Zonvi/Agroscope/dpa

Zürich (dpa) – In der Schweiz soll landesweit weiße Unterwäsche in der Erde verschwinden. Zur Untersuchung der Bodenqualität verschickt die staatliche Forschungsstelle Agroscope dieser Tage 2000 Baumwollunterhosen an Gartenbesitzer und Bauern. Die freiwilligen Studienteilnehmer erhalten jeweils zwei Stück, die im Boden vergraben werden. Danach wird untersucht, wie stark die Textilien von winzigen Lebewesen zersetzt wurden. «Das ist ein Indikator für Bodenqualität», sagte Projektleiter Marcel van der Heijden am Donnerstag.

In der Vergangenheit habe es unter anderem schon Versuche mit Unterhosen in Kanada gegeben, aber nicht in dieser Größenordnung, sagte der Ökologe der Deutschen Presse-Agentur. Bereits bekannt ist das Vergraben von Teebeuteln als Gradmesser für die Gesundheit des Erdreiches. Die Freiwilligen, die sich nach dem Aufruf von Agroscope gemeldet haben, sollen deshalb zum Vergleich standardisierte Teebeutel vergraben und zusätzlich Bodenproben nehmen. So wird die Zuverlässigkeit der Unterhosen-Methode getestet.

Das Projekt läuft unter dem Namen «Beweisstück Unterhose». Aus Wiesen, Beeten und Äckern soll nach einem Monat das eine und nach einem weiteren Monat das zweite Wäschestück ausgegraben und fotografiert werden. Danach wird die Zersetzung der natürlichen Fasern digital analysiert – je löchriger, desto gesünder der Boden. In einer Pilotstudie sei die private Wäsche der Teilnehmer verbuddelt worden, doch die Textilien seien nicht vergleichbar gewesen, erzählte van der Heijden. Deshalb setze man nun auf standardisierte Unterhosen. «Das ist wissenschaftlicher.»

Die Wäsche-Aktion sei auch dazu gedacht, die Gefährdung des lebenswichtigen Bodens durch Erosion, Überdüngung und Verbauung deutlich zu machen. Laut Agroscope wird weltweit jedes Jahr eine Fläche zweieinhalb mal so groß wie die Schweiz so zerstört, dass sie für die Landwirtschaft unbrauchbar wird.

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Sport

Olympia-Macher planen Hotel für Athleten mit positivem Corona-Test

Tokio (dpa) – Bei den Olympischen Spielen und Paralympics in Tokio ist ein Hotel mit rund 300 Zimmern für positiv auf das Coronavirus getestete Athleten mit geringfügigen oder ohne Symptome geplant. Dies berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo (Samstag). Das sei laut Informationen von Offiziellen eine weitere Maßnahme des Organisationskomitees, um eine Ausbreitung des Virus während der Sommerspiele zu verhindern. Die Athleten sollten demnach in dem Hotel rund um die Uhr isoliert und behandelt werden. Sie würden in ihren Zimmern prinzipiell für zehn Tage unter Quarantäne gestellt.

Das Organisationskomitee erwägt dem Bericht zufolge, ein ganzes Hotelgebäude zu reservieren, das sich einige Kilometer vom Athletendorf entfernt in Tokios Hafenviertel Harumi befindet. Außerdem sollen bis zu 30 Spezialfahrzeuge vorbereitet werden, die die infizierten Sportler bei Bedarf in dieses Hotel bringen könnten.

Gemäß der Corona-Richtlinien, die von den Organisatoren für die am 23. Juli beginnenden Tokio-Spiele im Februar in einem Playbook veröffentlicht wurden, werden die Athleten mindestens alle vier Tage auf das Virus getestet. Möglicherweise soll laut Kyodo auch diese Testfrequenz noch erhöht werden.

Unterdessen werden angesichts steigender Neuinfektionszahlen die Corona-Maßnahmen in Tokio verschärft. Bars und Restaurants sollen ab Montag spätestens um 20.00 Uhr schließen und Großveranstaltungen auf 5000 Personen begrenzt werden. Erst vor drei Wochen hatte die Regierung den Anfang Januar verhängten Ausnahmezustand in der Hauptstadt und drei angrenzenden Präfekturen aufgehoben.

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Feuilleton

Kutsche aus «Sissi»-Filmen von Hotel ersteigert

Die „Sissi-Kutsche“, ein Landauer, G. D. Michotte & Gand um 1900 mit einem Schätzwert von 5.000 – 7.000 Euro. Foto: Dorotheum Salzburg/dpa

Wien/Bad Ischl (dpa) – Die Kutsche aus den legendären «Sissi»-Filmen mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm ist jetzt für 106 505 Euro versteigert worden. Wie das Auktionshaus Dorotheum jetzt mitteilte, hat die Errichtungsgesellschaft eines in Bad Ischl geplanten Hotels den Zuschlag für die Requisite erhalten. Der um 1900 gebaute Landauer mit schwarz-brauner Lackierung und eisenbeschlagenen Eschenholz-Sprossenrädern war zuvor im Besitz der Privatsammlung Schloss Fuschl in Österreich. Das Schloss gehörte zu den Drehorten der «Sissi»-Filme aus den 1950er Jahren. Das Hotel hofft mit dem Stück Filmgeschichte auch auf entsprechende Einträge in Reiseführern. In Bad Ischl verbrachte der echte Kaiser Franz Joseph I., Ehemann von Elisabeth (genannt Sisi oder Sissi), seine Sommerurlaube.

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Gesundheit

Welche Lebensmittel für Hunde tabu sind

Einige Lebensmittel können bei Hunden Schäden auslösen.         Foto: dpa

München (dpa) – Nicht alles, was für Frauchen oder Herrchen lecker und schmackhaft ist, darf auch deren vierbeiniger Freund zu sich nehmen.

Manche Lebens- und Genussmittel sind für Hunde giftig oder schlimmstenfalls sogar tödlich, wie etwa Trauben oder Rosinen. Sie enthalten Oxalsäure, die beim tierischen Liebling akutes Nierenversagen verursachen kann, warnt die Webseite «herz-fuer-tiere.de».

Die Tierexperten des Magazins haben weitere Nahrungsmittelaufgelistet , die für Hunde problematisch werden können:

  • Kaffee: Schuld ist ein Inhaltsstoff des Koffeins. Das enthaltene Methylxanthin wirkt sich auf das Nervensystem des Hundes aus und kann unter Umständen sogar zum Tod führen. Krampfanfälle, Zittern, Unruhe, Überwärmung, Durchfall, Erbrechen oder Herzrhythmusstörungen können auf eine Vergiftung hinweisen.
  • Kakao und damit auch Schokolade: Der enthaltene Stoff Theobromin ist für Vierbeiner giftig. Vor allem bei Welpen und kleinen Hunderassen können bereits geringe Mengen lebensgefährlich werden.
  • Rohe Bohnen: Das Toxin Phasin sorgt dafür, dass die roten Blutkörperchen im Blut des Hundes verkleben. Die Folge: Betroffene Hunde leiden an einer Schwellung der Leber, bekommen Fieber und Bauchkrämpfe. Gekocht sind Bohnen keine Gefahr für den Hund.
  • Zwiebeln: Schwefelsäure zerstört die roten Blutkörperchen im Hundekörper. Bereits ab fünf bis zehn Gramm pro Kilo Körpergewicht wirken Zwiebeln bei Hunden toxisch. Durchfall, Blut im Urin, Erbrechen und beschleunigte Atmung können die Folgen sein.
  • Knoblauch und Schnittlauch: Sie zerstören das Hämoglobin der roten Blutkörperchen. Der Hund erleidet dann Blutarmut.
  • Geflügelknochen: Sie splittern leicht, weswegen sie Maul, Hals oder Magen des Hundes verletzen können.
  • Avocados: Das enthaltene Persin kann beim Hund zu Durchfall und Erbrechen führen. Auch der große Kern ist kein Spielzeug, sondern eine Gefahr. Das Tier könnte daran ersticken.
  • Zuckeralternative Xylit: Etwa 10 bis 30 Minuten nach Aufnahme des Stoffes kommt es zu übermäßiger Insulinausschüttung und einem Abfall des Blutzuckerspiegels. Das ist lebensbedrohlich.

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Reise

Urlaub in Deutschland:

Städte-Besuche: Auf den Spuren der Hanse

Wer an typische Hansestädte denkt, dem kommen Bilder aus Hamburg oder Bremen und vor allem aus Lübeck in den Sinn. Doch dem hansischen Städtebund gehörten fast 200 Städte an. So manche überraschen

Buxtehude ist bekannt für Backsteingotik – typisch für die Hansezeit. 
                                                Foto: madebyline/Hansestadt Buxtehude/dpa

Von Dörte Nohrden
Lübeck (dpa) – Das imposante Holstentor zeigt bis heute die alte Macht und den Wohlstand Lübecks. Die Stadt an der Trave schwang sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts zur Königin der Hanse auf. 200 Jahre später hielt Lübeck, damals die bevölkerungsreichste Stadt an der Ostsee, die Zügel des Städtebundes fest in der Hand.

Der Handel florierte, zunächst mit Salz und Heringen, später wurden in Lübeck Waren aus aller Welt umgeschlagen – ob Bernstein, Felle oder Gewürze aus Übersee. In bauchige Hansekoggen schipperten Kaufleute die Waren in Fässern, Säcken und Kisten verpackt über Flüsse und Meere. Bald dehnte sich der Handel über Tausende Kilometer aus. Vier gemeinsame ausländische Kontore entstanden: von Nowgorod über Bergen bis nach London und Brügge.

Hierzulande spannte sich ein enges Wegenetz zwischen Hafen-, aber auch zahlreichen Binnenstädten. Die meisten der bis zu 200 Orte, die zeitweise dem Hansebund angehörten, gerieten nach dem Ende der Hanse im 17. Jahrhundert in Vergessenheit. Bis die niederländische Stadt Zwolle 1980 den historischen Städtebund mit der Gründung der Neuen Hanse wieder aufleben ließ. Bis heute haben sich 193 Städte aus 15 Ländern mit ausgewiesener Hansevergangenheit dem Bund angeschlossen.

Bereits 1991 als Kulturroute des Europarates zertifiziert, können Reisende den Spuren der Hanse folgen – und dabei Städte entdecken, die zunächst einmal verwundern mögen.

Buxtehude: Apfelblüte und Backsteingotik
Bereits im 13. Jahrhundert wurde das heutige 40 000-Seelen-Städtchen an der Este zur Hafenstadt. In ihrer schmucken Altstadt rund um das Hafenbecken können Besucher noch heute hansische Geschichte hautnah erleben. Ob auf einer Fahrt durch den grachtenähnlichen Fleth oder bei einem Bummel durch mittelalterliche Gassen, geprägt durch Fachwerk und die für die Hansezeit typische Backsteingotik. Überragt wird das Städtchen von der eindrucksvollen Kirche St. Petri.

Buxtehudes Lage – unweit der Elbe und vor den Toren der großen Hanseschwester Hamburg – machte die Stadt einst zum idealen Umschlagplatz, besonders für Getreide. Seit dem Jahr 2014 trägt sie wieder ihren verdienten Namen: Hansestadt Buxtehude.

Wer sich zu einer Erkundungstour aufmacht, ist im Frühjahr richtig. Die Stadt liegt im Alten Land, «Hamburgs Obstgarten», der sich jedes Frühjahr in ein Kirsch- und Apfelblütenmeer verwandelt.

Herford: Leinwand bis nach London
Werre und Aa mäandern durch die einst bedeutsame Hansestadt Herford in Ostwestfalen, die sich seinerzeit einen Namen im Leinwandhandel machte. Historische Zollakten belegen, dass insbesondere das begehrte Leinen für Jahrhunderte etwa nach London exportiert wurde. Seit in Herford 1983 der neue Westfälische Hansebund gegründet wurde, lebte die Geschichte in den über 40 Mitgliedsstädten wieder auf.

Wer sich in Herfords gotischer Jakobi-Kirche umsieht, wird auf etwas für diese Region Eigenartiges stoßen: eine mehr als zwei Meter lange Walrippe. Sie stammt von einem Wal, gestrandet vor der Nordseeinsel Juist. Die Rippe ziert den Sakralbau seit Ende des 16. Jahrhunderts als Symbol des Hansebündnisses. Am südwestlichen Strebepfeiler prangt wiederum eine Jakobsmuschel. In der Hallenkirche versammelten sich einst zahlreiche Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela.

Halle: Salz an der Saale
Sie gilt als eine der südlichsten Hansestädte Deutschlands. Ihr «weißes Gold» – unter anderem gewonnen aus den Solequellen des Hallmarktes – brachte frühen Wohlstand. Halle blickt auf eine jahrhundertelange Hansebeziehung zurück.

Auch wenn die lebendige Universitätsstadt forschen Schrittes Richtung Zukunft marschiert, hat sich eine bemerkenswerte Tradition aus der Hansezeit erhalten: die Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle. Seit 1491 sind die Halleschem Salzwirker, sogenannte Halloren, in einer eigenen Bruderschaft organisiert. In Schauvorführungen können Neugierige noch heute Siedeprozesse nach dem Pfannenverfahren bestaunen und einen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Bruderschaft hat es 2014 sogar ins Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes geschafft.

Köln: Weinhaus
der Hanse

Stromabwärts über die Niederlande bis zur Nordsee war der Weg nach London nicht mehr weit. Bereits im 12. Jahrhundert, lange vor dem ersten offiziellen Hansetag im Jahr 1358, waren es Kölner Kaufleute, die zunächst einen Sonderweg gingen. Die Kaufmannspioniere gründeten ihr Handelskontor Stalhof an der Themse. Sowohl sie selbst, als auch ihre Waren standen damals unter dem Schutz des Königs Heinrich II. Ihr Exportschlager: Wein.

Köln, um 1430 mit rund 40 000 Einwohnern die größte deutsche Stadt, wurde reich durch Reben, unter anderen durch den regional angebauten Rotwein «vinum rebellum». Das Marktrecht für den Weinhandel machte Köln zum größten Stapelplatz für edle Tropfen.

So verwundert es nicht, dass in dieser Rheinstadt noch heute der zweitgrößte Binnenhafen Deutschlands liegt. Übrigens: Das rot-weiße Kölner Wappen – ebenso wie das des 1. FC Kölns – reicht ebenfalls zurück bis zur Hansezeit und darüber hinaus. Schon damals flatterten an den Mastenden deutscher Handelsschiffe längliche Wimpel in Rot und Weiß, in den Farben des Heiligen Römischen Reiches. Sie finden sich bis heute in zahlreichen Stadtwappen wieder.

Korbach: Die Spur des Goldes
Eine doppelte Stadtmauer umgibt schützend das beschauliche Korbach im Waldecker Land. Kein Wunder: Hier in Hessens einziger Stadt mit Hansevergangenheit wurde bereits im 11. Jahrhundert nach einem edlen Gut geschürft: Gold. In den Tiefen des Goldbergs meißelten sich Bergbauer in Schweißarbeit durchs Gestein – und wurden fündig. Korbach gilt als eine der größten Goldlagerstätten Deutschlands. Auch Eisen und Kupfer wurden hier abgebaut.

Korbach war keine klassische Hansestadt, aber unterhielt dennoch Beziehungen zur Hanse. Dies lag unter anderem an zwei alten Fernhandelsstraßen, die sich hier kreuzen: die Heidenstraße zwischen Köln und Leipzig sowie die Weinstraße, die zwischen Bremen und Frankfurt verlief.

Wer heute durch Korbach flaniert, genießt Ausblicke auf prachtvolle gotische Kirchen und kann sich an hübschen Fachwerkhäusern satt sehen. Und auf welchem Altstadt-Spaziergang flanieren Besucher schon entlang goldener, in den Boden eingelassener Embleme? Hier zumindest tun sie es, nämlich auf der Goldspur Korbach.

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Biografisches Schreiben: Die Geschichte des eigenen Lebens

Es ist viel Arbeit, kann beglücken und betrüben: Doch wer seine Erinnerungen aufschreibt, macht nicht nur seiner Familie ein schönes Geschenk, sondern gewinnt auch manch‘ wertvolle Erkenntnis.

Die eigene Biografie aufzuschreiben, verhilft oft zu einem milderen Blick auf sich und andere.
Foto: Silvia Marks/dpa

Berlin/Kassel (dpa) – «Lebensjahre» sind die gebundenen Seiten überschrieben, die meine Eltern mir und meinen Geschwistern zum 80. Geburtstag meines Vaters überreicht haben. Schon als Kind habe ich viele der Geschichten immer wieder gerne gehört. Nun kann ich darin stöbern, sie meinen Kindern und vielleicht irgendwann sogar den eigenen Enkeln vorlesen. Ein schönes Geschenk!

«Die Geschichte der Eltern ist wichtig, um die eigene Geschichte zu verstehen», glaubt meine Mutter. Meine Eltern haben ihre Geschichte vor allem für die Kinder und Enkel aufgeschrieben. Etwa ein Jahr lang haben sie sich Zeit genommen und letztlich selbst davon profitiert, wie sie erzählen. «Es war ein Bewusstwerden dessen, was ich durchlebt habe», sagt mein Vater. Und auch das Leben seiner Frau habe er noch mal tiefer verstanden. «Das war ganz wertvoll für mich.»

Den roten Faden des Lebens finden
Sein Leben niederzuschreiben kann therapeutische Wirkung haben, sagt Reinhard Lindner, Professor für Soziale Therapie an der Universität Kassel. Als Psychotherapeut und Psychiater arbeitet er vor allem mit Senioren. «Es ist eine Möglichkeit, noch mal im eigenen Leben aufzuräumen oder einen roten Faden zu finden. Oder wenn man ihn gefunden hat, ihn noch mal sehr deutlich darzustellen», sagt er.

Lindner rät allerdings dazu, sich erstmal von dem Druck zu befreien, etwas aufschreiben zu müssen. Stattdessen sollte man diesen Gedanken einfach ein bisschen mit sich herumtragen und sich fragen: «Was ist wirklich wichtig in meinem Leben gewesen? Welche Aussage möchte ich vielleicht meiner Familie grundsätzlich hinterlassen?»

Ein langes Leben beinhaltet immer auch Schweres oder sogar Belastendes. «Auch an der Stelle kann man überlegen: Was ist die Essenz dessen?», sagt Lindner.

Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen sei im Grunde gut. «Man bekommt eine klarere Perspektive auf sich selbst. Aber wenn während dieses Prozesses Erinnerungen sozusagen aus dem Keller hochkommen und man sehr darunter leidet, dann sollte man sich Hilfe holen», rät der Psychotherapeut. Gespräche holen auch aus der möglichen Einsamkeit des biografischen Schreibens heraus.

Am Anfang steht die Materialsammlung
Hilfreich ist darüber hinaus die ganz praktische Anleitung. Hanne Landbeck bietet in ihrem «schreibwerk berlin» Kurse an. Sie nennt es «Das autobiografische Experiment». Vor allem Frauen kommen zu ihr, zwischen vierzig und achtzig Jahre sind sie alt.

Sie empfiehlt zu Beginn Stichpunkte zu Ereignissen, die einen noch beschäftigen. Dazu trägt man so viel Material wie möglich zusammen – das können Fotos, Briefe und alles andere sein.

Vor allem sinnliche Eindrücke sind ihr wichtig: «Wie hat es damals gerochen, wie war die Stimme des Mannes, in den ich mich verliebt habe, wie sah der Raum aus, in dem wir saßen?», zählt sie auf. So werde die Erinnerung bildhaft und konkret und könne besser beschrieben werden, erklärt Landbeck.

Erstmal in der dritten Person schreiben
In ihrem Kurs rät die Medien- und Literaturwissenschaftlerin den Teilnehmern erstmal, über sich in der dritten Person statt in der Ich-Form zu schreiben. «Später kann man das ändern, aber um die Distanz zu sich selbst und möglicherweise dem eigenen Leid zu erhalten, sind Mittel der Distanzierung gut», sagt sie.

Daneben sei ihr wichtig, nicht nur das eigene Gefühl in bestimmten Situationen zu sehen. «Sondern zum Beispiel auch mal zu gucken: Was war da an Drumherum? Welche politischen oder gesellschaftlichen Ereignisse waren damals wichtig?»

Hanne Landbeck betrachtet mit den Schreibenden verschiedene Zeitspannen des Lebens. Denn eine Struktur sei wichtig, sagt sie. «Sonst steht man vor einem Wust an möglichen Texten und weiß nicht, wo man anfangen und wo man aufhören soll.» Möglichkeiten, seinen Erinnerungen Struktur zu verleihen, gibt es allerdings viele. «Man kann thematisch oder örtlich gliedern, oder sogar anhand von Zeiten mit bestimmten Lebenspartnern», erklärt die Expertin.

Ziel in ihren Kursen ist ein Manuskript von ungefähr 60 bis 80 Seiten, voll mit Lebenserinnerungen. Ihre Erfahrung ist aber: «Die wenigsten stellen es ganz fertig.»

Sich selbst und andere besser verstehen
Dennoch sei es für viele unter dem Strich eine beglückende Erfahrung. «Sie verstehen sich selbst, die Eltern oder die Partner im Nachhinein besser», sagt die Schreibtrainerin. «Man bekommt einen weiteren und auch milderen Blick sich selbst und den anderen gegenüber.»

Jede Biografie ist von der Form her individuell, mitunter können es eben auch nur Fragmente sein. Wer sich schwertut, seine Erinnerungen selbst und direkt aufs Papier zu bringen, kann mit dem Erzählen beginnen. «Man kann in den Computer oder ins Handy diktieren», schlägt Landbeck vor. Oder man erzählt es einem Freund und nimmt dieses Gespräch auf.

Profi-Biografen als mögliche Alternative
Auch professionelle Schreiber bieten für Biografien ihre Dienste an. Das kann eine Lösung für alte Menschen sein, die zum Beispiel ihren Kindern gerne etwas aus ihrem Leben weitergeben möchten, denen aber selbst die Energie dazu fehlt.

Wer einen Profi engagiert, werde meist nach einem bestimmten Muster befragt, erklärt Landbeck. Daraus werden Texte geschrieben, mit Fotos ergänzt – je nach Angebot bekommt man die Biografie dann auch ansprechend gesetzt und gedruckt als Buch.

Die Kosten dafür variieren stark und hängen unter anderem vom Umfang der geplanten Biografie ab. Mehrere Tausend Euro sollte man aber auf jeden Fall taxieren.

Selbst Schreiben ist viel Arbeit
Individueller und echter ist natürlich immer das Selbstformulierte. «Wenn man die Energie hat, ist das auf jeden Fall zu empfehlen», sagt Landbeck. «Aber wenn man selbst schreibt, bedeutet das wirklich Arbeit, das macht sich nicht von alleine.»

In welcher Form auch immer man am Ende seine Lebenserinnerungen zu Papier bringt, laut Reinhard Lindner ist klar: «Was wirklich war, ist immer schwer zu packen zu kriegen. Im Laufe des Lebens unterliegt das gewissen Umschreibungen. Eine Biografie ist nicht die Erzählung dessen, was hundertprozentig genauso war.»

Das senke womöglich den eigenen Anspruch auf ein realistisches Maß, sagt der Therapeut und fügt an: «Es kann entlastend wirken, wenn man das von vornherein weiß

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST- Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Munition in der Nordsee: Forscher untersuchen Wrack

Mehr als eine Million Tonnen Munition aus den Weltkriegen liegen vermutlich allein in der deutschen Nordsee, oft in versenkten Kriegsschiffen. Forscher nehmen nun Wracks unter die Lupe. Sie wollen wissen, welche Gefahr von ihnen ausgeht.

Bremerhaven: Philipp Grassel vom Schifffahrtsmuseum Bremerhaven hält eine Geschosshülse in seinen Händen. Das Museum widmet sich seit längerem der Erforschung von Kriegshinterlassenschaften wie Wracks und Munition in der Nordsee. Am Dienstag brechen Wissenschaftler im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts mit dem Forschungsschiff «Heincke» zu einem Wrack aus dem ersten Weltkrieg in der Nordsee auf. Foto: dpa

Bremerhaven (dpa) – Auf der Suche nach gefährlicher Alt-Munition brechen Wissenschaftler zu einem Schiffswrack aus dem Ersten Weltkrieg in der Nordsee auf. Mit dem Forschungsschiff «Heincke» geht es ab Bremerhaven zum Kriegsschiff «SMS Mainz», das 1914 westlich von Helgoland versenkt wurde, wie das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) mitteilte. Dort sollen Proben genommen werden, um mögliche Gefahren zu analysieren, die von im Wrack liegenden Kampfmitteln ausgehen. «Wir leisten für die Nordsee Pionierarbeit», sagte der Unterwasser-Archäologe am DSM, Philipp Grassel.

Versuche in der Ostsee zeigten bereits, dass von alten, sich zersetzenden Waffen, Minen, Granaten und Bomben Gefahren für die Umwelt ausgehen. In der Nordsee sei durch Tide und Strömung die Situation noch einmal eine andere als in der Ostsee.

Eigentlich war die Forschungsreise bereits für Frühjahr 2020 geplant gewesen. Wegen der Corona-Beschränkungen konnte sie bisher aber nicht stattfinden. Reicht die Zeit, könnten die Forscher mit der SMS Ariadne und der V187 noch zwei weitere Wracks westlich von Helgoland unter die Lupe nehmen, sagte Grassel.

Nach offiziellen Schätzungen liegen allein in der deutschen Nordsee rund 1,3 Millionen Tonnen Munition aus Weltkriegszeiten. Über die Auswirkungen, die die Altlasten auf Fische, Pflanzen und Menschen haben, ist bisher wenig bekannt. Ein Forschungsteam unter Leitung des Deutschen Schifffahrtsmuseums sucht im Rahmen des 2018 gestarteten «North Sea Wrecks»-Projekts nach Antworten. Beteiligt sind neben Deutschland auch Belgien, die Niederlande, Norwegen und Dänemark.

Die Projektergebnisse werden ab August in einer Wanderausstellung präsentiert. Nach dem Start im DSM in Bremerhaven wird sie in allen am Projekt beteiligten Ländern zu sehen sein. Die deutschen Wissenschaftler wollen im Herbst 2021 und im nächsten Jahr zu weiteren Wracks aufbrechen, um sie zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen in die laufende Ausstellung einfließen.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Wrack – wreck
untersuchen – examine
vermutlich – presumably
versenkten – sunken
Kriegsschiffen – warships
Forscher – researchers
nehmen unter die Lupe – closely scrutinizing
Gefahr – danger
Alt-Munition – old munitions
Forschungsschiff – research ship
Kampfmitteln – weaponry
ausgehen – come from
leisten – achieving
Pionierarbeit – pioneering work
zersetzenden – decomposing
Waffen – weapons
Granaten – shells
Strömung – currents
Ostee – Baltic Sea
-Beschränkungen – restrictions
stattfinden – take place
reicht die Zeit – if time permits
Schätzungen – estimates
Auswirkungen auf – affects
Altlasten – residual pollution
beteiligt – concerned
neben – in addition to
Projektergebnisse – project results
ab August – starting in August
Wanderausstellung – traveling exhibition
beteiligten – participating
weiteren – additional
aufbrechen – break open
einfließen – added to

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*