22. Januar 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Hamburg setzt Jan Fedder ein Denkmal – Berühmte Promenade umbenannt

Hamburgs berühmteste Flaniermeile am Hafen heißt jetzt offiziell Jan-Fedder-Promenade. Gut zwei Jahre nach seinem Tod wurde die Uferpromenade nach dem beliebten Volksschauspieler benannt.

Hamburg: Marion Fedder (M), Witwe von Jan Fedder, steht bei einem Fototermin unter dem neuen Straßenschild bei der Einweihung der Jan-Fedder-Promenade an den Landungsbrücken. Die Elbpromenade zwischen Landungsbrücken und Baumwall wurde am Freitag nach dem 2019 gestorbenen Hamburger Volksschauspieler benannt. Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Hamburgs berühmteste Flaniermeile am Hafen heißt jetzt offiziell Jan-Fedder-Promenade. Gut zwei Jahre nach seinem Tod wurde die Uferpromenade zwischen Landungsbrücken und Baumwall am Freitag nach dem beliebten Volksschauspieler benannt. Am 14. Januar wäre Jan Fedder («Großstadtrevier») 67 Jahre alt geworden.

«Die Benennung zur Jan-Fedder-Promenade ist mit Sicherheit das schönste Geburtstagsgeschenk, das Jan je bekommen hat», sagte seine Witwe Marion Fedder. «Jan war mit Leib und Seele Hamburger und stolz auf seine Stadt. Der Hamburger Hafen war seine Heimat, sein Lebenselexir. Einen besseren Ort, um Jan für die Ewigkeit zu ehren, hätte man nicht finden können.»

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) hatte die Idee zusammen mit Fedders Witwe auf den Weg gebracht. «Nur wenige Menschen stehen so für unsere Stadt und die Hamburger Polizei wie Jan Fedder. Und das wird so bleiben», sagte Grote. «Mit der Jan-Fedder-Promenade haben wir den idealen Ort gefunden, um an das Leben und Wirken des großen Volksschauspielers und bekannten Vorzeige-Polizisten zu erinnern. Hier war die Tankstelle seines Großvaters, die Kneipe seiner Eltern und sein Lebensmittelpunkt – in seinen Rollen, wie auch im echten Leben.»

Als Polizist Dirk Matthies hatte Fedder in der ARD-Vorabendserie «Großstadtrevier» jahrzehntelang für Recht und Ordnung auf dem Hamburger Kiez gesorgt. Der äußerst beliebte Volksschauspieler war auch Ehrenkommissar der Polizei Hamburg.

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Sport

Wintersport kompakt

Berlin (dpa) – Knapp drei Wochen vor den Olympischen Winterspielen sind einige deutsche Athleten schon gut in Form – andere haben bis zum Saisonhöhepunkt in Peking noch jede Menge zu tun. So gab es für die Nordischen Kombinierer beim Heimspiel von Klingenthal keine Podestplätze. Die Biathlon-Männer holten sich dagegen ebenso wie die deutschen Bob-Asse und die Rennrodler Selbstvertrauen. Und Kira Weidle wurde bei der Abfahrt in Zauchensee starke Zweite.

Biathlon: Platz zwei mit der Staffel gibt den deutschen Biathleten Selbstvertrauen für die Olympischen Winterspiele. Beim Heim-Weltcup in Ruhpolding leisteten sich Erik Lesser, Roman Rees, Benedikt Doll und Philipp Nawrath am Samstag lediglich zwei Nachlader und mussten nur Russland den Vortritt lassen. Zum Abschluss wurde Lesser in der Verfolgung am Sonntag Sechster, der Sprint-Zweite Benedikt Doll fiel auf Rang elf zurück. Bei den Frauen schaffte es Franziska Hildebrand als beste Deutsche auf Rang 20. Denise Herrmann trat mit Blick auf Olympia nicht an. Die 33-Jährige absolviert nun noch einen zweiwöchigen Formaufbau in der Höhe und wird in der kommenden Woche in Antholz nur im Massenstart antreten. In Südtirol fehlen wird Franziska Preuß, die nach einer Corona-Infektion und wegen einer Fußverletzung noch nicht fit ist.

Skispringen: Nur eine Woche nach der heftigen Niederlage von Bischofshofen haben sich Deutschlands Skispringer mit einer starken Leistung zurückgemeldet. In der Besetzung Severin Freund, Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler und Karl Geiger holte das Team am Samstag Platz zwei hinter den dominanten Slowenen. Auch im Einzel am Sonntag wurde Geiger Zweiter und musste sich nur Norwegens Marius Lindvik geschlagen geben. Abseits der Schanze gab es schlechte Nachrichten: Olympiasieger Andreas Wellinger spürte einen Stich im Knie und reiste vorzeitig aus Zakopane ab. Eine Diagnose gab es zunächst nicht.

Ski alpin: Kira Weidle hat ihr Strahlen wieder. Nach enttäuschenden Wochen gelingt der Starnbergerin mit Platz zwei beim Abfahrts-Weltcup in Zauchensee der große Befreiungsschlag. «Ich bin zurück», kündigte die 25-Jährige an. Ihre famose Schussfahrt überstrahlte das ansonsten enttäuschende Wochenende aus deutscher Sicht. Lediglich Alexander Schmid verhinderte mit Platz 14 im Slalom in Wengen am Sonntag ein Komplett-Debakel und holte seine ersten Weltcup-Punkte in dieser Disziplin. Linus Straßer blieb im vierten Torlauf der Saison zum dritten Mal ohne Zähler. Zuvor hatte das Speed-Team in den Abfahrten am Lauberhorn geschlossen die Top 15 verpasst.

Nordische Kombination: Die deutschen Nordischen Kombinierer haben bis zum Saisonhöhepunkt in Peking noch jede Menge zu tun. Beim Heimspiel von Klingenthal gab es keine Podestplätze, obwohl der überragende Norweger Jarl Magnus Riiber nach einer Rückenverletzung fehlte. Stattdessen sicherte sich Österreichs Weltmeister Johannes Lamparter beide Tagessiege. Vor allem auf der Schanze haben die Schützlinge von Bundestrainer Hermann Weinbuch noch Steigerungspotenzial. Hoffnung machen die Laufleistungen von Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Johannes Rydzek.

Bob: Francesco Friedrich hat das letzte Rennen vor Olympia verloren. Doch er kann es verschmerzen. Denn der Lette Oskars Kibermanis war auf der Natureisbahn in St. Moritz 0,16 Sekunden schneller und wurde auch Europameister. Dennoch holte sich Friedrich im Finallauf die Saisonbestzeit zurück. Den Gesamt-Weltcup in der Königsklasse hatte er schon eine Woche vorher in Winterberg abgesichert. Am Tag siegte Friedrich im kleinen Schlitten und holte die Kristallkugel im Gesamtweltcup. In Olympia-Form präsentierten sich die Frauen. Kim Kalicki holte den EM-Titel im Zweierbob. Beim deutschen Dreifacherfolg setzte sie sich mit Olympia-Anschieberin Lisa Buckwitz vor Mariama Jamanka durch. Die Zweierbob-Olympiasiegerin, die am Vortag den EM-Titel im Monobob holte, fuhr mit Kira Lipperheide.

Rodeln: Das deutsche Rennrodelteam ist bereits in Olympia-Form. In allen Wettbewerben dominieren die Athleten, lediglich bei den Frauen kommt mit Madeleine Egle eine sehr starke Konkurrentin aus Österreich. Beim vorletzten Weltcup in Oberhof sicherte sich Johannes Ludwig vorzeitig den Sieg im Gesamtweltcup und gewann vor Max Langenhan und Felix Loch. «Ich ordne diesen Erfolg sehr, sehr hoch ein, denn ich habe diesen Titel in meiner Karriere noch nie gewonnen», sagte Ludwig. Bei den Frauen siegte Egle vor Julia Taubitz und Anna Berreiter. Die Doppelsitzer feierten einen Doppelerfolg durch Toni Eggert/Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl), die vor Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) gewannen.

Eiskunstlauf: Die deutschen Eiskunstläufer konnten bei der EM in Tallinn keine Glanzlichter setzten. Die Paarläufer Minerva Hase/Nolan Seegert sorgten als Achte für die einzige Top-Ten-Platzierung für die Deutsche Eislauf-Union. Damit dürfen im nächsten Winter zwei Paare bei EM und WM an den Start gehen. Enttäuschend endete der Titelkampf für Nicole Schott, die nur auf den 13. Platz kam. Licht und Schatten gab es bei den Herren: Während der 19-jährige Nikita Starostin bei seinem guten EM-Debüt Dreizehnter wurde, erreichte Routinier Paul Fentz lediglich Rang 16. Im Eistanz muss sich Katharina Müller/Tim Dieck mit dem 12. Platz im Gesamtklassement begnügen.

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Feuilleton

Musik mit gutem Gewissen: Orchester setzen auf Klimaschutz

Die Münchner Philharmoniker spielen unter der Leitung von Dirigent Valery Gergiev zur Eröffnung der Isarphilharmonie im Orchestersaal. Immer mehr Musikerinnen und Musiker wollen etwas zum Klimaschutz beitragen. Sie haben sich deshalb zur Initiative Orchester des Wandels zusammengeschlossen, darunter auch die Münchner Philharmoniker. Foto: Peter Kneffel/dpa

Von Irena Güttel und Cordula Dieckmann
München/Nürnberg (dpa) – Beim Musizieren an sich entsteht kein Kohlendioxid. Dennoch hinterlassen Orchester einen CO2-Fußabdruck. Viele Ensembles jetten während ihrer Tourneen rund um die Welt, das sind oft viele Musikerinnen und Musiker samt ihrer Instrumente. Und auch für Proben reisen sie zum Teil von überall her an. Dazu kommen bergeweise Papier für Noten, Probenpläne und Programmhefte sowie der Betrieb der Konzerthäuser, der viel Energie verschlingt.

Vielen Orchestern wird das zunehmend bewusst. Um sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen, haben sich Musikerinnen und Musiker im Sommer 2020 zur Initiative Orchester des Wandels zusammengeschlossen. Sie setzen einerseits bei sich selbst an, um Emissionen zu senken. Andererseits geben sie «Klimakonzerte», um Menschen für das Thema zu sensibilisieren und Spenden für Klimaschutzprojekte zu sammeln.

«Uns geht es vor allem darum, die Angst vor diesem Thema zu nehmen. Vielmehr sehen wir den Klimaschutz als künstlerische Inspiration für uns Orchester, aber auch für unser Publikum», erläutert Sprecher Ulrich Haider, der bei den Münchner Philharmonikern musiziert.

Freischaffende Künstler und Mitglieder von rund 30 deutschen Orchestern haben sich inzwischen der Initiative angeschlossen. Die Nürnberger Staatsphilharmonie ist von Anfang an dabei und hat ihr Engagement für Klimaneutralität auch auf die anderen Sparten des Staatstheaters ausgeweitet. «Abläufe in allen Bereichen sollen hinterfragt und umweltverträglicher und ressourcenschonender gestaltet werden», erläutert Musikerin Veronika Zucker.

In dieser Hinsicht sehen sie und ihr Kollege Martin Möhler noch großen Nachholbedarf in der deutschen Kultur-Szene. Meist seien es nur einzelne Initiativen innerhalb der Belegschaft, die Impulse setzten, sagt Klarinettist Möhler. «Es wäre schön, wenn die Institutionen sich ebenso aktiv an diesem Prozess beteiligen würden. Zum Beispiel gibt es bislang nur an zwei Opernhäusern in Deutschland hauptberufliche Nachhaltigkeitsbeauftragte.»

Die Wiener Symphoniker kompensieren seit 2020 den CO2-Ausstoß, der bei Tourneen und Gastspielen entsteht, wenn Musiker fliegen oder Instrumente transportiert werden, etwa per Lastwagen. Es müsse aber viel mehr gemeinsame Anstrengungen geben und branchenübergreifend gedacht werden, sagt Sprecherin Julia Brüggemann. Und beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gibt es eine «Klima-AG» sowie zahlreiche Bestrebungen, etwas für die Umwelt zu tun. So würden Probenpläne und Vorschauen fast nur noch elektronisch versendet und nicht mehr ausgedruckt. Und bei Tourneen versuche man unter anderem, Reiseziele geografisch sinnvoll zu wählen, um Strecken zu verkürzen und zu reduzieren.

Bestrebungen, die der Deutsche Bühnenverein für wichtig hält. Er ist im internationalen Austausch mit anderen Orchesterverbänden, etwa der Association of British Orchestras ABO, und Gründungsmitglied des Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit. Auch mit der Kulturstiftung des Bundes arbeite man bei diesem Thema zusammen. Zudem nutzten viele Orchester wenn möglich Bus oder Bahn. Der Geschäftsführende Direktor Marc Grandmontagne verweist allerdings auch auf den höheren Aufwand: «Diese Reisen sind organisatorisch hochkompliziert, viele Menschen und wertvolle Instrumente müssen transportiert werden. Durch längere Reisezeiten, längere Wege und mehr Übernachtungen würde das Reisen dann zum Teil teurer als zuvor.»

Und er zitiert Zahlen aus einer Dokumentation der Kulturstiftung des Deutschen Bundes, bei der nur 18 Prozent der Emissionen auf die Reisetätigkeit des Orchesters entfielen. 74 Prozent entstanden demnach veranstaltungsbedingt, etwa durch die Anreise des Publikums oder Emissionen des Konzertsaals. Hierauf hätten Orchester keinen unmittelbaren Einfluss, erläutert Grandmontagne. Einfache Lösungen gebe es nicht. «Aber es ist gut, dass das Thema jetzt Fahrt aufnimmt. Das ist in allen gesellschaftlichen Bereichen nötig.»

Musikerinnen und Musiker des Beethoven Orchesters Bonn sind auch in der Initiative Orchester des Wandels. Sie ermuntern etwa Beschäftigte und Zuschauer, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Auch bei Beleuchtung, Klimatisierung oder Wärmedämmung sehen sie Einsparpotenzial. Hinzu wolle man sich inhaltlich positionieren, etwa mit thematischen Konzerten, Theateraufführungen, Diskussionen oder einer Vernetzung mit Wissenschaft und Umwelt-Initiativen, beschreibt der Bratschist Thomas Plümacher.

Die Anreise der Kulturschaffenden und des Publikums, die Beleuchtung oder der Verzicht auf gedruckte Programmhefte – wichtige Schritte, als Teil einer großen Bewegung. Konzertveranstalter, Orchester und Kommunen müssten deshalb gemeinsam daran arbeiten, den Klimaschutz im Kulturbereich voranzubringen, fordert Brüggemann von den Wiener Symphonikern. «Schon kleine Schritte können in Summe vieles bewegen.»

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Gesundheit

Immunsystem von Kindern ist stärker als oft vermutet

Kleine Kinder sind oft krank. Das liegt aber nicht daran, dass
 ihr Immunsystem nicht gut ist, im Gegenteil: Es ist in Topform 
und arbeitet auf Hochtouren. 
Foto: Annette Riedl/dpa

New York (dpa) – Kleinkinder sind ständig verschnupft und bringen gefühlt jeden Infekt in der Umgebung mit nach Hause. Dennoch ist ihr Immunsystem keineswegs schwächer als das von Erwachsenen, berichten Forscher im Fachmagazin «Science Immunology» nach entsprechenden Versuchen mit jungen Mäusen und menschlichen Zellen. Insbesondere die T-Zellen des Immunsystems reagierten blitzschnell und effektiv, wenn sie Kontakt mit einem zuvor unbekannten Virus hatten. Möglicherweise erkläre das – neben anderen Faktoren – auch den oft milderen Verlauf von Corona-Infektionen bei Kindern.

Das kindliche Immunsystem habe den Ruf, schwach und unterentwickelt zu sein, sagt Studienleiterin Donna Farber vom Columbia University Medical Irving Center in New York. Das sei aber nicht wahr, auch wenn Babys und Kleinkinder häufig unter viralen Atemwegsinfekten litten, verursacht etwa durch das RSV-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus). Das liege allein daran, dass Babys diesen Viren zum ersten Mal begegneten. «Erwachsene werden nicht so oft krank, weil wir Erinnerungen an diese Viren gespeichert haben, die uns schützen», sagt Farber. «Für Babys ist hingegen alles, was ihnen begegnet, neu.»

Um die Fähigkeiten des kindlichen Immunsystems genauer zu untersuchen, sammelten die Forscher bei jungen und erwachsenen Mäusen T-Zellen des Immunsystems. Darunter waren auch solche Zellen, die zuvor noch keinen Kontakt zu einem Erreger hatten, sogenannte naive T-Zellen. T-Zellen sind spezialisierte Abwehrzellen. Es gibt unterschiedliche Typen von ihnen, zum Beispiel können einige Virus-infizierte Zellen erkennen und abtöten, andere speichern die Erinnerung an einzelne Erreger, um bei einer erneuten Infektion schneller Abwehrmaßnahmen einleiten zu können. Diese T-Zellen verabreichten die Forscher dann Mäusen, die sie anschließend mit einem Influenza-Virus infizierten, also dem Erreger der Grippe.

Die naiven T-Zellen von jungen Mäusen reagierten schon auf viel kleinere Mengen des Virus als die der Erwachsenen. Sie vermehrten sich schneller und wanderten in größerer Zahl zur Lunge, wo sich Influenza-Viren vor allem vermehren. Für die Forscher sei es überraschend gewesen, dass die Zellen je nach Alter anders reagierten. «Dies bedeutet, dass das Immunsystem des Kleinkinds robust und effizient ist und Krankheitserreger bereits im frühen Alter beseitigen kann», sagt Farber. «In mancher Hinsicht ist es vielleicht sogar besser als das Immunsystem eines Erwachsenen, denn es ist darauf ausgelegt, auf eine Vielzahl neuer Krankheitserreger zu reagieren.»

«Die frühe Kindheit ist die Zeit, in der besonders viele T-Zellen im Thymus gebildet werden», erläutert Marcus Peters, Leiter der Arbeitsgruppe Immunologie der Lunge an der Ruhr Universität Bochum. «Mit zunehmendem Alter werden immer weniger T-Zellen gebildet, damit nimmt auch die Fähigkeit ab, auf Neues zu reagieren.» Auch Erwachsene hätten noch ein Reservoir naiver T-Zellen, aber eben ein kleineres. Dafür verfügten ältere Menschen über ein im Laufe des Lebens angewachsenes Standard-Reservoir an Gedächtnis-T-Zellen, die für die Immunantwort auf bestimmte Erreger zugeschnitten sind. Bei neuerlichem Kontakt mit bereits bekannten Krankheitserregern könne ihr Immunsystem schnell reagieren.

Die kindliche Fähigkeit, auf neue Gefahren schnell eine Antwort zu finden, mache sich möglicherweise im Fall von Sars-CoV-2 bezahlt. Das Virus sei für alle Menschen neu, man erlebe daher momentan einen unmittelbaren Vergleich zwischen dem kindlichen und dem erwachsenen Immunsystem. «Und die Kinder schneiden besser ab.» Ältere Erwachsene, die mit einem neuen Virus konfrontiert würden, reagierten langsamer. Das gebe dem Virus mehr Zeit, sich zu vermehren, man werde krank.

Dass Kinder trotz ihres sehr aktiven und schlagkräftigen Immunsystems in vielen Fällen häufiger an meist harmlosen Infekten erkrankten als Erwachsene, liege einfach daran, dass auch das kindliche Immunsystem etwas Zeit brauche, um eine Immunantwort aufzubauen, erläutert Immunologe Peters. «Das geht dann halt mit Krankheitssymptomen einher.» Fieber oder geschwollene Nasenschleimhäute deuteten aber auch nicht auf ein Versagen des Immunsystems hin, sondern im Gegenteil darauf, dass es gut arbeite.

Ihre Arbeit gebe auch Hinweise darauf, warum Impfungen im Kindesalter besonders wirksam seien, schreiben die Forscher um Farber weiter. Man solle sich auch nicht darum sorgen, mehrere Impfungen in dieser Zeit zu bekommen. «Jedes Kind, das in der Welt lebt, insbesondere bevor wir anfingen, Masken zu tragen, ist täglich einer großen Anzahl neuer Antigene ausgesetzt.» Ihr Immunsystem sei den Umgang damit gewohnt.

«Die Antigene in den Impfstoffen, die eine Immunantwort auslösen, aktivieren immer nur die genau zu ihnen passenden T-Zellen. T-Zellen, die auf das Coronavirus reagieren, reagieren zum Beispiel nicht auf Pneumokokken.» Eine Überforderung des Immunsystems durch Impfungen gebe es daher nicht, sagt auch Immunologe Peters.

Überhaupt sei das Immunsystem ständig aktiv und setze sich permanent mit Antigenen auseinander, die aus der Umwelt in den Körper gelangten, harmlosen wie krankmachenden.

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Reise

Kuba: Vergnügen in Varadero und Maskenpflicht am Malecón

Die US-Oldtimer aus vorrevolutionären Zeiten 
warten in Havanna poliert und glänzend auf Kundschaft. 
Foto: Bernd Kubisch/dpa

Von Bernd Kubisch
Varadero/Havanna (dpa) – Donald Trump würde die Schwimmwesten mit der Aufschrift «Marinas – Gaviota Cuba» wohl nicht anziehen. Zwei Urlauberpaare am scheinbar endlos langen Strand von Varadero auf Kuba haben dagegen keine Bedenken. Sie ziehen die Westen über und besteigen daraufhin einen Katamaran-Segler.

Gaviota gehört als großes staatliches Tourismusunternehmen den Streitkräften Kubas. Der Name prangt auch auf Bussen, T-Shirts und Werbeplakaten. Trump hatte während seiner Präsidentschaft scharfe Auflagen gegen das Unternehmen erlassen, die noch nicht aufgehoben sind. Die Firma kooperiert derweil in ganz Kuba mit Investoren und Management-Partnern vor allem aus Spanien, Italien und Kanada.

James Pollard aus Toronto gehört zu den wenigen Touristen, die schon wieder nach Kuba reisen. Am Pool seines All-inclusive-Hotels genießt er gerade eine Piña Colada. «Der Urlaub ist wunderschön», sagt der Kanadier. «Die Menschen sind freundlich, die Preise akzeptabel. Hier wärmt die Sonne auch im Winter.» Pauschalurlauber, die der kalten Jahreszeit entfliehen wollen, fühlen sich in Varadero wohl.

Kubas Tourismus erwacht langsam. Die berühmte Hauptstadt Havanna braucht mehr Zeit als Varadero. Dort ist schon wieder Partytime. Auch Kubaner freuen sich über all-inclusive zu günstigen Preisen, füllen leere Betten, feiern, faulenzen – und schlemmen mit Kanadiern, Russen, Briten und noch wenigen Deutschen. Die kubanische Regierung hatte die Einreisebedingungen Mitte November deutlich erleichtert.

Strandbegegnungen und All-inclusive-Spaß
Szenenwechsel: Vom Garten des Hotels Grand Memories schaut ein Mann vom Sicherheitsdienst, auf dessen Namensschild Miguel steht, hinaus auf Strand, Wellen und Boote. Drei Pelikane fliegen flach übers Wasser, suchen nach frischer Beute. Miguel plaudert mit einem Gast. «Jeder darf hier baden und spazieren», erklärt er. «Der Strand bei uns ist öffentlich für alle, ob Ausländer oder Kubaner.»

Wer dagegen in eine Hotelanlage mit «todo incluido» in Bars, Pools und Restaurants will, wird meist schnell und freundlich angesprochen, wenn er kein Plastikbändchen in der richtigen Farbe trägt. Ohne eine solche Eintrittskarte kommt man dann nicht weiter.

Noch haben längst nicht alle der rund 55 Strandhotels geöffnet. «Doch jeden Tag wird die Lage etwas besser. «Wir arbeiten alle hart daran», sagt Miriely Miranda vom Management der spanischen Roc-Hotel-Kette. Sie stammt aus Matanzas unweit von Varadero.

Der Weg zum Massentourismus
Der 20 Kilometer lange Strand von Varadero auf der lang gestreckten Halbinsel Hicacos 130 Kilometer nordöstlich von Havanna ist hell und feinsandig. Es gibt nur wenige Abschnitte mit Felsen und fast keine Palmen. Die stehen in den nahen, angrenzenden Gartenanlagen der Hotels, wo auch Bougainvillea in Purpur, Rot und Weiß blühen. Kakteen, Agaven und Aloe vera setzen Akzente.

Varadero hat eine wechselvolle Geschichte. Die Tainos litten hier wie die meisten Ureinwohner Amerikas unter der Herrschaft der Eroberer aus Europa. Es folgten Seeräuber, Holzfäller, Dockarbeiter, reiche Villen- und Haziendabesitzer, Unterstützer der Batista-Diktatur und schließlich Revolutionäre, die die Strände für den internationalen Massentourismus öffneten. Der ist bis heute präsent, trotz Corona.

Erste kleine Hotels gab es laut Chronisten schon vor etwa 100 Jahren. Eine der großen Nobelanlagen hat Fidel Castro 2001 eingeweiht. Die Baumaßnahmen forderten ihren Tribut, wie Umweltschützer kritisieren. Auch die Kultur der Einheimischen habe gelitten.

Jetzt kommen auch die Kubaner selbst
An den Stränden Varaderos geht es am Wochenende und in den Ferien lebhaft und kubanisch zu. Großfamilien machen es sich auf Decken gemütlich. Aus Körben und Taschen werden Brot, Reis, gegrilltes Fleisch, Limo, Rum und Bier geholt. Einige Touristen mischen sich unter die gastfreundlichen Kubaner. Zurück fahren die Urlauber im doppelstöckigen Hop-on-hop-off-Bus.

Vor der Pandemie, als Varaderos Hotels sehr gut gebucht waren, nahmen Touristen aus aller Welt die Kubaner in erster Linie als Bedienungen, Zimmermädchen, Putzfrauen, Gärtner und Animateure wahr. Doch das hat sich geändert. In diesem Winter reisen Kubaner in Scharen in die Drei- und Vier-Sternehotels, die Einheimische mit Spezialpreisen locken.

Carlos Garcia und seine Freundin Maria aus dem Umland Varaderos sind glücklich. Sie prosten sich an einer Strandbar zu. «Endlich können wir uns einen Traum erfüllen und einmal wie reiche Ausländer Ferien machen, wenn auch nur an diesem Wochenende», sagt der 32-Jährige.

Es werden wieder kleine Partys gefeiert
Wer den Trubel voller Großfamilien nicht mag, zieht sich in eines der nobleren Fünf-Sterne-Häuser zurück. Nur bei 20 bis 25 Prozent lag die Auslastung der Oberklasse-Hotels im Dezember. Schön für alle, die Ruhe mögen. Im «Hotel Paradisus Varadero Resort & Spa» werden 15 Jahre alter Rum und Langusten serviert, doch an etlichen Tagen gibt es nicht alles. Überall in Kuba muss der Gast einige Abstriche machen, sieht das in der Regel aber nicht allzu eng.

Die meisten Hotels in Varadero unabhängig vom Sternenivaeu locken mit Restaurants à la carte, Bars und Snacks rund um die Uhr, Shows, Gymnastik, Spielen am Pool und Kinder-Animation. Clubs und Events mit wenig Abstand öffnen je nach Corona-Situation später. An manchen Stränden ist wieder Party-Time mit DJ, Reggaeton, Salsa, Merengue und Pop. Viele tanzen im Sand unter Mond und Sternen.

Maskenpflicht im Freien
Und die Corona-Maßnahmen? Anfang Dezember wurde die Maskenpflicht härter gehandhabt als in Deutschland und anderen Ländern. Drinnen muss die Maske stets getragen werden, außer beim Essen. Auch draußen ist sie Pflicht, nur nicht am Pool und am Meer.

Interessiert schauen Gäste beim Einchecken auf den Bildschirm: Emsige, stets lächelnde Menschen reinigen intensiv Tische und Griffe, schrubben und besprühen auch Autoreifen zur Desinfektion. Und am Eingang misst eine Person die Körpertemperatur neuer Gäste. Manche Deutsche hier sagen, dass sie sich derzeit auf der Insel sicherer fühlen als in Sachsen, Thüringen oder Bayern.
Havanna schlummert noch vor sich hin

Wer nach Varadero fliegt für entspannten Strandurlaub, der möchte dennoch mindestens einmal kurz in die Hauptstadt Havanna. Viele Deutsche buchen ohnehin eine Kombination. Sie wollen die Highlights der Insel auf einer Rundreise entdecken und anschließend relaxen.

Bernd Herrmann ist General Manager des Reiseunternehmens Senses of Cuba in Havanna. Der Deutsche, der schon lange hier lebt, gibt sich optimistisch: «Das Geschäft zieht nun auch bei uns an. Voll auf Touren läuft Kubas Tourismus wohl erst wieder Ende 2022, wenn Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht.»

Am Malecón, der breiten Uferstraße am Ozean, schäumt die Gischt über die Kaimauer. Die Kubaner sind froh, dass sie nach einem langen Lockdown überhaupt wieder flanieren dürfen, wenn auch mit Maske.

Am Parque Central erklingt heute Musik, natürlich mit den Dauerbrennern Guantanamera und Comandante Che Guevara. Die Hauskapelle des altehrwürdigen Hotels «Inglaterra» spielt auf der Veranda. Einheimische und Touristen nippen an Kaffee und Daiquiri.

In der Nähe warten viele aufpolierte Cadillacs, Chevrolets, Fords und Buicks, die über 60 Jahre auf dem Buckel haben, auf Kundschaft. Wer handelt, bekommt morgens eine einstündige Fahrt ab 20 Euro.

Der doppelstöckige Touristenbus beginnt seine Havanna-Rundfahrt mit gerade einmal fünf Urlaubern. Früher war das luftige Oberdeck meist voll. In der historischen Altstadt freuen sich die ersten Touristen wieder über die restaurierten historischen Gebäude und den Besuch der Kathedrale – und Drinks in den Bars Floridita und Bodeguita del Medio, wo Schriftsteller Ernest Hemingway früher Stammgast war.

Mit der Maskenpflicht nehmen es einige Ausländer in Havanna nicht so genau. Auf der Flanierstraße Obispo schüttelt eine elegant gekleidete Señora den Kopf und sagt: «Bei den Ausländern drückt die Polizei oft beide Augen zu. Kubaner müssen Strafe zahlen.»

Wie lautet das Fazit dieser Kuba-Reise nach der vorsichtigen Öffnung in Corona-Zeiten? Man darf sich als Reisender ein wenig wie ein Pionier fühlen oder sich das zumindest einbilden. Es lohnt sich herzukommen, bevor es wieder voll und teuer ist.

Info-Kasten: Kuba

Klima und Reisezeit: Überwiegend tropische, karibische Temperaturen. Reisen sind das ganze Jahr über gut machbar, von Juni bis November sind allerdings Wirbelstürme möglich.
Anreise: Von Deutschland aus geht es derzeit in der Regel nur mit einem oder zwei Zwischenstopps nach Havanna.
Einreise: Seit Mitte November ist die Einreise wieder ohne Quarantäne möglich. Wer geimpft ist, braucht keinen negativen Testnachweis vorlegen. Deutsche Urlauber benötigen einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass und eine Touristenkarte für 30 Tage. Die gibt es bei der Botschaft und den Reiseveranstaltern. Seit 1. Januar 2022 ist eine Online-Registrierung obligatorisch.
Spartipp: In staatlichen Restaurants sind die Preise in CUP deutlich günstiger als in privaten Restaurants, die oft eine Art Mittelkurs aus CUP und Dollar sowie Euro berechnen.
Währung: 1 Euro ist bei staatlichen Banken nur 27,6 Pesos wert (CUP). Vom Tausch auf der Straße ist wegen des höheren Risikos abzuraten.
http://www.auswaertiges-amt.de/

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Biss mit Folgen: Was den Apfel so bedeutend macht

Schneewittchen wird er zum Verhängnis. Auch Troja hat er quasi auf dem Gewissen. Und die Eidgenossen stricken ein Sagen-Brimborium um den Apfel. Es zeigt sich: Er ist mehr als nur eine Frucht.

Ein angebissener Apfel liegt vor einer Schale voller Äpfel.
Am 11.1. war der Tag des Apfels. Foto: Annette Riedl/dpa

Von Sebastian Fischer
Berlin (dpa) – Er ist ein Symbol für Liebe und Schönheit. Den Deutschen ist er die liebste Frucht. Die Obst- und Gemüse-Erzeuger rufen jährlich am 11. Januar den «Tag des deutschen Apfels» aus, um «auf die Qualität und Vielfalt heimischer Sorten aufmerksam» zu machen. Doch hat der Apfel nicht nur auf dem Obstteller einen besonderen Platz ein – sondern auch in der Kultur:

«Für die Schönste»: Eine goldene Frucht mit diesen eingravierten Worten wird zum Zankapfel zwischen den griechischen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite. Der junge Paris soll entscheiden, wem der Apfel gebührt. Aphrodite erhält den Preis, weil sie den trojanischen Prinzen mit der Hand der schönsten Frau auf Erden, Helena, besticht. Das folgende Schicksal ist seit Homers «Ilias» viel erzählt: Helenas geprellter Ehemann Menelaos und seine griechischen Verbündeten ziehen gegen Troja, der Krieg dauert zehn Jahre. Am Ende ist die Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Und das alles wegen eines einzigen Apfels.

Nicht weit vom Stamm: Der Legende nach grübelte Isaac Newton darüber, warum Planeten unentwegt umeinander kreisen. Erst durch einen vom Baum fallenden Apfel (Sorte: «Flower of Kent») soll der britische Physiker vor rund 350 Jahren erkannt haben, dass sich Massen gegenseitig anziehen: sowohl die Erde die Frucht als auch umgekehrt. Nur ist das Gewicht der Erde so gewaltig groß, dass man die Auswirkung der Anziehung durch den Apfel nicht beobachten kann. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Anekdote: Newtons Gesetze zur Schwerkraft und Gravitation erklären Welt und Universum seit jeher.

Zielgerichtet angelegt: Dritter Aufzug, dritte Szene: «Das war ein Schuss!», heißt es zum Höhepunkt des berühmten Theaterstücks von Friedrich Schiller. «Davon wird man noch reden in den spätsten Zeiten.» Wohl wahr. Regelmäßig geht es am Schauplatz in Altdorf (Kanton Uri) erneut um den berühmten Apfel auf dem Kopf seines Sohnes, den der Schweizer Freiheitskämpfer Wilhelm Tell mit dem Pfeil aus der Armbrust treffen muss. Die nächsten Tellspiele mit einer Neuinszenierung des Dramas sind für 2024 geplant.

Adams Apfel: Es ist die Ursünde im Garten Eden. Die nach biblischer Überlieferung ersten Menschen Adam und Eva übertreten das Verbot Gottes und naschen vom Baum der Erkenntnis. Im Buch Genesis ist bloß von einer «Frucht» die Rede. Es wird davon ausgegangen, die Verengung auf den Apfel gehe wohl auf ein Wortspiel mit dem lateinischen Begriff «malum» zurück: Bei kurzem «a» bedeutet er «Unheil», mit langem Vokal «Apfel». Bei den Christen ist die Frucht in Verbindung mit Jesus auch ein Symbol für die Hoffnung auf Erlösung.

Adamsapfel: Der hat natürlich auch irgendwie etwas mit dem Sündenfall im Paradies zu tun. Dem Volksglauben nach ist Adam das abgebissene Stück im Hals stecken geblieben und so zum Stigma der Männer geworden. Biologisch gesehen ist es der Teil des Schildknorpels am Kehlkopf. Dieser Knorpel besteht aus zwei Gewebeschichten, die bei Männern im Winkel von 90 Grad verbunden sind, bei Frauen im Winkel von 120 Grad. Wegen des Testosterons wächst der Adamsapfel in der Pubertät und tritt dann stärker hervor als bei Frauen.

Es war einmal ein Apfel: «Den roten Backen iss, den weißen will ich essen», säuselt die böse Stiefmutter. Es scheint das Todesurteil für Schneewittchen im Märchen der Brüder Grimm zu sein. Vom giftigen Teil der angebotenen Frucht beißt sie ab und sinkt zu Boden. Bei den Grimms holt später aber nicht etwa der Kuss des Prinzen – wie bei Disney verklärt – das Mädchen ins Leben zurück, sondern ganz profan die Tollpatschigkeit seiner Diener: Mit dem Sarg auf den Schultern stolpern sie, und «der giftige Apfelgrütz» fährt aus dem Hals.

Der große Apfel: Warum New York überhaupt den Spitznamen «Big Apple» trägt, ist nicht mehr genau nachvollziehbar. Die Wortkombination wurde bereits zuvor unabhängig von der Metropole benutzt, um etwas als das Bedeutendste seiner Art anzusehen, wie die New York Public Library schreibt. In Verbindung mit New York ist der Begriff 1909 in einem Buch dokumentiert: Der Mittlere Westen neige zu der Ansicht, «dass der Big Apple einen unverhältnismäßig großen Anteil am nationalen Saft erhält». Doch erst als ein Sportjournalist in den 1920er Jahren eine Kolumne über Pferderennen mit dem Titel «Around the Big Apple» startet, wird die Verwendung populär.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

«Spur der Lügen» oder gute Tradition? England streitet um Fuchsjagd

Seit 2005 ist die Hetzjagd in England verboten. Enthusiasten halten seither mit «Trail Hunts» die Tradition hoch. Dafür legen sie Hunden eine künstliche Spur – Kritiker sehen darin ein Ablenkungsmanöver, um doch echte Füchse zu jagen. Nun nimmt der Druck auf die Jäger zu.

Großbritannien, Melton Mowbray: Demonstranten halten Schilder während des Neujahrstreffens zur Quorn Jagd in Leicestershire. Foto: dpa

Von Benedikt von Imhoff
Lacock/Melton Mowbray (dpa) – Die Emotionen kochen in englischen Dörfern hoch, der Ton wird rauer. «Jagdabschaum ist das wahre Ungeziefer»: Mit drastischen Worten protestierte eine Frau im mittelenglischen Örtchen Melton Mowbray gegen die traditionelle Neujahrsjagd. Dutzende brüllten Reitern «Schande» entgegen, als sie hoch zu Ross und in rote Jacken gekleidet zum traditionellen «Quorn Hunt» aufbrachen. Im westenglischen Dorf Lacock prügelten sich nach Weihnachten sogar Gegner und Befürworter der Jagd, drei Männer wurden festgenommen.

Die hitzige Atmosphäre irritiert auf den ersten Blick. Denn seit 2005 sind Hetzjagden auf lebende Tiere im größten britischen Landesteil illegal. Die Jäger in Melton Mowbray, Lacock und anderswo haben also keine Füchse im Visier. Stattdessen halten sie ihre Traditionen hoch, indem sie ihre Hunde einer künstlichen Geruchsspur hinterherhetzen lassen. Solche Schleppjagden gibt es auch in Deutschland – dort wird dafür ein präparierter Fuchsschwanz genutzt, seitdem die Treibjagd in den 1930er Jahren verboten wurde.

Doch Kritiker etwa von der Tierschutzorganisation League Against Cruel Sports werfen den Jägern vor, diese «Trail Hunts» zu missbrauchen, um unter dem Deckmantel der Legalität doch lebende Tiere zu jagen. Die «Spurenjagd» sei lediglich eine «Spur der Lügen», die Jagd ein «brutaler Blutsport». Denn vom künstlichen Fuchsgeruch angelockt, würden die Hunde allzu häufig vom Geruch echter Füchse abgelenkt und hetzten sie wie früher zu Tode.

Zwar halten die Befürworter dagegen. Seit dem Verbot 2005 sei es nur bei einem Bruchteil der Jagden zu Verstößen gekommen. Außerdem fördere die Industrie mit den Jagden, die vielerorts Volksfesten ähneln, die lokale Gastronomie sowie Landwirte. Jäger könnten helfen, die «Überpopulation» an Füchsen zu reduzieren. In London sind die Tiere ein alltäglicher Anblick, selbst um den Buckingham-Palast streunen sie herum.

Dennoch scheint derzeit die Stimmung zu kippen. Ein symbolisch schwerer Schlag für die Jäger war es, als kürzlich die Mitglieder der Naturschutzorganisation National Trust, einer der größten Grundbesitzer des Landes, mit überwältigender Mehrheit für ein Jagdverbot auf ihren Ländereien stimmten.

Zuvor hatte ein führendes Mitglied der Jagd-Lobby in internen Online-Seminaren, die später publik wurden, ziemlich offensichtlich «Trail Hunts» als Tarnung für illegale Hetzjagden beworben. Er musste 3500 Pfund (4200 Euro) Strafe zahlen, der Glaubwürdigkeitsverlust war aber deutlich nachhaltiger. Andere Landeigentümer folgten dem Beispiel des National Trust. Auch die größte Oppositionspartei Labour fordert ein Verbot.

Für Premierminister Boris Johnson ist das Thema delikat. Mehrere Abgeordnete seiner Konservativen Partei aus ländlichen Gebieten gelten als Jagd-Unterstützer. Mit Kabinettsmitglied Jacob Rees-Mogg haben sie zudem mindestens einen wichtigen Vertreter des einflussreichen äußerst konservativen Parteiflügels an ihrer Seite.

Dennoch könnte es den Jägern bald an den Kragen gehen. Die Regierung kündigte an, die Strafen für illegale Hasenhetzjagden – «Hare Coursing» genannt – verschärfen zu wollen. Tierliebende Tory-Abgeordnete wollen zudem das neue Tierschutzgesetz, das derzeit im Parlament diskutiert wird, deutlich ausweiten und auch «Trail Hunting» unter Androhung von Haftstrafen verbieten.

Dafür haben sie prominente Unterstützung. Carrie Johnson, die Ehefrau des Premierministers,
engagiert sich für die Tory-nahe Tierschutzorganisation Conservative Animal Welfare Foundation und hat die «Trail Hunts» offen kritisiert. «Ich habe mich sogar, als ich viel jünger war, dagegen eingesetzt, indem ich mich als Fuchs verkleidet habe», erzählte sie mal.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Lügen – lies
Hetzjagd – hunting wild mammals with a pack of dogs
halten hoch – uphold
Ablenkungsmanöver – diversionary tactic
echte Füchse – real foxes
Druck – pressure
rauer – rougher
Jagdabschaum – hunting scum
Ungeziefer – vermin
brüllten – bellowed
Schande – shame
prügelten sich – engaged in fisticuffs
hitzige – heated
im Visier – in their sights
Geruchsspur – scent trail
hinterherhetzen – chase behind
Schleppjagden – drag hunts
Deckmantel – pretext
Fuchsgeruch – fox scent
angelockt – lured
Bruchteil – fraction
Verstößen – violations
ähneln – resemble
Landwirte – farmers
alltäglicher Anblick – daily sight
streunen – stray
kippen – tip (the other way)
schwerer Schlag – serious blow
Tarnung – camouflage
beworben – employed
Glaubwürdigkeitsverlust – loss of credibility
nachhaltiger – longer lasting
Landeigentümer – land owners
Abgeordnete – members of Parliament
gelten als – are considered to be
Jagd-Unterstützer – hunting supporters
Vertreter – advocates
Parteiflügels – wing of the party
kündigte an – announced
verschärfen – increase
deutlich ausweiten – significantly expand
Androhung – threat
Haftstrafen – prison term

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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