27. April 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Und wieder die Wölfe – den Wildschafen droht das Aus

Mufflons stehen im Opel-Zoo wiederkäuend in ihrem Gehege. Mehr als hundert Jahre streiften die Mufflons durch das abgelegene Waldgebiet östlich von Lüneburg, nun sind sie weg. Foto: dpa

Die Mufflons östlich von Lüneburg sind weg, es war das älteste deutsche Vorkommen der in ihrer ursprünglichen Heimat selten gewordenen Tiere. Zu ihrem Ende hat eine besondere Eigenart der Wildschafe beigetragen, die sie aus den Bergen mitgebracht haben.

Von Peer Körner

Göhrde (dpa) – Wie befürchtet, die Wildschafe hatten keine Chance. Mehr als hundert Jahre streiften sie durch das abgelegene Waldgebiet östlich von Lüneburg. «Das Vorkommen in der Göhrde ist vollkommen erloschen, es war das älteste in Deutschland», sagt Peter Pabel. Der 56-Jährige gilt als Experte für Mufflons, er leitet den örtlichen Hochwildring der Jäger, ist Wolfsberater und von Beruf Förster. «Das war zu erwarten – wenn der Wolf kommt, verschwindet das Muffelwild.»

Ursache ist ein merkwürdiges Fluchtverhalten, das die eindrucksvollen Tiere mit den schneckenförmigen Hörnern aus ihrer bergigen Heimat mitgebracht haben. Die Vorfahren der Mufflons in der Göhrde stammten aus Korsika und Sardinien – 1903 wurden die ersten ausgesetzt, doch konnten sie sich nicht dem nach Deutschland zurückkehrenden Wolf anpassen. Schleicht sich einer an, so machen sie einen kurzen Sprint, dann bleiben sie stehen. In ihrer Heimat konnten sich die Mufflons so auf Felsen und Klippen retten, die gibt es hier im Flachland aber nicht.

«Das könnte möglicherweise das einzige reinrassige Vorkommen in Deutschland gewesen sein», sagt Pabel. Kreuzungen mit Hausschafen oder anderen Rassen habe es hier nicht gegeben. «Diese Genressource ist jetzt verloren gegangen, das macht es so bedauerlich.» Nachdenklich schaut er sich in dem Naturschutzgebiet um, in dem er sie oft beobachtet hat. Statt der vielen Kiefern in der eher flachen Göhrde stehen vereinzelt Eichen auf trockenem Heideboden, mächtige Bäume auf kleinen Hügeln.

«Von da konnten sie weit gucken», erklärt Pabel. Geholfen es nicht. «Die letzten habe ich hier im Herbst 2017 gesehen», sagt er. Bis zu 300 waren es, dann kam der Wolf. «Das ging mit unglaublicher Rasanz, nach drei Jahren hatte er die Population ausgelöscht.» Nur ganz vereinzelt würden noch Mufflons außerhalb gesichtet. Pabel hatte vergeblich versucht, einige einzufangen, alle Versuche scheiterten. Er sieht die Sache differenziert. «Es liegt mir fern, einen Krieg gegen den Wolf anzuzetteln», betont er ausdrücklich. «Ich bin selbst Wolfsberater und dem Tier gegenüber durchaus positiv eingestellt.»

Manch Förster und Waldbesitzer in Deutschland ist von den Wildschafen genervt, weil einige von ihnen die Rinde von den Bäumen ziehen. Auch der Naturschutzbund Nabu sieht die Mufflons hierzulande höchst kritisch. So fordert der Nabu in Nordrhein-Westfalen seit Jahren sogar, die Art komplett abzuschießen. Das Mufflon sei an die weichen Böden hierzulande nicht angepasst und habe mit Hufproblemen zu kämpfen. Sebastian Kolberg sieht es ähnlich, er ist beim Nabu auf Bundesebene für den Artenschutz zuständig. «Wenn die Tiere nicht an die verschiedenen Lebensräume angepasst sind, wird es aus artenschutz- und tierschutzrechtlichen Gründen bedenklich», sagt er in Berlin.

«Das Muffelwild passt nicht überall hin», bestätigt Pabel. Bei weichen Böden drohe die sogenannte Moderhinke, das sei in der Göhrde aber kein Problem gewesen. «Richtig ist: Der Mensch hat es hier in die Natur gebracht – da scheiden sich die Geister.»

An vielen Orten in Europa wurden die Mufflons als Jagdwild oder Zugewinn für Parks und Waldgebiete ausgesetzt. So wurde Deutschland zu einem der Hauptvorkommen, während die Wiederkäuer in ihrer Heimat zumindest stark gefährdet sein sollen. «Der bundesweite Bestand wurde vor einigen Jahren auf rund 8000 geschätzt. Wir wissen aber nicht, wie viele es heute sind», sagt Nabu-Experte Kolberg.

Im Westen und Süden wird bislang nur selten ein Wolf gesichtet, so soll es allein in Nordrhein-Westfalen noch etwa 2500 Wildschafe geben. In anderen Bundesländern können Rückschlüsse meist nur aus der Zahl der erlegten Mufflons gezogen werden. Auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen sieht es danach noch sehr gut aus.

Anders dagegen im Osten: Nach der Wiedervereinigung hatte sich das erste Wolfsrudel in der sächsischen Lausitz angesiedelt, in der Muskauer Heide wurden im Frühjahr 2000 erste Welpen geboren – die Mufflons verschwanden dort vollkommen. Während die Jagdstrecken im Osten Sachsens stetig kleiner werden, sind die Bestände etwa im Erzgebirge nach Angaben des Umweltministeriums vergleichsweise stabil. Im «Wolfsland» Brandenburg sinkt die Mufflon-Strecke seit Jahren stetig.

In Niedersachsen sind nach Schätzungen der Landesjägerschaft rund 250 von bundesweit etwa tausend Wölfen unterwegs, doch noch sind die Schafe dort nicht überall verschwunden, so im Harz. Ein genetisch vermutlich ähnlich gutes Vorkommen wie einst in der Göhrde lebe im Ost-Harz in Sachsen-Anhalt, sagt Pabel. Noch gibt es im Harz kein Wolfsrudel, doch das dürfte sich nach Einschätzung des niedersächsischen Umweltministeriums mittelfristig ändern. Dann haben die Wiederkäuer auch dort ein Problem. «Es fehlen großflächige steile und steinige Hanglagen», erklärt Sprecherin Lotta Cordes.

«Wenn man die Mufflons erhalten will, muss man rechtzeitig etwas tun», warnt Pabel nach den Erfahrungen in der Göhrde. Der Naturschutz werde seiner Verantwortung nicht gerecht, wenn er sich nicht auch um die Arterhaltung des Mufflons kümmere. «Um ein vollständiges Erlöschen zu verhindern, unterstützt das Land die Bemühungen um eine Sicherung der genetischen Ressourcen des Muffelwildes in Niedersachsen», sagt Cordes. «Das gilt auch für Fangversuche wie in der Göhrde, sollten sie eines Tages etwa im Harz notwendig werden.»

«Sollte sich der Wolf bundesweit etablieren, so ist nicht davon auszugehen, dass die Population in Deutschland dauerhaft bestehen wird», fasst Nabu-Experte Kolberg zusammen. Kleine Inselvorkommen auf trockenen und felsigen Böden seien jedoch nicht auszuschließen.

Und wie reagieren Jäger? «Jagd in Deutschland muss nachhaltig sein», sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. «Wenn es bei einer Art weniger Nachwuchs als Todesfälle gibt, dann sollte nicht geschossen werden», betont er. «Wir züchten in den Zoos exotische Tiere wie Schneeleoparden, die vom Aussterben bedroht sind», die Mufflons dagegen hätten keine große Lobby.

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Sport

Tennis-Damen weiter erstklassig

Der Sieg im Abstiegsspiel in Lettland fiel den deutschen Tennis-Damen leichter als gedacht. Matchwinnerin Mona Barthel war mit schon 28 Jahren allerdings die Jüngste im alternden Team. Kapitän Jens Gerlach würde den Fed Cup gern holen und muss dafür ein Problem lösen.

Das deutsche Team mit Fed Cup-Kapitän Jens Gerlach (l-r), Mona Barthel, Anna-Lena Grönefeld, Andrea Petkovic und Julia Görges, feiert nach dem Sieg über das Team Lettland. Foto: dpa

Von Robert Semmler

Riga (dpa) – Die deutschen Tennis-Damen jubelten am Ende nicht einmal überschwänglich. Der 3:1-Sieg im Fed-Cup-Abstiegsspiel in Lettland war auch ohne Angelique Kerber souverän herausgespielt und beschert der DTB-Auswahl weiter zurecht einen Platz unter den acht Top-Ländern der Welt. Doch für die Generation um Kerber läuft die Zeit für den erhofften dritten Triumph im Nationenwettbewerb langsam ab.

Vielleicht tritt 2020 die beste Besetzung auch in der ersten Runde an, nachdem Kerber und Julia Görges in den vergangenen beiden Jahren jeweils wegen der direkt folgenden Turniere am Persischen Golf abgesagt hatten. Kerber ist jetzt wie Andrea Petkovic 31 Jahre alt, Julia Görges ist 30, Doppel-Spezialistin Anna-Lena Grönefeld wird bald 33, und gleichwertiger Ersatz unter den Jüngeren fehlt.

«Am Ende des Tages entscheidet immer noch die Spielstärke, unsere Mädels sind sehr gut und stehen zurecht in dem Team», sagte Kapitän Jens Gerlach. «Wir wünschen uns alle in Deutschland, dass auch schnellstmöglich die Jungen wieder Fuß fassen.»

Der Nachfolger der jetzigen Damentennis-Chefin Barbara Rittner, die das Geschehen in der Arena Riga in Deutschland-Teamkleidung entspannt von der Bank aus verfolgen konnte, ist mit der Bereitschaft der Spielerinnen zufrieden. Seine Erfahrung der vergangenen beiden Jahre sei: «Die spielen gern für Deutschland.» Lächelnd fügte Gerlach hinzu: «Ich hoffe, die Mädels mögen mich auch. Von daher tue ich alles, dass mir alle zur Verfügung stehen und dass wir das Ding mal in Angriff nehmen können.»

Der Fed Cup sei einer ihrer Lieblingswettkämpfe, meinte die im Vorjahr auch auf eigenen Wunsch hin pausierende Petkovic. «Ich hab’ aber wieder Lunte gerochen und wollte unbedingt dabei sein», sagte die Darmstädterin, die 2014 auch das verlorene Finale in Tschechien bestritt – die größte Cup-Chance für eine deutsche Auswahl seit den Siegen während der Ära Steffi Graf 1987 und 1992. Auch Grönefeld betonte, sie habe immer Fed Cup gespielt. «Das zeigt, wie wichtig das für mich ist. Wir geben nicht auf, wir wollen das Ding gewinnen, das hat einen hohen Stellenwert für uns», unterstrich die Team-Älteste.

Die Jüngste in Riga war mit 28 Jahren die für Kerber nachnominierte Mona Barthel – sie ersetzte am Samstag dann sogar noch die müde Görges und sorgte mit dem 6:4, 6:3 gegen Jelena Ostapenko schon im dritten Einzel für den uneinholbaren 3:0-Vorsprung. Eine derartige Tiefe im Aufgebot hatten die Lettinnen nicht, das Fehlen von Spitzenspielerin Anastasija Sevastova und die anhaltende Formschwäche der früheren French-Open-Siegerin Ostapenko verhinderten den Aufstieg.

Beide treffen beim WTA-Turnier in Stuttgart in der neuen Woche kurioserweise in der ersten Runde aufeinander, wie die Auslosung am Samstag ergab. Dann will auch Kerber nach ihrer Grippe wieder fit sein. Barthel dagegen ist nur im Doppel dabei, sie hätte als 90. der Weltrangliste eigentlich am Wochenende die Qualifikation bestreiten müssen – und wurde stattdessen zur Matchwinnerin in Riga, wo sie zum ersten Mal seit der gewonnen Relegation gegen Serbien vor sechs Jahren Einzel spielte. «Ich war einfach froh, dabei zu sein», sagte Barthel. Die Woche im Fed-Cup-Team bringe immer Spaß. Die lange Umarmung von Petkovic hatte sich die Norddeutsche nach dem cool herausgespielten Sieg über Ostapenko redlich verdient

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Feuilleton

Werke von Berliner Künstlerin auf Dach von Met Museum in New York

Eine Skulptur der in Berlin lebenden Künstlerin Alicja Kwade steht auf der Dachterrasse des New Yorker Metropolitan Museums. Foto: dpa

New York (dpa) – Die in Berlin lebende Künstlerin Alicja Kwade hat zwei Skulpturen für die Dachterrasse des New Yorker Metropolitan Museums entworfen. Besucher können die aus Stangen und Kugeln bestehenden Werke mit dem Namen «Parapivot» bis zum 27. Oktober auf dem Dach des Museums am Central Park mit Blick über die Skyline von Midtown Manhattan besichtigen. «Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, meine Werke auf der Dachterrasse dieses unglaublichen Top-Museums in dieser Top-Stadt zeigen zu dürfen», sagte die in Polen geborene Kwade.

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Gesundheit/Umwelt

Bienenfreundliche Pflanzen

Lavendel ist ein wahrer Bienenmagnet. Foto: dpa

Bonn (dpa) – Seit Jahren sinkt die Zahl der Bienen weltweit. Grund dafür ist neben Pestiziden auch eine Reduzierung des natürlichen Lebensraumes. Wer auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten bienenfreundliche Pflanzen für die Insekten setzt, kann dieser Entwicklung mit kleinen Refugien zumindest ein wenig entgegenwirken. Dabei ist es jedoch nicht egal, welche Pflanzen man setzt. Typische Balkonpflanzen mit stark gefüllten Blüten wie etwa Geranien erfreuen zwar das Auge mit ihrer üppigen Blumenpracht, bieten aber Bienen, Hummeln und Schmetterlingen nicht genügend Nahrung. Hier eignen sich bienenfreundliche Kräuter wie Rosmarin, das schon im Frühling blüht, Salbei blüht den ganzen Sommer über und Kapuzinerkresse spendet bis Ende September Nahrung für hungrige Bienen. Auch Lavendel ist ein wahrer Bienenmagnet. Wohlriechende Kräuter ziehen Bienen an und vertreiben Mücken.

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Reise

Wrack in Griechenland soll zu Unterwassermuseum werden

Amphoren auf dem Meeresboden nahe der Insel Alonnisos. Foto: dpa

Athen (dpa) – In Griechenland sollen Touristen künftig ein Schiffswrack nahe der Insel Alonnisos beim Tauchen erkunden können. Das Peristera-Wrack soll als erstes von vielen untergegangenen Schiffen in der Ägäis in diesem Jahr vom griechischen Kultusministerium als Unterwassermuseum freigegeben werden. Den gesetzlichen Rahmen dafür will das griechische Parlament in nächster Zeit schaffen, berichtete der Staatssender ERT. Vom hölzernen Schiff an sich war nicht viel übrig, als es in den 1990er Jahren entdeckt wurde. Und auch der Grund des Untergangs – womöglich schlechtes Wetter oder Piraten – wird sich nicht mehr klären lassen. Aber Taucher können die unzähligen Amphoren mitsamt der drumherum entstandenen Flora und Fauna künftig ganz legal und offiziell unter Wasser erforschen. Für eine Besichtigung sind auch geführte Tauchtouren geplant.

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Dänische Stadt will Ampelmännchen gegen Wikinger austauschen

Beim roten Wikinger musst du stehen, beim grünen darfst du gehen. Foto: dpa

Kopenhagen (dpa) – Beim roten Wikinger musst du stehen, beim grünen darfst du gehen: Im dänischen Aarhus ist die Idee aufgekommen, die Ampelmännchen in bestimmten Stadtteilen gegen Illustrationen der historischen Vorfahren auszutauschen. Der für Technik und Umwelt zuständige Stadtrat Bünyamin Simsek erklärte auf der Webseite der Stadt, mit den Wikinger-Ampelzeichen solle auf die Bedeutung von Aarhus während der Wikingerzeit aufmerksam gemacht werden. Viele Straßen im Zentrum lägen noch am selben Ort wie im 10. Jahrhundert, was einmalig für eine dänische Stadt sei. An diesen historischen Orten sollen auch die Wikingermännchen installiert werden.

Während in verschiedenen europäischen Städten Ideen zu geschlechtsneutralen Ampelzeichen verfolgt werden, geht es Simsek um die Historie von Aarhus.

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Aus Allen Staaten

“Hänsel und Gretel” in Detroit!

Das klassische Brüder-Grimm-Märchen, wie Sie es noch nie gesehen haben!

Detroit – Anfang April konnten Opernfreunde aus Detroit und Umgebung im MOT (Michigan Opera Theater) die Oper “Hänsel und Gretel” von Engelbert Humperdinck erleben.

Die Michigan Opera Company (MOT) hat sich seit langem auf ein künstlerisches Niveau verpflichtet und es erreicht, dem Publikum Opern- und Tanzaufführungen von höchster Qualität zu präsentieren. Jetzt brachte MOT Engelbert Humperdinks Oper “Hänsel und Gretel” auf die Bühne. Die Uraufführung dieser Oper hatte am 23. Dezember 1893 in Weimar stattgefunden und seitdem ist es in Deutschland Tradition, diese Oper immer in der Vorweihnachtszeit aufzuführen. Die Handlung beruht auf der Märchenfassung der Gebrüder Grimm. Das Libretto für die Oper schrieb Adelheid Wette, die Schwester von Humperdinck.

Er war Rheinländer, stammte aus Siegen, geboren 1854. Auf Wunsch seiner Eltern sollte er Architekt werden. Engelbert fühlte sich aber zur Musik hingezogen und folgte dieser inneren Stimme. Er lernte Klavierspielen und begann mit dem Musikstudium in Köln und später machten Stipendien Aufenthalte in Italien möglich. 1880 lernt er in Neapel Richard Wagner kennen, der ihn nach Bayreuth einlädt. Dort lässt Wagner ihn dann an den Vorbereitungen für die “Parsifal” Uraufführung teilnehmen. Als Kompositionslehrer war Humperdinck u.a. in Barcelona, Köln, Frankfurt a.M., bis der grosse Erfolg von “Hänsel und Gretel” ihm das freie Schaffen ermöglichte. Im Jahr 1900 übernahm er in Berlin, an der Akademie der Künste nochmal ein Lehramt. Er komponierte im Laufe der Jahre mehrere Opern, aber keine war und blieb so erfolgreich wie “Hänsel und Gretel”.

Es fing damit so um 1890 ganz klein an. Nichten von ihm planten ein kleines Puppentheater und er trug 4 Lieder dazu bei. Dann schrieb seine Schwester ein kleines “Hänsel und Gretel” Libretto, nach der Grimmschen Fassung, was ihn dann veranlasste, daraus ein kleines Singspiel mit 16 Liedern zu machen – zunächst nur mit Klavierbegleitung. Im Januar 1891 fing er dann mit der Orchestervertonung an – und die Uraufführung war dann, wie schon erwähnt, am 23. Dezember 1893 in Weimar. Dirigent war Richard Strauss. Das Publikum war begeistert – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Hier noch 2 interessante Daten: 1923 wählte das Royal Opera House in London diese Oper für ihre erste komplette Radio-Opern-Übertragung. 8 Jahre später wählte die Metropolitan Opera in New York diese Oper für ihre erste Direktübertragung.

In Deutschland kann man weiterhin mit “Hänsel und Gretel” Aufführungen in der Vorweihnachtszeit rechnen, man hält an der Tradition fest. Hier, in den USA, fühlt man sich aber nicht daran gebunden und deshalb kamen Opernfreunde hier kürzlich in den Genuss, diese Oper mitzuerleben. Gesungen wurde der Originaltext, also deutsch, die englische Übersetzung war auf Bildschirmen zu sehen. Die Regie hatte sich allerhand Originelles und  Lustiges einfallen lassen: die Eltern wirkten im Gegensatz zu ihren Kindern gross, eben wie Erwachsene. Man hatte Vater und Mutter irgendwie die Beine verlängert. Die 14 Englein, die im 2. Akt, im Wald, sonst immer um die eingeschlafenen Kinder stehen, schwebten bei dieser Aufführung über ihnen durch den Himmel. Und die Hexe? Hässlich, wie es sich gehört, aber nicht klein und krumm, sondern etwa 4 Meter gross, mit einem langen weiten Rock. Allein durch ihre Grösse verbreitete sie Angst. Das beeindruckte allerdings nicht alle Lebkuchenkinder, viele von ihnen hüpften ständig um die Hexe herum. Hänsel war natürlich von der Hexe in einen Käfig gesperrt worden, bekam ständig zu essen…. Aber auch bei dieser Aufführung gelang es Gretel, ihm ein dünnes Stöckchen durchs Gitter zu schieben und als die Hexe von Hänsel verlangt: “Zeig mir Dein Fingerchen” steckt Hänsel das dünne Ästchen raus. Nun soll wohl Gretel als erste in den Ofen. Die Hexe fordert sie auf nach den Lebkuchen im Ofen zu sehen. Gretel macht auf dumm und will es sich von der Hexe zeigen lassen. Und wir wissen alle was dann passiert. Hänsel ist inzwischen von Lebkuchenkindern befreit worden, saust zu seiner Schwester und sie schieben die Hexe in den Ofen. Die Tür kracht zu und alle Lebkuchenkinder sind befreit und tanzen jubelnd auf der Bühne rum und singen den “Knusperwalzer”: Juchhei… nun ist die Hexe tot! Aus dem Wald hört man eine Stimme, es ist der Vater, der Besenbinder, der immer noch seine Kinder sucht. Er hatte mit seiner Frau die ganze Nacht im Wald zugebracht.

“Ei, da sind sie ja” ruft der Vater, man fällt sich um den Hals – und der Vorhang geht zu!

Begeisterter Applaus vom Publikum! Dann ging der Vorhang wieder auf, Hänsel und Gretel bedanken sich, Vater Besenbinder und seine Frau verneigen sich – und dann erlebt das Publikum, was unter dem langen Rock der Hexe verborgen war: drei Techniker-Experten – wahre Meister ihrer Kunst.

Es war ein wunderschönes Opernerlebnis – auch wenn es nicht in der Weihnachtszeit stattfand!
E.H

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