19. September 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Reim, Roberts, Roy Black: Das Einheitsjahr ‘90 in Pop, Kino, TV

Am 3. Oktober jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 30. Mal. Was war 1990 eigentlich in Musik, Film und Fernsehen angesagt? Eine Zeitreise zu Matthias Reim, Julia Roberts und Roy Black.

Rom: Die deutsche Mannschaft jubelt über den Gewinn der Fußball-WM im Olympiastadion von Rom. Von links: Andreas Brehme, Pierre Littbarski, Jürgen Klinsmann, Bodo Illgner und Jürgen Kohler (beide Hintergrund), Rudi Völler, Thomas Häßler, Guido Buchwald und Thomas Berthold. Foto: dpa

Von Gregor Tholl
Berlin (dpa) – Weder «Looking For Freedom» noch «Wind Of Change» waren im Jahr der Wiedervereinigung Nummer eins der deutschen Charts. Das mag manchen überraschen – aber der von David Hasselhoff gesungene Song war schon 1989 ein Hit und der Scorpions-Ohrwurm erst 1991. Doch was prägte 1990, im Jahr der Einheit, Lebensgefühl und Popkultur in Deutschland? Eine kleine Zeitreise, die unter anderem zu Matthias Reim, Julia Roberts und Roy Black führt. Oder kurz: «Verdammt, ich lieb… Pretty Woman… am Wörthersee».

MUSIK: Sieben Nummer-eins-Hits gab es 1990 – der Musikmarkt war weniger schnelllebig als heute, Lieder standen oft monatelang an der Chartsspitze. Am längsten – 16 Wochen, von Mai bis September – blieb Matthias Reim mit seinem Liebeskummer-Hit «Verdammt, ich lieb’ Dich» auf Platz eins. Immerhin elf Wochen schaffte es vorher – von März bis Mai – Sinéad O’Connor mit «Nothing Compares 2 U». Am Jahresanfang und insgesamt zehn Wochen stand Phil Collins mit «Another Day In Paradise» auf dem ersten Platz. Der offizielle Sommerhit 1990 war «U Can’t Touch This» von MC Hammer. Und am 3. Oktober – als die Deutsche Einheit vollzogen wurde – war «Tom’s Diner» von DNA & Suzanne Vega auf der Eins. Zum Mauerfall im November 1989 hatte dort hingegen ein sommerlicher Song gestanden: «Lambada» von Kaoma.

KINO: Weltweit war 1990 «Ghost – Nachricht von Sam» mit Patrick Swayze und Whoopi Goldberg der umsatzstärkste Film. In Deutschland erreichte die Fantasy-Thriller-Komödie nur Platz sechs mit knapp vier Millionen Zuschauer. Davor lagen die schwarze Ehekomödie «Der Rosenkrieg», die Disney-Animation «Arielle – Die Meerjungfrau», der Zeichentrickfilm «Werner – Beinhart!» und die Baby-Komödie «Kuck mal, wer da spricht!». Mit mehr als zehn Millionen Kinozuschauern – und damit mehr als doppelt so vielen wie der zweitplatzierte Film – war «Pretty Woman» einsame Spitze in den Kino-Jahrescharts. In der Liebeskomödie von Garry Marshall verguckt sich der Millionär Edward Lewis (Richard Gere) in die naive Prostituierte Vivian (Julia Roberts) und wandelt sich vom Finanzhai zum sozialen Wohltäter.

Bis heute gibt es in Beverly Hills im Luxushotel «Beverly Wilshire» an der edlen Shoppingmeile Rodeo Drive, in dem weite Teile des Films spielen, den Drink «Pretty Woman» an der Bar. Er besteht unter anderem aus Champagner, Wodka und Pfirsichlikör. Bei jeder TV-Ausstrahlung – etwa an Weihnachten – ist «Pretty Woman» noch heute ein Quotenhit. Die Lacher sind sicher gesetzt, etwa wenn Vivian beim Dinner die Schnecken «schlüpfrige kleine Scheißerchen» nennt.

FERNSEHEN: Mit Abstand die meisten Zuschauer vor den Fernsehgeräten vereinte Deutschlands Sieg bei der Fußball-WM. Sensationelle 88 Prozent Marktanteil und 28,7 Millionen Zuschauer wurden am 8. Juli 1990 in der Bundesrepublik für die ARD-Übertragung des Spiels in Rom gemessen. Deutschland besiegte Argentinien mit 1:0.

Von der damals erfolgreichsten Fernsehshow «Wetten, dass..?» gab es 1990 sechs Ausgaben. Die ZDF-Samstagabendshows mit Thomas Gottschalk kamen aus Wiesbaden, Duisburg, Hof, Saarbrücken, Linz und Emden. Gäste waren Stars wie Witta Pohl, Mickey Rourke und Grace Jones, Siegfried und Roy, Lotti Huber und Karl Lagerfeld. Zu den präsentierten Hits gehörten «Se Bastasse Una Canzone» von Eros Ramazzotti und «Freiheit» von Marius Müller-Westernhagen.

Eine kleine Sensation war die erste Serie des deutschen Privatfernsehens: Bei RTL (damals noch RTLplus) ging am 17. Oktober «Ein Schloß am Wörthersee» auf Sendung. Die Hauptrolle spielte der mit dem Schlager «Ganz in Weiß» populär gewordene Sänger Roy Black. Auf 34 Folgen kam die deutsch-österreichische Fernsehserie bis 1992. Nach Roy Blacks Tod im Jahr 1991 übernahm Uschi Glas die Hauptrolle.

Der «Tatort» lief 1990 nur elfmal, darunter ein Krimi mit der noch heute aktiven Ermittlerin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und vier mit Kultkommissar Horst Schimanski. Der außergewöhnlichste Krimi war der Fall «Unter Brüdern» vom 28. Oktober. In der deutsch-deutschen Koproduktion von DFF und ARD aus den Reihen «Polizeiruf 110» und «Tatort» trafen die Kommissare Fuchs und Grawe aus dem Osten (Peter Borgelt und Andreas Schmidt-Schaller) auf Schimanski und Thanner aus dem Westen (Götz George und Eberhard Feik).

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Sport

Zeverevs Traum vom Grand-Slam-Titel geplatzt: Niederlage gegen Österreicher Thiem

Dominic Thiem (l) aus Österreich und Alexander Zverev aus Deutschland klatschen nach dem Spiel ab. Foto: dpa

Von Lars Reinefeld und Wolfgang Müller
New York (dpa) – Alexander Zverev hat den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere nach einem nervenaufreibenden Fünf-Satz-Match knapp verpasst. Der 23 Jahre alte Tennisprofi verlor am Sonntagabend in New York im Endspiel gegen den Österreicher Dominic Thiem trotz einer 2:0-Satzführung noch in fünf Durchgängen und vergab die große Chance auf den ersten deutschen Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere seit Boris Becker 1996 bei den Australian Open.

Zverev musste sich nach 4:01 Stunden mit 6:2, 6:4, 4:6, 3:6, 6:7 (6:8) geschlagen geben. Für den 27 Jahre alten Thiem war es im vierten Anlauf der erste Grand-Slam-Sieg. Er ist der erste Spieler seit 16 Jahren, der in einem Endspiel nach einem 0:2-Satzrückstand noch den Titel holen konnte. Im Tiebreak nutzte der von Krämpfen geplagte Österreicher seinen dritten Matchball.

Thiem ist der erste Grand-Slam-Champion seit dem Schweizer Stan Wawrinka bei den US Open 2016, der nicht Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Roger Federer heißt. Nadal und Federer hatten in diesem Jahr auf einen Start in Flushing Meadows verzichtet, Djokovic war im Achtelfinale disqualifiziert worden, weil er eine Linienrichterin im Frust mit dem Ball abgeschossen hatte. Damit war der Weg frei für einen Sieger außerhalb der Großen Drei. Zverev vergab die große Gelegenheit, während Thiem sich seinen großen Traum endlich erfüllte. Im zehnten Duell der Beiden war es Zverevs achte Niederlage.

Am Ende der mehrstündigen Achterbahn-Fahrt ließ sich Thiem rücklings auf den blauen Hartplatz fallen und schlug die Hände vors Gesicht. Zverev ging auf die andere Seite des Netzes, gratulierte seinem Kontrahenten fair und umarmte ihn nicht ganz Corona-kompatibel.

Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker hatte sich vor dem mit großer Spannung erwarteten Finale optimistisch gezeigt, dass Zverev im ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere die Gunst der Stunde nutzen würde – und lange sah es auch danach aus. «Das Halbfinale bei den Australian Open war sehr wichtig für ihn und für sein Selbstvertrauen. Es gibt keinen Grund, warum er das Spiel heute nicht gewinnen sollte», sagte der Experte des TV-Senders Eurosport. Zahlreiche frühere Top-Athleten wie Sven Hannawald, Fabian Hambüchen oder Anni Friesinger-Postma hatten Zverev vor der Partie in Videobotschaften Glück gewünscht, auch der FC Bayern wünschte dem bekennenden Fan des Triple-Siegers alles Gute.

Zverev legte im wegen der strengen Hygienebedingungen fast menschenleeren Arthur Ashe Stadium einen fulminanten Start hin. Anders als noch in den beiden Partien zuvor, als die deutsche Nummer eins abwartend und zögerlich begann und den ersten Satz stets verlor, war Zverev von Beginn an voll da und überraschte seinen Kumpel Thiem mit aggressivem und mutigem Tennis. Zum 2:1 nahm Zverev dem sichtlich nervösen Österreicher den Aufschlag ab, zum 5:2 gelang ihm ein weiteres Break. Nach gerade einmal einer halben Stunde holte sich Zverev den ersten Satz mit 6:2.

Der gebürtige Hamburger nahm den Traumstart aber gelassen hin. Etwas ungläubig schaute er zu seinem vier Jahre älteren Gegner, den er im Vorfeld als «meinen besten Kumpel auf der Tour» bezeichnet hatte. Zverev blieb hochkonzentriert und ließ sich auch von der Tatsache, dass sich Thiem offenkundig nicht so gut bewegte wie normal, nicht aus der Ruhe bringen.

Auch zu Beginn des zweites Abschnitts gelang ihm zum 2:1 ein schnelles Break, Zverev bestimmte das Geschehen nach Belieben. Die deutsche Nummer eins zog auf 5:1 davon, bekam es dann aber offenkundig mit den Nerven zu tun. Die Nummer sieben der Welt ließ vier Satzbälle aus und verlor zum ersten Mal in diesem Match ebenfalls sein Service. Thiem witterte nun seine Chance, auch weil Zverev nun einige leichte Fehler unterliefen. Doch Zverev behielt die Nerven und holte sich mit dem fünften Satzball Durchgang Nummer zwei.

Doch nur noch einen Satz vom großen Traum entfernt, wurde Zverev immer nervöser. Aggressivität und Selbstverständlichkeit gingen verloren, die Fehlerquote stieg. Da auch Thiem weiter deutlich unter seinem Niveau blieb, entwickelte sich ein Endspiel auf phasenweise mäßigem Niveau. Thiem profitierte davon und holte sich den dritten Satz. Zverev wirkte aber zunächst nicht geschockt und hielt den vierten Durchgang offen. Beide Spieler steigerten sich nun wieder und lieferten sich jetzt endlich einen packenden Schlagabtausch.

Thiem schaffte den Satzausgleich und ging auch im entscheidenden Satz mit einem Break in Führung. Doch Zverev zeigte wie so oft ein großes Kämpferherz und nahm Thiem postwendend ebenfalls den Aufschlag ab. Lautstark pushte sich die deutsche Nummer eins nach vorne und ging wieder in Führung. Zum 5:3 schaffte er das Break, kassierte aber sofort wieder das Re-Break zum 5:4. Es war nun ein endlich ein hochklassiges Match, das im Tiebreak ein würdiges Ende fand – mit dem Finale furioso für den von Krämpfen geplagten Thiem.

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Feuilleton

Staatskapelle Berlin feiert 450 Jahre

Dirigent Daniel Barenboim und die Berliner Staatsoper veranstalten vor der Staatsoper ein Open-Air-Konzert.
Foto: Tobias Schwarz/dpa

Von Esteban Engel
Berlin (dpa) – Eines der ältesten Orchester in Deutschland hat runden Geburtstag: Die Staatskapelle Berlin, das Orchester der Staatsoper Unter den Linden, wird 450 Jahre alt. Mit einem Konzert unter der Leitung ihres Chefdirigenten Daniel Barenboim und einer Festrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde am 11. September im großen Saal der Staatsoper gefeiert. Das Konzert wurde auf arte Concert live gestreamt und im Arte-Fernsehen übertragen. Auf dem Programm standen unter anderem Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie und Jörg Widmanns Auftragswerk «Zeitensprünge – 450 Takte für Orchester». Eine Ausstellung im Apollo-Saal zeichnet die Orchestergeschichte nach.

Die Staatskapelle blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Gegründet wurde sie 1570 als Kurbrandenburgisches Hoforchester von Fürst Joachim II. Über Kriege, politische Umbrüche und Wirtschaftskrisen hinweg entwickelte sich die Kapelle zum berühmtesten Orchester der deutschen Hauptstadt – neben den Berliner Philharmonikern. Erst gut 170 Jahre nach Gründung des Orchesters bekam die Hofkapelle 1742 auch das Opernhaus Unter den Linden.

Ob der Mauerbau 1961, der durch den Weggang vieler Musiker in den Westen große Lücken im Orchester riss, oder der Mauerfall 1989, mit dem die Staatskapelle neue Perspektiven bekam – das Orchester stand immer im Zentrum der Politik.

Nach der Wende war die Zukunft der Staatsoper keineswegs sicher, aber der Bund stieg neben dem Land Berlin als Geldgeber für die Staatskapelle ein.

Das Orchester ernannte den argentisch-israelischen Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim (78) im Jahr 2000 zu seinem Chef auf Lebenszeit. Unter ihm wurde die Staatskapelle so etwas wie die Botschafterin für den «german sound».

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Gesundheit

Regelmäßige Corona-Gurgeltests an Österreichs Schulen geplant

Martina Fondi vom FH Campus Wien demonstriert einen Gurgeltest bei einer Pressekonferenz zum Schulbeginn.           Foto: Roland Schlager/APA/dpa

Wien (dpa) – Corona-Tests mit Gurgelwasser bei Schülern und Lehrern sollen in Österreich ab Herbst einen Überblick über die Infektionslage an Schulen liefern. Eine repräsentative Gruppe von 15 000 Schülerinnen und Schülern und 1200 Lehrkräften an 250 Schulen soll alle drei Wochen getestet werden, um auch symptomfreie Fälle zu erfassen, wie Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kürzlich in Wien ankündigte. Dabei wird für die Tests statt des bislang üblichen Rachenabstrichs ein Gurgelverfahren benutzt, das von Forschern in Wien entwickelt und im Frühsommer getestet wurde.

Dabei muss eine Minute lang mit einer speziellen Salzlösung gegurgelt werden, damit wie bei einem Abstrich Partikel aus dem Rachen hängen bleiben. Die Probe wird anschließend in einem Labor auf Virenerbgut analysiert. Nach Angaben der Forscher können zehn Proben auf einmal getestet werden. Fällt der Befund positiv aus, werden die Proben nochmal einzeln analysiert.

In einer Pilotstudie im Frühjahr, bei der 5100 Schüler und Lehrer in Wien getestet wurden, habe das Gurgeln vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert, sagte der Mikrobiologe und Studienleiter Michael Wagner von der Universität Wien. Das Gurgeln sei deutlich angenehmer und für Kinder beherrschbar: Selbst unter den Erstklässlern lieferten 80 Prozent demnach perfekte Proben.

Ein Testverfahren mit Gurgellösung prüft in Deutschland derzeit auch etwa die Stadt Köln. Falls sich das Verfahren als so zuverlässig wie der Abstrich erweise, solle das Gurgeln in Köln weitgehend den unangenehmeren Nasen-Rachenabstrich ersetzen, kündigte das dortige Gesundheitsamt an. Das Robert Koch-Institut (RKI) äußerte sich bezüglich der Methode zunächst zurückhaltend. «Die Sensitivität wird in der Regel als geringer eingeschätzt als bei einem guten Abstrich», sagte eine RKI-Sprecherin dem «Tagesspiegel».

Das Monitoringprogramm in Österreich sei als Ergänzung der klassischen Tests durch die Gesundheitsbehörden angedacht, betonte Bildungsminister Faßmann. Die Schulen in Österreich sollen Anfang September im Regelbetrieb starten. Ein geplantes vierstufiges Ampel-Warnsystem soll dann in einzelnen Regionen je nach Infektionslage bestimmte Maßnahmen wie Maskenpflicht im Schulgebäude oder eine Rückkehr zu Heimunterricht auslösen.

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Reise

Historisches Segelschiff

Die Viermastbark „Peking“ wird nach Hamburg in den Hansahafen überführt.          
Foto: Bodo Marks/dpa

                

Hamburg (dpa) – Hamburgs Hansahafen ist bald um eine Attraktion reicher. Die Historische Viermastbark „Peking“ kehrt in die Elbmetropole zurück. Dort soll sie Wahrzeichen des neuen Deutschen Hafenmuseum werden. Das historische Segelschiff „Peking“ ist auf dem Weg nach Hamburg. Die Viermastbark war zum Sonnenaufgang aus der Peters Werft in Wewelsfleth in Richtung Elbe gestartet. Das Schiff fährt dabei nicht aus eigener Kraft, sondern wird in den Hafen geschleppt. Am Abend soll die „Peking“ vor der Elbphilharmonie ankommen und dort um 180 Grad gedreht werden. Die vorerst letzte Reise wurde entlang der Gewässer von vielen Menschen begleitet.

Nach 88 Jahren kehrt die „Peking“ damit nun wieder in ihren Hamburger Heimathafen zurück. Dort war das Schiff 1911 auf der Werft Blohm + Voss für die Reederei F. Laeisz gebaut worden – als einer der legendären Flying P-Liner. Drei Jahre lang wurde das zuletzt völlig marode Segelschiff in Wewelsfleth aufwendig restauriert. Dafür wurde das Segelschiff im Sommer 2017 Huckepack auf einem so genannten Dockschiff vom Museumshafen in New York über den Atlantik geschleppt. Dort war das legendäre Schiff – es gehört zu den schnellsten und sichersten Segelschiffen der Welt – mehr als 40 Jahre als Museumsschiff ausgestellt. Vom Jahr 2023 an soll die „Peking“ das Wahrzeichen des neuen Deutschen Hafenmuseum werden.

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Kann das gut gehen? Über Paare mit großem Altersunterschied

Er 49, sie 28. Oder: Sie 54 und er gerade 24. Paare, die große Altersunterschiede trennen, leben mit Stempeln wie «Vaterkomplex» oder «Boytoy». Doch solche Beziehungen haben auch Vorteile.

Bei der Frage, ob eine Beziehung mit großem Altersunterschied funktionieren wird, sei es wenig sinnvoll, auf die Meinung anderer zu hören, erklären Paartherapeuten. Foto: Roger Richter/Westend61/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Mehr als fünf Jahre sollten Paare nicht trennen – egal, in welche Richtung, findet Christine Backhaus, Psychologin und Beziehungscoach aus Frankfurt am Main. Denn sonst könne es passieren, dass der ältere oder jüngere Partner eine externe Krücke für etwas ist, was man von sich selbst aus nicht hat.

«Wenn der Mann beispielsweise älter ist, sieht die Frau vielleicht den abwesenden Vater von früher in ihm. Den, den sie in ihrer Kindheit nie richtig hatte.» Das sei gefährlich. Denn wenn die Beziehung irgendwann auseinandergeht, fällt einer der beiden in ein tiefes Loch.

«Vaterkomplex» nennt man eine solche Konstellation landläufig. «Aber wer von uns hat keinen Vaterkomplex?», fragt Wanja Kunstleben, psychologischer Paartherapeut aus Freiburg, und lacht: «Wir alle haben doch Themen wie diese in Partnerschaften, auch in gleichaltrigen.»

Partner aus unterschiedlichen Kulturen
Seiner Meinung nach sei die Beziehung der Eltern die wichtigste und erste Beziehungsebene, die wir kennen, «und wir haben immer einen Bezug dazu.» Dennoch stelle es auch eine Herausforderung dar, wenn einer der Partner aufgrund seines Alters bereits in einem anderen Lebensabschnitt angekommen ist als der andere. «Realistisch gesehen wuchsen beide Partner in unterschiedlichen Kulturen auf, was sich im Alltag durchaus zeigen kann und darf», sagt Dominik Borde, Beziehungscoach aus Wien.

Damit sollte sich das Paar dann auseinandersetzen und im besten Fall eine souveräne Haltung aufbauen, findet Kunstleben. Denn Anfeindungen oder Kritik kann es immer geben, wenn ein Paar aufgrund seines Alters auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. «Aber warum sollte man die Beziehung nicht führen dürfen?», so Kunstleben. Das Wichtigste bleibe immer, wie das Paar selbst damit umgehe.

Auch Borde findet, dass Paare auf die Meinung anderer keinen allzu großen Wert legen sollten: «Ein gesunder Menschenverstand und reflektierte Menschenkenntnis vorausgesetzt, hat doch jeder das Potential in sich, um die Chancen und Risiken seiner Beziehung abzuschätzen.» Bei der Frage, ob eine Beziehung funktionieren wird oder nicht, sei es insgesamt wenig sinnvoll, auf die Meinung anderer zu hören. Denn im Endeffekt liege es in der Eigenverantwortung eines jeden selbst, aus einer Beziehung das Beste zu machen. Und zu lernen.

Bei Empörung schwingen unbewusste Ängste mit
Dass es Empörungen über eine Liebe mit großem Altersunterschied geben kann, bleibt jedoch nicht aus. Ganz einfach, weil es zutiefst menschlich ist, sich zu empören, aufzuregen und alles, was nicht der Norm entspricht, den Vorstellungen mancher Traditionen entspringt, zu kommentieren und zu qualifizieren, so Borde. Mit seiner Aussage, dass oft auch unbewusste Ängste mitschwingen, weil Andersartigkeit aneckt, steht er nicht allein da.

Auch Backhaus sagt: «Das, was ich mir selbst nicht erlaube, finde ich oft auch bei anderen nicht gut.» Natürlich könne bei dem Thema auch Neid im Spiel sein: Eine junge Frau nimmt sich einen gut situierten Mann mit viel Lebenserfahrung und Reife, der mit beiden Beinen fest im Leben steht. «Vielleicht hätte man das auch gern», so Backhaus. Oft fülle das Empören über andere auch eine innere Leere, die damit vom eigenen Leben oder den eigenen Problemen ablenkt, ergänzt Borde.

Außerdem findet er, dass das biologische Alter über das tatsächliche Alter oft wenig aussagt: «Daher ist ein großer biologischer Altersunterschied auch nicht per se ein Ausschlusskriterium für eine Beziehung, wie groß er auch sein mag.» Denn ein Partner, der nicht im selben Alter ist wie man selbst, bringt auch positive Dinge mit sich, weiß Kunstleben.

Wenn Jüngere die Älteren pushen
So könne der jüngere Part von der Reife des Älteren profitieren. «Während der Ältere seine Persönlichkeit mit einem jüngeren Partner vielleicht intensiver leben kann, positiv herausgefordert wird», erläutert der Paartherapeut. Gehe man richtig damit um, könne eine sehr fruchtbare Beziehung entstehen.

Doch dazu gehöre es natürlich auch, den Partner so anzunehmen, wie er ist – samt seiner oft anderen Lebenssituation als der eigenen, vielleicht bereits geschieden, wahrscheinlich mit Kindern. «Klar steht man woanders im Leben, hat unterschiedliche Lebensstandards und andere Fragen ans Leben», sagt Kunstleben. Er findet aber nicht, dass das ein Stolperstein sein muss: «Beide Partner sollten miteinander schauen, welchen Raum jeder benötigt, welche Bereiche man teilen und was zusammen erleben kann.»
Und: «Wer sich für einen Partner entschieden hat, der Kinder hat, hat sich zwangsläufig auch für seine Kinder entschieden», sagt Borde. Das bedeute jedoch nicht, dass er die Rolle des Elternteils übernehmen soll. Diese sei ja ohnehin bereits vergeben.

Aber die Rolle des mütterlichen oder väterlichen Freundes der Kinder könne man einnehmen. Und auch der Ex-Partner sei Teil des Systems, findet Backhaus: «Er muss wertgeschätzt werden, er hat ja eine Rolle und hat dazu beigetragen, dass der andere so werden konnte, wie er ist.»

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Aus Allen Staaten

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Wochenpost WORTSCHATZ

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Lipizzaner sucht neues Publikum

Den weißen Hengsten der Spanischen Hofreitschule schauen jedes Jahr Hunderttausende im Herzen Wiens bei höchster Dressurkunst wie Piaffe, Levade und Kapriole zu. Dass das fast 500 Jahre alte Kulturerbe sich lange an Touristen wandte, wird nun zum Pferdefuß.

Training an der Spanischen Hofreitschule Wien. Foto: Spanische Hofreitschule/dpa

Von Christina Peters
Wien (dpa) – An die Zuschauer müssen sich die berühmten Hengste nach einem halben Jahr Corona-Pause erst wieder gewöhnen. Unruhig beäugen manche Lipizzaner trotz beruhigenden Tätschelns ihrer Reiter die ausverkauften Ränge der barocken Halle der Spanischen Hofreitschule in Wien. Einem Hengst gehen dann doch die Nerven durch: Zu Walzerklängen steigt er auf die Hinterbeine und wirft seinen jungen Reiter ab.

Keine Show mit Levaden und Kapriolen, sondern das echte allmorgendliche Training, was Zuschauer seit dieser Woche wieder zu sehen bekommen – ab Mittwoch nun erstmals auch abends. Ein Experiment, um auch die arbeitende Bevölkerung der Stadt anzulocken, beschreibt die Leiterin der Spanischen Hofreitschule, Sonja Klima. Die über 450 Jahre alte Institution in der Wiener Hofburg muss umdenken – das bisherige Modell funktioniert so nicht mehr.

385 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, um sich die erhaben auftretenden, steigenden und springenden Pferde und ihre jahrzehntelang ausgebildeten Reiter anzusehen. 9 von 10 Gästen waren Touristen, schätzt die Hofreitschule. Der Städtetourismus liegt in der Corona-Krise indes brach – weniger als ein Viertel der Übernachtungen des Vorjahrs zählte Wien im Juli. So hat auch die Hofreitschule ein Problem: «Es war alles hauptsächlich auf die Touristen ausgelegt und man sieht: Plötzlich sind sie weg und man braucht einen anderen Plan», sagt Klima.

Traditionen bewahren und Besucher anlocken – für die «Spanische», so ihr Rufname, eine alte Zwickmühle. Die einst für den Krieg ausgebildeten spanischen Pferde kamen schon im 16. Jahrhundert als Statussymbol nach Wien. Die Eröffnung des prächtigen Reitschulbaus diente schon 1735 dem kaiserlichen Vorführen der eigens gezüchteten Lipizzaner. Und dass die Tradition nach dem Ende der Donaumonarchie 1918 überlebte, verdankte sie vor allem ihrer Öffnung für ein breites Publikum.

Heute ist die Bredouille eine andere: Längst ist die Erhaltung der Pferderasse und der Tradition der Hofreitschule im österreichischen Gesetz festgeschrieben, eine Million Euro gibt die Alpenrepublik jährlich für die Zucht aus. Zwischen Sisi und Sacher hat das Ballett der weißen Pferde einen festen Platz auf der Liste vieler Wien-Besucher, die Plätze bei Training und Vorstellungen waren im vergangenen Jahr zu 98 Prozent ausgebucht. Vor der Corona-Krise habe man den besten Januar und Februar jemals gehabt, berichtet Klima.

Doch die Hofreitschule mit dem Lipizzaner-Gestüt Piber und einem Trainings- und Sommerquartier sind seit 2001 ein eigenständiges Unternehmen der öffentlichen Hand mit rund 200 Mitarbeitern. Der letzte Jahresabschluss endete zwar mit sechsstelligem Plus, doch Millionenverluste vor allem aus den ersten Jahren schleppen sich weiter durch die Bilanzen.

Schon Klimas langjährige Vorgängerin Elisabeth Gürtler musste Ärger von mehreren Seiten einstecken: Versuche, dem Minus etwa durch mehr Vorstellungen beizukommen, riefen Kritik sowohl von Tierschützern als auch von Reitexperten auf den Plan, die die Fachkunst durch Kommerzialisierung bedroht sahen. Die Marketingexpertin und erfahrene Amateurreiterin Klima, deren Berufung Anfang 2019 in Fachkreisen für Diskussionen sorgte, hat das Problem geerbt – und nun fehlen auch noch die Touristen.

«Wir müssen die traditionelle Reitkunst erhalten, das ist ganz wichtig und dahinter stehe ich sehr, aber man muss auch mit der Zeit gehen, wir müssen die Türen öffnen», sagt Klima. Mit dem Abendtraining etwa oder mit der Öffnung der historischen Stallungen für Besucher – so gab es im Stallhof vergangenen Winter erstmals einen Adventmarkt, bei dem neugierige Lipizzaner aus ihren Boxen-Fenstern dem Glühwein-Trinken aus sicherer Entfernung zusahen.

Bald könnten die berühmten Hengste der «Spanischen» auch an der frischen Luft zum Stadtbild gehören: Im Burggarten, einem öffentlich zugänglichen Park an der Hofburg, sollen vier Koppeln entstehen, auf denen Pferde unter Sicherheitsvorkehrungen grasen können sollen.

Auch das Tierwohl ist ein Punkt, den potenzielle Besucher zunehmend auf dem Schirm haben: So stehen rund 72 Tiere bislang während der Saison außerhalb des Trainings weitgehend im Stall – erst alle zwei Monate geht es für sie aufs Trainingslände, wo es auch Koppeln gibt.

«Man muss ganz offen und ehrlich sagen, die Haltung der Pferde in der Stadt ist eben, wie sie ist. Es ist Tradition und wir versuchen das Beste daraus zu machen», sagt Klima. Die Tiere würden geliebt, bestens umsorgt und bestmöglich tiermedizinisch betreut.

Auch ein neuer Stall für die Pferdesenioren und Umbauten am Gestüt in Piber sollen den Tieren ein schönes Leben verschaffen – auch dafür ist Geld nötig. Eine weitere Einnahmequelle sollen neben Sponsoren auch Auftritte außer Landes sein. Der Planung für Tourneen hat die Pandemie allerdings zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Hengsten – stallions
Spanischen Hofreitschule – Spanish Riding School
Dressurkunst – dressage
Kulturerbe – cultural heritage
beäugen – eyeball
Tätschelns – caresses
Reiter – riders
Ränge – balcony seating
anzulocken – to attract
umdenken – re-think
erhaben – illustrious
auftretenden – appearance-making
jahrzehntelang – decades-long
ausgebildeten – trained
indes – meanwhile
ausgelegt – designed
bewahren – keeping
Rufname – name by which they’re known
Zwickmühle – dilemma
Vorführen – demonstration
eigens – own
gezüchteten – bred
überlebte – survived
verdankte – owed
Bredouille – predicament
Erhaltung – preservation
Sisi = Empress Elisabeth of Austria (1837-1898)
Sacher = family of Hotel Sacher & Sachertorte fame
Gestüt Piber – Piber Federal Stud
Millionenverlust – loss in millions
schleppen sich weiter – carry over
Bilanzen – balance on the books
erfahrene – experienced
öffentlich zugänglichen – accessible to the public
Sicherheitsvorkehrungen – security precautions
grasen – graze
Koppeln – paddocks
Tierwohl – animal well-being
weitgehend – largely
betreut – looked after
verschaffen – manage to get
Einnahmequelle – income source
Auftritte – appearances

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*