20. März 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Auf St. Pauli brennt kein Licht – Ein Jahr Corona-Pause auf dem Kiez

Schotten dicht auf Hamburgs Amüsiermeile. Seit einem Jahr sind viele Betriebe komplett geschlossen. Das Virus hat das Nachtleben der Reeperbahn beinahe lahm gelegt. Ein Ausweg ist auch ein Jahr später kaum in Sicht.

Menschenleer ist die legendäre Herbertstraße im Rotlichtviertel an der Reeperbahn auf St. Pauli. Mit dem ersten Lockdown am 15. März 2020 beschloss der Senat, dass Bars, Clubs, Kneipen und Bordelle schließen müssen. Viele Betriebe sind seit einem Jahr komplett geschlossen. Foto: dpa

Von Christiane Bosch und Martin Fischer
Hamburg (dpa) – Die Wirte vom Hans-Albers-Platz sind stinksauer. «Für uns ist das Berufsverbot», sagt Odin. Seine «99 Cent Bar» ist seit Monaten wegen Corona dicht, genau wie all die anderen rund um den Platz im Herzen von St. Pauli, auf dem sonst das pralle Leben tobt. «Und die Kosten für Miete und alles laufen weiter», sagt Oli vom «Albers Eck». Micky, die Wirtin der «Nachtschicht St. Pauli», spricht es aus: «Man hat uns allein gelassen.»

Am 15. März 2020 – da war der erste Hamburger Corona-Fall gerade mal zwei Wochen her – beschloss der Senat, dass Bars, Clubs, Kneipen und Bordelle schließen müssen. Der erste Lockdown. «Polizeibeamte kamen zu uns in den Laden und sagten, dass wir um Mitternacht dichtmachen müssen», erinnert sich Oli.

Eine nie da gewesene Situation. Sogar der berühmte, eigentlich rund um die Uhr geöffnete Elbschlosskeller musste eigens ein Schloss kaufen, um schließen zu können. Und auch sonst war plötzlich absolute Stille auf der Amüsiermeile. «Nachtleben ist natürlich in so einer Pandemie eher schwierig», sagt Quartiersmanagerin Julia Staron. «Deswegen gehören die meisten Betriebe auf St. Pauli zu denen, die als erste zugemacht wurden, und wahrscheinlich zu den letzten, die wieder aufmachen.»

Der Verlust des Nachtlebens auf «der geilen Meile» geht nicht nur den Betreibern nahe. Auch Musik-Größen wie Jan Delay hoffen auf bessere Zeiten. Der Hamburger Hip-Hopper («Auf St. Pauli brennt noch Licht») findet klare Worte für den Lockdown im ganzen Land: «Das ist scheiße, doof und traurig. Ich sehne mich fast nach nichts so sehr, wie endlich mal wieder in den Club zu gehen», sagt er.

Den Clubs geht in der Corona-Auszeit langsam die Puste aus, heißt es beim Hamburger Clubkombinat, das etwa 110 Musikspielstätten, rund 50 Veranstalter und ein halbes Dutzend Festivals der Hansestadt vertritt. Kai Schulz vom Vorstand sieht, dass die Kraftreserven vieler bedenklich schwinden. «Die Kulturbehörde unterstützt uns Clubs in diesen schwierigen Zeiten und doch kann auch sie nicht alles retten – ein Jahr Zwangspause führt für die Menschen, die sich in diesem System seit Jahren bewegen, nun zwangsläufig auch zur neuen Orientierung für ihre berufliche Perspektive», sagt der Betreiber der «Hebebühne».

«Es wird sehr wahrscheinlich einige Zeit dauern, bis wir wieder an die Ausgangslage vor der Schließung anknüpfen werden», so Schulz. Doch das lohne sich: «Clubs sind Kultur – sie gehören zu der Identität der Stadt und sind für unser kulturelles und speziell das Nachtleben in Hamburg und besonders auf dem Kiez prägend.»

Das Herz von St. Pauli werde irgendwann wieder so schlagen wie vor Corona, ist «Kiez-Bürgermeister» Falko Droßmann sicher, wenn auch vielleicht mit anderen Betreibern. «Der Kiez ist ja deshalb so besonders, weil er Nischen bietet. Ich habe die Pornokinos, die Prostitution, ich habe die kleinen Bars und die schicken Superclubs. Das ist es ja, was den Kiez ausmacht.»

Das Rotlicht dürfte auf der sündigsten Meile der Welt so ziemlich als letztes wieder angehen. «Es ist schwierig für die Frauen», sagt Gastronom Andy vom Sexy Aufstand Reeperbahn, der die Damen aus der Herbertstraße vertritt, die dort sonst leicht bekleidet in Schaufenstern auf Kunden warten. «Ich befürchte, dass viele in die Illegalität abgetaucht sind.» Ein Hygienekonzept hatten auch sie bereits vorgelegt und ab September wieder Freier empfangen, als es kurz danach in den zweiten Lockdown ging.

Die DJs Raven und Mac Chaotix halten trotz Sturmböen und Regens im Pavillon der Kiez-Mahnwache auf dem Spielbudenplatz die Stellung. «Die Lichter gehen aus» steht hinter ihnen auf einem Bauzaun. Sie konnten schon seit einem Jahr nicht mehr auflegen. Von sofortiger Öffnung halten sie allerdings nichts. «Die sollten lieber einmal einen konsequenten Lockdown für vier Wochen machen, damit wir damit durch sind», sagt Raven.

Quartiersmanagerin Staron geht davon aus, dass die Pandemie noch für viele weitere Monate den Kiez bestimmen wird. «Das echte Partymachen dürfen wir wahrscheinlich erst in 2022 wieder erwarten. Das ist die Realität.» Auch das Pleiten-Ausmaß sei noch gar nicht abzusehen. «Die echten Herausforderungen beginnen erst, wenn die Pandemie vorbei ist. Dann wird sich zeigen, wie es weitergeht und wer wieder auf die Beine kommt. Aber wie ich die Unternehmerschaft auf St. Pauli kenne, sind die alle ganz schön findig.»

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Sport

Mick Schumacher: «bin bereit» – Vettel nach Defekten nicht startklar

Er kann es nicht erwarten. Ein bisschen Geduld braucht Mick Schumacher aber noch. Der Wagen ist kein Kracher, aber die Vorfreude groß. Dagegen wurden die Tests für Sebastian Vettel zu Tagen der Ernüchterung.

Testfahrten vor der neuen Saison, 3. Tag: Mick Schumacher vom Haas F1 Team auf der Strecke in Bahrain. Foto: dpa

Von Jens Marx
Sakhir (dpa) – Mick Schumacher möchte am liebsten schon «morgen» sein Renndebüt geben und «jeden Tag» fahren, Sebastian Vettel bräuchte nach den ernüchternden Testtagen in der Wüste jeden Kilometer. Nachdem Schumacher am Sonntagmorgen zum Abschluss sein Programm im allerdings unterlegenen Haas abspulen konnte und seine Vorfreude aufs Debüt weiter steigerte, verbrachte Vettel notgedrungen wieder zu viel Zeit in der Garage: ein Problem mit dem Ladedruck am schicken, aber noch nicht fitten Aston Martin.

Die Ursache war zunächst nicht bekannt. «Trotzdem bitter. Uns geht natürlich ein bisschen Zeit verloren, vor allem mir», sagte Vettel, der an allen drei Tagen mit Defekten am Wagen zu kämpfen hatte und zum Abschluss mit sechs Sekunden Rückstand Vorletzter wurde – vor dem Teamkollegen Lance Stroll.

Der 15. Platz, den Mick Schumacher belegte, interessierte den Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher am Sonntag nicht wirklich. «Es hat einfach Spaß gemacht. Ich fühle mich gut, ich fühle mich bereit», sagte der 21-Jährige und versprach: «Ich kann nicht sagen, was diese Saison passieren wird, aber ich weiß, dass ich alles tun werde, was ich kann, dass es gut wird und ich hoffentlich ein paar Punkte holen kann.»

Die Hoffnung auf eine packende Formel-1-Saison mit der Rückkehr des elektrisierenden Namens Schumacher sowie dem derzeit noch oder eher wieder strauchelnden Vierfach-Champion Vettel mit Rückkehrer Aston Martin wurde aber von einem ungewohnten Mercedes-Stottertest gestärkt. Zwei Wochen vor dem Auftakt mit dem Großen Preis von Bahrain hinterließen die Herausforderer der erneut schwarz lackierten Silberpfeile teils einen deutlich besseren Eindruck.

«Ich denke, es ist besser, wenn es jetzt nicht rund läuft anstatt beim Rennen», sagte Titelverteidiger Hamilton recht gelassen. «Ich verschwende keine Zeit damit, mir Sorgen zu machen. Das hält mich nur davon ab, Lösungen zu finden», betonte der siebenmalige Champion von Mercedes, ehe er die Tests auf Platz fünf abschloss. Der Wagen wirkte an den drei Tagen nicht so stabil wie sonst. «Ich glaube, wir haben ein aufregendes Jahr vor uns», befand bereits Formel-1-Direktor Ross Brawn.

Auch am Schlusstag überzeugte vor allem das Team, mit dem einst auch Vettel erfolgreich gewesen war. Max Verstappen fuhr im Red Bull die schnellste Runde und lieferte sich dabei einen packenden Zweikampf mit dem japanischen Neuling Yuki Tsunoda – von Red Bulls B-Team Alpha Tauri. «Wir haben das Auto noch mal sehr verbessert. Im vergleich zum Zeitpunkt vor einem Jahr fühlt es sich besser an», betonte der WM-Dritte Verstappen. Sein Vorsprung auf Tsunoda betrug allerdings nur 93 Tausendstelsekunden.

Aber auch McLaren, neuerdings wieder mit Mercedes-Power, und Alpine mit dem 39 Jahre alten zweimaligen Weltmeister und Formel-1-Rückkehrer Fernando Alonso ließen bei den Übungsrunden aufhorchen. Es sei beeindruckend zu sehen, wie schnell die anderen Teams seien, betonte Hamilton: «Ich freue mich, das bringt mehr Spaß.»

Davon hätte Vettel nach seinen Frustjahren bei Ferrari nun auch gern mehr gehabt. Aber: Defekt am Freitag, Defekt am Samstag, Defekt am Sonntag. 117 Runden brachte der 33 Jahre alte gebürtige Heppenheimer zusammen. «Es sind viele kleine Dinge, die den Unterschied ausmachen», betonte er. «Es ist aber normal, dass man mehr als anderthalb Tage braucht, um seinen Rhythmus zu finden.»

Dass Vettel die kurze Zeit zudem nicht wie andere optimal nutzen konnte, dürfte bei der Umstellung vom Ferrari auf den Aston Martin mit Mercedes-Antrieb nicht gerade beschleunigend wirken. «Es ist wie es ist. Ich glaube, die ersten paar Rennmeter werden für uns entscheidend sein», sagte Vettel vor dem Auftaktrennen am 28. März in Bahrain.

Gegen Ende der vergangenen Saison waren dort wegen der Corona-Pandemie sogar zwei Rennen gestartet worden. Diesmal profitiert das Königreich im Nahen Osten von der Verschiebung des Großen Preises von Melbourne, der eigentlich an Sonntag hätte stattfinden und die Saison eröffnen sollen, aber in den Herbst verschoben wurde. Ansonsten gehen die Formel-1-Bosse davon aus, dass die Saison diesmal einen reibungsloseren Verlauf nimmt als 2020. «Wir sind recht optimistisch für eine komplette Saison», sagte Brawn dem Pay-TV-Sender Sky Sport F1: «Meiner Meinung nach sind wir durch das Schlimmste durch.»

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Feuilleton

Nationaler Lesepakt gestartet: Alle
Kinder sollen gut lesen können

Ein «Nationaler Lesepakt» will erreichen, dass alle Kinder in Deutschland flüssig lesen lernen. Foto: Oliver Berg/dpa

Frankfurt/Mainz (dpa) – Ein «Nationaler Lesepakt» will erreichen, dass alle Kinder in Deutschland flüssig lesen lernen. Der Initiative der Stiftung Lesen und des Börsenverein des Deutschen Buchhandels haben sich bereits 150 Partner angeschlossen. Ziel ist es, das gesellschaftliche Engagement für die Leseförderung zu steigern, wie Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) beim Startschuss in Berlin sagte.

«Es gibt noch einiges zu tun», sagte Karliczek, das habe die PISA-Studie gezeigt: Jeder fünfte Jugendliche könne nur einfache Sätze lesen, mehr als die Hälfte der Jugendlichen lese nicht zum Vergnügen, ein gutes Drittel betrachte Lesen sogar als Zeitverschwendung. «Wir müssen sicherstellen, dass alle Kinder in der Grundschule gut und flüssig Lesen lernen», sagte die Ministerin.

«Ohne Lesen geht es nicht», sagte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg F. Maas. «Egal ob in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit: Lesen ist die Grundlage, damit wir unseren Alltag meistern und gestalten.» Aber mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland würden beim Lesen nicht ausreichend unterstützt. «Es ist Zeit zu handeln.»

Es gebe bereits viele gute Initiativen zur Leseförderung, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs. Der Pakt wolle dem Thema größere Sichtbarkeit verleihen und die gesamte Gesellschaft mobilisieren. «Wir wollen das Streulicht zu einem Laserstrahl bündeln.» Den Kampagnenstart bildet eine Plakat-Aktion unter dem Motto «Lesen – eine wahre Superkraft».

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Gesundheit

Übergewicht und Essstörungen:

Pandemie fördert ungesunde Ernährung

Schnell etwa Süßes statt ein warmes Mittagessen – im Lockdown 
schaffen es nicht alle sich gesund zu ernähren.         Foto: Armin Weigel/dpa

Von Irena Güttel
Nürnberg (dpa) – Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf – und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Chips und Limo statt ein warmes Mittagessen in der Schule, regelmäßig Nudeln mit Pesto aus dem Glas, weil neben der Kinderbetreuung wenig Zeit bleibt, aber auch mehr Obst, Gemüse und frisch Gekochtes statt Currywurst und Pommes in der Kantine. «Bei der Ernährung gibt es gerade Licht und Schatten», sagt Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Leidtragende könnten vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsstand sein. «Es zeigt sich, dass die Schere weiter auseinander geht», sagt Donalies. Gut gestellte Familien legten auch im Lockdown großen Wert auf eine ausgewogene Ernährung. In Familien mit eher niedrigem Bildungsstand und geringerem Einkommen fehle dagegen oft das Wissen, wie man sich gesund ernähre. Für viele der Kinder aus diesem Familien sei das Essen in den Kitas und Schulen deshalb besonders wichtig. «Es gibt Kinder, die bekommen in der Schule oder Kita die einzige ausgewogene Mahlzeit am Tag», sagt Donalies.

Ihr Risiko, in der Corona-Krise zuzunehmen, ist nach einer Studie von Münchner Ernährungsmedizinern und Ernährungsmedizinerinnen größer. Nach der repräsentativen Umfrage unter rund 1000 Familien hatten gut ein Viertel aller Eltern und neun Prozent der unter 14-Jährigen im Laufe der Pandemie an Gewicht zugelegt. Bei den über 10-Jährigen aus Familien mit niedrigem Schulabschluss waren es sogar 23 Prozent, wie die Experten in der im Fachjournal «Annals of Nutrition and Metabolism» veröffentlichten Untersuchung schreiben.

«Die Kinder hocken mehr zu Hause rum. Sie bewegen sich zum Teil weniger und snacken mehr», erläutert Autor Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. So aß ein Teil der Kinder in den befragten Familien zwar mehr Obst und Gemüse als vor der Pandemie. Etwa ein Fünftel aller Kinder griff aber auch öfter zu Schokolade, Chips und Limo. Vor allem Kinder über 10 Jahren langten bei süßen und salzigen Snacks häufiger zu.

Dass viele Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie ungesünder leben, ergab auch eine bundesweite Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zur seelischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von 7- bis 17-Jährigen. Dafür befragte das Forscherteam von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern. Danach ernährten sich viele Kinder und Jugendliche ungesund mit vielen Süßigkeiten, zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie trieben überhaupt keinen Sport mehr.

Der Ernährungsmediziner Hauner befürchtet deshalb, dass die Corona-Krise das Problem mit krankhaftem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verschärfen könnte – mit möglicherweise langfristigen Folgen. «Studien zeigen: Etwa 80 Prozent der adipösen Jugendlichen bleiben im späteren Erwachsenenalter adipös», sagt Donalies. Und diese haben dann ein höheres Risiko für Diabetes, Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen.

Das Klinikum Nürnberg bekommt zurzeit eine andere Folge der Corona-Pandemie zu spüren. Auf der psychosomatischen Kinderstation behandeln die Fachleute seit Ende des ersten Lockdowns deutlich mehr Kinder und Jugendliche mit Essstörungen. «Es sind etwa doppelt so viele wie sonst», sagt Chefarzt Patrick Nonell. «Die Magersucht sticht dabei besonders hervor.»

Mehr Stress in den Familien, weniger soziale Kontakte, der Wegfall von festen Tagesstrukturen und dadurch auch von festen Mahlzeiten – all das seien Risikofaktoren, die Essstörungen begünstigen können. Gerade Mädchen, die an Magersucht erkrankten, könnten Stress oft nicht so gut verarbeiten, sagt Nonell.

Sie litten besonders stark unter der Verunsicherung und dem Kontrollverlust in der Pandemie. Dieses versuchten sie auszugleichen, indem sie ihr Gewicht noch stärker kontrollierten. «Dadurch haben sie das Gefühl, wenigstens das selbst in der Hand zu haben», erläutert Nonell.

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Reise

Luxus-Kreuzfahrtschiff geht auf erste Probefahr

Das Expeditions-Kreuzfahrtschiff «Crystal Endeavor» ist zur Testfahrt aufgebrochen. 
   Foto: Stefan Sauer/dpa

Stralsund (dpa) – Das in Stralsund gebaute Expeditions-Kreuzfahrtschiff „Crystal Endeavor“ ist am Freitag zu einer Testfahrt aufgebrochen. Das Schiff hat mit Hilfe zweier Schlepper vom Ausrüstungskai des Stralsunder Standortes der MV-Werften abgelegt. Geplant ist eine dreitägige Probefahrt, wie das Unternehmen mitteilte. Dabei sollen demnach etwa der Antrieb, die Steuerung und die Navigation getestet werden. Das Schiff solle dazu auch in tiefere Gewässer zwischen Rügen und Bornholm fahren.

Eine weitere Probefahrt ist laut Unternehmen für April geplant. Bis dahin sei der Innenausbau nahezu abgeschlossen. Dieser sei wegen der luxuriösen Ausstattung besonders aufwendig, sagte ein Unternehmenssprecher. Das Schiff sei zu mehr als 90 Prozent fertig. Das 164 Meter lange und 23 Meter breite Schiff mit 100 Kabinen war im August 2018 auf Kiel gelegt worden. Es ist das erste von zwei eisgängigen Expeditions-Kreuzfahrtschiffen, deren Bau in Stralsund geplant war. Mit Hilfe von staatlichen Kreditbürgschaften soll die Fertigstellung der Schiffe und der Erhalt der Werften gewährleistet werden.

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So sieht die Pandemie-Mode 2021 aus

Homewear ist der Modehit in Zeiten des Lockdowns und Homeoffices. Das wird erhalten bleiben, vermuten die Trendexperten. Aber wir sehen längst nicht mehr die üblichen Gammelklamotten im Handel, sondern schicke Stücke – wie zum Beispiel bei Juvia.
Foto: Juvia/dpa

Von Nina Kugler
Köln (dpa) – Dieses Zitat wird derzeit viel genannt: Der Modezar Karl Lagerfeld sagte einst, wer Jogginghose trägt, habe die Kontrolle über sein Leben verloren. Nun, in Zeiten einer weltweiten Pandemie, ist genau jene, ehemals als Modesünde verschriene Hose zum beliebten Kleidungsstück avanciert.

Egal ob im Homeoffice, auf der Straße oder der Couch: Die Jogginghose ist allgegenwärtig. Und sie ist nur ein Indiz dafür, wie stark sich die Mode seit Corona entwickelt hat.

Trendanalyst Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut in Köln sagt im Interview mit der dpa, es hätte noch nie eine vergleichbare Situation gegeben, in der sich die Mode so schnell und radikal verändert hätte.

Frage: Was werden die großen Trends dieses Jahr in der Mode?
Carl Tillessen: Im Prinzip das ganze Spektrum zwischen Homewear und wirklicher Sport-Ausrüstung – und allem, was dazwischen liegt. Also alles, was man zwischen Sofa und Yogamatte tragen kann, sozusagen. «Athleisure» – also die Verbindung aus «athletic» und «leisure» – ist immer noch das große Ding. Das entspricht genau unserem Leben. Denn es gibt natürlich die Tendenz, es sich zu Hause so bequem wie möglich zu machen.

Frage: Wird sich das denn auch auf den Street-Style niederschlagen?
Tillessen: Auf jeden Fall. Vielleicht nicht unbedingt eins zu eins auf den Pyjama oder die Homewear. Aber die Geschichte lehrt uns, dass die Menschen eine einmal errungene Bequemlichkeit nicht wieder aufgeben. Zum Beispiel wurde vor circa 100 Jahren das Korsett durch das Reformkleid ersetzt. So eine Entwicklung lässt sich nicht zurück drehen.

Und wir haben uns eben an diese neue Bequemlichkeit gewöhnt. Wir haben ein Jahr lang die pflegeleichteste und bequemste Kleidung, die es auf dem Markt gibt, getragen – und das werden wir auch nicht wieder aufgeben.

Selbst wenn jetzt sämtliche Modedesigner der Welt gleichzeitig ein Comeback des High Heels propagieren würden, würden sich die Konsumentinnen dem verweigern. Weil sie die Bequemlichkeit von Sneakern, Badelatschen und so weiter so zu schätzen gelernt haben – und das ist in vielen Bereichen so.

Frage: Welcher Teil der Modeindustrie leidet besonders unter den Veränderungen?
Tillessen: Unsere Freizeitkleidung hat sich viel weniger verändert, als das, was wir im Beruf tragen, besonders im Büro. Das ist sehr, sehr einschneidend. Wir erleben gerade im Zeitraffertempo eine Entwicklung, die normalerweise wahrscheinlich zehn Jahre gedauert hätte.

In nur einem Jahr sind wir weggekommen von dem klassischen Business-Look, also Anzug, Hemd, Krawatte oder Kostüm und Bluse. Einfach, weil man jetzt im Homeoffice gar keine Verwendung mehr für diese Kleidung hat. Und ich denke, das wird, wie gesagt, auch in dieser Form nicht mehr zurückkehren. Wir werden bei dieser neuen Bequemlichkeit bleiben. Der «casual friday» hat sich auf die ganze Woche ausgebreitet.

Frage: Und im Gegenzug dazu, wer hat besonders profitiert von der neuen Mode?
Tillessen: Naheliegenderweise die Homewear-Hersteller. Aber natürlich auch die richtigen Sport-Ausstatter wie Nike oder Adidas. Denn diese Kleidung wird eben nicht mehr nur zum Sport getragen, sondern auch bei der Arbeit zu Hause. Und auch in der Freizeit ist es genau das, was die Leute brauchen: Man will sich gerade einfach wohlfühlen.

Frage: Schlägt sich das auch auf bestimmte Materialien nieder?
Tillessen: Jersey wird das Material der Zukunft sein, man wird alles Mögliche aus Jersey machen. Das heißt zum Beispiel, dass viel mehr Hosen aus Jersey-Stoff sein werden. Die müssen dann aber gar nicht wie eine Jogginghose aussehen.

Oder ein anderes Beispiel ist das Polohemd: Wenn man im Büro schon noch ein Hemd trägt, dann soll das die Bequemlichkeit von einem T-Shirt haben. Das Gleiche gilt für Jersey-Blazer, die die Bequemlichkeit von Strickjacken haben.

Frage: Was bedeutet das für Schuhe, Hose und Oberteil konkret?
Tillessen: Fangen wir mal unten an: Da werden wir im Grunde beim Sneaker bleiben. Der wird aber eine neue Vielfalt entwickeln, auch an Optiken. Wir werden grundsätzlich das Prinzip der Bequemlichkeit und Leichtigkeit behalten. Das gilt auch für Hosen. Gummizughosen, die aber eben nicht wie Homewear aussehen oder wie Jogginghosen, die man zum Sport trägt, sondern schicker und gepflegter.

Und im Prinzip werden wir das auch bei Oberteilen sehen. Sweatshirts, Polohemden, aber eben nicht die ausgewaschenen, ollen Sportswearoberteile, sondern in edlerer Optik. Genauso werden sich die Leute in Zukunft lieber in federleichte, aber trotzdem sehr warme Steppjacken und -mäntel kleiden, um sich gegen die Kälte zu schützen. Und sich eben nicht mehr den kiloschweren Wollstoff antun wollen.

Frage: Die Mode wird also bequemer. Gilt das auch für Accessoires?
Tillessen: Mein Eindruck ist, dass sich durch das Masketragen die Aufmerksamkeit grundsätzlich eher vom Gesicht, das verhüllt ist, abwendet und der Blick eher nach unten wandert. Dadurch bekommen die Schuhe viel, viel mehr Aufmerksamkeit als früher. Der Schuh ist zu dem wichtigsten modischen Statement überhaupt geworden.

Frage: Welche Rolle spielt die Maske als Accessoire?
Tillessen: Ich denke, am Anfang haben die Leute versucht, den Masken auch ein wenig Spaß abzugewinnen. Aber das Thema ist schon wieder auf dem Rückzug, weil man die Bedrohung inzwischen sehr viel ernster nimmt. Deshalb trägt man jetzt lieber medizinische FFP-2-Masken als witzige Stoffmasken.

Ein Comeback erlebt momentan eher der Handschuh. Der galt länger als etwas altmodisch und uncool. Aber in der Pandemie, in der wir uns bewusst geworden sind, dass überall unsichtbare Viren lauern könnten, öffnen wir die Türe lieber mit einem Handschuh. Er hat jetzt eine neue Doppelfunktion: Er wärmt und schützt zugleich.

Frage: «Hauptsache bequem und funktional» – könnte das das Mode-Motto für 2021 sein?
Tillessen: Na ja, neben dem bequemen Homewear-Look haben die Leute noch einen anderen Look für sich entdeckt. Weil man sowieso nicht mehr in Läden und Restaurants gehen konnte, sind viele, wenn sie dann mal ihre Wohnung verlassen haben, eher raus aufs Land als rein in die Stadt gefahren.

Das heißt, viele Leute haben sich stärker nach draußen in die Natur begeben. Sie haben die Natur stärker genutzt, sage ich mal. Sie sind mehr outdoorsy geworden. Spazieren gehen, Joggen, Picknicken. Und dafür haben sie sich die passende Kleidung gekauft.

Und dadurch ist der entsprechende Look zum Trend geworden. Wachsjacken, Gummistiefel, Tweedkappen und so weiter. Während in den letzten Jahren alle Leute gern so urban wie Großstädter aussehen wollten, wollen sie jetzt gern ein bisschen rustikal aussehen. Der Landhausstil in der Kleidung hat gerade ein enormes Comeback.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Glück im Grünen: Gärtnern ohne Schrebergarten im Trend

Ein eigener Garten wird in vielen Städten mittlerweile zum Luxus – die Wartelisten explodieren. In diesen Zeiten entdecken mehr Hobbygärtner Alternativen für sich.

Berlin: Max von Grafenstein, Landwirt, schiebt eine Sämaschine. Ein eigener Garten wird in vielen Städten mittlerweile zum Luxus – die Wartelisten explodieren. In diesen Zeiten entdecken mehr Hobbygärtner Alternativen für sich. Foto: dpa

Von Anja Sokolow
Berlin/Bonn (dpa) – Der heimischen Enge entfliehen, Abstand halten und sich erholen – das funktioniert momentan besonders gut im eigenen Garten. Doch während in vielen dünn besiedelten Regionen Kleingärten keine Pächter finden und Vereine mit Leerstand kämpfen, explodieren in Großstädten die Wartelisten für Parzellen regelrecht
Eine Alternative sind für Hobbygärtner zunehmend sogenannte Mietgärten: Komplett vorbereitete Parzellen auf Feldern, auf denen sie nur noch hacken, jäten und ernten müssen. Auch hier steigt die Nachfrage: «Auf unserer Warteliste stehen rund 2500 Personen», sagt etwa der Berliner Landwirt Max von Grafenstein von «bauerngarten». An vier Standorten in Berlin und Brandenburg vermietet er insgesamt 900 Parzellen. «Für viele ist es beglückend, einmal in der Woche lebendige Erde zwischen den Fingern zu spüren», erklärt von Grafenstein. 
«Es ist eine neue Form der Erzeugung, eine Kooperation zwischen Landwirt und interessierten Städtern», so von Grafenstein. Zwei bis drei Stunden seien pro Woche etwa nötig, um knackiges Biogemüse zu ernten. «Diese Arbeit wird normalerweise von unterbezahlten rumänischen Saisonkräften geleistet.» Gern würde er sein Angebot ausbauen, doch die Flächen sind knapp. 

Die Arbeit in der Natur wirke sich positiv auf die seelische Gesundheit aus, sagt der Berliner Psychiater und Stressforscher Mazda Adli. Bereits Stadtgrün wie Parks, Beete oder Bäume am Straßenrand senke den Stresslevel. «Bei Gartenarbeit kommt noch ein zusätzlicher psychologischer Effekt dazu: Man schafft mit den Händen ein sichtbares Werk, ein Erfolgserlebnis. Das sorgt für Selbstwirksamkeitserleben, was positive Emotionen stimuliert und uns mit Stress besser umgehen lässt», so der Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin. 

Susma Voigt ist seit 2020 Kundin bei bauerngarten: «Ich kann es schon kaum erwarten, dass es dieses Jahr wieder losgeht», erzählt die 30-jährige Wahl-Berlinerin. «Ich bin zweimal die Woche zum bauerngarten nach Brandenburg raus fahren, manchmal einfach nur, weil es so gut tut im Grünen zu sein», so Voigt. 

«Ich hatte eine 22-Quadratmeter-Parzelle. Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich: Oh je, das ist ja viel kleiner, als ich es mir vorgestellt habe, ob das wirklich so viel abwirft?» Aber mit dem Sommer habe sich diese Wahrnehmung ins Gegenteil gekehrt. «Ich habe mit meinem Partner zusammen davon gegessen. Und das hat üppig gereicht», so Voigt. 

Eine deutlich gestiegene Nachfrage registrieren auch andere Anbieter, etwa die tegut-Saisongärten, die überwiegend von Bio-Landwirten in Hessen, Bayern und Thüringen betrieben werden. «In diesem Jahr haben einige Landwirte ihre Flächen vergrößert, außerdem sind viele Parzellen bereits deutlich früher ausgebucht als sonst», berichtet Projektleiterin Stefanie Krecek. «Es sind viele junge Leute dabei, sie wollen ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern, sich gesund und nachhaltig ernähren

Bundesweit in 21 Städten aktiv ist das Bonner Unternehmen «meine Ernte», das seine Kapazitäten ebenfalls ausgebaut hat. «In Stuttgart haben wir beispielsweise aktuell 310 Gärten – 100 mehr als noch 2020», berichtet Projektmanagerin Ina Remmel. Für viele sei ein Mietgarten eine gute Möglichkeit, das Gärtnern ohne großes Risiko erst einmal auszuprobieren. Und einige Gärtner überbrückten damit auch die Wartezeit auf einen Schrebergarten. 

Das geht auch Susma Voigt so. «Ein Kleingarten wäre super. Ich bin auch auf der Suche und stehe auf diversen Wartelisten, aber die Nachfrage ist in Berlin enorm gestiegen, und die Gärten werden eher weniger als mehr», sagt sie. 

«In unsereren Vereinen stehen mittlerweile etwa 15 000 Personen auf einer Warteliste, vor der Pandemie waren es etwa 12 000 bis 13 000», sagt der Präsident des Berliner Landesverbands der Gartenfreunde, Michael Matthei. Und das seien noch nicht einmal alle Anwärter, denn einige Vereine hätten ihren Listen wegen des großen Andrangs schon geschlossen.

Die Corona-Pandemie habe zwar einerseits zu einem Nachfrageschub geführt, andererseits leider bei einigen Gärtnern, vor allem Künstlern, auch dazu, dass sie sich nun keine Parzelle mehr leisten könnten, bedauert Max von Grafenstein. Die 22 oder 45 Quadratmeter großen Parzellen sind bei ihm ab 255 Euro beziehungsweise 430 Euro zu haben. 

Aber auch für Grünliebhaber ohne jegliches Grundstück gibt es Möglichkeiten, sich gärtnerisch zu betätigen. Die Berliner Schrebergärtnerin und Garten-Bloggerin Caroline Engwert hat gerade ihren Ratgeber «Indoor-Ernte» zum Gärtnern ohne Garten veröffentlicht. «Auch im Zimmer kann man erfolgreich Salate, Kräuter und pflegeleichte Gemüsesorten anbauen», so Engwert in ihrem Ratgeber. Nicht einmal ein Balkon sei dafür nötig.  

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Schrebergarten – community garden plots
entfliehen – escape
dünn besiedelten – sparsely populated
Pächter – lessees
Parzellen – parcels of land
regelrecht – downright
hacken, jäten, ernten – hoe, weed, harvest
Landwirt – farmer
bauerngarten – farmland gardens
Erzeugung – production
Knackiges – crunchy
Saisonkräften – seasonal workers
wirke aus – has consequences
seelische – mental
Beete – (flower, etc.) beds
Straßenrand – roadside
sichtbares – visual
Erfolgserlebnis – successful experience
Selbstwirksamkeit– – self-efficacy
vorgestellt – imagined
abwirft – yields
Wahrnehmung – perception
üppig – amply
n.B. Tegut – supermarket chain based in Fulda
tegut-Saisongärten – a regional network of garden plots
Bio-Landwirten – organic farmers
betrieben – pursued
ausgebucht – sold out
Fußabdruck – footprint
verkleinern – reduce
nachhaltig – sustainably
ernähren – nourish
auszuprobieren – try out
überbrückten – spanned
Anwärter – contenders
Andrangs – crush
leisten könnten – couldn’t afford
jegliches – any
Ratgeber – guidebook
veröffentlicht – published
pflegeleichte – low-maintenance
nicht einmal – not even

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*