20. Juli 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Neue Beinahe-Katastrophe mit Kreuzfahrtschiff in Venedig

«Bastard, Bastard» und «Verbrecher» rufen Augenzeugen. Ein Kreuzfahrtschiff rammt fast eine Anlegestelle mitten in Venedig. Die Wut über die riesigen Schiffe in der Lagune wächst.

Das Kreuzfahrtschiff “Costa Deliziosa” fährt am Markusplatz vorbei, auf dem zahlreiche Touristen unterwegs sind. Foto: dpa

Venedig (dpa) – Venedig ist nur knapp einem weiteren Unfall mit einem Kreuzfahrtschiff entkommen. Das Schiff «Costa Deliziosa» fuhr am Sonntag bei einem heftigen Unwetter gefährlich nahe an die Anlegestelle Giardini unweit des Markusplatzes. Das fast 300 Meter lange Schiff, das über 2800 Gäste an Bord nehmen kann, verfehlte nur knapp eine Jacht und weitere Boote, wie auf Videos zu sehen ist. Wasserbusse schaukelten wild auf den Wellen im Kanal, während der Kreuzer bei extrem schlechter Sicht schräg durchs Wasser fährt und laut tutet. Ein Schlepper zieht das Schiff noch rechtzeitig vom Pier in der Nähe der Gärten der Kunst-Biennale weg.

Erst Anfang Juni war ein Kreuzfahrtschiff der MSC Cruises in der italienischen Lagunenstadt beim Anlegen außer Kontrolle geraten und in ein Boot voller Reisegäste gekracht. Vier Menschen wurden verletzt. Die Kreuzfahrtgesellschaft machte damals ein «technisches Problem» verantwortlich. Der Streit über die großen Kreuzer tobt seit Jahren.

Nun ging es zwar glimpflicher aus. «Der Kapitän hatte trotz der extremen (…) Umstände immer die Kontrolle über das Schiff», erklärte das Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere laut italienischer Nachrichtenagentur Ansa. Das Schiff habe seine Reise wie geplant fortsetzen können.

Doch die Wut über die riesigen Schiffe in der Unesco-Stadt wächst. «Verbrecher» und «sie gehören alle ins Gefängnis», hört man Augenzeugen auf Videos rufen, als sich die «Deliziosa» dem Pier nähert. «Solange es keine Toten gibt, passiert nichts in Venedig», twitterte die deutsche Schriftstellerin Petra Reski, die in Venedig lebt. Es sei sowieso schon «Wahnsinn», die Kreuzer in die Lagune fahren zu lassen – bei schlechtem Wetter sei es jedoch «kriminell», erklärte das Anti-Kreuzfahrtschiff Komitee No Grandi Navi.

Dass die gigantischen Schiffe durch die Lagune der Weltkulturerbestadt fahren, ist seit Jahren höchst umstritten. Der Vorfall im Juni hat die Debatte darüber wieder voll entfacht. Zwar sind sich alle politischen Akteure einig, dass die Schiffe nicht mehr im Kanal von Giudecca nahe am historischen Zentrum fahren sollen. Wo sie jedoch sonst lang fahren sollen – darüber wird gestritten.

Verkehrsminister Danilo Toninelli kündigte noch am Sonntag eine sofortige Untersuchung zu dem neuesten Vorfall an. «Nach 15 Jahren, in denen nichts passiert ist, stehen wir vor eine Lösung», versprach er. Jedoch zeichnet sich nicht wirklich ein Ausweg ab, da Toninellis Fünf-Sterne-Bewegung eine von der Kommunalregierung favorisierte Lösung blockiert. Dem Verkehrsminister schweben Terminals außerhalb der Lagune vor – wie diese jedoch zu bauen sind, ist fraglich.

Die Stadt Venedig jedoch bevorzugt eine Anlegestelle im Industriehafen von Marghera, der aber erst noch ausgebaut werden müsste. Umwelt- und Kulturschützer wollen die Kreuzer komplett von der Stadt verbannen, denn der Bau neuer Kanäle und Fahrtrouten gefährde auch das sensible Gleichgewicht in der Lagune.

Umweltverbände und selbst der Bürgermeister Luigi Brugnaro hatten von der Unesco gefordert, Venedig auf die Liste der gefährdeten Kulturgüter zu nehmen, damit sich endlich etwas bewege. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen kam diesem Anliegen jedoch bei der letzten Sitzung in Aserbaidschan nicht nach.

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

beinahe Katastrophe – near miss catastrophe
Venedig – Venice
Verbrecher – criminal
Augenzeugen – witnesses
Anlegestelle – wharf
Wut – fury
wächst – is growing
knapp…entkommen – narrowly escaped
gefährlich nahe an – dangerously close to
verfehlte nur knapp – barely missed
schaukelten – swung
Schlepper – tugboat
außer Kontrolle geraten – got out of control
verletzt – injured
tobt – has raged
Umstände – circumstances
fortsetzen – proceeded
Gefängnis – jail
umstritten – controversial
Vorfall – incident
entfacht – ignited
Akteure – players
Untersuchung – investigation
versprach – promised
schweben…vor – has in mind
bevorzugt – favors
Gleichgewicht – balance
gefordert – requested
gefährdeten – endangered
kam…nicht nach – didn’t comply

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Fünf Jahre nach WM-Triumph in Rio: Nur noch Vier sind dabei

Am 13. Juli 2014, Rio de Janeiro, Maracanã-Stadion: Deutschland wird zum vierten Mal Weltmeister, und Bundestrainer Löw steigt in die höchste Erfolgssphäre auf. Fünf Jahre danach sind im DFB-Team noch vier WM-Helden dabei, einer hofft auf sein Comeback

ARCHIV – Brasilien, Rio de Janeiro: Philipp Lahm (M) aus Deutschland hält am 13.07.2014 den WM-Pokal zwischen seinen Teamkollegen Torwart Manuel Neuer (vorne L-R), Miroslav Klose, Kevin Großkreutz, Lukas Podolski und Thomas Müller; Bundestrainer Joachim Löw (zweite Reihe R-L), Mesut Özil und Mario Götze nach dem gewonnen FIFA Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zwischen Deutschland und Argentinien in Rio de Janeiro, Brasilien. Foto: dpa

Von Jens Mende
Berlin (dpa) – Joachim Löw ist noch im Sommerurlaub, in dem er auch seine gesundheitliche Rehabilitation weiter vorantreibt. Am Samstag kann der Bundestrainer noch einmal zurückdenken an die größte Sternstunde in seiner inzwischen 13-jährigen Zeit als Chef der bedeutendsten deutschen Fußball-Mannschaft. Am 13. Juli 2014, um 19.04 Uhr Ortszeit in Rio de Janeiro und kurz nach Mitternacht in Deutschland hatte DFB-Kapitän Philipp Lahm den WM-Pokal aus den Händen der brasilianischen Staatspräsidentin Dilma Rousseff erhalten.

«Das ist eine Sache für die Ewigkeit. Es waren zehn Jahre harte Arbeit. Wir sind in dieser Zeit immer besser geworden. Das war einfach fällig», sagte Löw nach dem Triumph im Kultstadion Maracanã. Der eingewechselte Mario Götze bescherte der Nationalelf an jenem Sonntagabend mit seinem Treffer in der 113. Minute den 1:0-Finalsieg nach Verlängerung gegen Argentinien und dem ganzen Land den vierten Weltmeistertitel. Eine 24-jährige Durststrecke war beendet – Bundeskanzlerin Angela Merkel jubelte auf der Tribüne.

Fünf Jahre später haben Merkel und Löw noch immer ihren Job – und manch heftigen Sturm überstanden. Der Schwarzwälder Löw stieg auf eine Stufe, die zuvor nur Sepp Herberger, Helmut Schön und «Kaiser» Franz Beckenbauer erklommen hatten. Als erster Trainer überhaupt eroberte er mit einem europäischen Team die WM-Krone auf dem amerikanischen Kontinent. Fast eine halbe Million Fans in Schwarz-Rot-Gold bereiteten den Champions auf der Berliner Fanmeile einen rauschenden Empfang. Das Team fuhr in einem offenen Truck von Moabit zum Pariser Platz. «Jetzt haben wir das Scheißding hier endlich», rief Bastian Schweinsteiger mit dem Pokal der Menge zu.

«Ich glaube, dass wir schon das Potenzial haben, auch die nächsten Jahre in der Weltspitze sein zu können», verkündete der damals 54 Jahre alte Löw bei den Feierlichkeiten. Es folgten jedoch Jahre mit vielen Auf und Abs. Die zwölf Monate nach Rio verschenkten Löw und sein Team im anhaltenden Feiermodus, gestand der Bundestrainer später. Lahm und Weltklassestürmer Miroslav Klose hatten da schon ihre Nationalmannschaftskarriere beendet.

An anderen Weltmeistern hielt der zehnte Bundestrainer der DFB-Historie lange, mitunter zu lange fest. 2016 bei der EM in Frankreich scheiterte Deutschland im Halbfinale gegen die Gastgeber, WM-Held Schweinsteiger wurde dabei zur tragischen Figur. Zwei Jahre später in Russland gab es mit dem historischen WM-Vorrunden-Aus ein Debakel. Das überstand Löw nur, weil seine Verdienste zuvor so groß waren. Die von ihm verkündeten «tiefgreifenden Maßnahmen» leitete er erst ein, als sein Team auch noch aus der neu geschaffenen Nations League abgestiegen war. Danach entzog er seinen Weltmeister-Spielern Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng das Vertrauen.

In die EM-Saison 2019/20 geht Löw nur noch mit vier Akteuren, die in der Erfolgsnacht vor fünf Jahren von Rio dabei waren: Torwart Manuel Neuer, Abwehrmann Matthias Ginter sowie die Mittelfeldspieler Toni Kroos und Julian Draxler. Neuer und Kroos standen in der magischen Nacht von Rio auf dem Rasen. Final-Torschütze Götze hofft noch auf ein Comeback im Adler-Trikot.

Nach einem 3:2 in den Niederlanden, einem 2:0 in Weißrussland und einem 8:0 gegen Estland geht es in der EM-Qualifikation für die vier verbliebenen WM-Helden von 2014 am 6. September in Hamburg gegen die Holländer weiter. Löw, der die jüngsten zwei Partien nach einem Sportunfall verpasste, treibt die Aussicht, das Gefühl eines großen Turnier-Triumphes noch einmal genießen zu dürfen. Wenn nicht bei der Europameiserschaft 2020, dann vielleicht bei der WM 2022 in Katar.

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Feuilleton

Augsburger Wassermanagement und Bergbau im Erzgebirge nun Welterbe

Blick über die Tagesanlagen des Schachts „Reiche Zeche“ des Bergwerks „Himmelfahrt Fundgrube“ auf die Stadt Freiberg. Foto: dpa

Von Ulf Mauder
Baku (dpa) – Mit dem historischen Wassermanagement-System in Augsburg (Bayern) und der Bergbauregion Erzgebirge hat Deutschland zwei neue Welterbestätten. Die Zahl der besonders schützenswerten Kultur- und Naturerbes in Deutschland stieg damit auf 46, wie die Deutsche Unesco-Kommission am Samstag mitteilte.

Dagegen scheiterte der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes – eine ehemalige Militärgrenze – in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären. Die deutsche Delegation sprach dennoch von einem großen Erfolg für Bayern und Sachsen gemeinsam mit Tschechien.

Augsburg, die Stadt zwischen den Flüssen Lech und Wertach, wurde als Zentrum des Wasserbaus und der Wasserkraft gewürdigt, in dem sich über acht Jahrhunderte beispielhaft entwickelt habe. Dort spiegelten sich Erfindergeist und Technikgeschichte, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. «Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser», sagte sie.

Wassertürme, Kanäle, Kraftwerke und Prachtbrunnen gehören zu dem Ensemble in Augsburg. Grundlage des Wassermanagement-Systems sei ein ausgeklügeltes und mehr als 200 Kilometer langes Kanalsystem. Die neue Welterbestätte umfasst nach Unesco-Angaben 22 Objekte, darunter auch Wasserwerke der frühen Neuzeit und Brunnen aus der Renaissance. Ein Eiskanal war dort für die Olympischen Spiele 1972 gebaut worden. Er dient heute Kanuten als Trainingsstätte.

Für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí,die in Silberfunden ihren Ursprung hatte, war die Verleihung des UN-Gütesiegels ein lang ersehnter Traum. Seit mehr als 20 Jahren gab es die Bemühungen. Delegierte sprachen von einem «Meisterwerk menschlicher Kreativität» und einer Anlage von universellem Wert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobt das Projekt in Baku als Beispiel für internationale Zusammenarbeit. «Glück auf!», sagte er. Es ist die erste gemeinsame Welterbestätte von Deutschland und Tschechien.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit 5 Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus.

«Das sächsisch-böhmische Erzgebirge war seit dem 12. Jahrhundert Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bergbauregionen auf dem gesamten Kontinent», sagte Böhmer von der Unesco. Bergleute hätten von dort ihr Handwerkswissen in die Welt getragen. Die 1765 im erzgebirgischen Freiberg gegründete Bergakademie ist die älteste noch bestehende Einrichtung ihrer Art.

Von einem «außerordentlichen Ereignis» für Deutschland und Tschechien sprach Jana Mrackova-Vildumetzova von der tschechischen Kreisverwaltung in Karlovy Vary (Karlsbad). Sie hoffe, dass Touristen die Region ab sofort nicht nur als idealen Wintersportort, sondern auch als Kulturlandschaft wahrnehmen würden, sagte sie der Agentur CTK.

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter auch die alte römische Militärgrenze – der sogenannte Donaulimes. Der Antrag – und damit ein möglicher dritter Erfolg für Deutschland – scheiterte an Änderungswünschen Ungarns.

Die Regierung hatte kurz vor der Sitzung dem Unesco-Komitee zufolge einen Teil der Stätte im Norden von Budapest, den Statthalterpalast in der archäologisch erhaltenen römischen Stadt Aquincum, aus der Nominierung gestrichen. Der Weltdenkmalrat Icomos hält den Palast allerdings für besonders wichtig in der Bewerbung um den Titel. Der ungarische Delegierte sagte, dass jede Regierung das Recht auf Änderungen habe. Er bedauere, dass die anderen Staaten die Leidtragenden seien.

Für Österreich war es der zweite Rückschlag bei der Sitzung. Auch der Antrag, die Großglockner Hochalpenstraße in die Liste aufzunehmen, scheiterte zunächst. Die Antragsteller haben allerdings die Möglichkeit, ihre Dokumente zu überarbeiten und sich erneut um das Gütesiegel der UN-Kulturorganisation zu bewerben.

Die Sitzung des UN-Komitees ist in diesem Jahr in Baku, der Hauptstadt der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer. Sie dauerte bis 10. Juli.

Aktuell stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten aus mehr 160 Ländern auf der Liste, darunter mehr als 40 in Deutschland. Mehrere Stätten hatten das Gütesiegel als Welterbe erhalten, darunter in Indien die bei Touristen wegen ihrer Palastanlagen beliebte «rosarote Stadt» Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans.

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Gesundheit /Umwelt

Millionen Raupen befallen Laubbäume nun auch rund um Leipzig

Die Raupe des Schwammspinners (Lymantria dispar) auf einem Blatt der Roteiche.
Foto: dpa

Von Theresa Held
Leipzig (dpa) – Die gefräßigen Schwammspinner-Raupen sind auch in der Nähe von Leipzig aufgetaucht und fressen dort Bäume kahl. Auf etwa 20 Hektar fressen die schwarzbraunen Tiere am Cospudener See an der A38 Blätter vonRoteiche und Birke, wie Bernd Becker, Leiter der Forstbehörde im Landkreis Leipzig jetzt berichtete. «Man hört die Schwammspinner im Wald fressen.» Auch bei Markranstädt westlich von Leipzig seien etwa 20 Hektar Wald von Schwammspinner-Raupen bevölkert, sagte Renke Cordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Sie hätten ganze Bäume kahl gefressen. Zuvor waren Bilder aus Gunzenhausen (Bayern) und Gera (Thüringen) mit großen Mengen derschwarzen, haarigen Raupen auf Häuserwänden und Bäumen aufgetaucht.

Die explosionsartige Vermehrung sei auch unangenehm für Menschen, denen die zutraulichen Raupen sogar an den Beinen hoch krabbelten, sagte Becker. Cordes ergänzte, der Kontakt mit den Tieren könnte zu Hautirritationen führen, sie seien aber insgesamt ungefährlich. Rund um Leipzig würden sich die Raupen in den kommenden Tagen verpuppen. Ab Juli fliegen die Falter aus. In geringerem Ausmaß befielen die Raupen auch Bäume in der Oberlausitz sowie im Vogtland, sagte Cordes.

Grund für die Ausbreitung der etwa fünf Zentimeter langen Raupen sei die anhaltende Wärme, so Becker vom Landkreis. Er hofft auf eine Regeneration der abgefressenen Bäume durch den sogenannten Johannistrieb, einen zweiten Blattaustrieb. Mit Chemikalien wolle die Forstbehörde nicht gegen die Raupen vorgehen, da diese auch Nützlinge vernichten. Allerdings könnten im kommenden Frühjahr biologische Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden, um die Population der Schwammspinner-Raupen einzudämmen, so Becker.

1994 waren laut Sachsenforst mehr als 2000 Hektar im Freistaat von Schwammspinner-Raupen befallen, davon etwa 400 Hektar Waldfläche sehr stark.

Auch 2003 fraßen die Raupen Blätter auf 500 Hektar, 2004 setzte sich der Befall laut Cordes auf 300 Hektar Waldfläche fort.

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Reise

Höhenwandern mit Steinbock-Garantie im Allgäu

Die Steinbock-Tour entlang des Allgäuer Hauptkamms ist der vielleicht spektakulärste Höhenweg Deutschlands. Am Wegesrand grüßt immer wieder ein gehörnter Einheimischer.

Stolze Pose vor den Augen der Wanderer: Allgäuer Steinböcke sind alles andere als scheu. Foto: dpa

Von Florian Sanktjohanser
Oberstdorf (dpa) – Die Pose sitzt: den Kopf stolz erhoben, aufrechte Haltung, die Hörner leuchten im Abendlicht. Ein Bild von einem Bock, vor den samtgrünen Grasflanken der Allgäuer Alpen.

Und was machen die Wanderer, die gerade vorbeikommen? Zücken nicht mal mehr ihr Handy, um ihn zu fotografieren. Sie schauen nur kurz rüber und marschieren weiter, hinab zur Hütte am See.

Der Bock und die Königsetappe
„Wir haben hier eine Steinbock-Garantie“, versprach Thomas Dempfle, der Chef derAlpinschule Oase, vor der Tour. „Wenn die Gäste keine Böcke sehen, bekommen sie ihr Geld zurück. Aber zahlen mussten wir noch nie.“ Es klang wie Prahlerei, Werbegewäsch für einen Höhenweg, dem die Bergschulen in Oberstdorf den Namen Steinbock-Tour gaben.

Gut 38 Kilometer weit führt der Weg entlang des Allgäuer Hauptkamms, 2800 Höhenmeter rauf und wieder runter, durch Schluchten und Bergwald, über Wiesenkämme und Felsgrate, von Hütte zu Hütte. Eine anspruchsvolle Tour – und hochalpin. Der Experte bei der Alpinschule rät, die Route umzudrehen. Denn das gute Wetter in den folgenden zwei Tagen brauche man für den Heilbronner Weg, die Königsetappe.

Ein sanfter Aufstieg Richtung Mädeljoch
Statt die Seilbahn zum Fellhorn oder zur Kanzelwand zu nehmen und zur Fiderepasshütte zu laufen, geht es somit in Spielmannsau los. Um sich langsam warmzulaufen, ist der Zustieg perfekt. Sanft steigt der Weg an durch eine wilde Schlucht. Bald weitet sich das Tal. Auf dem Logenplatz einer Kuppe sitzt die Kemptner Hütte.

Für den vielgepriesenen Rinderbraten ist es noch zu früh. Also marschiert die Gruppe weiter, hinauf zum Mädelejoch. Hier zweigt der E5 ab, es wird ruhiger. Durch Gras und Geröll führt der Weg unterhalb der Felsgrate des Kratzers entlang, manchmal ausgesetzt.

Weit oben die ersten Steinböcke
Und dann stehen da plötzlich die ersten Steinböcke. Ein halbes Dutzend stakst zwischen Felsen umher. Die Tiere sind vielleicht 20 Meter entfernt, aber die Wanderer scheinen sie nicht zu stören.

Kein Wunder, dass die Menschen diese furchtlosen, majestätischen Tiere seit der Steinzeit verehrt haben. Sie malten sie an die Wände ihrer Höhlen und trugen ihr Fell. Später zerstieß man die Hörner zu Pulver, das Herzkreuzlein – die verknöcherte Sehne des Herzmuskels – trug man als Amulett. Es sollte sogar die Macht haben, Tote ins Leben zurückzuholen. Der Aberglaube war das Schicksal des Steinbocks, Jäger rotteten ihn fast überall in den Alpen aus, auch im Allgäu. Erst in den 1960er Jahren wurden hier wieder ein paar Böcke aus der Schweiz ausgewildert. Sie vermehrten sich unter Naturschutz prächtig. 2016 wurden allein im Oberallgäu 441 Steinböcke gezählt.

Über den letzten Ferner der Allgäuer Alpen zur Hütte
Der Weg bis zum Waltenbergerhaus zieht sich. Die Gruppe quert den Schwarzmilzferner, den kläglichen Rest des letzten Allgäuer Gletschers, steigt hinauf zur Bockkarscharte und über einen steilen Schotterhang in endlosen Serpentinen hinab zur Hütte.

Die hellen Schindeln leuchten schon von weitem durch den Nebel. Das Waltenbergerhaus ist brandneu, der halbrunde Holzbau mit Pultdach wurde im Juni 2017 eröffnet. Die Zimmer und Bäder sind hell und großzügig, der Speisesaal hat große Panoramafenster.

Von den Vorstellungen mancher Wanderer und der Realität
Das wecke bei einigen Gästen falsche Erwartungen, sagt Hüttenwirt Markus Karlinger, 55, breites Lächeln, grauer Stoppelbart. „Manche wollen Cappuccino. Aber die Maschine würde zu viel Strom fressen.“

Früher war Karlinger Wirt im Lechtal. Als vor acht Jahren das Waltenbergerhaus frei wurde, griff er zu. Und war schockiert. „Die Hütte war in einem desolaten Zustand, sie wurde lange nicht instand gehalten.“ Die Behörden bemängelten den Brandschutz und das Lebensmittellager im Keller. Am Ende entschied die zuständige Sektion des Alpenvereins, die alte Hütte abzureißen und eine neue zu bauen.

Von der Hütte auf zum Steinschartenkopf
Als einzige Hütte in den Allgäuer Alpen wird das Waltenbergerhaus mit dem Helikopter versorgt. Die meisten Gäste kommen für den Heilbronner Weg, eine Paradetour und die Etappe des nächsten Tages.

Die Morgensonne vergoldet bereits die Bergspitzen, als es den Geröllhang vom Vorabend wieder hinauf geht. Perfektes Bergwetter ist angesagt. Grandiose Panoramen begleiten den ganzen Tag. Der Heilbronner Weg führt über Felsgrate, die auf beiden Seiten Hunderte Meter abfallen, auf den Gipfel des Bockkarkopfs und über eine Sprossenbrücke zum 2615 Meter hohen Steinschartenkopf.

Eine Bilderbuch-Tour endet mit Weizen am Rappensee

Stahltreppchen, Leitern und Seile entschärfen steile und ausgesetzte Passagen, Klettersteig-Ausrüstung braucht man nicht. Entsprechend beliebt ist der Weg. Das Grüßen nimmt kein Ende.

Auch deshalb wird es später Nachmittag, bis sich die Wanderer durch den Felsspalt des Heilbronner Thörles zwängen und über Wiesenhügel absteigen. Das Hohe Licht, der zweiten Zusatzgipfel, wird ausgespart. Stattdessen warten Fotos bei der nächsten Steinbock-Bande.

Vor der Kulisse des glitzernden Rappensees spaziert man schließlich hinab zur gleichnamigen Hütte. Kaltes Weißbier, See- und Bergblick auf der Terrasse – besser wird es nicht.

Steinbock-Tour in den Allgäuer Alpen
Anreise: Mit Bahn oder Auto nach Oberstdorf, von dort mit dem Bergsteigerbus nach Spielmannsau. Um die Tour in umgedrehter Richtung zu gehen, geht es mit der Fellhornbahn zur Bergstation.
Übernachtung: Die Hütten haben maximal von Ende Mai bis Mitte Oktober geöffnet. Die Kemptner Hütte ist oft ausgebucht und trubelig. Reservieren sollte man auch für das Waltenbergerhaus, die Mindelheimer Hütte und die Fiderepasshütte. Auf der Mindelheimer Hütte und Fiderepasshütte gibt es nur Matratzenlager.
http://www.oberstdorf.de

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Etwas Schusseligkeit ist noch keine Demenz

Viele Ältere fürchten eine Demenz, wenn sie im Alltag vergesslicher werden. Foto: dpa

Köln (dpa) – Wo ist der Schlüssel? Und was wollte ich einkaufen? Viele Ältere fürchten eine Demenz, wenn sie im Alltag plötzlich Termine vergessen oder Gegenstände verlegen. Die Angst ist aber unbegründet, heißt es in der «Apotheken Umschau» (Ausgabe A7/2019).

Etwas Schusseligkeit ist demnach kein Einzelfall und zudem angeboren. Manche Menschen lassen sich einfach schneller ablenken – und vergessen darüber ganz alltägliche Dinge. Gegensteuern können Betroffene zum Beispiel mit Routine und Planung: Wer seinen Schlüssel immer an denselben Platz legt oder die Tasche für den nächsten Tag schon abends packt, gibt sich selbst weniger Gelegenheit, etwas zu verlegen oder vergessen.

Ein Fall für den Arzt wird Vergesslichkeit immer, wenn sie auffällig zunimmt oder sich ausweitet. Wer plötzlich Schwierigkeiten hat, Wege zu finden oder Menschen wiederzuerkennen, sollte das abklären lassen. Auch das muss aber noch keine Demenz sein – hinter den Symptomen kann zum Beispiel auch Flüssigkeitsmangel stecken, gerade bei Älteren.

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Aus Allen Staaten

Nachrichten aus der St. Peter’s Kirche in Warren

An jedem ersten Sonntag im Monat (vor dem 10:00 Uhr Gottesdienst) singen wir für 15 Minuten bekannte deutsche Hymnen. Kommen Sie doch mal vorbei und singen Sie mit !!!

Der Seniorenkreis trifft sich 2 x im Monat für ein gemütliches Beisammensein in der Luther Halle. Am 19. Juni fand das jährliche Picknick mit einem Programm und einer guten Mahlzeit statt. Nach der Sommerpause beginnt die reguläre Versammlung am Mittwoch, dem 11. September um 11:00 Uhr. Gäste sind immer willkommen!

Die Gemeinde, in Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Männerchor, hatte am Abend des 22. Juni zu einem Wurstfest eingeladen. Es gab frisch gemachte Bratwurst, Leberkäse, Kartoffelsalat, Sauerkraut, braune Bohnen, Brötchen und Butter. Zum Nachtisch lockten leckere selbstgebackene Kuchen. Nach der Mahlzeit sangen die Gäste mit dem Schwäbischen Männerchor, mit Begleitung von drei Gitarren, altbekannte Lieder in deutscher und englischer Sprache. Dies brachte uns alle in die richtige Stimmung. Verlost wurden zum Schluss noch viele schöne Preise. Wir waren uns alle einig: es war ein sehr, sehr netter und gemütlicher Abend!

Das jährliche Picknick der St. Peter’s Gemeinde findet am Sonntag, dem 28. Juli nach dem Gottesdienst auf dem Grundstück der Kirche statt. Wenn Sie kommen möchten, melden Sie sich bitte bei der Kirchen-Sekretärin Tel.# 586-979-3850) an.

Ein weiterer Hinweis: das jährliche Herbstessen ist für Sonntag, den 28. Oktober 2019 geplant.

In den letzten Jahren beteiligten sich die Kirchenmitglieder, befreundete Kirchen, sowie der GBU Distrikt #821 an dem Aufruf für handgemachte Decken aller Grössen für kranke Babies, Kinder und Jugendliche im Kinderkrankenhaus in Detroit. Die Decken sollen neu und zum waschen geeignet, in jeder Grösse, jeder Farbe, können gestrickt, gehäkelt, oder aus doppeltem Fleece Material mit geknöpftem Rand sein. Auch fertig gekaufte Decken sind willkommen. Die Decken werden ab sofort bis zum 31. Oktober in der Kirche angenommen. Im vorigen Herbst konnten wir mehr als 500 Decken beim Kinderkrankenhaus abliefern, und wir hoffen, diese Zahl auch in diesem Jahr zu erreichen. Es wäre wunderbar, wenn auch Sie, liebe Leserin, sich an dieser gemeinnützigen Angelegenheit beteiligen würden.

Hier nochmals die Telefon-Nummer: 586-979-3850 montags bis freitags zwischen 10:00 und 16:00 Uhr.
A.R.

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