28. Dezember 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Das waren die Zehnerjahre

Der Massentourismus auf Mallorca hinterlässt viel Müll, Zwischen Terrorangst und Tinder: Die Jahre 2010 bis 2019 waren ein widersprüchliches Jahrzehnt.

ARCHIV – 15.07.2014, Berlin: Bastian Schweinsteiger aus Deutschland jubelt mit dem WM-Pokal auf der Fanmeile nach dem Sieg im Finale der Fußball-WM 2014 in Brasilien zwischen Deutschland und Argentinien. Foto: dpa

Von Gregor Tholl
Berlin (dpa) – Handys waren nur etwas für Angeber und groß wie ein Ziegelstein, ins Internet kam man nur piepsend und krächzend per Modem – das waren die 90er. In den Nullerjahren brachen die WLAN-Zeiten an, das Smartphone kam auf. Und nun sind auch schon die Zehnerjahre vorbei, in denen iPhone, iPad, AirPods, Emojis, Selfiestangen, Sprachnachrichten, Instagram, Snapchat, Spotify, Whatsapp und Sprachassistenten wie Alexa einen Siegeszug antraten. Das neue digitale Leben – inklusive verspanntem Handy-Nacken und Haltungsschäden.

Die Zehnerjahre, das war auch das Jahrzehnt eines langen Konjunkturhochs zumindest in Deutschland, andererseits aber auch eine Dekade, die geprägt war von Terrorangst mit Anschlägen etwa in Paris und Nizza und auf den Weihnachtsmarkt in Berlin.

Prägende Erfahrung und viel Stoff für Streit und Hetze in Europa war die sogenannte Flüchtlingskrise, die nicht zuletzt wegen des verheerenden Krieges in Syrien entstand.

Während die sogenannten Nullerjahre mit dem 11. September 2001 und den Terroranschlägen in den USA recht eindeutig zu Beginn einen prägenden Tag hatten, kommen bei den Zehnerjahren mehrere epochemachende Daten infrage.

Da wären zum Beispiel der 11. März 2011, als in Japan ein gewaltiges Erdbeben einen tödlichen Tsunami auslöste sowie der 4. September 2015, als zunächst hunderte Flüchtlinge mit Erlaubnis der Bundeskanzlerin aus Ungarn nach Deutschland kamen. Außerdem der 23. Juni 2016 als Tag des Brexit-Votums oder der 9. November 2016, als nachts überraschend der Immobilien- und TV-Promi Donald Trump als Sieger der US-Präsidentenwahl feststand.

Im Jahr 2014 war die Euphorie groß, als Deutschland im Endspiel gegen Argentinien Fußballweltmeister wurde – zwei Turniere nach dem «Sommermärchen» von 2006. Den Gastgeber Brasilien hatte die Elf zuvor mit einem sensationellen 7:1 aus dem Turnier gekickt. 2018 war die Schmach dann umso größer, als Deutschland bei der Fußball-WM in Russland schon in der Vorrunde ausschied.

Im Fernsehen gilt als Sieger des Jahrzehnts ein alter Bekannter: der Sonntagskrimi «Tatort», der in ungeahnte Quotenhöhen stieg. Daneben stiegen weltweit im Ansehen US-Serien, die als das neue Erzählmedium schlechthin gelten. Streaming-Dienste wie Netflix wurden wichtiger. Das sogenannte Binge-Watching (Komagucken vieler Folgen am Stück) breitete sich aus. Liveshows zogen dagegen weniger. Das ZDF stellte 2014 nach 33 Jahren den Samstagabend-Klassiker «Wetten, dass..?» ein.

Beim Essen und Trinken wurden die Leute immer wählerischer. Milch, Laktose, Gluten, Fleisch, Zucker, Alkohol – alles bei vielen hoch umstritten. Einerseits wurde viel über vegetarische Ernährung oder komplett tierproduktfreien Veganismus geschrieben und gesprochen, andererseits boomten Burger-Lokale und aufwendige Grillgeräte für den Garten und Balkon. Kombiniert wurden die beiden widersprüchlichen Trends in veganen Burger-Patties, die 2019 zum Hype wurden. Jahrelang beschäftigte auch das Küchengerät Thermomix die Gemüter, das wiegen, kochen, garen, Teig kneten oder auch Eis machen kann.

Bei Getränken wurde Craft Beer wie zum Beispiel IPA (Indian Pale Ale) zum Trend, auch alkoholfreies Bier und Naturradler löschten den Durst, in Bars wurde gern Gin Tonic bestellt. Bei den Heißgetränken wurde Matcha bei manchem zum Latte-Macchiato-Ersatz.

Und in den eigenen vier Wänden zelebrierten viele den «Hygge»-Trend (Sehnsucht nach Komfort und Geborgenheit). Die Autorin Marie Kondo half beim Aufräumen – in ihren Büchern führt der Weg zum Glück über ein ordentliches Zuhause. Wer verreiste, buchte seine Unterkunft womöglich beim Internet-Marktplatz Airbnb und schlief in Privatwohnungen statt Hotels. Beim Urlaub boomten außerdem einerseits Dreck machende Kreuzfahrtschiffe und kurze Städtetrips per Flugzeug, andererseits machte angesichts von Klimaaktivismus und Greta Thunberg das Wort von der «Flugscham» die Runde. Auch Wandern wurde zum Hype.

Gesundheit war ein Megathema. Fast jeder schien plötzlich einen Fitness-Tracker zu tragen, um Puls, Schlaf oder gelaufene Stockwerke zu kontrollieren. Das Rauchen wurde immer uncooler, auf den Zigarettenpackungen tauchten ekelige Bilder zur Abschreckung auf, mancher stieg aufs Dampfen oder E-Zigaretten um. Für saubere Luft und gegen zu langsame Maßnahmen gegen den Klimawandel demonstrierten viele Jüngere bei den «Fridays for future».

Und wie klangen die Zehnerjahre? «Atemlos». Der Hit von Helene Fischer war wohl der Ohrwurm des Jahrzehnts. Der Schlager boomte, Hip-Hop und Rap aber auch. Lena gewann zum Auftakt des Jahrzehnts den Eurovision Song Contest für Deutschland, danach aber war Deutschland meistens Loser bei der europäischen Musikshow.

Fast überall war eine Zeit lang das trendige Fabelwesen Einhorn zu sehen – auf Kindergeburtstagen, Popfestivals, Anti-Nazi-Demos, Pullis, Jutebeuteln. Der kindische Modetrend hatte etwas mit Ironie und Realitätsflucht zu tun: Einhörner stehen für Friede und Freude.

Modisch kamen T-Shirts mit Slogan zurück und Knöchel erlebten als neues Dekolleté an hochgekrempelten Hosen ihre Entdeckung. Der neue Menschentypus Hipster war ein Phänomen. Viele Großstadtmänner zeigten sich gern mit einem Bart als besonders unweiblich. Andererseits wurden Geschlechter immer fluider, wie zum Beispiel Conchita Wurst als bärtige Dragqueen zeigte. Gesellschaftspolitisch schaffte es auch Deutschland, die Heteronormativität zu durchbrechen und die Ehe für alle – also auch Lesben und Schwule – einzuführen.

Das Smartphone-Spiel «Pokemon Go» mit virtueller Monsterjagd in realer Umgebung war angesagt, ebenso wie die Klugscheißer-App «Quizduell». Zur Partnersuche oder einfach nur für Sexdates setzten sich mobile Dating-Apps durch. Bei Tinder sortiert man Flirt-Vorschläge nach Attraktivität. Jemand uninteressant? Foto nach links verschieben! Jemand sexy? Foto nach rechts wischen! So einfach schien das zu sein.

Mal sehen, wie attraktiv die 2020er Jahre werden.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

widersprüchliches – contradictory
Angeber – show-offs
Ziegelstein – bricks
Sprachnachrichten – voice mail
Siegeszug antraten – lined up in a victory parade
verspanntem – braced
Handy-Nacken – Handy-hunched neck
Haltungsschäden – bad posture
Kunjunkturhoch – economic peak
geprägt – stamped
Anschlägen – attacks
Hetze – agitation
Flüchtlingskrise – refugee crisis
verheerenden – devastating
epochemachende – epoch-making
gewältige Erdbeben – powerful earthquake
Votum – vote
Schmach – ignominy
ausschied – exited
ungeahnte – unforeseen
Ansehen – viewership
schlechthin gelten – clearly prevailed
einstellte – cancelled
umstritten – contentious
aufwendige – complex
widersprüchlichen – conflicting
Küchengerät – kitchen appliance
Gemüter – …caused a stir
Teig kneten – knead dough
Ersatz – substitute
Sehnsucht nach – longing for
Geborgenheit – security
Dreck machende – polluting
Kreuzfahrtschiffe – cruise ships
Flugscham – flying shame
ekelige – disgusting
Abschreckung – shock effect
Maßnahmen – measures, actions
Atemlos – breathless
Schlager – European love & romance-focused pop music
Auftakt – started off
Fabelwesen – fantasy creature
angesagt – hot trend
wischen – swipe

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Löw: Kein Druck auf Sané und Süle –
Vorfreude auf «riesige Aufgaben»

Joachim Löw hat seine Position im Jahr des Umbruchs wieder gefestigt. «2018 ist abgehakt», verkündet der Bundestrainer. Bei der EM erwartet er «das ganze Land» wieder hinter der Nationalelf. Vorab verrät er seine Wünsche und die Pläne mit Sané, Süle, Rüdiger und Hummels.

ARCHIV – 08.06.2019, Fußball: EM-Qualifikation, Weißrussland – Deutschland, Gruppenphase, Gruppe C, 3. Spieltag in der Borissow-Arena. Leroy Sane (r) von Deutschland jubelt über sein Tor zum 0:1 mit seinem Teamkollegen Niklas Süle Foto: dpa

Von Klaus Bergmann und Arne Richter
München (dpa) – Auf dem Wunschzettel von Bundestrainer Joachim Löw für das bevorstehende EM-Jahr steht aus nachvollziehbaren Gründen ein Ansinnen an vorderster Stelle: bitte keine weiteren Verletzten! «Ich wünsche mir, dass zu den Länderspielen im März alle Spieler gesund sind, die die Qualität haben, um bei einer EM für Deutschland zu spielen», sagt der 59 Jahre alte Löw zum Jahreswechsel im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Auf zwei verletzte Hoffnungsträger will er notfalls auch über das Frühjahr hinaus warten. Denn ein Zeitlimit für die am 12. Juni beginnende EM-Endrunde mit drei Gruppenspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in München setzt Löw den schwer am Knie verletzten Leistungsträgern Leroy Sané (23) und Niklas Süle (24) für eine Nominierung nicht. «Bei so schweren Verletzungen bin ich sehr zurückhaltend. Da lasse ich alles offen», erklärt Löw.

Manchester Citys Angreifer Sané hatte sich im August das Kreuzband gerissen, der von Löw in diesem Jahr zum Abwehrchef aufgebaute Bayern-Profi Süle zwei Monate später. Der Comeback-Zeitpunkt hängt bei beiden vom Heilungsprozess und dem Reha-Verlauf ab. «Manche Spieler verkraften so etwas gut und sind nach sechs, sieben Monaten wieder voll belastbar. Aber ein Turnier bringt viele Hürden mit sich. Es kann lang und schwierig werden», mahnt Löw zur Geduld. «Wer so eine schwere Verletzung hatte, muss das nicht nur physisch, sondern auch mental gut verarbeiten. Da muss man jedem Einzelnen die nötige Zeit geben.»

Süles Ausfall hat die Abwehr zur zentralen Problemzone gemacht. Im Frühjahr hatte Löw die 2014-Weltmeister Jérôme Boateng und Mats Hummels ausgemustert. Zwangsläufig wird wegen des EM-Fragezeichens hinter Süle über ein Comeback des erfahrenen Hummels (31) spekuliert. Löw schließt das sechs Monate vor dem Turnier nicht aus: «Wir müssen das nicht heute entscheiden.» Aber für ihn bleibt Hummels eine Notfallvariante: «Wir haben gute Optionen, auch in der Abwehr.»

Der Bundestrainer hofft zunächst auf eine dauerhafte Rückkehr von Chelsea-Verteidiger Antonio Rüdiger, der in diesem Jahr nur eines von zehn Länderspielen bestreiten konnte. «Ich hoffe, dass er jetzt mal von Verletzungen verschont bleibt.» Zudem bescheinigt Löw dem Gladbacher Matthias Ginter, der schon 2014 dem Weltmeister-Kader in Brasilien angehörte, eine «sehr gute» Entwicklung.

Der DFB-Chefcoach will den jungen Spielern weiter Vertrauen schenken, so wie er es bei der Weltmeister-Generation von 2014 um Hummels und Boateng auch tat. «Davon haben vor Jahren doch genau auch die Spieler profitiert, die dann in Rio Leistungsträger waren und den Titel geholt haben. Auch sie haben Zeit gebraucht, auch sie mussten sich erst auf das höchste Level entwickeln», erläutert Löw.

Im Jahr nach der desaströsen Weltmeisterschaft in Russland, die mit einem historischen Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft endete, hat der Langzeit-Bundestrainer auch die eigene Position stärken können. Der Umbruch ist im Fluss, die EM-Qualifikation glückte am Ende als Gruppensieger vor Holland «souverän», wie Löw selbst urteilt.

Zum Favoritenkreis für die EM mag er die im Neuaufbau befindliche Nationalmannschaft freilich nicht zählen. «Da sind andere Nationen weiter als wir.» Ein weiteres Turnierdebakel befürchtet er zugleich nicht. Daran denke er «im Moment überhaupt nicht. 2018 ist abgehakt.»

Löw geht die EM-Herausforderung positiv an, auch wenn Deutschland bei der Auslosung Anfang des Monats in Bukarest die stärkste Gruppe mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal erwischte. «Das sind Fußball-Highlights», sagt er zum Kräftemessen mit Topstars wie Kylian Mbappé oder Cristiano Ronaldo: «Da warten riesige Aufgaben.»

Löw setzt auf den Heimvorteil. Und auf die Fans in München. «Dann steht das ganze Land hinter der Nationalmannschaft», glaubt er. Für problematisch hält Löw die lange Winterpause der Nationalelf von fast vier Monaten. Zumal sich wegen der Verletzungsmisere in der ersten Saisonhälfte kein «Kern» einspielen konnte. «Das müssen wir nun im nächsten Jahr schaffen», sagt Löw vorausschauend.

«Es wäre für mich als Trainer natürlich wünschenswert, wenn wir im Vierwochen-Rhythmus weiterspielen würden, also im Januar und Februar jeweils zwei Länderspiele hätten. Die lange Winterpause bedeutet für mich einen Schritt zurück. Wir müssen uns wieder neu sortieren, neu beginnen», hadert Löw. Loslegen kann der Bundestrainer im EM-Jahr erst spät: Am 26. März geht’s in Madrid gegen Spanien. Fünf Tage später ist Italien in Nürnberg der zweite EM-Prüfstein. «Das sind Spiele, die wir jetzt brauchen», sagte Löw nach der Auslosung.

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Feuilleton

Beethoven-Ausstellung zum 250. Geburtstag in Bundeskunsthalle

Das Gemälde “Ludwig van Beethoven von Joseph Stieler hängt hinter Glas. Die Ausstellung “Beethoven-Welt.Bürger.Musik” ist bis 26. April 2020 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Foto: Oliver Berg/dpa

Bonn (dpa) – Zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven im nächsten Jahr stellt die Bundeskunsthalle sein Leben und Werk in einer großen Ausstellung vor. Die kulturhistorische Präsentation folgt den wichtigen Lebensstationen des in Bonn geborenen Komponisten (1770-1827). Gezeigt werden mehr als 250 wertvolle Handschriften, Notenblätter, Gemälde und Musikinstrumente von europäischen Leihgebern sowie aus dem Bonner Beethoven-Haus. Vorgestellt wird der Mensch Beethoven. Er komponierte große Werke, etwa die berühmte 9. Sinfonie. Die Ausstellung «Beethoven – Welt.Bürger.Musik» dauert bis 26. April 2020. Highlight-Exponate sind Skizzen zur «Ode an die Freude» aus der 9. Sinfonie und die Kopistenabschrift der 3. Sinfonie «Eroica». Gezeigt wird auch das handschriftliche Heiligenstädter Testament von 1802, in dem Beethoven völlig verzweifelt von seiner Schwerhörigkeit berichtet. Erstmals würden solche Exponate in dieser Fülle präsentiert, erklärte die Bundeskunsthalle, «eine Gelegenheit, die sich auf absehbare Zeit wohl nicht wieder ergeben wird». Das Beethoven-Jubiläumsjahr wurde am 16. Dezember in Bonn eröffnet und endet ein Jahr später am 17. Dezember 2020, dem 250. Geburtstag.

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Gesundheit

Umstrittener Insektenkiller Chlorpyrifos wird in der EU verboten

Das Pestizid Chlorpyrifos ist auf der Schale von Zitrusfrüchten zu finden. Foto: dpa

Brüssel (dpa) – Wegen Gesundheitsrisiken wird ein intensiv genutztes Pflanzenschutzmittel ab Ende Januar 2020 in Europa verboten. Der Insektenkiller Chlorpyrifos ist zwar in Deutschland nicht mehr auf dem Markt, wurde aber immer wieder auf importierten Orangen, Mandarinen und Grapefruits nachgewiesen. Die EU-Staaten billigten nun mehrheitlich den Vorschlag, das Mittel nicht mehr zuzulassen. Es soll Schädlinge in der Landwirtschaft bekämpfen, steht jedoch im Verdacht, Erbgut und Nerven bei Kindern zu schädigen. Deutschland stimmte im zuständigen Expertengremium für das Verbot. In der Bundesrepublik sind nach offiziellen Angaben seit 2013 keine Produkte mit dem Wirkstoff mehr zugelassen. Verboten wird auch die Variante Chlorpyrifos-Methyl, wie die EU-Kommission bestätigte. Hintergrund sind Bewertungen der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa, die mögliche Risiken für die menschliche Gesundheit bestätigt hatte.

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Reise

Venedig der Natur?

Wie Island den Tourismus bändigt

Touristen machen an der südisländischen Gletscherlagune Jökulsárlón Fotos vom See und den darin schwimmenden Eisbergen. Foto: dpa

Von Steffen Trumpf
Reykjavik (dpa) – Popstar Justin Bieber war letztens hier, vor Jahren auch mal Angelina Jolie, davor wurde für «James Bond» gedreht. Nun inspiziert das chinesische Paar Zhongda He und Nannan Li die isländische Gletscherlagune Jökulsárlón. Die zwei kommen aus Peking und Shanghai. Sie schippern mit einem Amphibienfahrzeug über das eiskalte Wasser. Mit anderen Touristen treiben sie an meterhohen Eisbergen vorbei, die vor ein paar Tagen von dem riesigen Gletscher am Horizont, dem Vatnajökull, abgebrochen sind. Li starrt gebannt durchs Fernglas auf die Eismonster. He ist erstmal sprachlos. Dann sagt er leise: «Das ist großartig.»

Wie dem chinesischen Paar geht es vielen Island-Urlaubern. Die Vorfreude auf Geysire, Wasserfälle und Gletscher hat sie zum Abenteuerurlaub in den hohen Norden gezogen. Naturspektakel pur!

Islands Popularität bei Reisenden ist in den vergangenen Jahren durch die Decke gegangen. Dabei spielte ein Ereignis eine Rolle, das anfangs eher negative Gefühle auslöste: der dramatische Ausbruch des Vulkans am Gletscher Eyjafjallajökull 2010 und dessen Aschewolken. Er legte über Wochen den internationalen Flugverkehr lahm und machte die Nordatlantikinsel weit über die Grenzen Skandinaviens hinaus bekannt.

Seither ist die Zahl der Touristen explodiert: 2010 waren knapp 489 000 Menschen nach Island gereist. 2018 kamen 2,34 Millionen. Das entspricht nahezu einer Verfünffachung in nur acht Jahren.

EIN KLEINES WIKINGER-VÖLKCHEN

2,34 Millionen Reisende klingt im Vergleich zu anderen Ländern nicht gigantisch – zumal das Land in etwa die Größe des gesamten Osten Deutschlands hat. Aber die Zahl bedeutet: mehr als das Sechsfache der Bevölkerung Islands. Auf der Insel leben rund 350 000 Menschen – und damit lediglich etwas mehr als zum Beispiel in Bielefeld.

Was macht das mit dem kleinen Wikinger-Völkchen? Gudny Valberg hat den Boom zunächst einmal für sich genutzt. Ein Foto ihrer Farm, die sie mit ihrem Mann Ólafur Eggertsson betreibt, prangte einst auf den Titelseiten internationaler Zeitungen, als der Eyjafjallajökull direkt hinter dem Hof Asche spuckte.

«Als das hier passiert ist, war das die vielleicht größte Werbung für Island», erinnert sich Valberg. Die Reisenden kamen. Die Familie eröffnete ein Besucherzentrum am Fuße des Gletschers.

Irgendwann ist es zu viel geworden. Das Paar machte das Zentrum Anfang 2018 dicht. Mehrere der Kinder, die geholfen hatten, waren weggezogen. Die Eltern alleine konnten die Informationsgier der Urlauber – neben ihrer Arbeit auf dem Bauernhof – nicht mehr stillen.

Ein Vulkanausbruch als Touristenmagnet: In der Hauptstadt Reykjavik rund 140 Kilometer nordwestlich vom Eyjafjallajökull sieht es die Direktorin der Tourismusbehörde Visit Iceland, Inga Hlín Pálsdóttir, ähnlich: «Plötzlich haben die Leute realisiert, dass da eine Insel mitten im Atlantik ist», sagt sie. Vorher hätten die meisten nicht einmal gewusst, wo sie Island auf der Weltkarte verorten sollten. Nun merken sie, dass eine Reise dorthin gar nicht so lange dauert – von Berlin aus benötigt der Flieger dreieinhalb Stunden, also nur etwa 45 Minuten länger als nach Mallorca.

Hinzu kommt, dass das Auftreten der fröhlichen Isländer bei der Fußball-EM 2016 und der Weltmeisterschaft 2018 dem Land ein Gesicht gab.

Die Mengen strömen mittlerweile aus aller Welt heran. Gerade boomt das Land in China und Indien, aber auch in Russland. Ein großer Busunternehmer auf den Färöer-Inseln verschifft seine Busse nach Island, weil dort das Geschäft so gut läuft. Aus Deutschland kamen einst höchstens ein paar Abenteuerlustige, die sich von Geschichten über Elfen inspirieren ließen. Ihre Zahl ist zwischen 2010 und 2018 von rund 54 000 auf etwa 140 000 gestiegen.

AUF DEN SPUREN VON ANGELINA JOLIE
Und noch etwas lockt die Touristen: Filme, Serien und Musikvideos. Ben Stiller spazierte in «Das erstaunliche Leben des Walter Mitty» durch Stykkishólmur und andere isländische Orte. Szenen von «Game of Thrones» wurden auf Island gedreht, genauso wie Teile von «James Bond – Stirb an einem anderen Tag» und «Star Wars – Rogue One». Angelina Jolie fuhr als Lara Croft in «Tomb Raider» über den Jökulsárlón. Dort verweist die chinesische Touristin Nannan Li bei den Gründen ihrer Reise darauf, dass sie Teile Islands bei «Game of Thrones» gesehen habe. Kurzum: Island ist fotogen – gerade auch für Hollywood.

Damit stellt sich die Frage, ob die Popularität mit Island machen wird, was sich etwa auf dem Markusplatz in Venedig, der Ramblas-Flaniermeile in Barcelona und dem Nyhavn in Kopenhagen beobachten lässt: Die Touristen kommen in Scharen – und manche Einheimische fühlen sich an den Rand gedrängt. Solche Gefühle kennen auch Menschen in Berlin und München.

Manche Isländer sind in den Sommermonaten jedenfalls genervt. In einem Café in Reykjavik sagt einer, der Tourismus habe das Land nach der Finanzkrise 2008 zwar vor der Rezession gerettet. Nun brauche man das Geld der Touristen aber nicht mehr. «Es ist genug Geld da.»

Gerade am unüberlegten Handeln vieler Reisender auf den Straßen und in der Natur – manche fahren sich im Flussbett fest, andere gehen für das perfekte Selfie über Absperrungen bedrohlich dicht an Klippen oder Geysire heran – stört man sich. Auf Facebook hat sich eine eigene Gruppe formiert, die Missgeschicke von Touristen dokumentiert.

Um Unkundige auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen, hat Visit Iceland eine Art Reisegelübde ins Leben gerufen: Online können Island-Besucher versprechen, verantwortungsbewusste Touristen zu sein. «Ich werde zum Sterben schöne Fotos machen, ohne für sie zu sterben», heißt es zum Beispiel in Regel drei von acht. Sprich: Für das Selfie bleibt man gewissenhaft hinter dem Zaun.

Morgens um halb 10 ist der Parkplatz vom Reynisfjara, dem schwarzen und im Star-Wars-Film «Rogue One» zu sehenden Strand bei Vik, bereits bis auf den letzten Platz gefüllt. Leute in bunten Outdoor-Jacken tummeln sich vor einer Gesteinsformation auf dem Sand, der tatsächlich pechschwarz ist. Eine junge Japanerin kriegt beim Fotografieren des Meeres gerade noch die Kurve, um sich rechtzeitig vor einer hohen Welle in Sicherheit zu bringen.

Ein Chinese ist hier 2018 vom Wasser ins Meer gezogen worden und gestorben.

Am Wasserfall Skogafoss ist der Parkplatz an diesem Vormittag ebenfalls randvoll: sieben Busse, ein gutes Dutzend Wohnmobile, zudem Mietwagen. Nebenan stehen ein Hotel und ein Hostel. Restaurants bieten Suppe und Lachs zu üppigen Preisen an.

Das gleiche Bild wiederholt sich an den weiteren Naturspektakeln: gelbe, rote, blaue Outdoor-Jacken am spektakulären Wasserfall Gullfoss, gelbe, rote, blaue Outdoor-Jacken am Großen Geysir, der allen weiteren Wasserfontänen dieser Art auf der Welt seinen Namen gegeben hat. Während der Geysir so gut wie nie ausbricht, tut dies sein kleinerer Bruder Strokkur gleich nebenan alle fünf bis acht Minuten. Dutzende Reisende halten ihre Kameras und Smartphones minutenlang in Richtung des Lochs, aus dem gleich Wasser knapp 30 Meter in die Höhe schießen wird. Nur ein Moment Unaufmerksamkeit – und das Schauspiel ist verpasst.


Während sich die Touristen auf der Westseite des Strokkurs aufstellen, beobachtet eine junge Polin das Treiben von der anderen, ruhigeren Seite des Geysirs. Sie ist auf einem Tagesausflug auf dem Golden Circle, dem Goldenen Ring, zu dem auch Geysir und Gullfoss gehören. «Tja, was soll man machen?», sagt die 21-Jährige zu den Menschenmengen. «Man kann solche Sachen in Island einfach nur mit all den anderen gemeinsam genießen.» Sie überlegt kurz, dann ergänzt sie: «Und vielleicht irgendetwas on top finden, wo weniger los ist.»

In der Tat klumpt es sich vor allem im Süden. Die Ringstraße, die das Land umrundet, hat in diesem Gebiet Spuren davongetragen. An vielen Stellen wird der Asphalt nachgebessert. Und die Isländer erleben, was sie bis dato kaum kannten: umferdarhnútur – Stau. Wenn man in einem steht, sieht man am Steuer der anderen Autos derzeit häufig hippe Mädels um die 20 mit coolen Mützen auf dem Kopf. Letztens musste ein Canyon vorübergehend geschlossen werden, weil er nach einem Besuch von Justin Bieber urplötzlich zum Touristenmekka geworden war.

«ES IST GENUG PLATZ DA»
Der Journalist und Autor eines Island-Buchs Thilo Mischke versucht, mindestens einmal pro Jahr auf die Insel zu kommen. Er berichtet: «Island wird jedes Jahr voller. Aber es ist genug Platz da.» Überlaufen sei vor allem der Goldene Ring. Sobald man diesen aber verlasse, stünden sich die Menschen nicht mehr auf den Füßen.

Und genau das ist es, womit Island seinen Tourismus in eine nachhaltige, stabile Zukunft führen will: bisher eher vernachlässigte Regionen bewerben und die Nebensaison außerhalb der relativ warmen Sommermonate Juni bis August attraktiver machen.

Während im Juli maximal rund 90 000 Reisende nach Island gekommen sind, waren es im Winter bislang nur 30 000, wie Pálsdóttir, die Visit-Iceland-Direktorin, vorrechnet. Dabei habe sich das Verhältnis zwischen Haupt- und Nebensaison schon deutlich verbessert. Das größte Wachstum sei in der Nebensaison verzeichnet worden. Ein Fokus werde nun darauf gelegt, andere Regionen zu fördern, denn der Großteil der Island-Gäste reise eben vor allem nach Reykjavik, in den Süden und auf den Goldenen Ring – «unseren Eiffelturm», wie Pálsdóttir sagt. Entscheidend sei, ein nachhaltiges Reiseziel zu sein. «Wir fokussieren uns deshalb auch darauf, dass alles, was wir tun, etwas ist, mit dem die Isländer zufrieden sind.»

Besonders wichtig ist den Einheimischen auch ein Schutzfonds für touristisch genutzte Sehenswürdigkeiten. Daraus können Gelder beantragt werden, um Wege, Toiletten und andere Infrastruktur entstehen zu lassen. Ziel sei der Schutz der Natur, sagt Pálsdóttir. Die Regierung prüft zudem die Einflüsse des Tourismus auf Wirtschaft, Infrastruktur und Soziales, um rechtzeitig zu erkennen, ob es irgendwo hakt. «Die ersten Ergebnisse zeigen, dass wir das Limit noch nicht erreicht haben», sagt Pálsdóttir.

Reykjavik mit dem nahen internationalen Flughafen Keflavik bleibt dabei das zentrale Tor auf die Insel. Nahezu alle Reisenden – bis zu 96 Prozent – besuchen während ihres Urlaubs die Hauptstadt. «Das ist sowohl eine gute als auch eine schlechte Sache», sagt die Leiterin des lokalen Touristenamtes Visit Reykjavik, Karen María Jónsdóttir.

Als sie beschreibt, was der Boom mit ihrer Stadt gemacht hat, schweift sie in ihre Kindheit ab. «Ich erinnere mich daran, wie ich einst zur Schule gegangen bin und niemand auf den Straßen in Reykjaviks Zentrum unterwegs war», sagt sie. Mittlerweile ist nicht nur der Laugavegur, die zentrale Einkaufsstraße, prall gefüllt, sondern auch andere Viertel der Stadt.

Reykjaviks Zauberwort heißt Regulierung: Große Busse wurden auf Wunsch der Anwohner aus dem Stadtkern verbannt. Es wurden viele dringend benötigte Hotels gebaut, die sich laut Jónsdóttir über die Stadt verteilen. Wer Airbnb-Zimmer vermietet, darf das an maximal 90 Tagen im Jahr tun. Es wurde darauf geachtet, dass in manchen Straßen nicht zu viele Restaurants und Kneipen entstanden und sich die Anwohner gestört fühlen. Museen, Kunstgalerien und Bars liegen nicht nur im Zentrum, sondern auch in anderen Gebieten wie dem Alten Hafen.

Heute sei die überwiegende Mehrheit in der Stadt der Ansicht, dass die Touristen die Lebensqualität verbesserten, sagt Jónsdóttir. «Die Leute sind zufrieden mit der Anzahl und Vielfalt der Angebote.»

Im Jahr 2019 erlebt Island mittlerweile etwas, was es in diesem Jahrzehnt noch nie gegeben hatte: sinkende Zahlen.

Gründe dafür sind, so sagt Pálsdóttir, unter anderem die Pleite der Billigfluglinie Wow Air und die Probleme des Pannenfliegers Boeing 737 Max. «Wir machen uns zurzeit aber keine Sorgen», versichert Pálsdóttir.

Von einer Überfüllung wie in Venedig, sagt sie, sei Island weit entfernt. Und in Sachen Gedränge kommt es ohnehin auf die Perspektive an: Die Chinesen He und Li genießen die aus ihrer Sicht immer noch geringe Menschendichte auf Island. «Das hier ist so anders als China. Wir sind so sehr an städtische Gebiete mit großen Bevölkerungszahlen gewöhnt. Hier ist es wild und leer. Das ist das Paradies für uns», sagt Nannan Li.

Andere witzeln dagegen, wenn man im Wort «Island» vier Buchstaben ergänze, entstehe «Disneyland». Ein Tourist im Amphibienfahrzeug auf dem Jökulsárlón trägt passenderweise eine Mütze mit der Aufschrift «Disneyland Paris».

Dass sich Island eines Tages dahin entwickelt, will das Land verhindern. «Wir sind kein Vergnügungspark», sagt Tourismusdirektorin Pálsdóttir. «Das hier ist die echte Natur.»

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Was für eine Masche:
Die trendige Strick-Mode protzt mit Größe

Strick hält mollig-warm und ist gemütlich. In dieser Saison besonders: Die Maschen sind groß, die Schnitte weit.

Die Strickmode in dieser Saison hat große Maschen und weite Schnitte – wie auch Brunello Cucinelli zeigt. Foto: Brunello Cucinelli/dpa

Schildow (dpa) – Die Strickmode für diesen Winter sucht das Weite – und zwar im wörtlichen Sinn. Große Maschen und eine übergroße Weite zeichnen die Pullover, Cardigans und Kleider aus.

«Das Besondere daran: Die Oversized-Strickmode kommt häufig ohne Bündchen aus, so dass ein Pulli oder eine Jacke besonders lässig wirkt», erklärt die Stilberaterin Inka Müller-Winkelmann aus Schildow (Brandenburg). Zu diesem Kontext gehört auch die Betonung der Arme und Schultern über weite Puffärmel etwa an Pullovern. Sie sind ideal für alle Frauen, die von Natur aus eher schmale Schultern haben.

Im Grunde ein Unterthema des Oversized-Looks ist das sogenannte Layering – der Zwiebel- oder Lagenlook, bei dem mehrere Teile übereinander getragen werden. «Hier kommen vor allem sogenannte Sleeveless-Teile zum Einsatz – also ärmellose Westen oder Pullunder, die über einem Shirt oder einer Bluse getragen werden», erklärt Müller-Winkelmann. Auch das sorgt optisch für mehr Weite.

Neben Strick in Übergröße ist laut Shopping-Beraterin Anette Helbig aus Hannover aber auch das komplette Gegenteil angesagt: Cropped Cardigans. «Cropped» bedeutet übersetzt «abgeschnitten» und wird im Mode-Kontext für bewusst kurze Teile benutzt, in diesem Fall Strickjacken. «Diese Cardigans passen perfekt zu Jeans, weil sie die Taille in den Mittelpunkt rücken», erläutert Helbig.

Auch wenn sie nicht lang sind, die Cropped Cardigans sind in den meisten Fällen weit – was etwa zur engen Jeans einen schönen Kontrast ergibt. Ein Tipp: Wer nicht die richtige Länge für sich findet, kann einen Cardigan oder Pullover auch in den Hosenbund stecken, um den Effekt zu erzielen.

Den Löwenanteil an der Strickmode machen naturgemäß Pullis und Jacken aus. «Aber in diesem Winter kommen auch Strickröcke wieder in Mode», berichtet Helbig. Sie seien oftmals wadenlang und schmal geschnitten. «Diese Silhouette lässt sich immer wieder neu stylen und sieht mit derben Biker-Boots und einem Grobstrickpulli ganz anders aus als mit schmalen Stiefeletten und einer Seidenbluse plus Blazer.»

Die neue gestrickte Weite ist schwierig zu stylen – zumindest, wenn man nicht groß und modelgleich-schlank ist. «So sollte man vor allem bei voluminösen Strickteilen aufpassen: Sie helfen zwar dabei, Pölsterchen zu kaschieren, können aber auch auftragen», sagt die Shopping-Beraterin Lydia Maier aus Starnberg (Bayern). «Eher kräftige Frauen sollten daher zu dünnen Strickstoffen greifen.»

Ihr Tipp konkret für eher kräftige Figuren mit breiteren Hüften und einem großen Busen: «Pullover in A-Linie oder im Empire-Stil, dunkle Farben und unifarbenen Strick», erklärt Maier. «Vor allem bei großem Busen ist ein weiter Rollkragen ideal.»

Ideal für kleine Frauen seien Pullover und Jacken aus Feinstrick, längsverlaufende feine Zopfmuster und V-Ausschnitte. Und die kürzeren Silhouetten wie sie die Cropped-Cardigans ermöglichen stehen ihnen gut.
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Und die Farben für die Saison? Zwar gibt es wie inzwischen gängig eigentlich die ganze Bandbreite im Handel – wie die klassischen Töne Dunkelblau, Grau oder Beige. «Darüber hinaus liegen jetzt aber auch auffallende Farben im Trend. Dazu gehört Gelb in vielen Varianten, wie beispielsweise Senf», erklärt Helbig. «Auch Beerentöne in Rot- und Violett-Nuancen findet man jetzt häufig, ebenso Grün oder Petrol.»

Bei den Strickmustern scheinen vor allem die klassischen Zopfstrukturen in Mode zu kommen. Darüber hinaus «gibt es bei Pullis und Strickjacken jetzt auch viel Karo zu sehen», hat Helbig beobachtet. Das Muster ist seit einigen Jahren schon ein Modethema und sowieso Mode-Klassiker. Beim Strick kommen nun aber erst Pepita und Hahnentritt verstärkt zum Einsatz, berichtet Helbig.

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Aus Allen Staaten

Austrian Society – Ein Abend in Wien (Evening in Vienna)

Kaiser und Kaiserin mit höfischem Gefolge. Foto: Curt Kitter
Das Kaiserpaar Chris und Angela Rampin mit Sohn Marcus. Foto: Curt Kitter

Am 2. Nov. 2019 fand in der Carpathia Halle wiederum der jährliche “Abend in Wien” statt. Das Nahelegen der seinerzeitigen Unterhaltung am Hof der Österreich-Ungarische Monarchie ist immer wieder eine sehr schöne Erfahrung. Das gilt vor allem für Gäste, die aus der Alten Heimat ausgewandert sind und noch einen innigen Bezug zu dieser Art und Weise von Unterhaltung haben, wenn zumeist auch nur durch alte Spielfilme oder von Erzählungen der Vorfahren.

Der Abend wurde durch die Begrüssung der Gäste, einschließlich Ehrengästen, durch den Präsidenten der Austrian Society, Günther Braeuner, eröffnet. Mit dem Verlesen der höfischen Parole nahm das Unterhaltungsprogramm in gewohnter Manier seinen Lauf. Der Einmarsch der “Höfischen Leit”, einschließlich des Kaiserpaares ist immer wieder ein visuelles Erlebnis. Einige “Adelige” und verschiedene Hof-Diener erschienen in Kostümen entsprechend der Zeitperiode zum Anbruch des 20. Jahrhunderts.

Das Kaiserpaar wurde auf sehr charmante Weise vom Ehepaar Rampin repräsentiert. In sehr würdiger Art und Weise verkörperte Chris Rampin die Rolle des Kaisers. Seine Gemahlin, Angela, wurde der Rolle der als bekanntlich sehr hübschen und charmanten Kaiserin Sissy voll gerecht.

Eine Gruppe von Musikanten unter der Leitung von Herbert Gruber gab dem Kaiserpaar und Besuchern einen musikalischen Blumenstrauss zum Besten. Das diesjährige Programm setzte sich sowohl aus Melodien von lang vergangenen Zeiten aber auch so einigen Titeln aus der jüngeren Vergangenheit zusammen. Ein Holzbläser-Quintett in klassischer Besetzung brachte diverse Stücke wie etwa “Eine kleine Nachtmusik” (Mozart), “Walzer Nr.2” (Schostakovich), “Steirische Tänze” (Lanner) und “Unter dem Himmel von Paris” (Giraud) zum Vortrag.

Der absolute Höhepunkt des Programms war offensichtlich der Vortrag einer Selektion von Liedern aus dem Musical “The Sound of Music”. Unter der Begleitung von Rick Michels wurden die Melodien in sehr beeindruckender Weise von Lauren Fisher vorgetragen. Die Kombination von Laurens wunderbarer Stimme und ihrem absolut rein intonierten Gesang wurde zurecht mit donnerendem Applaus belohnt! Des weiteren wurden einige eher volkstümliche Melodien zum besten gegeben wie etwa die “Faltenradio Polka” (Gmachl jun.) und auch ein Lied aus Oberkrain mit dem Titel “Dunkle Wälder” (Avsenik). Den Abschluss des Programms war der Vortrag des bekannten Marsch Liedes “Mir sein die Kaiserjager”. Alles in allem ein sehr abwechslungsreiches Programm, dass nicht nur den Gefallen des Kaisers samt Hof-Personal fand sondern auch den Gästen sehr gut gefiel.

Der weitere Lauf des Abends gab allen tanzfreudigen Gästen gute Gelegenheit, das Tanzbein kräftig zu schwingen. Im Hintergrund wurden auch kontinuierlich Kuchen und Torten verkauft. Und zu etwas späterer Stunde wurde auch die Tombola durchgeführt, welche, wie immer bei der Austrian Society, recht gut Preise enthielt.

So gegen Mitternacht kam der Abend, wie es sein muss, zu Ende. Falls Sie sich von der “Alten Kaiserzeit” und nostaligischen Klängen bezaubern lassen wollen, kann ich nur empfehlen, den nächsten “Abend in Wien” zu besuchen.

Steirerbua

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