27. Juli 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Was die Erderwärmung mit der Hitze zu tun hat

Teile Deutschlands ächzen und schwitzen. Schnell fällt ein Schlagwort: «Klimawandel». Was weiß man über seinen Einfluss auf die Hitze?

Die Sonne strahlt am wolkenlosen Himmel. Foto: dpa

Von Antonia Hofmann
Berlin (dpa) – Nach dem heißen und trockenen Sommer 2018 legt sich diese Woche erneut eine brütende Hitze über die Republik. Ein Zusammenhang der hohen Temperaturen mit der Erderwärmung scheint auf der Hand zu liegen: Treibhauseffekt führt zu Erderwärmung führt zu Hitzewelle. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Einzelne Ereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen, sei schwierig, sagt der Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Auf jeden Fall könne man aber sehen, dass die «Extremtemperaturen über 30 Grad zunehmen in den letzten Jahrzehnten». Diese Häufung könne man durchaus mit dem Klimawandel begründen. «Das ist ein deutliches Zeichen, dass die menschengemachte Erderwärmung das Wetter beeinflusst.»

Mitte des 20. Jahrhunderts habe es im Schnitt rund vier Tage im Jahr gegeben, in denen die Temperaturen in Deutschland über 30 Grad kletterten, sagt Latif mit Verweis auf Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). «2018 hatte es über 20 solcher Tage.»

Wird es also jedes Jahr nun mehr heiße Tage geben? Nicht zwingend, denn die Steigerung sei unregelmäßig, sagt Latif. Im Schnitt sei der Anstieg vor allem seit 1990 aber ziemlich offensichtlich. Auch tropische Nächte mit Temperaturen von mindestens 20 Grad werden demnach mehr.

Extreme Hitze nehme zu, bestätigt auch Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Wahrscheinlichkeit für monatliche Hitzerekorde sei weltweit betrachtet durch die globale Erderwärmung rund um das Fünffache gestiegen – und diese Wahrscheinlichkeit steige weiter an.

Die Klimaerwärmung ist Fakt. «In Deutschland haben wir einen Temperaturanstieg von ungefähr 1,5 Grad der Jahresmitteltemperatur seit 1881», sagt Klimaexperte Christian Franzke von der Uni Hamburg. Global gesehen waren die vergangenen vier Jahre laut Weltwetterorganisation (WMO) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Wärmerekorde seien «ein klares Anzeichen für den anhaltenden langfristigen Klimawandel». 2018 belegte mit einer durchschnittlichen Oberflächentemperatur von 1,0 Grad über dem Mittel der vorindustriellen Zeit (1850-1900) Patz vier.

Wie aber nimmt die Klimaerwärmung Einfluss auf das Wetter? Es werde nicht einfach nur wärmer, sagt Rahmstorf. «Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass sich auch die Zirkulation in der Atmosphäre verändert.» Und weiter: «Diese Sommerzirkulation, die eigentlich immer vom Atlantik her neue Tiefdruckgebiete bringt, ist langsamer geworden die letzten Jahrzehnte.» Ob diese Verlangsamung menschengemacht sei, sei noch sehr umstritten, sagt Latif. «Das wird noch heftig in der Forschung diskutiert.»

Die Klimaerwärmung treibt uns nicht nur mehr Schweißperlen auf die Stirn. Laut Rahmstorf und Latif werden zum Beispiel auch Starkregengüsse vor allem im Sommer in Deutschland wahrscheinlicher.

Bei der Frage, welche Bedeutung die Erderwärmung bei einzelnen Extremwetterereignissen hat, können sogenannte Attributionsstudien helfen. «Im Prinzip wird ein regionales Klimamodell eintausend Mal für einen Sommer der vorindustriellen Zeit – also vor dem Jahr 1850 – und für aktuelle Sommer laufen gelassen. Es wird dann berechnet, wie wahrscheinlich in beiden Klimaten eine aktuell beobachtete Hitzewelle ist», sagt Meteorologe Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

«Bei der Hitzewelle in Nordeuropa 2018 kommt man dann zu Aussagen wie “Die Hitzewelle ist im Jetztklima doppelt so wahrscheinlich wie in vorindustrieller Zeit” – damit ist eine Zuschreibung zum Klimawandel gegeben», sagt Fink.

Routine sind solche Studien über die Wahrscheinlichkeit von Einzelereignissen in Deutschland nicht. Latif geht davon aus, dass sich das bald ändert. Sein Kollege Rahmstorf gibt zu Bedenken: «Die Fähigkeit von Klimamodellen, solche Ereignisse korrekt abzubilden, hat seine Grenzen.» Mit großräumigem Regen funktioniere das etwa besser als mit einzelnen Gewittern. Die Ergebnisse der Attributionsstudien muss man seiner Einschätzung nach «mit gewisser Vorsicht betrachten».

Eine hundertprozentige Sicherheit, ob etwa eine Hitzewelle auf den Klimawandel zurückzuführen sei, gebe es nie, betont auch Latif. «Dafür ist das Wetter zu chaotisch.»

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

ächzen – groan
Schlagwort – buzzword
brütende Hitze – brutal heat
Zusammenhang – connection
Erderwärmung – global warming
Treibhauseffekt – greenhouse effect
Hitzewelle – heat wave
Ereignisse – events
Klimaforscher – climate researcher
zunehmen – have increased
Häufung – accumulation
durchaus – definitely
begründen – originate
im Schnitt – on average
Verweis auf – reference to
nicht zwingend – not necessarily
unregelmäßig – irregular
demnach – accordingly
betrachtet – regarded
Fünffäche gestiegen – five-fold increase
ansteige – climb
Beginn der Aufzeichnungen – records were first kept
Tiefdruckgebiete – low pressure areas
umstritten – controversial
Schweißperlen – beads of sweat
Starkregengüsse – downpours of rain
berechnet – calculated
beobachtete – observed
Aussagen – expressions
Zuschreibung – attribution
geht davon aus, dass – assumes that
Fähigkeit – ability
Einschätzung – assessment
gewisser Vorsicht – a certain amount of care
betrachten – view

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Tokio schon im Olympia-Fieber –
DOSB: «Besser aufgestellt»

Ein Jahr vor Eröffnung der Olympischen Spiele am 24. Juli 2020 in Tokio kämpfen die deutschen Topathleten bereits um die Startplätze. Der Deutsche Olympische Sportbund rechnet mit einem starken Team.

Das neue japanische Nationalstadion in Tokio. Im Stadion werden die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien der Olympischen Sommerspiele 2020 stattfinden. Foto: dpa

Von Andreas Schirmer, Lars Nicolaysen und Martin Beils
Tokio/Frankfurt (dpa) – Die Begeisterung in Japan ist beispiellos, die Zuversicht in Deutschland groß. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio wachsen das Interesse und die Freude auf das Sportspektakel. «Wir sehen den Spielen optimistisch entgegen. Wir werden mit einer leistungsstarken Mannschaft am Start sein», sagte Dirk Schimmelpfennig, Sportchef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), auch angesichts der ersten Auswirkungen der Leistungsportreform. «Die Verbände haben sich strukturell verbessert, dies gilt auch für die Rahmenbedingungen für die Athleten.»

Auslöser der Reform war der bis zu den Sommerspielen 2008 in Peking rapide Rückgang der gewonnenen Medaillen von 82 in Barcelona 1992 bis nur noch 41 in Peking 2008. Danach ist es 2012 in London (44) wieder bergauf gegangen. Zuletzt bei den Rio-Spielen 2016 gewannen die deutschen Sportler zwar nur 42 Medaillen, dafür aber 17 aus Gold – und damit so viele wie seit 1996 in Atlanta nicht mehr.

«Der deutsche Leistungssport ist inzwischen etwas besser aufgestellt, auch wenn die Reform erst ab dem Olympia-Zyklus 2012 bis 2024 vollständig umgesetzt wird», sagte Schimmelpfennig. Für erkennbare Effekte der Reform kämen die Tokio-Spiele aber zu früh. Angesichts der vielen noch ausstehenden Qualifikationswettkämpfe könne man noch nicht wirklich einschätzen, «wo die Reise hingeht».

In den bisherigen Olympia-Ausscheidungen gab es Licht und Schatten. Besonders stark trumpfte die Abteilung Tischtennis bei den Europaspielen in Minsk auf, die sich dort komplett für Tokio qualifizierte. Für Topstar Timo Boll, den Fahnenträger von Rio, könnten die Spiele in Japan der krönende Abschluss seiner langen Karriere werden.

Im deutschen olympischen Sport gibt es aber noch viele Fragezeichen, wie in Minsk deutlich wurde. Delegationsleiterin Uschi Schmitz hätte gern «die eine oder andere Medaille mehr» gesehen. Schwache Judoka, zum Teil enttäuschende Schützen, Karateka, die hinter den Erwartungen blieben, prägten die Bilanz. Nicht mit nach Tokio werden nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM die deutschen Fußballfrauen reisen, die 2016 Olympiasieger geworden waren.

In der japanischen Hauptstadt ist ein Jahr vor der Eröffnungsfeier am 24. Juli 2020 mit einem unglaublichen Ansturm auf die Tickets das Olympia-Fieber schon ausgebrochen. Zudem haben die Organisatoren schon jetzt fast ganze Arbeit geleistet. «Ich kann mich an keine andere Gastgeberstadt erinnern, die ein Jahr vor den Spielen bei der Vorbereitung schon so weit war», sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, anerkennend.

Für die 339 Wettkämpfe in 33 Sportarten sind bereits rund 3,2 Millionen Eintrittskarten verkauft. Die Organisatoren rechnen mit etwa 7,8 Millionen Eintrittskarten für die Spiele, japanische Medien spekulieren, dass es am Ende sogar mehr als neun Millionen werden. 70 Prozent der Tickets gehen an die Bewohner des Ausrichterlandes, der Rest steht Sportfans in aller Welt zur Verfügung oder geht an Sponsoren, Sportverbände oder Nationale Olympische Komitees.

Für die «aufregendsten Spiele aller Zeiten» hat die ostasiatische Wirtschaftsmacht mehr als 20 Milliarden US-Dollar aufgewendet. Die Baukosten für das neue Nationalstadion wurden immerhin auf 1,2 Milliarden Euro gesenkt. Dort werden die Eröffnungs- und die Abschlussfeier der Olympischen Spiele und der Paralympics stattfinden. Es ist zu 90 Prozent fertiggestellt. Einschließlich des Stadions werden acht neue Wettkampfstätten gebaut. 25 Sportanlagen gibt es bereits und werden teils renoviert; zehn weitere werden nur für die Spiele vorübergehend genutzt.

Bis es in einem Jahr losgeht, gibt es aber noch Herausforderungen, wie ein Verkehrschaos auf den überlasteten Straßen abgewendet werden kann. Dazu sollen auch Auffahrten zur Stadtautobahn in der Nähe der Wettkampfstätten gesperrt werden. Außerdem wird an Unternehmen appelliert, ihren Mitarbeitern in Tokio Heimarbeit zu erlauben.

Bahnbetreiber im Raum Tokio sind zudem dazu aufgerufen, ihre Betriebszeiten auszuweiten. In Tokio pendeln jeden Tag rund acht Millionen Menschen in 47 000 Zügen. Zu den Olympischen Spielen wird sich diese Zahl Schätzungen zufolge um 650 000 Menschen erhöhen.

Eine weitere große Sorge ist nach wie vor die extreme Sommerhitze. Um sie erträglicher zu machen, soll es für Freiluft-Wettkämpfe Maßnahmen zur Linderung der Hitze geben. Dazu gehören Planen, Ventilatoren und Feuchtigkeitsspender – zum Beispiel beim Beach-Volleyball. Auch für die Marathon-, Geh- und Rad-Wettbewerbe wird an Beschichtungen gedacht, die die Temperatur der Straßenoberfläche senken.

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Feuilleton

Die Kunst war Frieder Burdas Lebenselixier

Frieder Burda steht in Baden-Baden vor dem gleichnamigen Museum. Mehr als sein halbes Leben sammelte er Kunst. Foto: dpa

Von Susanne Kupke
Baden-Baden (dpa) – An sich sollte Frieder Burda als Verleger Karriere machen. Stattdessen wurde er einer der bedeutendsten Kunstsammler. Kunst machte ihn glücklich. Um etwas davon weiterzugeben, schenkte er Baden-Baden ein Museum – ein Vermächtnis über seinen Tod hinaus.

Er hatte das nötige Kleingeld sowie ein Gespür für Kunst und Künstler. Damit wurde er zu einem der renommiertesten Kunstsammler und sein Museum zu einem Besuchermagnet in Baden-Baden. «Die Kunst hat mich glücklich gemacht», sagte er einmal. Jetzt ist der Mäzen Frieder Burda im Alter von 83 Jahren in der Kurstadt gestorben.

Mehr als sein halbes Leben sammelte der Baden-Badener Kunst – mit einem fast schon unheimlichen Gespür, wie ihm Kritiker bescheinigten. Frieder Burda kaufte, was ihm gefiel oder ihm «Herzklopfen» verursachte: «Ich will schöne Bilder zeigen und niemanden belehren.» Und traf dabei genau den Geschmack des Publikums.

Über seinen Erfolg war Frieder Burda selbst verblüfft. Schließlich war die Karriere des am 29. April 1936 geborenen Sohnes des Verlegerehepaars Franz und Aenne Burda nicht vorhersehbar. Nach der Schulzeit im badischen Offenburg, in Triberg im Schwarzwald und der Schweiz wurde er im väterlichen Konzern zum Drucker und Verlagskaufmann ausgebildet. Doch daran hatte er wenig Freude – auch wegen des schwierigen Verhältnisses zum übermächtigen Vater. Erst nach dessen Tod 1986 schwamm sich der mittlere von drei Söhnen frei und verließ das Unternehmen.

Während sein jüngerer Bruder Hubert Burda den Druck- und Verlagsbereich übernahm, erbte Frieder mit seinem älteren Bruder Franz verschiedene Firmenbeteiligungen. Nach einigen Flops wandte er sich ganz der Kunst zu – und fand seine Bestimmung. «Er wusste inzwischen, dass seine Zukunft nicht aus Finanzen und Verwaltung bestehen sollte und dass er sich nicht jahrelang mit seinem jüngeren Bruder herumstreiten wollte», schrieb der Autor Stefan Koldehoff in seiner Biografie über Frieder Burda.

Als «typischer Stier» leicht aufbrausend, aber auch sehr den schönen Dingen zugeneigt, hatte er schon früh Feuer für die Kunst gefangen. 1968 kaufte er eine knallrote geschlitzte Leinwand von Lucio Fontana. Damit wollte er an sich nur den Vater schocken. Doch der Senior, selbst Sammler von deutschen Expressionisten, war interessiert.

So begann Frieder Burdas Sammler-Karriere. Von Gerhard Richter bis hin zu Arnulf Rainer – mit vielen Künstlern, die er sammelte, verband ihn auch eine Freundschaft. Seine international beachtete Sammlung, die er in immer wieder neuen Varianten mit Leihgaben in seinem 2004 eröffneten Museum präsentierte, umfasst heute mehr als 1000 Bilder und Skulpturen – von den deutschen Expressionisten über den späten Picasso bis hin zu Gegenwartskünstlern wie Georg Baselitz und Sigmar Polke.

Sein vom New Yorker Star-Architekten Richard Meier erbautes Museum an Baden-Badens Prachtmeile – direkt neben der Kunsthalle und dem Kurhaus – ist von ihm allein finanziert. Und über seinen Tod hinaus durch eine Stiftung gesichert. Dafür hat er sich 2015 von einem seiner Bilder getrennt: Für einen Mark Rothko bekam er bei einer Christie‘s-Auktion 40,5 Millionen Dollar. «Es war eine schwere, aber richtige Entscheidung», sagte er später. «Dieser eine Schritt ermöglicht uns viele neue Schritte in der Zukunft.» Seine Sammlung und sein Museum mit Ausstellungsbetrieb wollte er damit noch zu Lebzeiten «für viele Jahrzehnte im Voraus auf absolut sichere Beine stellen».

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Gesundheit /Umwelt

Zucker in Süßgetränken – Wie kann der Konsum gesenkt werden?

Eine Übersichtsstudie des Cochrane-Netzwerkes hat ermittelt, welche Maßnahmen Verbraucher dazu bringen, weniger zuckerhaltige Getränke zu trinken. Foto: dpa

München/London (dpa) – Zuckerhaltige Getränke gelten als wichtiger Faktor für das Übergewicht vieler Menschen. Also was tun, um den Konsum zu verringern? Eine Übersichtsstudie des internationalen Cochrane-Netzwerkes hat funktionierende Maßnahmen ermittelt. Die Ergebnisse basieren auf 58 Studien aus 19 verschiedenen Ländern.

Vorne mit dabei sind Etiketten, die auf einfache Weise Aufschluss über den enthaltenen Zucker geben – zum Beispiel in Form von Ampeln, Sternen oder Nummern. Dies könne auch in Deutschland relativ gut und zu vertretbaren Kosten umgesetzt werden, sagte der Hauptautor der Studie, Peter von Philipsborn von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

In Deutschland will die große Koalition in diesem Jahr ein Modell für eine klarere Nährwert-Kennzeichnung vorschlagen. Verbraucherschützer und die SPD machen sich für das französische Nutri-Score-System stark – es bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer Skala von dunkelgrün bis rot. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) plant aber noch weitere Klärungen, da alle bestehenden Systeme Vor- und Nachteile hätten. Im Sommer sollen mehrere Modelle per Verbraucherbefragung getestet werden.

Die Cochrane-Studie nennt noch weitere Möglichkeiten: So seien zum Beispiel auch weniger oder keine zuckerhaltigen Getränke in Schulen sowie Preiserhöhungen von zuckrigen Drinks in Restaurants, Geschäften und Freizeiteinrichtungen wirksam. Gesündere Getränke könnten gefördert werden, indem man sie zu Standardgetränken bei Menüs in Restaurantketten macht oder in Supermärkten besser bewirbt und platziert. Auch lokale Gesundheitskampagnen oder Maßnahmen für Zuhause – wie Heimlieferungen von Getränken mit keinem oder wenig Zucker – könnten das Trinkverhalten verbessern.

Zuckerhaltige Getränke sind nach Expertenmeinung so gefährlich, weil der Konsum flüssigen Zuckers bei den meisten Menschen kein entsprechendes Sättigungsgefühl hervorruft. Nimmt der Körper die gleiche Menge Zucker in fester Form auf, wird er in der Regel viel stärker satt. Das könnte mit der Evolution zusammenhängen – vor 200 Jahren gab es einfach noch keine gezuckerten Getränke sagte Studienautor von Philipsborn. Der Mensch hat sich also schlicht noch nicht daran gewöhnt.

Hinzu kommt, dass Zucker in Getränken ein sehr starkes Verlangen nach mehr davon auslöst – vermutlich sogar mehr als beispielsweise bei Schokolade. Es gebe Hinweise darauf, dass flüssig aufgenommener Zucker noch stärker wirke, auch weil der Körper ihn besonders schnell aufnimmt, ergänzte von Philipsborn. «Das gibt einen echten Zucker-Kick.»

Übergewicht und Diabetes nehmen weltweit zu. Hans Hauner, Mitautor der Studie und Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München sagte, dass sich dieser Trend nur mit umfassenden und wirksamen Maßnahmen umkehren werde: «Speziell Regierungen und Industrie müssen ihren Teil beitragen, dass die gesunde Entscheidung für Konsumenten die einfache Entscheidung wird.»

Cochrane ist ein globales Netzwerk unter anderem von klinischen Forschern und Ärzten. Der Schwerpunkt liegt auf der Erstellung von Übersichtsberichten verschiedener Forschungsbereiche.

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Reise

Nationalpark Bieszczady in Polen

Wölfe, Wisente und wilde Berge

Die orthodoxe Holzkirche von Komancza.
Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt/dpa

Von Isabelle Modler
Rzeszów (dpa) – Im Bieszczady-Nationalpark leben wilde Wisente, Bären und Wölfe. Die nahezu unberührte Natur im Südosten Polens geht auf ein düsteres Kapitel der Landesgeschichte zurück.

Ruhig senkt er den Kopf und grast, schaut wieder auf, schnuppert kurz und grast weiter. Der junge Rothirsch steht auf einer Lichtung, keine 200 Meter entfernt. Sein Geweih ist noch mit weicher Basthaut überzogen. Er scheint vor Menschen keine Angst zu haben, auch dann nicht, wenn sie den Abstand bis auf wenige Meter verringern. «Er heißt Karol», sagt ein Mann, der ganz in der Nähe vor einer Holzhütte sitzt. In seiner Hand hält er ein scharfes Messer.

Der Mann stellt sich als Waldemar Witkowski vor. Der junge Hirsch sei zahm, sagt er. Er kenne dessen Mutter schon viele Jahre. Ganz in der Nähe steht friedlich eine Hirschkuh im Gras. «Katerine», ruft Witkowski. Das Tier kommt näher. Angeblich bekommen die Wildtiere kein Futter von ihm, sie scheinen seine Gesellschaft zu mögen.

Wir befinden uns im Südosten Polens, in der Nähe des Ortes Wetlina. Witkowski wohnt mehr als 40 Kilometer entfernt von hier, in der Nähe des Solina-Stausees. Dennoch kommt der über Sechzigjährige oft zur Hütte, angezogen von der Weite der Natur.

Denn hier, dicht an der Grenze zur Ukraine und zur Slowakei, in der Woiwodschaft Karpatenvorland, liegt seit 1973 der Nationalpark Bieszczady. Er ist mit mehr als 29 000 Hektar der größte Nationalpark in den polnischen Bergen. Seit 1992 gehört er zum Biosphärenreservat Ostkarpaten der Unesco. Der Name Bieszczady (Ostbeskiden) bezeichnet einen Gebirgszug der Karpaten. Gut zu sehen ist Tarnica: Der höchste Berg der Bieszczady ragt 1346 Meter empor.

Künstler in den Bergen
Witkowski sitzt im Freien. Während sein Messer flink über das Lindenholz gleitet, ruht die Brille weit vorne auf seiner Nase. Die Holzspäne fliegen zu Boden. Nach und nach schält der Künstler mit Klinge, Hobel und Pfeile eine Figur aus dem Holz.

Auf dem tiefgezogenen Dach der Hütte ist ein Schild befestigt, darauf steht mit roten Buchstaben geschrieben «Galeria nad Berehami». Vor Jahren haben mehrere Künstler die Galerie gegründet. Besucher können hier Skulpturen, Masken, Bilder, aber auch Karten der Region kaufen.

Die Hütte ist zu einer Seite offen. «Schauen Sie sich ruhig um», sagt Witkowski. In der Ecke steht ein großes Teleskop. In klaren Nächten zeigt der Gastgeber Besuchern hier auch Sterne. Der Himmel leuchtet in der Region besonders hell, hier leben wenige Menschen.

Wolf, Wisent, Bär und Co
Wolfsrudel? Klar gebe es hier Wölfe, sagt Witkowski. Meist ziehen die Tiere wie Schatten durch die Wälder. Nur nachts höre er sie manchmal heulen, wenn er im oberen Teil der Hütte übernachtet, erzählt der Künstler. Wenn er am nächsten Morgen frische Pfotenabdrücke sieht, weiß er, dass es kein Traum war.

Selten sind die Wildtiere so zahm wie Hirsch Karol. Die meisten verstecken sich tagsüber. Neben Wölfen leben im Nationalpark auch Braunbären, Luchse, Wildkatzen, Biber, Fischotter und sogar Wisente.

Der Europäische Bison wurde im Jahr 1963 wieder in Polen ausgewildert, nachdem die letzten in freier Wildbahn lebenden Tiere kurz nach dem Ersten Weltkrieg nahezu ausgerottet waren. Mittlerweile vermehren sich die Tiere wieder prächtig.

Wer die mächtigen Tiere aus sicherer Distanz beobachten will, kann ein Auswilderungsgehege besuchen. Zum Beispiel in der Nähe der Stadt Muczne. Dort werden die Wisente auf die Freiheit vorbereitet, also medizinisch untersucht und mit GPS-Sendern ausgestattet. Die Forschungsarbeit ist wichtig. Zwischenzeitlich hatte eine Seuche den Bestand der freilebenden Wisente wieder stark verringert. Ohne die Schutzprogramme würde es sie in Europa wohl nicht mehr geben.

Wisente sind meist sanft. «Begegnen Wanderer in der Wildnis einem Tier oder gar einer Herde, sollten sie sich ruhig verhalten und Abstand halten», rät Kaja Hrabal. Als Bildungsreferentin informiert sie Besucher im Auswilderungsgehege über die Tiere.

Insbesondere wenn Wisente Jungtiere haben, fühlen sie sich leichter bedroht und können mitunter aggressiv werden. Trotz des Gewichts eines Kleintransporters und einer Schulterhöhe von fast zwei Metern können die Tiere erstaunlich schnell und leichtfüßig sein.

Wisente sind mitverantwortlich für die Vielfalt der Flora und Fauna: Da sie viel Nahrung brauchen, halten sie in Waldgebieten große Flächen frei. So gibt es Mischwälder teils mit Urwaldreservaten, offene Wiesenflächen und alpine Almwiesen. Die mit Gräsern bewachsenen Kammlagen sind typisch für die Region. Sie heißen Poloninen und wachsen in über 1000 Metern, oberhalb der Baumgrenze.

Neben seltenen Pflanzen gibt es in Bieszczady viele Vogelarten. Wer den Blick schweifen lässt, kann Schwarzstörche oder Steinadler sehen. Sogar Schreiadler ziehen im Schutzgebiet ihre Kreise.

Ein düsteres Kapitel der Geschichte
Zum Teil ist die Natur hier fast menschenleer. Das liegt an einem dunklen Kapitel der polnischen Geschichte, der sogenannten Aktion Weichsel: Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied das kommunistische Polen, in der Gegend keine Minderheiten mehr zu dulden. Ziel war ein ethnisch homogener Nationalstaat. So mussten im April 1947 viele Ukrainer sowie Bojken und Lemken ihre Heimat verlassen. Sie wurden aus den Grenzgebieten im Südosten in die nach dem Krieg sogenannten Wiedergewonnenen Gebiete im Norden und Westen umgesiedelt.

Das polnische Militär kam zu jenen, die nicht gehen wollten. Es gab bürgerkriegsähnliche Zustände. Ukrainer, darunter Anhänger der ukrainischen Aufstandsarmee UPA, versteckten sich damals unter anderen in den Wäldern. Ihre Versorgung wurde gekappt, große Teile der Region wurden entvölkert und nach der Zwangsumsiedelung viele Häuser und Kirchen verbrannt.

Vereinzelt finden Wanderer noch heute Überreste alter Friedhöfe oder früherer Siedlungen. Im Ort Ulucz überstand etwa nur eine orthodoxe Holzkirche einen solchen Brand. Weitere Beispiele: das verlassene Dorf Hroszowka oder die Bunker aus Stahlbeton, die bei Jablonica Ruska im Dickicht der Wälder erhalten geblieben sind.

Reiten, Radfahren, Rafting und mehr
Besucher können die Landschaft unterschiedlich erkunden, etwa auf zahlreichen Wanderwegen, per Fahrrad, in einer 100 Jahre alten Schmalspurbahn, mit einer Fahrrad-Draisine oder auf dem Rücken von Pferden. Die Region ist bekannt für ihre Huzulen-Pferde. Die kleinen Bergpferde gelten als besonders sanftmütig und trittsicher. Einige Reiterhöfe bieten Kutschfahrten oder Ausritte an. Geübte Reiter können dann über saftige Wiesen und sanfte Hügel galoppieren.

Wer nahe der ukrainischen Grenze ist, sollte auf zwei Dinge achten. Erstens: die mobilen Daten beim Handy ausstellen. Sonst kann es teuer werden, weil hier das EU-Roaming nicht mehr greift. Zweitens: im Nationalpark immer auf den markierten Wegen bleiben.

Die Natur können Besucher auch auf dem Wasser erleben. Der San ist ein Nebenarm der Weichsel. Wenn der Wasserstand es erlaubt, können Urlauber ein Paddelboot ausleihen, sich auf dem breiten Fluss stromabwärts treiben lassen und dabei das saftige Grün des San-Tals genießen. Zwischendurch heißt es: Kräftig paddeln! An einigen Stellen gibt es Stromschnellen, die während der sonst eher entspannten Raftingtour für etwas Bauchkribbeln sorgen.

Im Norden fließt der San in den Solina-Stausee, den größten Stausee Polens, der in den 1960er Jahren gebaut wurde. Mittlerweile gibt es dort Campingplätze, Hotelanlagen sowie zahlreiche Wellness- und Sportangebote. Urlauber können etwa tauchen, windsurfen, angeln sowie mit Segel-, Paddel-, Ruder- und Ausflugsbooten fahren.

Holzkirchen, Ikonen und Kulturgeschichte
Auch für Kulturinteressierte ist die Region sehenswert. In Sanok stellt das Freilichtmuseen zum Beispiel auf 38 Hektar die Geschichte der polnisch-ukrainischen Grenzgebiete dar. Die mittelalterliche Altstadt thront über dem idyllischen San-Tal. Im Historischen Museum, das sich in einem Schloss aus dem 16. Jahrhundert befindet, gibt es eine große Ikonensammlung. Auch Werke des zeitgenössischen Künstlers Zdzislaw Beksinski werden dort ausgestellt.

Weiter nördlich gibt es viele Holzkirchen, die 2003 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Eine Kirche steht zum Beispiel in Blizne, eine andere in Haczow. Diese gilt als die größte gotische Holzkirche in Europa. Sie wurde 1388 errichtet.

Info-Kasten: Nationalpark
Bieszczady

Anreise: Nach Krakau gibt es Direktflüge von verschiedenen deutschen Flughäfen. Alternativ mit Umsteigen in Warschau nach Rzeszow. Von dort weiter mit dem Mietwagen.
Sprache und Währung: Polnischkenntnisse sind hilfreich, nicht überall sprechen die Menschen Englisch oder Deutsch. Ein Euro sind 4,27 Polnische Zloty (Stand: Juli 2019).
Wandern: Im Ort Ustrzyki Gorne laufen mehrere Wanderwege der wilden Bergwelt der Bieszczady zusammen, insgesamt haben sie eine Gesamtlänge von 206 Kilometern. Wanderungen in den Nationalpark starten etwa in Lutowiska, Wetlina, Ustrzyki Gorne und Wolosate.
Wisente: Die Auswilderungsstation (Stuposiany 4, Muczne 38-713) hat täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr offen. Der Besuch ist kostenlos. Wer an einer Führung teilnehmen will, sollte sich vorab anmelden.
http://www.polen.travel/de

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Sport im Alter: Ab 40 sinkt die Leistung

Ab 40 Jahren beginnt der Muskelschwund. Foto: dpa

Jena (dpa) – Je älter man wird, desto mehr muss man dafür tun, um fit zu bleiben. Denn bereits ab 40 beginnt der Muskelschwund. Aber es zahlt sich aus, auch im Alter sportlich aktiv zu bleiben.

Sport ist gesund, auch und gerade im Alter. Rekorde sollten Senioren aber nicht mehr erwarten, erklärt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

Denn schon ab 40 Jahren beginnt der Muskelschwund, zuerst mit den schnellen Muskelfasern. Und damit lässt auch die körperliche Leistungsfähigkeit nach.

An den Bestzeiten oder -weiten von Leistungssportlern sollten sich Hobbysportler im etwas höheren Alter daher nicht mehr orientieren – und auch nicht an den eigenen Leistungen von früher.

Sportlich erfolgreich können Senioren aber trotzdem sein, gerade im Ausdauerbereich. Gut geeignet sind etwa Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking.

Die GOTS empfiehlt 150 Minuten moderate Belastung pro Woche, kombiniert mit etwas Krafttraining.

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Aus Allen Staaten

2019 Austrian Waldfest

Blue skies, brilliant sunshine and warm temperatures… what a wonderful day for the 2019 Austrian Waldfest

Participants of the openining ceremony from left Rachel Vohs, Detlev Ziesel , Mia Mathy, Vice president Horst Griesser, President Günter Bräuner and Jan.
Schnitzelfactory under the guidance of cook Brian

On Sunday, June 30th, at the Austrian Park on Hayes Road, the Austrian Society extended an invitation to all, to come to its Annual Waldfest.

Early morning, the kitchen area was busy with the lady members peeling mounds of cooked potatoes for the traditional Austrian potato salad. The pounding of mallets were heard, preparing the meat for the Schnitzel, the grills were fired up to cook the wurstels, and the beer and wine was being cooled for the anticipated guests’ enjoyment.

The guests started to arrive at noontime, picnic tables under the tall Pine trees were quickly filled, and music floated through the air from the popular band, The Rhinelanders.

The Opening Ceremonies, with a March-in and presentation of the Flags, was led by the Deutsch-amerikanischer Schützenverein, followed by Austrian Society members. National anthems were sung and opening remarks were made by Günter Bräuner, President of the Austrian Society.

The afternoon was enjoyed by guest dancing, eating the delicious foods and the pastry, and especially drinking the Austrian wines and cold beers.

The ‘Traditional Childrens Parade’, led by Ingrid Stein, delighted the audience. Children enjoyed the ‘Moonwalk’ bounce house and played fun games. Soccer games, also, were played on the well groomed field, to the excitement of the Fans.

A highlight of the afternoon was a unique dance performance by the renowned Albanian Gjergi Kastrioti Dancers. In their native costumes, the dancers did traditional and beautiful dances, which were enjoyed by all.

Slowly, as the evening hours approached, guests returned home with happy memories of a special day, and looked forward to next year’s Waldfest.

A heartfelt thank you goes to the many Volunteers for the hours of preparation, working and clean up, to make the Vienna Woods and Club House, an unique place for people to enjoy. The Austrian Society members should be proud of the success of the 2019 Waldfest and for giving so many guests, an unforgettable day.

Please remember to mark your calender for the upcoming special events of the Austrian Society…
*** 2019 Golf Outing, Sunday, September 22, 2019 at the Stoney Creek Golf Course, Shelby Township, MI
*** ABEND IN WIEN, Saturday, November 2, 2019 at the Carpathia Club, Sterling Heights, MI
*** 73rd Viennese Strauss Ball, Saturday, January 25, 2020 at Palazzo Grande, Shelby Township, MI
Further information on all events can be found on: http://www.austriansociety.org

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