18. Januar 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Hallenklettern boomt – und die Klagefreude steigt

Nicht nur an verregneten Sonntagen sind die Kletterhallen in Deutschland oft rappelvoll. Und wie bei jeder Sportart passieren auch Unfälle. Immer häufiger versuchen die Verletzten danach, von irgendjemandem Geld einzuklagen – teils mit, teils ohne Chancen.

Nicht nur an verregneten Sonntagen sind die Kletterhallen in Deutschland oft rappelvoll. Und wie bei jeder Sportart passieren auch Unfälle. Immer häufiger versuchen die Verletzten danach, von irgendjemandem Geld einzuklagen – teils mit, teils ohne Chancen. Foto: dpa

Von Elke Richter
München (dpa) – Deutlich mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland klettern – die allermeisten davon in einer Halle. Rund 500 solcher Sportstätten mit den bunten Griffen und Tritten sind in den vergangenen knapp 30 Jahren quer durch die Republik entstanden. Zwar ist Hallenklettern eine vergleichsweise risikoarme Sportart, doch sind allein durch die rasante Zunahme der Ausübenden auch die Unfallzahlen gestiegen. Das merken inzwischen auch die Gerichte, denn schnell steht dann die Frage im Raum: Wer ist schuld – und wer zahlt?

«Das ist grundsätzlich wie in anderen Lebensbereichen auch: Die Freudigkeit, solche Sachen gerichtlich nachzuverfolgen, hat zugenommen», erläutert der Bergführer und Rechtsanwalt Stefan Beulke. Gerade Menschen, die Klettern vorrangig als hippe Freizeitbeschäftigung wahrnehmen, wären oft regelrecht perplex, dass man sich bei einem Sturz auch verletzen könne.

«Wenn wir in die freie Natur gehen, ist es für uns völlig klar: Es ist Klettern auf eigene Gefahr», sagte Christoph Ebert, Leitender Oberstaatsanwalt in Memmingen und Mitglied in der Dachkommission Recht im Deutschen Alpenverein (DAV), auf einer Juristentagung des Bayerischen Kuratoriums für alpine Sicherheit in München. Ein nach alter Tradition sozialisierter Kletterer wäre kaum jemals auf die Idee gekommen, seinen Seilpartner zu verklagen – doch in der Halle sieht das oftmals anders aus: «Unglück und Not werden heute nicht mehr als Schicksal hingenommen. Es herrscht die Vorstellung, es müsse für jedes Missgeschick einen Verantwortlichen geben», erläutert Ebert.

Gerne wird dann auf eine vermeintliche Haftung durch den Hallenbetreiber geschielt. Doch der hat juristisch betrachtet nur die Pflicht, eine vernünftige Kletterwand samt Sicherungspunkten zur Verfügung zu stellen und die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung der Besucher zu verhindern. «Er muss aber nicht wie ein Adler durch den Raum schauen, ob da auch sauber geklettert wird und die Sicherungsgeräte richtig benutzt werden», betont Ebert.

Letztlich ist es wie im Schwimmbad: Dort darf auch jeder Eintritt zahlen und reingehen, ob er schwimmen kann oder nicht. Solange der Hallenbetreiber also alles beachtet, beispielsweise die Sicherungspunkte und Griffe regelmäßig wartet, ist er im Falle eines Falles nicht in der Haftung. In Bayern etwa, wo Schätzungen zufolge rund ein Drittel aller Kletterer in Deutschland lebt, gab es erst einen einzigen Unfall, bei dem dem Hallenbetreiber eine Schuld nachgewiesen werden konnte.

Kann ein Kletterer dann seinen Seilpartner verklagen, nach dem Motto: Du hättest mich doch halten müssen! Die Chance, das Gerichte das so sehen, ist durchaus gegeben. «Seilkletterer haften in der Regel für leichte Fahrlässigkeit», betont Ursula Gernbeck von der Staatsanwaltschaft München I.

Zwar seien die Voraussetzungen dafür im Gesetz recht schwammig formuliert – für die «im Verkehr erforderliche Sorgfalt» seien die «anerkannten Regeln der jeweiligen Sportart» ausschlaggebend, sagt Gernbeck. Doch beim Hallenklettern gibt es kein modifiziertes Regelwerk. «Allein dass der DAV irgendwo eine Sicherheitsmeinung publiziert hat, ist nicht ausreichend. Sondern entscheidend ist, ob es sich zu einer Verkehrsnorm verdichtet hat, ob es wirklich praktiziert wird.»

Aus dieser Argumentation heraus ist es Urteilen zufolge beispielsweise fahrlässig, das Seilende nicht zu sichern, um ein Durchrutschen zu verhindern. Auch der Partnercheck, bei dem beide Kletterer gegenseitig überprüfen, ob der Gurt geschlossen und das Seil richtig eingebunden ist, gilt als Standard. Ebenso muss der Kletternde alle Sicherungspunkte einhängen.

Was jedoch völlig irrelevant ist: Ob jemand das Klettern oder das Sichern formal in einem Kurs gelernt hat. «Auch Selbstbeibringen ist okay», betont Gernbeck. «Die Frage ist nur, ob man es richtig macht.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Verletzten – injured parties
einzuklagen – sue for
die allermeisten – the vast majority
Halle – indoor gym
Sportstätten – here: rock climbing gyms
rasante Zunahme – scorching increase
Ausübenden – partakers (of this sport)
Gerichte – courts
schuld – at fault
Lebensbereichen – areas of life
nachzuverfolgen – pursue
vorrangig – primarily
regelrecht perplex – totally perplexed
eigene Gefahr – at your own risk
Juristentagung – lawyers’ symposium
herrscht – rules
jedes Missgeschick – piece of bad luck
vermeintliche Haftung – alleged liability
Hallenbetreiber – gym operator
geschielt – viewed
vernünftige – sound
zur Verfügung – at (your) disposal
notwendigen – necessary
zumutbaren – within reason
Vorkehrungen – provisions
erst einen einzigen Unfall – just a single accident
Schuld nachgewiesen – proven guilt
durchaus – definitely
Seilkletterer – rope climbers
Haften – are liable
Fahrlässigkeit – carelessness
Voraussetzungen – requirements
schwammig – ambiguous
ausschlaggebend – determining factors
ist nicht ausreichend – isn’t enough
Verkehrsnorm – standard (for this sport)
verdichtet – consolidated
Sicherungspunkte – safety check points
einhängen – secure

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Glücklich ohne Sieg: Rodler Loch spürt WM-Vorfreude

Für Rekordweltmeister Felix Loch ist der dritte Platz beim Weltcup in Altenberg ein wichtiger Schritt in Richtung WM. Deutschlands Vorzeigerodler ist derzeit auch ohne Siege glücklich.

Felix Loch, Deutschland, kommt als Drittplatzierter ins Ziel. Foto: dpa

Von Frank Kastner
Altenberg (dpa) – Rekordweltmeister Felix Loch streckte noch auf dem Schlitten sitzend immer wieder seine geballte Faust nach oben. Nach seinem Klasselauf von Platz sieben auf drei beim Weltcup der Rodler in Altenberg sieht sich der einstige Seriensieger wieder auf dem richtigen Weg. «Beim 13. Rennen zum zwölften Mal auf diesem Podest zu stehen, ist gar nicht so schlecht», sagte der 30 Jahre alte Berchtesgadener. Den Sieg sicherte sich Olympiasieger David Gleirscher aus Österreich.

Loch legt derzeit aber einen anderen Maßstab an. Nur hauchdünn war er im finalen Durchgang langsamer als der Russe Roman Repilow. Der Weltcupführende ist Topfavorit für die WM im Februar in Sotschi und dient Loch daher als Richtgröße. Auch Repilow hatte im ersten Lauf von Altenberg gepatzt, lag nur auf Rang 23 und wurde am Ende Zehnter. Ihm gelang eine ähnlich bemerkenswerte Aufholjagd wie Routinier Loch, der nach seiner Fahrt aufs Podium über die Bahn schwärmte: «Ich fahre von klein auf hier sehr gerne, sie ist mir ein bissl auf den Leib geschneidert.»

Nach sechs WM-Einzelsiegen und 14 internationalen Wettkampfjahren ist Loch auch ohne Siege glücklich. «Das Männerfeld ist in den letzten drei Jahren viel enger zusammengerückt, das macht die Sache viel interessanter», sagte Loch. Er betonte: «Man muss viel mehr fighten, um vorne dabei zu sein, das macht viel mehr Spaß, da hat man nie ein Motivationsproblem.»

Nach seinem Olympiasieg in Sotschi hatte er von 2014 bis 2016 jeweils sieben von zwölf Weltcup-Rennen gewonnen. Von solcher Dominanz ist Loch zwar weit entfernt, spürt aber weiter den Reiz des Eiskanals. «Jetzt freue ich mich auf die nächsten Rennen», sagte Loch.

Nach Platz zwei der Doppelsitzer Toni Eggert und Sascha Benecken holte Julia Taubitz am Sonntag ihren dritten Saisonsieg. «Insgesamt bin ich zufrieden, auch wenn noch kleine Fehler drin waren», sagte die 23-Jährige aus Oberwiesenthal. Nach zwei Läufen bezwang sie die im Weltcup führende Russin Tatjana Iwanowa mit 0,172 Sekunden Vorsprung. Dritte wurde die Italienerin Andrea Voetter.

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Feuilleton

Ausstellung zum 150. Geburtstag von Ernst Barlach in Hamburg

Zwei Plastiken „Frierende Alte“ (l-r, 1937) und „Magdeburger Ehrenmal“ (1928/29) von Ernst Barlach. Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Zum 150. Geburtstag von Ernst Barlach (1870-1938) zeigt das Ernst Barlach Haus in Hamburg eine umfassende Ausstellung über den Künstler. Die Schau, die bis zum 22. März zu sehen ist, möchte zentrale Themen Barlachs wie Spiritualität, Geschlechterrollen oder das Prekäre der menschlichen Existenz medienübergreifend verfolgen und in ihrem Wechselspiel neu beleuchten, teilten die Veranstalter jetzt in Hamburg mit. Dabei sollen – trotz aller Ernsthaftigkeit – auch die humoristischen Seiten des Künstlers nicht zu kurz kommen. Denn, wie er selbst bemerkte: «Barlach ist lachbar.»

Ernst Barlach, der am 2. Januar 1870 in Wedel bei Hamburg geboren wurde und am 24. Oktober 1938 in Rostock starb, gilt als einer der bedeutendesten Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit mehr als 10 000 Skizzen, 2800 Zeichnungen, acht Dramen, einer umfangreichen Prosa sowie über 600 plastischen Arbeiten hinterließ der Künstler ein beeindruckendes Gesamtwerk.

Barlachs literarische Arbeit sei dabei untrennbar mit seinem Gesamtwerk verbunden. So erscheinen die berühmten Holzskulpturen, wie es der Künstler 1924 notierte, als «Kunst-Menschen», die Handpuppen oder Marionetten vergleichbar auf den Bühnen von Museen, Galerien oder Privatsammlungen auftreten.

Zum Jubiläum hat auch die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg unter dem Titel: «Barlach 2020 – Remembering Forward» ein umfangreiches Fest-Programm mit Installationen, Lesungen und Vorträgen entwickelt.

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Gesundheit

Salat statt Wurst

Typische Lebensmittel mit niedriger Energiedichte sind Obst und Gemüse. Foto: dpa

Baierbrunn (dpa) – Beim Abnehmen ist Energiedichte wichtiger als Kaloriengehalt. Das Croissant, der Schokoriegel: Auch ein kleiner Snack hat oft jede Menge Kalorien. Richtig satt machen die kleinen Energiebomben aber nicht. Woran liegt das?

Kalorien machen nicht satt. Menge und Volumen sind für das Gefühl, genug gegessen zu haben, viel wichtiger. Wer weniger kalorienreich essen will, kann das zu seinem Vorteil nutzen – indem er Essen bevorzugt, das pro Gramm eher wenig Kalorien hat. Experten sprechen dabei von Nahrungsmitteln mit niedriger Energiedichte, wie die Zeitschrift „Apotheken Umschau“ (Ausgabe 1/2020) erklärt. Typische Lebensmittel mit niedriger Energiedichte sind zum Beispiel Kartoffeln, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch oder fettarme Milchprodukte – und natürlich Obst und Gemüse allgemein. Absolute Spitzenreiter in dieser Hinsicht sind unter anderem Sauerkraut, Feldsalat und Tomaten, mit 0,1 bis 0,2 Kilokalorien pro Gramm. Als niedrig gilt die Energiedichte, so lange dieser Wert nicht über 1,5 steigt.

Haben Nahrungsmittel dagegen 2,5 oder mehr Kilokalorien pro Gramm, gilt die Energiedichte als hoch. Bei Wurst ist das zum Beispiel oft der Fall, bei Fast Food aller Art und bei Backwaren wie dem Croissant. Ganz verzichten müssen Kalorienbewusste auf solches Essen zwar nicht. Sinnvoll kann aber sein, sie zu kombinieren. Das geht zum Beispiel, indem man statt einer ganzen nur eine halbe Pizza isst und diese mit einem Salat kombiniert.

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Reise

Indonesien: Bootstour im Komodo-Nationalpark

Dieser Komodo-Waran reißt sein Maul auf – und sorgt bei den Touristen für ehrfürchtiges Staunen. Foto: Philipp Laage/dpa

Labuan Bajo (dpa) – Die bis zu drei Meter langen Warane sind die große Attraktion im Komodo-Nationalpark in Indonesien. Es gab Pläne, die Hauptinsel Komodo für Touristen zu schließen. Doch das ist vom Tisch.

Die Komodo-Warane sind aber längst nicht die einzige Sehenswürdigkeit in dem Nationalpark, der neben Komodo selbst noch mehrere andere Inseln umfasst. Urlauber erkunden den Park am besten auf einem mehrtägigen Bootsausflug. Wer allein für die Echsen kommt, verpasst etwas: puderweiße Strände, artenreiche Korallenriffe – und echte Giganten unter Wasser. Aber die kommen ganz zum Schluss.

Die dreitägigen Bootstouren starten in Labuan Bajo auf Flores, die Schiffe laufen dann bis zu zehn Orte im Nationalpark an. Erster Halt auf dieser Tour: Kanawa Island. Weißer Sand, türkises Wasser. Ein Pfad führt hinauf zur höchsten Stelle des Eilands, für das unvermeidliche Selfie. Von oben sind die Farben des Wassers betörend. Wer aus dem Nationalpark spektakuläre Fotos mitbringen möchte, muss am folgenden Morgen vor Sonnenaufgang aufstehen. Ein gutes Dutzend Ausflugsboote legt vor Padar Island an, mindestens 200 Touristen steigen über einen Pfad hinauf zum höchsten Punkt. So überlaufen der Aussichtspunkt ist, so einsam und wild liegt die Inselwelt dar.

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Königin der Lüfte kommt als Museumsstück nach Deutschland

Lufthansas Lockheed 1649 A «Super Star». Foto: dpa

Auburn/USA (dpa) – Eine teilweise restaurierte und verpackte Lockheed 1649 A «Super Star» wird zu ihrer Verschiffung nach Deutschland von Auburn zum Hafen von Portland transportiert (undatierte Aufnahme). Für ihre Traditionsflotte wollte die Lufthansa den legendären Langstreckenflieger eigentlich restaurieren. Die viermotorige Lockheed «Super Star» flog in den 1950er und 1960er Jahren die Atlantikstrecke. Foto: Oliver Sturm/Lufthansa/dpa

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Aus Allen Staaten

„Knirschender Schnee, gefroren der See, …die Tannen geschmückt mit weißer Pracht“

Windsor (bk) – Dieses Lied von Helmut Bogenhardt (geb. 1929) war eines der Weihnachtslieder, die der Teutonia Chorus, Windsor, beim Weihnachtskonzert am 15. Dezember 2019 vortrug. Vor rund 100 Gästen sang der Chor – unter der Leitung von Dr. David Carle – Weihnachtslieder in deutscher- und englischer Sprache mit Soloeinlagen der Pianistin Anna Zaidmann und Sopranistin Jennifer Swanson. Nach dem gemeinsamen Singen mit den Zuhörern (“Kling Glöckchen” und “Stille Nacht”) fand der Nachmittage bei Kaffee und Kuchen ein vorweihnachtliches Ende.

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