2. November 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Wie umweltfreundlich kann Bellos Haufen entsorgt werden?

Hundekot gehört in den Restmüll und nicht in die Natur. Das sehen auch Kommunen so und verteilen vielerorts umsonst Gassibeutel – aus Plastik. Selbst die liegen manchmal prall gefüllt in Parks rum. Doch auch in der Müllverbrennung stellt sich die Frage: Wie öko ist das?

Mannheim: Ein Hundekot-Tütenspender steht in einer Parkanlage. Foto: dpa

Von Marco Krefting
München/Hamburg (dpa) – Sie sehen nicht schön aus und riechen nicht gut: Hundehaufen sind vielen Spaziergängern ein Gräuel. Wer solch eine «Tretmine» übersieht, muss das Profil seiner Schuhsohlen akribisch putzen, um den Gestank loszuwerden. Seit Jahren schon versuchen Städte mit dem Verteilen kostenloser Gassibeutel für mehr Sauberkeit zu sorgen. In Hamburg beispielsweise hat die Stadtreinigung im vergangenen Jahr mehr als 32 Millionen davon verteilt. Hundebesitzer bekommen sie unter anderem in sämtlichen Filialen zweier Drogeriemarktketten oder per Post – ein frankierter Rückumschlag mit dem Betreff «Gassi-Beutel» reicht.

Und der Druck wächst: Berlin hat 2016 das Straßenreinigungsgesetz geändert. Nun ist jeder, der einen Hund ausführt, dazu verpflichtet, Beutel oder «andere geeignete Utensilien wie beispielsweise eine Plastiktüte» mitzuführen. «Der Verstoß gegen die Mitführpflicht kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.» In Nürnberg drohen 35 Euro Bußgeld für alle, die Kot nicht beseitigen. Bei Wiederholungstätern können es mehrere Hundert Euro werden, warnt die Stadt per Flyer.

In der Frankenmetropole fallen täglich mehr als fünf Tonnen Hundekot an – «im wahrsten Sinne des Wortes ein großer Haufen», schreibt die Kommune. In den Grünanlagen stünden mehr als 140 Spender für Gassibeutel. Rund 40 000 Euro koste es die Stadt, diese immer wieder auffüllen zu lassen. Oft würden sie allerdings regelrecht geplündert.

Doch selbst wenn Bellos Hinterlassenschaft in einem Beutel gesammelt wird, landet dieser oft zugeknotet unter Büschen oder am Wegesrand. Dabei gehört Hundekot – verpackt oder nicht – ausschließlich in den Restmüll. Das Münchner Baureferat erklärt dazu, Hundekot enthalte mitunter Parasiten und Krankheitserreger wie Borrelien, Salmonellen, Spul- und Bandwürmer, die auch Menschen gefährlich werden können.

Zwar entstehe sowohl bei der Kompostierung als auch bei der Vergärung von Bioabfällen Wärme – diese reiche aber nicht aus, um die Erreger im Hundekot abzutöten. Sie könnten dann mit dem fertigen Kompost in privaten Gärten, auf landwirtschaftlichen Flächen oder in öffentlichen Grünanlagen verteilt und direkt auf Menschen und Tiere übertragen werden oder über Pflanzen in die Nahrungskette gelangen.

Dass sich das Münchner Baureferat überhaupt zu dem Thema zu Wort meldet, liegt an einem weiteren Grund: Mehreren SPD-Abgeordneten im Stadtrat stieß in Zeiten von Müllsammelaktionen in Gewässern und Plastiktütenverbot an Supermarktkassen (von dem Gassibeutel nicht betroffen sind) auf, dass die in München verteilten roten Tüten mit einer Dicke von bis zu 0,015 Millimetern aus Kunststoff sind. Recyclingkunststoff immerhin. Doch Initiatorin Julia Schönfeld-Knor fragte sich: «Wenn wir beim Einkaufen Plastiktüten vermeiden, warum nicht auch beim Hundekot?»

Die Behörde listet nun genau auf, warum die roten Beutel am besten geeignet seien: «Sie sind im Unterschied zu Tüten aus anderen Materialien sehr dünn, so dass viele Tüten in einen Spender passen, jedoch hinreichend reißfest, weichen nicht durch, sind kostengünstig und stellen aufgrund der stofflich und energetisch sinnvollen Verwertung von Produktionsresten die derzeit ökologisch nachhaltigste Lösung dar.» Tüten aus Papier oder Pappmaterial weichten dagegen bei feuchtem Wetter und nach Gebrauch auf oder könnten reißen. «Zudem müssten die Tütenspender aufgrund der Materialdicke wesentlich häufiger befüllt werden.» Auch das Umweltbundesamt empfehle für das Sammeln von Tierexkrementen Beutel aus recycelten Kunststoffen.

Doch auch die landen oft in der Natur. Bis sie da zerkleinert sind, vergingen bei herkömmlichen Beuteln Jahrhunderte, erklärt Arne Krämer, Geschäftsführer von The Sustainable People in Hamburg. Mit seinem Unternehmen bietet er biologisch abbaubare Hundekotbeutel an – bei deren Produktion im Vergleich zu Polyethylen zudem Erdöl und CO2 eingespart werde, da sie mit Maisstärke hergestellt werden, sagt er.

«Es gibt eine klare Zunahme von Städten und Privatpersonen, die anfragen», so Krämer. Sogar über die Grenzen Deutschlands hinweg. Dabei betont auch er: «Allein aufgrund des Inhalts sollten sie nicht in der Natur verbleiben, sondern immer eingesammelt werden.» Bei Aufräumaktionen entlang der Alster in den vergangenen Jahren haben Krämer und seine Mitstreiter jedes Mal Hunderte Beutel gefunden – im Gestrüpp, aufgehängt an einem Pfahl, deponiert in einem Vogelnest.

«Hundekotbeutel sind zum Transport eher nervig», räumt Krämer ein. Selbst ein 20 Meter entfernter Mülleimer schaffe manchmal keine Abhilfe. «Aber das hängt auch mit sozialer Kontrolle zusammen», ist er überzeugt: «Wenn gerade jemand da ist und zuschaut, wird das eher eingesammelt.» Auch SPD-Politikerin Schönfeld-Knor sieht das Ganze als gesellschaftliches Thema: «Vor der eigenen Haustür will niemand Dreck, aber im öffentlich Park schert’s keinen. Das Bewusstsein muss erweitert werden», sagt sie. «Man wird in zehn Jahren sehen, was die Freitagskinder machen, wie die mit ihrer nahen Umwelt umgehen.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

entsorgt – safely disposed of
Hundekot – dog poop
verteilen – distribute
Gassi gehen – idiom: to walk the dog
-beutel – bags
prall – bulging
Gräuel – atrocity
Hundebesitzer – dog owners
Druck – pressure
verpflichtet – required
Verstoß gegen – violation of
Mitführpflicht – requirement to clean up after your dog
Ordnungswidrigkeit – scofflaw attitude
Bußgeld – fine
stünden – to stand ready
Spender – dispensers
Krankheitserreger – illness-carrying germs
Vergärung – fermentation
abzutöten – to kill off
Nahrungskette – food chain
Abgeordneten – political representatives
aufstieß – pushing for
vermeiden – avoid
darstellen – constitute
nachhaltigste – longest-lasting
häufiger – more frequently
herkömmlichen – conventional
Maisstärke – corn starch
Zunahme – increase
Gestrüpp – undergrowth
Pfahl – post
schert’s keinen – it doesn’t bother
Freitagskinder – people (born on Friday) who supposedly are peace-loving, sociable and inclined towards a belief in fate

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

«Klick machen»: Hamilton entblößt Schwächen des Vettel-Teams

Lewis Hamilton zeigt Sebastian Vettel und Ferrari weiter die Grenzen auf. Der Scuderia fehlt immer noch das gewisse Etwas, um der Jagd des Mercedes-Superstars nach Michael Schumachers Titelrekord Einhalt zu gebieten.

Sieger Lewis Hamilton (l) aus Großbritannien vom Team Mercedes und der Zweitplatzierte Sebastian Vettel aus Deutschland vom Team Scuderia Ferrari Foto: dpa

Von Christian Hollmann
Mexiko-Stadt (dpa) – Auf dieses Selfie mit dem bald sechsmaligen Weltmeister Lewis Hamilton hätte Sebastian Vettel am liebsten verzichtet. Dokumentierte das von einem Maskottchen erzwungene Podiumsfoto in Mexiko doch wieder das Scheitern seines Ferrari-Teams beim Angriff auf die Formel-1-Vorherrschaft von Mercedes und seinem Champion. «Es liegt an uns, einen besseren Job zu machen. Das ist einfacher gesagt als getan», stellte Vettel nach Platz zwei nüchtern fest. Sieger Hamilton und sein Team hatten Ferrari erneut schmerzlich bewiesen, was der Scuderia zur Spitze noch immer fehlt.

Der Brite genoss die Glücksmomente nach seiner Demofahrt der Extraklasse ausgiebig. «Dieses Gefühl nutzt sich niemals ab», beteuerte Hamilton nach dem 83. Karrieresieg. Schon ein achter Platz genügt ihm am Sonntag in Austin zur Vollendung des nächsten WM-Triumphs.

Und wer sah, wie der 34-Jährige die gewagte Reifentaktik von Mercedes im Autódromo Hermanos Rodríguez zum Erfolg führte, dürfte kaum zweifeln, dass Hamilton in der kommenden Saison den Rekord des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher egalisiert. «Hamilton hat diesen Status absolut verdient», schrieb der britische «Telegraph»

Auch Vettel spürte in Mexiko einmal mehr, wie schwer es ist, der silbernen Erfolgsmaschine beizukommen. «Wir müssen sicherstellen, dass die Dinge Klick machen. Mercedes hat in den vergangenen Jahren gezeigt, was möglich ist, sie sind der Maßstab», sagte der Hesse. Mit enormer Anstrengung hat Ferrari zwar seit der Sommerpause deutlich aufgeholt, doch das gewisse Etwas fehlt noch zu oft.

In Mexiko war es der Mut zum Risiko bei der Strategie. Vom Renntempo der im Training noch unterlegenen Silberpfeile wurde Ferrari nicht zum ersten Mal kalt erwischt. «Ferrari hat einen doppelten Fehler gemacht – zwei mehr auf einer unendlichen Liste in dieser Saison», befand die spanische Zeitung «El Mundo Deportivo». Trotz eines früh beschädigten Unterbodens konnte Hamilton auf uralten Reifen Vettel auf Distanz halten. «Es ist die Kombination aus Talent und Erfahrung, die ihn zu solch großartigen Rennen bringt», sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Hamiltons zehnter Saisonsieg war zugleich der dritte Mercedes-Erfolg in Serie, obwohl jedes Mal ein Ferrari von der Pole Position gestartet war. Ein starker Motor und Tempo auf einer Runde allein reichen dem Vettel-Team zwar für ein paar Siege, aber nicht für den ganz großen Wurf. Auf dem allerhöchsten Niveau hat sich die Scuderia auch in diesem Jahr als nicht titelreif erwiesen. Die Fahrer zu fehleranfällig, die Strategen oft überfordert, die Techniker lange auf dem Irrweg – es gibt noch viel zu verbessern für 2020.

Bevor er sich auf die Weiterreise nach Texas begab, hinterließ Berufsoptimist Vettel immerhin noch eine Motivationsbotschaft für seine Scuderia. «Wir müssen uns nicht verstecken, sondern können stolz sein, dass wir sie unter Druck setzen können», betonte der 32-Jährige. Draußen tobte da gerade ein schweres Gewitter über dem Ferrari-Zelt.

Im Regen aber will Vettel im nächsten Jahr nicht schon wieder stehen. Doch wie ist Hamilton und Mercedes auf Dauer beizukommen? «Für gewöhnlich werde ich für diese Art von Ratschlägen bezahlt, also werde ich Ihnen nicht genau sagen, wie es geht», meinte Hamilton launig. Lust auf ein weiteres Titelduell mit Vettel aber hat der Seriensieger auf jeden Fall. «Du bleibst doch noch eine Weile, oder?», raunte Hamilton dem daraufhin nickenden Deutschen in Mexiko zu. «Dann ist ja gut», sagte Hamilton.

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Feuilleton

«Van Dyck» in der alten Pinakothek

«Selbstbildnis» in der Ausstellung «Anthonis van Dyck (1599-1641)» in der Alten Pinakothek in München. Foto: dpa

München (dpa) – Die Alte Pinakothek in München setzt sich in einer Ausstellung mit der Arbeitsweise des flämischen Barockmalers Anthonis van Dyck auseinander. Die Schau «Van Dyck» zeige von Freitag bis zum 2. Februar 2020 rund 100 Werke des berühmten Porträtisten, davon 50 Leihgaben, teilte die Pinakothek am Donnerstag in München mit. Sie illustrieren die Entwicklung des Künstlers (1599-1641), der unter dem Einfluss des berühmten Peter Paul Rubens stand, sich dem italienischen Renaissancemaler Tizian annäherte und schließlich seinen eigenen Stil fand, mit viel Spontaneität und oft sehr gefühlvoll gestaltet.

Die Schau ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes des Doerner Instituts, bei dem Forscher Gemälde mit Infrarot- und Röntgentechnik durchleuchteten. Unter der sichtbaren Farbe konnten sie so Änderungen oder Vorzeichnungen erkennen. Die Experten gewannen auch Einblicke in die Abläufe der Werkstatt in Antwerpen, die van Dyck sehr effizient organisiert hatte.

Mirjam Neumeister, Leiterin der Sammlung Flämische Barockmalerei, verweist auf die Ganzkörperporträts eines Mannes und einer Frau. In Gesichtshöhe traten beim Röntgen unter der Farbschicht weiße Flächen zutage. Die Forscher vermuten, dass van Dyck Porträts vorfertigen ließ. Wenn spontane Kundschaft vorbeikam, fügten seine Helfer nur noch die Gesichter ein. «Antwerpen war eine lebendige Hafenstadt. Nicht jeder hatte Zeit, aufwendig für ein Porträt zu sitzen», sagte Neumeister.

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Gesundheit

Wie man Sportverletzungen erkennt
und was zu tun ist

Ein Sturz beim Joggen und schon sind die Schmerzen da. Foto: dpa

München (dpa) – Bei Sportlern sind Verletzungen keine Seltenheit. Dabei gibt es typische Beschwerden, die besonders häufig vorkommen. Wie man sie am besten versorgt und auskuriert.

Bei Sportlern steigt die Verletzungsgefahr, wenn sie ihr Trainingsprogramm verändern. Das kann etwa der Wechsel von Ausdauer- zu Krafttraining sein, berichtet die Zeitschrift „Shape“. Drei häufig auftretende Probleme – und was man dann tun kann:

Zerrung am Oberschenkel
Obwohl eine Zerrung nicht immer sichtbar ist, schmerzt der Muskel deutlich. Experten empfehlen, das Bein hochzulegen und den Bereich mit Pausen jeweils 15 Minuten lang zu kühlen. Dabei sollte man darauf achten, ein Tuch dazwischen zu legen und die Stelle nicht direkt zu kühlen. Zeigt sich nach vier Tagen keine Besserung, sollte man den Arzt aufsuchen.

Gedehnte Bänder im Sprunggelenk
Sind die Bänder überdehnt, schwillt das umliegende Gewebe an und schmerzt. Wenn der Fuß noch stabil und beweglich ist, sollte man kühlen und den Fuß hochlegen.

Entzündung im Handgelenk

Neben starken Schmerzen im Handgelenk und an der Sehne verursacht eine solche Entzündung auch eine eingeschränkte Beweglichkeit. Grund dafür ist eine übermäßige und einseitige Belastung der Sehnen wie beim Tennis oder Volleyball. Bei Rötungen zunächst kühlen und nach Möglichkeit einen elastischen Verband anlegen.

Verbessert sich die Situation nach einigen Tagen nicht, empfiehlt sich der Gang zum Orthopäden oder Sportmediziner.

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Reise

El Salvador: Kaffee, Maya und ein schlafender Gigant

Koloniale Architektur in Suchitoto: Die Stadt bietet Touristen einige schöne Fotomotive.
Foto: CATA Central America Tourism Agency/dpa

Von Andreas Drouve
Ataco (dpa) – Héctor Aguirre kann sich ein Leben ohne das schwarze Getränk kaum vorstellen. «Seit meinem zweiten Lebensjahr trinke ich Kaffee», sagt der 28-Jährige. «Hier gibt man Kleinkindern Fläschchen mit Kaffee, nicht mit Milch.»

Heute verdient Aguirre mit dem Heißgetränk sein Geld. Schon als Jugendlicher schulterte er bei der Ernte auf der Farm El Carmen Estate im Hochland El Salvadors schwere Säcke. Für einen Hungerlohn. Doch der junge Mann schaffte den Aufstieg.

An diesem Tag zeigt er den Besuchern des Landguts am Rand seines Heimatortes Ataco die Lager, Maschinen und Fließbänder mit der Qualitätsauslese. Dort sitzen Frauen, die voll konzentriert die guten Bohnen von den schlechten trennen. Handarbeit unter Neonlicht. Was daraus wird, präsentiert Aguirre im Anschluss: Spitzenkaffee.

So mancher hat vielleicht schon Kaffee aus El Salvador getrunken. Doch die wenigsten kennen das kleine Land in Mittelamerika aus eigener Anschauung. Als Reiseziel bietet es auf kleiner Fläche eine außergewöhnliche Vielfalt abseits ausgetretener Touristenpfade.

Kolonialer Charme und Kleinkunst

Ataco, eines der schönsten Dörfer des Landes, wirkt herausgeputzt und bodenständig zugleich. Schauwert haben zum Beispiel die bunten, zeitgenössische Wandmalereien. Und der Zentralplatz mit seinen Hibiskussträuchern und der Kirche Inmaculada Concepción.

Durch die Gassen rumpeln Karrenschieber mit ihren Waren, manche tischen die Nationalspeise auf: Pupusas, Maismehlfladen mit Käse, Hühnerfleisch, Spinat oder Mus aus roten Bohnen gefüllt. Ein günstiger Sattmacher. Marktfrauen bieten vollreife Mangos an.

In Ataco ist der Tourismus auf dem Vormarsch, wie überall in El Salvador – wenn auch auf überschaubarem Niveau. Kunsthandwerksläden, kleine Galerien und die Webwerkstatt Casa de los Telares heißen Gäste willkommen. «Weben ist nicht nur Frauenbeschäftigung», sagt Jorge Martín, 25, der früher auf dem Bau arbeitete. Nun geht er filigran zu Werke. Gerade stellt er eine farbenfrohe Tischdecke her.

Ein Vogel gegen häusliche Gewalt

Noch ansehnlicher als Ataco ist Suchitoto im Herzen des Landes. Abends sitzen hier die Dorfbewohner auf Plastikstühlchen vor ihren Häusern oder auf Bordsteinen in der Wärme. Tagsüber strahlen Fassaden in Orange, Blau und Grün um die Wette. Sorgsam drapierte Blumentöpfe bilden hübsche Fotomotive für die Kameras der Touristen.

Vom Hauptplatz führt der Weg zu einer Frauenvereinigung, dahinter befindet sich wiederum eine Initiative gegen häusliche Gewalt. Die Vorsitzende Ana María Menjíbar, 65, nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie beklagt den anhaltenden Machismus und ruft Frauen dazu auf, die Stimme zu erheben und selbst aktiv zu werden. So entstand auch die Werkstatt, der zehn Frauen aus umliegenden Gemeinden angehören.

Wer durch die kopfsteingepflasterten Gassen Suchitotos streift, entdeckt neben Hauseingängen öfters Graffiti mit dem Nationalvogel Torogoz. Prangt der Vogel an der Fassade, bedeutet das: Hier gibt es keine häusliche Gewalt – eine Kampagne der Frauenvereinigung.

San Salvador und Santa Ana

In der Hauptstadt San Salvador geht es naturgemäß trubelig zu. Die Bilder des Alltags reißen mit. Zigaretten- und Kaugummiverkäufer mit Bauchläden kämpfen im Verkehr um ihr tägliches Auskommen. Schuhmacher werkeln in winzigsten Stuben. Wühltische bersten vor Gebrauchtwäsche. Fliegende Händler preisen «Rattengift, Rattengift», «Fliegenkatschen» oder «fünf Pfirsiche für einen Vierteldollar» an. Den schnellen Haarschnitt gibt es für einen Dollar. Die Freiluftstände reichen bis zum Nationalpalast und zum Platz vor der Kathedrale. In deren Krypta liegt der heilige Óscar Romero begraben, die nahe Kirche El Rosario lockt mit symmetrischen, modernen Buntglasfenstern.

In Santa Ana, der zweitgrößten Stadt, zeigen sich am Zentralpark das Nationaltheater und die Kathedrale in aufpolierter Eleganz. Drinnen im Gotteshaus treibt es Gläubige vor ein kitschiges Jesuskind mit femininen Zügen und im rosa Gewand. Draußen verharren Schuhputzer im Schatten. Ein Geheimtipp ist das Café «Cadek», ein paar Straßenblocks entfernt und stets mit verschlossener Tür. Einfach klopfen, schon öffnet sich ein fensterloses Kaffee- und Kuchenparadies.

Die rettende Asche des Vulkans

Vielen Bauten in El Salvador haben Vulkanausbrüche zugesetzt. In einem Fall war dies keine Katastrophe: Den Ascheschichten des Vulkans Loma Caldera ist es zu verdanken, dass Joya de Cerén, ein Mayadorf aus dem 7. Jahrhundert nach Christus, bis zur zufälligen Wiederentdeckung 1976 wie in einer Blase erhalten blieb. Die Bewohner des Dorfes hatten sich rechtzeitig retten können.

Wer das einzige Weltkulturerbe des Landes besichtigt, darf jedoch keine Tempel wie in Mexiko und Guatemala erwarten. «In Joya de Cerén lebte die niedere soziale Klasse der Maya, die Landwirtschaft betrieb», erklärt Guide Dionisio Mejía, 43. Entsprechend bescheiden kommen die Gebäudereste unter Schutzdächern daher.

Für die Forschung ist die eher unspektakuläre Mayastätte aber ein Glücksfall: Die Ruinen bezeugen die typische Dreierstruktur des Familienlebens (Haus, Küche, Vorratslager) und lieferten wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse. So soll im Haus des Schamanen kein Mann, sondern eine Frau tätig gewesen sein, sagt Mejía. Und der Fund eines Dampfbads belegte, dass dieses nicht – wie vormals angenommen – einzig den höheren Schichten vorbehalten war.

Ein grausames Ritual
Als klein, aber fein lassen sich auch die Zeugnisse der Maya in anderen archäologischen Parks beschreiben. San Andrés, wenige Kilometer von Joya de Cerén entfernt, fungierte als Zeremonialzentrum, Handelsplatz und Hauptstadt des Tals Zapotitán.

Tazumal, das mehr als ein Jahrtausend lang bewohnt wurde, hat kulturelle Einflüsse aus dem heutigen Mexiko. Um 1200 nach Christus wurde die Stadt aufgegeben. Verstörend ist der Überzug aus Zement über dem eigentlichen Baumaterial aus Vulkangestein. Auch der Opferaltar blieb nicht verschont. In den 1940er Jahren entschied sich der US-Archäologe Stanley Boggs für diese Maßnahme des Erhalts – ein Beispiel für gut gemeint, aber verheerend umgesetzt.

Das angeschlossene Museum gibt Aufschluss über die schaurige Verehrung des Gottes Xipe Totec. Ihm zu Ehren wurde beim Fest Tlacaxipehualiztli ein Kriegsgefangener gehäutet. Priester versahen daraufhin ein Bildnis der Gottheit mit der neuen Hautschicht.

Surfen und Seafood

Wen es nach Kultur und trubeligem Alltagsleben in die Natur zieht, der muss in El Salvador keine langen Fahrten in Kauf nehmen. Die Wege sind kurz, das Land ist ungefähr so groß wie Hessen.

Im Westen sorgt zum Beispiel der Kratersee Coatepeque für erstaunte Gesichter. Im Süden lockt der Pazifik auch Surfer an. Befänden sich dort jedoch echte Traumstrände, wären die Gegenden touristisch längst voll erschlossen. Was nicht der Fall ist.

Extraklasse ist das Seafood, für dessen Nachschub allein im Städtchen Puerto La Libertad etwa 200 Fischer sorgen. Sind die Gründe nicht längst überfischt? Luis Alberto Aguilar, 42, weicht aus: «Das liegt alles in den Händen des Herrn.» Der Fischer schaut gen Himmel. Die Fänge von heute, die er an der Mole filetiert seien ein Segen und bereits an Restaurants verkauft. Sein Onkel habe ihn erstmals mit aufs Meer genommen. «Da war ich zwölf.»

Auf den höchsten Punkt El Salvadors
Und dann sind da noch die Vulkane. Über der Hauptstadt thront der gleichnamige San Salvador, ein schlafender Gigant. Seit über 100 Jahren herrscht Ruhe, der Krater sperrt sein Riesenmaul auf. Der Weg vom Parkplatz zu den Aussichtsvorsprüngen dauert zehn Minuten.

Ein größerer Kraftakt ist die Besteigung des Santa Ana, mit 2381 Metern der höchste Vulkan des Landes. Für die geführte Wanderung vom Besucherzentrum im Park Cerro Verde aus sind zwei Stunden zu veranschlagen. Der harmlose Aufstieg führt durch Wald und Gesträuch, über Felsen, Wurzelwerk und Geröll. Der Trail ist mit gelben Pfeilen markiert, die an den Jakobsweg durch Nordspanien erinnern. Doch hier sind nicht Hunderttausende unterwegs, sondern vereinzelte Grüppchen.

Die Aussicht vom Kraterrand ist spektakulär. Die Farben der Steilwände reichen von Pechschwarz bis Schwefelgelb. Der See in der Tiefe leuchtet smaragdgrün. Gase zischen aus Spalten. Über dem Wasser wabern Dämpfe. Der Wind modelliert sie zu Säulen und jagt sie schließlich in die Wolken. Nach dem Aufstieg freut man sich auf eine Rast im Tal – und kräftigen Hochland-Kaffee für neue Energie.

Info-Kasten: El Salvador

Anreise: Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge nach El Salvador. Umsteigen lässt sich am besten in Madrid.
Einreise: Urlauber brauchen einen gültigen Reisepass und dürfen sich ohne Visum bis zu 90 Tage im Land aufhalten.
Reisezeit: Die trockenen Monate November bis April eignen sich am besten für eine Reise durch El Salvador.
Geld: Die offizielle Währung ist der US-Dollar. Als Wechselgeld gibt es auch Ein-Dollar-Münzen, die nur in El Salvador gültig sind.
Sicherheit: Die Kriminalitätsrate ist laut Auswärtigem Amt sehr hoch. Die Sicherheitslage hat sich im Vergleich zu früheren Jahren jedoch verbessert. Die Jugendbanden (Maras) haben in der Regel keine Ausländer im Visier. Besondere Vorsicht gilt beim Abheben von Bargeld an Automaten.
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Von Darmstadt in die USA –
Tierskelett zieht für Ausstellung um

Das Skelett wird Ende Januar 2020 in speziell angefertigten Kisten in die USA transportiert. Foto: dpa

Darmstadt (dpa) – Ein riesiges Tierskelett geht auf Reisen: Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt leiht die rund 14 000 Jahre alten Knochen eines Mastodon, eines ausgestorbenen Verwandten des Elefanten, für eine Ausstellung in der US-Hauptstadt Washington aus. Jetzt begannen die aufwendigen Abbauarbeiten. Für den Ende Januar geplanten Transport muss das Skelett zerlegt werden. Vor der Reise werden die Knochen außerdem speziell gereinigt, einige nachgebildete Teile müssen ersetzt werden.

Die Knochen des «Peale‘s Mastodon» waren einst in der Nähe des Hudson River etwas nördlich von New York entdeckt worden und im 19. Jahrhundert über Umwege nach Darmstadt gelangt. Das Mastodon, dessen männlichen Exemplare auf eine Schulterhöhe von etwa drei Metern kamen, lebte nach Angaben des Museums einst in Nordamerika und ist trotz des wissenschaftlichen Namens «Mammut americanum» nicht mit den zotteligen Wollhaarmammuts verwandt.

Das Skelett galt dem Landesmuseum zufolge damals in den USA als Sensation, weil es das erste museal montierte Skelett eines ausgestorbenen Großsäugetieres gewesen sei. Der damalige US-Präsident Thomas Jefferson habe dessen Ausgrabung als nationale Angelegenheit angesehen. Gezeigt werden soll das Darmstädter Skelett den Angaben zufolge im kommenden Jahr im Smithsonian American Art Museum.

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