28. November 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Hochdeutsch bereitet Ina Müller gelegentlich Schwierigkeiten

Moderatorin und Sängerin Ina Müller ist eine der prominentesten Botschafterinnen des Dialekts «Plattdeutsch». Dass die Sängerin, die muttersprachlich plattdeutsch aufgewachsen ist, erst im Alter von sechs Jahren in der Schule Hochdeutsch lernte, macht sich nach ihrer Aussage bis heute bemerkbar.

Moderatorin und Sängerin Ina Müller Foto: dpa

Hamburg (dpa) – Moderatorin und Sängerin Ina Müller ist eine der prominentesten Botschafterinnen des norddeutschen Dialekts «Plattdeutsch». Dass die Sängerin, die muttersprachlich plattdeutsch aufgewachsen ist, erst im Alter von sechs Jahren in der Schule Hochdeutsch lernte, macht sich nach ihrer Aussage bis heute bemerkbar. «Ich merke das oft, dass ich wirklich überlegen muss, ob es «mir» oder «mich», «dir» oder «dich» heißt», sagt sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. In solchen Momenten versuche sie dann, schnell im Kopf das betreffende Wort zu umgehen. «Das habe ich früher als Kind schon in der Schule gemacht. Den natürlicheren Zugang habe ich einfach zu Platt», erzählt sie.

2010 bekam Ina Müller den Friedestrompreis des Internationalen Mundartarchivs in Zons überreich – ein Preis für Menschen, die sich in besonderer Weise überregional um die deutschsprachige Dialektdichtung verdient gemacht haben.

An diesem Freitag erscheint das neue Album von Ina Müller mit dem Titel «55».

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Sport

Weltcupsiege im Risikogebiet: Friedrich und Jamanka starten siegreich

Mit einem dezimierten Starterfeld beginnen die Bobfahrer ihre Weltcup-Saison. Auch die besonderen Umstände in Corona-Zeiten können die nächsten Siege der deutschen Top-Piloten nicht verhindern.

Der Zweitplatzierte Johannes Lochner (r) feiert mit den Erstplatzierten Francesco Friedrich und Alexander Schüller, alle Deutschland, bei der Zieleinfahrt. Foto: dpa

Von Frank Kastner
Sigulda (dpa) – Weltcups im lettischen Eiskanal von Sigulda haben für gewöhnlich Volksfestcharakter, in Zeiten von Corona hallen die Anfeuerungsrufe der Bobfahrer nun kilometerweit durch den einsamen Wald. Wegen der aktuellen Beschränkungen stand zum Saisonauftakt nur ein gutes Dutzend der Männer-Teams am Start des Zweierbob-Weltcups, bei den Frauen waren es gerade mal neun Schlitten. Dass die Deutschen um die Olympiasieger Francesco Friedrich und Mariama Jamanka gleich wieder siegreich waren, ist angesichts der fehlenden Konkurrenz fast schon standesgemäß.

«Auch wenn die Amerikaner und Kanadier erst im Januar einsteigen, hat der Weltcup für mich einen ähnlichen Stellenwert wie sonst auch», meinte Friedrich, der am Samstag mit Thorsten Margis und 24 Stunden später mit Alexander Schüller gewann. Der Zweierbob-Rekordweltmeister lässt die Kritik, dass unter anderem die starken Kanadier fehlen, nicht gelten. «Das gab es immer mal wieder, dass zum Beispiel die Kanadier nur ein paar Weltcups mitgemacht haben, damit sie sich gezielt auf die WM vorbereiten», sagte der 30-jährige Sachse.

Auf der Jagd nach Rekorden ist dem deutschen Ausnahmepiloten dieser Umstand egal. «Weltcup ist Weltcup. In zwei Jahren schaut keiner mehr auf die Ergebnisse oder fragt, wie viele teilgenommen haben», sagte Friedrich und betonte: «Gerade jetzt ist es für uns Athleten, aber auch für den Verband enorm wichtig, dass wir die Rennen fahren, dass wir im Fernsehen präsentiert werden.»

Cheftrainer René Spies ist sich der Verantwortung im Team bewusst und verwies auf 600 Corona-Tests. Er plante detailliert und getrennt die Unterbringung, Essenszeiten und Athletik-Training. Dafür wurde sogar ein Extra-Bus aus der Heimat mit Hanteln und Gewichten mitgenommen. Dennoch gibt er zu: «Natürlich ist die Skepsis mit nach Sigulda gereist, aber nachdem nur negativ Getestete zugelassen werden, sind wir zumindest in der ersten Woche sicher.»

Seit dem Sonntag gilt für die Bundesregierung ganz Lettland wegen hoher Infektionszahlen als Risikogebiet. In Sigulda greift das Hygienekonzept des Weltverbandes IBSF. Teams aus Österreich und Russland mussten nach positiven Tests kurzerhand abreisen oder sind in einem Hotel in Riga in Quarantäne gegangen.

Nach dem hauchdünnen Auftaktsieg von Friedrich gegen Johannes Lochner, der als Bahn-Neuling im ersten Durchgang in 49,51 Sekunden Bahnrekord fuhr, wollte es der Sachse doch nochmal wissen. Mit Schüller stellte er in 4,78 und 4,75 Sekunden jeweils einen Startrekord auf und legte somit die Grundlage für den 38. Weltcupsieg seiner Karriere. Lochner wurde mit Eric Franke wieder Zweiter.

Bei den Frauen feierte die Oberhoferin Mariama Jamanka mit Vanessa Mark einen gelungenen Einstand. Auf Rang drei hinter der Österreicherin Katrin Beierl kam die Wiesbadenerin Kim Kalicki mit Annabel Galander.

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Feuilleton

Archäologen finden nahe Kairo erneut Dutzende altägyptische Särge

Antike Sarkophage, die in einer antiken Nekropole entdeckt wurden, werden während einer Pressekonferenz in Saqqara ausgestellt. Ägyptische Antiquitätenbeamte gaben die Entdeckung von mindestens 100 antiken Särgen und etwa 40 vergoldeten Statuen bekannt. Foto: Fadel Dawood/dpa

Kairo (dpa) – In der Totenstadt Sakkara bei Kairo haben Archäologen erneut Dutzende gut erhaltene Sarkophage aus altägyptischer Zeit entdeckt. Insgesamt handele es sich um mehr als 100 Särge, die geschlossen gewesen seien, sagte der ägyptische Antikenminister Chalid al-Anani. Zu dem Fund zählten auch rund 40 Statuen. Dem Minister zufolge stammen die Särge aus der Spätzeit des Alten Ägypten vor rund 2500 Jahren und der nachfolgenden ptolemäischen Zeit. Ägypten hatte in diesem Jahr bereits zweimal spektakuläre Funde in Sakkara bekannt gegeben. So berichtete Al-Anani Anfang Oktober über den Fund von insgesamt 59 Särgen in sehr gutem Zustand, die ebenfalls seit etwa 2500 Jahren verschlossen gewesen waren.

Die Archäologen an dem Ort können auf weitere Entdeckungen hoffen. «Sakkara hat erst rund ein Prozent von dem freigegeben, was dort verborgen ist», sagte Al-Anani. «Wenn wir weiterarbeiten, ist zu erwarten, dass wir weitere Gräber von Menschen und Tieren finden.» Die Ausgrabungen seien noch lange nicht beendet.

Sakkara liegt am Nil südlich von Kairo und diente in pharaonischer Zeit als Friedhof für die Hauptstadt des Reiches Memphis. Die bei Touristen beliebte Sehenswürdigkeit zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Pyramiden von Sakkara gelten als ein «großes Meisterwerk architektonischen Designs», wie die Unesco schreibt. Dort liegt auch die berühmte 5000 Jahre alte Stufenpyramide von Pharao Djoser.

Ausgestellt werden sollen die Särge unter anderem im Großen Ägyptischen Museum, das derzeit an den Pyramiden von Giseh gebaut wird. Es soll nächstes Jahr für Besucher öffnen und nach Angaben der Betreiber die dann größte archäologische Sammlung der Welt beherbergen.

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Gesundheit

Winter-Effekt: Warum es Corona in der kalten Jahreszeit leichter hat

Modepuppen mit verschiedenen Mund-Nasen-Masken stehen vor einem Geschäft. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Von Von Wilhelm Pischke,
Berlin (dpa) – Volksfeste seien in der Corona-Pandemie mit passenden Hygienekonzepten kein Problem, ist der Deutsche Schaustellerbund (DSB) überzeugt. Das hätten die Veranstaltungen des Sommers gezeigt. «Nirgendwo gab es eine nachgewiesene Infektion», sagte kürzlich der DSB-Vizepräsident Lorenz Kalb. Ist die Absage von Weihnachtsmärkten wie dem Christkindlesmarkt in Nürnberg also gar nicht nötig?

Dazu muss man wissen: Für sehr viele Infektionen lässt sich nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nicht nachvollziehen, wo die Ansteckung passiert ist – für ein begrenztes Umfeld wie eine Familie oder eine Feier ist das eher möglich als für von vielen Menschen genutzte Orte. Ob also sommerliche Großveranstaltungen die Infektionsausbreitung beschleunigt haben oder nicht, weiß derzeit niemand genau.

Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung derzeit allein dadurch größer ist, dass es inzwischen wesentlich mehr akut Infizierte gibt als noch vor zwei Monaten. Und noch ein Faktor greift: Sars-CoV-2 wird in der kalten Jahreszeit verstärkt übertragen. Nicht nur, weil sich nun mehr Menschen drinnen statt draußen treffen, wo das Ansteckungsrisiko meist merklich geringer ist. Eine Reihe von Eigenschaften des Virus und des menschlichen Organismus begünstigen die winterliche Ausbreitung.

Typische Winterviren – zu denen auch Sars-Cov-2 gehört – hätten bei trockener Luft vermutlich eine höhere Überlebensfähigkeit, sagt Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Besonders schlechte Bedingungen haben viele der Viren bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, wie aus einer im März veröffentlichten Studie von Forschern der Yale-Universität hervorgeht. Sinkt die relative Luftfeuchtigkeit – wie im Winter zu beobachten – verbessere sich die Ausgangslage für die Erreger.

«Die kalte Luft kann weniger Feuchte aufnehmen», erklärt der HNO-Arzt. Wird diese Luft bei gleichbleibender Luftfeuchte in Räumen erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchte und es verbessert sich die Überlebensmöglichkeit und Infektiosität für das Virus. «Deshalb warnten schon die Großmütter nicht zu Unrecht vor trockener Heizungsluft», führt Deitmer aus. Aus seiner Sicht könnten daher Raumbefeuchter die Überlebensfähigkeit von Sars-CoV-2 verschlechtern.

Ein weiteres Problem: Das Nasen- und Bronchialsystem könne Viren im Winter schlechter unschädlich machen, sagt HNO-Arzt Deitmer. Der sogenannte Flimmertransport von Viren und Partikeln auf der Schleimhaut verlaufe bei kälteren Temperaturen und relativ niedriger Luftfeuchtigkeit langsamer und zäher. Über die Flimmerhärchen würden die Viren aus den Bronchien zum Kehlkopf beziehungsweise aus der Nase in den Rachen transportiert und von dort in den Magen «abtransportiert und entsorgt».

Ein Aspekt, der aus Deitmers Sicht bisher recht kurz kam, sei die positive Wirkung der Mund-Nasen-Masken. «Die Maske nimmt einen Teil der Luftfeuchte beim Ausatmen an und gibt diese beim Einatmen wieder ab. Das erhöht die relative Feuchtigkeit der Luft und sorgt im Mund-Rachen-Raum für bessere Bedingungen zur Abwehr des Virus.»

Auch regelmäßiges Lüften sei im Winter besonders wichtig, sagt Eberhard Bodenschatz, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. «Wir lüften zu wenig. Dabei ist Stoßlüften essenziell.» Das gründliche Lüften sei insbesondere im Winter besonders effizient. «Bei deutlichen Unterschieden der Lufttemperatur im Innen- und Außenbereich ist der Luftaustausch wesentlich höher.» In kürzerer Zeit käme so mehr virusfreie Frischluft in den Raum, so der Wissenschaftler.

Schließlich kommt hinzu, dass das Immunsystem im Herbst und Winter schwächelt. «Durch weniger Sonneneinstrahlung sinkt der Vitamin-D-Spiegel und damit die Abwehrkraft eines jeden einzelnen», sagt Bernhard Junge-Hülsing, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte in Bayern. Auch depressive Verstimmungen schwächten die Abwehrkräfte. Solche saisonal-ausgeprägten Depressionen seien häufig im Winter und Herbst zu beobachten, erklärte jüngst Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe.

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Reise

Mehrere ÖBB-Nachtzüge nach Deutschland vorerst eingestellt

Von Österreich oder der Schweiz nach Deutschland werden
 vorerst kaum noch Nachtzüge fahren. Lediglich die Verbindung zwischen Wien und Berlin bleibt weiter bestehen.  Foto: dpa
                

Wien (dpa) -Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) stellen coronabedingt vorübergehend den Großteil ihrer Nachtzüge nach Deutschland ein. Bis zum 2. Dezember entfallen alle Nightjet-Verbindungen aus Österreich und der Schweiz nach Deutschland mit Ausnahme der Strecke Wien-Berlin, wie ein ÖBB-Sprecher sagte. Wegen steigender Infektionszahlen und Reisebeschränkungen sei die Auslastung stark gesunken. Im Dezember sei aber die Wiederaufnahme rechtzeitig zu den Winterferien geplant.

Betroffen sind die Strecken Wien-Hamburg, Wien-Düsseldorf, Innsbruck-Düsseldorf, Innsbruck-Hamburg, Zürich-Berlin und Zürich-Hamburg, außerdem noch Wien-Brüssel und Innsbruck-Brüssel. Betroffene Fahrgäste seien informiert worden und könnten auf Tageszüge umbuchen oder sich den Fahrkartenpreis erstatten lassen.

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Der Mond kam über die Dächer gesprungen: „Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen? Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?“ Foto: dpa

Weihnachten bei den Großeltern
(Jakob Loewenberg 1856 – 1929)
Heut abend, als wir zu euch gingen,
da war in der Luft ein leises Klingen,
da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher,
als ob man in einem Tannenwald wär,
da huschte vorüber und ging nicht aus
ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus.
Der Mond kam über die Dächer gesprungen:
„Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen?
Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?“
und lachte uns an mit vollem Schein.
Wir lachten: „Du alter Klöner,
heut abend ist alles schöner.
Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen,
da wirst du ein blaues Wunder sehn.“
Da sprang er leuchtend uns voran, bei diesem Hause hielt er an.
Wir gingen hinein mit froher Begier,
und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier.
http://www.goldjahre.de/

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST – Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Königin der Herzen: Vor 25 Jahren erschütterte Diana die Monarchie

Die einen priesen sie als Mischung aus Supermodel und Mutter Teresa, andere hielten sie für eine rachsüchtige Ehefrau: Als die BBC am 20. November 1995 ein Interview mit Prinzessin Diana ausstrahlte, stockte wegen des brisanten Inhalts nicht nur den Briten der Atem.

ARCHIV – 07.09.1992, Großbritannien, London: Prinz Charles und Diana wenden sich bei einem Theaterbesuch den Rücken zu. Die einen priesen sie als Mischung aus Super-Modell und Mutter Teresa, andere hielten sie für eine rachsüchtige Ehefrau: Als die BBC am 20. November 1995 ein Interview mit Prinzessin Diana ausstrahlte, stockte wegen des brisanten Inhalts nicht nur den Briten der Atem. Foto: dpa

Von Silvia Kusidlo
London (dpa) – Mit einem einzigen Interview hat Prinzessin Diana vor 25 Jahren die britische Monarchie in ihren Grundfesten erschüttert. Mehr als 200 Millionen Menschen verfolgten weltweit am Fernseher, wie die hübsche und volksnahe Diana frank und frei über die emotionale Kälte am Hofe und die Untreue ihres Gatten Prinz Charles plauderte. Schlimmer noch: Sie sagte, dass Thronfolger Charles wohl nicht für den «Top-Job» – also König zu sein – geeignet sei. Bessere wäre es, wenn Sohn William später direkt Elizabeth II. auf den Thron folge.

Drei Jahre lang lebte Diana damals schon von ihrem Mann getrennt, der eine lange Affäre mit Camilla Parker Bowles hatte. «Ich will keine Scheidung», sagte Diana in dem BBC-Interview am 20. November 1995. Sie wolle aber Klarheit. «Ich warte auf die Entscheidung meines Mannes über den Weg, den wir einschlagen sollen.» War Camilla der Grund für das Scheitern ihrer Ehe? «Nun, wir waren zu dritt in unserer Ehe. Das war ein bisschen viel», sagte die Prinzessin.

Ungewöhnlich offen waren Dianas Worte. «Ich möchte Königin im Herzen der Menschen sein. Aber ich sehe mich nicht als Königin dieses Landes.» Doch sie teilte auch heftig aus: «Ich glaube nicht, dass viele Leute mich als Königin wünschen. Ich meine vor allem das Establishment, in das ich hineingeheiratet habe. Für die bin ich ein Versager.» Vorwürfe, sie wolle die Monarchie zerstören, wies sie zurück. «Warum sollte ich etwas zerstören, das die Zukunft meiner Kinder sichert? Ich werde für meine Kinder auf allen Ebenen kämpfen.» Sie selbst wollte eine Art Sonderbotschafterin für ihr Land werden.

Die 34-Jährige gab auch zu, selbst eine Affäre gehabt zu haben: Sie hatte Trost bei Reitlehrer James Hewitt gesucht und wurde letztlich durch seine Indiskretionen enttäuscht. Das Verhältnis habe die Grenzen der Freundschaft überschritten, sagte sie. «Ich habe ihn angebetet. Ja, ich war in ihn verliebt.» Auch von Selbstverletzungen – Schnitte in Arme und Beine – und Bulimie berichtete sie.

Das Interview hatte Folgen. Nur einen Monat später wurde bekannt, dass die Queen sich für eine rasche Scheidung des Paares aussprach. Charles war einverstanden und ließ über seinen Sprecher erklären: «Der Prinz hat nicht die Absicht, wieder zu heiraten.» Empört war die Monarchin Berichten zufolge vor allem darüber, dass ihre Schwiegertochter die Eignung von Charles für den Thron anzweifelte. Dianas heimlich arrangierter Fernsehauftritt wurde als Vertrauensbruch gegenüber dem Königshaus gewertet.

Die Royals verloren nach dem Interview drastisch an Ansehen, wie Umfragen ergaben. Dass Diana für das Wohl ihrer «Boys» Harry und William, damals 11 und 13 Jahre alt, kämpfte und «nicht leise verschwinden» wollte, ließ sie in der Gunst der Briten steigen. Psychologen sahen in ihr eine ideale Identifikationsfigur für frustrierte Frauen: Sie habe stets versucht, alles richtig zu machen, ohne dass man es ihr gedankt habe. Zudem habe sie den «Kampf der Frauen» mit einer charmanten Ausstrahlung verbunden. Der Chefredakteur der Boulevardzeitung «Sun» lobte Diana sogar als Mischung zwischen einem Supermodel und Mutter Teresa.

Kritiker bezeichneten die Prinzessin mit dem scheuen Blick dagegen als eine berechnende Frau. Nicholas Soames, ein Freund von Charles und damals Staatssekretär im Verteidigungsministerium, sprach vom «Schauspiel eines angeblichen Opferlamms, das an Verfolgungswahn grenzt». Ob gut oder böse: Für das Königshaus war das Interview wie eine schallende Ohrfeige. Ein Gewinner des Skandals war hingegen die BBC; der Sender verkaufte das Interview in mehr als 100 Länder.

Dianas Bruder, Charles Spencer, wirft dem Journalisten Martin Bashir allerdings vor, sich das Interview mit seiner Schwester damals mit unlauteren Methoden – etwa gefälschten Kontoauszügen – verschafft zu haben. Diese sollten demnach den Eindruck erwecken, Menschen wären dafür bezahlt worden, Informationen über Diana preiszugeben. Man nehme die Vorwürfe «sehr ernst», sagte kürzlich BBC-Chef Tim Davie. Der Sender will eine unabhängige Untersuchung einleiten. Bashir konnte aus gesundheitlichen Gründen zunächst nicht befragt werden, er soll unter den Folgen einer Covid-19-Erkrankung leiden.

Viel ist seit dem Interview vor 25 Jahren geschehen. Trotz Beteuerungen von Prinz Charles, nie wieder zu heiraten, ging er viele Jahre später doch den Bund der Ehe ein: mit Camilla, die früher von der britischen Presse als Rottweiler verspottet worden war. Charles, einst als snobistisch kritisiert, und Camilla genießen heute bei den meisten Briten ein hohes Ansehen. Sie gelten als bodenständig und setzen sich für wohltätige Zwecke ein. Prinzessin Dianas Leben war hingegen nur kurz. Keine zwei Jahre nach dem spektakulären Interview verunglückte sie – von Paparazzi verfolgt – tödlich bei einem Autounfall mit ihrem Geliebten Dodi Al Fayed in einem Pariser Tunnel.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

priesen – praised
rachsüchtige – vindictive
ausstrahlte – aired
brisanten – explosive
stockte…der Atem – held their breath
Grundfesten – foundations
erschüttert – shook
verfolgten – followed
Gatten – husband
plauderte – chatted
geeignet sei – to be suitable
Scheidung – divorce
Klarheit – clarity
eingeschlagen – take
Scheitern – failure
heftig – fiercely
hineingeheiratet – married into
Versager – failure
vorwürfe – reproached
wies zurück – retorted
Ebenen – levels
Sonderbotschafterin – special ambassador
Trost – comfort
überschritten – overstepped
angebetet – adored
Selbstverletzungen – self-mutilation
Folgen – consequences
rasche – swift
aussprach – spoke out
Absicht – intention
empört…darüber – shocked by
anzweifelte – cast doubt
Gunst – favor
Boulevardzeitung – tabloid
scheuen Blick – shy glance
berechnende – calculating
Verfolgungswahn – paranoia
schallende Ohrfeige – ringing slap in the face
unlauteren – unfair
Kontoauszügen – statements of account
einleiten – start
verpottet – ridiculed
bodenständig – down to earth
wohltätige Zwecke – charitable purposes
verunglückte…tödlich – died in an accident
verfolgt – pursued

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*