19. März 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Die Angst gehört jetzt dazu» – Das Thema Krieg am Küchentisch

Der russische Angriff auf die Ukraine bestimmt auch in Deutschland die Alltagsgespräche von Familien. Die Angst vor dem Krieg ist zurück am Küchentisch.

Bayern, Geretsried: Ludwig (l-r), Anton, Karin, Georg, Xaver, Steffi, Simon, Anna und Kilian Schmid sitzen in ihrer Küche für ein Foto zusammen. Der russische Angriff auf die Ukraine bestimmt auch in Deutschland die Alltagsgespräche von Familien. Foto: dpa

Von Britta Schultejans,
Geretsried (dpa) – Vor sieben Jahren fand Ludwig Schmid seine Oma Anna zusammengekauert in einem Türrahmen in der Backstube des Familienbetriebes. Sie hatte eine Panikattacke bekommen, als die Militärflugzeuge, die den damaligen US-Präsidenten Barack Obama vom Münchner Flughafen zum G7-Gipfel auf Schloss Elmau bei Garmisch-Patenkirchen flogen, über den Ort donnerten.

Der Türrahmen ist noch Teil eines alten Bunkers; Anna Schmid hoffte in ihrer Panik, dort sicher zu sein. «Sie war damals emotional völlig aufgelöst. Und heute ist sie das wieder», sagt Ludwig Schmid.

Vier Generationen sitzen um den Küchentisch der Schmids im oberbayerischen Geretsried. Uroma Anna (Jahrgang 1929) ist die älteste, die jüngsten sind die fünfjährigen Zwillinge Xaver und Simon. Und nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist die Angst vor dem Krieg zurück an diesem Küchentisch.

«Es ist erst ein paar Jahre her, da haben mein Bruder und ich darüber gesprochen, dass unsere Eltern in ihrem Leben bestimmt keinen Krieg mehr auf deutschem Boden erleben werden», sagt der 44 Jahre alte Ludwig Schmid, der seiner Frau einst in St. Petersburg den Heiratsantrag machte und eigentlich gute, glückliche Erinnerungen hat an Russland.

«Und dass wir wahrscheinlich auch keinen mehr erleben – aber die Buben, meine Neffen, womöglich schon. Heute bin ich sicher, dass die Kinder einen erleben werden und mein Bruder und ich auch noch – und vielleicht sogar auch noch unsere Eltern.»

Die 92 Jahre alte «Uri», wie Anna Schmid von ihrer Familie genannt wird, hat den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt. Als er zu Ende ging, war sie noch keine 16 Jahre alt und heute hat sie wieder Angst, «dass die Flugzeuge kommen», sagt sie. Denn sie hat noch heute deutlich vor Augen, wie München zerbombt wurde, wie die Flugzeuge der Alliierten über Lenggries jagten, wo sie damals lebte.

Jahrzehnte nach Ende des Krieges reiste sie in einen entlegenen Winkel Russlands, nahm sich von Moskau aus ein Taxi, um zu dem Hunderte Kilometer von der Hauptstadt entfernten Ort zu gelangen, an dem ihr Vater damals im Krieg gefallen und begraben worden war. «Die Kirche und der Friedhof waren weg. Aber ein Einheimischer konnte sich an Gräber deutscher Soldaten erinnern und hat gezeigt, wo sie waren.»

Für viele alte Menschen sei die Situation jetzt besonders schwierig, sagt der Historiker Benjamin Ziemann, Universitätsprofessor im britischen Sheffield. «Meine Schwiegermutter, Jahrgang 1939, die bei Bielefeld wohnt, ist die Sorge über den Krieg – aus der Kriegskindheit gespeist – erst nach dem Untergang der Sowjetunion 1990 losgeworden, und jetzt bricht die Sorge bei ihr wieder auf.»
Karin Schmid (68) hat Tränen in den Augen bei dem Gespräch am Sonntagnachmittag. «Ich habe Angst vor einem Dritten Weltkrieg und ich habe Angst um meine Jungs», sagt sie. «Meine größte Angst ist, dass meine Söhne in den Krieg ziehen müssen. Mein Mann wird das ja wohl nicht mehr müssen, aber was ist mit den Jungs?» Sie sei im Kalten Krieg mit der Angst vor Russland aufgewachsen. «Und jetzt ist diese Angst wieder da.» 

Laut einer neuen Studie des privaten Augsburger Instituts für Generationenforschung ist die Sorge nach dem Einmarsch von Wladimir Putins Truppen in die Ukraine in der deutschen Bevölkerung in jedem Alter groß – am größten aber in der Gruppe der vor 1965 Geborenen. Mehr als 96 Prozent von ihnen haben in einer kürzlich durchgeführten Umfrage «große Bedenken» wegen des Ukraine-Konflikts.

Auch bei mehr als 95 Prozent der ganz Jungen (geboren zwischen 1996 und 2010) sind die Bedenken groß, bei den zwischen 1965 und 1975 Geborenen haben knapp 92 Prozent große Bedenken. Bei denen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, sind es gut 89 Prozent.

Wenn es um die Frage einer konkreten, persönlichen Bedrohung geht, empfinden diese die Jahrgänge zwischen 1980 und 1995 am größten. In der noch jüngeren Generation (1996-2010) fühlen sich im Generationenvergleich hingegen die wenigsten (gut 71 Prozent) direkt bedroht.

«Vor allem Eltern junger Kinder fühlen sich oft überfordert, mit den Kindern über den Krieg in der Ukraine zu sprechen», sagt Studienleiter Rüdiger Maas. «Wir sollten nichts verschweigen, aber die Informationen kindgerecht filtern und anpassen.»

In der Familie Schmid unterscheiden sich die Ängste: Ludwig (Jahrgang 1977) hat eher Angst vor einer atomaren Katastrophe, vor Radioaktivität, die alles verseucht. «Ich habe als Kind “Die Wolke” gelesen. Das beschäftigt mich heute noch.»

Davor, in den Krieg ziehen zu müssen, hat auch sein jüngerer Bruder Georg (41) keine Angst – «aber vor einem Atomschlag, davor große. Was wird denn dann aus den Kindern?» Drei hat er mit seiner Frau Steffi (41): die Zwillinge und deren zwei Jahre älteren Bruder Kilian.

Angst hätten die Jungs gehabt, als die Familie vor wenigen Tagen abends im Rahmen einer Solidaritätsaktion mit der Ukraine das Licht ausschaltete und es dunkel wurde im Haus, sagt Steffi Schmid. Und als sie dann am Tag darauf mit ihrer Cousine telefonierten, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren, hätten die Kinder gesagt: «Wenn Du Deinen Geburtstag feierst, dann aber bitte keine Kriegsfeier.»

«Ich glaube schon, dass ganz unabhängig von Generationen heute mehr Deutsche als je zuvor Angst vor einem Krieg in Europa haben, auch wenn die Bundesrepublik im Moment nicht direkt betroffen ist», sagt Historiker Ziemann. «Das würde auch erklären, warum – nach den ersten Umfragen zu schließen – die große Mehrheit der Bundesbürger den dramatischen Schwenk hin zu einer rüstungsbereiten Außenpolitik begrüßt, und zwar parteiübergreifend.»

Opa Anton (71) sagt nicht viel in dem Gespräch in Geretsried. Aber irgendwann zuckt er mit den Schultern: «Die Angst gehört eben jetzt wieder dazu.»

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Sport

Schwierige Zeiten: Paralympics in Peking enden mit deutschem Erfolg

Bei aller Freude über das starke Abschneiden der deutschen Mannschaft sind die Paralympics in Peking ein Kraftakt. Der Ukraine-Krieg, ein umstrittener Gastgeber und die Pandemie drücken auf die Stimmung. Am Ende wird IPC-Chef Parsons in Chinas Staatsmedien wieder zensiert.

Anna-Lena Forster aus Deutschland mit ihren zwei Silber- und zwei Goldmedaillen. Forster gewann Silber jeweils für Abfahrt und Super-G, sowie Gold jeweils für Slalom und Kombination in der sitzenden Klasse. Foto: dpa

Von Holger Schmidt und Andreas Landwehr
Peking (dpa) – Überschattet von Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie sind die Paralympischen Winterspiele am Sonntag in Peking mit einer symbolträchtigen Abschlusszeremonie zu Ende gegangen. In seiner Rede lobte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Andrew Parsons, die «glänzenden» Leistungen der Sportler in schwierigsten Zeiten». Er dankte den chinesischen Organisatoren für «atemberaubende, sichere und spektakuläre Spiele». Gastgeber China habe «Maßstäbe für alle zukünftigen Winterspiele gesetzt» und sei nun «ein paralympisches Wintersport-Powerhouse», sagte Parsons.

Die deutschen Sportler feierten ihr unerwartet starkes Abschneiden, nachdem sie mit 19 Medaillen so viele wie vor vier Jahren in Pyeongchang in Südkorea geholt hatten, wenn auch weniger Gold. Im Medaillenspiegel erreichte Deutschland Platz sieben. Wegen der russischen Invasion in die Ukraine, dem eingeschränkten Leben in der hermetisch abgeriegelten Corona-Blase war die Stimmung während der Spiele aber zeitweise gedrückt. Nach heftigen Kontroversen waren die Mannschaften aus Russland und Belarus vorher ausgeschlossen worden.

Der Paralympics-Chef, der bei der Eröffnung der Spiele seiner Empörung über den Ukraine-Krieg Luft gemacht hatte, gab sich zum Abschluss eher zurückhaltend. In seiner Rede im «Vogelnest» genannten Nationalstadion Chinas erwähnte der IPC-Präsident den Ukraine-Krieg nicht ausdrücklich. Die Sportler bezeichnete er als «Champions des Friedens, deren Taten mehr als Worte sagten». Die Spiele hätten Hoffnung geschürt auf «Inklusion, auf Harmonie und vor allem auf Frieden». Die Menschheit wolle «in einer Welt des Dialogs leben».

Trotz der wenigen politischen Anspielungen wurde seine Rede in der Übersetzung des Staatsfernsehens wie bei der Eröffnung wieder zensiert, indem umschrieben und das Wort «Frieden» vermieden wurde. Statt «in schwierigsten Zeiten» sagte der Übersetzer, die Sportler selbst hätten «Schwierigkeiten überwunden», was eher auf persönliche Anstrengungen abzielt. «Hoffnung auf Frieden» wurde mit «Hoffnungen, eine große Familie zu werden» übersetzt. Die Formulierung «Champions des Friedens» fehlte völlig. Das passt dazu, dass Staatsmedien in China Wörter wie «Krieg» in der Ukraine oder «Invasion» vermeiden und wie in Russland nur von «spezieller Militäroperation» sprechen.

Die erst 18-jährige Goldmedaillengewinnerin im Biathlon, Leonie Walter, trug mit ihrem Guide Pirmin Strecker die deutsche Fahne ins Stadion. Unter den ersten Athleten, die ins Stadion einzogen, waren auch zwei Mannschaftsmitglieder der Ukraine, die die gelbblaue ukrainische Fahne schwenkten. Das chinesische Team repräsentierte die dreifache Goldmedaillengewinnerin im Skilanglauf, Yang Hongqiong (32). China führt mit großem Vorsprung den Medaillenspiegel an – obwohl es zuvor nur eine einzige Medaille im Curling geholt hatte.

Wie schon bei Olympia im Februar und 2008 bei den Sommerspielen in Peking arrangierte der chinesische Starregisseur Zhang Yimou nach der Eröffnung auch die Schlusszeremonie. Die Feier fand auf einem bildschirmähnlichen Stadionboden aus LED-Lampen statt. Auf eine 55 Meter große Fläche wurde ein gigantischer Plattenspieler projiziert.

Nach den Kontroversen im Vorfeld der Spiele um Menschenrechtsverstöße in China, dem Säbelrasseln gegenüber dem freiheitlichen Taiwan oder der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong blicken Sportler und Verantwortliche auf politisch eher unbelastete Gastgeber in der Zukunft: Die nächsten Winterspiele werden 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo ausgetragen. 2024 finden in Paris die Sommerspiele statt.

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Feuilleton

Dresdner Solidaritätskonzert für die Ukraine bringt 20 000 Euro ein

Staatskapelle Dresden. Foto: Matthias Creutziger/dpa

Dresden (dpa) – Das Solidaritätskonzert für die Ukraine in Dresden hat am vergangenen Sonntag (6. März) einen Spendenerlös von 20 000 Euro eingebracht. Allein bei den im Schauspielhaus aufgestellten Spendenboxen wurden gut 8000 Euro gezählt, aber auch online wurde rege und großzügig gespendet, teilte das Staatsschauspiel am Dienstag mit. «Dass die Veranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt war und eine solch außergewöhnlich hohe Summe zusammengekommen ist, zeigt die enorme Solidarität der Dresdner Stadtgesellschaft mit der Ukraine», erklärte Mathias Anderson, Geschäftsführer des Vereins arche noVa – Initiative für Menschen in Not.

Das Konzert präsentierte die Vielfalt ukrainischer Musik – von klassischer Musik über alte ukrainische Volkslieder bis hin zu Weltmusik und Jazz. Neben Künstlerinnen und Künstlern aus der Ukraine beteiligten sich unter anderem Mitglieder der Dresdner Musikhochschule, des Staatsschauspiels Dresden, der Semperoper sowie der Sächsischen Staatskapelle Dresden an dem Programm. Die Spenden des Konzerts kommen dem Dresdner Verein arche noVa zugute, der seit einigen Jahren in der Ostukraine mit lokalen Partnern kooperiert.

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Gesundheit/Umwelt

Kindergesundheit: Mehr Impfungen, weniger Medikament

Immer mehr Kleinkinder erhalten bis zu ihrem zweiten Geburtstag alle 13 von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Berlin (dpa) – Immer mehr Kleinkinder erhalten bis zu ihrem zweiten Geburtstag alle 13 von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. Das zeigt ein aktueller Bericht der Techniker Krankenkasse (TK), der jedoch nur Daten dort versicherter Kinder enthält. Von den im ersten Halbjahr 2019 geborenen Kindern wurden demnach 51,9 Prozent innerhalb der ersten zwei Jahre gegen Krankheiten wie Masern, Röteln und Keuchhusten geimpft. Unter den 2016 Geborenen hatten zu diesem Zeitpunkt nur 46,7 Prozent alle Impfungen erhalten.

Zeitgleich geht die Quote der gänzlich ungeimpften Kinder zurück. Während unter den 2016 geborenen TK-Versicherten noch 3,5 Prozent in den ersten zwei Lebensjahren keine einzige Impfung erhalten haben, waren es bei den in der ersten Hälfte von 2019 geborenen Kindern nur 2,8 Prozent.

Der TK-Bericht identifiziert zudem einen deutlichen Rückgang bei den Verordnungen von Arzneimitteln. Im Jahr 2020 haben Ärztinnen und Ärzte den TK-versicherten Kindern unter 12 Jahren fast 40 Prozent weniger Medikamente verordnet als noch 2019. Stark eingebrochen sind beispielsweise die Verschreibungen von schmerz- und fiebersenkenden Wirkstoffen wie Ibuprofen und Paracetamol. Vor der Pandemie bekamen noch 45 Prozent der Kinder mindestens einmal im Jahr ein solches Mittel verordnet, im ersten Pandemiejahr waren es nur noch 29 Prozent.

Auch die Antibiotika-Nutzung ging zurück: Im ersten Jahr der Pandemie haben Kinder beispielsweise 64 Prozent seltener den antibiotischen Wirkstoff Amoxicillin verschrieben bekommen. «Das überrascht uns nicht», sagt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. In der Pandemie seien wegen der Corona-Schutzmaßnahmen auch viele typische Kinderkrankheiten zurückgegangen.

Die selteneren Arzneimittel-Verordnungen sind jedoch nicht allein an Covid-19 gekoppelt. Einen leicht rückläufigen Trend erkennt die TK in ihren Daten schon seit einigen Jahren.

Bei Psychopharmaka sieht es hingegen anders aus: Immer mehr Kinder und Jugendliche bekommen Medikamente zur Behandlung von psychischen Krankheiten. 2020 haben bei den TK-Versicherten zwischen 6 und 11 Jahren 2,6 Prozent eine solches Mittel verschrieben bekommen – das ist ein leichtes Plus von 0,3 Prozentpunkten.

Im selben Zeitraum stieg die Quote bei den 12 bis 17-Jährigen von 3,5 Prozent auf 4,3 Prozent.

Am häufigsten verordneten Mediziner den Kindern und Jugendlichen Antidepressiva und Mittel gegen ADHS. Zwischen Mädchen und Jungen gibt es hierbei laut TK-Bericht große Unterschiede. Jungen bekommen etwa dreimal häufiger Medikamente gegen ADHS, Mädchen hingegen wird mehr als 2,5 mal so oft ein Antidepressivum verschrieben.

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Reise

Córdoba in Andalusien

Die rotweißen Doppelbögen prägen im Innern das Bild der Mezquita von Córdoba. 
Foto: Andreas Drouve/dpa

Córdoba (dpa) – Wer Córdoba hört, denkt an die Mezquita. Im Mittelalter war sie die Hauptmoschee der Mauren, heute ist das Weltkulturerbe mit seinen Bogenhallen ein Muss auf Reisen durch Spaniens Süden. Doch Córdoba ist auch der Name der Provinz. Hier im Inland Andalusiens verbergen sich einige Schätze wie die Moschee-Kathedrale Mezquita.

Ab dem Jahr 1236, als Córdoba von den Mauren zurückerobert wurde, funktionierten die Vertreter der katholischen Kirche schrittweise alles um. Sie machten das Minarett der Mezquita zum Glockenturm und fällten einen Teil der Säulenwälder. Um 785 unter Córdobas erstem Emir Abd ar-Rahman I. begonnen und später mehrfach erweitert, setzte die Hauptmoschee mit ihren Gebetshallen Maßstäbe: Säulen aus Marmor, Jaspis, Porphyr, Granit. Rotweiße Doppelbögen, dazwischen Dämmerlicht und Schatten. Ganz vorne die Gebetsnische, Mihrab genannt, die samt ihrem Vorraum mit Zier überwältigt: Arabesken, Mosaike, kunstvolle Schriftbänder an den Wänden. Schwerelos scheinen Säulen und Bögen ins Unendliche zu treiben. Die Mezquita ist eine Verbeugung vor der Baukunst besiegter Andersgläubiger.

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So geht Schneeschuhwandern für Anfänger

Das Profil von Schneeschuhen sollte nicht bloß Dornen, sondern auch Zacken haben. Foto: Sebastian Willnow/dpa

Von Andreas Drouve
Berlin (dpa) – Plötzlich muss man breitbeinig laufen wie einst Westernheld John Wayne, als sei er gerade vom Pferd gestiegen. Mit ungewohnter Auflagefläche von etwa 40 mal 20 Zentimetern unter den Schuhen. Man entfernt sich von Wegen und Pisten, tritt die eigene Spur in dicht verschneite Wälder und fühlt sich vollends im Einklang mit der Natur: Das ist das Schneeschuhwandern.

Zwei Profis aus der Tiroler Urlaubsregion Kaiserwinkl geben Tipps für Anfänger: die Bergführer Miriam Kitzbichler und Andreas Schwentner. Für Schwentner sind die Lust an der Bewegung und Winterbekleidung alles, was man für den Sport braucht. Doch es geht auch um Schuhwerk, Technik und die Anforderungen an das Gelände.

Kleidung und Vorbereitung
Fürs Schneeschuhgehen braucht es nicht zwingend einen Kurs. Und, wie beim Wandern auch, braucht es zudem nur wenig Ausrüstung, um die Natur zu erkunden. Standard beim kälteresistenten Outfit sind, wie Miriam Kitzbichler es trägt: ein Funktionsshirt für den Winter, eine Daunenjacke und eine Skitourenhose. Dazu Mütze, Handschuhe, Halstuch, bei Bedarf eine Sonnenbrille und Sonnencreme.

Wer auf Nummer sicher gehen mag: Zur Einführung ins Schneeschuhwandern gibt es etwa halbstündige Schnupperkurse, bei denen man unter Anleitung «ein bisschen im Flachen herumstapft und die Schneeschuhe ausprobiert», sagt Schwentner.

Schnupperkurse seien mitunter kostenlos, sofern Teilnehmer gleichzeitig eine kurze Anschlusstour oder eine Halbtagestour beim selben Anbieter buchen. Diese kosten dann ab etwa 25 Euro aufwärts. Alternative: einfach Schneeschuhe und Stöcke ausleihen. In Tirol kostet das etwa sieben Euro pro Tag.

Das Thema Schuhwerk betrifft gleich zwei wichtige Ausrüstungskomponenten: Denn man nutzt die eigenen Schuhe, um in die Schneeschuhe reinzuschlüpfen – und beide Modelle sollten gewisse Anforderungen erfüllen.

Die Guides empfehlen knöchelhohe, gut eingelaufene, möglichst wasserabweisende Wanderschuhe. «Niedrige Schuhe wie Laufschuhe kann man vergessen», sagt Schwentner, «denn dann fällt oben Schnee rein und man bekommt kalte Füße.» Anfänger könnten so schnell den Spaß verlieren.

Wer sich gleich selbst Schneeschuhe zulegen möchte, sollte beim Kauf ausschließlich welche aus Hartplastik ins Visier nehmen, rät Andreas Schwentner. Um auf dem Schnee den richtigen Halt zu haben, empfiehlt er Schneeschuhe mit zackiger Sohle. Exemplare mit kleinen Dornen seien zum Bergauf- und Bergabgehen weniger gut geeignet.

Zudem braucht der Schneeschuh vorne eine Aufschanzung, er sollte also nach oben gebogen sein. «Ist er flach, sticht man immer in den frischen Schnee ein.» Das bremst aus.

Die Technik beim Schneeschuhwandern ist schnell erklärt: breitbeinig gehen und nur kleine Schritte machen. Der breitbeinige Laufstil ist wichtig, damit man sich nicht selbst auf die Schneeschuhe steigt und fällt. Die kleinen Schritte, damit die Sohlen den maximalen Halt im Schnee aufbauen können. «Wenn die Schritte zu groß werden, greifen die Zacken nicht mehr richtig, und man kann stolpern», sagt Schwentner.

Der Einsatz von Stöcken unterstütze beim gemächlichen Schritt. Denn das Tempo beim Schneeschuhwandern sollte weniger als vier Kilometer pro Stunde betragen.

Andreas Schwentner rät: Nicht in zu steilem Gelände laufen. Denn selbst mit Schneeschuhen rutsche man dann mit jedem Schritt ein Stück zurück, der Körper muss also mehr arbeiten. Wer dennoch einen steilen Hang vor sich hat, sollte diesen nicht auf dem direkten Weg bezwingen. Der Bergführer empfiehlt stattdessen, in Zickzack-Kurven zu gehen.

Auf dem Weg nach unten spreche hingegen nichts gegen den direkten Weg. Das Schneeschuhprofil forme einen Schneekeil, der Wanderer vor dem Abrutschen schützt, sagt Schwentner. In der Praxis ist das erstaunlich entspannt.

Außerdem sollten Schneeschuhwanderer Tierfütterungsstellen sowie Quellschutz- und Aufforstungsgebiete meiden und diese besser weitläufig umgehen, sagt Miriam Kitzbichler.

Schneeschuhe erlauben den Zugang zu Gebieten, die mit normalem Schuhwerk oder mit Ski nur schwer zu erreichen sind. Für Miriam Kitzbichler steigt der Erlebniswert, wenn sie bei der Wanderung Tierspuren entdeckt – etwa von Füchsen, Hasen, Rehen, Eichhörnchen oder Gämsen. Und sie schätzt es, achtsam auf dem Schnee zu gehen, und den Geräuschen der Fußstapfen zu lauschen, die zum Beispiel auf dem härteren Schnee im Wald ganz anders klingen als anderswo.

Andreas Schwentner gefällt beim Schneeschuhwandern besonders die Einsamkeit und die Stille. Er rät Anfängern dazu, ihren eigenen Weg zu finden, neue Spuren in den Schnee zu setzen. «Wenn man auf Winterwanderwegen oder an der Seite von präparierten Pisten geht, wird man den Spaß vom Schneeschuhwandern nie spüren», sagt er.

Wer seine Tour durch den Schnee in Eigenregie planen möchte, kann sich beim jeweiligen Tourismusverband Tipps einholen. Essenziell ist laut Kitzbichler, dass man vorab Orientierungspunkte auf der Strecke recherchiert und sich den Rückweg gut anschaut. Denn: «Wenn alles weiß und überall Wald ist, kann die Orientierung schwierig werden.» Alternativ zur Nutzung von GPS empfiehlt die Tourismusexpertin, eine altmodische Wanderkarte einzupacken.

Für Anfänger hält Andreas Schwentner Touren von bis zu zwei Stunden bei einer überschaubaren Anzahl an Höhenmetern für ideal. Wer eine Gipfelbesteigung plant, sollte nicht ohne heimischen Führer los, sagt der Experte.

Ein Tagesrucksack mit einem schützenden Ersatzkleidungsstück für Schlechtwetter ist unverzichtbar. Bergführerin Miriam Kitzbichler hat außerdem immer eine kleine Thermoskanne mit gesüßtem Tee dabei und oft eine Stirn- oder Taschenlampe, falls sie in die Dunkelheit gerät. Als Energiespender schwört sie auf Traubenzucker, Andreas Schwentner setzt auf Müsliriegel und Trockenfrüchte. Um unterwegs einen gerissenen Schneeschuhriemen oder einen losen Wanderstock zu reparieren, kann es zudem hilfreich sein, ein paar Kabelbinder und Klebeband dabei zu haben.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Proben für die tierischen Darsteller der Passionsspiele starten

Im Mai feiern die Passionsspiele in Oberammergau Premiere – mit dabei sind auch einige tierische Mitspieler.

Oberammergau: Bauer Toni Scholler und Besitzerin Elke Kerler stehen 2020 mit dem katalanischen Riesenesel Sancho (l) und Kamelen Nalani und Mirell. Sancho hat die Hauptrolle unter den Tieren. Er soll Jesus bei den Passionsspiele tragen. Die Premiere war 2020 wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. Nun sind Sancho und zwei Kamele für den zweiten Anlauf zur Passion eingetroffen Foto: dpa

Oberammergau (dpa) – Pferde, Ziegen, Schafe, Enten, Kamele und ein katalanischer Riesenesel: Das sind nicht etwa die Bewohner eines Streichelzoos, sondern Mitwirkende der berühmten Passionsspiele in Oberammergau. Zweieinhalb Monate vor der für den 14. Mai geplanten Premiere sind mehrere tierische Mitspieler in dem Passionsspielort eingetroffen und werden nun nach Angaben einer Sprecherin bei den Proben für die gut fünfstündige Aufführung aneinander gewöhnt.

Die Tiere sind an einigen zentralen Szenen des berühmten Laienspiels vom Leben, Sterben und von der Auferstehung Jesu beteiligt. Die Tauben werden etwa bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel gebraucht. Sie werden dabei freigelassen – und fliegen heim. Weit haben sie es nicht: Sie stammen aus Oberammergau und leben unweit des Theaters. Auch die Ziegen, Schafe, Enten und Hühner sind bei der Tempelszene dabei, sie sind alle aus dem Dorf. Die Pferde kommen aus dem Nachbarort Unterammergau und bekommen für jede Vorstellung einen Shuttle-Service.

Die Hauptrolle hat Sancho. Der Esel soll Jesus beim Einzug nach Jerusalem tragen. Trotz früherer Bedenken der Tierschutzorganisation Peta erteilten die Behörden eine Genehmigung für den Einsatz eines Esels auf der Bühne. Das betreffende Tier müsse aber für die Aktion geeignet und stark genug sein. Obwohl beide Jesusdarsteller schlank sind, wählte man vorsorglich einen katalanischen Riesenesel für den Auftritt.

Pilatus und Herodes wiederum reiten bei ihren Auftritten teils auf Pferden. Wenn sie gemeinsam mit Kamelen auf der Bühne stehen, sei das eine Herausforderung, sagt eine Sprecherin der Passionsspiele. «Pferde kennen Kamele nicht – und haben Respekt vor ihnen.» Damit es auf der Bühne ruhig abläuft, müssen die Tiere nun bei den Proben aneinander gewöhnt werden.

Die Passionsspiele in Oberammergau werden alle zehn Jahre aufgeführt. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die für 2020 geplanten Spiele um zwei Jahre verschoben werden. Sie sollen nun vom 14. Mai bis 2. Oktober stattfinden.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Darsteller – performer
Ziegen – goats
Schafe – sheep
Enten – ducks
Riesenesel – giant donkey
Streichelzoos – petting zoo
Mitwirkende – performer
Eingetroffen – arrived
Proben – rehearsals
Laienspiels – amateur play
Auferstehung – resurrection
beteiligt – take part
Tauben – doves
Vertreibung – shooing
Händler – trainer
freigelassen – freed
unweit – not far
Nachbarort – neighboring town
Vorstellung – performance
Hauptrolle – main role
Einzug – entry
trotz – despite
Bedenken – doubts
erteilten – gave
Genehmigung – permission
Einsatz – use
geeignet – appropriate
stark genug – strong enough
schlank – slender
wählte – chose
vorsorglich – as a precaution
Auftritt – appearance
wiederum –on the other hand
gemeinsam – together
Bühne – stage
Herausforderung – challenge
abläuft – proceeds
aneinander – to each other
gewöhnt – accustomed
aufgeführt – presented
verschoben – postponed
stattfinden – take place

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*