26. Februar 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Neue «Miss Germany» wirbt für soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz

Dieses Jahr war vieles anders bei der Wahl zur «Miss Germany»: Neues Auswahlverfahren, Live-Übertragung im Internet und die «Missionen» der Kandidatinnen standen noch mehr im Fokus. Es gewinnt eine Frau, die auf Trendthemen setzt und in einer Favela groß geworden ist.

Rust: Die neue «Miss Germany» Domitila Barros lacht nach ihrer
Wahl. Elf Kandidatinnen traten im Europa-Park im Finale um
den Titel «Miss Germany» an. Foto: dpa

Rust (dpa) – Sie wuchs in einer brasilianischen Favela namens «Schusslinie» auf und brachte Straßenkindern dort das Lesen und Schreiben bei: Heute setzt sich Domitila Barros für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ein – und ist auch wegen dieses Engagements die neue «Miss Germany». Die 37-jährige Wahlberlinerin setzte sich am Samstagabend gegen zehn Konkurrentinnen durch.

«Wir alle leben auf der Mutter Erde. Und die braucht uns ganz doll im Moment», sagte Barros auf der Bühne im Europa-Park im badischen Rust. Ihre Themen wolle sie «cooler, vielleicht sogar ein bisschen sexier machen». Dafür nutze sie vor allem soziale Medien. «Die Leute, die ich erreichen möchte, lesen nicht alle Zeitungsartikel – aber die scrollen», sagte Barros, die sich als Sozialunternehmerin, Schauspielerin, Model und «Social Media Greenfluencerin» beschreibt.

Nach der Kür fiel sie auf der Bühne auf die Knie. Die anderen Kandidatinnen eilten zu ihr und halfen ihr wieder auf die Beine.

«Miss Germany» hat vor wenigen Jahren das Konzept geändert: Statt um Bikini-Auftritte vor männlich dominierten Jurys geht es jetzt um die «Missionen» der Bewerberinnen. Das Motto lautet «Schärpe trägt, wer bewegt» – die Schärpe gibt es weiterhin. Aus alten Zeiten sind auch Outfitwechsel und das Auf- und Ablaufen über den Laufsteg geblieben.

Dass der Wandel aber erkennbar vollzogen wurde, attestierte Jurorin, TV-Moderatorin und «Miss Germany»-Wegbegleiterin Laura Wontorra (32). So hatten es unter die Finalistinnen zum Beispiel mehrere schwarze Frauen geschafft, von denen eine in der Black-Lives-Matter-Bewegung aktiv ist und eine zweite als erste Transfrau im Finale der Misswahl stand. Eine andere Kandidatin wollte nach eigenen Erfahrungen Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs eine Stimme geben. Eine weitere rief vor allem Frauen dazu auf, sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern.

Ihre Anliegen trugen die Titelanwärterinnen in drei Runden mehr oder weniger monothematisch vor. Die Jury aus Prominenten sowie das Publikum bei einer mehrstündigen Online-Übertragung über das Live-Streaming-Videoportal stimmten dann über die Siegerin ab.

Juror Uwe Ochsenknecht huldigte den Frauen ganz allgemein. Er sei bei vier Geburten dabei gewesen, sagte der 66-jährige Schauspieler. «Spätestens dann weiß man, wer das starke Geschlecht wirklich ist.»

Die Staffel 2021/22 bot eine weitere elementare Neuerung auf: So schickten nicht mehr die Bundesländer ihre jeweilige «Miss» ins Rennen um den Bundestitel. Stattdessen war es mit einer deutschlandweiten Top 160 losgegangen. Ebenso neu in seiner Rolle debütierte Nicolas Puschmann (30, «Prince Charming») als Moderator.

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Sport

Das deutsche Olympia-Zeugnis: Erfolge im Eiskanal überstrahlen alles

Insgesamt 27 Medaillen holen die deutschen Olympia-Starterinnen und -Starter bei den Winterspielen in Peking. Vor allem im Eiskanal gelingen Rodlern und Bobsportlern überzeugende Leistungen. Aber es gibt auch eine Reihe von Enttäuschungen in Asien.

Ski nordisch/Langlauf, Olympia, Staffel 4 x 5 km, Damen, Zhangjiakou National CC Skiing Centre, Deutschlands Zweitplatzierte Katherine Sauerbrey, Katharina Hennig, Victoria Carl und Sofie Krehl (l-r) jubeln im Ziel. Foto: dpa

Von den dpa-Korrespondenten
Peking (dpa) – Zwölfmal Gold bringen die deutschen Sportlerinnen und Sportler von den Olympischen Winterspielen mit nach Hause. Während es im Eiskanal von Yanqing so gut läuft wie noch nie, gibt es in Peking und der Bergregion Zhangjiakou auch einige bittere Momente. Das Olympia-Zeugnis der Deutschen Presse-Agentur in der Übersicht:

Biathlon: Denise Herrmanns Gold im Einzel war der Höhepunkt insgesamt durchwachsener Winterspiele für die Skijäger. Die zweite Medaille holte die Frauen-Staffel mit Bronze. Die Männer waren zwar mehrfach nah dran, blieben aber zum zweiten Mal in der Geschichte ganz ohne Edelmetall. Das angepeilte Ziel von vier bis fünf Medaillen wurde verfehlt, in Pyeongchang gab es noch sieben Plaketten. – Note: 4

Bob: Nach Blech bei der Premiere im Monobob fuhren die Zweierbobs wieder in die Goldspur. Beim historischen Dreifacherfolg raste Francesco Friedrich zu seinem dritten Olympia-Gold. Dann revanchierten sich die leer ausgegangenen Monobob-Pilotinnen Laura Nolte und Mariama Jamanka im Zweierbob mit Gold und Silber. In der Königsklasse Viererbob krönte Francesco Friedrich das deutsche Abschneiden im Eiskanal mit Gold. – Note: 1

Eishockey: Vier Jahre nach dem Silber-Coup von Pyeongchang sollte es wieder um eine Medaille gehen. Doch vom derben 1:5-Auftakt gegen Kanada, das wie alle Teams auf NHL-Profis verzichten musste, erholte sich das DEB-Team nicht. Schon vor dem Viertelfinale war mit 0:4 gegen die Slowakei auf der kleinen Eisfläche Schluss. Die Zukunft von Bundestrainer Toni Söderholm bleibt ungeklärt. – Note: 5

Eiskunstlauf: Die Eiskunstläufer liefen der Weltspitze hinterher. Nach dem Olympia-Triumph der Paarläufer Aljona Savchenko/Bruno Massot 2018 erreichte das Duo Minerva Hase/Nolan Seegert mit Rang 16 nur den letzten Platz. Nicole Schott wurde 17. Im Eistanz verfehlten Katharina Müller/Tim Dieck das Kürfinale. Paul Fentz wurde in der Kurzkür des Teamwettbewerbs 21. und Letzter. – Note 5

Eisschnelllauf: Claudia Pechstein hat die Bilanz im letzten Peking-Rennen noch aufgehübscht. Mit Platz neun im Massenstartrennen hat die Berlinerin kurz vor ihrem 50. Geburtstag den zweiten Top-Ten-Platz in Peking erobert. Zuvor hatte nur Patrick Beckert als Siebter über 10 000 Meter die Erwartungen ansatzweise erfüllt. Joel Dufter war coronabedingt außer Form. – Note: 5

Langlauf: Schon eine Medaille wäre eine riesige Überraschung gewesen, doch die Langläuferinnen legten richtig los. Erst holte die Frauen-Staffel Silber, dann krönten sich Katharina Hennig und Victoria Carl sensationell zu Olympiasiegerinnen im Teamsprint. Die Erfolge machen der ganzen Mannschaft Mut, auch wenn die Männer in Zhangjiakou noch nicht ganz vorne mithalten konnten. – Note: 1-

Nordische Kombination: Dass die Kombinierer nicht an ihre Ausbeute von Pyeongchang mit dreimal Gold und je einmal Silber und Bronze herankommen, war absehbar. Am Ende wurde es einmal Gold von Vinzenz Geiger und Silber im Team. Stärker war nur Norwegen. Auch angesichts der Corona-Quarantäne von Eric Frenzel und Terence Weber konnte das deutsche Team mit dem Ergebnis zufrieden sein. Note: 2-

Rodeln: Die Rodler fuhren die bislang beste Olympia-Bilanz ein. Vier Olympiasiege in vier Disziplinen plus zwei Silbermedaillen. Obwohl Goldfavoritin Julia Taubitz nach ihrem Sturzdrama leer ausging, brachte Natalie Geisenberger ihre ganze Routine aufs Eis und krönte sich mit ihrem sechsten Olympia-Gold zur Rekordsiegerin. Cheftrainer Norbert Loch bilanzierte stolz: «Ich bin kein Medaillenzähler, doch das Team hat grandios abgeliefert.» – Note: 1+

Shorttrack: Von der einzigen deutschen Starterin Anna Seidel konnten keine Wunderdinge erwartet werden, nachdem sie noch immer mit den Folgen eines Schien- und Wadenbeinbruchs aus dem März 2021 zu kämpfen hatte. Es wurde aber noch weniger. Bei ihrem einzigen Peking-Start katapultierte sich die Dresdnerin durch einen taktischen Fauxpas schon in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. – Note: 6

Skeleton: Die erste Olympia-Medaille überhaupt bei den Männern glänzte dank Weltmeister Christopher Grotheer gleich in Gold. Dahinter sorgte der zuvor mit Corona ausgebremste Axel Jungk mit Silber für einen Doppelerfolg. Bei den Frauen raste die erst 21 Jahre alte Debütantin Hannah Neise zum ersten Olympiasieg bei den Frauen. Cheftrainer Christian Baude beeindruckt: «Der absolute Wahnsinn, wir haben Skeleton-Geschichte geschrieben.» – Note 1+

Skispringen: Mit großen Hoffnungen und Karl Geiger als Spitzenreiter im Gesamtweltcup waren die deutschen Springer angereist. In China lief es zunächst überhaupt nicht. Am Ende sprangen immerhin einmal Einzel-Bronze für Geiger und das versöhnliche Team-Bronze heraus. Bei den Frauen holte Katharina Althaus Silber. In Erinnerung bleibt zudem das frühe Aus im Mixed nach Althaus’ Disqualifikation. – Note 3-

Ski alpin: Lange sah es so aus, als würden die Deutschen zum zweiten Mal nacheinander bei Winterspielen ohne Medaille bleiben. Lena Dürr im Slalom und Kira Weidle in der Abfahrt schrammten als Vierte nur knapp am Podest vorbei, die Speed-Herren und Alexander Schmid im Riesenslalom hingegen enttäuschten. Mit Silber im Mixed-Teamevent haute die DSV-Riege am Schlusstag aber noch einen raus – und polierte ihre insgesamt doch recht enttäuschende Bilanz noch auf. – Note: 4+

Ski Freestyle: Daniela Maier bescherte dem Deutschen Skiverband mit Bronze die erste olympische Medaille im Skicross – und überstrahlte die ernüchternde Leistung ihrer männlichen Kollegen um Florian Wilmsmann, Tobias Müller und Co. Das Finale im Slopestyle, Big Air und Aerials fand ohne deutsche Beteiligung statt. Sabrina Cakmakli wurde in der Halfpipe nur Zwölfte. – Note: 4+

Snowboard: Snowboard Germany erlebt ein Debakel. Platz fünf für Ramona Hofmeister und das Aus in der Qualifikation für Stefan Baumeister im Parallel-Riesenslalom, Rang neun für Topfavorit Martin Nörl im Cross-Rennen – der ambitionierte Verband verfehlte das Ziel von drei Olympia-Medaillen deutlich. Immerhin erreichte Annika Morgan im Slopestyle und Big Air das Finale der besten Zwölf. – Note: 5

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Feuilleton

Regisseur Schwarz plant Bayreuther «Ring» als Serie

Der österreichische Regisseur Valentin Schwarz steht vor dem Festspielhaus.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Bayreuth (dpa) – Der Regisseur Valentin Schwarz plant den Bayreuther «Ring des Nibelungen» in der Art einer modernen Netflix-Serie. «Dass der „Ring“ in Bayreuth innerhalb nur einer Woche komplett aufgeführt wird, gibt uns die Möglichkeit, ein Familienepos in vierteiligem Serienformat zu zeigen und diesen Figuren in ihren Verhältnissen und Versäumnissen durch die Zeitläufte zu folgen. Wo kommen sie her? Wo gehen sie hin?», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

«Ich will eine Geschichte von heutigen Menschen, heutigen Figuren, heutigen Problemen erzählen – und keine von Göttern, Zwergen, Riesen und Drachen.» Das «Rheingold», den ersten Teil der Tetralogie, sieht er als «Pilotfilm, der viele Fragen aufwirft, vieles anteasert und gespannt macht auf das, was da noch kommt – auch wenn man vielleicht noch nicht alles sofort einordnen kann».

Schwarz galt bei seiner Vorstellung als neuer «Ring»-Regisseur bei den Richard-Wagner-Festspielen 2019 als große Überraschung. Die Aufmerksamkeit von Festspielchefin Katharina Wagner zog er mit der Inszenierung von Mauricio Kagels «Mare Nostrum» an der Oper Köln auf sich. 2017 gewann er mit seinem Bühnenbildner Andrea Cozzi beim Internationalen Regiewettbewerb «Ring Award» Graz den Hauptpreis, den Publikumspreis und diverse Sonderpreise.

Eigentlich sollte schon 2020 das Jahr seines großen Durchbruchs in Bayreuth werden. Corona machte ihm da einen Strich durch die Rechnung – doch in diesem Jahr soll es mit zweijähriger Verspätung nun endlich so weit sein.

«Die Aufmerksamkeit ist natürlich riesig», sagte Schwarz der dpa. «Wer sich auf Bayreuth einlässt, muss sich auch auf diese ganz spezielle Aura einlassen und sich trotz der ungewohnten Öffentlichkeit immer daran erinnern, dass der Fokus auf der Arbeit liegt.»

Und im Zentrum dieser Arbeit sollen nun die einzelnen Schicksale von Wotan, Alberich, Siegfried oder Brünnhilde stehen. «Es geht hier nicht um Theaterauftritte, sondern um individuelle Biografien, darum, den Figuren dabei zuzusehen, wie sie altern», sagte der Österreicher. «Eine Welt vergeht, eine neue entsteht. Menschenschicksale in all ihrer Tragik, Komik und mit ihren Träumen, die an der Wirklichkeit zerschellen.» Es gehe «um ewig aktuelle menschliche Probleme – um Neid, Verstrickungen, Habgier, Lust und Brutalitäten innerhalb von dynastischen Familien, und die heikle Frage der Nachfolge».

Für Schwarz ist es «totaler Humbug, zu sagen, Wagner sei zu lang und zu laut», betonte er. «Wenn überhaupt, dann ist der „Ring“ zu kurz. Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass die Leute rausgehen aus der Inszenierungen und sagen: Ich freue mich auf die zweite Staffel.»

Die Bayreuther Festspiele beginnen traditionell am 25. Juli – so ist das auch in diesem Jahr geplant. Der Spielplan soll laut Homepage im Februar veröffentlicht werden. Wann genau es soweit ist, ist allerdings noch unklar. Wegen der Corona-Pandemie hatten die Festspiele 2020 nicht und 2021 nur mit der Hälfte der Zuschauer stattgefunden. Derzeit dürfen Theater in Bayern zu 75 Prozent ausgelastet sein.

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Gesundheit/Umwelt

Reisebranche auf der Suche nach Konzepten für den Klimaschutz

Der Klimawandel stellt die Reisebranche vor neue Herausforderungen.              
 Foto: Arne Dedert/dpa

Von Friederike Marx und Jan Petermann
Frankfurt/Hannover (dpa) – Kompensation von Flugreisen durch Spenden für Klimaschutzprojekte, Verringerung des Energieverbrauchs in Hotels oder Reduzierung der Abfallmengen: Der Klimawandel stellt die Reisebranche vor neue Herausforderungen. Laut einer Studie, auf die das Bundesumweltamt hinweist, verursacht der Tourismus rund 5 bis 8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. «Achillesferse» der Branche sei dabei die Mobilität, zurzeit vor allem das Fliegen, sagt Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV. «Das Ziel heißt: CO2-neutrale Mobilität.» Doch so einfach ist das nicht zu schaffen.

Derzeit setzen viele Veranstalter vor allem auf einen Ausgleich der CO2-Belastung über Atmosfair, Myclimate oder andere Anbieter. Dabei können Reisende Flüge, Kreuzfahrten und anderes quasi kompensieren, indem sie Geld spenden. Damit werden weltweit Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Bei manchen Veranstaltern ist der Beitrag im Reisepreis enthalten, andere bieten Urlaubern eine freiwillige Kompensation bei der Buchung an.

Aus Sicht von Antje Monshausen von Tourism Watch bei Brot für die Welt reicht das nicht: «Im Fernreisesegment, wo sich Flüge meist nicht vermeiden lassen, sollten Urlaube seltener, dafür länger stattfinden, um so die Zahl der Flüge zu reduzieren.» In den letzten Jahren habe sich die Aufenthaltsdauer verkürzt, die Zahl der Reisen pro Person aber zugenommen. «Wir stellen fest, dass alle Einsparungen aufgezehrt werden durch das Wachstum des Luftverkehrs. Wir brauchen technologische Lösungen und zugleich eine Verringerung der Flüge.»

Um schädliche Emissionen zu verringern, sollten Veranstalter zudem auf der Mittelstrecke in Europa andere Produkte anbieten – zum Beispiel vermehrt Anreisen mit dem Zug, mahnt Monshausen. Umweltexperten plädieren generell für eine kurze Anreisestrecke, wenn möglich mit Bus oder Bahn. Die Realität sieht bislang allerdings anders aus: Der Anteil der beiden Verkehrsmittel bei Urlaubsreisen liegt nach DRV-Daten seit Jahren bei jeweils etwa 6 Prozent.

Sogar die Lieblingsinsel der Bundesbürger, Mallorca, lässt sich ohne Flugzeug erreichen. Mit der Bahn und mit Fähren, die von wenigen Ausnahmen abgesehen allerdings mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, brauchen Urlauber beispielsweise aus dem Süden Deutschlands 11 bis 14 Stunden, wie Atmosfair vorrechnet.

Doch wie steht es mit der Bereitschaft, Klimaschutz im Urlaub stärker zu berücksichtigen? Bei einer Umfrage im Auftrag des DRV gaben im vergangenen Jahr zwar 62 Prozent der Befragten an, dass die Klimafreundlichkeit einer Reise für sie wichtig oder sehr wichtig sei. 46 Prozent wären bereit, für eine Flugreise einen höheren Preis zu bezahlen, wenn damit CO2-Emissionen kompensiert werden. 42 Prozent würden sogar eine verlängerte An- und Abreisezeit in Kauf nehmen. Allerdings haben sich erst 23 Prozent konkret über Möglichkeiten informiert, die Reise möglichst umweltschonend zu gestalten.

Hier setzt DER Touristik an. «Durch die Erhebung eines CO2-Abdrucks, den wir den Kunden transparent vermitteln wollen, wollen wir das Buchungsverhalten steuern», sagte Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester unlängst. Auch der DRV spricht sich dafür aus, alle Reisen mit einem nachvollziehbaren CO2-Abdruck zu versehen. Neben der An- und Abreise belasten auch die Unterbringung Sonnenhungriger und ihre Aktivitäten am Urlaubsort das Klima. Zudem verschlingen der Bau und die Instandhaltung von Hotels, Straßen, Freizeitparks und Co. Ressourcen.

Branchenprimus Tui will in Zusammenarbeit mit der Regierung der südlichen Ägäis die beliebte griechische Urlaubsinsel Rhodos zu einem Zukunftslabor für nachhaltigen Tourismus machen und damit Blaupausen für andere Ziele schaffen. So soll zum Beispiel der ökologische Fußabdruck des Tourismus auf Rhodos durch neue Konzepte für das Energie-, Wasser- oder Müllmanagement deutlich verringert werden.

«Wir brauchen ein Verständnis dafür, wie alle Bestandteile zusammenkommen können», sagte Tui-Chef Fritz Joussen bei der Vorstellung des Projektes. «Nachhaltigkeit ist nicht nur ökologische Nachhaltigkeit. Sie muss auch in einem wirtschaftlichen und sozialen Sinn betrachtet werden.» Daher soll auch die Teilhabe der Menschen vor Ort gefördert werden, zum Beispiel durch neue Jobchancen.

Am Ende könnten nach Einschätzung des griechischen Tourismusministers Vassilis Kikilias alle Akteure profitieren – «vom einzelnen Anbieter, der seinen Kunden Kaffee verkauft, bis zu den Leuten, die Autos und Boote vermieten, bis zu den Winzern, bis zu den Urlaubern selbst».

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Reise

Kulinarische Schweiz: «Basler Läckerli» und «Olma-Bratwurst»

Läckerli: Was nach Hundefutter klingt, ist ein viereckiges hartes Lebkuchenbrot. 
Foto: Jakobs Basler Leckerly/Schweiz Tourismus/dpa

Von Bernhard Krieger
Bern (dpa) – Eine berühmte Spezialität der Schweiz ist die Bündner Nusstorte. Sie ist laut Verein das kulinarische Aushängeschild des Kantons Graubünden. Die Mürbeteigtorte mit der Nussfüllung haben schon tausende Urlauber in der Ostschweiz verputzt oder als Souvenir mit nach Hause genommen. Im Engadin rund um St. Moritz nennen die Einheimischen die Torte auf Rätoromanisch auch «Turta da nuschs».

Tessin: Nocino-Likör und Gazzosa
Der Nocino kam über Italien aus Frankreich, wo er Ratafià heißt, ins Tessin. Der Likör aus grünen Nüssen und Grappa wurde anfangs nur in Klöstern produziert. Das älteste Tessiner Rezept geht wohl aufs Jahr 1535 zurück – es stammt aus dem Kloster Santa Maria dei Frati Cappuccini, das zwischen Luganer See und Lago Maggiore liegt.

Der Magenbitter wird im Tessin nicht nur als Digestif genutzt, sondern auch gern für den sogenannten Caffè corretto in den Espresso gegossen. Zudem verfeinert Nocino auch Nuss- und Vanilleeis-Desserts.

Gazzosa – eine Art Limonade – besteht aus gezuckertem Wasser, das mit Kohlensäure versetzt und mit Fruchtessenzen aromatisiert wird. Die Menschen im Tessin, das bis vor wenigen Jahrzehnten das Armenhaus der Schweiz war, tranken die prickelnde Brause nur, wenn es etwas zu feiern gab. Deshalb wurde die Gazzosa im Tessin auch «Champagne dei poveri» genannt – also «Champagner der Armen».

Wallis: Raclette-Käse und Safran
Fast so berühmt wie das Schweizer Käse-Fondue ist Raclette. Ein besonderer Raclette-Käse kommt von den Almen des Wallis. Traditionell klemmt man große Stücke eines Käselaibes in eine Halterung, dann erhitzt man den Anschnitt und kratzt mit den warmen, weichen Käse mit einem Schaber ab.

Käse aus dem Bergkanton haben schon viele gegessen, Safran aus dem Wallis aber wohl die wenigsten. Im Ort Mund befindet sich die einzige Safran-Produktion der Schweiz. Der Jahresertrag des edlen Gewürzes beläuft sich auf nur rund zwei Kilogramm. Verwendet wird der Munder Safran vor allem für Risotto und Soßen sowie für Nachspeisen.

Basel: Läckerli
Läckerli – was nach Hundefutter klingt, ist in Wirklichkeit ein vierereckiges, hartes Lebkuchenbrot mit fein gehakten Mandeln, Haselnüssen und Schalen von Zitrusfrüchten sowie einem Zuckerguss. In Basel war es ursprünglich ein Weihnachts- und Neujahrsgebäck. Mittlerweile backen es Bäcker nicht nur in der Grenzstadt ganzjährig.

Aargau: Birchermüsli
Das Müsli aus Haferflocken, Zitronensaft, Kondensmilch, geriebenen Äpfeln, Haselnüssen oder Mandeln gibt es mittlerweile weltweit. Erfunden hat das nahrhafte Frühstück der Arzt Maximilian Oskar Bircher-Brenner um das Jahr 1900 in der Stadt Aarau.

St. Gallen: Olma-Bratwurst
Die St. Galler Bratwurst gilt als die Grillwurst der Nation. Erste Aufzeichnungen gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Oft taucht auch der Name Olma-Wurst auf – er leitet sich von der Ostschweizerischen Land- und Milchwirtschaftlichen Ausstellung (Olma) ab. Ostschweizer essen die Olma-Wurst ohne Senf, um das Fleischaroma nicht zu überlagern. Sie besteht aus Kalb- und Schweinefleisch.

Zürich: Zürcher Ge-schnetzeltes
Wie das Schweizer Fondue ist auch das Zürcher Geschnetzelte ein Welterfolg. In der Liste des Schweizer Kulinarik-Vereins taucht es nicht auf – vermutlich weil es ein Rezept und kein einzelnes Produkt ist. Für Schweiz-Fans gehört die Rahmsoße mit Kalbfleisch – manchmal auch mit Kalbsnieren und Champignons – auf Rösti aber zweifellos zum «kulinarischen Erbe der Schweiz».

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Internet, Computer, Cloud: Was hinter der Wolke steckt

In Deutschland suchen die meisten Leute mit Hilfe von Google im Internet. Foto: Philipp Brandstädter/dpa

Von Claudius Lüder
Hamburg (dpa) – Kaum jemand speichert auf dem Smartphone keine Fotos. Und deshalb kennt auch fast jede und fast jeder die Auswahlmöglichkeit, die Bilder in der Cloud zu speichern – spätestens dann, wenn man sie mit anderen teilen möchte. Doch was ist das eigentlich, diese Cloud? Und was passiert da mit den Daten?

Befragt man den Duden, lernt man: dass es sich bei einer Cloud um ein «beim Cloud-Computing benutztes Netzwerk mehrerer verteilter Rechner» handelt. Aha. Eine Wolke aus Rechnern also. Wolken deshalb, weil IT-Techniker dieses Symbol in Diagrammen nutzen, um externe Rechnersysteme zu visualisieren, die aber ins eigene Netzwerk eingebunden sind.

Und Cloud-Computing? Das ist dann folgerichtig die «Nutzung von IT-Infrastrukturen und -Dienstleistungen, die nicht vor Ort auf lokalen Rechnern vorgehalten, sondern als Dienst gemietet werden und auf die über ein Netzwerk (z. B. das Internet) zugegriffen wird», so der Duden. Also geht es bei Cloud-Rechnern heutzutage fast immer um Internetserver, meist sogar um ganze Serverfarmen.

Nicht nur Onlinespeicher
Während insbesondere Unternehmen in starkem Maße auch Rechenprozesse und Anwendungen auf Cloud-Rechner auslagern, geht es bei Verbraucherinnen und Verbrauchern in allererster Linie um das Speichern und Abrufen von Daten im weitesten Sinne. Doch die Grenzen sind fließend. Schon beim Hosting von Webseiten, vor allem aber beim Cloud-Gaming geht es nicht allein um ausgelagerten Speicher, sondern auch um ausgelagerte Rechenkraft.

Viele Dinge des täglichen, immer vernetzteren Lebens funktionieren über Clouds. «In einigen Bereichen ist die Nutzung der Cloud bereits so selbstverständlich, dass wir gar nicht darüber nachdenken, etwa wenn es um Musik und Videos über Streamingdienste und Mediatheken geht», sagt Markus Nispel vom Netzwerktechnik-Spezialisten Extreme Networks.

Bei Onlinespeicher- und Synchronisations-Diensten profitiert man etwa von den mobilen sowie verteilten Nutzungsmöglichkeiten: «Eine Cloud lohnt sich daher vor allem auch für alle, die von verschiedenen Geräten aus auf Daten zugreifen wollen, sei es vom Laptop, Smartphone oder Tablet», sagt Christian Just von «Computer Bild».

Cloud macht mobil
«Denn eine Cloud ist nicht nur ein Datenspeicher, sie verwaltet und speichert auch zentral Termine, Notizen, Adressen, Telefonnummern, Passwörter und erstellt meist auch automatisch Backups von Office-Dokumenten, die man gerade bearbeitet», so Just weiter. Natürlich lassen sich im Onlinespeicher auch Daten für andere freigeben, etwa Videos, die zu groß für einen Mail-Anhang sind.

Speziell für alle, die gerne möglichst viel mit dem Smartphone erledigen, ist Onlinespeicher komfortabel. «Auf Smartphones und Tablets ist die Nutzung von Festplatten meist nur umständlich möglich», sagt Christian Just. «Ein Cloud-Speicher ist da viel praktischer, zumal es oft die Möglichkeit gibt, zum Beispiel neue Fotos automatisch in der Cloud zu speichern.»

Und auch wenn Smartphone & Co. von Cloud-Nutzerinnen und -Nutzern einmal verloren gehen oder das Zeitliche segnen: Die Daten sind ja auch oder sogar ausschließlich auf Internetservern gespeichert und weiter verfügbar. Ein echtes lokales Backup auf einem externen Speichermedium wie USB-Sticks oder -Festplatten kann aber auch die Cloud nicht ersetzen, schließlich können Daten auch auf Internetservern verloren gehen.

Wenigstens persönliche und sensible Daten lädt man besser nur verschlüsselt in Onlinespeicher hoch. Leistet das der Cloud-Anbieter nicht, kann man dafür Software wie etwa Boxcryptor oder Cryptomator einsetzen. Beide Tools ver- und entschlüsseln nicht nur auf Rechnern, sondern auch auf mobilen Geräten.

Und wie sieht es mit der Sicherheit aus? «Vertrauenswürdige Cloud-Anbieter stellen Rechen- und Cloudzentren innerhalb Europas beziehungsweise in Deutschland und damit mit Blick auf die geltenden Datenschutzrichtlinien (DSGVO) und Zertifizierungen zur Verfügung und sichern die Daten ihrer Kunden auch bestmöglich ab», sagt Markus Nispel.

Vorsicht sei geboten, wenn eher unbekannte Anbieter mit einem großen Cloud-Speicherplatz zum Nulltarif werben, warnt Christian Just. «Firmen, die mit auffällig großen Gratis-Nutzungen werben, dürften dauerhaft keine Chance haben. Da besteht sowohl die Gefahr, dass sie Pleite gehen und man alle Daten aufwendig umziehen muss – aber auch die Gefahr, dass an der Sicherheit gespart wird.»

Die Wolkenmacher
Anbieter von Onlinespeicher gibt es wie Sand am Meer. Box, Dropbox, Pcloud, Securesafe, Spideroak oder Your Secure Cloud sind nur einige Beispiele. Zudem haben Betriebssystem- oder Mailanbieter häufig einige Gigabyte freien Speicherplatz in ihren kostenlosen Paketen inklusive, etwa Google Drive, Microsoft Onedrive oder Apple iCloud.

Wer allerdings viel fotografiert und filmt, kommt selbst bei großen Gigabyte-Paketen schnell an Grenzen.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Und sie kämmte ihr goldenes Haar – Neue Loreley gesucht

Die historische Loreley hat Schiffer gegen Felsen gelockt. Ihre Nachfolgerin soll das Welterbe Oberes Mittelrheintal touristisch repräsentieren. Junge Frauen können sich wieder dafür bewerben. Die scheidende Loreley überlegt, ihre blonden Haare abzuschneiden.

ARCHIV – 08.06.2018, Rheinland-Pfalz, St. Goarshausen: Im Juni 2018 hat sich Tasmin Sophie Fetz als damals neue Repräsentantin der Loreley bei ihrer Vorstellung auf dem weltberühmten Felsen oberhalb des Rheins das Haar gekämmt. Nun wird eine Nachfolgerin gesucht. Das Felsplateau ist Inbegriff der Rheinromantik. Foto: dpa

St. Goarshausen (dpa) – Wer wird die neue Loreley? Für das sagenumwobene Welterbe Oberes Mittelrheintal sucht die Loreley-Touristik wieder eine Botschafterin. Die 17. Repräsentantin des weltberühmten Loreley-Felsens, Tasmin Sophie Fetz, scheidet nach eigenen Worten im Juni nach vier Jahren aus ihrem Amt.

In historischen Loreley-Verklärungen spielte die gleichnamige Nixe eine zentrale Rolle. Dem Dichter Heinrich Heine zufolge kämmte sie sich hier hoch über dem Rhein ihre goldenen Haare und verdrehte den Schiffern so den Kopf, dass diese gegen Riffe liefen. Das weltbekannte Felsplateau über St. Goarshausen gilt als Inbegriff der Rheinromantik.

Bis zum 25. Februar können sich junge Frauen aus dem Tal der Loreley um den besonderen Posten mit Riesenkamm bewerben. Gefragt sind Kenntnisse der Region und der englischen Sprache, Kontaktfreudigkeit, Charme, Schlagfertigkeit und Flexibilität. Es geht laut der Loreley-Touristik um jährlich rund 50 Einsätze im In- und Ausland, etwa auf Winzerfesten, Weinmärkten und Eröffnungsfeiern.

Tasmin Sophie Fetz – im Jahr 2018 inthronisiert – ist vor der Corona-Zeit noch viel herumgekommen. «Ich bin zum Beispiel in der südkoreanischen Partnerstadt unserer Verbandsgemeinde Loreley, Jeju, gewesen, und ich habe in Berlin (die damalige Kanzlerin) Angela Merkel kennengelernt.» Aber auch die Eröffnung lokaler Wein-Events habe sie sehr genossen. «Mit Corona fielen dann Weinfeste leider aus, und die Leute waren zurückhaltender», bedauert die 23-Jährige.

Sie habe ihre ursprünglich zweijährige Amtszeit wegen der Pandemie verdoppelt: «Man will einer neuen Loreley nicht unbedingt zumuten, in so einer Zeit zu starten.» Inzwischen wächst die Hoffnung auf weniger Corona-Schrecken bei der Amtsübergabe im Frühsommer 2022.

Fetz arbeitet mittlerweile in der Forschung und Entwicklung in einem Chemieunternehmen in Budenheim bei Mainz und wohnt in Wiesbaden-Schierstein – also weiterhin nahe am Rhein. Fetz kann sich nach eigener Auskunft auch vorstellen, wieder wie schon früher bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) als Rettungsschwimmerin aktiv zu sein. Damit würde sich der Mythos drehen: Die noch amtierende Loreley könnte Menschen retten statt Schiffe an Felswänden zerschellen zu lassen. Und die blonden langen Haare? Fetz verspürt Lust auf Veränderung: «Vielleicht schneide ich sie mir nach meiner Amtszeit mal ab.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

kämmte – combed
Schiffern – sailors
Felsen – rocks
gelockt – lured
Welterbe – World Cultural Heritage site
beweben – apply
scheidene – departing
überlegt – thinking about
abzuschneiden – to cut off
sagenumwobene – legendary
Botschafterin – ambassador
Verklärungen – transfiguration
verdrehte – turned
Riffe – reefs
Inbedriff – epitome
Riesenkamm – giant comb
Kenntnisse – knowledge
Kontaktfreudigkeit – sociable
Schlagfertigkeit – quick witted
Einsätze – appearances
Eröffnungsfeiern – opening ceremonies
inthronisiert – investiture
Verbandsgemeinde – community association
damalige – at that time
genossen – enjoyed
fielen aus – cancelled
zurückhaltender – more reserved
bedauert – regretted
ursprünglich – initially
Amtzeit – time in office
verdoppelt – doubled
unbedingt – absolutedly
zumuten – expect
inzwischen – meantime
wächst – grows
Schrecken – scares
Amtsübergabe– transition
mittlerweile – meanwhile
Forschung – research
Entwicklung – development
Rettungs – saving
der Mythos drehen – flip the myth
zerschellen – smash
verspürt Lust – feels like

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*