29. Dezember 2018 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Im Namen des Ehemannes

Ein junges Hochzeitspaar schaut sich während seiner Trauung vor der Standesbeamtin an. Nehmen Männer bei der Hochzeit heutzutage häufig den Namen ihrer Frau an? Oder herrscht bei der Namensverteilung auf dem Standesamt noch immer die Tradition? Das hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden untersucht.
Vor mehr als 25 Jahren kippte das Bundesverfassungsgericht die Pflicht zu einem gemeinsamen Ehenamen. Seither können Frauen bei der Hochzeit ihren Namen behalten. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass sie das in den meisten Fällen gar nicht wollen.

Von Britta Schultejans

Wiesbaden (dpa) – «Die Ägypterinnen behielten ihn. Die Römerinnen auch. Die Germaninnen sowieso. Und in 106 Ländern der Welt ist es selbstverständlich, dass Frauen ihn behalten. Nur die deutschen Frauen verloren ihn in der Neuzeit: ihren eigenen Namen und damit ihre Identität», schrieben die Feministinnen der Zeitschrift «Emma». Sie feierten im Jahr 1991 das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, wonach der Familienname nicht mehr automatisch der des Mannes wurde, wenn sich ein Paar nicht einigen konnte. Frauen durften ihren Geburtsnamen fortan behalten, drei Jahre später trat die entsprechende Gesetzesänderung in Kraft.

Rund ein Vierteljahrhundert später hat sich in der Praxis allerdings gar nicht so viel geändert. Denn allen Freiheiten zum Trotz mögen es Ehepaare in Deutschland gern traditionell – und die meisten Frauen verzichten heute freiwillig auf ihren Namen. Bei rund drei Viertel aller Eheschließungen wird auch heute noch der Name des Mannes zum gemeinsamen Ehenamen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlicht wurde.

Nur einer von 16 Männern in Deutschland nimmt bei der Hochzeit den Nachnamen seiner Ehefrau an. Nur 6 Prozent der Paare entscheiden sich für den Familiennamen der Frau. Etwa doppelt so häufig kommt es laut Studie vor, dass beide Partner ihren eigenen Namen behalten.

Diese Beobachtungen hat auch Beate Tripp vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten e.V. (BDS) gemacht. Die Studienleiterin des Verbandes sagt: «Man ist noch sehr traditionell unterwegs.» Meist einigen sich die Paare schon auf eine bestimmte Namensführung, wenn sie das Aufgebot bestellen – aber manchmal gebe es auch Überraschungen am Hochzeitstag, wenn dann spontan erklärt wird, man wolle doch den Namen des anderen annehmen. «Schatz, das ist mein Hochzeitsgeschenk an dich.» Meistens, so sagt Tripp, machten Frauen dieses Geschenk.

Seit 1976 müssen sich Paare bei der Hochzeit nicht mehr zwangsläufig auf den Familiennamen des Mannes festlegen. Konnten sie sich allerdings nicht einigen, galt der Name des Mannes von der Heirat an für beide. Diese Regelung wurde mit besagter Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Inzwischen ist nicht einmal mehr ein gemeinsamer Familienname Pflicht. Das entsprechende Gesetz trat am 1. April 1994 in Kraft, jährt sich also im kommenden Jahr zum 25. Mal.

Wie die Gesellschaft für deutsche Sprache in Befragungen von Ehepaaren herausgefunden hat, wird es oft mit der Tradition begründet, wenn sich ein Paar für den Familiennamen des Mannes entscheidet. «So ist es üblich, so hat man es seit Jahrhunderten gemacht», sagt Frauke Rüdebusch von der GfdS. «Diese Argumentation wird meist von den Männern selbst genutzt, die es mitunter als ein Zeichen von Schwäche, von Unmännlichkeit empfinden, wenn sie den Namen ihrer Frau annehmen. Dieses Denken ist in den Köpfen vieler Menschen noch stark verwurzelt.»

Daneben gibt es laut der Studie noch viele andere Gründe wie den Klang des Namens, eine sonst aussterbende Familienlinie, einen Firmennamen oder eine auf dem Geburtsnamen aufgebaute berufliche Karriere. Der Kompromiss: der Doppelname, von dem 8 Prozent der Paare Gebrauch machen.

«Mich wundert, dass es nach wie vor so ungleich ist, welcher Name Männern und Frauen wie viel bedeutet», sagt die Soziologin Paula Villa von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. «Und mich wundert schon, wie problemlos eher Frauen ihren Namen aufgeben – das hat schon auch einen symbolischen Wert.»

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Sport

Rückblick

Der Fall Özil: Drama und Politikum des Jahres mit vielen Verlierern

13.05.2018, Großbritannien, London. Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident der Türkei, hält zusammen mit Fußballspieler Mesut Özil vom englischen Premier League Verein FC Arsenal, ein Trikot von Özil. Der türkische Präsident Erdogan ist zu Besuch in London. Foto: Uncredited/Pool Presdential Press Service/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Von Arne Richter

Fußball hat viel mit Politik zu tun. Die Affäre um die Erdogan-Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan erregte die Gemüter in diesem Jahr in ähnlicher Dimension wie das sportliche WM-Scheitern. Die Debatte gab schmerzhafte Einblicke in deutsche Befindlichkeiten im Jahr 2018.

London/Frankfurt/Main (dpa) – Das Drama um Mesut Özil hätte auch William Shakespeare ausreichend Stoff für ein spannendes Schauspiel geboten. Ein Skandal um ein Foto, Eitelkeiten und Enttäuschungen, viele Missverständnisse, ein gefallener Liebling der Massen, drei (ungekrönte) Regenten, ein ungeschickter Fußball-Präsident und der bis heute ungeklärte Einfluss einer schönen Frau – das ist der Rahmen für ein oft unwürdiges Spektakel, das an einem Abend im Mai in einem Hotel in London seinen Anfang fand und an dessen Ende es für den deutschen Fußball nur Verlierer gibt.

Ein Rückblick in elf Akten auf den großen Aufreger des sportlich enttäuschenden WM-Jahres:

DER AFFRONT: Im Londoner Hotel Four Seasons veranstaltet die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein Charity-Dinner. Geladen sind auch die Fußball-Profis Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Die Jungs aus dem Ruhrpott mit türkischen Wurzeln lassen sich mit dem umstrittenen Politiker ablichten, überreichen Trikots. Gündogan schreibt auf seines «für meinen verehrten Präsidenten, hochachtungsvoll». Die Erdogan-Partei verbreitet diese mitten im türkischen Wahlkampf per Twitter – zwei deutsche Fußball-Nationalspieler an der Seite des in Deutschland als Feind der Demokratie geächteten Erdogan sind ein PR-Coup.

DIE REAKTION: DFB-Präsident Reinhard Grindel reagiert schnell und klar in der Sache: Man respektiere die besondere Situation der Spieler mit Migrationshintergrund. «Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden». Özil und Gündogan hätten sich für den Wahlkampf Erdogans «missbrauchen lassen». Oliver Bierhoff kündigt eine Aussprache an. «Die Beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern», sagte der DFB-Teammanager.

Einhellig ist das Urteil aus der Politik. Von rechts außen kommt schnell die Forderung, das Duo aus der Nationalmannschaft zu werfen. Diese Notwendigkeit sieht Grindel nicht. Sein Statement überrascht aber insofern, als dass er selbst keine Probleme hat, mit chinesischen Politikern Kooperationsverträge zu schließen. Womöglich ist die Erdogan-Kritik aber auch ein eigenes Wahlkampfmanöver gegen die Türkei, den Konkurrenten der DFB-Bewerbung um die EM 2024.

DIE NOMINIERUNG: Nur einen Tag nach dem ersten großen Wirbel nominiert Joachim Löw seinen vorläufigen WM-Kader. Der DFB lenkt im Fußballmuseum in Dortmund mit einem Coup vom Thema ab. Der Bundestrainer und sein Team bekommen neue Verträge bis 2022. Doch «Özil&Gündogan» bleibt auf der Agenda. Löw spricht von einer unglücklichen Aktion, macht aber deutlich, beide fahren zur WM: «Selbstverständlich nicht. Daran habe ich nicht gedacht. Zu keiner Sekunde!», sagt er über eine mögliche Ausbootung des Duos. Erdogan wird am gleichen Tag in London von der Queen empfangen.

BEI STEINMEIER: Das Interesse am Thema ebbt ab. Fußball-Deutschland freut sich auf das Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt. Kurz vor dem Anpfiff kommt die Nachricht: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beide Spieler empfangen – auf Wunsch Gündogans, wie sich später herausstellt. Fotos werden publiziert, wie alle drei über den Hof im Schloss Bellevue spazieren. «Heimat gibt es auch im Plural», macht Steinmeier seine Überzeugung deutlich, die in den kommenden Wochen kaum noch eine Rolle spielen wird. Özil sagt in einem schriftlichen Statement: «Ich bin hier aufgewachsen und stehe zu meinem Land.» Viel mehr wird er für die kommenden zwei Monate öffentlich nicht äußern. Das Thema ist wieder in den Schlagzeilen.

IN SÜDTIROL: Das Nationalteam bricht zum Trainingslager nach Südtirol auf. Und hat das Thema als Problem im Gepäck. Özil und Gündogan spalten das Land, es gibt Unterstützung, aber auch massive bis unsachliche Kritik. Ein SPD-Politiker aus Hessen beleidigt sie gar als «Ziegenficker». Die AfD nutzt jede Gelegenheit, um zu polarisieren. In Eppan stellt Löw klar, dass das Thema in der Mannschaft «kein Problem» sei. Beim Test in Österreich (1:2) erzielt Özil das deutsche Tor, wird aber wie Gündogan von einigen Fans ausgebuht. Bierhoff fordert, man dürfe die Beiden nicht «auf ewig verdammen». Kanzlerin Angela Merkel spricht bei ihrem Besuch in Eppan angeblich mit dem Duo «unter sechs Augen».

Beim traditionellen Medientag sprechen alle Spieler, auch Gündogan, aber nicht Özil. Der wird beim Training auf dem Rad fotografiert. Gündogan äußert sich differenziert, nimmt Kritik an, erläutert die Beweggründe für die Fotos und wehrt sich gegen Anfeindungen.

IN LEVERKUSEN: Bei der WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien (2:1) spielt Özil nicht. Gündogan wird eingewechselt und ausgepfiffen. Löw ist darüber erbost. «Dass ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, hilft niemandem.» Schon vor dem Spiel macht Bierhoff einen Fehler und bezichtigt im ARD-Interview die Medien, das Thema immer wieder aufzubauschen. Die Basta-Rhetorik ist ein Zeichen von Schwäche.

IN WATUTINKI: Das historische sportliche Scheitern in der WM-Gruppenphase gegen Mexiko (0:1), Schweden (2:1) und Südkorea (0:2) hat primär nichts mit Özil und Gündogan zu tun. Die Mannschaft spielt in Russland kollektiv schlecht. Özil hat sogar mit die besten statistischen Werte im schwachen deutschen Team – und wird doch von vielen zum WM-Buhmann gestempelt. Wieder setzt es vom rechten Rand dumpfe Verunglimpfung. Aus der Mannschaft wird mittlerweile eingeräumt, dass die Thematik «ein bisschen gestört» habe, wie Kapitän Manuel Neuer meint. Özil schweigt weiter beharrlich zu allen Vorwürfen. Gündogan ist seit seinen Äußerungen in Südtirol aus der Schusslinie.

DIE BREITSEITEN: Das WM-Desaster ist eine Woche her und Löw längst im Urlaub, da verzettelt sich Bierhoff mit missverständlichen Aussagen zur Rolle Özils. Man hätte überlegen sollen, aus sportlichen Gründen auf ihn zu verzichten, sagt er in einem Interview, rudert dann wieder zurück. Es bleibt aber der Eindruck: Özil wird zum WM-Buhmann abgestempelt. Wer nun ein präsidiales, moderierendes Wort von Grindel erwartet, wird enttäuscht. Der DFB-Boss gießt verbal Öl ins Feuer und gibt ebenfalls in einem Interview die Forderung aus: Özil müsse sich nun endlich erklären. Statt den Spieler gegen die laufende Hetze im Netz zu schützen, wird er zum Sündenbock gemacht.

DER RÜCKTRITT: Eine Woche nach dem WM-Finale kommt das von Grindel geforderte Özil-Statement, aber es sieht ganz anders aus, als dieser es erwartet hat. Beim DFB dachte man, Özil würde sich für die Fortsetzung im Deutschland-Trikot entscheiden, quasi klein beigeben. Im Gegenteil: In einer dreiteiligen Social-Media-Offensive rechnet Özil ab. Er erklärt, warum er die Fotos immer wieder machen würde und attackiert schließlich neben Sponsoren und Boulevardmedien den DFB und vor allem Grindel.

«Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre», endet das Statement und damit Özils DFB-Karriere nach 92 Länderspielen und dem WM-Titel 2014 als Krönung.

DIE REAKTIONEN: Der Rassismus-Vorwurf wiegt schwer. Schnell weist der DFB alle Anschuldigungen zurück. Doch Grindel gerät wie Bierhoff unter Druck. Das miserable Krisenmanagement fällt ihnen auf die Füße. Das Thema beschäftigt Deutschland im Sommerloch. Längst ist es ein Politikum, das alle Parteien für ihre Interessen instrumentalisieren. Özil steht stellvertretend für hunderttausende Deutsche türkischer Herkunft und deren angebliche Integrationsprobleme.

In der öffentlichen Wahrnehmung kommt Özil weiter schlecht weg. Die Erklärung sei ihm vom Berater diktiert worden, er dazu intellektuell gar nicht in der Lage. Oder: Die Familie seiner hübschen Freundin habe private Kontakte zu Erdogan, sie sei der Grund für den ganzen Schlamassel.

Schnell kommt es zudem zu einer großen Fehlinterpretation. Obwohl Özil nicht von Rassismus in der Nationalmannschaft selbst geschrieben hat, verteidigen sich Akteure aus dem elitären DFB-Kreis. Geäußerte Worte und gefühlte Wahrheiten verschwimmen. Haften bleibt der große Zorn Özils, vom DFB in schweren Stunden allein gelassen worden zu sein und beim DFB die Enttäuschung, dass der vermeintliche Prototyp der gelungenen Integration einem plötzlich so fremd vorkommt.

DIE ENTTÄUSCHUNG: Löw schweigt auch. Sogar noch länger als Özil. Bei der mit viel Brimborium angekündigten, aber mit wenig Inhalt gefüllten WM-Analyse Ende August spricht dann auch der Bundestrainer und erzählt von der Enttäuschung, dass jeder Kontaktversuch zu seinem einstigen Lieblingsschüler nach dessen Rücktritt vergeblich war. «Ich habe mehrfach versucht, ihn zu erreichen, per SMS oder per Telefon. Es ist mir nicht gelungen, ihn ans Telefon zu bekommen.» Das Thema sei «nervenaufreibend» gewesen, erzählt Löw, aber nicht die Ursache für den WM-K.o. gewesen.

Einen Monat später versucht Löw nochmals, Özil zu sprechen. Beim Besuch der Arsenal-Akademie in London bekommt er seinen Ex-Spieler aber wieder nicht zu Gesicht. «Wir hätten uns gerne mit Mesut unterhalten. Aber wir müssen akzeptieren, dass er momentan das Gespräch mit uns nicht haben will», sagt Bierhoff.

Grindel hat mittlerweile sein Fehlverhalten eingesehen. Kurz vor dem EM-Zuschlag für Deutschland im Zweikampf mit der Türkei sagt er: «Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen.»

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Feuilleton

Neujahrsgrüsse

Möwen fliegen an einem sonnigen Tag über der Altstadt von Prag, Tchechien. Foto: dpa

Neujahrswünsche des Pfarrers von St. Lambert in Münster aus dem Jahr 1883: Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden. Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute. Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde. Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. Gib den Regierenden ein besseres D¡eutsch und den Deutschen eine bessere Regierung. Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen. Aber nicht sofort.

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Gesundheit

Darmkrebs-Test wird weniger genutzt – Experte rät zur Koloskopie

ARCHIV – 27.03.2013, Th¸ringen, Gera: Eine Besucherin steht in einem acht Meter langen begehbaren Darm-Modell im Foyer des Geraer SRH Waldklinikums. Hier beantworten ƒrzte Fragen zum Thema Darmkrebs und seine Vorstufen. (zu dpa “Darmkrebstest wird weniger genutzt – Barmer: erschreckender Trend” vom 30.11.2018) Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ein wichtiger Test zur Früherkennung von Darmkrebs wird von immer weniger Menschen genutzt. Sind die Deutschen Vorsorgemuffel? Ein Hamburger Präventionsexperte hält diesen Schluss für voreilig.

Von Bernhard Sprengel

Hamburg (dpa) – Bei den Überlebenschancen von Darmkrebs kommt es auf die Früherkennung an. Doch immer weniger Menschen nehmen an der üblichen Untersuchung teil. 2016 nutzten 11,4 Prozent weniger Menschen in Deutschland sogenannte Hämoccult-Tests als noch 2012, wie die Barmer-Krankenkasse anhand der Abrechnungsdaten von gesetzlich Versicherten aller Kassen ermittelte. 2012 ließen knapp 3,9 Millionen Männer und Frauen ab 50 Jahren eine Stuhlprobe auf Blutspuren untersuchen, 2016 waren es noch gut 3,4 Millionen.

«Es ist erschreckend, dass immer weniger Menschen die Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch nehmen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Darmkrebs bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung und bei Frauen die zweithäufigste ist», sagte der Landesgeschäftsführer der Barmer in Hamburg, Frank Liedtke. Werde ein Tumor rechtzeitig erkannt, könne die Gefahr zum Beispiel durch die Entfernung von Polypen im Darm gebannt werden. Polypen sind Schleimhaut-Wucherungen, die sich zu bösartigem Darmkrebs entwickeln können. Jährlich erkranken in Deutschland 73 000 Menschen an dem Krebs, und 30 000 sterben.

Der Hamburger Internist und Gastroenterologe Andreas Block reagiert nicht besonders alarmiert auf den Rückgang bei dem Hämoccult-Test. Er hält diese Untersuchung für unzuverlässig. Die Fehlerquote liege bei 20 bis 30 Prozent, sagt Block, der unter anderem den Bereich Prävention am Universitären Krebszentrum leitet. Der Test sei nicht sensitiv genug. Das heißt, Patienten können nicht sicher sein, dass sie bei einem negativen Ergebnis tatsächlich gesund sind. Zudem könne der herkömmliche Stuhltest nicht zwischen menschlichem und tierischem Blut unterscheiden. Schon der Verzehr eines Mettbrötchens am Vortag könne zu einem positiven Ergebnis führen.

Inzwischen gibt es einen neuen immunologischen Stuhltest, der weniger störanfällig sein soll. Er funktioniert über Antikörper, die sich nur an den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin binden. Blut im Stuhl kann jedoch auch aus Hämorrhoiden oder Fissuren stammen.

«Es ist immer noch besser, als wenn man nichts macht, aber viel besser ist natürlich die Darmspiegelung», betont Block. Die Koloskopie sei der «Goldstandard». Ärzte könnten auf diese Weise 98 Prozent der Tumore im Ansatz erkennen und die Polypen auch gleich entfernen. Seit 2002 haben gesetzlich Versicherte ab 55 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung und auf eine weitere zehn Jahre später – insgesamt also nur auf zwei Untersuchungen.

Diese Regelung könne zu dem Rückgang bei dem Stuhltest geführt haben, vermutet Block. Tatsächlich haben die Koloskopien zur Früherkennung deutlich zugenommen, wie die Analyse der Barmer zeigt. Die Zahl der Untersuchungen stieg von 2012 bis 2017 deutschlandweit um knapp 20 Prozent. Die absolute Zahl der Teilnehmer ist mit rund 467 000 gesetzlich Versicherten aber bei weitem nicht so groß wie beim Hämoccult-Test. Allerdings habe man nach einer Darmspiegelung ohne Befund zehn Jahre Ruhe, weil Polypen nur sehr langsam wachsen, erklärte Block.

«Ich glaube es wäre voreilig zu sagen, die Leute werden vorsorgemüde und machen deswegen keinen Hämoccult mehr.» Der anfängliche «Hype» bei der Darmspiegelung sei allerdings auch etwas abgeflaut. Denn die Prozedur ist nicht ganz angenehm. Bereits drei Tage vorher muss eine strenge Diät eingehalten werden. Vor der eigentlichen endoskopischen Untersuchung, die ambulant gemacht wird, bekommen die Patienten ein Beruhigungs- oder ein leichtes Narkosemittel.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) fordert, bereits ab 50 Jahren die Koloskopie zur Früherkennung anzubieten. Die Häufigkeit der Erkrankung steige bereits in diesem Alter deutlich an. Vor allem Männer hätten ein höheres Risiko. Eine Studie mit knapp 1400 Teilnehmern im Alter von 50 bis 54 Jahren habe gezeigt, dass 8,6 Prozent der Männer, aber nur 4,5 Prozent der Frauen fortgeschrittene gut- oder bösartige Tumore hatten.

Das Bundesgesundheitsministerium hat darauf im Oktober reagiert, wie Barmer-Sprecher Torsten Nowak sagt. Ab April 2019 bekommen nun bereits auch Männer ab 50 Jahren schon wahlweise eine Darmspiegelung oder den Hämoccult-Test von den Kassen bezahlt. Für Frauen wird die Koloskopie zur Früherkennung ab 55 Jahren übernommen. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung mache die Untersuchung auch bei 70- und 80-Jährigen noch Sinn, sagte Block.

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Reise

Nordseeurlaub mit Gegenwind – Hallig Hooge im Winter

Unterwegs auf Hallig Hooge bei eher verdrießlichem Wetter.
Foto:dpa
Hallig Hooge ist ein winziges Stück Land mitten in der Nordsee, windumtost, im Winter regelmäßig überflutet. Touristisch ist dann wenig los. Die meisten Restaurants haben zu, die Museen auch. Es gibt Urlauber, die genau das toll finden

Von Andreas Heimann

Hallig Hooge (dpa) – Schon am frühen Abend ist es stockdunkel. Und ziemlich windig. Auf dem Weg von der Hans- zur Backenswarft kann man buchstäblich nicht die Hand vor den Augen sehen. Wer jetzt auf Hallig Hooge noch draußen unterwegs ist, tastet sich Schritt für Schritt vorwärts. Es ist eine Stimmung, die neu angekommenen Großstädtern schnell unheimlich werden kann.

Wenn gleich Theodor Storms Schimmelreiter am Horizont entlang galoppierte, würde es einen nicht wundern. Straßenlampen gibt es keine. Kein Mensch ist zu sehen. Aber der Himmel ist voller Sterne – und auf einmal zeigt sich sogar eine Sternschnuppe.

Es sind diese Momente, für die Gäste auf die nur 5,6 Quadratkilometer große Hallig im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer kommen. Lediglich rund 100 Menschen wohnen hier dauerhaft. Im Sommer wird Hallig Hooge von Touristen überspült, die bei Tagesausflügen für ein paar Stunden über die Hallig laufen, den Film im Sturmflutkino gucken, ein Krabbenbrot essen und dann wieder zum Hafen hetzen. Wenn man die Zahl der Touristen und Einwohner in Beziehung setzt, hat Hallig Hooge ein ähnliches Overtourism-Problem wie Venedig.

«Aber im Winter ist es ruhig», sagt Karen Tiemann, die zusammen mit ihrem Mann in einem Reetdachhaus von 1750 auf der Backenswarft wohnt. Das Haus hat schon ihren Großeltern gehört. «Da kann man mal rausgehen an den Deich oder zum Kaffeetrinken zu den Nachbarn.» Im Sommer hat die gebürtige Hoogerin dafür wenig Zeit. «In meiner Kindheit gab es im Winter keine Gäste, nur zu den Feiertagen. Die Saison ging bis Ende September.» Das hat sich inzwischen geändert.

Aber auch heute sind im Winter nur die wenigsten Ferienwohnungen vermietet. Es gibt Tage, da hat nicht ein einziges Restaurant geöffnet – nicht mal Karen Tiemanns Café «Zum Blauen Pesel».

«Im Winter holen wir nach, wozu man im Sommer nicht kommt», sagt die Hoogerin, die auch Mitglied im Kirchenvorstand und in der Theatergruppe der Hallig ist. «Das ist toll, dann nicht diesen Zeitdruck zu haben.» Und endlich mal dazu zu kommen, Doppelkopf zu spielen, das neue Theaterstück für die nächste Sommersaison zu proben oder ausgiebig zu feiern. Am Samstagabend war so eine Familienfeier, gleich drei Geburtstage auf einmal. Die halbe Hallig war eingeladen. Und etliche sind erst spät schlafen gegangen.

Am Sonntagmorgen in der schönen, kleinen Halligkirche aus dem 17. Jahrhundert ist die Zahl der Gottesdienstbesucher überschaubar. Man hört den Wind draußen pfeifen. Unter der niedrigen Holzdecke hängt ein Schiffsmodell. Am Leuchter brennen Kerzen. Und vorne rechts neben dem Altar ist das Vaterunser auf Plattdeutsch zu lesen: «Uns’ Vadder in’n Himmel: Dien Name schall hillig bleiben.»

Swantje Boyens, an diesem Sonntag Küsterin, reicht jedem ein Gesangbuch. Einen eigenen Pastor hat Hallig Hooge derzeit nicht, die Stelle soll 2019 wieder besetzt werden. Den Gottesdienst hält noch einmal Matthias Petersen, Pastor im Ruhestand, der dafür aus Kiel angereist ist. Im vergangenen Winter hat er vier Monate lang die Vertretung hier übernommen.

«Die Hallig ist ein besonderer Ort», sagt Petersen. «Und der Winter hier ist wunderschön. Ich merke dann so etwas wie Entschleunigung, der Takt ist langsamer.» Und die Kontakte zu den Gemeindemitgliedern seien viel enger als in der Großstadt. «Hier kennt jeder jeden.»

Petersen kann dem viel abgewinnen: «Hallig Hooge ist die Sehnsucht nach dem anderen Leben, die bei mir aber nicht so weit geht, dass ich ganz hierher ziehen würde», sagt er.

Die Hallig ist klein, die Wege von Warft zu Warft sind kurz. Aber was viele Besucher hier empfinden, ist das genaue Gegenteil: ein Gefühl von Weite und Unendlichkeit. Das liegt vor allem an der Nordsee, die die Hallig umgibt und sie regelmäßig überspült. Im Schnitt fünf Mal im Jahr passiert das, meistens im Winter. Dann steht das Wasser überall, nur die Häuser auf den zehn Warften genannten künstlichen Erdhügeln bleiben trocken – wenn alles gut geht.

Dann pfeift der Orkan um die Hausecken, rüttelt an den Fenstern und Dachpfannen. «Es gibt Gäste, die kommen extra im Winter, um mal Landunter zu erleben», sagt Bürgermeisterin Katja Just. «Für die meisten ist das ein Abenteuer.»

Dass es nicht viel häufiger zu Überflutungen kommt, liegt an dem Deich, der einmal um Hallig Hooge herumführt. Er ist elf Kilometer lang – in drei Stunden lässt sich die Hallig umrunden, bei kräftigem Wind in vier. Und Wind gibt es hier oft und viel, zwischen Oktober und April noch mehr als sonst – und gefühlt immer von vorn. Bei kräftigem Frost frieren die Priele zu. Dann können Halligbewohner und Besucher übers Eis schlittern oder sogar Schlittschuh laufen.

Manchmal gibt es auch richtig viel Schnee. Und bei Dauerfrost treiben zwischen den Halligen Eisschollen in der Nordsee. Deren Wasser ist im Winter oft schlammgrau. Und der Himmel sieht manchmal nicht viel anders aus. Bei Ebbe kann man auch im Winter ins Watt laufen. Die Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer bieten neben Vorträgen auch Führungen an, selbst bei Minustemperaturen.

Jasin Olschowka, der dort seinen Bundesfreiwilligendienst macht, wartet schon am Deich nicht weit von der Ockelützwarft, auf der Kindergarten und Schule der Hallig ihren Platz haben. Der Wind bläst kräftig, auf dem Wattboden steht hier und da noch Wasser. Vor dem Deich liegt jede Menge Seegras, das im Winter abstirbt und nun angespült wurde.

Das Watt ist auch bei Kälte voller Leben. Zugvögel wie die Knutts sind allerdings längst im Süden, Ringel- und Graugänse sind nur noch wenige zu sehen, hier und da ein Austernfischer. Wattschnecken lassen sich problemlos auch bei Kälte finden, genau wie Herzmuscheln. Jasin gräbt auch Ringel- und Wattwürmer aus und zeigt auf die Nordseegarnelen, die durch die Pfützen flitzen.

Es ist schon wieder später Nachmittag. Auf dem Priel vor der Kirchwarft schwimmt einsam eine Stockente. Die Wasseroberfläche kräuselt sich leicht. Am Horizont sind die Häuser der Hanswarft zu sehen – aber kein Mensch weit und breit. Die Sonne geht unter, die Wolken stehen still. Man kann dabei zugucken, wie es dunkel wird. Bald ist es wieder schwarz wie die Nacht.

Anreise: Hallig Hooge liegt südöstlich von Sylt etwa 18 Kilometer vor der Küste im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Im Winter gibt es bis auf Montag und Mittwoch eine tägliche Fährverbindung ab Schlüttsiel. Das Schiff nimmt auch Autos mit.

Übernachtung: Hallig Hooge hat zehn bewohnte Warften und rund 100 Einwohner. Viele Hooger vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, im Winter allerdings nur rund ein halbes Dutzend.

Auch Restaurants, Cafés und die beiden kleinen Museen sind nur eingeschränkt geöffnet.

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Plastik wird recycelt – oder? Fünf Probleme mit Kunststoff-Müll

Die Deutschen gelten als Meister im Mülltrennen und Wiederverwerten von Plastikabfall «Weltmeister». Foto: dpa

Berlin (dpa) – Plastik ist leicht, vielseitig, billig zu bekommen, in unserem Alltag allgegenwärtig – und hat ein Image-Problem. Bilder von zugemüllten Meeren schockieren die Deutschen. Supermärkte werben damit, dass sie Einweg-Strohhalme und -Besteck aus den Regalen nehmen und Kunststofftüten von den Kassen verbannen. Als Umwelt-Thema ist Plastik «in». Kein Wunder also, dass die neue Bundesumweltministerin während ihrer ersten «Sommerreise» eine Recyclinganlage besucht.

Der scharfe Müllgeruch steigt in die Nase und bleibt lange hängen. Die Maschinen sind laut, hier bei der Hubert Eing Kunststoffverwertung darf man nur mit Gehörschutz arbeiten. Auf dem Hof stehen gewaltige Packen aus Plastikmüll und noch größere weiße Säcke mit kleinen bunten Etiketten. Sie zeigen an, welche Qualität das «Recyklat» darin hat, also das Material aus Altplastik, aus dem zum Beispiel Geräte für Kinderspielplätze oder Parkbänke werden.

Hier wird Abfall zerkleinert, sortiert, gereinigt, weiter zerkleinert und schließlich wieder verkauft. Was nicht recycelbar ist, wird verbrannt – «thermisch verwertet» zur Gewinnung von Strom und Wärme. Das gelte auch für alte Elektrogeräte oder anderen Müll, erklärt Unternehmenschef Stephan Eing. Die Disziplin der Bürger beim Mülltrennen habe stark nachgelassen. «Wir haben letztens einen Satz Winterreifen bekommen.»

Eing gehört zur deutschen Kreislaufwirtschaft, einer großen Branche aus kommunalen und privaten Unternehmen, die fast 300 000 Menschen beschäftigen. Im Bereich Abfallverwertung und -beseitigung sind es 129 000. Die Sortierung und Recycling sind fast ausschließlich Sache privater Unternehmen, fürs Verpackungsrecycling sind die Dualen Systeme – darunter «Der Grüne Punkt» – verantwortlich. Die Branche, die Politik und Umweltverbände sind sich einig: Beim Thema Wiederverwertung ist Deutschland im weltweiten Vergleich ganz vorn. «Weltmeister», sagt Svenja Schulze.

Aber auch das deutsche Recyclingsystem hat Schwächen. An manchen wird gearbeitet, manches ändert sich schon nächstes Jahr – anderes nicht. Eine Auswahl:

1. Nicht jedes Plastik ist recycelbar – oder wird recycelt.
Es gibt viele unterschiedliche Plastiksorten, nicht aus allen wird wieder ein Nutzgegenstand. Benjamin Bongardt vom Nabu nennt das Beispiel PET: Flaschen aus Polyethylenterephthalat können wieder Flaschen werden, PET-Schalen als Verpackung für Obst werden dagegen nicht recycelt. Auch Folien seien schwierig, vor allem kleinere: Dafür gebe es bisher wenige Anlagen, erklärt Bongardt. Und: Verbrennen sei billiger als wiederverwerten, sagt Stephan Eing. Er recycelt daher so viel, wie derzeit vorgeschrieben: 36 Prozent. Vom gesamten Plastikmüll werden laut Ministerium rund 45 Prozent «stofflich wiederverwertet», also nicht verbrannt. Das neue Verpackungsgesetz erhöht ab 2019 die Quoten, 2022 sind 63 Prozent vorgesehen.

2. Manchmal geht Design vor Umwelt.
Eine Waschmittelflasche wird schwarz gefärbt, eine Shampoo-Flasche ist komplett von einer dünnen bedruckten Folie umschlossen. Das mag gut aussehen – erschwert oder verhindert aber oft das Recycling, weil die Maschinen das Material nicht erkennen und sortieren können. Ab 2019 müssen deswegen die Dualen Systeme von den Herstellern für schlecht recycelbare Verpackungen mehr Lizenzgebühren verlangen als für andere. Manche Hersteller wollen auch keine Recyclate, also wiederverwertetes Plastik, einsetzen, weil es zum Beispiel grau ist statt strahlend weiß.

3. Nicht das ganze Plastik landet im Recycling-System.
Viele wissen gar nicht, dass sie in die gelbe Tonne oder den gelben Sack nur Verpackungen werfen dürfen. Also zum Beispiel keine Strohhalme, aber die Folie um die Halme schon. Immerhin ist der Anteil hoch: «40 Prozent aller Kunststoffe gehen in die Verpackung», sagt Bongardt, «und Verpackungen werden sofort zu Müll.» Darum steht Verpackungsmüll oft so im Fokus. Der Rest allerdings landet im Restmüll, der nur vereinzelt noch mal sortiert wird, die Regel ist Verbrennung. Eine orangene Wertstofftonne, in die jedes Plastik (und Metall) hinein darf, erhöht den Anteil. Es gibt sie aber nur, wo sich Kommunen und Duale Systeme darauf verständigen. Ein neuer Anlauf, eine solche Wertstofftonne flächendeckend einzuführen, ist nicht geplant.

4. Irgendwann ist Schluss mit Recycling.
Bei manchen Kunststoffarten, insbesondere bei PET-Flaschen, ist ein geschlossener Kreislauf möglich, aber die Regel ist das nicht. Recycling ist oft «Downcycling»: Aus PET-Einwegflaschen wird dann zum Beispiel doch keine neue Flasche, sondern Fasern für die Textilindustrie, die nicht erneut wiederverwertet werden können. Die Plastiksorten PE und PP, also die mehrheitlich eingesetzten Polyolefine, verlieren bei jeder Behandlung an Qualität, erklärt Rolf Buschmann von der Umwelt-Organisation BUND.

5. Das System hat Schwächen.
Die verschiedenen Verpackungsmüll-Entsorger – die Dualen Systeme – stehen in Konkurrenz zueinander. Immer wieder gibt es Klagen über «schwarze Schafe», die rechtliche Schlupflöcher nutzen und Billig-Angebote auf Kosten der anderen machen, sowie Unstimmigkeiten bei den gemeldeten Abfall-Zahlen. Für Streit sorgt unter anderem Verpackungsmüll etwa aus dem Online-Versandhandel, für den niemand Lizenzgebühren gezahlt hat. Hier soll die Zentrale Stelle, eine neue Behörde, ab 2019 für mehr Transparenz sorgen.

Perfekt läuft das Recycling in Deutschland also auch nicht. Wichtig ist Umweltschützern deswegen eine Botschaft: Deutschland ist nicht nur ganz vorn bei der Wiederverwertung, sondern auch beim Müll-Aufkommen. Etwa sechs Millionen Tonnen Plastikmüll fallen pro Jahr insgesamt an. «Das Problem liegt am Anfang der Kette», sagt Buschmann BUND. «Brauchen wir so viel Einweg, so viele komplizierte Verpackungen?» Recycling sei wichtig – aber an erster Stelle müsse stehen, den Müll zu vermeiden.

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Aus Allen Staaten

Voller Erfolg beim “Christkindlmarkt“

Es ist inzwischen Tradition bei unserem Chor, dass wir am Sonntag nach Thanksgiving in der Carpathia den “Christkindlmarkt” abhalten. In diesem Jahr war das der 25. November, genau eine Woche vorm 1. Advent. Die Halle war weihnachtlich geschmueckt – sehr stimmungsvoll. Fuer rund 50 Haendler hatten wir Verkaufstische reserviert. Es waeren gern noch mehr gekommen, wenn der Platz zur Verfuegung gestanden haette. Die Vorbereitungen, z.B. das Aufstellen der Tische, findet am Tag vorher statt, so dass die Haendler, wenn sie am Sonntag frueh ab 07:00 kommen, sofort ihre Waren auspacken und ausbreiten koennen. Fuers Publikum wurde die Carpathia um 10:00 geoeffnet – da warteten schon die ersten Besucher. Wer so frueh kam, brauchte sich allerdings keine Sorgen zu machen, ob man einen Parkplatz finden wuerde. Das wurde erst spaeter zu einem Problem. Wie sagt man bei uns? Der Parkplatz lief ueber! Das war jedoch an diesem Sonntag nicht so schlimm: das Wetter war heiter bis wolkig, es regnete nicht, es schneite nicht, und ein paar Schritte zu Fuss sollen doch gut fuer die Fuesse und das allgemeine Wohlbefinden sein –  behaupten jedenfalls die Fitnessexperten. In der Halle war es dann von 10:00 – 17:00 “busy” . Auf der Buehne hatten Santa Claus und Mrs. Claus Platz genommen und gaben Kindern Gelegenheit, mit ihnen fotografiert zu werden. Fuer alle Interessenten und Kaeufer war es mehr “shop till you drop” als “besinnliche Adventszeit”.

Zum Christkindlmarkt gehoert natuerlich auch Santa’s Cafe. Von der Grossen Halle brauchen die Gaeste nur ein paar Schritte ueber den Flur zu gehen und sind schon da, wo Kaffee, Tee, Cider und die grosse Auswahl an Torten und Kuchen auf sie wartet. Wie in jedem Jahr hatten die Chormitglieder und Freunde vom Chor ihr Bestes getan und wunderbare Torten und Kuchen gebacken. Von Schwarzwaelder Kirschtorte bis zu Frankfurter Kranz, von Erdbeer- oder Himbeersahnetorte bis zu Streuselkuchen, Bienenstich, Kaesekuchen – fuer jeden Geschmack war etwas dabei. Die Wahl war nicht immer leicht, weshalb dann gleich 2 Stuecke auf den Tellern landeten.

Dezent, als Hintergrund, wurde alles mit weihnachtlicher Musik begleitet. Langeweile kam beim “Kuechen- und Bedienungspersonal” nicht auf, da staendig wieder Gaeste kamen, die dieser Auswahl von Kuchen und Torten auch nicht widerstehen konnten – oder nicht widerstehen wollten. Die fleissigen Mitarbeiter brauchten zum Schluss dann nur noch “Kruemel” zu entsorgen.

Die Haendler waren morgens, bei Dunkelheit, gekommen. Als nun eingepackt und eingeladen wurde, war es wieder dunkel. Ein fuer alle zufriedenstellender Tag war vorbei – und wir freuen uns jetzt schon auf den Christkindlmarkt und ein Wiedersehen im naechsten Jahr – am 1. Dezember 2019.

  E.H.

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Jim Stokes Receives Coveted Golden Angel Award

James R. Stokes, an attorney, retired public servant and a longtime participant in local German-American activities, was honored with the “Golden Angel” award presented by outgoing Honorary Consul Frederick W. Hoffman on Oct. 3 during the annual German Unity Day Reception at the Carpathia Hall in Sterling Heights, Michigan.

The award represented the final act during Hoffman’s 16-year term as Germany’s Honorary Consul in Michigan, and it acknowledged the dedication and support Stokes, his husband, has given to him and to the community throughout his entire tenure.

“Jim may be the first non-German to earn this recognition, but it is certainly well deserved,” Hoffman said. “From day one, he has been at my side in assisting German citizens in trouble, participating in community events and even pinch-hitting for me when that was necessary.”

Early on, he was presented a True Friend of Germany award in context of his encouragement of the Eugene Strobel Scholarship at Wayne State University’s iconic Junior Year in Munich program.

He participated in German-American activities around the state, often sporting his US-Germany flag pin. He even participated, with Hoffman, as an honored guest at the historic Steuben Parade on Fifth Avenue in New York City, Christkindlmarkt ceremonies in Chicago, and numerous German government-sponsored programs in both, the U.S. and Germany.

“In the past three years, as I have been battling cancer, he took on an even greater role,” Hoffman said. “He sat in on every consular appointment, assisting with arrangements and copying; he drove me and escorted me to every event and activity all over the state; and he fielded dozens of calls, emails and messages – along with my great associates Gisela Blevins and Tammy Mach – to help ease my load. There is no way I could have kept up without this assistance.

What some people do not know is that when Hoffman was first appointed to the honorary job (he was then serving as State Relations director at DaimlerChrysler), he had no German language expertise. “Not that I have much now, but Jim pitched in and volunteered to take Saturday German lessons with me – and we did that for two years under the guidance of the very patient Dagmar Kuche,” Hoffman said.

“It has been a great run. I served under five German presidents, three German chancellors, five German ambassadors and five German consuls general, including the present one, Herbert Quelle,” he said. “All of the people we have worked with through all these years treated us as a team. When I was first appointed, I remember distinctly the then Consul General Alexander Petri sitting in our dining room in Rochester Hills telling Jim that he was now as much a part of the ‘family’ as I was and that he was welcome and included in everything.”

“For all of these reasons, I was proud to present Jim with my final Golden Angel award,“ he concluded.

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St. Peter’s Lutheran Church

St. Peter’s Lutheran Church has been quite busy these past few months collecting blankets for Children’s Hospital in Detroit. During the Summer & Fall, all sorts of blankets were being brought to the church; knitted ones, crocheted, quilted, hand-tied fleece blankets, all sorts and sizes. It was amazing to watch the pile of blankets grow.

On Sunday, November 11th, during the 10:00 AM service, with all the blankets laid out in the pews, Pastor Gerry & the members of St. Peter’s placed their hands on the blankets and blessed all of them. The following day the blankets were bagged and taken down to the hospital. The staff could not believe that we were delivering 528 blankets along with misc. hats, booties & pj’s.

We could not have accomplished this feat without the help of the GBU Choir District 821, American Lutheran Church, Faith Lutheran Church, Cana Lutheran Church, Emmanuel Lutheran Church, St. John’s Lutheran Church and Holy Spirt Lutheran Church as well as individual friends of St. Peter’s.

St. Peter’s is now getting ready for our Advent Celebration and Cookie Sale on December 9, 2018 at 10:00 AM. Our ladies have been baking delicious German cookies and baking even more cookies to accommodate the sale and demand for them. Through the years it has become a tradition that the Carpathia Choir joins us during the 10:00 AM service to sing Advent and Christmas songs. Afterwards, everyone enjoys fellowship and refreshments in the festively decorated hall all while picking out their box of cookies. You are all invited to join us!

AC

St. Peter’s Lutheran Church
11423 Chicago Rd
Warren, MI 48093
(586) 979-3850

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