25. Dezember 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Franzosen streiten über Rückkehr Napoleons – als Reiterstandbild

Nicht nur hierzulande sorgen Straßennamen und Statuen im öffentlichen Raum für heftige Diskussionen. Auch Frankreich ringt um den Umgang mit seiner Geschichte.

Auf dem Rathaus-Vorplatz im nordfranzösischen Rouen soll nach einer Restaurierung wieder das Reiterstandbild von Kaiser Napoleon aufgestellt werden. Der Vorschlag des Bürgermeisters, dort stattdessen künftig eine bekannte Feministin mit einer Statue zu ehren, fand bei einer Bürgerbefragung keine Mehrheit. Foto: dpa

Rouen (dpa) – Soll der alte Kaiser wieder als Reiterstandbild vor dem Rathaus stehen oder die Statue einer bekannten Feministin? Bei einer Abstimmung haben sich die Menschen im nordfranzösischen Rouen mehrheitlich für Napoleon entschieden. Man werde das Votum der Bevölkerung respektieren und den Kaiser hoch zu Ross nach Restaurierung der Statue wieder aufstellen, teilte die Hauptstadt der Normandie mit. Dabei hatte der sozialistische Bürgermeister Nicolas Mayer-Rossignol ursprünglich vorgeschlagen, Frauen im öffentlichen Raum mehr Beachtung zu schenken und statt Napoleon ein Standbild zu Ehren der feministischen Anwältin Gisèle Halimi aufzustellen.

Ob mit dem Bürgerentscheid die Kontroverse nun ein Ende findet, die seit eineinhalb Jahren landesweit Wellen schlägt, ist noch offen. Einerseits fand der Vorstoß viel Unterstützung, aus konservativer Ecke hieß es aber, der Bürgermeister trage zur Vernichtung der französischen Identität bei. «Wie wäre es mit einem Urteil?», betitelte der Bürgermeister die Umfrage, mit der nun Klarheit geschaffen werden sollte. Zwar sprachen sich 68 Prozent für Napoleon aus, 65 Prozent wollten zugleich aber, dass Frauen im öffentlichen Raum und bei Straßennamen mehr Aufmerksamkeit finden. Beides will die Stadt nun berücksichtigen.

Die Überlegung des Bürgermeisters war ohnehin nicht, Napoleon ganz aus der Stadt zu verbannen – nach 155 Jahren vor dem Rathaus hätte das Standbild an anderer Stelle wieder aufgestellt werden sollen. Was abseits der Grundsatzfrage zwischendurch noch für Wirbel sorgte, war eine ulkige Kunstaktion: Für eine Weile war ein als Essenslieferant auf einem Fahrrad thronender Napoleon auf dem Denkmalsockel aufgebaut worden – ein örtlicher Künstler wollte damit zum Nachdenken anregen.

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Sport

Mihambo, Zverev und Bahnrad-Vierer als «Sportler des Jahres» gekürt

Die Erfolge von Tokio prägen die Wahl der «Sportler des Jahres», der Fußball spielt im EM-Jahr keine Rolle. Die Sieger kommen aus der Leichtathletik, dem Radsport und vom Tennis.

Baden-Baden: Tennisspieler Alexander Zverev (l) und Weitspringerin
Malaika Mihambo stehen bei der Auszeichnung «Sportler des Jahres
2021» auf der Bühne. Foto: dpa

Von Kristina Puck
Baden-Baden (dpa) – In schicker Abendgarderobe und mit schwarzer Fliege ließ Alexander Zverev seinen Olympia-Traum noch einmal Revue passieren und erhielt nicht nur von seiner Freundin Sophia Thomalla großen Applaus. Als erster Herrentennisprofi seit 30 Jahren wurde der Hamburger zu Deutschlands «Sportler des Jahres» 2021 gekürt. Neben Zverev standen auch Weitspringerin und Seriengewinnerin Malaika Mihambo im Glitzerkleid sowie die Weltrekordlerinnen des Bahnrad-Vierers als weitere Preisträger im Blickpunkt. Die sechs Sportler – alle Olympiasieger der Sommerspiele in Tokio – erhielten die Auszeichnungen am Sonntagabend bei der 75. Gala im Kurhaus von Baden-Baden.

«Der Olympiasieg ist etwas, was ich nie vergessen werde. Es gibt nichts Größeres als Olympia, das habe ich schon oft gesagt», sagte Zverev vor 250 Gästen – immerhin ein Drittel von früheren Veranstaltungen vor der Corona-Krise – und betonte: «Wenn ich jetzt aufhören würde mit Tennis, könnte man mir die Goldmedaille nicht mehr wegnehmen.» Die Laudatio hielt sein älterer Bruder, dem die Stimme kurz stockte. «Du hast es gesagt, ich bin ein emotionales Weichei», sagte Mischa Zverev.

Zverev und Co. veredelten damit ihre glänzenden Erfolge. Der Tennisstar hatte sich in Japan zum ersten deutschen Olympiasieger im Herren-Einzel gekrönt und insbesondere im Halbfinale mit seinem Erfolg über den serbischen Tennis-Ausnahmekönner Novak Djokovic beeindruckt. Zudem räumte der 24-Jährige den Titel beim Saisonfinale der besten Tennisprofis des Jahres und insgesamt sechs Turniersiege ab – so viele wie keiner seiner Konkurrenten in diesem Jahr.

Bei der Online-Abstimmung von 980 Sportjournalistinnen und Sportjournalisten setzte sich die Nummer drei der Welt (1739 Punkte) deutlich vor Schwimmer Florian Wellbrock (1198) durch, dem Olympiasieger über zehn Kilometer im Freiwasser und Tokio-Bronzegewinner über 1500 Meter Freistil im Becken. Den dritten Platz belegte Skisprung-Weltmeister Karl Geiger (729).

Seit 1991 war bei den Herren kein Tennisprofi mehr «Sportler des Jahres» geworden, seit Wimbledonsieger Michael Stich seinen damaligen Tennis-Rivalen Boris Becker ablöste und eine Reihe von Ehrungen für Becker ein Ende nahmen. Bei den Damen steht die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber 2016 und 2018 in der jüngeren Historie der Siegerliste. Den ersten Grand-Slam-Titel hat sich Zverev für das neue Jahr zum Ziel gesetzt. Bei der Sportler-Gala trat er nun die Nachfolge von Eishockey-Nationalstürmer Leon Draisaitl an.

Für Mihambo ist es die dritte Auszeichnung in Serie. Eine solche Erfolgsserie bei der Wahl zur «Sportlerin des Jahres» schaffte zuletzt Tennisikone Steffi Graf, die in den 1980ern viermal nacheinander die Ehrung erhielt. «Das ist der Wahnsinn», sagte Mihambo. Die Laudatio hatte Schwimm-Paralympicssiegerin Elena Semechin gehalten.

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Mihambo hatte in Tokio mit ihrem Sieben-Meter-Sprung im letzten Versuch die Führung übernommen, musste aber noch die Sprünge ihrer stärksten Konkurrentinnen abwarten. Deutlicher als Zverev distanzierte die 27-Jährige von der LG Kurpfalz (1845 Punkte) ihre Verfolgerinnen. Aline Rotter-Focken, die in ihrem letzten Kampf erste deutsche Olympiasiegerin im Frauen-Ringen wurde, wurde Zweite (942). Kanu-Goldgewinnerin Ricarda Funk kam auf Platz drei (686).

Die Bahnrad-Frauen dominierten in diesem Jahr ihre Disziplin und treten als Mannschaft des Jahres die Nachfolge des FC Bayern München an. Lisa Brennauer, Franziska Brauße, Lisa Klein und Mieke Kröger hatten in Tokio eine schier unglaubliche Weltrekord-Show mit drei Bestmarken in drei Rennen abgeliefert und waren zu Gold in der Mannschaftsverfolgung gerauscht. Anschließend holte das Team noch EM- und WM-Gold und machte das Titel-Triple perfekt.

In der Abstimmung landeten die Bahnrad-Frauen (1434 Punkte) klar vor der Dressur-Equipe (875) und den Tischtennis-Männern (719). Die Fußball-Nationalmannschaft spielte nach dem Achtelfinal-Aus bei der Europameisterschaft keine Rolle bei der Wahl.

Den Preis bekam das Quartett von der querschnittsgelähmten Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel überreicht. «Ich dachte: Wow, krass, wie schnell kann man fahren», sagte Vogel rückblickend zu einem der Weltrekorde: «Ich sah das deutsche Flaggschiff wieder zurück auf den Olymp fahren. Diesmal waren Frauen am Steuer. Ihr steht hier als Vorbilder.»

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Feuilleton

Salzburger Festspiele lassen die 1920er wieder auferstehen

Nach ihren erfolgreichen Rollendebüts im vergangenen Sommer stehen Lars Eidinger und Verena Altenberger auch 2022 wieder als Jedermann und Buhlschaft auf der Bühne. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

Salzburg (dpa) – Die Zeit der globalen Konflikte und Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägt das Programm der Salzburger Festspiele im Sommer 2022. Drei der neuen Opernproduktionen stammen ursprünglich aus der Zeit um 1920. «Also aus einer Zeit, die politisch, sozial und ökonomisch völlig aus den Fugen geraten war», wie Intendant Markus Hinterhäuser sagte. In Giacomo Puccinis «Il Trittico» wird Asmik Grigorian die Sdrei verschiedenen Hauptrollen singen. Der Bayreuth- und Salzburg-erprobte Regisseur Barrie Kosky nimmt sich Leoš Janáceks «Kata Kabanova» an. Und schließlich dirigiert Teodor Currentzis Béla Bartóks Werk «Herzog Blaubarts Burg», das zusammen mit Carl Orffs «Spiel vom Ende der Zeiten» aus den 1970er Jahren aufgeführt wird.

Im Zentrum des Theaterprogramms steht in Salzburg traditionell Hugo von Hofmannsthals «Jedermann», mit dem das Festival am 18. Juli eröffnet wird. Nach ihren erfolgreichen Rollendebüts im vergangenen Sommer stehen Lars Eidinger und Verena Altenberger auch 2022 wieder als Jedermann und Buhlschaft auf der Bühne. Die nächste Saison bringt auch eine völlig neue Version von Arthur Schnitzlers «Reigen». Die zehn Szenen des 1920 uraufgeführten Beziehungsdramas wurden von zehn Autorinnen und Autoren überschrieben – darunter Leïla Slimani und Lukas Bärfuss.

Die programmatische Klammer der Saison 2022 liefert aber laut Hinterhäuser ein Epos, das 600 Jahre vor den 1920ern geschaffen wurde: Dante Alighieris «Göttliche Komödie». Das Epos, das durch Hölle, Fegefeuer und Paradies führt und so von Verzweiflung, Hoffnung und Erlösung erzählt, wird in Salzburg in einer Marathon-Lesung aufgeführt. Unter den Vortragenden sind Altenberger und Devid Striesow, der nächstes Jahr sein Festivaldebüt in Salzburg gibt. Der vielbeschäftigte deutsche TV-, Film- und Bühnendarsteller wird auch in Thorsten Lensings neuer Theaterarbeit «Verrückt nach Trost» zu sehen sein.

Das Konzertprogramm bestreiten unter anderem die Wiener und die Berliner Philharmoniker. Die Liste der Solistinnen und Solisten, die nächsten Sommer in der Mozartstadt auftreten, ist beachtlich: Sie reicht von Lang Lang, Evgeny Kissin und Igor Levit am Klavier bis zu den Geigerinnen Anne-Sophie Mutter und Patricia Kopatschinskaja. Musikalische Schwerpunkte sind Bartók und dem zeitgenössischen deutschen Komponisten Wolfgang Rihm gewidmet.

Die kommende Saison mit 174 Aufführungen und fast 225 000 angebotenen Karten steht auch wie in den zwei Jahren zuvor wegen der Corona-Pandemie unter Vorbehalt. «Es ist immer noch eine Situation, die es uns nicht gerade leicht macht zu sagen, was letztendlich realisierbar sein wird», sagte Hinterhäuser. Mit seinem strengen Gesundheitskonzept will das Festival auch weiterhin Infektionen auf der Bühne und in den Zuschauersälen vermeiden.

«Corona, sei gnädig mit uns», sagte die langjährige Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, als sie am Freitag ihr letztes Festival-Programm präsentierte. Im Januar übernimmt die aus Karlsruhe stammende Marketing-Expertin Kristina Hammer die Aufgabe, Sponsorengelder zu organisieren und die Festspiele als Marke zu repräsentieren.

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Gesundheit

Forscher: Weggeworfene Corona-Masken gefährden Umwelt und Tiere

Bayern, München: Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt im herbstlichen Laub im Englischen Garten. 
Foto: Peter Kneffel/dpa

Portsmouth (dpa) – Achtlos weggeworfene Corona-Schutzmasken stellen Forschenden der Universität Portsmouth zufolge ein ernsthaftes Problem für Umwelt und Tiere dar. Für eine in dieser Woche in der Fachzeitschrift «Nature Sustainability» veröffentlichte Studie untersuchten die Wissenschaftler den Zusammenhang von Corona-Maßnahmen in elf Ländern – darunter auch Deutschland und Großbritannien – und der Menge an achtlos entsorgten Corona-Masken und anderer Schutzausrüstung.

Sie analysierten dafür Daten aus öffentlich zugänglichen Datenbanken, darunter Daten aus der Müllsammler-App Litterati, und betrachteten den Zeitraum von September 2019 bis zu den ersten sechs Monaten der Pandemie.

Von März bis Oktober 2020 stieg die Zahl der nicht ordnungsgemäß entsorgten Masken demnach um das 84-Fache an. Großbritannien belegte den Platz des negativen Spitzenreiters. Dort machten Masken mit mehr als fünf Prozent aller achtlos weggeworfenen Abfälle im internationalen Vergleich den größten Anteil aus. Während in anderen Ländern auch vermehrt falsch entsorgte Schutzhandschuhe oder Reinigungstücher entdeckt wurden, nahm in Deutschland nur die Zahl des Maskenmülls im öffentlichen Raum deutlich zu.

«Es war keine Überraschung, dass viele entsorgte Masken aufgetaucht sind, aber was uns überrascht hat, war zu sehen, wie stark bestimmte nationale Corona-Maßnahmen das Auftauchen der Masken beeinflusst haben», schrieb die federführende Forscherin, Keiron Roberts.
So fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Müllproblem zwar während der strengeren Lockdown-Phasen im Frühjahr 2020 langsam zunahm, aber erst richtig groß wurde, als im Sommer und Herbst wieder mehr Reisen und soziale Aktivitäten möglich wurden, aber weiterhin Masken vorgeschrieben waren.

Der Plastik-Experte von der Universität Portsmouth, Steve Fletcher, warnte: «Ohne bessere Entsorgung steht uns eine Umweltkatastrophe bevor.»

Die meisten Masken seien aus langlebigem Plastik produziert und könnten sich in der Umwelt Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte halten. So könne Mikroplastik in Erde oder Wasser gelangen und Tiere könnten sich an den Masken verschlucken. Die Wissenschaftler aus Portsmouth riefen Regierungen zu mehr Aufklärung darüber auf, wie Schutzmasken umweltgerecht entsorgt werden sollten. Die elf untersuchten Länder waren neben Deutschland und Großbritannien auch Frankreich, Belgien, die Niederlande, Spanien, Schweden, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland

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Reise

Tipp für Australien: Tasmaniens schillerndstes Juwel

Zwischen Braun und Rostrot changieren die Farben der Klippen am Friendly Beach.                                                         Foto: Florian Sanktjohanser/dpa

Von Florian Sanktjohanser
Coles Bay (dpa) – Geschickt hüpft Nick Delany über die orange gesprenkelten und grau-golden getigerten Granitfelsen. Unter ihm rollen Wellen heran, spritzt Gischt empor. Über ihm kreisen drei Seeadler. Ein wunderbares Schauspiel für seine entzückten Gäste aus Übersee, Alltag für den Wanderguide.

Delany, 30, hat grüne Augen, dunkle Locken quellen unter seiner Kappe hervor. Die dünnen Arme und Beine lassen kaum erahnen, was für ein ambitionierter Kletterer und Abenteurer er ist.
Ohne Seil erklomm er den Federation Peak, eine von Stürmen umtoste Felsnadel im Urwald, den berüchtigtsten Gipfel Tasmaniens. Den wilden Franklin River paddelte er zehn Tage lang zusammen mit Freunden hinab. Geschlafen wurde angeseilt auf Pritschen in der Felswand.

Man könnte meinen, Delany habe in elf Jahren als Guide für Wanderer alles gesehen. Aber nun johlt selbst er begeistert auf. Denn über dem Urwald segeln zwei Keilschwanzadler heran. «Die größten Raubvögel Australiens», ruft Delany ekstatisch über das Grollen der Brandung.

Mit mächtigem Flügelschlag attackieren die Tiere ihre kleineren Vettern. Ein kurzes Krallenhakeln, ein Seeadler trudelt, dann flattern er und seine Kollegen eilig davon.

Schon Shakespeare
pries diesen
Flecken Erde

Der Flugkampf ist das würdige Finale dieser Tour, die zu den Great Walks of Australia zählt. Vier Tage lang führt derFreycinet Experience Walk um die gleichnamige Halbinsel im Osten Tasmaniens. Man spaziert über weiße Strände, erklimmt rosafarbene Granithügel und folgt einem alten Pfad der Aborigines entlang der Steilküste.

«So muss die Erde ausgesehen haben, bevor Homo sapiens begann, sie zu missbrauchen», schrieb Shakespeare. Der britische Schriftsteller kaufte sich hier nach seinem ersten Besuch ein Haus und blieb. Mit jedem Tag versteht man ihn besser.

Unter all den Juwelen Tasmaniens funkelt Freycinet am bezauberndsten. Schon 1916 wurde die Halbinsel als Nationalpark geschützt. Berühmt machte sie die Wineglass Bay, die mehrmals zu einem der zehn schönsten Strände der Welt gewählt wurde.

Aufstieg für ein Bildbuch-Panorama
Warum das so ist, sieht man am besten von der Aussichtsplattform hoch über der Bucht. Als Nick Delany als Kind zum ersten Mal zu ihr hinauf stieg, war der Pfad felsig. Nun schlängelt sich ein bequemer Kiesweg zwischen Granitfelsen, Eukalypten, Kasuarinen und Teebäumen hinauf.
Trotzdem trägt Delany Gamaschen zur kurzen Hose. «Es gibt drei Arten von Schlangen auf Tasmanien», erklärt er. «Und alle sind giftig.» Wo sie sich bevorzugt aufhalten? «Überall. Aber sie haben ein gutes Temperament. Sie tun alles, um dir aus dem Weg zu gehen.»

Gefährlicher seien die Jack Jumper Ants. Diese Ameisen stechen wie Wespen. Wer gegen ihr Gift allergisch ist, kann ersticken.

An diesem Tag sind zum Glück weder Schlangen noch springende Ameisen zu sehen. Auch erfreulich wenige Mitwanderer, sodass das tausendfach fotografierte Panorama auf der Plattform unverstellt ist.

Eine weiße Sandsichel umfasst die türkise Bucht. Auf den Hügeln ringsum ragen rund gewaschene, gespaltene Felsen aus dem dichten Busch. Ihren Namen verdanke die Bucht allerdings nicht dieser Form, erklärt Delany. Sondern ihrer finsteren Geschichte.

Bis Mitte der 1840er Jahre stand an diesem Ort eine Walfangstation. In wenigen Jahrzehnten jagten ihre Schiffe die Südkaper, eine Art der Glattwale, fast bis zur Ausrottung. Das Blut der Wale färbte die Bucht rot, daher der Name Wineglass Bay.

Diese Insel ist
etwas anders

Tasmanien ist ein raues Pflaster. Über seine Bewohner rümpften die Australier auf dem Festland lange die Nase: Hinterwäldler. Aber spätestens seit der Profi-Glücksspieler David Walsh für viele Millionen das sensationelle Museum of Old and New Art voll provokativer Kunst baute, ist die Insel en vogue. «Das MONA hat Tasmanien auf die Landkarte gesetzt», sagt Delany.

Reisende aus aller Welt kommen auf die Insel, um die spektakuläre, wilde Natur zu sehen, Austern zu essen und Wein zu trinken. Die Australier selbst schätzen die günstigen Hauspreise. Und Nick Delany weiß nicht recht, wie er das alles finden soll.

Der Guide fürchtet, dass die Wildnisgebiete Tasmaniens zu stark erschlossen werden könnten. «Ich liebe sie genau so, wie sie sind», sagt er. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren überall auf der Insel Wanderwege verbreitert und Hütten gebaut.

Die «Friendly Beaches Lodge» aber, das Basislager dieser Tour, versteckt sich schon seit knapp 30 Jahren im Wald hinter einem kilometerlangen Strand. Von außen sehen die hölzernen Bungalows schlicht aus. Es gibt kein Betonfundament und keine Isolierung, keinen Handyempfang und kein WLAN. Den Strom liefern Solarpaneele, Küche und Kühlschrank laufen mit Gas. Geheizt wird mit Holz. Duschen und Komposttoiletten teilen sich alle Gäste.

Was Reisende an diesen Ort verschlägt, wird als Barfußluxus beworben. Bei Austern und Sekt erzählen sich die Gäste abends am Kaminfeuer, was sie an diesem Tag erlebt haben. Dazu wieselt ein Possum über die Holzterrasse. Nachts hört man die Wellen unten am Strand brechen.

Erkundungen
auf dem Kammweg

Nick Delany arbeitet gern hier. Für ihn ist die Wildnis des Nationalparks ein einziger großer Spielplatz. Am nächsten Morgen geht es zu einem dieser atemberaubend schönen Plätze, der Whitewater Wall. 70 Meter hoch sind die Klippen. Einen Monat zuvor kletterte Delany sie allein und ungesichert empor. Manchmal, erzählt er, sehe er hier beim Klettern Albatrosse, Robben und Wale. «Einer schwamm wenige Meter unter mir vorbei.»

In der Bluestone Bay gleich daneben beginnt der geheime Kammweg, den der Veranstalter der Freycinet Experience selbst instand hält. «Wir lassen die Gäste hier ausschwärmen, damit sie keinen erkennbaren Pfad ins Gras trampeln», erklärt Delany. Zuvor bürstet er sich mit Meerwasser die Stiefel. Der Grund für die Maßnahme: Er will keine Eipilze einschleppen, die Wurzelfäule auslösen.

Mäßig steil geht es einen Waldweg hinauf, der mit Kasuarinen-Nadeln gepolstert ist. Oben angekommen, wandert Delany durch lichten Wald einen Kamm entlang. «Wahrscheinlich ist das eine uralte Route der Oyster Bay Nation», sagt er. Die Aborigines zogen auf diesem Pfad im Herbst an die Küste, wo das Klima milder ist. «Ihre Frauen rieben sich mit Robbenöl ein und tauchten nach Austern, Muscheln und Krebsen. Wenn sie aus dem Meer kamen, wärmten sie sich inmitten eines Dreiecks aus Lagerfeuern auf.» Die Männer jagten derweil im Busch.

Botanische Exkurse
Entspannt führt der Pfad 200 Meter über dem Pazifik die Küste entlang. Immer wieder öffnet sich der Wald für grandiose Ausblicke auf die glitzernde See und die Klippen. Weiß blühende Korallenrauten duften würzig, Haubelieste flattern auf.

Am Wegesrand zeigt Delany endemische Oyster Bay Pines und eine seltene Orchidee, die nur auf Granitfelsen an der Ostküste Tasmaniens wächst. «Dieser zwei Meter hohe Grasbaum ist sicher 300 Jahre alt», erklärt er. Und die Bärlapppflanze, ein heute unscheinbares Kraut geringer Höhe, sei älter als die Dinosaurier.

Stundenlang schlendert man auf dem zauberhaften Küstenweg in luftiger Höhe dahin, bis eine Erdstraße zurück ins Flachland führt. Fad wird es deshalb nicht. Man spaziert entlang einer Lagune, auf der eine Armada schwarzer Schwäne dümpelt. Und tritt schließlich hinaus auf einen Strand, der im wahrsten Sinne des Wortes blendend weiß ist.

In den 1990er Jahren wollte eine Firma den fast reinen Quarz der Friendly Beaches abbaggern. Die Tasmanier protestierten wütend, worauf die Regierung den Nationalpark um den sieben Kilometer langen Strand erweiterte. Die weiße Prachtpromenade blieb intakt.

Das einzige, was heute hier angeschwemmt wird, sind Büschel von Seetang. Ansonsten nur Sand, soweit das Auge reicht, dichter Busch und der weite Pazifik. Dass die «Friendly Beaches Lodge» vom Strand nicht zu sehen ist, war eine Bedingung des Nationalparks.

Bis zum Basislager sind es noch ein paar Kilometer. Der tiefe Sand quietscht unter den Stiefeln, der Gegenwind bläst immer wieder die Kappe vom Kopf, die Schritte werden schwer. Selbst für Nick Delany. Doch ein schönerer Zieleinlauf ist kaum vorstellbar.

Info-Kasten: Tasmanien

Reisezeit: Die Wandersaison dauert von November bis April. Im Februar und März ist es in der Regel am wärmsten.
Einreise: Touristische Reisen nach Australien sind für Europäer derzeit nicht möglich. Wann genau die Grenzen für Reisende aus Deutschland wieder öffnen, ist noch nicht bekannt.
Anreise:
Aus Europa fliegt man über Sydney oder Melbourne nach Hobart. Von dort werden Gäste der Freycinet Experience per Shuttlebus zur Lodge gefahren. Die Busse von Calow‘s Coaches verbinden Hobart und Launceston und stoppen am Freycinet-Nationalpark.
Wandern:
Der viertägige, geführte Freycinet Experience Walk ist inklusive Übernachtungen, Vollpension und Transfer zu buchen. Wer auf eigene Faust im Nationalpark wandern will, kann in zwei bis drei Tagen den 27 Kilometer langen Freycinet Peninsula Circuit gehen. Übernachtet wird dabei auf Zeltplätzen. Eine beliebte Tagestour führt in drei Stunden vom Parkplatz hinauf zum Wineglass Bay Lookout und hinab in die gleichnamige Bucht Wineglass Bay. Eine längere und anstrengendere Runde schließt dazu den Hazards Beach ein. Grandios ist auch der Ausblick vom Mount Amos. Die steile Wanderung zum Granitgipfel und zurück dauert rund drei Stunden.
Übernachtung:
Die drei Campingplätze nahe dem Dorf Coles Bay sind über den Nationalpark zu buchen. Man muss dafür einen Parks Pass kaufen (Welcome to Parks Passes).
http://www.discovertasmania.com.au

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Worauf man beim Schneidebrett achten sollte

Holzbretter haben den Vorteil, dass sie Küchenmesser schonen – allerdings dürfen sie nicht in die Spülmaschine. Foto: dpa

Bonn (dpa) – Auf Schneidebrettern werden Brote geschnitten, Kräuter gehackt oder Obst geschnippelt. Wer außerdem tierische Lebensmittel verarbeitet, sollte mindestens noch ein Extra-Brett in der Küche haben, sagen Experten. Schneidebretter gibt es unter anderem aus Holz, Plastik oder auch aus Glas. Jedes Material hat dabei seine Vor- und Nachteile. Generell sollte ein Schneidebrett gut zu säubern und rutschfest sein. Für Fleisch oder Fisch sollte aus hygienischen Gründen außerdem ein gesondertes Schneidebrett mit Saftrille verwendet werden, erklärt das Bundeszentrum für Ernährung.

Holz: Mit der Zeit entstehen aber Kerben, in denen sich Keime vermehren können.
Kunststoff: Die preiswerten Bretter sind spülmaschinenfest und messerschonend.
Glas: Es entstehen beim Schneiden keine Kerben, dadurch können sich auch keine Keime einnisten.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

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Scholz-Doppelgänger dringend gesucht: «Es meldet sich keiner»

Ein Double-Agent aus dem Ruhrgebiet vermittelt Menschen, die berühmten Personen ähnlich sehen. Doch er hat ein Problem: Denn er findet einfach keinen Doppelgänger des neuen Bundeskanzlers.

Mülheim an der Ruhr: Doppelgänger-Agent Jochen Florstedt. Er, der selbst seit rund 30 Jahren mit Brille und angeklebten Koteletten als Double von Jake (John Belushi) von den Blues Brothers auftritt, vermittelt seit 1998 mit seiner Agentur Doppelgänger an Film und Fernsehen sowie Firmen. Seit mehr als drei Jahren ist Florstedt nun schon nach eigenen Angaben auf der Suche nach einem Scholz-Double. Foto: dpa

Berlin/Mülheim (dpa) – Ist er’s oder ist er’s nicht? Spätestens seit der Wahl und Ernennung von Olaf Scholz zum neuen Bundeskanzler ist auch die Suche nach einem Double des 63-Jährigen in vollem Gange. Doch einen Doppelgänger des SPD-Politikers zu finden, gestaltet sich schwieriger als man denken könnte. «Es meldet sich keiner», sagt Jochen Florstedt, Doppelgänger-Agent aus Mülheim an der Ruhr. «Das ist unglaublich.»

Der 71-Jährige, der selbst seit rund 30 Jahren mit Brille und angeklebten Koteletten als Double von Jake (John Belushi) von den Blues Brothers auftritt, vermittelt seit 1998 mit seiner Agentur Doppelgänger an Film und Fernsehen sowie Firmen. Seit mehr als drei Jahren ist Florstedt nun schon nach eigenen Angaben auf der Suche nach einem Scholz-Double.

Gefragt sei momentan die komplette neue Bundesregierung. Neben Scholz vor allem Robert Habeck und Annalena Baerbock, aber auch Karl Lauterbach und Christian Lindner. Einige andere bekannte Politiker habe er im Angebot, darunter unter anderem die vielbeschäftigte und etwas amtsmüde Merkel-Doppelgängerin Ursula Wanecki und ein Obama-Double.

Es gebe Tausende Menschen, die aussähen wie Olaf Scholz oder Annalena Baerbock, ist sich Florstedt sicher. Doch das allein reiche meist nicht aus. Oftmals müssten die Menschen noch von Freunden oder der Familie auf die Ähnlichkeiten hingewiesen werden und sich dann bewerben. «Das Äußerliche muss bei einem Double mit dem Original übereinstimmen.» Neben Alter, Größe, Figur und Haarfarbe seien Kopfform und Gesicht die wichtigsten Merkmale: Augen, Lippen, Nase – alles müsse stimmen. «Ich bin sehr, sehr kritisch. Ich nehme nur die Besten», beschreibt Florstedt seinen Auswahlprozess. «Von 100 Bewerbungen kann ich 90 in die Tonne kloppen

Auf die Frage, wieso sich bisher niemand gemeldet habe, antwortete Florstedt in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» (Montag): «Ich vermute, viele haben Angst, dass man sie in den sozialen Medien verwurstet. Damals bei Merkel war das noch nicht so extrem.»

Gebucht werden Florstedts Doubles vor allem für Werbespots, Satire-Shows und Firmenveranstaltungen wie etwa Weihnachts- und Betriebsfeiern. Je nach Veranstaltung verdiene ein Double pro Aufritt 800 Euro bis 2000 Euro. «Das ist teilweise sehr, sehr unterschiedlich.» Ob das mit einem Scholz-Doppelgänger denn noch etwas werde, jetzt wo der Politiker Kanzler ist? «Ich gebe die Hoffnung nicht auf

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

ähnlich – similar
Doppelgänger – look alike
Ernennung – appointment
in vollem Gange – is going full speed ahead
gestaltet sich – turns out to be
meldet sich – answering the call
angeklebten – glued on
Koteletten – sideburns
nach eigenen Angaben – per his own statement
im Angebot – on offer
vielbeschäftigte – very busy
amtsmüde – tired of the job
reiche nicht aus – isn’t sufficient
Ähnlichkeiten – similarities
hingewiesen – pointed out
Äußerliche – external (appearance)
übereinstimmen – be identical
Kopfform – shape of the head
Gesicht – face
Merkmale – features
Auswahlprozess – selection process
kloppen – pitch
vermute – guessing
verwurstet – take jabs (at them)
Werbespots – ad spots
Firmenveranstaltungen – corporate events
Betriebsfeiern – company celebrations
Veranstaltung – performance
unterschiedlich – variable
gebe auf – give up
Hoffnung – hope

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*

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