18. September 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Schokolade: Geliebte Süßigkeit im knackigen Check

Viele Menschen lieben Schokolade und stimmen sicher zu, dass sie glücklich machen kann. Aber ist es tatsächlich auch gut fürs Herz, wenn man regelmäßig davon nascht? 

Vollmilchschokolade liegt neben einer mit Kakaopulver gefüllten
Tasse auf einem Holzbrett in der Küche. In September wird der
Internationale Tag der Schokolade gefeiert.                  Foto: dpa

Von Alexandra Stober

Berlin (dpa) – So viele Fans sie hat – so viele verschiedene Spezial-Daten gibt es für die Nascherei, scheint es. Einige Länder feiern die Schokolade national, aber auch international mangelt es nicht an Tagen für ihre Würdigung. Einer davon ist der 13. September. Dazu passend: drei Schoko-Fakten gecheckt.

BEHAUPTUNG: Weiße Schokolade enthält gar keinen Kakao.

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Für die Herstellung von weißer Schokolade wird nur ein Teil der Kakaomasse verwendet: die Kakaobutter. Das dunkle Kakaopulver wird der Masse entzogen. Weiße Schokolade hat anteilig mindestens ein Fünftel Kakaobutter zu enthalten, so die Kakaoverordnung. Diese definiert unter anderem, wie verschiedene Schoko-Produkte zusammengesetzt sein müssen. In weißer Schokolade steckt neben dem Kakao-Fett noch Milchpulver – mindestens 14 Prozent sagt die Verordnung. Dazu kommt ziemlich viel Zucker. 

BEHAUPTUNG: Die Schweizerinnen und Schweizer essen am meisten Schokolade in Europa.

BEWERTUNG: Stimmt statistisch gesehen, aber es gibt einen Einwand.

FAKTEN: Pro Kopf wurden in der Schweiz im vergangenen Jahr durchschnittlich 9,9 Kilogramm konsumiert, so die Statistik des Verbands der Schweizer Schokoladenhersteller. Umgerechnet sind das 99 Tafeln. Das reicht locker für Platz 1 in Europa. Allerdings merken einige Fachleute an, dass die Statistik ein wenig täuschen könnte: Schweizer Schokolade sei für viele Touristinnen und Touristen ein beliebtes Souvenir. Wie groß der Anteil dieser privat exportierten Schoko-Süßigkeiten jährlich ist, weiß man nicht genau. Deutschland lag beim Pro-Kopf-Konsum mit 9,2 Kilo auf Platz 2 (2019). Besonders wenig Schoki wurde in Griechenland gekauft, dort waren es laut der Statistik 2019 durchschnittlich zwei Kilo pro Kopf.

BEHAUPTUNG: Schokolade ist gut fürs Herz.

BEWERTUNG: Stimmt ein wenig.

FAKTEN: Britische Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass Menschen, die regelmäßig Schokolade essen, ein etwas geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Eine Meta-Analyse sechs verschiedener Untersuchungen kam unter anderem zu dem Ergebnis: Schokolade kann dabei helfen, die Herz-Blutgefäße durchlässig zu halten. Für diese positiven Effekte sorgen bestimmte Stoffe im Kakao. Deshalb gilt: Je höher der Kakaoanteil der Schokolade, desto mehr gesunde Stoffe. Allerdings ist die Wirkung recht gering, so dass die gesundheitlich negativen Seiten der Nascherei – viel Fett und Zucker – die guten kompensieren.

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Sport

Fünfmal Gold: Champagner-Schlacht mit der neuen Dressurkönigin

Das gab es noch nie: Innerhalb von sechs Wochen gewinnt eine Reiterin fünf goldene Medaillen bei Olympia und EM. Die verschobenen Spiele von Tokio und das derzeit beste Pferd der Welt ermöglichen Jessica von Bredow-Werndl einen einzigartigen Erfolg

Die Dressurreiterin und Europameisterin Jessica von Bredow-Werndl (Deutschland, Gold) gönnt sich eine Champagnerdusche auf dem Podium nach der Siegerehrung im Grand Prix Freestyle. Foto: dpa 

Von Michael Rossmann

Hagen a.T.W. (dpa) – Mit nassem Frack und leuchtenden Augen berichtete die neue Dressur-Königin von der wilden Champagner-Party auf dem EM-Podium. «Sie war richtig aggressiv», erzählte Jessica von Bredow-Werndl von der Schaumwein-Schlacht nach der Siegerehrung, bei der sie zuvor ihre dritte Gold-Medaille erhalten hatte. Mit Flaschen in der Hand versuchten drei Dressurreiterinnen, sich nach der Edelmetall-Vergabe gegenseitig zu bespritzen.

Der Champagner ging bei von Bredow-Werndl «direkt ins Auge», berichtete die 35 Jahre alte Triple-Championesse, die Cathrine Dufour aus Dänemark und die Britin Charlotte Dujardin im Viereck hinter sich gelassen hatte und sie mit Verspätung auch nass machte: «Meine Flasche hat erst geklemmt!»

Von Bredow-Werndl hatte allen Grund zum Feiern, denn mit den drei Siegen bei der Heim-EM in Hagen bei Osnabrück stellte sie einen einzigartigen Rekord auf: Innerhalb von nur sechs Wochen räumte sie fünf goldene Medaillen ab. «Es ist unglaublich, es fühlt sich an wie ein Märchen», schwärmte die Doppel-Olympiasiegerin von Tokio, der die Verschiebung der Spiele geholfen hat.

«Sie ist im Moment das Maß der Dinge, das steht außer Frage», kommentierte Isabell Werth, die sich am Samstag in der abschließenden Kür im Sattel von Weihegold mit Rang vier begnügen musste und sagte: «Der Akku war leer, die Luft war raus.» Die erfolgreichste Reiterin der Welt kündigte für die kommenden Championate wie die WM 2022 in Dänemark aber an: «Wir werden alle versuchen, ihr das Leben schwer zu machen.»

In diesem Sommer zumindest reitet von Bredow-Werndl mit Dalera in einer eigenen Liga. Sie dominierte mit ihrer Stute die EM am Rande des Teutoburger Waldes in einer Art und Weise, wie die Dressurfans es bisher nur von Werth kannten, die bei den Europameisterschaften 2017 und 2019 ebenfalls Dreifach-Gold gewonnen hatte.

«Bisher war ich die Jägerin, jetzt bin ich die Gejagte», sagte die Siegerin – und sie fügte vergnügt an: «Das fühlt sich deutlich besser an als andersherum.» Zum EM-Abschluss gab es die Jagd allerdings nur bei der Champagner-Schlacht, nicht im Viereck. Für die Kür mit Dalera zu Musical-Melodien des Films «La La Land» erhielt von Bredow-Werndl 91,021 Prozent und ritt damit völlig unangefochten zum dritten Sieg nach dem Team-Gold und dem Einzel-Gold im Grand Prix Special. Der Abstand von Dufour mit Bohemian (88,436) und Dujardin mit Gio (87,246) war sehr deutlich.

Dieses Mal störte es nicht einmal, dass ihre Stute in der Prüfung äppelte. Was sie vor zwei Jahre bei der EM in Rotterdam noch gehörig aus dem Konzept gebracht hatte, als die Patzer nach der unpassenden Darmtätigkeit einige Prozentpunkte gekostet hatten. «Davor habe ich keine Angst mehr, ich weiß, sie kann es nun.»

Mit der 14 Jahre alten Trakehner-Stute, die «in der Arena ein Rockstar» sei, bildet die Reiterin aus dem bayerischen Tuntenhausen eine elegante Einheit. «Wir surfen gerade die Welle. Vom ersten bis zum letzten Tag hatte Dalera Power», sagte die Siegerin: «Sie hat gezeigt, wie viel Lust sie hat.» Rund 4000 Zuschauer waren begeistert. «Es war toll, wieder vor Publikum zu reiten», schwärmte die Siegerin.

«Vom Gefühl war es die beste Kür, die wir je hatten», erklärte von Bredow-Werndl. Die Prozentzahl war allerdings bei ihrem Triumph in Tokio noch etwas höher. Wie es jetzt weitergeht nach der beispiellosen Medaillenausbeute? Für die Konkurrenz muss sich von Bredow-Werndls Antwort wie eine Drohung anhören: «Ich werde einfach noch mehr davon sammeln.»

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Feuilleton

Unbekanntes Märchen von Siegfried Lenz entdeckt

„Florian, der Karpfen“, von Siegfried Lenz, Hardcover, 15.00 EURO; ISBN: 9783455012163. 
             Foto: Verlag/dpa

Hamburg (dpa) – Ein unbekanntes Märchen des Schriftstellers Siegfried Lenz (1926-2014) erschien am 1. September im Hoffmann und Campe Verlag. Das Buch mit dem Titel „Florian, der Karpfen“ handelt von der besonderen Beziehung des Erzählers zur Natur, zum Wasser und zum Fisch, teilte der Verlag in Hamburg mit. Am 11. Juli 1953 wurde der Text erstmals im Kinderfunk des NWDR Hamburg gelesen und ausgestrahlt. Er wurde nun im Nachlass entdeckt. „Im Zentrum der Geschichte steht Karlchen, ein kleiner Junge, der mit dem Jungen Siegfried Lenz die Begeisterung für den See vor der Haustür und das Interesse an der Welt unter Wasser teilt, die eine zwar abenteuerliche, aber dennoch vertraute Welt ist“, hieß es. Siegfried Lenz zählt mit seinem Roman „Deutschstunde“ (1968) zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. 2016 erschien postum sein Roman „Der Überläufer“ von 1951 und wurde ein großer Erfolg.

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Gesundheit

Wenn Kinder Marotten entwickeln

Erst wenn sämtliche Kuscheltiere im Bett versammelt sind, mag das Kind einschlafen. Möglich, dass das Kind versucht Ängste abzubauen.  Foto: Silvia Marks/dpa

Von Eva Dignös

Fürth (dpa) – Ist das noch normal? Man schämt sich als Eltern ein bisschen für diese Frage. Und kann sie doch nur schwer beiseiteschieben, wenn das eigene Kind plötzlich auffällige neue Verhaltensweisen an den Tag legt. Wenn es immer wieder an den Haaren zupft, blinzelt oder sich am Kopf kratzt. Am Ärmel lutscht, bis die Spucke tropft. Jeden Abend vor dem Schlafengehen sämtliche Kuscheltiere im Bett aufreihen muss. Oder das Haus nicht mehr verlässt ohne Gummistiefel an den Füßen.

Spleen, Marotte, Tic – allein schon die Tatsache, dass sich gar nicht so leicht benennen lässt, was man an seinem Kind beobachtet, ist ein gutes Indiz für die Verunsicherung, die dadurch entsteht. Und trotzdem rät Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (www.bke-beratung.de) zur Gelassenheit. «In der Regel gibt sich das von allein wieder.»

Ängste oder Langeweile können dahinter stecken

Die möglichen Auslöser sind vielfältig: Vielleicht versucht das Kind, innere Anspannung oder Ängste abzubauen. Vielleicht ist ihm schlicht langweilig. Vielleicht steht aber auch gerade ein wichtiger Entwicklungsschritt an oder eine Veränderung, die das Kind noch nicht so recht einzuschätzen vermag, beispielsweise die Einschulung.

Einfach «abstellen» lässt sich das ungewöhnliche Verhalten ohnehin nicht. Ein Tic etwa «lässt sich nur ganz schwer unterdrücken», sagt Veit Roessner, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden: «Ein Tic ist wie ein Schluckauf, eine plötzliche Bewegung, die sich immer wiederholt und nicht willentlich steuerbar ist.» Das kann ein Zwinkern sein, eine Grimasse, ein Räuspern oder Schniefen.

In der Regel nach einigen Wochen wieder verschwunden

Vorübergehend tritt das bei bis zu 15 Prozent der Grundschulkinder auf und vergeht in der Regel nach einigen Wochen wieder. Die genaue Ursache kennt man noch nicht, «aber es gibt Hinweise, dass die Kinder reizoffener sind», sagt Roessner: «Sie nehmen bestimmte Reize als unangenehm war und der Körper reagiert darauf.»

Neben den Tics gibt es Verhaltensweisen, die eher an Rituale oder Zwänge erinnern: Beim Essen dürfen Nudeln und Soße nicht miteinander in Berührung kommen, ohne Kuscheltier wird das Haus nicht mehr verlassen und beim Spaziergang darf der Fuß auf gar keinen Fall die Ritzen zwischen den Bürgersteigplatten berühren.

«Manchmal brauchen Kinder für eine gewisse Zeit ein Ritual, um sich sicher zu fühlen», sagt Dana Mundt. Sie beobachtet seit Beginn der Coronapandemie in der Online-Elternberatung eine Zunahme entsprechender Anfragen. «Für viele Kinder sind die gewohnten Strukturen weggebrochen, zugleich spüren sie auch bei ihren Eltern Verunsicherung – das kann durchaus zu solchen Verhaltensweisen führen.»

Manchmal fehlt nur Austausch mit anderen Eltern

Auch in der Praxis von Michaela Willhauck-Fojkar melden sich derzeit vermehrt verunsicherte Eltern. Das liege allerdings nicht nur daran, dass die Pandemie die Seele der Kinder belastet, sondern auch an der Tatsache, «dass Eltern weniger Möglichkeiten hatten, sich mit anderen Eltern auszutauschen», sagt die Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche aus Mannheim.

Denn oft relativieren sich eigene Sorgen, wenn man erfährt, dass das Verhalten des eigenen Kindes so ungewöhnlich gar nicht ist. «Und manche Dinge fallen einem nur deshalb auf, weil man im Lockdown viel mehr Zeit als sonst miteinander verbracht hat», sagt Willhauck-Fojkar.

Nicht provoziert fühlen, Machtkämpfe vermeiden

Dana Mundt rät, «wahrzunehmen, aber nicht permanent den Fokus darauf zu richten». Und vor allem, «sich nicht provoziert zu fühlen». Was Außenstehende manchmal einfach nur schmunzeln lässt, kann nämlich im Elternalltag ziemlich an den Nerven zerren. «Aber je aufgeregter ich als Eltern reagiere, umso schlimmer mache ich es», sagt Michaela Willhauck-Fojkar.

Nicht selten verstrickten sich Eltern und Kinder dann in zermürbenden Machtkämpfen um die richtige Schuhwahl oder Essensgewohnheiten. Bei älteren Kindern – etwa ab dem Grundschulalter – kann man auch kindgerecht das Gespräch suchen, allerdings nicht verbunden mit der Aufforderung «Lass das doch endlich», sondern mit dem Ziel, gemeinsam nach den Gründen zu forschen: «Manchmal fehlen den Kindern einfach noch die Worte für die Gefühle, die sie beschäftigen», sagt Dana Mundt.

Für Zeitgefühl: Beobachtungen aufschreiben

Kinder- und Jugendpsychiater Veit Roessner empfiehlt, Beobachtungen aufzuschreiben: «Im Alltag verliert man sonst schnell das Gefühl dafür, wie lange bestimmte Verhaltensweisen andauern.» Drei Monate seien ein guter Zeitraum, «um noch einmal nachzuschauen, was war und wie es sich entwickelt hat». Und dann auch fachkundigen Rat zu suchen, wenn sich Tics oder Zwänge so verfestigt haben, dass das Kind darunter leidet und sein Alltag beeinträchtig ist.

Im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunden, die in den Praxen durchgeführt werden, kann eine erste diagnostische Einschätzung erfolgen, sagt Michaela Willhauck-Fojkar. Auch Familien- und Erziehungsberatungsstellen sind eine gute erste Anlaufstelle. 

An der Uniklinik in Dresden gibt es ein bundesweit einmaliges Zentrum für Tic- und Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen: «Manchmal kommen verschiedene Probleme zusammen, eine gute Diagnostik ist dann sehr wichtig», betont Veit Roessner.

Und manchmal lohnt es auch, den Blick vom Kind auf die Eltern zu richten: «Kinder orientieren sich in ihrem Verhalten an ihren Eltern», sagt Psychotherapeutin Willhauck-Fojkar. So manchem Vater und so mancher Mutter dürfte eine Marotte ihres Kindes bekannt vorkommen.

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Reise

Kurort Bad Aibling: Die heilende Kraft des Moors

Bad Aibling ist eine der beliebtesten Kurstädte Bayerns. 
                                                     Foto: Andreas Jacob/AIB-KUR GmbH/dpa

Von Joachim Hauck

Bad Aibling (dpa) – Die Dame aus Franken ist skeptisch: In 42 Grad heißes Badewasser soll sie steigen und es 20 Minuten darin aushalten. Das kann doch nicht gesund und schon gar nicht angenehm sein. Doch genau so ist es, wenn Moor in die Wanne kommt.

Per Knopfdruck füllt ein Mitarbeiter der Wendelstein-Klinik in Bad Aibling die große, metallene Wanne mit dem schwarzen, dickflüssigen Brei. Die Fränkin steigt vorsichtig in das ungewohnte Gemisch. Und ist ganz schnell relaxed. Gar nicht so heiß fühlt sich das Moorbad an, fast schwebt der Körper ein wenig in der Wanne. Und es entspannt, die zerkleinerten Überbleibsel aus uralten Gräsern, Blättern und Moosen langsam zwischen den Fingern zu verreiben.

Spätestens zur Badehalbzeit rinnt jede Menge Schweiß von der Stirn, der am Ende ebenso sorgfältig abgeduscht wird wie der dunkle Schlamm. Zum Vorschein kommt eine spürbar sanftere Haut. In dicke Tücher gehüllt, geht es noch für ein halbes Stündchen in den Ruheraum.

Ein solches Badeerlebnis findet in Bad Aibling an die 30 000 Mal im Jahr statt, stationär oder ambulant. Wendelstein-Klinikleiter Alex Höfter ist von der Heilkraft der Anwendungen überzeugt. Im Moorbad wirken Wärme und Inhaltsstoffe zusammen. Weil Moor Hitze nur langsam abgibt, wird es auch bei hohen Temperaturen als erträglich empfunden. Bei 42 Grad beschert es den Badenden ein künstliches Fieber, das gewollt ist und die Selbstheilungskräfte des Körpers stärkt.

Der Klinikchef empfiehlt Moor bei Rheuma, Arthrose, Ischias, Gicht, Durchblutungsstörungen, Bandscheibenschäden und Osteoporose. Und: «Es hat enorme Effekte auch auf die Psyche und für den Abbau von Stress.»

Ein schützenswertes Gut

Die Zubereitung der Bäder und später das Recycling ist aufwendig: Für den medizinischen Gebrauch wird Moor mit Wasser versetzt, in einem großen Mixer gemischt und schließlich erhitzt. Pro Wanne werden zwei bis zweieinhalb Zentner Moor gebraucht. Die liefert Max Pandradl, der in der Region Bad Aibling das «schwarze Gold» ausgräbt.

Schätzungsweise 40 000 Kubikmeter Torf hat Panradl bisher mit seinem Bagger aus dem Boden geholt: ein Vielfaches der Ausbeute, die früher sein Großvater mit Schaufel und Seilzug zutage gefördert hat.

Entstanden ist das Aiblinger Moor in der letzten Eiszeit, als sich im Inntal ein gewaltiger Gletscher zurückzog und den längst verlandeten Rosenheimer See hinterließ. In den verbliebenen Feuchtmulden bildeten abgestorbene Gräser, Wurzeln und Moose nach und nach das Moor – ein Gebilde, das pro Jahr nur um einen Millimeter wächst.

Entsprechend scharf sind die Vorschriften zum Schutz der Moore. Panradl sorgt mit den Kurkliniken für einen nachhaltigen Umgang mit dem empfindlichen Gut. Einmal benutzter Schlamm wird nach Gebrauch ins Moor zurückgebracht, das in den Bädern zugesetzte Wasser über ein Filtersystem abgeleitet. Ehemalige Torfabbaustellen sind heute Naturschutzgebiete, und auf den renaturierten Flächen wachsen Pflanzen, die anderswo kaum noch zu finden sind.

Ausflüge in der Umgebung

Kurgäste und Touristinnen können die Moore der Umgebung zu Fuß erkunden. Auf gut markierten und gesicherten Wegen geht es durch eine urtümliche Landschaft, in der sich Tausende Wasservögel tummeln. Und in der lauschige Ruheplätze zu Rast und Besinnung einladen.

«Unsere Gäste sollen auch ihr mentales Gleichgewicht bei uns finden», sagt Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn. Leichte Wanderungen durch das Mangfall-Tal, Ausflüge ins oberbayerische Voralpenland und auf den nahen Wendelstein sind beliebt bei den Besuchern.

Wer im Ort bleiben will, nimmt ein Bad im Blumenmeer des großen Kurparks oder in der schicken Therme, in der aus fast 2300 Metern Tiefe 39 Grad warmes Heilwasser sprudelt.

Die Geschichte eines Visionärs

Unbestritten im Mittelpunkt steht freilich das Moor, das Bad Aibling zu einer der beliebtesten Kurstädte Bayerns gemacht hat. Zu verdanken hat die Gemeinde diese Position dem Gerichtsarzt Desiderius Beck, der die Heilkraft des Moores schon vor 175 Jahren richtig einzuschätzen wusste. 1845 eröffnete er die «Soolen- und Moorschlamm-Badeanstalt» – die allererste in Bayern. So richtig in Schwung kam sein Geschäft anfangs nicht. Es dauerte gut zehn Jahre, bis der Badebetrieb endlich Gewinn abwarf und neue Kureinrichtungen entstanden.

Beck wurde zum Aushängeschild des Städtchens Aibling, dem Prinzregent Luitpold 1895 den Titel «Bad» verlieh. 2007 hat ihm Bad Aibling beim Bau der neuen Therme ein Denkmal gesetzt und den Ursprung ihres heilsamen Wassers auf den Namen «Desiderius-Quelle» getauft.

Dass der hochgeschätzte Doktor Beck einmal kurz vor dem Bankrott stand, ist im Ort unvergessen. Denn leicht hat es auch Bad Aibling nicht immer gehabt. Harte Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen haben die deutsche Bäderlandschaft und damit auch die oberbayerische Kommune massiv getroffen. Knausrige Krankenkassen strichen die beliebten ambulanten Badekuren und fuhren generell ihre Zusagen und Zuschüsse für Kuren zurück. Den Kliniken und der gesamten touristischen Infrastruktur fügte das herbe Einnahmeverluste zu.

Neue Pläne für die 

Post-Pandemie-Zeit

Auch die Corona-Pandemie hat unübersehbare Spuren im Kurbetrieb hinterlassen. Laut Kurdirektor Jahn ist die Zahl der Übernachtungen 2020 gegenüber dem Vorjahr um 56 Prozent zurückgegangen, im ersten Halbjahr 2021 um ganze 82 Prozent. Wegen der Lockdowns musste Bad Aibling alle geplanten Feiern des großen Doppeljubiläums – 175 Jahre Moorbad und 125 Jahre Heilbad – ersatzlos streichen.

Thomas Jahn ist trotzdem froh, mit «zwei blauen Augen» davongekommen zu sein, wie er sagt. Inzwischen zieht der Kur- und Tourismusbetrieb wieder deutlich an, für die Zukunft sieht Jahn durch die Pandemie sogar neue Chancen für die Stadt: «Corona hat bei den Menschen das Bewusstsein für die Gesundheit geschärft, das Thema hat einen höheren Stellenwert bekommen und kann uns helfen, Gäste zu gewinnen.»

Angepeilt werden unter anderem Nachsorge- und Therapieeinrichtungen für Long-Covid-Patienten. Ein Lieblingsprojekt des umtriebigen Kurdirektors ist ebenfalls auf dem Weg: Für gut fünf Millionen Euro soll in Bad Aibling eine nagelneue, 1700 Quadratmeter große Moorbadeanlage mit allen Schikanen entstehen.

Auch Max Panradl ist für die Zukunft gerüstet. Seit sich der Moorabbau für den klassischen Kurbetrieb nicht mehr sonderlich lohnt, geht er direkt auf die Endverbraucher zu. Im heimischen Betrieb stellen er und seine Frau kleine Kuren zum Mitnehmen her: Moorbäder für die Badewanne daheim, Moorkissen, Moorsalben und Moorseifen.

Info-Kasten: Bad Aibling

Anreise: Mit dem Auto über die Autobahn München-Salzburg (A 8) bis zur Ausfahrt Bad Aibling, von dort ist es eine kurze, gut ausgeschilderte Strecke zum Ziel. Mit der Bahn via München Hauptbahnhof über Holzkirchen oder Rosenheim nach Bad Aibling. Das Städtchen hat zwei Haltestellen: Bad Aibling Bahnhof und die kleinere Haltestelle Bad Aibling Kurpark.

                         Internet:

      http://www.bad-aibling.de

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Centbeträge sind die Regel: Alte Schallplatten und CDs verkaufen

Die meisten alten Schallplatten haben kaum noch einen Wert – doch es gibt Ausnahmen, die richtig Geld bringen. Foto: Kai Remmers/dpa

Von Sabine Meuter

Berlin/Düsseldorf (dpa) – Was bei dem einen achtlos im Keller oder im Regal steht, lässt bei einem anderen das Herz höher schlagen. Wenn alte Schallplatten oder CDs den Besitzer wechseln, kann das für beide Seiten ein Gewinn sein. Mitunter können sich unter den guten Stücken echte Schätze finden – und für einen Verkauf gibt es einige Möglichkeiten.

«Einfach mal in den nächsten Plattenladen gehen und seine Besitztümer zum Kauf anbieten», sagt der Berliner Plattenkenner und -sammler Mario Luesse, der bei einem großen Platten-Label arbeitet. Aber Plattenläden nehmen – natürlich! – längst nicht alles. Sie begutachten das Angebotene danach, wie wahrscheinlich es ist, dass sie es weiterverkaufen können.

«Prinzipiell kommen Einzelstücke ebenso für einen Ankauf infrage wie ganze Sammlungen», erklärt Ralf Brendgens, Inhaber des Plattenladens «Hitsville» in Düsseldorf. Begehrt seien aktuell Rockmusik aus den 1960er Jahren, Funk Soul und Modern Jazz. Besitzer von alten Platten oder CDs sollten sich allerdings keine Illusionen machen. Kommt ein Verkauf zustande, gibt es pro Stück zumeist ein paar Cents oder einen Betrag im einstelligen Euro-Bereich.

«Nur bei Top-Raritäten kann es mehr, in seltenen Fällen sogar bis hin zu mehreren tausend Euro sein», so Luesse. Was sind das für Scheiben? «Es geht vor allem um exotische Pressungen», erklärt Brendgens. So können beispielsweise Platten der Beatles in Original-Pressung aus den ersten Wochen in dem Jahr, in dem sie auf den Markt kamen, viel Geld bringen. Gleiches gilt für Platten von Bands wie etwa Pink Floyd, den Rolling Stones oder Fleetwood Mac oder von Bob Dylan.

Ebenfalls von hohem Wert: Originale Erstpressungen auf dem Jazz Label Blue Note Records. Hinweise, ob eine Platte eine Original-Pressung sein könnte oder nicht, finden sich unter anderem in den Gravierungen auf der Auslaufrille einer Platte. Anhand der sogenannten Matrixnummern lässt sich ablesen, in welchem Jahr und in welchem Land die Platte produziert wurde.

«Findet sich auf dem Cover einer Beatles-Platte etwa ein Barcode, ist es mit Sicherheit keine Original-Pressung – denn Barcodes gab es in den 1960er Jahren noch nicht», sagt Luesse, früher selbst Plattenladen-Betreiber. Um herauszufinden, ob eine Platte wirklich wertvoll ist, rät er, genau zu recherchieren oder am besten gleich auf die Expertise von Fachleuten zu setzen. Im Zweifelsfall können Verkaufswillige immer noch einen weiteren Händler aufsuchen und ihn um eine Einschätzung bitten.

Je besser der Zustand, desto mehr Geld gibt es. Das Vinyl selbst ist im Idealfall staubfrei und vor allem ohne Kratzer. Auch interessante Plattenhüllen können punkten. «In jedem Fall sollten sie frei von Beschriftungen wie etwa Name und Anschrift des aktuellen Besitzers sein und keine Risse, Flecken oder sonstige Beschädigungen aufweisen», so Brendgens. Auch nass abgespielte Platten kauft er nicht an: «Weil sie, wenn sie später trocken abgespielt werden, enorme Kratzgeräusche mit sich bringen.»

Wer seine alten Schätze loswerden will, kann sich auch mit einem kleinen Verkaufsstand auf den Trödelmarkt stellen. Oder eine Anzeige in einer Tageszeitung oder über ein Online-Verkaufsportal schalten. Zudem gibt es im Internet diverse Ankaufsportale. Sie finden sich, wenn man in eine Suchmaschine Begriffe wie «alte Schallplatten und CDs verkaufen» eingibt.

Bei einigen Anbietern kann man den möglichen Wert des alten Tonträgers gleich online ermitteln – nach Eingabe der ISBN-Nummer ploppt der Betrag auf, den der Anbieter zu zahlen bereit wäre. Dann können Verkaufswillige ihre Stücke einpacken und an das Ankaufsportal schicken. Der Anbieter, der mitunter die Versandkosten übernimmt, prüft die Waren und unterbreitet dem Verkaufswilligen ein Preisangebot.

Willigt dieser ein, ist der Verkauf perfekt – und der Anbieter überweist den vereinbarten Geldbetrag. Andernfalls schickt er die Platten oder CDs zurück. Ist eine Platte ohne ISBN-Nummer, können Verkaufswillige potentiellen Ankäufern eine Liste zukommen lassen, welche Tonträger sie zu bieten haben und in welchem Zustand sie sich befinden. Für eine Zustandsbeschreibung können die «Goldmine Grading Standards» Grundlage sein. Hierbei reicht die Skala von «SS» (Still Sealed, noch eingeschweißt), über «M» (Mint, Neuware), «VG» (Very Good, leichte Nebengeräusche möglich), «G» (Good, kontinuierliches Knistern, springt bei ein bis zwei Liedern) bis «P» (Poor, nur wenige Songs sind noch zu hören). 

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Die Merkel-Jahre – der etwas andere Rückblick

16 Jahre mit Angela Merkel, das war auch immer wieder Thema in der Rubrik Klatsch und Kultur. Ein Rückblick von Walz bis Walser. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) bedankt sich bei Weggefährten ihrer ersten Zeit in Stralsund, etwa dem Ehepaar Zimmer in der Stralsunder Kulturkirche St. Jacobi. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Donnerstag für einen Überraschungsbesuch nach Stralsund gekommen und hat sich in ihrem Wahlkreis verabschiedet. Foto: dpa

Von Caroline Bock

Berlin (dpa) – Ihre Frisur? «Genial». Das hat Udo Walz einmal über Angela Merkel gesagt. Das war Selbstlob. Merkel war Kundin des im vergangenen Jahr verstorbenen Berliner Promi-Coiffeurs. Wo sie sich jetzt die Haare schneiden lässt, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass Walz ihretwegen in die CDU eingetreten ist. 16 Jahre mit Merkel, das hat Deutschland geprägt und beschäftigt – das gilt auch für die Promi-Welt und die Hochkultur. 

Die erste Frau im Kanzleramt, heute 67 Jahre alt, bekam Komplimente und Kritik, Modetipps und Ferndiagnosen. Anfangs als Helmut Kohls «Mädchen» und für ihre Frisur belächelt, sahen sie später auch viele, die nicht CDU wählten, als Weltpolitikerin, die sich im Männerzirkus behauptete. «Ich finde sie sehr sympathisch. Sie hat meinen hohen Respekt dafür, wie sie mit diesen patriarchalischen Strukturen und auch zum Teil persönlichen Beleidigungen so souverän umgeht», sagte die Köchin und Grünen-Politikerin Sarah Wiener. Herbert Grönemeyer attestierte der Physikerin eine «uneitle Klugheit».

Der Schriftsteller Martin Walser ging in einem Essay für den «Spiegel» noch weiter. Merkel sei nicht nur klug, sondern auch schön. «Die meisten Politiker spulen ab, was sie draufhaben. Das kommt auch daher, dass sie mehr sagen müssen, als sie wissen. Bei Frau Merkel werden wir Zeuge, wie Geist und Natur zusammenfinden, und eben deshalb ist sie schön», schrieb Walser 2018.

Was ihre Garderobe und ihr Aussehen angeht, gab es wohl so viel Presse und Debatten wie bei keinem ihrer Vorgänger. Klar, Gerhard Schröder war wegen der teuren Anzüge der «Brioni-Kanzler». Helmut Kohl bekam wegen seiner Pfunde und seiner Figur den Spitznamen «Birne» verpasst.

Aber das ist kein Vergleich zum Echo bei Merkel, etwa als sie 2008 bei einem Opernbesuch in Oslo ein Abendkleid mit Ausschnitt trug und Busen zeigte. Das wurde als mittelschwere Sensation gehandelt. Es war sogar Thema in der Bundespressekonferenz. «Dass dieses Abendkleid, eine Neukomposition, ein Neuarrangement aus dem Bestand der Bundeskanzlerin, für eine solche Furore gesorgt hat (…), lag nicht in der Absicht der Bundeskanzlerin», sagte der damalige Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. 

Bilder von Merkel wie aus Oslo gab es nie wieder. Die Kanzlerin gewöhnte sich einen einheitlichen Stil aus Hosen und Blazern an. Für Fotos fand sie die Geste der Raute – gerade kopiert von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz auf dem Titel des «SZ-Magazins». Der italienische Designer Giorgio Armani konnte Merkels Mode durchaus etwas abgewinnen. «Ich fand ihren Stil immer interessant, ihre maßgeschneiderten Jacketts mit dazu passenden Hosen.» Der Stil strahle ruhige Selbstsicherheit aus, sagte Armani dem «Zeitmagazin». 

Weniger gnädig fiel seinerzeit das Urteil von Karl Lagerfeld aus. «Frau Merkel müsste so etwas für ihre speziellen Proportionen maßanfertigen lassen», sagte der Modeschöpfer 2013 dem «Focus». «Aber sie will ja keine Ratschläge, habe ich gehört.» Mit Merkels Flüchtlingspolitik ging Lagerfeld später hart ins Gericht. «Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen», sagte er 2017 in einem in Frankreich heftig diskutierten Interview im Fernsehen. 

In der Kulturwelt gibt es einige Menschen, die Merkel persönlich kennen und mögen. So wie der Schauspieler Ulrich Matthes, der sie auch als Theater-Kritikerin schätzt. «Die Gespräche mit Angela Merkel sind immer besonders ausführlich. Sie nimmt sich manchmal nach der Vorstellung lange Zeit und unterhält sich mit mir alleine eine Stunde nur über das Stück», erzählte Matthes dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. 

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer meinte bei der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr: «Am liebsten hätte man doch, sie würde nochmal kandidieren. Weil keiner von den Jungs bei der CDU wiegt so schwer wie Merkel.» Dabei zeigte Schwarzer etwas Distanz: «Ich halte es sehr gut aus, einerseits Merkel und ihre Rolle bemerkenswert und großartig zu finden und sie andererseits in gewissen Sachpunkten – wie zum Beispiel in ihrer gefährlich-naiven Haltung zum politischen Islam – zu kritisieren.» Sie könne durchaus auch jemanden schätzen, der Fehler mache.

Bergsteigerlegende Reinhold Messner kennt die Kanzlerin und ihren Mann Joachim Sauer vom Wandern. In der «Welt am Sonntag» erzählte er: «Angela Merkel ist zäh, nicht nur am Berg, auch im politischen Betrieb um sie herum. Man wird sie nicht so leicht kleinkriegen. Sie bleibt länger wach im Kopf, klarer als andere.» 

Merkel ist längst Stoff für Filme und Bücher, es gibt sogar ein Lied von Heino («Bilder im Kopf (Angie)»). Bestsellerautor David Safier dichtete ihr ein Leben als Hobbydetektivin «Miss Merkel» an. Das Szenario: Sie ist seit sechs Wochen in Rente und mit Mann und Mops in die Uckermark gezogen. Dort löst sie einen Kriminalfall. 

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hatte andere Ideen für Merkel als Seniorin: «Ich wünsche ihr, wenn sie in den Ruhestand geht, dass sie ein angenehmes Leben hat. Ich hoffe, dass sie in den Berliner Zoo geht und sich die Pandas dort anschaut.»

Merkel selbst hat bei ihrem USA-Besuch im Juli gesagt, sie wolle nach ihrer Amtszeit eine Pause einlegen und nachdenken, «was mich so eigentlich interessiert». In den vergangenen 16 Jahren habe sie dafür nur wenig Zeit gehabt. «Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.» 

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

selbstlob – self-praise

überliefert – passed on

ihretwegen – on account of her 

eingetreten – joined

belächelt – laughed at

wählten – voted for

sich behauptete – held her own

Beleidigungen – insults

souverän – classy manner

umgeht – handles

Physikerin – physicist

n.b. – Merkel holds a doctorate (Dr. rer. nat.) in quantum chemistry 

uneitle Klugheit – clever person

Schriftsteller – author

spulen ab – reel off

draufhaben – know

Zeuge – witnesses

Vorgänger – predecessor

n.b. – Brioni is a luxury menswear brand 

Pfunde – weight

verpasst – saddled with

Bestand – life

Absicht – intention

einheitlichen – uniform

abgewinnen – acquire a taste for

strahle – radiates

Selbstsicherheit – self- confidence

gnädig – gracious

Urteil – verdict

Modeschöpfer – fashion designer

Ratschläge – advice

Flüchtlingspolitik – migrant policy

Gericht – court

Feinde – enemies

ausführlich – comprehensive

Redaktion– – editors’

Frauenrechtlerin – women’s rights advocate

gewissen Sachpunkten – specific issues

gefährlich – dangerously

kleinkriegen – break

dichtete an – (wrongly) accused of 

Mops – pug

n.b. Uckermark – area of Brandenburg bordering Mecklenburg-Vorpommern & Poland

Ruhestand – retires

Amtszeit – time in office

zufallen – close

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*