02. Oktober 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Symbol für Union nach Brexit: «UK» statt «GB» auf britischen Autos

Der Staat heißt Vereinigtes Königreich, doch das internationale Erkennungszeichen ist seit Jahrzehnten «GB». Das ändert sich nun. Doch nicht jeder ist mit der Entscheidung zufrieden.

Ein “GB”-Aufkleber mit Europa-Sternen klebt auf einem Auto. Das Land heißt Vereinigtes Königreich, doch das internationale Erkennungszeichen ist seit Jahrzehnten «GB». Das ändert sich nun. Foto: dpa

Von Benedikt von Imhoff
London (dpa) – Es sind nur zwei Buchstaben, aber sie bringen viele britische Autofahrer aus der Spur: Künftig müssen Wagen für die Fahrt ins Ausland auf der Rückseite einen Aufkleber mit der Aufschrift «UK» tragen. Das bisherige «GB» ist dann vom 28. September an allein nicht mehr gültig, wie das Verkehrsministerium in London betont, in diesem Fall ist ein zusätzlicher «UK»-Sticker nötig. Möglich macht dies, so sagt die Regierung, der Brexit. «Die Änderung der nationalen Kennung von “GB” zu “UK” symbolisiert unsere Einheit als Nation und ist Teil eines umfassenderen Schrittes zur Verwendung des “UK”-Symbols in der gesamten Regierung», begründete das Ministerium das Vorgehen. Die Vereinten Nationen seien informiert. Unterstützer betonen, dass sich nun auch endlich die Menschen in Nordirland angesprochen fühlten. Die britische Provinz gehört nicht zu Großbritannien, wohl aber zum Vereinigten Königreich.

Traditionalisten auf der Insel reagierten allerdings empört auf die Änderungen. «Es ist Zeitverschwendung, Geldverschwendung, und ich weiß nicht, warum wir uns überhaupt darum kümmern», sagte der konservative Abgeordnete Ian Liddell-Grainger nach der Bekanntgabe der Zeitung «Daily Mail». «Es wirkt außerdem wie ein Schlag ins Gesicht für die Menschen, die stolz sind auf Großbritannien.»

Der Präsident der Automobile Association (AA), dem britischen Pendant zum ADAC, Edmund King, kritisierte, mit «GB» verschwinde ein Symbol des Landes. Es gebe viele Oldtimer, die integrierte oder eingearbeitete «GB»-Metallschilder auf der Rückseite haben. «Nun müssen sie einen geschmacklosen “UK”-Plastiksticker daneben kleben», kritisierte King in der konservativen Zeitung «Daily Telegraph».

Damit ginge ein «weiteres Element des britischen Kraftfahrzeugwesens» verloren: der berühmte «GB»-Aufkleber. Gegen den Protest von Traditionalisten und AA waren 2014 bereits die runden Steuerplaketten auf der Frontscheibe nach fast 100 Jahren zugunsten eines digitalen Systems abgeschafft worden.

Interessant ist der Schritt auch, weil die Regierung von Premier Boris Johnson zuletzt mit anderen Entscheidungen auf die Gefühle traditionell eingestellter Briten einging. So wurden mehrere als starr und unsinnig eingeschätzte EU-Regeln abgeschafft, die London zunächst weitergeführt hatte. Künftig dürfen Lebensmittelhändler wieder imperiale Maßeinheiten wie Unzen und Pfund als Angabe von Gewichten nutzen. Bier trinkende Brexit-Unterstützer freuen sich zudem darüber, dass die «Crown Stamp» als Zeichen für die korrekte Eichung auf die Pint-Biergläser zurückkehren darf.

Die Regierung verteidigte ihre Entscheidung. Aus dem Verkehrsministerium hieß es, die Mehrheit der britischen Autos habe bisher ohnehin keinen nationalen Identitätsnachweis. Innerhalb Großbritanniens ist kein Nationalitätskennzeichen nötig. Einige sind auch nur mit schottischen oder walisischen Abkürzungen oder Symbolen unterwegs. Die Fahrer müssten also ohnehin einen Sticker kaufen für Fahrten ins Ausland, hieß es aus dem Ministerium. Die «UK»-Sticker können online bestellt sowie in Postämtern und Werkstätten gekauft werden und kosten je 1,50 Pfund (ca 1,75 Euro).

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Sport

Siegen und scherzen: Zverev führt Europa zu Laver-Cup-Sieg

Zwei Siege, eine Niederlage lautet die Bilanz von Alexander Zverev beim Laver Cup. Mit seinem Partner Andrej Rubljow sorgt der Tennis-Olympiasieger für den vorzeitigen Pokalgewinn des Teams Europa gegen eine Weltauswahl.

Boston: Tennis: Laver Cup, Team Welt – Team Europa, Bjorn Borg (l), Kapitän vom Team Europa, und seine Teamkollegen feiern den Sieg von Alexander Zverev über John Isner. Foto: dpa

Boston (dpa) – Alexander Zverev war bestens gelaunt. An der Seite von Doppelpartner Andrej Rubljow scherzte der Tennis-Olympiasieger, betrachtete gemeinsame Bilder aus Jugendtagen und freute sich über den souveränen Triumph beim Laver Cup. Gemeinsam mit dem Russen setzte der Hamburger am Sonntag in Boston den krönenden Schlusspunkt durch ein am Ende ungefährdetes 6:2, 6:7 (4:7) und 10:3 im Doppel gegen Reilly Opelka (USA) und Denis Shapovalov (Kanada).

Dank des Erfolges gewann das Team Europa vorzeitig den Vergleich gegen das Team Welt mit 14:1 – die für den Schlusstag angesetzten drei Einzel mussten nicht mehr gespielt werden. Bei der vierten Auflage des Laver Cups gewann zum vierten mal Europa.

«14:1 klingt viel klarer als es war. Wir mussten hart kämpfen für diesen Sieg, die Gruppe war großartig», sagte der 24-jährige Zverev. «Um ehrlich zu sein, ich kann es kaum erwarten bis zum nächsten Jahr in London.» Das entscheidende Doppel war nur im zweiten Satz umkämpft, während ansonsten die gemeinsamen Erfahrungen von Zverev und Rubljow den Ausschlag gaben. «Wir kennen uns schon sehr lange. Wir haben schon Doppel zusammengespielt, als wir zwölf Jahre alt waren, damals haben wir viel mehr gestritten», berichtete der Hamburger.

Bereits 2019 hatte Zverev beim Laver Cup die entscheidenden Zähler geholt, damals gewann er im Einzel gegen Milos Raonic aus Kanada. Im Vorjahr war das Event wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.

Am Samstag hatten die Europäer alle vier Matches für sich entschieden. Zverev gewann sein Einzel gegen den Amerikaner John Isner mit 7:6 (7:5), 6:7 (6:8) und 10:5. Zuvor hatte der Grieche Stefanos Tsitsipas den Australier Nick Kyrgios mit 6:3 und 6:4 bezwungen.

In der Abend-Session fegte US-Open-Sieger Daniil Medwedew aus Russland den Kanadier Shapovalov in 75 Minuten mit 6:4, 6:0 vom Platz. Zum Abschluss des Tages bauten dann Tsitsipas und Rubljow im Doppel die Führung ihres Teams mit einem 6:7 (8:10), 6:3, 10:4 gegen Isner und Kyrgios weiter aus. Die einzige Niederlage bis zum Sieg hatten die Europäer am Auftakttag kassiert, Zverev verlor mit Matteo Berrettini aus Italien im Doppel gegen Isner und Shapovalov.

Beim Laver Cup bestehen beide Teams jeweils aus sechs Profis und einem Ersatzmann. Am Freitag war ein Sieg in den drei Einzeln und einem Doppel einen Punkt wert, am Samstag gab es zwei Zähler pro Partie und am Sonntag drei.

Mit Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic fehlten in diesem Jahr die drei langjährigen Superstars der Branche wegen Verletzungen oder Erschöpfung.

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Feuilleton

Dresden zeigt Vermeer – Bisher größte Schau in Deutschland

Ein Plakat wirbt für die Ausstellung «Johannes Vermeer. Vom Innehalten» der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Foto: Matthias Rietschel/Reuters/Pool/dpa

Dresden (dpa) – In einer einzigartigen Ausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden sind ab Freitag zehn Meisterwerke von Johannes Vermeer (1632-1675) zu sehen. Es ist die bisher größte Schau mit Meisterwerken des Künstlers, einem der bedeutendsten holländischen Barockmaler, in Deutschland. «Jede Ausstellung zu Vermeer ist eine Sensation an sich», sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), Marion Ackermann, am Donnerstag unter Verweis darauf, dass von ihm nur 35 Werke überhaupt bekannt sind. Zur Ausstellungseröffnung am Abend wurden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der niederländische Regierungschef Mark Rutte in Dresden erwartet.

Im Zentrum der Schau «Johannes Vermeer. Vom Innehalten» steht das berühmte Gemälde «Brieflesendes Mädchen am Fenster» aus eigenem Bestand, das nach vierjähriger Restaurierung und Erforschung erstmals so präsentiert wird, wie der Künstler es schuf. «Es ist ein Schlüsselbild», sagte Galeriedirektor Stephan Koja. Vermeer habe eine Grundkomposition ausprobiert, die dann beibehalten wurde: die stehende Frauenfigur in einem Raum am Fenster, wo von links das Licht hereindringt. «Das markiert den Übergang zu dem reifen Vermeer, den wir kennen und schätzen.»

Das um 1657–1659 entstandene Gemälde wurde 1742 für Sachsens Kurfürst Friedrich August II. in Paris erworben und gehört zu den Hauptwerken des Museums. Die Übermalung war seit 1979 bekannt, bisher aber Vermeer selbst zugeschrieben worden. Im Ergebnis eines internationalen Forschungsprojekts gehen die Kuratoren «mit Sicherheit» davon aus, dass diese deutlich nach dessen Tod erfolgte – und von fremder Hand.

Die weniger als einen Millimeter dünne Schicht wurde mit einem Skalpell entfernt und der stehende Liebesgott mit Bogen, Pfeilen und zwei Masken freigelegt, der als «Bild im Bild» die Rückwand des Zimmers ziert. Er verändert die Bildaussage. «Der über dem Mädchen schwebende Knabe macht es deutlich: es liest einen Liebesbrief!», sagte Kuratorin Uta Neidhardt. Das Werk sei auf die Intention von Vermeer zurückgeführt.

Ergänzt werden die Vermeers, darunter Leihgaben aus Europa und den USA, um Bilder niederländischer Fein- und Genremaler sowie um Werke und Gegenstände mit Bezug zur Thematik der Dresdner Briefleserin. Mittels eines sogenannten Weborello, einer digitalen Tour durch die Schau, können Besucher Vermeer auch «sehen lernen», sagte Neidhardt.

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Gesundheit

Bestimmte Schmerzmittel können Gastritis auslösen

Schmerzen im Oberbauch können auf eine Magenschleimhautentzündung hindeuten.           
Foto: dpa

Köln (dpa) – Die Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel zählt zu den häufigsten Ursachen einer Magenschleimhautentzündung. Das Risiko hängt von der Dauer der Einnahme ab: Nutzt man die Mittel mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac nur kurzzeitig, kommt es eher selten zu dieser Nebenwirkung.

Über Wochen oder Monate eingenommen, könnten sie jedoch die Schutzfunktion der Magenschleimhaut stören, erläutert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen auf seinem Portal „Gesundheitsinformation.de“.

Hintergrund: Die Wirkstoffe blockieren die Bildung des Hormons Prostaglandin, das wichtig für die Produktion von Magenschleim und Magensäure-neutralisierender Stoffe ist.

Bakterien, Alkohol und andere Auslöser
Oft wird eine Gastritis, wie die Magenschleimhautentzündung in der Fachsprache heißt, auch von Helicobacter-Bakterien ausgelöst, die viele Menschen in sich tragen. Weitere mögliche Auslöser sind übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, Dauerstress oder eine sehr fett- und zuckerhaltige Ernährung sowie scharfes Essen.

Zu den Symptomen einer Gastritis zählen Magenschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Sodbrennen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit.

Was hilft? Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Außerdem schadet es nicht, sich auszuruhen und auf Fettiges und Scharfes zu verzichten. Falls ein bestimmtes Schmerzmittel der wahrscheinliche Auslöser ist, ist es laut dem Portal ratsam, nach ärztlicher Rücksprache auf ein anderes Medikament auszuweichen – oder ergänzend noch ein säurehemmendes Arzneimittel einzunehmen.

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Reise

Versinkt Venedig schon bald im Meer?

Klima- und Meeresforscher prognostizieren für die Region Venedig einen Anstieg des Meeresspiegels um mehr als einen Meter bis 2100. Foto: dpa

Venedig (dpa) – Klima- und Meeresforscher warnen für die Region Venedig vor einem Anstieg des Meeresspiegels um mehr als einen Meter in den nächsten Jahrzehnten. Sollte der Klimawandel nicht entscheidend gebremst werden, sei bis zum Jahr 2100 ein Anstieg um bis zu 120 Zentimer möglich, hieß es. Als Extremszenario wurde sogar ein Anstieg von rund 170 Zentimetern berechnet.

Das geht aus Analysen hervor, die jetzt vom Fachmagazin „Natural Hazards and Earth System Sciences“ veröffentlicht wurden. An dem Projekt beteiligt waren Universitäten aus Venedig und Lecce in Apulien sowie das italienische Institut für Meeresforschung (Ismar).

Die Wissenschaftler mahnen, dass der steigende Meeresspiegel in Folge des Klimawandels bei der Stadtplanung in Venedig und auch anderen Küstenorten dringend einkalkuliert werden müsse.

Das Megaprojekt „Mose“, bei dem an den drei Einfahrten zum Hafen von Venedig mobile Flutschutztore errichtet wurden, soll Venedig aktuell vor Hochwasser schützen. In einer Prognose der Wissenschaftler müsste die Barriere von 2075 an fast das ganze Jahr geschlossen bleiben, um die Stadt vor dem Meer zu schützen – was extreme Auswirkungen auf die Umwelt und die Wirtschaft der Lagunenstadt haben würde.

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Lässig und b

Männermode im Herbst und Winter 2021/22:
Für immer Casual Friday

Für Männer liegen Erdtöne, insbesondere Camel im Trend. Hier ein Beispiel von Dockers. Foto: Dockers/dpa

Von Andrea Abrell
Hamburg/Frankfurt (dpa) – Nichts weniger als eine kleine Revolution sieht die Stylistin Maria Hans da auf die Männer zukommen. Eine modische – «und die stellt die Herrenmode gehörig auf den Kopf.» Die wichtigste Tendenz: Weg vom steifen Outfit hin zu einer neuen Lässigkeit, die vor dem Büro nicht Halt macht. Corona und dem Homeoffice sei dank – wo weder Jackett noch Krawatte so richtig wichtig waren.

«Dementsprechend setzt sich die Idee des Homeoffice im Herbst auch bei offiziellen Anlässen durch», erwartet Maria Hans für die künftige Mode. «Es gibt zwar noch Anzüge, aber diese sind deutlich legerer geschnitten: Die Hosen sind bequem und weiter als in den letzten Saisons. Das Gleiche gilt für die Jacketts, die oftmals auch aus besonders weichen, griffigen Stoffen gefertigt wurde.»

Ganz vorbei soll es mit der Krawatte im Job sein – zumindest für die, deren Unternehmen nicht weiterhin einen Dresscode vorsehen. Der Schlips sei dann nur noch Accessoire für besonders wichtige berufliche Anlässe. «Der Casual Friday wird so zur Casual Week», fast Maria Hans die Entwicklung zusammen. Der Casual Friday steht dafür, dass in manchen Unternehmen mit sonst strengen Vorgaben immer freitags die Kleidung lässiger sein darf.

«Gefühlvolle Lässigkeit» bezeichnet der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt das Ergebnis dieser Entwicklung der Männermode. Und eines der Stücke, die das für ihn besonders gut repräsentiert, ist die Mantelform, die im Herbst für Männer angesagt sein wird: «Der ist oversized geschnitten, wird lediglich mit einem Bindegürtel geschlossen und wirkt ein wenig wie ein eleganter Bademantel», beschreibt Rose.

Die Alternative übrigens, für alle, die den Hugh-Hefner-Look dann doch scheuen, ist der klassische Trenchcoat – «gern auch in typischem Beige oder mit einem dezenten Karomuster», so Rose.

Unter den Mänteln trägt Mann Strick. Viele Designer setzen aktuell auf legere Pullover, den Pullunder über dem Hemd und extragroße Schals in ihren Kollektionen. Wie auch in der Frauenmode verwenden sie hierfür gerne das Zopfmuster. Erhalten aus den vergangenen Winter- und Herbstsaisons übrigens bleibt der Rollkragen-Pullover. «Das Besondere dabei: Man trägt den Kragen in voller Länge, krempelt ihn also nicht mehr um», erklärt Modeberater Andreas Rose.

«Neben Strick sieht man an Materialien jetzt auch viel Cord oder Samt – beides Stoffe, die ebenfalls einen bestimmten Gemütlichkeitsfaktor mitbringen», erklärt Shoppingberaterin Andrea Lakeberg aus Berlin.

Einen Gegentrend gibt es: «Shorts sind im Herbst, aber auch im Winter, extrem angesagt», so Andreas Rose. «Sie werden an wärmeren Tagen mit Slippern und Socken kombiniert, wenn es kühler wird, passen derbe Boots dazu.» Angesagt bleibt dafür (Kunst-) Leder, «gern auch für überlange Mäntel im Matrix-Stil», berichtet Rose weiter. «Überlänge gibt es auch bei Hemden, die dann mit legeren Pullundern kombiniert werden und T-Shirts werden jetzt mit personalisierten Statements getragen.»

Die angesagten Farben sind leuchtend – wie Orange oder Currygelb, «die ganz edel zu Grau kombiniert werden», erklärt die Stylistin Maria Hans. Daneben sind warme, natürliche Nuancen von Beige, Braun oder Camel aus der aktuellen Männermode nicht mehr wegzudenken und passen perfekt zu den sanften Materialien und bequemen Schnitten.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Ritt auf der künstlichen Welle – Flusssurfen immer beliebter

Viele kennen die Eisbachwelle in München. Doch auch an anderen Orten in Deutschland erhält das Surfen auf künstlichen Wellen Zulauf.

Ulm: Felix surft bei Waiblingen mit einem Bungee-Seil auf der Iller zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Im Surfverband DWV sind vor allem die professionellen Surfer vertreten – Wellenreiten als Leistungssport. Doch es gibt auch immer mehr Amateursurfer. Foto: dpa

Von Sebastian Schlenker
Ulm (dpa) – Im Wasser auf einer Welle reiten, ohne lange Fahrt ans Meer und ohne ewiges Warten auf ausreichend Brandung: Immer mehr Menschen surfen auf künstlich erzeugten Wellen auf Flüssen und Seen in ganz Deutschland. Ob auf einer sogenannten stehenden Welle oder beim Brückensurfen mittels eines Seils im Kampf gegen die Strömung – das Surfen auf künstlichen Wellen habe in Deutschland, aber auch weltweit extrem zugenommen, sagt Michael Zirlewagen vom Deutschen Wellenreitverband, kurz DWV.

Im DWV sind als Dachverband vor allem die professionellen Surfer und ihre Vereine vertreten, die Wellenreiten oft auch als Leistungssport betreiben. Zirlewagen beobachtet aber mit Freude, dass es immer mehr Amateursurfer gibt. Er geht deshalb davon aus, dass sich in ein paar Jahren mehr und bessere junge Surfer entwickeln werden. Positiv sieht Zirlewagen neben dem sportlichen Aspekt vor allem, dass sich auch immer mehr Vereine für den Surfsport gründeten und eigene künstliche Wellen bauten. Das sei umso bemerkenswerter, da Surfen ja kein Gruppensport sei.

Einer dieser Vereine sitzt in Ulm. 2019 gegründet, hat die Gruppe Ulm Surfing bereits rund 100 Mitstreiter, wie Surfer Linus Reulein sagt. Das große Ziel: eine stehende Welle in Ulm. Als Vorbild dient die inzwischen weit bekannte Eisbachwelle in München. Bis es soweit ist, muss für die Ulmer Surfer eine Brücke an der Iller im Süden der Stadt herhalten. Mit einem modifizierten Bungeeseil, das an der Brücke hängt, stemmen sich die Surfer gegen die Strömung. Bei Wind und Wetter kommen sie hierher.

«Das Ganze ist eine super Übung für das Surfen im Meer», sagt Linus Reulein. Man müsse nicht lange auf eine Welle warten. Die Fahrt ans Meer fällt ebenso weg. Mit dem Rad kommen die Ulmer Surfer nachmittags regelmäßig an den Fluss und können so Minute um Minute auf der Welle aneinander reihen.

Während die Ulmer ihre stehende Welle in der Stadt noch planen, sind andere bereits weiter. An vielen Orten im ganzen Land entstehen neue Wellen, weitere sind in Planung. So hat etwa in Pforzheim der Verein Blackforestwave eine der ersten stehenden Wellen in Baden-Württemberg umgesetzt. Auch in Nürnberg auf der Pegnitz sollen noch dieses Jahr die ersten Surfer auf einer neu gebauten künstlichen Welle reiten können. Und bei München, mit der Eisbachwelle sozusagen Wiege des deutschen Flusssurfens, soll der größte Surfpark Europas entstehen. Bis 2023 sollen im Norden der Stadt bis zu 60 Sportler und Sportlerinnen gleichzeitig auf einer rund 180 Meter langen Welle surfen können.

Auch wenn sich Verbände wie der DWV für den Naturschutz einsetzen und sich der Auswirkungen des Surfens auf Wild- und Meerestiere bewusst sind, gibt es mancherorts Misstrauen gegenüber neuen Surfwellen auf Flüssen. So wurde etwa das Vorhaben in Nürnberg von Anwohnern mit Verweis auf möglichen Lärm und Umweltzerstörung auch kritisch diskutiert. Beim Naturschutzbund (Nabu) sind bislang keine größeren Probleme mit künstlichen Surfwellen bekannt. Doch es sei wichtig, die Auswirkungen auf die Natur im Einzelfall stets genau zu prüfen, sagt eine Nabu-Sprecherin.

Dass es immer mehr Menschen zum Surfen vor allem auf künstlichen Wellen zieht, liegt für Michael Zirlewagen von DWV vor allem an der leichten Zugänglichkeit. Im Meer sei man oft nur wenige Sekunden auf der Welle, auf einer stehenden Welle könne man vieles besser üben und sei länger am Surfen.

Im Wellenreitverband ist das Surfen auf künstlichen Wellen noch eine recht junge Disziplin. Die erste Deutsche Meisterschaft im sogenannten Rapid Surfing, wie der Verband das Surfen auf künstlichen Wellen nennt, fand 2019 statt. Und das seitdem auch stets in kommerziell betriebenen Surfanlagen. Die nächste Meisterschaft soll nach dem Bau von zahlreichen künstlichen Wellen im ganzen Land nun erstmals auf einer Vereinsanlage ausgetragen werden.

Die Surfvereine stecken zwar viel Geld und Herzblut in ihre Anlagen, wie Zirlewagen sagt. Doch als Wirtschaftsfaktor für den Einzelhandel hat sich das zunehmende Wellenreiten aus Sicht von Constantin Schürer noch nicht entwickelt. Der Betreiber eines Geschäfts für Surfbedarf aus Bad Säckingen in Baden-Württemberg kennt den Sport seit vielen Jahren, auch als Preisträger mehrerer Titel bei Surfwettkämpfen.

Doch die meisten der neuen Surfer setzten auf Leihboards, sagt Schürer. Nur wenige kauften sich direkt selbst ein Surfbrett oder einen Neoprenanzug, und die langjährigen Surfer seien versorgt. Doch auch er geht davon aus, dass sich die zahlreichen neuen Surffans mittelfristig beim Umsatz auswirken werden. Durch die vielen künstlichen Wellen in Städten gehe der Sport in die Breite und werde einem größeren Publikum bekannt. Deshalb hat Schürer vor allem die Hoffnung, dass viele der Flusssurfer auch den Weg zum klassischen Surfen im Meer finden. Neben einer stehenden Welle ist das für viele Surfer das eigentliche Ziel – das sieht auch Linus Reulein in Ulm so.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

künstlichen Wellen – artificial wave
Zulauf – run up to
ewiges – eternal
ausreichend – sufficient
Brandung – breakers
künstlich erzeugten – man-made
stehenden – continuous
Brückensurfen – bridge surfing
mittels – by means
Seils – rope
Strömung – current
Leistungssport – performance sport
geht davon aus, dass – assumes that
muss für…herhalten – make do with
stemmen sich gegen – fight against
aneinander – together
reihen – line up
etwa – roughly
umgesetzt – moved
Wiege – cradle
entstehen – come into being
Auswirkungen – effects
Misstrauen – distrust
Vorhaben – project
Anwohnern – residents
Verweis auf – reference to
Lärm – noise
sogenannten – so-called
stets – always
betriebenen – operated
Surfanlagen – surfing facilities
ausgetragen – carried out
Herzblut – life-blood
Wirtschaftsfaktor – economic factor
Surfbedarf – surfing needs
Leihboards – rented boards
versorgt – supplied with
zahlreichen – numerous
mittelfristig – mid-range
Umsatz – sales
auswirken – effect

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*