21. September 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Letzte Reise mit der Harley

Im Motorrad-Gespann zum Friedhof: Ein Bestatter aus Bad Kötzting fährt Sarg oder Urne auf Wunsch mit einer Harley Davidson zur Beerdigung. Eine erste Interessentin hat sich bereits gemeldet.

Bestatter Wolfgang Frisch fährt mit seinem Bestattungsmotorrad, einer umgebauten Harley-Davidson, durch den Ort. Mit der Harley-Davidson können Motorradfans im Sarg oder Urne ihre letzte Reise antreten. Foto: dpa

Von Ute Wessels
Bad Kötzting (dpa) – Auch ihre letzte Reise können Motorradfans mit einer Harley Davidson antreten. Ein Bestattungsunternehmen aus der Oberpfalz (Bayern) bietet die Fahrt zur Beerdigung mit dem legendären Bike an. Das schwarze Sondermodell mit Beiwagen hat Platz für einen Sarg oder eine Urne. «Es geht darum, den Verstorbenen zu würdigen», sagt Wolfgang Frisch. Der 55-Jährige ist selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seit vier Wochen steht nun in seinem Geschäft die Maschine mit dem Leichenbeiwagen bereit – eine von ganz wenigen in Deutschland und die einzige dieser Art in Bayern.

Eine Harley Davidson fällt auf, und das Modell von Bestatter Frisch ganz besonders: Im Beiwagen steht unter einem Panoramafenster eine Urne. Umrahmt ist sie von LED-Kerzen und einem silbernen Kreuz. Auf Wunsch können auch der Helm und die Lederjacke des Verstorbenen dazu gelegt werden. Eine erste Interessentin habe sich schon gemeldet, sagt Frisch. Eine Motorradfahrerin aus Stuttgart wolle nach ihrem Tod mit dem Gespann zur Beerdigung gefahren werden.

Vor drei Jahren hat Frisch eine Bestattung mit einem Motorradgespann durchgeführt. Damals sei der Pfarrer im Beiwagen gesessen und habe die Urne des Toten gehalten. Die Motorradfreunde seien mitgefahren und später Spalier gestanden. Da habe er sich näher mit dem Thema befasst. Nun hat sich der Unternehmer aus Bad Kötzting (Kreis Cham) eine Bestattungs-Harley gekauft. 100 000 Euro investierte Frisch nach eigener Aussage – inklusive einem speziellen Anhänger, in dem das 2,30 Meter breite Gespann transportiert werden kann.

In den USA seien solche Bestattungen nicht so ungewöhnlich, berichtet Frisch. Hierzulande sind sie noch eher selten. Das europaweite Patent auf die Fahrzeuge hat Jörg Grossmann aus dem hessischen Neu-Anspach, wie dieser sagt. Er sah 2009, wie ein Mitglied des Rocker-Clubs Hells Angels in Arizona mit dem Bike zur letzten Ruhe gefahren wurde. Das habe ihn auf die Idee gebracht, das auch hier anzubieten.

Sein zweiter Prototyp, damals noch mit einer Kawasaki, habe die Straßenzulassung vom Kraftfahrtbundesamt erhalten. Danach wechselte Grossmann den Job: Der Immobilienökonom wurde Motorradbestatter. Die Kawasaki verkaufte er einem Bestattungsunternehmer in Sachsen und legte sich selbst ein Gespann mit Harley Davidson zu. Ein weiteres verkaufte er nach Berlin und nun eines nach Bayern. Etwa 50 Fahrten mache er pro Jahr, berichtet Grossmann, der privat auch Biker ist.

Für Motorradfreunde sei das eine würdevolle Form der Verabschiedung. Wenn Dutzende oder gar 500 Biker den Verstorbenen begleiten, habe das etwas von einem Staatsbegräbnis. Und wenn alle zeitgleich den Motor ihrer Maschinen anließen, «dann sorgt das für ein Kribbeln im Bauch».

Die Maschine, die Grossmann nun Frisch verkauft hat, ist extra umgebaut worden, um das Gewicht eines Sarges halten zu können. 900 Kilogramm Zuladung seien genehmigt, das genüge auch für einen Sarg in Übergröße. Fahrwerk und Bremsanlage seien verstärkt und zudem ein Rückwärtsgang eingebaut worden. So lasse sich das sperrige Gespann leichter rangieren, sagt Frisch.

Frisch zufolge wandeln sich Bestattungen seit einigen Jahren stark. Immer weniger Menschen wollten eine klassische Erdbestattung auf dem Friedhof. Stattdessen seien Urnengräber, ein Platz in einer Urnenwand oder in einem Trauerwald gefragt. Auch für spezielle Bestattungen wie mit dem Motorrad seien die Menschen offener, glaubt Frisch.

Eine Einschätzung, die sowohl Jörg Grossmann als auch ein Fachmann des Bestatterverbandes Bayern in München teilen. Immer mehr Menschen befassten sich heute mit der Frage, wie sie beerdigt werden wollen, und legen das für ihre Angehörigen bereits fest. Das mache es den Hinterbliebenen leichter, sagt Grossmann.

Jörg Freudensprung vom Bestatterverband findet das sinnvoll. Es gebe auch Bestattungen mit einem Oldtimer oder einer Kutsche. «Wir haben nichts dagegen, sondern finden es toll, dass so etwas möglich ist.» Und wenn jemand zu Lebzeiten äußert, wie seine Bestattung ablaufen soll, hätten die Angehörigen später das Gefühl: «Wir erfüllen ihm seinen letzten Wunsch.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Gepann – here: vehicle
Bestattungsunternehmen – funeral home
Verstorbenen – deceased
würdigen – honor
leidenschaftlicher – passionate
Kerzen – candles
Pfarrer – pastor, minster
Spalier – here: pallbearers
befasst – engaged; concerned with
Unternehmer – undertaker
Bestattungen – burials
ungewöhnlich
– unusual
anzubieten – to offer
Straßenzulassung – licensed as street legal
Immobilienökonom – real estate economist
Verabschiedung – farewell
begleiten – accompany
Staatsbegräbnis – state funeral procession
anließen – started
Kribbeln im Bauch – here: butterflies in the stomach
Sarg – coffin
verstärkt – strengthened
Rückwärtsgang – reverse gear
sperrige Gespann – bulky vehicle
klassische Erdbestattung – traditional interment
Trauerwald – (designated) natural final resting place
Fachman – expert
befassten – deal with
festlegen – fix, set
Angehörigen – relatives; members
sinnvoll – sensible
Oldtimer – classic car
Kutsche – carriage; coach
Lebzeiten äußert – expresses in one’s lifetime
ablaufen – proceed
erfüllen – fulfill

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Sehnsuchtsziel Antholz: Simon Schempps langer Weg zur Biathlon-WM

Der erste Schritt ist getan. Nach schwierigen Monaten kehrt Simon Schempp ins Weltcupteam der deutschen Biathleten zurück. Besonders motiviert den Schwaben das Saison-Highlight im Winter in Südtirol.

Der Biathlet Simon Schempp trainiert beim Biathlon Medientag des Deutschen Skiverbands. Foto: dpa

Von Thomas Wolfer
Ruhpolding (dpa) – Selbst in seiner größten persönlichen Krise wollte Simon Schempp nicht aufgeben. «Ich war mir immer sicher, dass ich wieder Weltklasse-Leistungen bringen kann», sagt der viermalige Biathlon-Weltmeister. Nachdem der 30-Jährige die vergangene Saison vorzeitig beenden musste, hat sich der Schwabe nun eindrucksvoll zurückgemeldet. Bei den deutschen Meisterschaften holte Schempp alle drei Einzeltitel – und verdiente sich die Rückkehr ins Weltcupteam.

Rückenprobleme, eine Schulteroperation nach einem Mountainbike-Sturz und anhaltende Formschwäche: Im Februar ging bei Schempp nichts mehr. Er sagte seine WM-Starts ab und zwang sich selbst zur Pause. «Man kann den Körper nicht austricksen», sagt Schempp nun rückblickend. Mehrere Wochen erholte er sich. Ein Schritt, der dringend notwendig war. «Er wäre jetzt nicht da, wo er ist, wenn er diese Entscheidung nicht getroffen hätte», sagte Bundestrainer Mark Kirchner.

Mitte Juli habe sich bei ihm ein «Schalter umgelegt», sagt Schempp. Endlich habe er wieder so trainieren können wie früher. Der Körper regenerierte, er wurde wieder gierig. «Natürlich sehne ich mich nach meinen besten Zeiten, denn es macht wahnsinnig viel Spaß, da vorne mitzurennen», sagt Schempp. Der Uhinger gewann in den vergangenen Jahren drei Olympia-Medaillen, achtmal Edelmetall bei einer WM und feierte zwölf Weltcupsiege. Ob weitere Erfolge dazu kommen?

«Ja. Und dann wäre ich schon stolz, weil ich weiß, wie schwierig das ist», sagt Schempp. Da trifft es sich gut, dass die nächste WM im Februar 2020 in Antholz stattfindet. Fünf Siege erkämpfte Schempp dort bereits, so viele wie nirgendwo sonst. «Antholz ist ein riesiges Highlight für mich. Der Ort, die Strecke, die Höhe – das alles liegt mir sehr gut», sagt Schempp und schwärmte vom Ort in Südtirol.

Seine Zwangspause legte er auch ein, um für Antholz neue Kraft zu sammeln. Schempp weiß aber, dass der Weg dorthin noch sehr weit ist. «Ich hoffe, dass es wieder eine konstante Saison wird, dann ist die Chance hoch, dort vorne mitzumischen», sagt Schempp, der sich erstmals seit Jahren für das Weltcupteam qualifizieren musste. Seine überzeugenden DM-Titel – den letzten holte er am Samstag in seiner Wahlheimat Ruhpolding im Massenstart – sicherten ihm den Platz für den Saisonstart Ende November im schwedischen Östersund.

«Er hat viel Selbstvertrauen dazu gewonnen, das sind sehr positive Zeichen, dass er seine Leistungsfähigkeit zurückgewonnen hat», sagt Kirchner über den Massenstart-Weltmeister von 2017. Und auch wenn es nur deutsche Meisterschaften auf Skirollern waren, glaubt Schempp nun wieder ein bisschen mehr an seine eigene Stärke – und hat vor allem einen Wunsch: «Früher war ich sehr oft krank, jetzt war ich sehr oft verletzt. Ich hoffe, dass ich das alles endlich abgehakt habe.»

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Feuilleton

Kirchenfenster von Markus Lüpertz enthüllt

Markus Lüpertz, Maler und Bildhauer, steht in der Bamberger St. Elisabeth-Kirche vor einem von ihm gestalteten Fenstern (r) welches zuvor enthüllt wurde. Foto: dpa

Bamberg (dpa) – Der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz hat für die Bamberger St. Elisabeth-Kirche acht Glasfenster gestaltet – vor Kurzem ist das erste enthüllt worden. Das Fenster trägt den Titel «Die alte Frau – Almosen geben» und stellt wie die noch folgenden Fenster eine Szene aus dem Leben der Heiligen Elisabeth dar. Bei der Enthüllung waren unter anderen Lüpertz und Erzbischof Ludwig Schick anwesend.

Die Idee zur Gestaltung des fünf Meter hohen und eineinhalb Meter breiten Fensters stammt laut Stadt von dem 78-jährigen Künstler selbst. Seit einer Ausstellung vor 13 Jahren sei Lüpertz in Bamberg präsent. Auch direkt vor der Kirche steht eine Skulptur («Apoll»). Die weiteren sieben Fenster müssen laut Stadt noch finanziert werden und sollen daher nach und nach eingebaut werden. Die Entwürfe können Kirchenbesucher bereits auf Infotafeln begutachten.

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Lüpertz wird oft als «Malerfürst» tituliert, lehnt die Bezeichnung aber selbst ab. Er lebt in Karlsruhe, wo er aktuell U-Bahn-Stationen mit Keramiktafeln verziert. Lüpertz war 20 Jahre lang Rektor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Kirchenfenster hat Lüpertz bereits für andere Städte geschaffen; ein geplantes Fenster für Hannover ist noch umstritten.

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Gesundheit

Die Gartentherapeuthin hilft: Grüne Stunde für Alte und Kranke

„Grüne Stunde“ mit Gartentherapie: Blätter anfassen, Früchte probieren, Rosen schnuppern, Samen in kleine Töpfe legen. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Den Sommerstrauß im Foyer einer Senioreneinrichtung haben Bewohner selbst zusammengestellt. Sie befühlen auch Pflanzen und graben Erinnerungen aus. Eine Therapeutin hat die Lust aufs Grüne geweckt.

Im Hochbeet auf dem Hof des Seniorenhauses sprießen Schnittlauch, Salat und Gewürztagetes. In einem anderen Kasten macht sich eine Kürbispflanze breit. Unweit davon rankt eine Trichterwinde mit blauen Blüten.

Jede Woche treffen sich hier ältere Menschen zur „Grünen Stunde“ mit Gartentherapeutin Marlit Bromm. Blätter anfassen, Früchte probieren, Rosen schnuppern, Samen in kleine Töpfe legen – „Inseln schaffen, in denen es ihnen gut geht“, das sei das Anliegen für die offene Runde, sagt die gelernte Gärtnerin.

Gartentherapie
Einige der Bewohner sind an Demenz erkrankt. Auch wenn kognitive Fähigkeiten verschwinden, seien die Sinne da, meint Bromm. Da knüpfe sie an. „Gerüche zum Beispiel können Erinnerungen und klare Momente auslösen“, sagt die 49-Jährige. Sie freut sich, wenn dann Menschen zu sprechen beginnen, die lange nichts gesagt haben. „Das ist ein wunderschöner Austausch“.

Bromm erinnert sich an eine schweigsame Dame, die stets abseits saß. Als die Gartenfrau einmal ein Blatt von einem Götterbaum mitbrachte und die Größe schätzte, kam plötzlich Einspruch aus der stummen Ecke: „Das ist keinen Meter lang“. Das Nachmessen habe dann 97 Zentimeter ergeben. Die Seniorin war früher Schneiderin mit feinem Augenmaß.

Die Einrichtung an der Danziger Straße hinter einem Hochhaus-Komplex in Berlin-Friedrichshain hat sich Bromm nach ihrer Gartentherapie-Weiterbildung selbst gesucht – und rannte offene Türen ein. Nun kommt sie schon seit zehn Jahren hierher zum Pflanzentreff und Basteln mit Naturmaterialien. Jeder Monat hat ein anderes Thema, im Juni ging es um Beeren.

Ältere Menschen mit psychischen Störungen
Daneben begleitet die Selbstständige mit dem grünen Faible und vielen Ideen ältere Menschen mit psychischen Störungen in einem Berliner Krankenhaus. Nach Bromms Schätzung sind etwa 30 bis 25 Gartentherapeuten in Berlin unterwegs.

Der Beruf sei in Deutschland nicht staatlich anerkannt, bedauert die Gartenfrau. „In England kann man das richtig studieren.“ Die Mutter zweier Kinder hatte zunächst Gartenplanung und Landespflege in Berlin studiert. Nachdem sie auch Privatgärten gestaltete, habe sie Neues gesucht. „Das liegt mir, auf Leute zuzugehen – die Diagnose ist zweitrangig“, meint Bromm, die im Brandenburgischen aufwuchs.

Viele Menschen erkrankten psychisch, macht sich die Therapeutin Sorgen. Der Druck in der Arbeitswelt nehme enorm zu. Da seien Natur, Pflanzen, Wald, Grünes wichtig, ein Schlüssel zum Wohlbefinden. „Da muss ein Umdenken stattfinden.“ Die gelernte Gärtnerin ist aber gegen „Zwangsbeglücken“ von Menschen. Sie mache Angebote und gebe Anregungen. So könne man auch auf dem Weg zur Apotheke ganz bewusst schauen, was da am Wegesrand wächst, und sich die Farben ansehen.

Ausbildung zum Gartentherapeuten
Mehrere Einrichtungen bieten in Deutschland eine private Ausbildung zum Gartentherapeuten an.

Bei der Internationalen Gesellschaft Gartentherapie, die selbst Seminare anbietet, kann man sich dann über ein Punktesystem als Therapeut registrieren lassen.

Jedes Stückchen Grün und Natur habe das Potenzial, therapeutisch und sozial genutzt zu werden und so zur Gesundheit des Einzelnen beizutragen, heißt es auf der Website des im hessischen Grünberg ansässigen Vereins.

Mitglieder sind etwa der Zentralverband Gartenbau, die Wiener Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, der Deutsche Verband der Ergotherapeuten und eine Schweizerische Gesellschaft für Gartentherapie.

In Berlin sagt die Managerin der Senioren-Einrichtung an der Danziger Straße, die grüne Gartenstunde „macht ganz viel“ mit den Teilnehmern. Die Zeit halle nach, sagt Corinna Wiesner-Andersch. Das könne auch ein Butterbrot mit selbst gezogener Kresse sein.

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Reise

Spanien ist laut Weltwirtschaftsforum das beste Reiseland der Welt

Weiße Gewölbe: Die Synagoge Santa María la Blanca in Toledo, Spanien, ist heute ein Museum. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Der Index weist allen Ländern eine Bewertung zu, die auf einer Reihe von Faktoren basiert. Darunter fallen etwa folgende Punkte:

  • Wie gut ist das Land per Flugzeug erreichbar?
  • Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis in dem Land?
  • Wie steht es um die Reise-Sicherheit?

    Spanien wurde in dem Ranking zum besten Reiseland der Welt erklärt, nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an Attraktionen, die es das Land bieten hat. Auf Platz 2 schaffte es Frankreich, gefolgt von Deutschland auf Platz 3. Zu den Top Ten gehören auch Italien und die USA.

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