20. Februar 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Wachsendes Interesse am Eisbaden: Vorsicht nötig

In einem kalten See baden, das soll abhärten. Neulinge lassen es aber lieber langsam angehen. Eine Expertin gibt praktische Tipps und erklärt, was man unbedingt lassen sollte.

Warnemünde: Mitglieder des Vereins Rostocker Seehunde e.V. gehen in die 1,5 Grad kalte Ostsee. Der Winterschwimm-Verein verzeichnete im Corona-Jahr 2020 einen deutlichen Mitgliederzulauf im Vergleich zu den Vorjahren. Möglicherweise liegt das an einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Winterschwimmen und Eisbaden locken immer mehr Neugierige und Interessenten an. Bereits vor der Corona-Pandemie habe es verstärkte Anfragen gegeben, sagte Jelena Bundesmann vom Verein “Berliner Seehunde”.

Inzwischen sei der Verein von 60 auf mehr als 125 Mitglieder gewachsen und habe einen Aufnahmestopp erlassen. “Aber wir sehen auch, dass derzeit noch mehr Menschen ins kalte Wasser gehen. Das Interesse ist gestiegen. Vielleicht auch weil die Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt sind und die Menschen mehr Zeit haben und raus wollen.”

Auch das Gesundheitsbewusstsein spiele eine Rolle, sagte Bundesmann. “Manche sagen, das Eisbaden tue ihnen gut, sie hätten weniger Erkältungen und seien besser durchblutet. Oder es hilft gegen Rückenschmerzen.”

Bundesmann rät Anfängern, langsam mit der Gewöhnung an das kalte bis eiskalte Wasser beginnen und vorsichtig zu sein: “Nicht alleine schwimmen, in flach abfallendes Wasser und nicht direkt ins ganz Tiefe reingehen, nicht ohne Sicherung in Löchern im Eis baden.” Anfangs sei Eisbaden im Stehen oder Sitzen besser als minutenlanges Eisschwimmen. Neopren-Schuhe, eine Mütze und warme Kleidung zum schnellen Anziehen danach sei außerdem nützlich.

Unbedingt sollte jeder beim Winterbaden auf sein eigenes Empfinden hören und sich zu nichts zwingen. Das Wetter könne eine große Rolle spielen. Minustemperaturen mit Sonne, aber ohne Wind könnten für viele angenehmer sein als Winterbaden bei fünf Grad plus und heftigem Wind. “Da spielt auch eine gefühlte Komponente eine Rolle.”

Über den Badeunfall, bei dem am Mittwoch ein Mann in einem eiskalten Berliner See starb, sagte Bundesmann: “Es ist risikoreich. Es ist ein Schock für den Körper. Und mit dem Kopf unter Wasser in Eiswasser zu schwimmen, würde ich niemandem empfehlen, der es nicht sehr lange geübt hat und Schritt für Schritt vorgegangen ist. Wir fangen bei uns ja auch nicht ohne Grund mit der Saison im Herbst an. Und schwimmen jede Woche in die Kälte hinein.”

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Sport

Deutscher WM-Wahnsinn: Schon dreimal Silber für Ski-Asse in Cortina

Nach Romed Baumann im Super-G rasen in Cortina d’Ampezzo auch Kira Weidle und Andreas Sander in der Abfahrt auf Platz zwei. Es ist der beste deutsche WM-Start seit mehr als 40 Jahren.

Ski alpin: Weltmeisterschaft, Abfahrt, Herren: Andreas Sander vom DSV aus Deutschland gewinnt die Silbermedaille.

Von Christoph Lother und Manuel Schwarz
Cortina d’Ampezzo (dpa) – Als Andreas Sander im Sonnenschein der Dolomiten die nächste deutsche Sensations-Silbermedaille in die Höhe reckte, saß Kira Weidle schon im Auto auf dem Weg nach Hause. Den Husarenritt ihres Teamkollegen konnte die Skirennfahrerin am Sonntag aber auch von dort aus verfolgen. «Wahnsinn, absolut!», sagte Sander, nachdem er nach Platz zwei in der WM-Abfahrt von Cortina d’Ampezzo wieder vom Podest gestiegen war. Genau an dieser Stelle hatte tags zuvor schon Weidle nach Rang zwei in der Damen-Abfahrt gestanden – und vergangenen Donnerstag Romed Baumann nach Silber im Super-G.

Es war eine Wahnsinns-Woche für den Deutschen Skiverband (DSV) bei den Titelkämpfen in Italien. Die dauern noch bis Sonntag, aber schon jetzt gehen die Superlative für dieses deutsche Wintermärchen aus. «Für uns ist das gleichzusetzen mit einer Goldmedaille», sagte DSV-Alpinchef Wolfgang Maier nach Sanders famoser Fahrt auf der kniffeligen Vertigine-Strecke. «Für unser Team ist das ein absolutes Sensationsergebnis», sagte Maier, dessen Equipe im Medaillenspiegel aktuell auf Platz drei hinter der Schweiz und Österreich liegt.

Nach Jahren der vergeblichen Podestjagd im Weltcup raste Sander ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft in der Königsdisziplin auf das Treppchen. Dass er Gold um die Winzigkeit einer Hundertstelsekunde hinter dem Österreicher Vincent Kriechmayr verpasste, minderte die Euphorie und die Freude kein bisschen. «Das hätte ich mir nicht erträumen können. Das war ein perfekter Tag», sagte der Ennepetaler, der den Schweizer Mitfavoriten Beat Feuz auf Platz drei verwies.

In 147 Weltcups, drei Olympia-Rennen und acht WM-Events hatte es Sander nie auf das Podium geschafft. Drei fünfte Plätze – unter anderem in diesem Winter beim Super-G in Gröden und der Abfahrt in Kitzbühel – waren seine besten Resultate. Und nun gelang das Happy End von Cortina. «Ich wollte es unbedingt zeigen», berichtete der 31-Jährige von seinem Gefühl am Start. Nach seinem neunten Platz im Super-G am Donnerstag habe er gehadert. Doch diesmal fand der Routinier den nötigen «Mix aus Konzentration und Lockerheit», wie Teamkollege und Rückkehrer Thomas Dreßen analysierte.

Der 27-Jährige wurde bei seinem Comeback genau wie die anderen deutschen Starter in der Abfahrt abgehängt und landete nach einem Patzer im entscheidenden Streckenteil auf Platz 18 (+1,68). «Ich habe mir vorgenommen, das Beste zu probieren», sagte er und erinnerte daran, dass der Sonntag erst sein elfter Skitag nach einer Hüft-Operation im November und der folgenden Reha war. Baumann landete auf Rang 14 (+1,30) und erlitt bei einem Sturz im Zielbereich Schnittverletzungen an Mund und Nase sowie eine Gehirnerschütterung. Dominik Schwaiger wurde 22. (+2,11).

Sander schrieb mit der ersten Medaille für die deutschen Herren in einer WM-Abfahrt seit Florian Eckerts Bronze vor 20 Jahren genau wie Weidle zuvor ein Kapitel Skigeschichte. Die Starnbergerin ist seit Samstag die erste deutsche Vizeweltmeisterin in der alpinen Königsdisziplin seit Katja Seizinger 1996. Hinter der Schweizerin Corinne Suter und vor deren Landsfrau und Super-G-Weltmeisterin Lara Gut-Behrami fuhr Weidle zum größten Erfolg ihrer Karriere. «Ein Traum», sagte Maier. «Eine Hammerleistung», «Weltklasse!»

Zielgenau hatte Weidle den ganzen Winter über auf den Saisonhöhepunkt hingearbeitet, war dabei aber nur zweimal Fünfte in Val d’Isère und Crans-Montana geworden. In Cortina trat die gebürtige Schwäbin von Tag zu Tag überzeugter auf – und wirkte letztlich selbst am wenigsten überrascht von ihrem Coup. Golden glänze ihr Silber fast schon, sagte sie einfach glücklich und zufrieden. «Sie ist als Persönlichkeit gereift», lobte Bundestrainer Jürgen Graller, «sie ist schon ziemlich abgebrüht und fokussiert.»

Im Schatten, aber auch unterstützt von Viktoria Rebensburg, war Weidle in den vergangenen Wintern vom Talent zur Topathletin herangewachsen. Nach dem Rücktritt der Riesenslalom-Olympiasiegerin und den Verletzungen anderer deutscher Speedspezialistinnen tingelte Weidle weitgehend allein durch die bisherige Saison. Doch gestört hat sie das offenbar nicht. Auch technisch habe sie sich verbessert, findet Graller. Und: Mit 24 Jahren ist sie für eine Abfahrerin noch jung, steht daher womöglich erst am Anfang einer großen Karriere.

Zu ihrer Bronzemedaille von der Junioren-WM 2017 ist jetzt jedenfalls bereits eine «Big Sister» dazugekommen, wie Weidle es ausdrückte. Und «es kommen noch ein paar Großereignisse», sagte sie bereits mit Blick voraus, «nächstes Jahr Olympia, dann wieder eine WM.» Perspektivisch auch die Spiele 2026, die die alpinen Damen erneut nach Cortina führen – dorthin, wo das DSV-Team gerade seinen besten WM-Start seit den Heim-Titelkämpfen 1978 in Garmisch-Partenkirchen hingelegt hat.

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Feuilleton

Streaming-Karneval in Venedig

Die Corona-Pandemie hat auch den Karneval in Venedig komplett umgekrempelt. Einige bunte Figuren gab es dennoch – per Internet.

ARCHIV – 04.02.2018, Italien, Venedig: Kostümierte Menschen feiern Karneval. Foto: Jin Yu/XinHua/dpa

Venedig (dpa) – Der Karneval in Venedig hat eine digitale Maske aufgesetzt: Während Städte wie Rio de Janeiro und Nizza wegen der Corona-Pandemie ihre Feste absagten, startete Venedig eine Streaming-Veranstaltung. Jetzt lief eineinhalb Stunden ein Programm mit zwei Moderatorinnen in mittelalterlich anmutenden Kostümen. Übertragen wurde das Karnevalskammerspiel, unterbrochen von Filmen zu Tradition und Akteuren des Festes, aus dem historischen Palazzo Vendramin-Calergi. Einige Tage später folgte die zweite Phase des Internetkarnevals und endete am Aschermittwoch.

Das graue Wetter in der Lagunenstadt machte eigentlich keine Lust auf Kostüm-Spektakel. Doch die Veranstalter hatten ohnehin angekündigt, dass es nicht um echtes Dabeisein gehe, sondern ums weltweite Zugucken. Allerdings gab es in der Übertragung etwa via Facebook keine Übersetzungen aus dem Italienischen für das erhoffte internationale Publikum. Während die Beteiligten betonten «Wir sind technologisch, wir sind innovativ», wirkte vieles eher wie der Appell: «Hallo, uns gibt‘s noch!»

Schriftstellerin Petra Reski («Als ich einmal in den Canal Grande fiel»/März 2021), die in Venedig lebt, schilderte, dass der Rummel ohnehin nicht sehr beliebt sei. «Die Stadt wird überflutet von Tagestouristen, die im Grunde nur auf der Jagd nach Fotomotiven sind – es gibt einen Kostümierten und tausend Nicht-Kostümierte, die fotografieren.» Verdienen am Spektakel würden die wenigsten.

Normalerweise kommen Hunderttausende für das weltberühmte Fest in die norditalienische Hafenstadt. Mit Maskenbällen, Gondel-Paraden und Feuerwerken gehört es zu den wichtigsten Veranstaltungen der Stadt.

Im Vorjahr war der Karneval zwar noch gestartet. Doch am 23. Februar musste der Regionalpräsident Venetiens, Luca Zaia, alles stoppen: Wenige Tage zuvor waren die ersten größeren Corona-Ausbrüche in Norditalien bekannt geworden. Das Land geriet in einen Schockzustand, ein Weiterfeiern wurde unmöglich.

Damals waren noch Karnevalstouristen in der Stadt zu Besuch. Später brach das Reisegeschäft in Italien zeitweise fast ganz zusammen. Das Mittelmeerland zählte seither offiziell mehr als 90 000 Corona-Tote. Überall in Italien gilt aktuell eine nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr. Vielerorts, auch in Venedig, dürfen Bars und Restaurants zwar tagsüber Gäste an Tischen bedienen.

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Gesundheit

Verstopfung: Wenn der Toilettengang zur Qual wird

Keiner redet gern über Probleme mit dem Stuhlgang. Doch es betrifft viele Menschen, nicht nur Ältere. Foto: Christin Klose/dpa

Von Angelika Mayr
Vilsbiburg/Bonn (dpa) – Eine Verstopfung ist nicht nur unangenehm, sie kann auch gesundheitliche Probleme verursachen. Und sie ist ein Volksleiden: Schätzungen zufolge hat ungefähr jeder fünfte Mensch in Deutschland damit zu kämpfen.

Um sich klar zu machen, was dahinterstecken kann, hilft es, sich einmal kurz den Verdauungsprozess im Ganzen zu vergegenwärtigen. «Der Magen-Darm-Trakt ist vom Mund bis zum After etwa sechs Meter lang», erklärt die Gastroenterologin Birgit Terjung, Chefärztin der Abteilung für Innere Medizin an den GFO Kliniken in Bonn.

Die Nahrung wird also über die Speiseröhre in den Magen transportiert, dort zerkleinert und als Speisebrei durchmischt. Im Dünndarm wird der Brei in seine Bestandteile zerlegt, der Dickdarm entzieht ihm Wasser und dickt ihn als Stuhlgang ein. Über den After wird er wieder ausgeschieden.

Das ist ein langer Weg, den die Nahrung zurücklegt, und so verwundert es auch nicht, dass unterwegs Probleme auftreten können.

Ein unangenehmes Gefühl.
Wie oft wir auf die Toilette gehen, schwankt individuell, auch bei gesunden Menschen – der eine geht drei Mal pro Tag, der andere drei Mal pro Woche. Doch wenn es Abweichungen von den zeitlichen Routinen gibt, kann das ein ungutes Gefühl hervorrufen.

«Tritt seltener als üblich eine Stuhlentleerung auf, fühlen sich die Menschen verstopft», sagt Terjung. «Sie haben das Gefühl eines Völlegefühls, einer unvollständigen Stuhlentleerung. Sie müssen stark pressen, berichten über harten oder klumpigen Stuhl, oder es muss gar manuell nachgeholfen werden.»

Das beunruhigt. Manche sorgen sich gar vor einer «inneren Vergiftung», berichtet die Medizinerin. Doch keine Sorge: «Dieser Mythos entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage.»

Zwei Formen von Verstopfung
Mediziner unterscheiden zwei Hauptformen der Verstopfung: eine sogenannte Passagestörung und eine Entleerungsstörung des Enddarmes.

Eine zu langsame Darmpassage führt zu Völlegefühl, einem geblähten Bauch und zu seltenen Stuhlentleerungen. «Diese Form kann von Medikamenten und anderen Erkrankungen kommen», sagt Terjung. Auch eine andere Ernährung – im Urlaub zum Beispiel – kann vorübergehend dazu führen.

Ursächlich für eine Entleerungsstörung des Enddarmes können Verkrampfungen am Darmausgang, eine Beckenbodenschwäche mit einer möglichen Aussackung der Mastdarmvorderwand in die Scheide oder ein eingedickter Stuhlgang sein, erläutert die Gastroenterologin.

Eine chronische Verstopfung wird auch Obstipation genannt und kann in jedem Lebensalter auftreten, erklärt Prof. Christian Pehl. Er ist Leitlinienkoordinator für chronische Obstipation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie und Ärztlicher Direktor am Krankenhaus in Vilsbiburg in Bayern.

Besonders betroffen davon sind allerdings ältere Menschen. «Die Gründe sind Bewegungsmangel, eine ballaststoffarme Ernährung oder eine zu geringe Trinkmenge», sagt Birgit Terjung. Außerdem verändert sich bei Älteren oft die Transportzeit im Darm, der Stuhlgang wird langsamer im Dickdarm transportiert.

Parkinson, Demenz, Depressionen oder Diabetes mellitus können sich ebenfalls negativ auf den Stuhlgang auswirken, so Terjung. Gleiches gilt für Antidepressiva, Parkinsonmittel, Psychopharmaka und opiathaltige Schmerzmittel.

Was bringen Hausmittel?
Wer mit einer Verstopfung zu kämpfen hat, muss nicht immer gleich ärztlichen Rat einholen – man kann in bestimmten Fällen auch erstmal Hausmittel versuchen. «Trockenpflaumen, Dörrobst und Sauerkrautsaft können milde Formen einer chronischen Obstipation gut behandeln», sagt Pehl. «Aber auch hier gibt es manchmal Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.»

Ebenso können Ballaststoffe zur Ernährung ergänzt werden. «Besonders Flohsamenschalen-Präparate bieten sich hier aufgrund ihrer stuhlregulierenden Wirkung an», erläutert Pehl.

Blut im Stuhl
Und wann sollte man zum Arzt gehen? «Ist eine Verstopfung neu und anhaltend, besonders ab einem Alter von 50 Jahren, sollte ein Arzt konsultiert werden», rät Terjung. Das gilt ebenso, wenn starke Blähungen, Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl auftreten.
«Neben einer Ultraschalluntersuchung des Bauches sollte gegebenenfalls eine Darmspiegelung erfolgen», erklärt Terjung. Etwa, um Polypen oder Entzündungen auszuschließen.

Oft werden Abführmittel verschrieben. Sie sollen den Stuhltransport beschleunigen und die Entleerung erleichtern. Dafür gibt es laut Pehl verschiedenste Substanzklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Jedes Medikament sollte nur solange wie nötig eingenommen werden.

Ballaststoffe zur Vorbeugung
Einer Verstopfung lässt sich vorbeugen, wenn man auf eine ausreichende Ballaststoffzufuhr achtet. «Die Empfehlungen liegen hier bei 30 Gramm pro Tag», erklärt Pehl. Mehr vegetarische Mahlzeiten helfen ebenfalls. Und man sollte 1,5 bis 2 Liter am Tag trinken.

Betroffene tun außerdem gut daran, auf genug Bewegung zu achten. Und: Wer muss, sollte diesen Drang nicht unterdrücken.

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Reise

Balkan: Wizz Air verbindet Ruhrgebiet und Allgäu mit Sarajevo

Blick über Sarajevo: Wizz Air fliegt ab der zweiten Maihälfte von Dortmund und
Memmingen nonstop in die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. Foto: Philipp Laage/dpa
                

Dortmund/Memmingen (dpa) – Ab dem Frühjahr können Reisende nonstop von Dortmund und Memmingen im Allgäu nach Sarajevo in Bosnien-Herzegowina fliegen. Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air stationiert ein Flugzeug in der Hauptstadt des Balkanlandes. Ab 20. Mai geht es laut der Airline dreimal pro Woche direkt nach Dortmund, ab 21. Mai zweimal wöchentlich nach Memmingen. Wer nach Bosnien-Herzegowina einreist, braucht einen negativen PCR-Test.

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Papst schafft neuen kirchlichen Gedenktag für Großeltern

Papst Franziskus. Foto: dpa

Vatikan City (dpa) – Papst Franziskus will die Rolle älterer Menschen stärken. Zu diesem Zweck hat er einen neuen katholischen Gedenktag eingeführt. Der „Welttag für Großeltern und Senioren“ soll jährlich am vierten Sonntag im Juli begangen werden. Die Großeltern seien das Bindeglied zwischen den Generationen, so der Papst. Für den ersten „Welttag für Großeltern und Senioren“ am 25. Juli 2021 ist nach Vatikanangaben eine Papstmesse im Petersdom vorgesehen. Die genauen Umstände und mögliche begleitende Veranstaltungen seien von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig.
http://www.vaticannews.va

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Mundschutz statt Clownsnase – der Corona-Karneval

Die Masken sehen in diesem Februar etwas anders aus als sonst. Corona hat den Karneval weitgehend lahm gelegt, Weiberfastnacht und Rosenmontag sind ganz normale Arbeitstage. Einige Lichtblicke gibt es aber doch

Düsseldorf: Hoppeditz-Darsteller Tom Bauer steht vor dem Rathaus Foto: dpa

Von Christoph Driessen.
Köln/Düsseldorf
(dpa) – Für Bernd Stelter (59) ist der Corona-Karneval eine Herausforderung – beruflich und auch beziehungsmäßig. «Ich bin seit über 30 Jahren sehr glücklich verheiratet», versichert der Fernsehmoderator und Karnevalist der Deutschen Presse-Agentur. Nur: «Die Basis unserer glücklichen Ehe war natürlich auch, dass ich zwischendurch unterwegs bin. Jetzt aber hängen wir uns seit einem Dreivierteljahr auf der Pelle.» Alle Auftritte sind abgesagt.

Die Karnevalssaison 2020/21 ist im Wesentlichen nicht existent. «Wir können ja nicht Halligalli machen, während der Rest der Republik in Demut verharrt und sich in häuslicher Bescheidenheit übt», bringt es der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly auf den Punkt.

In normalen Jahren kann man dem organisierten Frohsinn in Hochburgen wie Köln auch als Anti-Karnevalist nicht entgehen. Es kann zum Beispiel sein, dass man plötzlich merkt, dass die Mathelehrerin der Tochter neben einem an der Ampel steht, aber verkleidet als Gurke. Oder man sieht sich früh morgens beim Brötchenholen von einem Regiment Husaren mit weißen Perücken aus der Zeit von Madame Pompadour umzingelt. Und das wohlgemerkt nicht nur an den tollen Tagen von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag, sondern schon viele Wochen vorher.

Letztes Jahr ist der Karneval dem Lockdown noch knapp entgangen. Es spielten sich Szenen ab, die zwei Wochen später unvorstellbar gewesen wären. Der Leiter des Kölner Rosenmontagszugs, Holger Kirsch, erklärte damals, er sehe keinen Grund dafür, warum man an den Karnevalstagen nicht «bützen» (küssen) könne «bis der Arzt kommt». Die Kappensitzung von Gangelt erlangte bundesweite Bekanntheit, weil sie den kleinen Ort an der niederländischen Grenze zu einem der ersten deutschen Corona-Hotspots machte. Bis heute ist sie das bevorzugte Studienobjekt des Virologen Hendrik Streeck.

Dieses Jahr sehen die Masken etwas anders aus als letztes Mal, das Motto heißt jetzt: Mundschutz statt Clownsnase. In der Vorbereitung auf die neue Saison – oder Session, wie der Karnevalist sagt – haben sich die Vereine einsichtig und diszipliniert gezeigt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der organisierte Karneval ist ein Verbandskarneval. Er hat sich deutschlandweit nach dem Vorbild des 1823 gegründeten Festkomitees Kölner Karneval entwickelt, und dieses Gremium steinreicher Großbürger diente seinerzeit keinem anderen Zweck, als das bis dahin wilde Fastnachtstreiben der unteren Klassen in geregelte Bahnen zu lenken und zu entschärfen.

Im Sommer haben die Vereine monatelang Pläne für einen coronakonformen Karneval geschmiedet, um diese dann im Angesicht der zweiten Welle zu begraben. Sitzungen, Empfänge, Gala-Abende und Umzüge – all das ist nicht möglich. Die Stadt Köln hat die tollen Tage für ihre Beschäftigten zu regulären Arbeitstagen erklärt.

Die coronabedingte Absage der Karnevalsfeierlichkeiten kostet die Schunkelmetropole Köln einer Studie zufolge knapp 600 Millionen Euro. Von dem üblichen Umsatz pro Session – also im Zeitraum 11.11. bis Aschermittwoch – blieben dieses Mal wohl nur etwa 9 Millionen Euro, heißt es in einer Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Das entspricht einem Einbruch um mehr als 98 Prozent.

Das Festkomitee Kölner Karneval vertritt allerdings die Ansicht, dass man den Karneval genauso wenig aus dem Kalender streichen kann wie Weihnachten. Und so läuft im Hintergrund doch das ein oder andere: Der Kölner Rosenmontagszug etwa wird im Miniaturformat des Stockpuppentheaters Hänneschen nachgebaut. Die Idee mag sich nicht jedem unmittelbar erschließen – es ist ein bisschen so, als würde die Augsburger Puppenkiste das Oktoberfest nachspielen. Aber zumindest kann man auf diese Weise doch noch die üblichen Motivwagen präsentieren.

In Köln und Bonn gibt es Autokonzerte bekannter Karnevalsbands, in Monheim am Rhein werden so auch Sitzungen abgehalten, unter anderem ein «Altweiber-Drive-in». Dabei sind auch die Autos kostümiert, zum Beispiel mit Ballons, Lichterketten und Luftschlangen. Im übrigen hat sich vieles ins Internet verlagert. Unter jeckstream.de kann man zum Beispiel gegen Bezahlung Sitzungen verfolgen. Ein wirklicher Ersatz ist das alles aber nicht: Schließlich könnte man Karneval als das genaue Gegenteil von Distanzhalten definieren.

Gleichwohl sei es wichtig, den Karneval auch in der gegenwärtigen Krisenzeit für die Menschen spürbar zu machen, sagt Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. Für ihn ergeben sich Parallelen zu den ersten Jahren nach dem Krieg: «Die Botschaft war, dass das Leben irgendwie weitergeht. Und auch jetzt ist der Karneval eine wichtige Konstante.»

Immerhin: Die bekannteste Fernsehsitzung «Mainz bleibt Mainz» soll am Freitag vor Rosenmontag (12.2.) wie gewohnt gezeigt werden, allerdings nicht live, sondern als Aufzeichnung und ohne Saalpublikum. Und mit noch einem Unterschied: Als Zugeständnis an den Ernst der Lage fällt der Zusatz «wie es singt und lacht» weg.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Lichtblicke – rays of hope
beziehungsmäßig – getting involved with somebody
zwischendurch – in between times
auf der Pelle – pestering
Auftritte – appearances
abgesagt – cancelled
Halligalli – large, loud, unorganized party
Demut – humbleness
verharrt – remain in their places
Bescheidenheit – modesty
auf den Punkt – get to the heart of things
Frohsinn – cheerfulness
Perücken – wigs
umzingelt – encircled
n.b. – Weiberfastnacht = day during the carnival season with when women take control
n.b. – “blue” = drunk; Veilchen = violet = roaring drunk
knapp entgangen = just escaped
spielten ab – took place
n.b. – Kappensitzung = carnival costume party meeting
erlangte – achieved
einsichtig – understanding
Gremium – committee
steinreicher – filthy rich
Großbürger = the 1 percent; members of the upper class
Fastnachtstreiben – hustle and bustle of carnival
entschärfen – tone down
geschmiedet – adapted
Angesicht – in the face of
begraben – buried
Umzüge – parades
n.b. – Schunkel– = to link arms and sway with the music
Einbruch – fall
vertritt – supports
Ansicht – view
n.b. – Rosenmontagszug = parade on the Monday before Ash Wednesday
unmittlebar – immediately
n.b. – Augsburger Puppenkiste – marionette theater founded in Augsburg in 1948 & a long-running children’s TV program
Puppenkiste – toy chest
nachspielen – copy
üblichen – normal
Motivwagen – floats
Luftschlangen – streamers
verlagert – shifted
jeck– – fool; carnival reveler
gegenwärtigen – current
spürbar – noticeable
Lage – sitation
fällt weg – omitted

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*