22. Mai 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Emilia und Noah beliebteste Babynamen – Aufsteiger Matteo

Die Liste der populärsten Vornamen 2020 zeigt: Für Mädchen sind weiterhin kurze, feminine Namen beliebt, bei den Jungen ist Matteo der Aufsteiger. Die große Frage ist: Gibt es ein Baby namens Corona?

Foto: dpa

Von Jenny Tobien
Wiesbaden (dpa) – Emilia und Noah sind im vergangenen Jahr die häufigsten Erstnamen bei Neugeborenen gewesen. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Montag in Wiesbaden bekannt. Bei den Mädchen landet Hanna(h) auf Platz zwei, gefolgt von Emma. Bei den Jungen liegen Leon und Paul auf den weiteren Rängen.

Der Blick auf die Top Ten der weiblichen Namen zeigt eine ziemliche Monotonie: Mit Sophia/Sofia, Mia, Lina, Mila, Ella, Lea(h) oder Clara/Klara (Plätze 4 bis 10) finden sich dort knappe, sich ähnelnde Namen, die alle auf den Vokal A enden. «Das ist sehr auffällig – und sehr feminin», sagte Damaris Nübling, Sprachwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Namensforschung an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Die Mädchennamen seien weiblich, kurz, stereotyp und weich, «weicher geht’s nicht». Neun der zehn Erstnamen fanden sich bereits ein Jahr zuvor in der Hitliste, wenn auch zumeist auf anderen Rängen. Lediglich Lea/h kam neu dazu, dafür musste Marie weichen.

Diverser kommen die Jungen daher. Hier konnte Vorjahressieger Noah den Spitzenplatz bei den Erstnamen behaupten. Eine Überraschung findet sich auf Platz vier mit Aufsteiger Mat(h)eo/Matt(h)eo, der laut den Angaben gleich neun Plätze nach vorne geklettert ist. «Solche Sprünge sind in den letzten Jahren selten gewesen», heißt es bei der GfdS. Auch in den einzelnen Bundesländern variierten die Namen stärker. So liegt in Bremen und Berlin der weltweit verbreitetste Vorname Mohammed auf Platz eins. «Das sind die Stadtstaaten mit viel Zuzug», erklärte Nübling. Bundesweit nehme der Name Platz 22 ein.

Die große Frage im Corona-Jahr lautet natürlich: Wurden Neugeborene nach dem Virus benannt? Ja, wenn auch sehr wenige, sagte Nübling. Vier Mädchen sind es nach ihren Daten insgesamt, dreimal mit C geschrieben und einmal mit K. «Ich denke, dass ist nicht als Reaktion zu verstehen. Wir wissen auch nicht, ob sie vor oder nach Beginn der Pandemie so genannt worden», so die Forscherin.

Spannend sei auch der Blick auf die hinteren Plätze, da sich dort mehr Bewegung zeige und mögliche Trends abgelesen werden könnten. Theo und Mathilda seien beispielsweise Namen, die zuletzt zugelegt hätten – und die klanglich auch Aufsteiger Matteo ähnelten.
Und welche Kriterien spielen bei der Namensauswahl eine Rolle? «Umfragen bestätigen: 80 Prozent der Eltern sagen, sie wählen den Namen nach dem Klang aus», so Nübling. Als Zweitnamen würden eher Traditionsnamen wie Alexander oder Maximilian gewählt oder Namen von Familienmitgliedern und Patenonkeln und -tanten.

Bei ihrer Erhebung beruft sich die GfdS auf Daten von mehr als 700 Standesämtern mit insgesamt knapp einer Million übermittelten Namenseintragungen. «Erfasst wurden damit fast 90 Prozent aller im Jahr 2020 in Deutschland vergebenen Namen», hieß es. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kamen 2020 etwa 773 000 Babys zur Welt. Das Geburtenniveau lag damit nahezu auf dem Level der Vorjahre.

Die GfdS-Experten zählen nicht nur die häufigsten Namen, sondern sie befassen sich jedes Jahr auch mit mehreren Hundert neuen Namen, die Eltern gerne ihren Kindern geben möchten. Grünes Licht gab es 2020 unter anderem für Norge, Aura und Blin. Nicht einverstanden waren die Sprachwissenschaftler etwa mit König, Smiley, Hustle und Ende.

Neben der GfdS gibt auch der norddeutsche Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld jedes Jahr sein Ranking der beliebtesten Vornamen bekannt. Bei ihm lagen 2020 Mia und Noah auf den ersten Plätzen. Für die Statistik hatte Bielefeld Daten aus 465 Orten ausgewertet. Sie entsprechen etwa 23 Prozent aller im Jahr 2020 geborenen Kinder.

Die Hitliste der beliebtesten Vornamen in Deutschland 2020

Mädchen:

  1. Emilia (4)
  2. Hannah/Hanna (1)
  3. Emma (2)
  4. Sophia/Sofia (5)
  5. Mia (3)
  6. Lina (6)
  7. Mila (9)
  8. Ella (8)
  9. Lea/Leah (11)
  10. Clara/Klara (7)

Jungen:

  1. Noah (1)
  2. Leon (4)
  3. Paul (3)
  4. Mat(h)eo/Matt(h)eo (13)
  5. Ben (2)
  6. Elias (8)
  7. Finn (10)
  8. Felix (7)
  9. Henry/Henri (6)
  10. Louis/Luis (5)

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Sport

Mehrheit der Japaner für Olympia-Absage wegen Pandemie

Tokio (dpa) – Die Mehrheit der Japaner ist einer Umfrage zufolge weiter dafür, die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie abzusagen. Dies befürworteten 59,7 Prozent der Befragten, wie am Sonntag aus einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo News hervorging. 25,2 Prozent der Japaner waren demnach dafür, die Spiele ohne Publikum abzuhalten. 12,6 Prozent meinten, das Event solle mit einer begrenzten Anzahl an Zuschauern stattfinden.

In früheren Umfragen war die kritische Mehrheit ähnlich groß – oder sogar noch deutlicher. 72 Prozent der Japaner hatten sich Mitte April laut Kyodo News für die Absage oder Verschiebung der Olympischen Spiele und Paralympics ausgesprochen. Erst am Freitag wurde der Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, eine Petition mit mehr als 350 000 Unterschriften überreicht: Der Schutz des Lebens der Menschen vor dem Coronavirus und nicht Olympia müsse oberste Priorität haben, wird darin gefordert. Ein für den 17. und 18. Mai geplanter Japan-Besuch von IOC-Chef Thomas Bach ist kürzlich wegen des Corona-Notstands verschoben worden.

Die Olympischen Spiele waren wegen der Corona-Krise bereits um ein Jahr verlegt worden, der Start ist nun für den 23. Juli geplant. Im Juni wollen Japans Olympia-Organisatoren und das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Anzahl zugelassener Zuschauer an den jeweiligen Austragungsorten entscheiden.

Unterdessen werden in Japan, das gegen eine vierte Corona-Welle kämpft, die Rufe nach einer Absage der Spiele lauter. In Tokio gilt seit Ende April der Corona-Notstand, der wegen der sich schnell ausbreitenden neuen Varianten des Virus am Sonntag auf neun weitere Präfekturen ausgeweitet wurde. Die Japaner klagen außerdem über ein langsames Fortschreiten der Impfkampagne. Seit Mitte Februar wurde erst knapp ein Prozent der etwa 125 Millionen zählenden Bevölkerung vollständig geimpft.

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Feuilleton

Marienburg soll zum «Neuschwanstein des Nordens» werden

Das Schloss Marienburg in der Region Hannover.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover (dpa) – Das Schloss Marienburg südlich von Hannover soll nach den Worten von Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU) zum «Neuschwanstein des Nordens» werden. Als ein Schritt auf dem Weg dorthin ist ein Kooperationsvertrag unterzeichnet worden. Er sieht unter anderem vor, dass Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) daran mitwirken, das Inventar der neugotischen Welfenresidenz zu erfassen.
Zudem sollen die vom Land für knapp zwei Millionen Euro angekauften 143 Gemälde untersucht und bei Bedarf in einer Schauwerkstatt restauriert werden.


Ernst August von Hannover (37) hatte das Schloss sowie einen Großteil seiner Einrichtung Anfang 2020 in die Stiftung Schloss Marienburg eingebracht. «Mein Ziel war es immer, für die Marienburg eine gute Zukunft zu ermöglichen und sie mit ihrem Inventar möglichst vielen Kunst- und Geschichtsinteressierten zugänglich zu machen», ließ der Welfenprinz erklären. Er ist Stiftungsvorsitzender, war aber bei der Vertragsunterzeichnung nicht dabei.


Ursprünglich hatte der 37-Jährige die marode Marienburg für einen Euro an die öffentliche Hand verkaufen wollen, nach dem Einspruch seines Vaters wurde die Stiftungslösung gefunden. Ernst August von Hannover senior will das seinem Sohn geschenkte Schloss zurück und reichte bereits Klage beim Landgericht Hannover ein. Diese Klage habe keinerlei Auswirkungen auf die Tätigkeit der Stiftung, betonte deren Geschäftsführerin Alexandra Wenck.


Für die Sanierung des maroden Baudenkmals haben Land und Bund bereits jeweils 13,5 Millionen Euro zugesagt. «Die Stiftung ist dabei, die notwendigen Unterlagen zu erstellen, wie es mit der Sanierung weitergeht», sagte Minister Thümler. Er gehe davon aus, dass die Vorplanungen im Sommer abgeschlossen seien.

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Gesundheit

Keine abgelaufenen Medikamente einnehmen

Beim Ausmisten der Hausapotheke hilft ein Blick aufs Verfallsdatum der Medikamente.              Foto: Christin Klose/dpa

Berlin (dpa) – Der Hustensaft ist seit Monaten abgelaufen. Kein Problem, oder? Doch, sagen Apotheker – und erklären, warum man verfallene Arzneimittel nicht mehr einnehmen sollte.
Das Verfallsdatum von Medikamenten ist nach Angaben der Bundesapothekerkammer „nicht verhandelbar“. Wer also beim regelmäßigen Check des Arzneimittelvorrats abgelaufene Tabletten oder Säfte entdeckt, sollte sie entsorgen – und zwar im Restmüll.

Das Verfallsdatum von Arznei sei nicht mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum etwa von Lebensmitteln zu verwechseln, das mehr Empfehlungscharakter habe. Zu lange gelagerte Medikamente können unbrauchbar werden, ohne dass man es ihnen ansieht.

Deshalb rät die Bundesapothekerkammer davon ab, sie nach Ablauf des Verfallsdatums zu nutzen. Ob sie noch wirksam und unbedenklich seien, sei in aller Regel nicht äußerlich erkennbar. Auf Arzneimitteln ist laut den Apothekern immer ein Verfallsdatum aufgedruckt.

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Reise

500 Meter lange Fußgänger-Hängebrücke in Portugal eingeweiht

In schwindelerregender Höhe: Über einer Schlucht, durch die der Fluss Paiva fließt, führt nun eine 516 Meter lange Fußgänger-Hängebrücke.       Foto: dpa

Lissabon (dpa) – Portugal hat eine neue Touristenattraktion, die wohl nichts für ängstliche Gemüter sein dürfte: Im Norden des Landes wurde eine 516 Meter lange Fußgänger-Hängebrücke eingeweiht, die in 175 Meter Höhe über die Schlucht des Flusses Paiva führt.
An der Eröffnungszeremonie Anfang Mai im Geopark Arouca rund 50 Kilometer südöstlich von Porto nahm unter anderem die Ministerin für Territorialen Zusammenhalt Ana Abrunhosa teil. Nach Angaben des Geoparks und der Bürgermeisterin Aroucas, Margarida Belém, handelt es sich um die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt.

Einmaliges Erlebnis
Die im Mai 2017 im Harz eröffnete „Titan RT“ am Rappbodetal galt mit einer Länge von 483 Metern kurzzeitig als Spitzenreiterin. Seit Juli 2017 beanspruchte dann aber die 494 Meter lange Brücke „Charles Kuonen“ auf dem Europaweg an der östlichen Talseite des Mattertals diesen Titel für sich.

Einige der knapp 3200 Einwohner der Kleinstadt Arouca hatten das 2,1 Millionen Euro teure Bauwerk testen dürfen. „Ich zittere noch, ich spüre, wie meine Beine zittern“, sagte Olivia Teixeira dem TV-Sender SIC nach ihrem Gang. Andere sprachen von einem „einmaligen Erlebnis“. Führer des Parks empfehlen den unter Höhenangst leidenden Besuchern, beim ersten Mal lieber geradeaus und nicht auf den 1,20 breiten Metallgitterweg zu schauen, der einen guten Blick in die Tiefe, auf das grüne Tal mit vielen gelben Blumen und einen Wasserfall gestattet.

Wer den mutigen Gang über die Brücke „516 Arouca“ wagen möchte, die von dicken Stahlseilen und auf jeder Seite von je zwei massiven Türmen gehalten wird, muss zwölf Euro zahlen. Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 17 Jahren, Menschen, die bereits ihren 65. Geburtstag gefeiert haben und auch Studenten zahlen nur zehn Euro. Im Preis inbegriffen ist ein Besuch der spektakulären, zirka 8,5 Kilometer langen Holzsteg-Wanderwege Passadiços do Paiva in den Wäldern des bis 1100 Metern hohen Gebirgszuges Serra da Freita.

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Zeit und Mehl im Überfluss: Brotbacken als Corona-Trend

Viele Menschen haben das Brotbacken als Hobby für sich entdeckt.
Foto: Annette Riedl/dpa

Von Anja Sokolow
Berlin/Hamburg (dpa) – In heimischen Küchen wird derzeit so viel Teig geknetet, gefaltet und gedehnt wie lange nicht mehr. Sauerteig wird angesetzt, gefüttert und sogar über Internet-Börsen verteilt. Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Brotbacken für sich entdeckt. Eine Leidenschaft, die Zeit braucht, die dank Homeoffice oder Kurzarbeit momentan vorhanden ist. Und viele lernen durch das Hobby auch die Arbeit der Bäcker noch mehr zu schätzen. 

Über Langeweile kann sich Sonja Scherfer eigentlich nicht beklagen: Ihre älteste Tochter geht in die erste Klasse und während des Homeschoolings müssen auch die zwei kleineren Geschwister betreut und die eigene Arbeit erledigt werden. Wenn die Kinder abends im Bett sind, nimmt die Berlinerin sich dennoch Zeit fürs Brot: «Ich habe keine Knetmaschine und mache alles mit der Hand. Das ist einfach entspannend und ein guter Ausgleich zur Kopfarbeit für mich», erzählt die Lehrerin. «Und es ist schön, eigenes Brot zu haben», so Scherfer, die im Dezember zufällig im Internet auf ein Rezept stieß und mit dem Backen begann.

Ob Dinkel, Weizen oder Roggen, mit Körnern oder ohne, aus dem Topf oder vom Blech – an Rezepten und Varianten mangelt es im Netz nicht. Einen regen Austausch und immer wieder neue Fotos von knusprigen Kreationen gibt es zum Beispiel in der Facebook-Gruppe «Selber Brot & Brötchen backen». «Unsere Gruppe wächst im Moment rasant. Pro Woche kommen einige Tausend neue Mitglieder hinzu», sagt Ilona Karau, die die 2014 gegründete Gruppe mit betreut. 

Von einem «heftigen Interesse» am Brotbacken berichtet auch Buchautor und Blogger Lutz Geißler. «Mit dem Infektionsanstieg und dem ersten Lockdown gingen auch die Nutzerzahlen meines Blogs hoch. Die Zahlen haben sich etwa verdreifacht – auf etwa 350 000 Besucher im Monat», so Geißler. Der studierte Geologe aus Sachsen betreibt den «Ploetzblog» inklusive Tipps zum Brotbacken in Krisenzeiten und veranstaltet Kurse, seit Corona online. Der Autodidakt zeigt etwa, wie man mit nur einem halben Gramm Hefe Brote backen kann – was vor allem in der ersten Pandemiewelle, als Hefe ein knappes Gut war, hilfreich war.

Doch woran liegt es, dass die Menschen ausgerechnet Brot backen? Warum nicht Kuchen? «Brot steht für das Überleben. Und wenn ich es selbst backe, kann ich noch besser überleben», sagt der Ernährungspsychologe Christoph Klotter. Auch die Geschichte spiele eine Rolle: «Brot ist das Lebensmittel der Deutschen. Vor 200 Jahren wurden den ganzen Tag Brot, Brei und Kartoffeln gegessen».

Brot sei zudem ein wichtiger Teil unserer kulturellen Identität. «Goethes Werther verliebt sich in Lotte ausgerechnet, als sie Brot schneidet und es an Kinder verteilt», so der Fuldaer Professor. Nicht zuletzt sieht er im jetzigen Brotbacktrend auch einen Ersatz für die fehlenden Kontakte: «Damit kann man auch soziale Defizite kompensieren». 
 
Verkäufer von Backzubehör und Bäcker freuen sich über die Entwicklung. «Wir hatten eine Umsatzsteigerung von 300 Prozent», berichtet etwa Birgit Freitag aus Reutlingen, Vertriebspartnerin von Pampered-Chef-Produkten, darunter auch Brotbackformen. Zwischenzeitlich habe es wegen Engpässen sogar bei verschiedenen Produkten einen Verkaufsstopp gegeben. 

Vom Brot-Boom profitiert auch das Berliner Unternehmen BakeNight, das seine Workshops mit Bäckern bundesweit wegen Corona ebenfalls ins Netz verlegt hat. Seit Januar hätten bereits etwa 1200 Teilnehmer Kurse zum Brotbacken belegt, sagt Sprecher Miles Zornig. Kurse wie «Sauerteigbrot», «Topfbrot», «Brötchen» oder «Baguette» gehörten derzeit zu den beliebtesten.

Durch das Brotbacken werde vielen Menschen bewusst, dass es sehr zeitaufwändig und nicht immer einfach sei, sagt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. «Über diese Erfahrung ergibt sich auch eine bewusste Einstellung gegenüber qualitativ hochwertigem Brot und erstklassigen Backwaren der Innungsbäcker», so Schneider. Sein Verband begrüße den Trend zum Selberbacken deshalb. 

Bäcker kämpfen seit Jahren gegen die Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter mit ihren vergleichsweise günstigen Backwaren. Die Zahl der Bäckereien geht seit Langem zurück. Im Mai 2020 gab es beispielsweise rund 10 500 Bäcker, die in der Handwerksrolle eingetragen waren, 2008 waren es noch gut 15 000. 

Lutz Geißler gehört zu denen, die dem Trend etwas entgegensetzen wollen. Mit seiner Partnerin will der 37-jährige in Hamburg eine eigene Bäckerei eröffnen. Die Erfolgsaussichten dürften gut stehen, denn handwerklich hergestelltes Brot ist gefragt.

Vor Läden wie denen der Kette «Zeit für Brot», vertreten in Berlin, Frankfurt und Hamburg, stehen die Kunden mitunter Schlange.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Wo kommen all die Schilder her?

Ein Straßenschild mit dem eigenen Nachnamen? Das kann man sich doch nachts mal besorgen. Oder das Ortsschild von Wacken? Auch sehr beliebt. Eine niedersächsische Firma sorgt für Ersatz – und hat eine originelle Erklärung für die Diebstähle.

Frank Kubitzka, Industriemechaniker in der Fritz Lange GmbH, überprüft eine rund 60 Quadratmeter große Brückenbeschilderung für die Autobahn A1 nach der ersten Montage. Das niedersächsische Unternehmen mit Sitz in Springe stellt jährlich rund 120.000 Verkehrsschilder her. Foto: dpa

Von Thomas Strünkelnberg
Springe (dpa) – Wacken ist angesagt. Nein, nicht das Heavy-Metal-Festival – obwohl, das auch. Sondern das Ortsschild. Das gilt auch für Kalifornien und Brasilien, beide nicht jenseits des Atlantiks, sondern an der Ostsee gelegen. Was die Ortsschilder leichter erreichbar macht. Ebenso in Hodenhagen, Fickmühlen, Bierbergen – oder auch in Freiheit, einem Stadtteil von Osterode im Harz. All diese Orte eint: Ihre Ortsschilder werden mit Begeisterung gestohlen. Dann müssen neue her, wie auch Verkehrsschilder regelmäßig ausgetauscht werden. Jetzt stellt sich eine Frage, die der «Sendung mit der Maus» würdig wäre: Wo kommen all die Schilder her?


16 Hersteller von Verkehrszeichen gibt es in Deutschland, einer der Großen darunter ist die Fritz Lange GmbH in Springe in der Region Hannover. 120 000 Standardverkehrszeichen stellt das Unternehmen jedes Jahr her, wie Sprecherin Melanie Ilgay sagt. Außerdem riesige Brückenbeschilderungen, wie sie über Autobahnen hängen – zwischen 40 und 80 Quadratmetern groß – das entspricht der Fläche vieler Wohnungen. Dazu kommen besagte Ortsschilder, 3000 Stück im Jahr. Und ganz nebenbei: Auch Straßenschilder werden gern gestohlen.


Davon kann Karl Gerhard Tamke, Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Hodenhagen, ein Lied singen. Erst im vergangenen Februar sei ein neues Ortsschild aufgestellt worden – im März war es schon wieder weg. Ersetzt sei es noch nicht, denn die Frage sei: «Wie kriegen wir die Dinger befestigt? Da muss nur jemand mit einem Schraubenschlüssel kommen.» Versuchsweise seien die Schrauben krummgeschlagen worden. Aber die Polizei winkt ab – die Diebe kämen mit dem Akkubohrer.


Axel Kunkel, Bürgermeister von Wacken in Schleswig-Holstein, ist schon einen Schritt weiter: Seit einigen Jahren würden die Schilder eingeschweißt statt angeschraubt, seitdem werde nichts mehr gestohlen – jedenfalls an den drei Gemeindestraßen mit Ortsschildern. An drei Landesstraßen seien sie «regelmäßig weg». Dennoch geht der deutsche Städte- und Gemeindebund davon aus, dass das Problem, «nicht sehr weit verbreitet» sei, wie Experte Jan Strehmann sagt. Zahlen gebe es keine – wie auch bei seinem niedersächsischen Kollegen Thorsten Bullerdiek. Der fragt sich nach eigenen Worten allerdings schon bei manchem Garten: «Wie kommt das Schild dahin?»


Trotzdem: Das Geschäft mit Ortstafeln sei «sehr groß», Straßennamen seien «tägliches Geschäft», sagt Ilgay. Auch Schilder zur Geschwindigkeitsbeschränkung seien bei Dieben beliebt. Schwerpunktmäßig macht das Unternehmen seine Geschäfte in Niedersachsen und Bremen, 90 Prozent seien öffentliche Ausschreibungen. Angaben zu Umsatz oder Ergebnis macht Ilgay nicht.


Was steht gerade auf dem Programm? Geschwindigkeitsbeschränkungen und ein Ortsschild – genauer gesagt Tempo 130 und Ortsschild sowie Ortsausgangsschild von Wacken. Michael Mazur (54), Abteilungsleiter Druckverfahren, steuert den Druck, ein digitaler Flachbettdrucker wirft die entsprechenden selbstklebenden Bahnen aus. Es gebe «Hunderte von Regeln» erklärt Ilgay. Grafiker zeichnen die Schilder entsprechend der Vorgaben zunächst, nach der Freigabe durch den Kunden werden die Aluminiumbleche zugeschnitten, die Schilder ausgedruckt und ausgeschnitten, schließlich verklebt. Kleinere Schilder können der größeren Stabilität wegen am Rand umgebördelt sein, größere bekommen auf der Rückseite Traversen eingenietet.

Andrea Rehren verklebt Druckbahnen für ein Segment eines Großschildes für die Autobahn, positioniert die Folie sorgfältig und schiebt dann eine Walze darüber, damit alles glatt wird. So ein Element koste etwa 1500 Euro: «Da sollte nichts schief gehen», sagt die 58-Jährige. Dann wischt sie etwas Staub von dem Schildsegment ab. Da sei sie doch etwas pingelig. Großschilder werden sicherheitshalber in der Firma einmal komplett aus einzelnen Segmenten zusammengebaut – gefühlt nimmt die 60-Quadratmeter-Tafel die halbe Halle ein.

Dabei ist Neubau nicht alles: Geschäftsbereichsleiter Vedat Ilgay zeigt Anti-Sticker-Folie für Schilder – bekleben kann man sie kaum, beschmieren nur schwer, abwaschen vergleichsweise leicht. Seine eigene Erfindung, wie der 44-Jährige sagt. Das Problem: Bislang reinigten die Straßenmeistereien die Schilder von Graffiti meist mit scharfen Mitteln, die Farben verblichen schnell und die Schilder reflektierten kaum mehr. Bundesweit gebe es etwa 25 Millionen Verkehrszeichen, jährlich ausgewechselt werden etwa 1,6 Millionen.

Und der 44-Jährige warnt: Selbst fest vernietete oder verschweißte Ortsschilder würden gestohlen. «Das ist, wie soll ich sagen, die Natur des Menschen», meint er. Es muss ja nicht so weit gehen wie im Falle des österreichischen Orts Fugging, der zuvor Fucking hieß: Die Ortsschilder wurden geklaut, extra angereiste Männer zeigten sich in eindeutigen Posen, der Ruf des Orts war angekratzt. Dagegen versteht Bürgermeister Kunkel sogar irgendwie diejenigen, die ein Ortsschild von Wacken haben wollen: «Das ist Kult.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Straßenschild – street sign
eigenen Nachname – own last name
besorgen – pick up
Ersatz – replacements
Diebstähle – thefts
angesagt – announced
jenseits – on the other side
eint – are united
Begeisterung – enthusiasm
gestohlen – stolen
Verkerhsschilder – traffic signs
n.b. «Sendung mit der Maus» – a long-running children’s TV show in Germany
würdig wäre – would be worthy
Verkehrszeichen – traffic signs
entspricht – corresponds to
Fläche – area
besagte – requested
kriegen – get
Dinger – things
befestigt – fastened
Schraubenschlüssel – wrench
krummgeschlagen – deliberately bent
winkt ab – turn that down
Akkubohrer – cordless drill
eingeschweißt – welded
Ortstafeln – location signs
Geschwindigkeitsbeschränkung – speed limit
Schwerpunktmäßig – principally
Ausschreibungen – orders
Angaben – details
Abteilungsleiter – division head
Druckverfahren – printing process
Flachbettdrucker – flatbed printer
selbstklebenden – self-adhesive
Bahnen – strips
Aluminiumbleche – sheets of aluminum
wegen – on account of
Rand – edge
umgebördelt – flanged
Traversen – cross bars
eingenietet – riveted
Walze – roller
schief gehen – go wrong
pingelig – fussy
sicherheitshalber – for safety’s sake
kaum – hardly
beschmieren – graffitied
Erfindung – invention
reinigten – cleaned
Straßenmeistereien – road maintenance departments
verblichen – fade
geklaut – swiped
eindeutigen – obvious
Ruf…angekratzt – tarnished reputation

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*