24. April 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

«Spritztour» nach Moskau – Deutsche
lassen sich gegen Corona impfen

Wenn es in Deutschland nicht genug Impfstoffe gibt, beginnt die Suche nach Alternativen. Impfungen im Ausland zum Beispiel. Einige Deutsche sind nun nach Moskau gereist. Das kommt Russland nicht ungelegen.

Enno Lenze aus Berlin hat sich in Moskau den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V verabreichen lassen und hält ein Blatt Papier mit Verhaltensregeln in der Hand. Nach seiner Impfung gab er Interviews. Er gehört einer Gruppe Deutscher an, die extra wegen der Impfung nach Moskau gekommen sind. Foto: dpa

Von Christian Thiele
Moskau (dpa) – Ein kurzer Piks und Enno Lenze atmet auf. Der 38-jährige Berliner hofft nun, dass mögliche Nebenwirkungen seiner Corona-Impfung nicht so schnell kommen – damit er so viel wie möglich von der russischen Hauptstadt Moskau sehen kann. «Wenn ich fit bin, besuche ich ein Museum nach dem anderen», sagt Lenze der Deutschen Presse-Agentur. Er ist mit etwa 50 anderen Deutschen zur «Spritztour» nach Russland geflogen, um sich Sputnik V verabreichen zu lassen. In Deutschland hätte er womöglich erst Ende des Jahres einen Impftermin bekommen, sagt er. «Man weiß es einfach nicht.»

Es ist schon der zweite Impfflug, den der norwegische Reiseveranstalter World Visitor nach Moskau anbietet. «Bis September wollen wir jede Woche 50 Leute nach Moskau bringen», sagt der Münchner Büroleiter Hans Blank. Er spricht von «wahnsinnig» vielen Anfragen.

Für den russischen Staat, der international den Impfstoff vermarktet, sind solche Nachrichten willkommen: Deutsche, die sich angesichts des vielfach beklagten Impf-Chaos in ihrer Heimat, nach Russland retten. Russlands Staatsfernsehen wird diese Bilder auszuschlachten wissen.

Und so werden einige der deutschen Reisegruppe von Reportern umlagert. Hier ein Interview, da ein Interview. Sie müssen anders als der Rest nicht in eine Privatklinik, sondern bekommen die Spritze direkt im Hotel verabreicht. Doch nicht alle sind vom Blitzlichtgewitter und den Mikrofonen begeistert.

Der Trip nach Moskau ist nicht billig. 150 Euro für die Impfung und 1000 Euro für die Reise samt Flug, rechnet Lenze vor. In drei Wochen für die zweite Dosis Sputnik kommt der Berliner wieder nach Moskau. Thomas Waller, 24, bleibt in dieser Zeit sogar in Russland. Im Herbst wolle er sein Fachabitur machen. «Ich habe jetzt genug Zeit.»

«Die Impfung ist ein Antrieb, Freunde und Familie in Moskau zu treffen, der zweite Antrieb», sagt ein Anwalt aus Hamburg. «Meine Frau ist Russin.» Wegen der geschlossenen Grenzen in der Pandemie habe er lange nicht nach Moskau fliegen können. Seit kurzem dürfen Deutsche mit gültigem Visum wieder auf dem Luftweg einreisen. Vorher wäre eine solche Impfreise nicht möglich gewesen.

In Deutschland gebe es nicht genug Impfstoff, sagen zwei Männer vor ihrer Impfung in die russischen Fernsehkameras. Russland hatte im August vorigen Jahres mit Sputnik V das weltweit erste Vakzin für eine breite Anwendung in der Bevölkerung freigegeben. Mittlerweile sind zwei weitere russische Wirkstoffe auf dem Markt. Während man sich in der Hauptstadt Moskau selbst in Einkaufsmärkten impfen lassen kann, müssen in anderen Regionen viele länger auf Impftermine warten.

Ob sich Kremlchef Wladimir Putin über die Bilder von Deutschen bei einer Impfung in Moskau freue, wird eine Reporterin des russischen Staatsfernsehens nach dem Interview mit zwei Deutschen gefragt. Es gehe doch darum, mit den Vakzinen Menschenleben zu retten – und nicht um Politik, sagt sie. Der 68 Jahre alte Putin hat am Tag vor der Impfung der Deutschen seine zweite Spritze bekommen. Der Kreml meint danach, es gehe ihm gut – während andere nach einer Impfung mit Sputnik etwa kurzzeitig über Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen klagten.

Impfreisen gibt es auch in andere Teile der Welt. Florida zum Beispiel. «Russland war das einzige Angebot, was ich wahrnehmen konnte», erzählt Lenze. «USA ging wegen eines Visums nicht, in Serbien gab es keine freien Termine.» Von solchen «Spritztouren» profitieren aus Sicht des Reiseveranstalters Hans Blank viele: der vor Corona geschützte Kunde, Hotels, Fluggesellschaften, Gastronomen und natürlich er selbst. Das sei aber nur «ein kleines Geschäft», meint er. «Das ist besser, als nichts zu tun zu haben.»

Eigentlich hatte die russische Führung stets betont, dass zuerst die eigene Bevölkerung geimpft werden soll. Doch Bilder von Ausländern, die sich in Russland spritzen lassen, sind willkommen für die Vermarktung des Vakzins. In dem Riesenreich selbst sind erst vergleichsweise wenige Menschen geimpft. Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa spricht am Freitag von acht Millionen Geimpften – das sind erst mehr als fünf Prozent der Bevölkerung. In Deutschland sind laut Corona-Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag 6,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

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Sport

Bayern-Bosse «missbilligen» Flicks Abschiedsknall – Spieler «traurig»

Hansi Flick schafft Fakten. Er will die Bayern im Sommer mit dem fünften Meisterstern verlassen. Die Vereinsführung gerät in die Defensive und reagiert pikiert. Die Spieler sind «sehr traurig». Flick zieht’s zum DFB. Wer übernimmt in München? Nagelsmann?

Münchens Trainer Hans-Dieter “Hansi” Flick Foto: dpa

Von Klaus Bergmann, Sebastian Stiekel und Christian Kun
München (dpa) – Am Tag nach dem Abschieds-Knall stand Hansi Flick wieder ganz normal auf dem Trainingsplatz. Eingepackt in eine dicke FC-Bayern-Jacke überwachte er das Übungsprogramm der Reservisten, während die von ihm in Wolfsburg überrumpelten Bosse stundenlang an einer Reaktion auf die klaren Worte des Trainers arbeiteten. Die kam am Sonntagnachmittag – und es war ein Konter, der kaum eine gütliche Trennung der bis vor kurzem noch idealen Partner nach dem programmierten siebten gemeinsamen Titelgewinn erwarten lässt.
600 Kilometer entfernt vom Münchner Vereinsgelände hatte Flick am Samstag in der Wolfsburger Arena forsch und überfallartig die Notbremse gezogen, nachdem er sein Abschiedsgeschenk an den FC Bayern praktisch eingetütet hatte. Die Münchner Bosse wurden von ihrem Trainer kalt erwischt, das Gros der Mannschaft überrascht.

«Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick», hieß es in einer kurzen, kühlen Stellungnahme. Der deutsche Rekordmeister kündigte zugleich an, die Gespräche mit Flick «wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen» zu wollen. Dann geht es um die vom Trainer gewünschte Vertragsauflösung. Der Verein könnte theoretisch auf Erfüllung bis Mitte 2023 pochen.

«Für mich ist es jetzt auch raus», hatte Flick hörbar erleichtert gesagt, nachdem er sein Ansinnen publik gemacht hatte. Es war die Hammer-Zugabe nach dem so wichtigen Münchner 3:2 (3:1) im Bundesliga-Topspiel beim Tabellendritten VfL Wolfsburg. Die Münchner Vereinsführung steht plötzlich blank da. Sie braucht schnell einen Nachfolger. Leipzigs Julian Nagelsmann? «Es gibt keinen neuen Stand. Es gibt und gab keine Gespräche und auch kein Angebot», bekräftigte Nagelsmann am Sonntag. Der 33-Jährige verwies wieder auf seinen Vertrag bis 2023 bei RB. Es gebe da auch «keine Streitigkeiten».

Flicks Zukunft wird derweil schon als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw beim DFB verortet. «Der Verein weiß Bescheid, die Mannschaft weiß jetzt auch Bescheid, das war mir wichtig», sagte er zum gewünschten vorzeitigen Bayern-Abschied. Er wirkte nach Wochen, «die für mich nicht ganz easy waren», wie von einer Last befreit.

Eine längere Schauspielerei rund um seine Zukunft mochte sich der 56-Jährige nach der Vorentscheidung im Meisterschaftsduell mit Verfolger Leipzig nicht länger zumuten. Er nutzte den Moment, um für sich einen Schlussstrich unter eine aufregende, erfolgreiche, aber auch kraftraubende und nun erstaunlich kurze Bayern-Ära zu ziehen.

Eigentlich sollte erst nach der Woche mit den Spielen in Wolfsburg, am Dienstag gegen Leverkusen und am Samstag in Mainz kommuniziert werden, was Flick dem Verein nach dem Champions-League-Aus in Paris mitgeteilt hatte. So sei es «vereinbart» gewesen, um den Fokus auch im Interesse des Trainers ganz auf den Titelkampf legen zu können, wie der Verein in seinem Statement ausdrücklich hervorhob.

Flick verstieß gegen die Abmachung, weil er den «Flurfunk» an der Säbener Straße fürchtete. «Es war wichtig, dass die Mannschaft das Ganze von mir erfährt, weil wir knapp eineinhalb Jahre sehr gut zusammengearbeitet haben», erläuterte er. Die Spieler sind seine größten Verbündeten – und sollen es auch bis zum Ende bleiben: «Wir haben noch ein bisschen was vor in den fünf Spielen. Wir wollen den fünften Stern auf den Trikots», äußerte Alleingänger Flick. Der fast gewonnene 30. Meistertitel zu Bundesliga-Zeiten ist dafür nötig.

Flick unterrichtete das Team um Matchwinner Jamal Musiala (2 Tore) sowie den zum 2:1 erfolgreichen Eric Maxim Choupo-Moting direkt nach dem Abpfiff in der Kabine. «Es ist für uns als Mannschaft sehr traurig und hat auch die meisten Spieler von uns überrascht», sagte Kapitän Manuel Neuer und ergänzte: «Wir haben zusammen die erfolgreichste Bayern-Zeit überhaupt ins Leben gerufen.» Neuer bezeichnete Flick sogar als «besten Trainer der Welt».

Den Schwarzen Peter schob er seinen Bossen zu, allen voran Flicks Intimfeind Hasan Salihamidzic und auch dem künftigen Vorstandschef Oliver Kahn. Die Vereinsführung hatte die Entfremdung des Trainers unterschätzt. Nur der am Jahresende scheidende Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge (65) kämpfte öffentlich um Flick. Dessen Konflikt mit Sportvorstand Salihamidzic wurde nicht ausgeräumt.

«Anders war es nicht mehr zu lösen, das Tischtuch war zerschnitten. Er hat häufig Hilferufe losgelassen, keiner hat ihn erhört», befand Sky-Experte Lothar Matthäus am Sonntag zum Vorstoß des Trainers.

«Hansi Flick weiß, was er will und wie er arbeiten möchte», sagte Neuer im ZDF. Fakt ist: Weitermachen wie zuletzt – gerade auch mit Salihamidzic – wollte er nicht. Flicks vorgezogene Abschiedsworte ließen tief blicken. Er werde dem Verein und den Verantwortlichen, «ob es der Kalle (Rummenigge), ob es Uli (Hoeneß) war oder Herbert Hainer, ewig dankbar sein» dafür, dass sie ihm im November 2019 erst auf Zeit und dann dauerhaft das Vertrauen geschenkt hätten, eine super Mannschaft anleiten zu dürfen. Der Name Salihamidzic fiel in Flicks Aufzählung nicht.

Flick sagte dem Team, «dass er auch sehr viel Energie gelassen hat in den extrem intensiven eineinhalb Jahren», wie Thomas Müller verriet. Dass der einstige Bayern-Fan Flick («Gerd Müller, Paul Breitner, Kalle Rummenigge waren meine Idole») von sich aus gehen will, ist Resultat «reiflicher Überlegung», wie er sagte: «Es sind Dinge, die in der Entwicklung so entstehen.» Die Gründe blieben aber «intern».

Die Bayern verlieren einen Coach, der bis vor kurzem noch ideal zu passen schien. Nun geht der Blick nach Leipzig, wo in Nagelsmann (33) der logisch erscheinende Nachfolger arbeitet. Nagelsmann lässt sich von der Agentur «Sports360 GmbH» beraten, die übrigens auch den von Leipzig nach München wechselnden Abwehrspieler Dayot Upamecano zu ihren Klienten zählt. Andere Nachfolgekandidaten dürften erst ins Spiel kommen, wenn Kahn, Salihamidzic oder der im Hintergrund aktive Ehrenpräsident Uli Hoeneß die Toplösung nicht realisieren können. Eine Millionen-Ablöse würde für Nagelsmann vermutlich auch fällig.

Ein Gewinner des Wochenendes ist der DFB. Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff könnte nun den Löw-Nachfolger bekommen, den er aus den gemeinsamen DFB-Jahren mit dem WM-Titelgewinn 2014 als Höhepunkt bestens kennt und schätzt. Der DFB hatte ausgeschlossen, an Trainer mit bestehenden Verträgen heranzutreten. Aber bei Flick verändern sich die Voraussetzungen gerade. «Die Zukunft ist überhaupt nicht klar. Es gab auch noch kein Gespräch, was das Thema Bundestrainer betrifft», versicherte Flick. «Natürlich ist der DFB eine Option, die sich jeder Trainer überlegen muss», sagte er aber auch.

Flick könnte viele Bayern-Profis damit schon bald wieder trainieren. Sein Freund und langjähriger Wegbegleiter Löw gab die Richtung bei der Suche nach seinem Nachfolger erst vor wenigen Tagen vor: «Das muss Hansi selbst entscheiden, ob er das machen möchte oder nicht.»

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Feuilleton

Ausstellung „Van Gogh – The Immersive Experience“

„Van Gogh – The Immersive Experience“ bis 1. August 2021 in Berlin.
Foto: Fabian Sommer/dpa

Berlin (dpa) – Besucher betrachten in der Ausstellung „Van Gogh – The Immersive Experience“ in der STATION-Berlin die Videoprojektion. Gemälde Van Goghs werden in der Ausstellung bis 1. August 2021 mit Hilfe von Lichtinstallationen und Projektionen mehrfach vergrößert und auf die Wände der Hallen projiziert. Besucher müssen einen negativen Coronatest vorlegen und eine FFP2-Maske zum Schutz vor Ansteckungen tragen.

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Gesundheit

Brustschmerz nicht aus Corona-Angst ignorieren

Jede Minute zählt: Ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall.
Foto: Nicolas Armer/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Aus Furcht vor Ansteckung mit dem Coronavirus scheuen nach Einschätzung von Fachleuten viele Menschen mit Herzproblemen das Krankenhaus – trotz klarer Symptome. Warum das gefährlich ist.

Niemand sollte aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona im Krankenhaus ungewöhnliche Schmerzen in der Brust ignorieren. Denn bei einem Herzinfarkt zählt schnelles Handeln. Die meisten Todesfälle infolge eines Infarktes gebe es in der ersten Stunde nach dessen Auftreten, sagt Professor Stephan Achenbach, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

«Es herrscht also akute Zeitnot, man kann mit der Hilfe nicht warten», betont Achenbach. Dazu kommt, dass ein zu spät behandelter Infarkt auch zu Langzeitfolgen wie einer schweren Herzschwäche führen kann. In der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 haben Kardiologen nach Angaben von Achenbach weniger Infarktpatienten im Krankenhaus behandelt. Zugleich sei die Zahl der Todesfälle außerhalb der Krankenhäuser gestiegen.

Das seien alarmierende Daten, sagt Achenbach. Es ist stark zu vermuten, dass durch die vermehrte Meidung der Krankenhäuser wegen der Corona-Pandemie mehr Menschen an Infarkten gestorben sind als sonst. Genaue Zahlen dazu kann der Experte aber nicht nennen.
«Angst vor Covid-19 darf auf keinen Fall zu einer Verzögerung der Behandlung führen», sagt Professor Thomas Voigtländer, Vorstand in der Deutschen Herzstiftung. Gerade am Anfang eines Infarkts sterben viele Menschen, bestätigt er.

Der Grund dafür sei fast immer ein Kammerflimmern, also ein unregelmäßiger Herzschlag. Der führt dazu, dass der Herzmuskel nicht mehr richtig arbeitet und das Herz stehen bleibt.

In dieser Situation ist es entscheidend, dass Ersthelfer eine Herzdruckmassage machen, bis Hilfe eintrifft. Die Rettungskräfte könnten dann durch Defibrillation den Herzschlag normalisieren, so Voigtländer – und der Patient könne Jahrzehnte weiterleben.

Weil schnelle Hilfe so wichtig ist, sollte man die Symptome eines Herzinfarkts kennen. Typisch ist ein heftiges Brennen oder Engegefühl im Brustkorb. Der Schmerz kann in Arme, Oberbauch, Rücken, Schulter und Kiefer ausstrahlen.

Manchmal sind Betroffene sehr kurzatmig oder haben plötzliche Atemnot. Dazu können Schweißausbrüche und Schwindel kommen. Ein Brustschmerz bei minimaler Belastung oder in Ruhe kann auf einen unmittelbar bevorstehenden Infarkt hindeuten.

Symptome wie das Engegefühl in der Brust oder ungewöhnliche Kurzatmigkeit unter Belastung können Tage oder Wochen vorher immer wieder auftreten und verschwinden, ehe es zu einem schweren Infarkt kommt. Deshalb sollte man solche Anzeichen immer ernstnehmen.

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Reise

Urlaub in Deutschland:

Wo die „Mein Schiff“-Flotte im Winter 2022/23 fährt

Im Winter waren nur sehr wenige Kreuzfahrtschiffe überhaupt unterwegs – 
mit strengen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen.                              Fotos: dpa

Hamburg (dpa) – In ihrer letzten Wintersaison 2022/23 wird die „Mein Schiff Herz“ von Tui Cruises rund um die Kanaren unterwegs sein. Dabei sollen auch regelmäßig die Kapverden und Azoren angesteuert werden, wie die Reederei mitteilt. Das Kreuzfahrtschiff verlässt die Flotte von Tui Cruises dann im April 2023. Die letzte Seereise mit Gästen soll von Teneriffa nach Mallorca führen.

Die „Mein Schiff 1“ wird den Winter 2022/23 nach derzeitigen Plänen in Mittelamerika verbringen und anschließend nach Deutschland fahren. Unterwegs stehen Stopps auf den Azoren und in Lissabon im Programm.

Die „Mein Schiff 2“ setzt Tui Cruises ab Herbst 2022 in der Karibik ein, die Transatlantik-Überfahrt fällt in die Zeit der Herbstferien, die Rückfahrt in die Osterferien 2023.

Für die „Mein Schiff 3“ soll es im Winter 2022/23 nach Südafrika und Namibia gehen. Diese Reisen starten und enden laut Reederei in Kapstadt. Die „Mein Schiff 5“ soll die Wintersaison in Südostasien verbringen und bis Mitte Mai 2023 dort unterwegs sein. In dieser Region soll das Schiff bereits im Winter zuvor im Einsatz sein.

Momentan sind kaum Kreuzfahrtschiffe unterwegs. Nach jetzigem Stand sollen die Schiffe von Tui Cruises auch im kommenden Winter unter anderem in Asien, der Karibik, dem Persischen Golf und im südlichen Afrika unterwegs sein. Aktuell sei der Winterfahrplan 2021/2022 ganz regulär buchbar, heißt es von Tui Cruises.

In den vergangenen Monaten mussten die meisten Kreuzfahrten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

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Jagdverband beklagt
Rebhuhn-Schwund

Unbewirtschaftete Randstreifen und Brachen sind für Rebhühner ein wichtiger Lebensraum. Doch diese Flächen werden weniger – mit Folgen für den Rebhuhn-Bestand. Die Jäger fordern von der Politik neue Ansätze für den Artenschutz.

Ein Rebhuhn sitzt in einem Gehege des Zoologischen
Gartens Wilhelma in Stuttgart. Foto: Sina Schuldt/dpa

Von Lennart Stock
Berlin (dpa) – Rebhühner finden nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) auf Feldern und Wiesen in der Bundesrepublik immer weniger Lebensraum. Ihre Dichte habe sich innerhalb von zehn Jahren etwa halbiert, teilte der Verband jetzt in Berlin der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach registrierten Jäger bei einer Erhebung 2019 im Schnitt noch 0,27 Rebhuhnpaare pro Quadratkilometer – zehn Jahre zuvor waren es durchschnittlich noch 0,45 Paare. Durch eine intensivere Flächennutzung in der Landwirtschaft fehle den Bodenbrütern vegetationsreicher Lebensraum wie etwa Brachen, Feldränder und Gräben. Der Jagdverband fordert Einkommensanreize für Landwirte, die sich für Artenvielfalt einsetzen.

Insgesamt wurden auf 78 000 Quadratkilometern etwa 21 200 Rebhuhnpaare erfasst – etwa 43 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche umfasste die Erhebung über das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Revierinhaber schätzen dabei alle zwei Jahre das Vorkommen verschiedener Arten in ihrem Revier ein. Die höchsten Dichten – und damit das Hauptverbreitungsgebiet der Tiere – findet sich demnach im Westen und Nordwesten Deutschlands. Absolute Zahlen zum Bestand der Rebhühner gibt es nicht.

Da eine nachhaltige Bejagung nicht mehr möglich ist, gilt laut Jagdverband in etwa der Hälfte der Bundesländer eine ganzjährige Schonzeit – das heißt, die Tiere werden dort nicht mehr gejagt.
Laut den Jägern sind für die Vögel neben Brachen auch Blühflächen wichtig, die über den Winter stehen bleiben und als Bruthabitat dienen. Dafür brauche es aber die Hilfe der Landwirte.

«Wenn Landwirte auf ihren Flächen Naturschutz betreiben, dann muss die Politik das künftig entsprechend entlohnen», sagte DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Beispielsweise könnten Landwirte ausgedünnte Getreidebestände oder Blühflächen zur Bio-Energiegewinnung anlegen und so auch Biodiversität fördern.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Chiffriermaschine Enigma – Funde aus der Ostsee werden erforscht

Taucher fanden sie durch Zufall in der Ostsee: Chiffriermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie werden nun erforscht und restauriert. Werden Geheimnisse gelüftet?

Lübeck: Thorsten Buzug (r), geschäftsführender Direktor der Fraunhofer-Einrichtung für individualisierte und zellbasierte Medizintechnik (IMTE) und Ulf Ickerodt, Leiter des archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein zeigen eine Enigma-Verschlüsselungsmaschine, die mit einem Computertomographen aus der Medizintechnik untersucht wurde. Im November und Januar haben Forschungstaucher durch blanken Zufall bei der Bergung von Geisternetzen und eines Propellers in der Ostsee ;und auf dem Grund der Schlei insgesamt sieben Enigmas gefunden. Nun liegt eine der Maschinen in einem Computertomographen der Lübecker Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik (IMTE). Foto: dpa

Von André Klohn
Lübeck (dpa) – Die Ostsee hat Spuren hinterlassen. An der Seite kleben Muschelreste, dicker Rost hat den Kasten überzogen. Mit seinen runden Tasten sieht der Klotz wie eine alte Schreibmaschine aus. Vom Holz der legendären Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg ist kaum etwas übrig. Durch blanken Zufall haben Forschungstaucher im November und Januar bei der Bergung von Geisternetzen und eines Propellers in der Ostsee und auf dem Grund der Schlei sieben Enigmen gefunden. Eine von ihnen liegt in einem Computertomographen (CT) der Lübecker Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik und gibt ihre innersten Geheimnisse preis.

Bei der Enigma handelt es sich um eine für damalige Verhältnisse komplexe Maschine – benannt nach dem griechischen Wort für Rätsel. Im Zweiten Weltkrieg diente sie mit ihren 26 Buchstaben-Tasten und ebenso vielen Leuchtfeldern mit jenen Buchstaben, die den Text bildeten, der Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs. Nach ersten Erfolgen von polnischen Experten trug der britische Mathematiker Alan Turing maßgeblich dazu bei, den Enigma-Code zu knacken. Dies hatte erheblichen Einfluss auf den U-Boot-Krieg im Atlantik. Fortan konnten die Briten verschlüsselte Funk-Codes mitlesen – unbemerkt vom Kriegsgegner.

«Wir haben 4000 einzelne Röntgenbilder aus verschiedenen Richtungen von der Enigma aufgenommen und diese anschließend algorithmisch in ein 3D-Bild rekonstruiert», sagt Direktor Thorsten Buzug. «Wenn man die Dosis bei einem Menschen angewendet hätte, dann wäre es eher eine Strahlentherapie gewesen.» Doch bei der alten Kriegstechnik spielt die Strahlendosis keine Rolle. Das so entstandene Computermodell ist deutlich detaillierter als Bilder eines herkömmlichen CT im Krankenhaus. Deren Auflösung liege bei unter einem Millimeter, sagt Buzug. «Wir kommen hier deutlich in den Mikrometer-Bereich.»

Mindestens eine der Maschinen vom Ostseegrund soll in der Werkstatt des Museums für Archäologie auf Schloss Gottorf in Schleswig restauriert werden. «Die Enigma-Geräte sind archäologische Funde, die vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit den Findern und Experten erfasst, untersucht, erforscht und publiziert werden», sagt Landesamts-Leiter Ulf Ickerodt.

Dafür liefern die Lübecker Experten wichtige Vorarbeit. Auf ihrem detaillierten Modell des Innenlebens der Maschine sind auf den ersten Blick keine größeren Schäden auszumachen. Die Enigma ist voller Schlick. Im Zusammenspiel mit dem Salzwasser der Ostsee bot dieser nach Angaben der Archäologen ein günstiges Milieu zur Konservierung.

Nach der Restaurierung sollen die Enigmen aus der Ostsee ausgestellt werden. «Wir haben bisher drei Enigmen gescannt», sagt Maximilian Wattenberg. In einer Maschine sei auch eine Muschel im Inneren entdeckt worden. Auch die anderen Geräte sollen digital archiviert werden.
Normalerweise arbeitet die Fraunhofer Einrichtung für die Medizintechnik. «Muscheln, Sedimente, Schlick sind sehr kompakt noch in der Maschine enthalten», sagt Buzug. Das hochpräzise Modell soll dem Restaurator helfen, bei der Entfernung des Schlicks durch die Enigma zu navigieren.

Der Marinehistoriker Jann M. Witt vom Deutschen Marinebund geht davon aus, dass die Chiffriermaschinen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf dem Grund der Ostsee landeten. «Meine begründete Vermutung ist, dass die Maschinen von einem Verband bei der Fahrt zur Übergabe bei Schleimünde schlicht und einfach über Bord geworfen worden sind.» Auch der Leiter des Archäologischen Landesamts sieht einen Zusammenhang mit dem sogenannten Regenbogen-Befehl. Dabei sei es der Wehrmacht zum Kriegsende darum gegangen, militärische Anlagen und Waffen «möglichst so zu vernichten, dass sie dem Feind nicht in die Hand fallen», sagt Ickerodt. Das habe ganze Schiffe betroffen. Die Wracks seien nach Kriegsende jedoch meist geborgen worden.

Die Wissenschaftler beschäftigt nun die Frage, von welchen Schiffen die Enigma-Funde stammen. «In einem Fall wissen wir, dass es eine M4 ist», sagt Ickerodt. Diese Modelle mit vier rotierenden Walzen kamen auf U-Booten zum Einsatz. Sie verfügten über mehr Codierungsmöglichkeiten als Modelle mit drei Walzen, wie sie auf Schiffen genutzt wurden. Ickerodt hofft, die Seriennummern identifizieren zu können. Darüber könnten Historiker die Enigmen möglicherweise Schiffen und Besatzungen zuordnen.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Chiffriermaschinen – cipher machines
gelüftet – surface
kleben – stick
dicker Rost – heavy rust
Kasten – cases
überzogen – covered
Klotz – block
Schreibmaschine – typewriter
blanken Zufall – dumb luck
Forschungsaucher – research divers
Bergung – recovery
Geisternetzen – ghost nets
Grund der Schlei – floor of the Schlei River
Computertomographen – CT scanner
Einrichtung – Institute
gibt preis – exposes
benannt nach – named for
Leuchtfeldern – glowing fields
Verschlüsselung – enciphering
Nachrichtenverkehrs – transmissions
Maßgeblich – substantially
knacken – break
verschlüsselte – enciphered
Funk-Codes – radio codes
Strahlentherapie – radiation therapy
Strahlendosis – radiation exposure
herkömmlichen – conventional
Ostseegrund – floor of the Baltic Sea
erfasst – comprehended
erforscht – investigated
Schlick – slit
bot – offered
ausgestellt – exhibited
gescannt – scanned
Muschel – seashell
geht davon aus – assumes
begründete Vermutung – educated guess
Verband – (military) unit
Übergabe – transfer
Schleimünde – mouth of the Schlei River
schlicht – snuck
N.B. – Regenbogen-Befehl – Operation Regenbogen was the code name for the planned mass scuttling of German U-boats at the end of WWII
Anlagen – facilities
vernichten – destroy
Feind – enemy
geborgen – sheltered
rotierenden Walzen – rotating cylinders
Einsatz – employed
verfügten – deployed
Besatzungen – crew
zuordnen – connect

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*