17. Juli 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Feuerwehrleute helfen in ihrem Urlaub beim Brandschutz auf Helgoland

Jedes Jahr im Sommerhalbjahr sucht die Feuerwehr Helgoland bundesweit nach Freiwilligen, die auf der vorgelagerten Düne Dienst tun. Der Job ist begehrt. Doch warum brauchen die Helgoländer überhaupt Verstärkung vom Festland?

Helgoland: Felix Vorndran von der Freiwilligen Feuerwehr
Bergisch-Gladbach steht an der Feuerwehrwache während
seines Dünendienstes auf der Düne der Hochseeinsel
Helgoland. Angenehmes mit dem Nützlichen verbinden
können Feuerwehrleute aus ganz Deutschland in der
Saison auf der Hochseeinsel Helgoland. Die Gemeinde
sucht für die Sicherstellung des Brandschutzes auf der
Düne freiwillige Feuerwehrkameradinnen und -kameraden,
die mit Ihrem Einsatz die touristische Nutzung
der Düne aufrechterhalten. Foto: dpa

Von Birgitta von Gyldenfeldt
Helgoland (dpa) – Einen Nachmittag mit der Freundin am Strand verbringen, eine Tour mit dem Börteboot machen, Robben beobachten: Was Felix Vorndran aus Bergisch Gladbach bei Köln auf Helgoland macht, klingt nach einem ganz normalen Urlaub auf Deutschlands einziger Hochseeinsel. Doch etwas unterscheidet die 14 Tage Aufenthalt Vorndrans von denen anderer Gäste auf der der Hauptinsel vorgelagerten Düne. Der 38-Jährige ist einer der freiwilligen Feuerwehrleute aus ganz Deutschland, die während der Saison helfen, auf der Düne den Brandschutz sicherzustellen – und «mit ihrem Einsatz die touristische Nutzung der Düne aufrechterhalten», wie es bei der Gemeinde heißt. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands gibt es landesweit kein vergleichbares Projekt.

Denn die Gemeinde Helgoland mit ihren rund 1500 Einwohnern hat eine Besonderheit, die es auch auf anderen Inseln nicht gibt und auf dem Festland schon gar nicht. Denn Helgoland besteht nicht nur aus dem markanten Felsen, sondern eben auch aus der vorgelagerten Düne. Die ist im Winterhalbjahr zwar nicht bewohnt, aber im Sommer werden auf der Düne Bungalows touristisch vermietet. Zudem gibt es einen Zeltplatz. Auf die Düne kommt man nur mit dem Boot.

Doch auch hier muss die Hilfsfrist von wenigen Minuten gewahrt bleiben. Von der Hauptinsel brauchen die Feuerwehrleute zu lange. Daher wurde der sogenannte Dünendienst eingerichtet. «Solange auf der Düne vermietet wird, laden wir Feuerwehrkameraden vom Festland ein, hier für 14 Tage Feuerwehrdienst zu machen», sagt Gemeindewehrführer Heiko Ederleh. Das ist in der Regel von März bis Oktober.

Die Helgoländer haben keine Probleme, genug Kameraden für den Dienst auf der Düne zu gewinnen. «Das ist ein ganz begehrter Job», sagt Ederleh. Es bestehe bundesweit Nachfrage. Das erste Zugriffsrecht haben aber die Feuerwehren im Kreis Pinneberg, zu dem Helgoland gehört. Restplätze werden bundesweit verteilt. Man könne sich bewerben, sagt Vorndran. «Und mit viel Glück erhält man den Zuschlag.»

Untergebracht werden die Feuerwehrleute vom Festland in Bungalows auf der Düne, bis zu drei Familienangehörige dürfen kostenlos mitreisen. Die Leute sollten auf der Düne eine schöne Zeit verbringen – und im Fall der Fälle schon einmal eingreifen, bis die Einsatzkräfte von der Hauptinsel übergesetzt haben. Kleinere Unfälle passierten laut Ederleh immer mal wieder. «Gott sei Dank hatten wir auf der Düne in den letzten Jahren aber nichts Größeres gehabt.»

Wer auf der Düne Dienst tun will, muss besondere Qualifikationen mitbringen. Zum Beispiel einen Lkw-Führerschein haben, um das Feuerwehrfahrzeug, das auf der Düne stationiert ist, auch lenken zu dürfen, und insbesondere Atemschutzgeräteträger sein.

Felix Vorndran ist ein solcher Atemschutzgeräteträger. Er tut in diesem Sommer zum ersten Mal Dienst auf der Düne, gemeinsam mit drei Kameraden aus dem Kreis Pinneberg. Auf der Hauptinsel hat er aber schon mehrfach ausgeholfen. «Weil die Kräfte der freiwilligen Feuerwehr zu dem Zeitpunkt aufs Festland gefahren sind, um Urlaub zu machen.»

Ederleh steht im Gerätehaus auf dem Oberland. Noch so eine Besonderheit auf Helgoland: Wegen der zum Teil sehr steilen und nur wenigen mit großen Fahrzeugen zu befahrenden Straßen zwischen dem oberen und dem unteren Teil der Insel gibt es zwei Feuerwehrhäuser mit vier beziehungsweise drei Feuerwehrfahrzeugen. Eines auf dem Oberland und eines auf dem Unterland. An diesem Abend ist die Fahrzeughalle auf dem Oberland leer. Die Kameraden sind wie jede Woche zu einer Übung ausgerückt. Jetzt im Sommer sind die meisten da. Ederleh erinnert sich aber an einen Fall vor ein paar Jahren, als in den Herbstferien fast die gesamte Feuerwehr in den Urlaub fahren wollte. «Da mussten wir uns was einfallen lassen. Wir können ja nicht einfach sagen, wir machen zu.»

Damals kam jemand auf die Idee, es so zu machen wie auf der Düne und bundesweit nach Urlaubsvertretungen zu suchen. «Das ganze hat sechs Minuten gedauert, dann lagen über 1500 Emails bei der Gemeinde vor», sagt Ederleh. «Und dann wurden die Leute eingeladen, hierherzukommen – und wir konnten alle in Urlaub fahren.» Einem der Kameraden, der damals mit Vorndran zu den ersten vier Verstärkungskräften auf der Insel gehörte, hat es so gut gefallen, dass er nach einigen Vertretungen nach Helgoland gezogen ist. Er ist jetzt als hauptamtlicher Gerätewart bei der Gemeinde angestellt.

Auch Vorndran kommt immer wieder gerne nach Helgoland zurück. Der Verwaltungsbeamte findet es schön, Freizeit und Hobby vereinen zu können, seine Familie mitbringen zu dürfen. Auch die Freundschaften, die Kameradschaft, die bei seinen Aufenthalten hier entstanden sind, möchte er nicht missen. «Ich würde es auf jeden Fall wieder machen.»

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Sport

IOC-Boss Bach zu Zuschauerverbot: TV-Publikum mit ihren Herzen dabei

Die Milliarden Menschen an den TV-Bildschirmen werden nach Ansicht von IOC-Chef Thomas Bach den Olympia-Athleten nach dem Zuschauerverbot bei den Tokio-Spielen das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Tokio: Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), winkt bei seiner Ankunft aus einem Auto. Zwei Wochen vor dem geplanten Beginn der Spiele landete Bach auf Tokios Flughafen Haneda. Die Olympischen Spiele 2020 Tokio finden vom 23.07.2021 bis zum 08.08.2021 statt. Foto: dpa

Von Lars Nicolaysen und Andreas Schirmer
Tokio (dpa) – Trotz des Zuschauerausschlusses bei den Olympischen Spielen in Tokio müssen sich nach Ansicht von IOC-Präsident Thomas Bach die Athleten in den Arenen nicht allein fühlen. «Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt werden an ihren Bildschirmen hängen und sie werden in ihren Herzen bei Ihnen sein», sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees.

In seiner Videobotschaft an die Teilnehmer verteidigte er zudem das Fanverbot in Tokio und an anderen Wettkampfstätten außerhalb der Hauptstadt. «Es war eine Entscheidung, die notwendig war, um sichere Olympische Spiele zu gewährleisten», betonte Bach. «Ich hoffe, wir sind uns alle einig, dass das Wichtigste ist, dass diese Spiele stattfinden – dass Sie Ihren olympischen Traum verwirklichen können.»

Allerdings ist es für die deutsche Hindernisläuferin Elena Burkard nicht erklärbar, warum bei der Fußball-EM Zuschauer im Stadion sein durften und bei den Tokio-Spielen nun nicht. «Es ist völlig unverständlich, dass der Fußball in der Corona-Zeit über alles gestellt worden ist», sagte die 29 Jahre alte EM-Sechste und Olympia-Starterin: «60 000 Zuschauer in London und Budapest im Stadion, leere Ränge in Tokio – wer kann das noch verstehen?»

Nachdem die Olympia-Organisatoren wegen der erneuten Verhängung des Corona-Notstandes das Zuschauerverbot bei den Wettbewerben in Tokio beschlossen hatten, wurde nun ebenso an Austragungsorten außerhalb der Hauptstadt die Fanpräsenz durch die jeweiligen Präfekturen untersagt.

Dies betrifft die Fußballspiele der Männer und Frauen auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido. Gleiches gilt für die Baseball- und Softball-Wettbewerbe in Fukushima. Die Organisatoren widerriefen am Samstag eine vorherige Entscheidung, im Azuma Baseball Stadion in Fukushima Zuschauer zuzulassen. Ebenso wird es im Sapporo Dome auf Hokkaido keine Fans geben.

Hokkaido hatte zuvor die Bevölkerung bereits aufgefordert, bei den nach Sapporo ausgelagerten Marathon- und Geher-Wettbewerben nicht an den Streckenrand zu kommen. Gleiches gilt für die Radsport-Straßenentscheidungen und beim Triathlon.

Auch die Regierung der Präfektur Fukushima entschied sich angesichts der wieder im Land steigenden Corona-Infektionen und der Reaktion der betroffenen Behörden darauf, auf Zuschauer zu verzichten. Als Vorsichtsmaßnahme sind zudem keine im Musashinonomori-Park zugelassen, dem Startort für die Straßenwettbewerbe der Radsportler. Bislang wollen hingegen die Präfekturen Miyagi, Ibaraki und Shizuoka Zuschauer noch zulassen.

Der Nürnberger Pharmazeut Fritz Sörgel hält den Besucherausschluss für eine unausweichliche Entscheidung. «Das ist für mich die einzige Option», sagte der Leiter des Instituts für biomedizinische und pharmazeutische Forschung in Heroldsberg. «Olympische Spiele mit Zuschauern wären unverantwortlich gewesen.» Die japanische Bevölkerung sei «nicht sehr gut durchgeimpft und die Fälle sowie Inzidenzwerte» würden steigen. «Insofern wären Zuschauer in den Arenen ein Risiko gewesen, weil man die Menschen nicht voneinander hätte trennen können, wie es erforderlich gewesen wäre», sagte er.

Unterdessen wollen Japans Organisatoren den freiwilligen Helfern einen Einsatz weiter ermöglichen. Man wolle Anpassungen am Einsatzplan vornehmen, sodass alle Volunteers mitmachen können, sagte der Geschäftsführer des Organisationskomitees, Toshiro Muto, in der Sendung «Sonntagsdebatte» des japanischen Fernsehsenders NHK.

Man wolle dies auch erlauben, wenn jemand zum Beispiel am Ende vielleicht nur für einen Tag zum Einsatz kommen könne, erklärte Muto. Rund 70 000 Freiwillige möchten weiter bei den am 23. Juli beginnenden Spielen sowie den anschließenden Paralympics mithelfen.

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Feuilleton

„Bach Biennale Weimar 2021“

Residenz-Capelle Weimar Baroque in der Herderkirche. Foto: Martin Schutt/dpa

Weimar (dpa) – Musiker der Residenz-Capelle Weimar Baroque in der Herderkirche spielen ein Eröffnungskonzert zum Beginn der «Bach Biennale Weimar 2021». Die Bach-Biennale lockte mit 50 Konzerten in der Stadt. Programmhöhepunkte waren aus Sicht der Veranstalter das Konzert «Bach privat» sowie das Barockfest im Schießhaus Weimar. Unter dem Titel «Bach mal spontan» erwartete das Publikum zudem bei freiem Eintritt Brunnen- und Marktkonzerte unter freiem Himmel.

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Gesundheit

Forscher raten zu 3. Corona-Impfung für Senioren

Bundesweit war die Corona-Impfkampagne am 27. Dezember 2020 in Alten- 
und Pflegeheimen gestartet. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Ein halbes Jahr nach dem offiziellen Start der bundesweiten Corona-Impfkampagne am 27. Dezember empfehlen Wissenschaftler eine dritte Impfung für Senioren und Menschen mit Immunschwächen in diesem Herbst. «Wir müssen die nächste Phase beim Impfen jetzt schon andenken», sagte Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich gehe davon aus, dass wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen werden.» Für jüngere und gesunde Menschen seien Auffrischungsimpfungen dagegen noch kein Thema.

Sander hält es für möglich, dass es ohne Auffrischungsimpfung im Winterhalbjahr zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen deshalb zu zusätzlichen Infektionen kommen könnte, «einem gewissen JoJo-Effekt». Ein solcher «Booster» sollte dann nicht allein Hochbetagten, sondern auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem offeriert werden, etwa zum Zeitpunkt der Grippeschutzimpfung im Oktober.

Vom Prinzip her sieht das Thomas Mertens als Vorsitzender der Ständigen Impfkommission ähnlich. Er formuliert es jedoch vorsichtiger: «Die Daten dazu, wer wann erneut geimpft werden sollte, sind noch etwas unsicher», sagt er. «Wir erwarten mehr Anhaltspunkte zur Dauer der Immunantwort nach einer Impfung bis zum August.» Bei einem nachgewiesenen Mangel an Immunschutz bei bestimmten Bevölkerungsgruppen sei relativ kurzfristig eine Nachimpfung zu empfehlen, sagt auch Mertens. «Dafür müssen wir aber erst ganz genau die immunsupprimierten Gruppen mit dem höchsten Risiko definieren.» Es wäre ein Prinzip wie bei den Priorisierungen zum Impfstart im vergangenen Dezember.

«Ich denke, es wird über die Erst- und Zweitimpfungen hinaus im Herbst Impfstoff-Reserven geben», ergänzt Charité-Forscher Sander. «Die Auffrischung würde dann parallel zum Lückenschließen bei den Erst- und Zweitimpfungen laufen.»

Bundesweit war die Corona-Impfkampagne am 27. Dezember 2020 in Alten- und Pflegeheimen gestartet. In Sachsen-Anhalt gab es die erste Impfung schon einen Tag früher.

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Reise

Alpen: Die Hütten sind wieder offen – doch es gelten Regeln

Die Bergsaison hat begonnen. Foto: Nicolas Armer/dpa

Aurach bei Kitzbühel (dpa) – Enzian blüht blau auf der Almwiese, während die Gipfel darüber noch eine weiße Kappe tragen. Nicht nur in Österreich, auch in Bayern sind die Hütten jetzt wieder offen. Anmeldung, Abstand, negativer Test: Noch gibt es viel zu beachten. Doch ganz unkompliziert sind Bergtouren auch in diesem Jahr nicht. Viele Bergsteigerinnen und Wanderer sind besonders bei mehrtägigen Hüttentouren noch zurückhaltend. Wenn der Rucksack gepackt wird, sind neben den üblichen AHA-Regeln noch ein paar mehr Dinge zu beachten. Jeder Tagesgast muss sich registrieren – das gilt für alle Hütten in Deutschland und Österreich. Da viele Wirte die Kontaktdaten digital verarbeiten, ist es ratsam, ein Handy dabeizuhaben. Auch eine Maske sollte im Rucksack sein, schon falls man auf dem Weg aufs Klo durchs Haus gehen muss. Und bisher dürfen nur zehn von manchmal bis zu 40 Betten belegt werden.

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Unterricht im Schulgarten

Erfurt/Thüringen (dpa) – Lavendel wächst im Schulgarten der Montessori-Integrationsschule Erfurt. Anders als in den übrigen Bundesländern ist der Schulgarten an Thüringer Grundschulen ein richtiges Schulfach. Das Fach ist ein Relikt aus Zeiten der DDR, wo Schulgarten ebenfalls Pflicht-Unterricht war. Überlebt hat es aber nur in Thüringen. Foto: Martin Schutt/dpa

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Auch Tiere knutschen nicht alleine

Küssen gehört wohl zu den schönsten und intimsten Beschäftigungen. Die Lippen aufeinander zu pressen, ist nicht nur Menschen vorbehalten. Doch in der Natur ist der Zweck oft ein anderer.

Mit fest aneinander gesaugten Mäulchen stehen sich zwei Guramis in
ihrem Aquarium gegenüber. Foto: dpa

Von Sebastian Fischer
Berlin (dpa) – Küssen klappt nur zu zweit. Da geht es den Tieren wie den Menschen. Freilich sind es keine Liebesbekundungen wie wir sie kennen, wenn Vierbeiner, Meeresbewohner oder Luftakrobaten ihre Artgenossen abbusseln. Während der Mensch gerade in Corona-Zeiten wohl etwas zurückhaltender und weniger wahllos Schmatzer verteilt, knutschen manche Tiere ungehemmt weiter – sicherlich auch am Dienstag, wenn der Welttag des Kusses ansteht.

KÜSSENDE GURAMIS: Ja, sie heißen wirklich so. Mit ihren fleischigen Lippen docken die tropischen Fische, die in Südostasien vorkommen und auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, aneinander an. In Wahrheit ist diese vermeintliche Form der Zuneigung aber eine reine Kraftprobe im Balzverhalten zweier Männchen – der schwächere bricht den Kontakt ab. Auf diese Weise finden aber auch die verschiedenen Geschlechter gleichstarke Partner. Dabei kommt es auch zu «Küssen» auf Bauch und Flanken. Hierzulande gibt es die Tiere im Aquarium, in ihrer Heimat werden sie aber auch als Speisefische gehalten.

ALBATROSSE: Zu ihrem komplexen Balzritual zählt das Schnäbeln. Unter den Galapagos-Albatrossen zum Beispiel stärken die Paare ihre Bindung über komplizierte und intime Tänze mit Kopfkreisen, Watscheln, Lauten (die an das Muhen von Kühen erinnern), Nicken – und einem Aneinanderklappern der Schnäbel. Sie finden so ein Leben lang in jeder Brutzeit wieder zueinander. Dann legt das Weibchen ein Ei, das beide abwechselnd ausbrüten.

ELEFANTEN: Was den Menschen das Küsschen auf die Wange, ist den Elefanten eine Begrüßung mit den Rüsseln. Wenn die Dickhäuter ihre Allzweckwerkzeuge ineinander verschlingen, dann betasten und beriechen sie sich. Sie finden gegenseitig heraus, wo sie gewesen sind, was sie aßen oder wie sie sich fühlen. Zwischen männlichen Verwandten sei das Umschlingen der Rüssel immer langsam und sinnlich, heißt es in einer Studie über die Gesten und Signale im Verhalten Afrikanischer Elefanten. Zwischen weiblichen gehe es hingegen plötzlicher und dramatischer zu. Doch auch im Kampf zweier männlicher Rivalen kommen die Rüssel in weniger freundlicher Weise zum Einsatz.

BONOBOS: Bekannt sind die Menschenaffen dafür, in Sachen Sex höchst aktiv zu sein. Dabei geht es nicht allein um die Fortpflanzung, sondern auch darum, Konflikte und Spannungen innerhalb der Gruppe zu lösen. Bonobos haben mehrmals täglich Verkehr, unabhängig von Geschlecht, Alter, Verwandtschaft und sozialem Status. Und dabei tauschen sie natürlich auch Küsse aus – und (anders als etwa Schimpansen) sogar mit der Zunge. Es heißt, Bonobos seien neben den Menschen die einzigen, die auf diese akrobatische Weise schmusen.

AMEISEN: Bei den Meistern des organisierten Treibens ist der Kuss eine raffinierte Methode, um die eigene Kolonie voranzubringen. Die Biologie nennt es Trophallaxis, wenn Ameisen (wie auch Bienen und Wespen) sich gegenseitig Nahrung und Flüssigkeit von Mund zu Mund reichen. Doch die Emsen geben über den Speichel wohl auch wichtige chemische Botschaften weiter, um die nächste Generation zu prägen. Forschungen deuten zudem darauf hin, dass sie so den Geruch der Kolonie verbreiten und Nestgenossen identifizieren.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

knutschen – smooch
Beschätigungen – preoccupations
vorbehalten – reserved to
Zweck – purpose
freilich – admittedly
Liebesbekundungen – expression of love
Artgenossen – fellow animals
abbusseln – smother with kisses
wahllos – indiscriminate
Schmatzer – smacker
verteilt – distribute
ungehemmt – unrestrained
ansteht – appears
küssende Guramis – kissing gouramis
docken an – link up
gefährdeten Arten – endangered species
vermeintliche – supposedly
Zuneigung – affection
Kraftprobe – test of dominance
Balzverhalten – mating behavior
Geschlechter – sexes
Hierzulande – in these parts
Schnäbeln – beaks
Watscheln – waddle
Nicken – nods
-klappern – clatter
Brutzeit – brood period
abwechselnd – take turns
ausbrüten – hatch
Wange – cheek
Rüsseln – trunk
Allzweckwerkzeug – all-purpose tool
verschlingen – intertwine
sinnlich – sensory
Gesten – gestures
plötzlicher – more suddenly
Menschenaffen – apes
in Sachen – in matters related to
Fortpflanzung – reproduction
Spannungen – tensions
lösen – resolve
Verkehr – sex (act)
unabhängig – independent
Geschlecht – sex (gender)
Verwandtschaft – family relationship
schmusen – smooch
Ameisen – ants
Meistern – masters
Treibens – getting it done
raffinierte – clever
voranzubringen – to advance
Emsen – industrious ones
Speichel – saliva
Botschaften – messages
prägen – imprint
deuten hin – indicate

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*