27. März 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Udo Lindenberg macht im «Tatort» mit – Fall mit und von Furtwängler

Nach einem von «Tatort»-Schauspielerin Maria Furtwängler mitentwickelten Drehbuch ermittelt ihre populäre TV-Figur der Kommissarin Charlotte Lindholm bald in Hamburg. Einen Gastauftritt hat Rocksänger Udo Lindenberg – als er selbst.

ARCHIV – 02.07.2020, Hamburg: Udo Lindenberg, Musiker, erscheint bei der Premiere der Show «Paradiso» auf dem Roten Teppich. Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Nach einem von «Tatort»-Schauspielerin Maria Furtwängler (54) mitentwickelten Drehbuch ermittelt ihre populäre TV-Figur der Kommissarin Charlotte Lindholm bald in Hamburg. Einen Gastauftritt hat dabei auch Rocksänger Udo Lindenberg (74). Die Regie bei dem Krimi mit dem Arbeitstitel «Alles kommt zurück» führt Detlev Buck («Männerpension», «Knallhart»), wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Freitag mitteilte.

In dem Krimi, der voraussichtlich vom 9. April bis 10. Mai in Hamburg gedreht wird und Ende 2021 im Ersten laufen soll, reist Lindholm privat von Göttingen nach Hamburg, um sich heimlich mit einem Mann zu treffen. Doch der ist tot. War der Mörder einer der Udo-Lindenberg-Doppelgänger, die gerade wegen eines Castings das Hotel bevölkern? Lindholm ermittelt auf eigene Faust.

«Die Idee zum Drehbuch geht auf die musikalische Zusammenarbeit zwischen Furtwängler und Lindenberg zurück, gemeinsam haben sie 2018 den Song “Bist Du vom KGB?” aufgenommen», erläuterte der NDR. Nach dieser Solo-Ermittlung löse Lindholm den nächsten Fall wieder im Duett mit ihrer Göttinger Kollegin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba).

Der «Bild am Sonntag» hatte Furtwängler schon gesagt: «Udo Lindenberg spielt mit, Detlev Buck konnten wir als Regisseur gewinnen. Ich glaube, das wird ein sehr besonderer Film.» Charlotte mache einen kleinen Urlaub in Hamburg. «Die Stadt ist ja sozusagen gerade frei, weil Til Schweiger aktuell dort keinen “Tatort” dreht. Und Udo ist natürlich in

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Sport

Fan-Ausschluss befeuert Debatte um Tokio-Spiele

Der Ausschluss von Zuschauern aus dem Ausland trifft ins Herz der Sommerspiele von Tokio. Für Gastgeber Japan ist die Entscheidung «unvermeidlich». Doch die Diskussion um Olympia in Zeiten der Pandemie wird weitergehen.

Zwei Frauen gehen an einem «Betreten verboten»-Schild vorbei. Dahinter sind die Olympischen Ringe zu sehen. Bei den Sommerspielen in Tokio dürfen wegen der Corona-Pandemie keine ausländischen Fans nach Japan einreisen. Foto: dpa

Von Christian Hollmann
Tokio (dpa) – Japans Corona-Notbremse mit der Aussperrung von Fans und Athletenfamilien aus dem Ausland zwingt die Olympia-Macher von Tokio in eine neue Debatte um den Sinn der Sommerspiele. Neben Millionen-Einbußen bei den Ticket- und Tourismuseinnahmen und dem Herzschmerz der Sportler, die ohne ihre Liebsten anreisen sollen, droht den Tokio-Spielen das Schicksal als seelenloses TV-Sportfest. «Uns tut das sehr leid. Wir wissen, dass es ein großes Opfer für jeden ist», sagte IOC-Präsident Thomas Bach zum Beschluss der japanischen Gastgeber.

Eine erneute Verschiebung oder komplette Olympia-Absage wie zuletzt von vielen Japanern in Umfragen gewünscht, kommt für die Organisatoren aber nicht infrage. Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga betonte am Sonntag erneut, die Tokio-Spiele sollten «ein Beweis für den Sieg gegen das Coronavirus» werden. «Wir werden Mut und Hoffnung aus Japan in die Welt tragen», sagte der Regierungschef kurz vor der geplanten Aufhebung des Corona-Notstands im Großraum Tokio.

Zunächst aber schickte die Nachricht am Wochenende Schockwellen durch die olympische Welt. «Es ist ein trauriger Tag, auch wenn die Entscheidung, keine Zuschauer international zuzulassen, vernünftig ist», sagte der deutsche Athletensprecher Max Hartung im ZDF-«Sportstudio». «Die Trauer, der Frust und die Enttäuschung, die alle fühlen, deren Pläne ruiniert wurden, ist verständlich», schrieb die Geschäftsführerin des Olympischen Komitees der USA, Sarah Hirshland, in einem offenen Brief.

Organisationschefin Seiko Hashimoto versicherte indes, der Entschluss sei angesichts der weiter besorgniserregenden Corona-Lage in vielen Ländern und der Verbreitung neuer Virus-Varianten «unvermeidlich» gewesen. Ähnlich äußerten sich das Internationale Olympische Komitee, die Paralympics-Macher und der Deutsche Olympische Sportbund.

Ticketkäufer sollen eine Rückerstattung der Kosten für die Eintrittskarten erhalten. Die Zahl der bislang an Ausländer verkauften Tickets bezifferten die Organisatoren auf rund 600 000 für Olympia und 30 000 für die Paralympics.

Aus den Arenen ausgesperrt werden auch ausländische Gäste von Sponsoren. Freiwilligen Helfern aus dem Ausland könnte ebenfalls die Einreise verwehrt bleiben, wie japanische Medien berichteten. Vom Mega-Ereignis als Begegnungsstätte für Menschen aus aller Welt bleibt nicht viel übrig. «Wir fühlen mit ihnen, diese Situation tut mir leid. Ich hoffe, wir können auf ihr Verständnis zählen», rief IOC-Präsident Bach der Athletengemeinde und den Olympia-Fans zu.

Über die konkreten finanziellen Folgen des Verkaufsstopps und der zugesagten Rückerstattungen könne man noch keine Aussage treffen, sagte OK-Geschäftsführer Toshiro Muto. Kosten für bereits gebuchte Flüge und Hotels werden nicht von den Organisatoren übernommen.

Für das geplante Budget ist der Ausfall bei den Ticket-Einnahmen ein harter Schlag. Im Etat waren Einnahmen in Höhe von insgesamt 800 Millionen Dollar (rund 670 Millionen Euro) aus dem Ticketverkauf vorgesehen. Die Ausfälle werden vom japanischen Steuerzahler übernommen werden müssen. Hinzu kommen erhebliche Folgen für das Tourismus-Gewerbe, das auf viel Geld von Olympia-Gästen und die Werbewirkung gehofft hatte.

Noch unklar ist, ob zumindest einige japanische Zuschauer in die olympischen Arenen dürfen. Im Inland sind bisher knapp 4,5 Millionen Tickets abgesetzt worden. Diese Entscheidung soll im April fallen.

Bis dahin dürfte die Diskussion um die Sicherheit der Sommerspiele in Zeiten der Pandemie weitergehen. Nach den jüngsten Corona-Infektionen bei der Hallen-EM der Leichtathleten im polnischen Torun und dem Fecht-Weltcup in Budapest stellt sich die Frage, ob Olympia mit mehr als 11 000 Sportlern sowie hunderten Betreuern, Funktionären, Helfern und Journalisten zu einer neuen Corona-Welle in Japan führen könnte.

Auch wenn das Gastgeber-Land bislang relativ gut durch die Pandemie gekommen ist, halten sich wegen des schleppenden Impftempos in Japan die Ängste vor wieder rasant wachsenden Infektionszahlen. Unsicher ist, ob wie vom IOC erhofft, zumindest die meisten Athleten schon vor der Eröffnung am 23. Juli gegen das Virus geimpft sein werden. «Wir dürfen nicht unvorsichtig werden», mahnte Ministerpräsident Suga. Weitere Einschnitte in Tokios milliardenteure Olympia-Pläne könnten folgen.

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Feuilleton

Reste einer vorchristlichen Wehranlage auf der Loreley

Der Loreleyfelsen über dem Mittelrhein bei St. Goarshausen (Luftaufnahme mit einer Drohne).
Foto: Thomas Frey/dpa

St. Goarshausen (dpa) – Viele Besucher finden ihren Weg auf die weltberühmte Loreley – doch wohl kaum einer ahnt etwas von der einstigen vorchristlichen Wehranlage auf dem Felsplateau hoch über dem Rhein. Die mehr als 2500 Jahre alten Überreste seien nie sehr bekannt geworden – und dem geplanten Bau eines 700-Betten-Hotels kämen sie auch nicht in die Quere, sagt der Stellvertretende Landesarchäologe von Rheinland-Pfalz, Ulrich Himmelmann, der dpa.

Die Wehranlage befand sich vorne auf der Felsspitze. Das Hotel mit einem treppenförmigen fünfstöckigen Hauptgebäude, zehn zwei- bis vierstöckigen «Hotelvillen» sowie mit einstöckigen Bungalows soll dagegen weiter zurückgesetzt entstehen. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz fordert nun ein Moratorium bei dem Bauprojekt – die Dimensionen seien zu groß für den Welterbestatus des Oberen Mittelrheintals. Die Investoren verweisen jedoch auf eine naturnahe Einbettung ihrer Architektur in die Landschaft. Das Hotel mit begrünten Dächern solle Ende 2024 eröffnet werden.

Bereits ökologisch umgestaltet worden ist der rheinnahe Bereich des Loreley-Plateaus in den vergangenen Jahren. Zuvor hatte es hier laut Himmelmann überall archäologische Testgrabungen gegeben. «Aber man konnte sonst nichts mehr feststellen. Da ist schon alles umgewühlt worden», erklärt der promovierte Archäologe. Als Kulturgut geschützt sei auf der Loreley auch noch die Freilichtbühne.

Die Überreste der vorgeschichtlichen Wehranlage auf der Felsenspitze halten die Archäologen bewusst aus dem Fokus der Öffentlichkeit. «Schon viele Denkmäler sind durch Überbauung zerstört worden. Wir sind froh über jedes Denkmal, das geschützt im Boden bleibt», sagte Himmelmann.

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Gesundheit

Was schützt Schüler gegen Corona? Technik oder einfach Fenster auf

Blick durch das offen stehende Fenster in den Klassenraum einer Schule.      
Foto: Guido Kirchner/dpa

Von Michael Kirner
Berlin (dpa) – Seit Mitte März sind die meisten Schulen vieler Bundesländer wieder offen. Doch wie steht es mit der Infektionsgefahr? Sind mobile Luftreiniger eine Lösung oder reicht der altmodische Griff zum Fenster? Ein Faktencheck:

BEHAUPTUNG: In Klassenzimmern schützen mobile Luftfiltergeräte effizient gegen eine drohende Infektion mit Coronaviren.

BEWERTUNG: Forscher haben herausgefunden, dass Stoßlüften wesentlich wirksamer ist. Sie empfehlen mobile Luftreiniger nur im Ausnahmefall. Als Ergänzung und langfristige Lösung seien fest installierte Lüftungsanlagen in Schulen sinnvoll.

FAKTEN: Angesichts der Corona-Pandemie preisen zahlreiche Hersteller mobile Luftreiniger als ideale Lösung für öffentliche Räume an. Luftreiniger mit sogenannten Hepa-Filtern («High Efficient Particulate Air») sammeln Viruspartikel aus der hindurchströmenden Luft. In einigen Klassenzimmern sind die Geräte schon im Einsatz.

Wissenschaftler aber zeigen sich skeptisch: «Der Einsatz von mobilen Luftreinigern allein ist kein Ersatz für ausreichendes Lüften an Schulen», stellt die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) beim Umweltbundesamt (UBA) fest. «Mobile Luftreiniger wälzen die Raumluft lediglich um und ersetzen nicht die notwendige Zufuhr von Außenluft.» Der Kommission gehören mehr als 20 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

Um die Infektionsgefahr über Aerosole in der Luft zu verringern, ist regelmäßiges Stoßlüften über weit geöffnete Fenster das Maß aller Dinge, wie die Kommission erläutert. Denn erstens sei die Wirksamkeit mobiler Luftreinigungsgeräte bislang nicht eindeutig nachgewiesen. Zweitens beseitige die Technik nicht die in Klassenzimmern übliche Anreicherung von Kohlendioxid (CO2), das für Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sorgt.

«Lüften funktioniert nun mal am besten», sagte UBA-Präsident Dirk Messner der Deutschen Presse-Agentur. Viele Menschen hofften in der Corona-Pandemie zwar auf technische Lösungen, Luftreiniger könnten aber dazu verführen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. «Lüften ist die einfachste und wirksamste Maßnahme, um Viren aus der Luft in Klassenzimmern zu entfernen.»

Eine Untersuchung aus Hessen bestätigt diese These: In einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Wiesbadener Schule verglichen Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) die Wirkung von Luftfiltergeräten mit der von Lüften. Dafür wurden freigesetzte Aerosole per Ventilator im Raum verteilt. Ein grundlegendes Ergebnis: Die Öffnung aller Fenster für drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad senkte die Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent.

Mit vier mobilen Luftfiltergeräten sei hingegen erst nach etwa 30 Minuten eine um nur 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf den störenden Lärm der Geräte sowie die hohen Anschaffungskosten.

Sollten sich Fenster allerdings nicht ausreichend weit öffnen lassen und auch keine Zu- und Abluftanlagen eingebaut werden können, kämen Luftreiniger «als flankierende Maßnahme zur Minderung eines Infektionsrisikos» in Frage, erklären die Experten des Umweltbundesamtes. Dabei setzen sie jedoch weniger auf mobile als auf zentral oder in einzelnen Räumen fest installierte Geräte.

«Fest installierte Lüftungsanlagen sind auch nach der Corona-Pandemie noch von großem Nutzen», meint UBA-Präsident Messner. Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie nur geringe Geräusche und ließen sowohl die Menge an Krankheitserregern als auch an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen sinken. Außerdem seien fest installierte Anlagen aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes empfehlenswert.

Klar ist laut Umweltbundesamt aber, dass weder Stoßlüften noch Lüftungsgeräte eine Infektion komplett verhindern können – und die üblichen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus auch im Klassenzimmer erforderlich bleiben: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen

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Reise

Wie sich Mecklenburg-Vorpommern auf Urlaubsgäste vorbereite

„Mehr Sicherheit im Urlaubsland MV“ – unter diesem Motto Mecklenburg-Vorpommern wirbt um Vertrauen.
  Foto: dpa

Berlin (dpa) – Mit dem freiwilligen Siegel „Mehr Sicherheit im Urlaubsland MV“ startet Mecklenburg-Vorpommern in die Saison 2021. Nach der von der Corona-Pandemie geprägten Saison 2020 mit einem Fünftel weniger Übernachtungen solle das Siegel deutlich machen, was die Branche und jeder Betrieb konkret tun könne, damit sich die Gäste wieder wohlfühlten.
Das sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zum Auftakt der Internationalen Tourismusbörse ITB. Die weltgrößte Tourismusmesse fand in diesem Jahr digital statt und hieß „ITB Berlin NOW“. Sie richtete sich nur an Fachbesucher.

Mit Blick auf die Saison 2020 sagte Verbandspräsident Wolfgang Waldmüller: „Rein zahlenmäßig sind wir im Vergleich mit einem blauen Auge davongekommen, weil andere Bundesländer viel stärkere Rückgänge verzeichnen.“ Dennoch könnten diese Zahlen nicht über die Lage hinwegtäuschen. „Die Branche liegt am Boden, viele Unternehmer und Angestellte sind verzweifelt“, betonte Waldmüller. Alle Beteiligten in der Branche hofften, dass zu den Osterferien der Zeitpunkt für schrittweise Öffnungen gekommen sei.

Mecklenburg-Vorpommern präsentierte sich mit insgesamt 17 Partnern auf der ITB. Dabei standen Zukunftsthemen wie sicheres Reisen, Nachhaltigkeit, Gesundheitstourismus und Barrierefreiheit im Vordergrund. Diese sollen nun mit neun Beispielen in Szene gesetzt werden. Dies sind etwa die Mecklenburgische Kleinseenplatte mit den Gemeinden Mirow und Wesenberg, das Rote-Liste-Zentrum im Schweriner Zoo oder der geplante Königsweg als schwebende Besucherplattform im Nationalpark Jasmund.

Darüber hinaus standen im Mittelpunkt der ITB-Präsentation das Gutshaus Stellshagen im Klützer Winkel, das Kunstmuseum Ahrenshoop, Thalasso-Angebote im Seebad Warnemünde, Solarboote auf der Peene, der behindertengerechte Segler „Wappen von Ueckermünde“ sowie der Kur- und Heilwald in Heringsdorf auf Usedom.

In der Reiseanalyse 2021 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) war der bisherige Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern als beliebtestes Reiseland der Deutschen auf den zweiten Platz hinter Bayern zurückgefallen. Grund dafür sei, dass Bayern mehr freie Bettenkapazitäten anbieten konnte. „Dadurch konnte der Freistaat die überproportionale Nachfrage des vergangenen Sommers auffangen, von der ein erheblicher Anteil aus dem eigenen Bundesland kam“, hieß es vom Verband in Rostock. Bayern habe 2020 durchschnittlich 602.000 Schlafgelegenheiten angeboten, Mecklenburg-Vorpommern nur rund 244.000.

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Wenn Sekt neue Geschichten erzählt

Viele Verbraucher wollen mehr über Sekt und andere Schaumweine wissen – der Branche geht es gut. Foto: dpa

Mainz (dpa) – Beim prickelnden Genießen sind zwei Trends erkennbar, die sich wechselseitig verstärken: Es werden mehr Spezialitäten gewünscht. Und Verbraucher wollen die Geschichten hinter dem Sekt, Prosecco oder Champagner erfahren.

Nach einem coronabedingt schwierigen Jahr mit Schließungen in der Gastronomie erwarten die Sekt-Unternehmen jetzt wieder gute Umsätze. Momentan sei als deutlicher Trend erkennbar, dass die Verbraucher verstärkt an Schauwein-Spezialitäten interessiert seien.

Grundwein entscheidend über die Qualität
Das fängt schon bei den Angeboten am unteren Ende der weit gefassten Preisskala an. Deutscher Sekt ist aus Weinen hergestellt, der aus Trauben der deutschen Anbaugebiete stammt. Hingegen enthält „Sekt hergestellt in Deutschland“ meist Grundweine aus anderen Ländern. Dafür verwenden die Sekthäuser oft Weine aus Frankreich, Italien und Spanien. Bei der Marke Henkell ist es eine Cuvée aus vier Weinen inklusive Chardonnay. Jede Marke habe ihre eigene Cuvée.

Die große Mehrheit des in Deutschland verkauften Sekts kommt aus Stahltanks mit einem Fassungsvermögen von mehreren tausend Litern. Wenn die zweite Vergärung des Weins in solchen Fässern stattfindet, kann Schaumwein weitaus kostengünstiger hergestellt werden als im Verfahren der traditionellen Flaschengärung wie beim Champagner, beim spanischen Cava oder auch anspruchsvollen deutschen Winzersekten wie dem rheinhessischen Sekthaus Raumland oder Griesel von der Hessischen Bergstraße. Schon seine einfachsten Sekte lässt Raumland mindestens vier Jahre auf der Hefe reifen, statt der bei Mindestzeit von neun Monaten bei Flaschengärung. Bei Spitzensekten sind es mehr als zehn Jahre.

Am Ende entscheidet sich die Qualität eines Sektes über den Grundwein mit seinen regionalen Besonderheiten, erst an zweiter Stelle über die Herstellungsmethode. Von besonderer Bedeutung sei daher das Verhältnis zu den regionalen Winzer-Kellereien. Beim Prosecco – ein Schaumwein, leicht und frisch – gehe es vor allem darum, dass sich die fruchtigen Primäraromen der Traube optimal entfalten. Bei Schaumwein aus Flaschengärung kommen Sekundäraromen dazu, die sich vor allem aus langen Feinhefelagerung ergeben.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

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Streit um Trophäenjagd – Deutsche Jäger bringen 40 Giraffen ins Land

Deutsche Großwildjäger erlegen Eisbären, Löwen oder Giraffen, bringen die Felle, Zähne und andere Teile als Trophäe nach Hause. Für sie ist das nicht nur Hobby, sondern ein Beitrag zum Artenschutz. Naturschützer kritisieren die Jagdpraxis – und die Gesetzeslage.

ARCHIV – 03.02.2014, Nordrhein-Westfalen, Dortmund: Eine präparierte Giraffe steht in Dortmund auf einer Jagdmesse am Stand eines Präperators. Großwildjäger aus Deutschland haben im vergangenen Jahr Hunderte im Washingtoner Artenschutzübereinkommen gelistete Tiere als Trophäen mit nach Hause gebracht.

Von Sabine Dobel
München/Berlin (dpa) – Jäger aus Deutschland haben im vergangenen Jahr Hunderte im Washingtoner Artenschutzübereinkommen gelistete Tiere als Trophäen mit nach Hause gebracht. Aus Afrika, Kanada, Argentinien, den USA, Namibia, Tansania, Tadschikistan, Russland und der Mongolei führten sie 543 Jagdtrophäen ein, wie aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke hervorgeht.

«Es ist völlig absurd, während mehr und mehr Tierarten vor dem Aussterben stehen, werden weiterhin Teile geschützter Tiere als Jagdtrophäen nach Deutschland gebracht – ganz legal», sagte Lemke, die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen ist. «Die Zerstörung ihres Lebensraums, die Klimakrise, illegaler und auch legaler Handel bringen ganze Tier-Populationen unter Druck.»

Unter den Trophäen: 164 Zebras, 109 Paviane, acht Elefanten, 14 Löwen, drei Breitmaulnashörner, ein Eisbär – und 40 gerade erst im Washingtoner Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten freilebenden Tieren und Pflanzen (Cites) unter Schutz gestellte Giraffen. «Angesichts der dramatischen Situation beim Artenschwund muss die Bundesregierung handeln und die Praxis von Jagdtrophäen von geschützten Arten stoppen», verlangt Lemke.

«Die Deutschen sind die größten Großwildjäger nach den Amerikanern und Spaniern», sagte Daniela Freyer von Pro Wildlife. «Das hat mit der Jagdtradition des Landes zu tun, aber auch mit der Zahlungskraft.» Für die Einfuhr der Trophäen insbesondere von streng geschützten Arten prüft das Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf Antrag lediglich die rechtlichen Grundlagen. «Bei Vorliegen der Genehmigungsvoraussetzungen besteht kein Ermessen für die Entscheidung des BfN», sagte ein Mitarbeiter. Allerdings dürfen Trophäen streng geschützter Arten nicht kommerziell genutzt werden.

Just zum Valentinstag posierte eine Jägerin mit dem Herz einer getöteten Giraffe für die Kamera. Gegner werben bei Facebook dafür, sie wegen ihrer Posts mit toten Tieren aus dem sozialen Netzwerk zu bannen. Die Frau wiederum erläutert auf Facebook, die Trophäenjagd sei ein Instrument, bestimmte Arten vor dem Aussterben zu retten.

Das sieht unter bestimmten Bedingungen auch die Weltnaturschutzunion IUCN so – innerhalb derer das Thema allerdings umstritten ist. Es gebe in einer Reihe von Ländern Beispiele für Korruption, mangelnde Transparenz, übermäßige Quoten, illegale Jagd und schlechte Überwachung, heißt es in einem IUCN-Papier. Legale gut regulierte Trophäenjagdprogramme könnten aber eine wichtige Rolle spielen für den Schutz der Wildtiere und für den Lebensunterhalt der lokalen Bevölkerung.

Ähnlich argumentieren der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland und der Deutsche Jagdverband (DJV). «Wo die Jagd verboten ist, gehen die Bestände in den Keller», sagt ein Experte für Auslandsjagd beider Jagdverbände. «Der Bevölkerungsdruck in Afrika ist sehr groß. Viehhaltung ist eine der Haupteinkommensquellen. Wenn die Wildtiere keinen Wert haben, wird die Savanne umgestaltet in Weidefläche.» Wildtiere verlören den Lebensraum. «Wenn man Anreize schafft über die Jagd, dann ist die Motivation groß, die Tiere zu schützen.» Es gehöre auch zur Selbstbestimmung Einheimischer, Jagdrechte an zahlungskräftige Kunden zu geben. Die Jäger töteten zudem möglichst alte Tiere, die für den Arterhalt eine untergeordnete Rolle spielten.

Um des Prestiges Willen würden große und gesunde Tiere geschossen, sagt hingegen Freyer. Es dürfe auch nicht sein, dass in Kanada Eisbären – «Inbegriff für das Artensterben» – gejagt würden. Doch auch dies wird kontrovers gesehen. «Die Gefahr für die Bären liegt nicht in der traditionellen Jagd der Inuit. Das zeigen alle wissenschaftlichen Daten», schreibt die Artenschutz-Expertin der Umweltorganisation WWF Sybille Klenzendorf in einem Blog. «Die Bedrohung geht von der Klimakrise aus. Es rettet die Art nicht, wenn den Inuit ihr – übrigens völkerrechtlich verbrieftes – Recht auf Jagd genommen wird.» Teils verkaufen die Inuit dieses Recht, um dringend benötigte Einkünfte zu generieren – für erhebliche Beträge.

Im vergangenen Jahr etwa kostete laut Katalog eines Anbieters eine 14-tägigen Reise zur Eisbärenjagd in der schwer erreichbaren kanadischen Inuit-Region Nunavut 52 500 US-Dollar, inklusive Abschuss eines Bären. Eine dreiwöchige Löwenjagd in Afrika wiederum sollte mit knapp 80 000 US-Dollar pro Teilnehmer zu Buche schlagen, mit Vollverpflegung und täglichem Wäschedienst.

Wie viel Geld aus Trophäenjagd wirklich bei Einheimischen ankommt, ist umstritten – und vermutlich von Land zu Land unterschiedlich. Auch bei der IUCN gibt es verschiedene Angaben. Laut einem IUCN-Papier fließen in Entwicklungsländern im Schnitt 50 bis 90 Prozent der Nettoeinnahmen abzüglich der Kosten der Reiseanbieter an lokale Grundeigentümer; der Rest geht an staatliche Behörden. In einem anderen IUCN-Papier ist Rede davon, dass der ökonomische Effekt gering bleibe.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Trophäenjagd – trophy hunting
Beitrag – contribution
Artenschutz – protection of endangered species
Gesetzeslage – legal position
grünen Bundestagsabgeordneten – Green Party member of Parliament
Zerstörung – destruction
Lebensraums – habitat
Breitmaulnashörner – wide-mouthed rhinoceroses
Übereinkommen – agreements
gefährdeten – endangered
freilebenden – living in the wild
angesichts – in view of
Artenschwund – extinction of the species
verlangt – demands
Zahlungskraft – ability to pay
Einfuhr – importation
Antrag – application
lediglich – solely
rechtlichen – legal
Grundlagen – foundations
Vorliegen – existence
Genehmigungsvoraussetzungen – permit prerequisites
Ermessen – discretion
werben – campaign
retten – save
Bedingungen – terms and conditions
umstritten – controversial
Bestände – stock
Bevölkerungsdruck – population pressure
Viehhaltung – raising livestock
umgestaltet – repurposed
Weidefläche – pastureland
Anreize – incentives
Selbstbestimmung – self-determination
Einheimischer – natives
Arterhalt – survival of the species
untergeordnete Rolle – secondary role
Bedrohung – threat
völkerrechtlich – international law
verbrieftes – documented
Einkünfte – income
Abschuss – killing
Vollverpflegung – (accommodations and) full board

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*