24. August 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Privatschulen liegen im Trend – fast überall Zuwachs

Privatschulen sind gefragt – viele Eltern ziehen sie den öffentlichen Schulen vor. Manche halten die Entwicklung für problematisch. Soll die Politik gegensteuern? Unionspolitiker Carsten Linnemann befeuert die Debatte.

Schulranzen und Arbeitsmaterialien stehen in einer Schule im Regal. Privatschulen haben in Deutschland deutlichen Zulauf – mit konstanten oder weiter steigenden Schülerzahlen in den einzelnen Bundesländern. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. Foto: dpa

Dortmund (dpa) – Privatschulen haben in Deutschland deutlichen Zulauf – mit konstanten oder weiter steigenden Schülerzahlen in fast allen Bundesländern. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. Der Zustand vieler öffentlicher Schulen habe zur Steigerung der Nachfrage nach Privatschulen beigetragen, kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Entwicklung sei höchst problematisch, die Politik solle dem «Privatschulboom» entgegenwirken, forderte die GEW in Nordrhein-Westfalen. «Die Existenz privater Schulen wirkt sozial selektiv», meinte GEW-Landeschefin Maike Finnern.

Zugleich sorgte eine Äußerung von Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann für Wirbel, in dem es primär um oft unzureichende Deutschkenntnisse vor der Einschulung ging. Dabei hatte der CDU-Politiker in dem Interview auch gesagt: «Bis tief hinein in die Mittelschicht erlebe ich Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, weil das Niveau an staatlichen Schulen sinkt.» Und in dem Zusammenhang hatte Linnemann von «neuen Parallelgesellschaften» gesprochen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak plädierte in der aufgeheizten Debatte für gezielte Sprachförderung in der Kita und «überall verbindliche Sprachtests vor der Einschulung.» Nicht nur ausländische Kinder hätten Sprachprobleme. Kein Kind solle ausgegrenzt werden, betonte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz (CDU). Integration gelinge am besten in der Kita und in der Schule.

Jeder elfte Schüler lernt inzwischen laut Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) an einer privaten Schule – etwa einer Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft, einer Waldorf- oder Montessorischule. Sie alle müssen staatlich genehmigt werden. Der VDP sprach von einer «heterogenen Schülerschaft».

Wie viele Schüler besuchen nach aktuellsten Zahlen in den einzelnen Bundesländern eine private Schule? Für NORDRHEIN-WESTFALEN meldet das Statistikamt steigende Werte. Zuletzt lernten dort demnach fast 163 100 Schüler an einer Privatschule – 0,3 Prozent mehr als 2017/18. An der Schülergesamtzahl mache das einen Anteil von 8,6 Prozent aus – vor allem bei Gymnasien sei er mit 16,8 Prozent hoch. Nicht enthalten sind hier Berufs- und Weiterbildungskollegs, Förderschulen nur zu einem Teilbereich. Das Düsseldorfer Schulministerium zählt anders, kommt auf sogar 208 000 Privatschüler, aber einen «leicht rückläufigen» Trend. Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht die Privaten als Ergänzung, alle Schulformen ermöglichten eine «gute, erfolgreiche Bildungsbiografie».

In BAYERN gingen im Schuljahr 2018/19 knapp 146 800 Kinder und Jugendliche in eine der 625 Privatschulen. Das macht einen vergleichsweise hohen Anteil von 11,7 Prozent aus. Viele wollten ihre Kinder wohl vor dem in Bayern besonders leistungsorientierten System der öffentlichen Schulen bewahren, meint der dortige Lehrerverband. Es gebe auch elitär ausgerichtete Gründe. Von einer «bedauerlichen Entwicklung» spricht der Elternverband. Einige Eltern gingen offenbar von besserer Förderung und Geborgenheit bei privaten Trägern aus.

In BADEN-WÜRTTEMBERG hat die Zahl der Privatschüler einen Höchststand erreicht. Rund 106 800 Schüler besuchten eine allgemeinbildende Privatschule – 0,8 Prozent mehr als 2017/18. Nach Einschätzung der Landes-GEW wollen Eltern über das Umfeld ihrer Kinder bestimmen. «Und private Schulen wählen nach Milieu oder auch nach Religion aus.» In RHEINLAND-PFALZ bewegt sich die Privatschüler-Quote in Richtung 8 Prozent, aus dem SAARLAND wird eine konstante Zahl von knapp 8600 Privatschülern gemeldet.

In HESSEN verzeichnete das Kultusministerium einen leichten, kontinuierlichen Anstieg: Dort besuchten nahezu 54 700 Heranwachsende eine allgemeinbildende Schule in privater Trägerschaft – ein Anteil von gut 7 Prozent. Viele Eltern hätten Interesse an Reformpädagogik, meint die Arbeitsgemeinschaft der freien Schulen. Die GEW in Hessen verlangt eine Stärkung des öffentlichen Systems.

In BREMEN herrscht zwar große Unzufriedenheit mit den öffentlichen Schulen, einen Ansturm auf die Privaten gibt es aktuell trotzdem nicht. Laut Bildungsverwaltung besucht immerhin etwa jeder zehnte Schüler eine Privatschule. In NIEDERSACHSEN blieb die Zahl konstant. Das Bildungsministerium in SCHLESWIG-HOLSTEIN hält die Ersatzschulen für «eine gute Ergänzung des öffentlichen Bildungssystems». Dort lernen nur 5 Prozent der Schüler an Privatschulen. HAMBURG meldet «konstanten Zulauf».

In BERLIN besuchen rund 37 000 Schüler Privatschulen – ein Anteil von rund 10 Prozent. In BRANDENBURG ist der Anteil binnen zehn Jahren von 8 Prozent auf aktuell gut 11 Prozent geklettert – was nach Einschätzung des Bildungsministeriums an besonderen Konzepten oder schlicht am kurzem Schulweg liegen könnte.

Auch in SACHSEN-ANHALT liegen Privatschulen im Trend. Ebenso in THÜRINGEN, wo mehr als jeder zehnte Schüler an einer privaten Schule lernt – Tendenz steigend. Das Milieu sei geprägt von einer gut situierten Elternschaft mit hohem Bildungsabschluss, meint die dortige GEW. Die Evangelische Schulstiftung verweist aber auf sozial gestaffeltes Schulgeld und gemischte Elternschaft.

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

sind gefragt – are in demand
vorziehen – prefer
Entwicklung – development
gegensteuern – go against
befeuert – ignites
deutlichen Zulauf – clearly much in demand
Umfrage – questionnaire
ergeben – conceded
Zustand – condition; state
beigetragen – contributed
wirkt – impact
Wirbel um – fuss about
unzureichende – inadequate
Mittelschicht – middle class
erlebe – encounter
plädierte – pleaded
Kita – day care center
verbindliche – compulsory
ausgegrenzt – excluded
Trägerschaft – (organizing) institutes
staatlich genehmigt – official permission
Anteil – part; portion
ausmache – makes up
Ergänzung – supplement
ermöglichten – made possible
Bildung – education and/or training
bewahren – save; rescue
bedauerlichen – regrettable
Elternverband – parents’ association
Geborgenheit – safety
Umfeld – (educational) environment
auswählen – choose
verzeichnete – recorded; noted
Unzufriedenheit – discontentment
Ansturm – rush
Ersatzschulen – non-public schools
binnen – within
Einschätzung – assessment
schlicht – simply
geprägt – pressured
Evangelische Schulstiftung – Protestant school institute
verweist – expels
gestaffeltes Schulgeld – graduated school tax

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Supercup-Titel heizt WM-Hoffnungen an – «Riesenjob» von Schröder

Mit drei Siegen aus drei Spielen holen die deutschen Basketballer erstmals seit der Ära von Dirk Nowitzki den Titel beim Supercup. Die Erwartungen für die WM sind groß. Coach Henrik Rödl streicht einen Spieler und lobt Dennis Schröder. Der NBA-Star sieht noch Arbeit.

Supercup, Deutschland – Polen, 3. Spieltag in der Edel-Optics-Arena. Deutschlands Dennis Schröder (M) spricht mit seinen Mitspielern Maodo Lo (l-r), Paul Zipser, Johannes Voigtmann und Maximilian Kleber. Foto: dpa

Von Florian Lütticke
Hamburg (dpa) – Stolz präsentierte Dennis Schröder den Fans die silberne Supercup-Trophäe und startete dann mit seiner Familie in die letzten freien Tage vor der WM-Vorbereitung in Asien. Dank seiner nationalen Rekordleistung und einem Schuhtrick führte der NBA-Profi die deutschen Basketballer zum ersten Titel beim Traditionsturnier seit der Nowitzki-Ära und heizte Medaillenhoffnungen für die WM weiter an. Trotz eines Rückstands von zwischenzeitlich zwölf Punkten bezwang das Team von Bundestrainer Henrik Rödl zum Abschluss des Traditionsturniers am Sonntag auch Polen mit 92:84 (36:44).

NBA-Star Schröder zeigte lange Zeit seine schwächste Vorstellung des WM-Sommers, trieb aber die deutsche Aufholjagd mit einer Energieleistung an. Auch beim dritten Auftritt in Hamburg glänzte er als bester Werfer und kam auf 33 Zähler. Mehr waren es noch nie für Deutschland. «Die erste Halbzeit war eine Katastrophe von mir, die Energie war nicht da», kritisierte Schröder, sieht sein Weg aber gut gerüstet für den Weg zur WM. «Wir haben ein gutes Team, ein gutes Turnier gespielt. Wir müssen aber noch jeden Tag besser werden.»

Die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds feierte damit den ersten Triumph beim Supercup seit 2015 – damals noch mit dem inzwischen zurückgetretenen Dirk Nowitzki. Am Mittwoch reist das deutsche Team mit reichlich Selbstbewusstsein vor der WM in China (31. August – 15. September) zur weiteren Vorbereitung nach Japan.

Schon zuvor hatte Anführer Schröder vor zu viel Euphorie gewarnt. «Die Spiele sind nur zur Vorbereitung. Ob wir den Supercup gewinnen oder nicht – das bringt uns nichts bei der Weltmeisterschaft», betonte der Aufbauspieler. «Die Art, wie wir hier spielen, müssen wir übertragen auf die WM und da auch mit Energie rauskommen.»

Anders als beim Auftaktsieg über Ungarn und dem 87:68-Erfolg gegen WM-Teilnehmer Tschechien am Samstag, als Schröder mit 21 Punkten als bester Werfer überzeugte, holperte es im Duell mit Polen auch beim deutschen Anführer zunächst kräftig. In der Anfangsphase trat der 25-Jährige vor Freude über ein gelungenes Lob-Anspiel, das Maximilian Kleber per Dunk vollendete, zwar kräftig in die Werbebande. Doch Schröder verwarf seine ersten acht Dreipunktewürfe – aber selbst diese Misere konnte sein Vertrauen in die eigene Stärke nicht erschüttern. Dabei half ihm, dass er die Schuhe in der Halbzeit tauschte: «Das ist Kopfsache», sagte er grinsend.

Bereits für die ersten Auftritte von Schröder gab es ein Sonderlob von Bundestrainer Henrik Rödl. «Ich bin total begeistert, mit welcher Einstellung er hier angekommen ist», sagte der Coach. «Er macht da einen Riesenjob, ich bin sehr, sehr zufrieden mit ihm, wie er mit der Mannschaft umgeht, wie professionell er ist, das ist sehr, sehr gut.»

Wegen privater Angelegenheiten war Schröder erst mit gut einer Woche Verspätung zum Team gestoßen. Für die Spiele ließ sich der Braunschweiger noch fix sein Trikot maßschneidern.

Neben Schröder besitzt das deutsche Team eine Vielzahl hochveranlagter Spieler und Profis aus der NBA. Maximilian Kleber von den Dallas Mavericks überzeugte trotz leichter Erkältung als defensiver Fixpunkt, Bostons Theis dominierte unter dem Korb. «In der Fülle der Spieler, die wir jetzt haben, ist es der talentierteste und dabei der kompakteste Kader in der Geschichte des deutschen Basketballs», schwärmt Verbandspräsident Ingo Weiss im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Angesichts des Überangebots an großen Spielern strich Rödl den NBA-Youngster Moritz Wagner aus seinem vorläufigen WM-Aufgebot. «Moritz hat so viel noch vor sich», sagte Rödl zu seiner Entscheidung über den Center der Washington Wizards. «Das hat er auf vielen Ebenen gezeigt, ihm fehlt ein bisschen Spielpraxis und Erfahrung.»

Auch Schröder hat für sich persönlich Entwicklungspotenzial ausgemacht. «Es fehlt noch ein bisschen was», sagte der Point Guard der Oklahoma City Thunder. «Der Coach hat mir gesagt, dass ich 30 Minuten jedes Spiel spielen werde, damit ich wieder meine Kondition kriege und wieder in Shape (Form) komme. Das brauche ich auch. Ich denke, in zwei Wochen werde ich dann ready (bereit) sein.»

Das wird auch nötig sein: Als die deutsche Auswahl vor vier Jahren im letzten Nationalmannschaftssommer von Nowitzki zuletzt den Supercup gewann, setzte es anschließend ein bitteres Vorrunden-Aus bei der EM.

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Feuilleton

Höllischer Erfolg für Barrie Koskys
Operettendebüt in Salzburg

Joel Prieto (Orphee, l-r), Vasilisa Berzhanskaya (Diane) und Lea Desandre (Venus) stehen während einer Fotoprobe der Oper „Orpheus in der Unterwelt“ („Orphée aux enfers“) bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne. Foto: Neumayr/Leo/APA/dpa

Salzburg (dpa) – Die turbulent-anzügliche Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Operette «Orphée aux enfers» («Orpheus in der Unterwelt») ist bei den Salzburger Festspielen zum größten Publikumserfolg der laufenden Saison geworden. Regisseur Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper in Berlin, hatte alle Register des Bühnenhandwerks gezogen – und das Publikum einem Dauerfeuer seiner oft nicht ganz jugendfreien Bilder und Regieeinfälle ausgesetzt.

Am Ende der dreistündigen Aufführung tobte das vollbesetzte Haus für Mozart. Im Orchestergraben saßen die Wiener Philharmoniker. Sie wurden geleitet von dem italienischen Dirigenten Enrique Mazzola, dem Ersten ständigen Gastdirigenten der Komischen Oper, die das Stück mit den Salzburger Festspielen koproduziert hat.

Umjubelter Star des Abends war ausnahmsweise weder eine Sängerin noch ein Sänger, sondern der Schauspieler Max Hopp. Diesem hatte Kosky nicht nur die Rolle des John Styx anvertraut, sondern sämtliche Dialoge aus Offenbachs Operette. Er glänzte nicht nur durch slapstickhafte Körperarbeit, sondern auch damit, wie er viele Szenen wie in einer Stummfilm-Klamotte untermalte.

Gefeiert wurden außerdem die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter als «Öffentliche Meinung», die amerikanische Koloratursopranistin Kathryn Lewek als Eurydice, der spanische Tenor Joel Prieto als Orphée und der österreichische Bassbariton Martin Winkler als Jupiter. Das Hauptaugenmerk von Koskys Inszenierung lag auf einem freizügigen Spiel mit Geschlechterrollen und primären Geschlechtsmerkmalen – die ließen das Spektakel zuweilen zu einem schrillen Travestietheater werden.

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Gesundheit

Zahl der Hautkrebspatienten gestiegen

Ein Hautarzt untersucht in seiner Praxis mit einem Vergrößerungsglas die Haut einer Patientin bei einer Hautkrebs-Früherkennung. Foto: dpa

Stuttgart/Mannheim (dpa) – Er führt zu Überschwemmungen, Dürren, Unwettern – bringt der Klimawandel den Deutschen jetzt auch noch mehr Hautkrebserkrankungen? Die Antwort auf diese Frage fällt unterschiedlich aus.

Nach einer Erhebung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse ist die Zahl der Hautkrebserkrankungen in den vergangenen zehn Jahren rapide gestiegen.

Im Jahr 2017 erhielten nach KKH-Daten 87 Prozent mehr Männer und Frauen die Diagnose schwarzer Hautkrebs als 2007. Beim weißen Hautkrebs gab es nach einer KKH-Mitteilung vom Donnerstag einen Anstieg um 145 Prozent.

Die Kasse mit 1,7 Millionen Versicherten nennt dabei den Klimawandel als einen möglichen Grund für den Trend: Mehr warme Sonnentage bedeuteten mehr warme Tage mit hoher UV-Strahlung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) sieht keinen direkten Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Krebshäufigkeit. «Die Intensität des UV-Lichts hängt nicht von der Temperatur ab, sondern zum Beispiel von der Höhe in der man ihm ausgesetzt ist und von der Wolkenbildung», sagt Jochen Sven Utikal, Leiter der Hautkrebseinheit beim DKFZ und bei der Universitätsmedizin Mannheim. Wanderer und Skifahrer hätten deshalb ein besonders hohes Risiko, einen Sonnenbrand und im Verlauf des Lebens Hautkrebs zu bekommen.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind 2014 in Deutschland fast 11 000 Männer und 10 300 Frauen an schwarzem Hautkrebs erkrankt. 1800 Männer und knapp 1300 Frauen starben daran.

Nach seinen Daten gab es seit 1999 einen starken Anstieg dieser Zahlen, der jedoch nach 2011 abflachte und leicht sank. Das RKI verbindet den Anstieg mit verändertem Freizeitverhalten, etwa mehr Outdoor-Aktivitäten und Sonnenbaden.

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Reise

Helgoland stellt erstes eBörteboot vor

Tradition, die die Natur schont: Die Insel Helgoland bekommt in Kürze ihr erstes Börteboot mit Elektromotor. Für die Zukunft der geschrumpften Börteboot-Flotte hat die Gemeinde genaue Vorstellungen.

Helgoland: Statt des alten Dieselmotors hat das Boot nun einen Elektromotor mit Lithium-Ionen-Batterien. Foto: dpa

Helgoland (dpa) – Ohne Dieselgeruch und leise: Die Gemeinde Helgoland stellte am 10. August ihr erstes Börteboot mit Elektroantrieb vor. Der 1962 gebaute „Pirat“ wurde nach Angaben der Gemeinde in einer Werft im niedersächsischen Freiburg an der Elbe für rund 80.000 Euro umgerüstet und saniert.

Statt des alten Dieselmotors hat das Boot nun einen Elektromotor mit Lithium-Ionen-Batterien. „Unsere Börteboote sind seit Jahrhunderten Tradition auf Helgoland“, sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer (parteilos). „Mit der Installation eines Elektroantriebs führen wir dieseTradition in die Zukunft.“ Das eBörteboot setze ein Signal für aktiven Klimaschutz.

Die Touristen werden vor allem einen Unterschied merken: Das Boot gleite nun leise durch das Wasser, berichtete Rainer Hatecke. Er leitet die Werft, die das Boot umbaute, und ist zugleich Vorsitzender des Vereins zum Erhalt Helgoländer Börteboote. Das eBörteboot wird während der 65. Auflage der Börtebootregatta an der Helgoländer Landungsbrücke präsentiert. Das sei das erste aber sicher nicht das letzte Börteboot mit e-Antrieb, sagte Singer. Eine Entscheidung, wie es weitergehe, solle im Herbst fallen.

Die maritime Tradition der Helgoländer Dampferbörte gehört seit Dezember vergangenen Jahres zum immateriellen KulturerbeDeutschlands. Die Boote verkehren zwischen Deutschlands einziger Hochseeinsel und den Touristenschiffen, die vor Helgoland liegen und nicht auf der Insel anlegen. Die Flotte der zehn Meter langen Eichenboote ist laut Gemeinde geschrumpft, weil neue Passagierschiffe zunehmend im Hafen festmachen. Heute seien lediglich noch elf Börteboote im Einsatz.

Singer und Hatecke sehen die Zukunft der Börteboote-Flotte in emissionsfreien Fahrzeugen für Inseltouren, Naturbeobachtung und Personenverkehr zwischen Helgoland und auf Reede liegenden Bäderschiffen, wie die Gemeinde mitteilte.

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Kommt jetzt eine Schlafwagen-Renaissance?

Nostalgie schwingt bei vielen mit, die an Nachtzüge denken. Die Deutsche Bahn ist 2016 aus dem Geschäft ausgestiegen. Aber kommt es nun durch Klimawandel und «Flugscham» zu einer Nachtzug-Renaissance?

Reisende haben es sich im Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf der Fahrt von Zürich (Schweiz) nach Hamburg bequem gemacht. Die Deutsche Bahn ist 2016 zwar aus dem Geschäft mit den Nachtzügen ausgestiegen – aber kommt im Zuge vom Klimawandel und Flugscham eine Nachtzug-Renaissance? Foto: dpa

Von Christiane Oelrich
Genf/Berlin (dpa) – Gemächlich durch die Nacht ruckeln, ausgestreckt auf einer Pritsche Bahnhöfe vorbeiziehen lassen, morgens ausgeschlafen am Zielort ankommen: Eine Fahrt mit dem Schlaf- oder Liegewagen der Bahn verbinden viele Menschen mit alten Zeiten. Doch angesichts von Klimawandel und «Flugscham» ist das Thema Nachtzüge wieder brandaktuell.

Greta Thunberg lässt grüßen. Die junge schwedische Umwelt-Aktivistin fuhr im Januar 65 Stunden mit dem Zug ins schweizerische Davos und zurück, um den beim Weltwirtschaftsforum versammelten Bankbossen und Industriemanagern in puncto Klima die Leviten zu lesen. Seither vermittelt gerade auch die «Fridays for Future»-Bewegung vielen das Gefühl, sich wegen klimaschädlicher Effekte fürs Fliegen schämen zu müssen.

Sollte das Angebot mit Schlaf- und Liegewagen als Alternative zum Fliegen also nicht ausgebaut werden? «Das Nachtzuggeschäft hat Zukunft», sagt der Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), Bernhard Rieder. Auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) denken daran, das 2009 eingestellte Geschäft mit klassischen Nachtzügen wiederzubeleben.

Anders die Deutsche Bahn: Sie bietet aus wirtschaftlichen Gründen seit 2016 keine eigenen Schlaf- und Liegewagen mehr an. «Ein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen ist aktuell nicht geplant», sagt eine Sprecherin in Berlin. Die Bahn wolle nachts aber mehr ICE- und Intercity-Züge mit Sitzwagen auf die Schiene bringen. Und sie unterstütze die ÖBB, die Schlaf- und Liegewagen in Deutschland anbieten, etwa mit Triebfahrzeugführern und teils mit Loks.

«Wir sehen uns ganz klar als Umweltvorreiter und grüner Mobilitätsdienstleister», so die Sprecherin. Ökologische Kriterien spielten eine immer größere Rolle bei der Auswahl des Verkehrsträgers.

Auf kürzeren Strecken sieht die Bahn sich als klare Konkurrenz zum Fliegen: «Wir sind auf vielen internationalen Verbindungen genauso schnell wie das Flugzeug, vor allem, wenn man die An- und Abreise zum Flughafen und die dortigen Abfertigungsprozesse und Sicherheitskontrollen einrechnet», sagte die Sprecherin und nannte etwa die Verbindungen zwischen München und Wien, Hamburg und Kopenhagen oder Frankfurt/Main und Paris.

In der Schweiz machen inzwischen auch viele Parlamentarier Druck. Sie fordern die Regierung auf zu prüfen, wie klassische Nachtzüge gefördert werden können. Man sehe den Bedarf und überlege, ob der Nachtzugverkehr wieder ausgebaut werden könne, sagte der Leiter internationaler Personenverkehr, Armin Weber, im Fernsehen SRF. Mit Subventionen könnte sich eine Wiederaufnahme für die SBB rechnen, meint Sprecher Raffael Hirt: «Heute decken die Einnahmen aus dem Nachtzug-Geschäft die Kosten nur zur Hälfte.»

Die Österreicher haben vorgemacht, wie das Geschäft funktioniert: Die ÖBB haben als einzige ihr Nachtzugangebot nicht nur beibehalten, sondern ausgebaut, und bedienen heute die Verbindungen in die Schweiz und nach Deutschland. Hamburg-Wien, Berlin-Zürich – auf diesen Strecken können sich Bahnreisende heute im österreichischen Nightjet ausstrecken. «Wir haben jetzt 18 eigene Linien und insgesamt 26 zusammen mit Partnern», sagt Rieder.

Die ÖBB seien auch bereit, stärker in das Nachtzuggeschäft zu investieren. 13 neue Züge wurden bei Siemens schon bestellt und werden ab Frühjahr 2022 geliefert. Dreh- und Angelpunkt, damit das Geschäft knapp kostendeckend kalkuliert werden könne: dass die Züge einheitlich in Österreich gewartet werden. Die Strecken müssen dementsprechend konzipiert sein. Verbindung fernab von Österreich anzubieten, etwa Barcelona-Amsterdam, wäre deshalb schwierig.

Auch die ÖBB stellen in Fahrgastbefragungen mehr Umweltbewusstsein fest. Weil sie zu 100 Prozent mit grünem Bahnstrom fahren, verbrauche der Fahrgast im Nightjet 31 mal weniger klimaschädliches CO2 als beim Fliegen auf der gleichen Strecke, betont Rieder.

Aber: «Der Umweltgedanke ist bei vielen noch eher theoretisch da und zeigt sich nicht ganz im Buchungsverhalten.» Während die teuersten Plätze im Schlafwagen stets schnell ausverkauft seien, merke man im günstigen Segment der Sitzwagen sofort, wenn auf einer Strecke zwischen zwei Metropolen eine Billig-Arline fliegt. «Sofort gehen die Buchungen runter», sagt Rieder.

Die Organisation «Objectif Train de nuit» in Frankreich will Schlaf- und Liegewagen an Güterzügen durch die Nacht rauschen lassen. «Absurd», winkt Rieder ab. «Güterzüge fahren meist nicht durch Personenbahnhöfe.»

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Aus Allen Staaten

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