29. August 2020 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Politiker: Bei jetziger Infektionslage kein Karneval möglich

Das hat es auch noch nicht gegeben: Mitten im Sommer wird über den nächsten Karneval diskutiert. Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber gut sieht es nicht aus.

Köln: Jecken feiern auf dem Heumarkt den Auftakt der Karnevalssession. Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) hat sich wegen der Corona-Pandemie skeptisch geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden kann. Wie die «Rheinische Post» berichtet, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Telefonschaltkonferenz des Gesundheitsausschusses: «Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es.» Foto: dpa

Köln (dpa) – Schlechte Aussichten für Karnevalisten: Aufgrund der Corona-Pandemie glaubt Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) derzeit eher nicht, dass der nächste Karneval stattfinden kann. «Bei der jetzigen Infektionslage kann ich mir Karneval nicht vorstellen», sagte er am Mittwoch in Düsseldorf. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte seine Haltung bei einem Besuch in Kiel: Er wisse um die Bedeutung des Karnevals für Millionen Menschen. «Aber wenn wir vor der Frage stehen: Ist die Kita möglich oder der Karneval, dann bin ich sehr sicher, dass ein Großteil der Gesellschaft da eine klare Antwort zu hat.»

NRW-Minister Laumann sagte, er wolle die Entscheidung über den Karneval in Hochburgen wie Köln und Düsseldorf auf jeden Fall mit den Karnevalsvereinen zusammen treffen. Man solle sich damit auch ruhig noch zwei, drei Wochen Zeit lassen. «Ich muss Ihnen aber auch sagen, und da will ich auch gar nicht hinterm Berg halten: Wenn in drei Wochen die Inzidenz da ist, wo sie jetzt ist, bin ich schon der Meinung, dass wir dann eher zu der Frage kommen, dass Karneval so nicht geht, wie wir das kennen. Wir haben ja auch im Frühjahr die Schützenfeste nicht gemacht, wir machen jetzt im Herbst die Kirmes nicht.»

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans äußerte sich ebenfalls skeptisch. «Das, was Karneval ausmacht, gerade in den Zentren des Karnevals, das wird nicht gehen», sagte der Rheinländer im ntv-«Frühstart». «Karneval, so wie er ist, geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske.» Deswegen müsse man neue Formen finden.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte eine rasche Entscheidung. «Für alle Beteiligten muss aus meiner Sicht sehr schnell Klarheit geschaffen werden», sagte Kramp-Karrenbauer am Mittwoch im Fernsehsender Welt. Im Karneval stecke viel Herzblut, aber auch viel finanzielles Engagement.

Sicher scheint bereits, dass der Karneval bestenfalls in sehr eingeschränkter Form stattfinden kann. Die Karnevalsvereine warben am Mittwoch erneut dafür, die Entscheidung noch offen zu lassen und nicht schon im Sommer den gesamten Karneval abzusagen. Gleichzeitig betonten sie, dass auch für sie die Gesundheit Vorrang habe.

«Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können», sagte der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, im Radiosender WDR2. «Auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen.» Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept.

Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly gab den Rosenmontagszug am 15. Februar 2021 noch nicht verloren. «Unter bestimmten Bedingungen kann der auf jeden Fall stattfinden», sagte der bundesweit bekannte Schöpfer von Karnevalsfiguren der Deutschen Presse-Agentur. «Und wenn man die Wagen einfach irgendwo aufstellt und die Leute laufen vorbei. Das ist eine Frage der Kreativität.»

Ähnlich äußerte sich der Komiker und Fernsehmoderator Bernd Stelter. «Karneval kann man nicht absagen, das ist Teil des Kalenders», sagte der 59-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Was man absagen kann, sind Veranstaltungen. Da muss man mal ein bisschen kreativ sein. Einfach so wie früher 10 000 Mann in die Kölnarena, alle schunkeln, bützen und singen laut, das wird sicher nicht funktionieren, das ist völlig klar.»

Kritisch äußerte sich der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Der Gesundheitsschutz müsse oberste Priorität haben, aber Verbote dürften erst am Ende einer Diskussion stehen, kritisierte Dehoga-NRW-Präsident Bernd Niemeier. Er verwies darauf, dass nach Zahlen des
Landesgesundheitsministeriums nur sechs Prozent aller Infizierungen auf öffentliche Veranstaltungen zurückgingen, ein Drittel dagegen auf private Zusammenkünfte. «Ich glaube, dass es aus Infektionsgesichtspunkten sinnvoller ist, Veranstaltungen von Profis aus dem Gastgewerbe durchführen zu lassen als von “privaten” Gastgebern zu Hause im Keller, im Park oder auf dem Balkon.»

Karnevalspräsident Kuckelkorn sagte, Alkohol sei sicherlich eine Komponente, die man bei allen Planungen bedenken müsse. «Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es auch gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol.» Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11. November ablaufen werde. «Nach dem 11.11. wissen wir die Auswirkungen, wissen, wie’s funktioniert hat, und das sind dann die Erfahrungswerte, die wir für die Session brauchen.»

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Sport

Münchner Fußballfans feiern Triple-Sieg
des FC Bayern

Fans des FC Bayern München feiern nach dem 1:0 Sieg ihrer Mannschaft beim Champions League Finale auf der Leopoldstrasse. Foto: dpa

München/Lissabon (dpa) – Fußballfans des FC Bayern haben am späten Sonntagabend in München den Sieg ihrer Mannschaft im Finale der Champions League und das damit erreichte Triple gefeiert. Hunderte kamen rasch zur Leopoldstraße in der Innenstadt, die für Autokorsos bekannt und beliebt ist. Hupend fuhren manche über die mehrspurige Strecke, andere gingen flaggenschwenkend an ihr entlang. Einen fulminanten Korso wie in früheren Jahren etwa mit aus Autofenstern hängenden Fahnen und Fans gab es zunächst allerdings nicht.

Die Polizei sprach von einer ruhigen Lage. Mehr als 150 zusätzliche Einsatzkräfte im Vergleich zu einem durchschnittlichen Sonntagabend seien auf den Straßen, sagte ein Sprecher. Sie kontrollierten die Hygiene- und Abstandsregeln, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten. Die meisten Menschen reagierten sehr einsichtig, sagte der Sprecher. «Im Großen und Ganzen gibt es keine größern Probleme.»

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), seines Zeichens gebürtiger Nürnberger und bekennender Club-Fan, twitterte kurz nach dem Schlusspfiff: «Gratulation an den @FCBayern! Gewinn der Champions League krönender Abschluss einer herausragenden Saison!» Dazu stellte er ein Foto von sich mit einem FC-Bayern-Trikot in der Hand, auf dem rund um die Rückennummer 12 zahlreiche Autogramme zu sehen sind.

Der deutsche Rekordmeister um Trainer Hansi Flick hatte in Lissabon gegen Paris Saint-Germain mit 1:0 in der europäischen Königsklasse gewonnen. Die Kombination mit Triumphen in der Meisterschaft und im DFB-Pokal war den Bayern bis jetzt nur im Jahr 2013 gelungen.

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Feuilleton

Filmfest Dresden präsentiert 338 Werke

Filmfest Dresden.
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Dresden (dpa) – Das Filmfest Dresden will trotz der coronabedingten Verschiebung und Beeinträchtigung seinen Ruf als internationaler Treffpunkt unter Beweis stellen. Bei der 32. Ausgabe des Festivals vom 8. bis 13. September werden 338 Filme gezeigt, wie die Organisatoren am Dienstag in Dresden mitteilten. Das Festival hat sich auf Kurzfilme und Animationsfilme spezialisiert und gehört mit Preisgeldern von 68 000 Euro zu den europaweit am höchsten dotierten Festivals für diese Genres.

Ursprünglich sollte das Filmfest im April stattfinden, wurde dann aber wegen der Corona-Pandemie verlegt. Schwerpunkt sind in diesem Jahr Filme, die sich mit der künstlerischen Umsetzung von traumatischen Ereignissen befassen. Die Filme in den Wettbewerbs- und Sonderprogrammen werden in fast allen gewohnten Spielstätten unter Einhaltung der Hygienevorschriften aufgeführt. Ausgewählte Veranstaltungen werden aber auch digital übertragen.

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Gesundheit

Mediziner rät bei Hitze: „Leben wie am Mittelmeer“

Mit Wassermelone gegen die Hitze.          Foto: dpa

Gebhardshain/Mainz (dpa) – Mit bis zu 38 Grad steht die heißeste Zeit des Jahres vor der Tür. Der Vizepräsident der Landesärztekammer, Fink, rät den Rheinland-Pfälzern, der Hitze wie die Südeuropäer entgegenzutreten.

Sonne aussperren, Schatten suchen und Siesta: Der Vizepräsident der Landesärztekammer, Michael Fink, rät den Rheinland-Pfälzern, sich bei der Hitze wie die Menschen am Mittelmeer zu verhalten. „Wo die Sonne drauf scheint, Rollläden runter. Da wo Schatten ist, Rollläden hoch, Fenster auf, damit Luft rein kommt“, sagt der Hausarzt aus Gebhardshain im Westerwald. Bis zu 38 Grad werden am Wochenende erwartet. Auf „innere und äußere Kühlung“ komme es an. Die Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Mainz, Stefanie Schneider, empfiehlt: „Viel Trinken, Schatten, Ausruhen, langsam machen.“

Da die Plätze zur Abkühlung im Schwimmbad wegen der Corona-Regeln rar sind, könne auch ein Eimer Wasser für die Füße oder ein nasser Lappen dazu beitragen, den Kreislauf zu stabilisieren und sich abzukühlen, sagte Sanitätsrat Fink. Und: „Pi mal Daumen zwei Liter pro Tag trinken.“ Am besten sei Mineralwasser, weil durch die schweißtreibende Hitze viele Mineralien verloren gingen. Vor allem ältere Menschen, denen das Durstgefühl fehle, müssten zum Trinken animiert werden, mahnte der Sanitätsrat. Wer bei der Hitze aber etwa im Straßenbau arbeite oder einem ähnlichen Beruf nachgehe, könne gar nicht so viel trinken, wie die Sonne scheint. „Ständig trinken!“, lautet die Empfehlung.

Zu wenig Flüssigkeit könne zu einem Absinken des Blutdrucks führen, mahnte Fink. „Das kann wiederum zum Kreislaufkollaps führen bis hin zur Bewusstlosigkeit.“ Daher: „Wenn es vor Augen flimmert, schnell hinsetzen oder besser hinlegen und Beine hoch.“ Vor allem an jüngere Menschen appelliert der Hausarzt: In der prallen Sonne liegen könne riskant sein, insbesondere bei niedrigem Blutdruck könne der Kreislauf beim Aufstehen zusammenklappen.

Fink warnte vor Sport in der Bullenhitze am Mittag. Etwas Bewegung oder ein Lauf frühmorgens, spätabends oder im Wald und Schatten seien jedoch möglich – bei ausreichendem Wasservorrat. Viele seiner Patienten erkälteten sich derzeit an der Klimaanlage im überhitzten Auto. Dieses zu lüften sei wichtig, ein Schal oder ein Tuch vor der Brust könnten vor einer Erkältung schützen.

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Reise

In welchen deutschen Städten Weihnachtsmärkte geplant sind

Würstchenbuden, Glühweinduft und Krippenspiele – trotz der Corona-Krise sollen Weihnachtsmärkte in diesem Jahr stattfinden. Wenn auch unter anderen Bedingungen als in den Vorjahren. Individuelle Konzepte sollen helfen, Infektionen zu verhindern.

Würstchenbuden, Glühweinduft und Krippenspiele – trotz der Corona-Krise sollen Weihnachtsmärkte in diesem Jahr stattfinden. Wenn auch unter anderen Bedingungen als in den Vorjahren. Foto: David Schwarz/dpa/Archiv
                

Berlin (dpa) – Einbahnstraßen statt bunter Trubel, Glühwein to go statt Budenzauber und zusätzlich zu Schal und Mütze eine Maske – so könnte die Realität in der diesjährigen Adventszeit aussehen. “Das macht den Weihnachtsmarkt unlauschiger”, räumte ein Mainzer Sprecher ein. Doch am “unlauschigsten” sei gar kein Weihnachtsmarkt.

Ganz verzichten wollen die deutschen Städte deshalb nicht auf Eierpunsch, Lebkuchen und Co. und bereiten sich schon im Hochsommer und trotz Corona-Krise auf die Adventsmärkte vor. Die Konzepte dazu sind unterschiedlich.

Planung ist eine große Herausforderung
Trotz großer Unsicherheiten bereiten sich die bayerischen Städte auf die Weihnachtsmarktsaison vor – neben München und Augsburg auch der berühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg. Die größte Herausforderung werde sein, die Besucherströme zu lenken, sagte der Nürnberger Wirtschaftsreferent Michael Fraas. Dafür soll eine Art
Einbahnstraßensystem mit vorgegebener Laufrichtung eingeführt werden. Anstatt die traditionellen “Drei im Weckla” an der Bude zu genießen, soll es Essen und Trinken nur zum Mitnehmen geben. Ein Sprecher der Stadt Augsburg teilte mit, “dass die Stände auf möglichst viele Plätze in der Innenstadt verteilt werden”. So wolle man großes Gedränge vermeiden.

Ein 400 Meter langer Lichtteppich aus 150 Buden, einem 20 Meter hohen Weihnachtsbaum und bunten Christbaumkugeln schmückt normalerweise den Berliner Breitscheidplatz zur Adventszeit. Nach Angaben des Veranstalters soll das nach derzeitigem Stand auch in diesem Jahr so sein – eventuell in einer etwas anderen Form.

Vorweihnachtliche Stimmung trotz Corona
In Sachsen will man auf die Stollenbäcker und Bergparaden im Erzgebirge nicht verzichten. “In diesem herausfordernden Jahr erst recht”, sagte der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel (CDU). Klar fänden die Märkte unter anderen Bedingungen als in den Vorjahren statt, sie sollten aber wie immer “das heimelige Gefühl und vorweihnachtliche Stimmung” verbreiten, betonte Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU).

Einen Großteil der Sachsen dürfte das freuen, denn ihre Liebe zum Weihnachtsmarkt wiegt mehr als die Angst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus. 57 Prozent sagten in einer Befragung für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), dass sie sich trotz der Pandemie vorstellen könnten, am Jahresende einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Knapp jeder Dritte würde lieber verzichten.

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz soll der Markt räumlich entzerrt werden. Zusätzlich seien Einlasskontrollen und Maskenpflicht denkbar, auch wenn das die weihnachtliche Stimmung trübe, sagt ein Sprecher.

Abstandsregeln schwer einzuhalten
Etwas pessimistischer äußerte sich derweil Monika Flocke von der Kölner Weihnachtsgesellschaft. Das Weihnachtsmarkt-Erlebnis sei ja auch mit Enge und Gedränge verbunden. Wenn man bis zum nächsten Besucher einen weiten Abstand einhalten müsse, könne die gewohnte Atmosphäre kaum aufkommen. “Was man dann veranstalten würde, wäre kein klassischer Weihnachtsmarkt.” In Düsseldorf hingegen geht man weiterhin davon aus, dass die Weihnachtsmärkte unter Berücksichtigung der Hygieneregeln planmäßig stattfinden werden.

In anderen Städten ist bislang noch völlig unklar, ob es in rund vier Monaten ein geselliges Beisammensein zwischen Holzbuden und Tannen geben wird – darunter Stuttgart, Hannover und Frankfurt am Main. Letztendlich hänge alles von der Entwicklung der Infektionszahlen ab, teilten Sprecher mit. Wenn man plane, dann nur mit Vorsicht.

Fest steht: Die Märkte sind für viele Städte und Gemeinden nicht nur Kulturgut sondern auch Wirtschaftsfaktor. Oft hängen Zehntausende Arbeitsplatze davon ab. Hotels und Gaststätten machen einen Großteil ihres Umsatzes im Weihnachtsgeschäft. Daher laufen auch vielerorts die Planungen, um eine gemütliche Weihnachtssaison trotz Corona zu ermöglichen. Eine Weihnachtssaison wie immer – und doch ganz anders.

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Mode-Trends: Die Saison überrascht mit krassen Kontrasten

Feuriges Rot wird, wie Toni zeigt, im Herbst mit Tönen wie Mandarine oder Pink für einen auffallenden Look kombiniert. Foto: Toni/dpa

Frankfurt/Köln (dpa) – Es hat mittlerweile schon fast Tradition, dass internationale Top-Designer bei der Suche nach Inspirationen eine Zeitreise unternehmen. Da machen sie auch für die kommende Herbst-Winter-Saison keine Ausnahme. Das hat auch Stilberater Andreas Rose aus Frankfurt beobachtet: «Elemente verschiedener Dekaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die aktuellen Trends.»

Referenzen an vergangene Stilepochen sieht auch Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. So seien Klassiker aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren in die Moderne übersetzt worden, erhielten aber einen ganz anderen Look durch neue Materialien und Silhouetten.

«Zu diesem Trend gehören auch die aktuellen Stücke im Boheme-Look», sagt Rose. Auch halblange Midi-Röcke, die in den 70er-Jahren erstmals angesagt waren, sind zurück – «und setzen sich im kommenden Winter endgültig durch», ist Müller-Thomkins überzeugt.

Als ein Beispiel nennt Rose zudem noch Fransen, die uns im Herbst und Winter begegnen werden. Sie erinnern an die Flapper-Kleider der Goldenen Zwanziger – und genau die trägt man in der kommenden Saison auch am Abend.

Neuer Minimalismus trifft auf Opulenz der 20er-Jahre
Während Fransendetails die extravagante Seite der aktuellen Mode betonen, präsentiert sich die Stilrichtung «New Minimalism» betont puristisch, erklärt Müller-Thomkins. Die Schnitte sind bewusst minimalistisch gehalten, auf Muster wird weitgehend verzichtet.
Stattdessen setzt dieser Trend auf Schattierungen und den Kontrast von Matt und Glänzend. «Hier sind die Farben monochrom gehalten, vielfach in Tönen wie Beige bis Grau», sagt Müller-Thomkins.

Flanellhemden als Gegensatz zu Kaschmir und Seide
Im spannenden Kontrast zu diesen femininen Looks steht der Grunge-Trend der späten 80er-Jahre, der jetzt wieder aufgelegt wird, sagt Rose. Dazu gehören Flanellhemden mit Karomuster, zerrissene Jeans und derbe Lederschuhe.

Luxuriös wird die kommende Saison hingegen bei den Materialien. «Kaschmir, Seide, Alpaka oder Mohair sind für die aktuellen Styles unverzichtbar», meint Müller-Thomkins. Nach wie vor aus der Mode nicht wegzudenken ist Leder. Neu in der kommenden Saison, sagt Rose, ist das Lederhemd. Das wird jetzt zusammen mit Hose und Jacke aus dem gleichen Material getragen.

Kaschmir oder Mohair spielen naturgemäß in der kalten Jahreszeit eine große Rolle. «Natürlich gehören Pullover und Strickjacken zum Herbst einfach dazu. In dieser Saison allerdings setzen sie echte Statements», sagt Rose. So sieht man jetzt vermehrt Pullover im lässigen Sweater-Stil, aber auch Muster mit Animal-Prints oder breiten Streifen liegen im Trend.

Damen-Mode angelehnt an Business-Anzüge der Männer
Auch im Business-Bereich gibt es Neuigkeiten, wie Müller-Thomkins weiß. «Tayloring», also das Schneiderhandwerk, ist hier das Stichwort. Stücke sehen dabei wie maßgeschneidert aus. Blazer, Anzüge, auch Kostüme sind in der Damen-Mode diese Saison vielfach betont maskulin geschnitten, mit klaren Anleihen an die Herren-Mode.

Darüber trägt man im Herbst/Winter entweder lange, lässig geschnittene Wollmäntel oder Capes und Ponchos. Bei Mustern zeigt sich die neue Saison klassisch: Fischgrat, Glencheck oder Hahnentritt rücken Karos vermehrt in den Blickpunkt. Auch Nadelstreifen passen perfekt zum aktuellen Tayloring-Trend, und opulente Blütenmuster setzen dazu einen femininen Kontrast.

Spannend ist eine neue Modesaison nicht zuletzt wegen der Farben, die dabei angesagt sind. «Neben neutralen Tönen wie Beige oder Grau in allen Varianten sorgt feuriges Rot für Farbe in der Mode», sagt Stilberaterin Brünhild Mielke. Diese Farbe wird im Herbst bewusst auch mit Tönen wie Mandarine oder Pink für einen auffallenden Look kombiniert, so die Zwickauerin.

Stark im Trend bleibt darüber hinaus Braun in verschiedenen Schattierungen von Karamell bis Schoko. Interessant ist laut Mielke darüber hinaus, dass neutrale Töne immer wieder mit leuchtenden Akzentfarben ergänzt werden. Ganz klassisch dagegen präsentiere sich im Herbst/Winter Grün in dunklen Nuancen, die kombiniert werden mit helleren Grüntönen.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST Wortschatz

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Die Zukunft im Randspaltenformat – Das Zeitungshoroskop wird 90

Seit Jahrtausenden treibt Menschen die Frage nach der Zukunft um. Zeitungen haben für ihre Leser vor 90 Jahren eine Lösung gefunden: das Horoskop – ein so umstrittener wie unterhaltsamer Klassiker

Prag: Die astronomische Aposteluhr am Altstädter Rathaus. Seit Jahrtausenden treibt Menschen die Frage nach der Zukunft um. Zeitungen haben für ihre Leser vor 90 Jahren eine Lösung gefunden: das Horoskop – ein umstrittener und unterhaltsamer Klassiker. Foto: dpa

Von Johannes Neudecker
London/Berlin (dpa) – Das Zeitungshoroskop ist Jungfrau. Astrologen, die dem Horoskop selbst die Sterne lesen, sehen schon bei dessen Geburt vor 90 Jahren Hinweise auf seine Bedeutung in den Medien. Damals, am 24. August 1930, sei etwa Merkur am Himmel im Tierkreiszeichen Jungfrau gestanden, erklärt der Vorsitzende des Deutschen Astrologen Verbandes, Klemens Ludwig. Benannt ist der Planet nach dem Götterboten aus der römischen Mythologie, dem Überbringer von Nachrichten. Und Meldungen lassen sich eben auch in einer Zeitung finden.

Das besagte Zeitungshoroskop von 1930 war im britischen «Sunday Express» erschienen. Es gilt heute als das erste seiner Art. Geschrieben hatte es der Astrologe und Journalist Richard Harold Naylor für die damals drei Tage zuvor geborene britische Prinzessin Margaret. Beim Publikum kamen die Vorhersagen für die Schwester der späteren Königin Elizabeth II. so gut an, dass sich das Horoskop bis heute als feste Rubrik in vielen Blättern etabliert hat.

Für ein Horoskop sind drei Dinge wichtig: Geburtstag, Geburtsort und eine möglichst exakte Geburtsuhrzeit. Damit geben Astrologen für alles und jeden eine Vorhersage, etwa auch für Unternehmen. Gelesen werden sie Ludwig zufolge meist von Frauen jenseits der 50. Für die Vorhersagen analysieren Astrologen Sternbilder am Himmel, die Mythologie der Tierkreiszeichen und die Planetenkonstellationen zum jeweiligen Zeitpunkt.

Forscherinnen und Experten, die sich wissenschaftlich mit dem Weltraum beschäftigen, zweifeln an der Astrologie. Planetenkonstellationen hätten über Menschen oder Vorkommnisse auf der Erde nichts zu sagen, erklärt die Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg. «Ein Horoskop hat bestenfalls einen Unterhaltungswert, ähnlich dem neuesten Klatsch und Tratsch über Promis oder Royals.»
Aus wissenschaftlicher Sicht sei schon die gleichmäßige Einteilung des Himmels mit den zwölf Tierkreiszeichen von Schütze, Löwe, Wassermann und so weiter nicht haltbar. Die Sternbilder sind Liefke zufolge «mitnichten gleich groß». Die Astrologie sei mit dieser Ansicht in der Antike stehengeblieben.

Zeitungshoroskope werden außerdem für ihre Allgemeingültigkeit kritisiert. Astrologe Ludwig sieht in ihnen eher Unterhaltung – und höchstens einen Einstieg in die Astrologie. Teilweise seien sie von Computern erstellt.

Warum manche trotz der oft sehr allgemeinen Formulierungen daran glauben, hat einen psychologischen Grund: die ewige Suche der Menschen nach Orientierung. Daher würden die Vorhersagen als sehr stimmig wahrgenommen, sagt die Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Annette Schlipphak. «Wir Menschen neigen dazu, allgemeingültige Aussagen auf uns selbst zu beziehen. Dabei knüpfen wir an dem an, was wir über uns wissen, und stellen so eine Verbindung zu den Aussagen her.» Aus psychologischer Sicht hält Schlipphak die Aussagen von Horoskopen für nicht haltbar.

Man müsse sich einfach darauf einlassen, entgegnet Ludwig den Vorwürfen von Seiten der Wissenschaft. Die Dinge könnten nicht immer kausal erklärt werden. Was die Zukunft der Zeitungshoroskope betrifft, liegt diese eher in den Händen des Medienmarkts. In den 1980er Jahren boomten die Vorhersagen noch, wie der Astrologe sagt. Danach hatten auch sie es mit schwindenden Auflagen schwerer. «Wenn die Printmedien überleben, dann wird auch das Zeitungshoroskop überleben», so Ludwigs Vorhersage.

Und was hatten vor 90 Jahren die Sterne für die 2002 gestorbene Margaret prophezeit? Ihr Leben werde ereignisreich werden, schrieb Naylor für die später durchaus als feierfreudig bekannte Prinzessin.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Randspaltenformat – columnar format
Zukunft – future
umstrittener – controversial
unterhaltsamer – conversational
Jungfrau – virgo
Sterne – stars
Hinweise – indication
Bedeutung – meaning
Merkur – Mercury
Tierkreiszeichen – astrological signs
Götterboten – messengers of the gods
Überbringer – bearer
Nachrichten – news
Meldungen – reports
besagte – mentioned
kamen gut an – well-received
Vorhersagen – predictions
Unternehmen – businesses
Sternbilder – constellations
jeweiligen – respective
Weltraum – outer space
zweifeln – doubt
Vorkommnisse – occurrences
Klatsch und Tratsch – tittle tattle
Promis – famous people
haltbar – lasting
mitnichten gleich groß – incomparable
Allgemeingültigkeit – universality
Einstieg – gateway
erstellt – compiled
ewige Suche – eternal search
Orientierung – direction
stimmig – accurate
neigen dazu – pay attention to
knüpfen an – attach to
sich darauf einlassen – get involved in
schwindenden – dwindling
Auflagen – circulation
ereignisreich – eventful
durchaus bekannte – quite famous
feierfreudig – partier

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*

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