26. September 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Wiesn-Promis ohne Wiesn: «Es macht mich sehr traurig»

Wenn in diesem Jahr das Oktoberfest ausfällt, trifft das Münchner Promis ganz besonders – gelten die beiden Wiesn-Wochen doch als die geschäftigsten des Jahres.

ARCHIV – 22.09.2012, Bayern, München: (L-r) Volksmusiksänger Heino, Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und der Sänger und Entertainer Florian Silbereisen feiern bei der Eröffnung des Oktoberfestes. Foto: dpa

Von Britta Schultejans
München (dpa) – Almauftrieb, Damenwiesn, Blitzbesuche von Arnold Schwarzenegger, Bill Clinton und Kim Kardashian: Normalerweise bedeutet das Oktoberfest in München auch ein zweiwöchiges Schaulaufen großer Stars – und kleiner Sternchen. In diesem Jahr aber fällt auch das der Corona-Pandemie zum Opfer. Keine Debatten um zu freizügige Dirndl von Promi-Damen, kein Fotografen-Gedränge vorm Käfer-Zelt, keine Christine Neubauer posierend am Schießstand, kein Campino, der mit der Wiesn-Band singt. Kein Florian Silbereisen, der Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beim Fassanstich zujubelt.

Während internationale Stars wie Schwarzenegger, der regelmäßig auf die Wiesn kommt, den Ausfall in diesem Jahr zwar bedauerlich finden, aber doch verkraften dürften, ist er für Münchner Promis ein harter Schlag: «Am Anfang dachte ich noch nicht, wie schlimm es sein wird, wenn das Wiesn-Eröffnungswochenende näher rückt», sagt die Moderatorin Verena Kerth der Deutschen Presse-Agentur in München. «Es macht mich sehr traurig.»

Normalerweise herrscht für Münchner Promis in den beiden Wiesn-Wochen Stress pur: Promi-Events gibt es am laufenden Band, immer wieder kommen neue dazu. Der Almauftrieb im Käferzelt und die Damenwiesn von Regine Sixt gehören zu den Klassikern. Erst im vergangenen Jahr hat beispielsweise Cathy Hummels versucht, ihr eigenes Wiesn-Event zu etablieren: einen Bummel über das Oktoberfest. In Jahr zwei muss der schon wieder ausfallen.

«Mittlerweile bin ich nicht mehr jeden Tag draußen, aber mehr als drei, vier Tage Auszeit gibt es auch nicht», sagt Kerth über eine normale Wiesn. Der Ausfall trifft sie auch finanziell, denn «natürlich gibt es auf der Wiesn jedes Jahr einige lukrative Jobs», sagt die 39-Jährige. «Es ist für uns alle ein absolutes Ausnahme-Jahr und nur wenige können aus 2020 einen finanziellen Vorteil ziehen.»

Besonders betroffen ist das diesjährige Wiesn-Playmate Natascha Hofmann. «Ich bin jetzt das erste Wiesn-Playmate ohne Arbeitsplatz. «Das gab es auch noch nie und macht es wiederum auch besonders», sagt die 28-Jährige, die für den «Playboy» nackt auf einem Schaukelpferd im Hofbräuhaus posiert hat. Dass das größte Volksfest der Welt in diesem Jahr nicht stattfinden kann, sei für alle «extrem schade – aber für mich gleich doppelt».

Das ausgefallene Oktoberfest ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein Jahr fast ohne rote Teppiche geht jetzt auf den Herbst zu. «Ich war letzte Woche zum ersten Mal nach 200 Tagen wieder auf einem roten Teppich», sagt Kerth. «Normalerweise war ich bis dato in einem Jahr schon auf gefühlt 200 Events.»

Die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan K. Bleicher sagt: «Der rote Teppich visualisiert und symbolisiert als heiliger Ort der Mediengesellschaft Startum.» Nicht jeder dürfe diesen Teppich betreten. «Er wird zur Bühne der Selbstdarstellung und verschafft Zugang zum Licht von Kamerascheinwerfern und dem Blitzlichtgewitter der Fotografen.»

Vor allem in Zeiten von Corona aber, in der sich vieles ins Digitale verlagere, verliere der tatsächlich existierende rote Teppich an Bedeutung. Influencer nutzten «als Staramateure Selfies, um sich einen eigenen digitalen roten Teppich zu erschaffen», sagt Bleicher. Das habe vor allem Auswirkungen für die Promis, die nicht ganz oben auf dem Olymp des Ruhms stehen. «Der Ruhm von A-Promis basiert auf besonderen Leistungen», sagt Bleicher. «A-Promis umgibt eine besondere Aura, die die Grundlage verbreiteter Verehrung durch Fans bildet. Um hingegen ein C-Promi zu sein, bedarf es keiner besonderen Kompetenz, vielmehr reicht eine wiederholte Medienpräsenz.»

Kerth ist «gespannt, wie sich die ganze Event-Szene entwickeln wird». In Zukunft werde «viel online passieren». «Mal schauen, ob es die “alte Zeit” jemals nochmal geben wird», sagt sie – und: «Instagram läuft momentan natürlich auf Hochtouren.»

Genau dort spendete Oktoberfest-Stammgast Claudia Effenberg wenige Tage vor dem eigentlichen Wiesn-Start ein wenig Trost und postete ein Foto von sich und ihrem Mann Stefan in Wiesn-Montur. Dazu schrieb sie: «Keine Wiesn, aber man kann ja trotzdem Tracht tragen.»

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Sport

Fans zurück: Bayern-Bosse ohne Abstand und Maske «nicht vorbildlich»

Die Fans kehren zurück in die Bundesliga-Stadien. Ein Ansturm ist es nicht gerade – Normalität schon gar nicht. Der bange Blick auf das Infektionsgeschehen wird die nächsten Wochen auch im Profifußball prägen. Die Bayern-Bosse wollen dann vorbildlicher Abstand halten.

VfB Stuttgart – SC Freiburg, 1. Spieltag, Mercedes-Benz Arena. Fans sitzen auf der Tribüne der Mercedes-Benz Arena. Foto: dpa

Von Ulrike John und Christian Hollmann
Frankfurt/Main (dpa) – Endlich wieder Fans und Stimmung in den Stadien, aber gleich zum Start heftige Irritationen um die Bosse des FC Bayern auf der Tribüne. Dass die Funktionäre des Rekordmeisters bei der 8:0-Gala zur Saison-Eröffnung der Münchner und auch die des FC Schalke 04 in der leeren Allianz Arena dicht und ohne Maske nebeneinander saßen, brachte ihnen eine Rüge von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml ein. Zugleich rief das wenig vorbildliche Verhalten auch die Deutsche Fußball Liga auf den Plan.

Die DFL teilte mit, sie sei wegen der Sache «im direkten Gespräch mit dem FC Bayern». Liga-Boss Christian Seifert konnte das Szenario aus nächster Nähe verfolgen: Er sah das Spiel – allerdings getrennt durch einen Aufgang mit Stufen – neben der Bayern-Führungsriege unter anderem mit Herbert Hainer, Oliver Kahn, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Und getrennt durch eine leere Sitzreihe über den Schalke-Funktionären. Der CSU-Politikerin Huml zufolge wäre es für die Münchner Führungsriege «klüger gewesen, wenn sie nicht so eng aufeinander gesessen wären – weil auch ausreichend Platz war», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Gemäß des DFL-Konzepts sind alle Personen in «Zone 2» des Stadions, zu der die Tribüne zählt, «zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet, sofern der Mindestabstand von 1,50 m nicht einzuhalten ist». Rummenigge sprach am Sonntag bei Sky von einem Missverständnis. «Wir sind uns alle einig, dass das Bild nicht unbedingt vorbildlich war», sagte der Vorstandsvorsitzende und versprach: «Beim nächsten Spiel werden wir wieder den Abstand halten.»

Huml wiederum verwies darauf, dass bei bundesweiten Sportereignissen grundsätzlich 1,5 Meter Mindestabstand vorgesehen seien. Daher habe es das Ministerium «mit Blick auf die Vorbildfunktion» überrascht, dass die Bayern-Funktionäre weder an Abstand noch an Maske dachten.

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen in München musste die Auftaktpartie doch ohne Publikum ausgetragen werden. Zunächst sollten 7500 Fans erlaubt sein. Kurzfristig blieb auch das Stadion des 1. FC Köln leer. «Wir brauchen Planungssicherheit, sonst wird es schwierig», sagte Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle vor der Partie gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Zuvor hatte er aber betont, der Club sei bereit, mit einer leeren Arena seinen Beitrag für sinkende Fallzahlen zu leisten.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert rechnet mit weiteren kurzfristigen Entscheidungen zur Rückkehr der Fans. «Wir werden uns ein Stück weit daran gewöhnen müssen, dass die Flexibilität, die diese Saison erfordert, auch bedeutet, dass wir nicht von vornherein sagen können, wie jeder Spieltag stattfinden wird», sagte der Spitzenmanager. «Es gilt, besonnen zu sein und kleine Schritte zu gehen. Und wenn diese Schritte bedeuten, dass man zwei Schritte nach vorne geht und einen zurück, einfach weil es das Infektionsgeschehen erfordert, dann werden wir uns dieser Situation stellen müssen.»

Auch Schalke droht für seine erste Heimpartie gegen Werder Bremen am kommenden Wochenende ein Ausschluss der Fans, da die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Gelsenkirchen massiv angestiegen ist.

Die größte Kulisse am ersten Spieltag hatte das Top-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Mönchengladbach mit rund 10 000 Zuschauern. «Schön, dass ihr wieder hier seid. Darüber freue ich mich riesig», rief Stadionsprecher Norbert Dickel den Fans zu. Vor allem die Südtribüne, sonst die berühmte «Gelben Wand» mit knapp 25 000 Menschen auf Stehplätzen, bot mit Sitzschalen ein ungewohntes Bild.

Dank der kurzfristigen Einigung der Bundesländer auf eine Testphase mit bis zu 20 Prozent der Kapazität gefüllten Arenen waren wieder jeweils tausende Zuschauer zugelassen. Über größere Störfälle bei der Anreise oder in den Stadien wurde nichts bekannt. «Es ist wunderschön, es fühlt sich wieder nach richtigem Fußball an», sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Rund 8400 Fans saßen in Bremen gut verteilt auf den Tribünen.

Eine Rückkehr zur Normalität ist es noch lange nicht. Die kurzfristigen Entscheidungen über die Zulassung von Zuschauern, das schwierige Ticketing, die Angst vor Ansteckung, die Weigerung vieler Ultra-Fans, ins Stadion zu gehen, weil sie nicht nur Kulisse für das große Geschäft sein wollen – mit all dem müssen die Clubs erst einmal zurecht kommen.

So waren statt der erlaubten 8000 nur 7123 Zuschauer zum ersten Bundesliga-Auftritt des VfB Stuttgart nach dem Wiederaufstieg gekommen. So etwas gab es auch im DFB-Pokal und am Freitagabend zum Auftakt der 3. Liga: Da schöpften die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern gegen Dynamo Dresden nicht einmal das Kontingent von knapp 5000 Plätzen voll aus: In der vergangenen Spielzeit begrüßte der Traditionsclub durchschnittlich über 19 000 Fans im Fritz-Walter-Stadion.

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Feuilleton

Dresdner Sinfoniker verwandeln Plattenbausiedlung in Konzertsaal

Musiker der Dresdner Sinfoniker stehen mit Gurten gesichert während des Konzerts „Himmel über Prohlis“ auf dem Dach eines Hochhaus im Dresdner Stadtteil Prohlis. Bei dem Konzert wollten die Dresdner Sinfoniker mit vier Alphorn-Quartetten, drei Trompetentrios und einem Tuba-Quartett sowie chinesischen Trommeln das Wohnquartier mit Klang füllen. Foto: Sebastian Kahnert

Dresden (dpa) – Die Dresdner Sinfoniker haben am Samstagabend den zentralen Platz im Plattenbauviertel Prohlis im Osten Dresdens in einen Openair-Konzertsaal verwandelt. Mehrere hundert Menschen verfolgten das musikalische Geschehen von den Fenstern, den Grünflächen des Wohngebietes und den Parkplätzen vor einem Einkaufszentrum aus. Sechzehn Alphörner, neun Trompeten, vier Tubas und vier Dà Gǔ-Trommeln erfüllten – teils von den Dächern der Hochhäuser aus – den Raum über dem Platz mit Klang. Die Alphornisten spielten in etwa 50 Metern Höhe von vier 17-Geschossern aus fast wie von Berg zu Berg. Einige der Musiker auf den Hochhausdächern waren mit Gurten gesichert.

Eigens für das Projekt hatte der Komponist Markus Lehmann-Horn das Werk «Himmel über Prohlis» geschrieben. Den Anfang machte allerdings die Eröffnungsfanfare der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles. Räumlich verteilt spielten die Blechbläser die Echochöre des Venezianers Giovanni Gabrieli (1557-1612), die er vor mehr als 400 Jahren für den Markusdom komponiert hatte. Klänge von «Freude schöner Götterfunken» aus Beethovens 9. Sinfonie beendeten den Abend. Das 1998 gegründete Orchester setzt sich aus Künstlern der Freien Szene und Musikern namhafter Orchester aus dem In- und Ausland zusammen.

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Gesundheit

Gesunde Ernährung vermindert Krebsrisiko

Weniger Tabak, weniger Alkohol und weniger Fleisch konsumieren: 
Rund 40 Prozent der Krebserkrankungen in Deutschland sind nach Angaben
 einer Expertin auf ungesunden Lebensstil zurückzuführen. 
Foto: Jens Kalaene/dpa

Heidelberg (dpa) – Weniger Tabak, weniger Alkohol und weniger Fleisch konsumieren, das Rezept gegen Krebs mutet einfach an. Doch der innere Schweinehund muss dafür erstmal überwunden werden. Die Nationale Präventionswoche gegen Krebs soll den Menschen die Vorteile einer ausgewogenen Ernährung bewusst machen.

Rund 40 Prozent der Krebserkrankungen in Deutschland sind nach Angaben einer Expertin auf ungesunden Lebensstil zurückzuführen. Neben Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum spiele die Ernährung eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Tumoren. «Das haben nicht so viele auf dem Schirm, dabei ist falsche Ernährung für fünf bis acht Prozent der Neuerkrankungen verantwortlich», sagte Susanne Weg-Remers, die den Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) leitet, der Deutschen Presse-Agentur in Heidelberg. Mit einer gesunden ausgewogenen Ernährung könne man die Wahrscheinlichkeit senken, an einer der häufigen Krebsarten wie etwa Brustkrebs oder Darmkrebs zu erkranken.

Insbesondere Fettleibigkeit löse aufgrund von Entzündungen im Körper Zellwachstum aus. Dabei bestehe die Gefahr, dass Zellen entarten, sagte die Expertin anlässlich der «Nationalen Krebspräventionswoche» Mitte September. Diese soll auf das große Potenzial der Krebsvorbeugung aufmerksam machen.

Die Ernährung sei besonders bei Erkrankungen der Brust und des Darms ein Risikofaktor, erläuterte Weg-Remers. Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich bekommen etwa 69 000 Frauen diese Diagnose. Mit etwa 58 000 Fällen pro Jahr gehört auch Darmkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen.

Neben einer Kalorienzufuhr, die die verbrauchten Kalorien übersteigt, fördern auch Konsum von Fleisch und dessen gesundheitsschädliche Zubereitung Krebs. Der Verzehr von rotem Fleisch wie Rind, Schwein, Lamm und Ziege erhöhe das Krebsrisiko, vor allem wenn es gepökelt oder geräuchert wird. Scharf angebratenes oder auf dem Grill verkohltes Fleisch enthält krebserregende Substanzen. Weg-Remers rät: «Lieber zart-golden statt dunkelbraun grillen.» Der Verbrauch an rotem und verarbeitetem Fleisch sollte 500 Gramm pro Woche nicht übersteigen. Geflügel und Fisch seien unbedenklicher. «Kalorienfallen» seien nicht nur Softdrinks, sondern auch Obstsäfte. «Lieber Wasser, Tee oder Schorlen trinken», empfiehlt die Medizinerin. An einer Aktion für «krebspräventive» Mahlzeiten nehmen während der Aktionswoche 250 Kantinen teil.

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Reise

Urlaub trotz Corona: Wie werden Länder als Risikogebiet eingestuft?

Dubrovnik in Kroatien ist jetzt Corona-Risikogebiet.  Foto: Stringer/dpa
                

Berlin (dpa) – Die Corona-Pandemie sorgt weiterhin für große Verunsicherung unter Reiselustigen. Bis zum 30. September gilt noch eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Danach soll die pauschale Reisewarnung von Lagebewertungen abgelöst werden, die an die Situation der einzelnen Staaten angepasst wird. „Ab Oktober kehren wir eben zu einem individuellen System für jedes Land zurück“, so eine Sprecherin des Auswärtigen Amts laut eines Berichts der Deutschen Presse-Agentur. Da die Lage sich stetig ändert und täglich neue Informationen und Regelungen auf potenzielle Urlauber einprasseln, ist es schwierig, den Überblick zu behalten – und zu entscheiden, welches Reiseland noch sicher ist. Welche Länder als Risikogebiet eingestuft werden, entscheiden das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Die Einstufung basiert auf einer zweistufigen Bewertung: Im ersten Schritt spielen die aktuellen Infektionszahlen eine gewichtige Rolle. Staaten und Regionen, in denen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern gab, gehören automatisch zu den Risikogebieten. Aber auch Länder, in denen die Infektionszahlen nominell darunter liegen, sind vor einer Einstufung als Risikogebiet nicht gefeit: Anhand qualitativer Kriterien wird analysiert, ob auch in Ländern, in denen die Infektionszahlen den Grenzwert nominell unterschreiten, ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Ausschlaggebend sind dabei:

  • Infektionszahlen und die Art des Ausbruchs
  • Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner
  • Ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
  • Verlässlichkeit der Informationen, die für bestimmte Staaten vorliegen

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Tipps für Patchworkfamilie

Paare, die eine Patchworkfamilie gründen, sind meist voller guter Vorsätze. Foto: dpa

Weinheim (dpa) – Paare, die eine Patchworkfamilie gründen, sind meist voller guter Vorsätze. Konflikte und zu hohe Erwartungen können das Familiengefüge aber schwächen, heißt es in der Zeitschrift „Psychologie Heute“ (Ausgabe 10/2016). Ein paar typische Fehler, die sich vermeiden lassen:

Harmonie ist keine Pflicht: Stiefeltern und- kindern fällt es oft schwer, offen auszusprechen, was sie stört. Doch Konflikte sind normal und auch Kinder in Patchworkfamilien müssen kritisieren dürfen. Ein fester Rahmen, wie zum Beispiel eine Familienkonferenz gibt jedem die Chance, nervige Themen anzusprechen.

Kein Gruppenzwang: Um Gemeinschaft herzustellen, neigen viele Patchworkfamilien dazu, immer alles gemeinsam zu machen. Doch es ist genauso wichtig, verlässliche Beziehungen untereinander zu pflegen. So brauchen zum Beispiel die leiblichen Kinder exklusive Zeit allein mit Mama oder Papa, um Intimes zu besprechen.

Nichts überstürzen: Die neue Familie ist niemals abgeschlossen. Es muss beständig nachgebessert und modifiziert werden. Also: Zeit lassen, um sich kennenzulernen. Es dauert, bis unterschiedliche Familienkulturen miteinander in Einklang gebracht sind.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Barbershop-Boom bringt Barbierpfosten-Blüte

Ist das da eine Zuckerstange an der Hausfassade? Barbierpfosten – auch Barber Poles genannt – erobern zunehmend das Stadtbild. Die Geschichte der rot-weiß gestreiften Objekte ist blutig.

Eine Barber Pole oder ein sogenannter Barbierpfosten weist auf einen Barber-Shop hin. Sie werden auch in Deutschland zum Erkennungszeichen einer Branche – so ähnlich wie bislang nur das Posthorn auf gelbem Grund oder das rote Apotheken-A und das grüne Pharmazie-Kreuz. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Manche denken, es sei eine Zuckerstange oder ein Windspiel. An immer mehr Friseur-Fassaden hängen Lampen mit diagonalen roten und weißen Streifen: sogenannte Barbierpfosten. Seit ein paar Jahren breiten sie sich im Stadtbild aus. Die Barber Poles genannten Stangen werden auch in Deutschland zum Erkennungszeichen einer Branche – so ähnlich wie bislang nur das Posthorn auf gelbem Grund oder das rote Apotheken-A und das grüne Pharmazie-Kreuz.

Bekannt sind die Pfosten für die «Barber-Pole-Illusion», eine optische Täuschung. Das Gehirn nimmt die Drehung des Zylindergehäuses mit den schraubenförmigen Streifen nicht als Horizontalbewegung wahr, sondern, je nach Rotation, als bewegten sich die Streifen rauf oder runter. Tausende Barbierpfosten sind in den letzten Jahren bundesweit aufgetaucht. Denn: Barbershops boomen.

In der Friseurbranche führt die Entwicklung weg vom Unisex-Salon hin zum genderspezifischen. Jahrzehntelang gingen Frauen und Männer in Deutschland zum selben Friseur. Jetzt haben Männer wieder – wie ganz früher – ihre eigenen Haarschneide- und Barttrimmer-Salons. Kerle sind eine eigene Klientel und nicht mehr der klägliche Kundenrest, den Coiffeure zwischen Dauerwelle und Farbe für Frauen reinschieben.

Auf etwa 1200 schätzt der Barbershop-Experte und Großhändler Micha Birkhofer die Zahl der reinen Barber-Shops in der Bundesrepublik. Vor fünf Jahren sollen es demnach erst etwa 250 gewesen sein.

Wenn man die 10-Euro-Billigläden dazuzähle, gehe er sogar von bis zu 2500 Barber-Läden in Deutschland aus, sagt Birkhofer. Der Mann von der Firma 1o1Barbers in Waiblingen bei Stuttgart hat schon Wettbewerbe wie die German oder European Barber Awards veranstaltet.

Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks, sieht eine «Retrowelle der Männlichkeit». Die Herren von heute legten viel mehr Selbstoptimierungswünsche an den Tag als frühere Generationen, meint er. Barbershops seien das wohl sichtbarste Zeichen dafür. Manche dieser Läden böten auch andere «Männersachen» an wie Whisky- oder Gin-Verkostung, Zigarren oder sie seien nebenbei noch Maßhemden-Manufaktur. Viele Barbershops sind auch türkisch oder arabisch geprägt.

Auch wenn die Hipster-Welle und der Vollbart-Hype wieder abebbten, bleibe der männliche Wille zum Gutaussehen ein Langzeit-Trend, sagt Müller in Köln. Das sehe man an den spezialisierten Hairstylisten und den steigenden Absatzzahlen für Herrenkosmetik.

«Ehrliche Pflege für echte Kerle» verspricht zum Beispiel die Marke «Butcher’s Son» (deutsch also: Metzgerssohn) aus Egelsbach bei Frankfurt am Main. Die Körper-, Gesichts- und Bartpflege-Produkte sind mit Streifen in den Farben Weiß, Rot und Blau versehen.

«Die Barber-Farben haben nichts mit den Stars and Stripes der USA-Flagge zu tun», betont Jörg Müller vom Friseurhandwerksverband, auch wenn die Barber-Pole vor allem in den Vereinigten Staaten ein allgemeines Erkennungszeichen für Friseure sei.

Die Geschichte der Barbierpfosten beginnt jedoch in der Alten Welt, in Europa, und soll bis ins Mittelalter zurückreichen. Die Erklärungen und Legenden sind vielfältig, wenn man Fachliteratur, Friseure oder Verbände fragt. Es ist eine blutige Geschichte.

Früher bot ein Barber neben dem Haareschneiden und der Rasur auch andere Dienstleistungen an, darunter kleine chirurgische Eingriffe. Friseure vollzogen beispielsweise einen Aderlass oder führten eine sogenannte Blutreinigung durch. Sie zogen Zähne oder legten Verbände an. Neben den Barbieren existierte auch der Beruf der Bader, die fahrende Chirurgen und wandernde Heiler waren.

Jedenfalls sollen diese medizinischen Handwerker ihre Verbände zum Trocknen an Pfosten befestigt haben. Da sich der Stoff im Wind um die Pflöcke wickelte, gilt dies als Erklärung der roten und weißen Streifen beim Barbierpfosten. Es gibt auch die Erklärung, dass Menschen sich beim Aderlass am Pfosten festhielten, um die Adern sichtbar hervortreten zu lassen. Das wäre eine Erklärung für den zusätzlichen blauen Streifen. Eine andere Interpretation ist, dass Rot das arterielle Blut, Blau das venöse Blut und Weiß den noch sauberen Verband symbolisiert.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

erobern – are conquering
Erkennungszeichen – recognizable symbols
Kreuz – cross
optische Täuschung – optical illusion
Gehirn – brain
schraubenförmigen – screw-like
Streifen – stripes
Entwicklung – development
Jahrzehntelange – decades-long
Bart – beard and mustache
Kerle – guys
klägliche – miserable
Kundenrest – customer afterthoughts
Coiffeure – hair-styles
Dauerwelle – permanents
reinschieben – shoved between
Großhändler – wholesaler
Wettbewerbe – competitions
veranstaltet – organized
Selbstoptimierungswünsche – desire for self-actualization
böten – offered
Verkostung – tastings
Maßhemden – custom-made shirts
geprägt – stamped with a … look
Welle – wave
abebbten – ebbed
Absatzzahlen – sales numbers
ehrliche Pflege – honest care
für echte Kerle – real men
versehen – equipped
allgemeines – general
vielfältig – manifold
kleine chirurgische – small surgical
Eingriffe – operations
vollzogen – performed
Aderlass – blood-letting
Pflöcke – pegs
wickelte – wrapped
zusätzliche – addition of
arterielle Blut – arterial blood
venöse Blut – venial blood

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*