29. Januar 2022 Selected Articles

Aus Aller Welt / Sport / Feuilleton / Gesundheit/Umwelt / Reise / Tipps und Trends / Aus Allen Staaten

Aus Aller Welt

Sauna-Boom in der Pandemie: Fans holen sich Hitzekabinen nach Hause

Lüneburg: Indra Küster steht vor ihrer mobilen Sauna, die auf einem Anhänger aufgebaut ist. Viele Menschen vermissen in Corona-Zeiten den Gang in die Sauna. Indra Küster aus Lüneburg kam die Idee einer mobilen Sauna – die ist nun richtig gut gebucht. Foto: dpa

Lüneburg (dpa) – Öffentliche Saunabäder mussten in der Pandemie monatelang schließen, dafür verkaufen Hersteller zunehmend Saunen an Privatleute. Eine Fass-Sauna aus Holz zum Beispiel lässt sich in den Garten stellen und kann sogar per Anhänger transportiert und vermietet werden. «Während die öffentlichen Saunabäder pandemiebedingt 30 bis 50 Prozent Umsatzeinbußen verschmerzen müssen, haben Hersteller mit privaten Saunas 15 bis 20 Prozent höhere Verkaufserlöse», sagt Rolf-Andreas Pieper, Mitglied im Präsidium des Deutschen Sauna-Bundes, der Deutschen Presse-Agentur.

Viele Menschen wollten in der Pandemie demnach nicht auf ihr gesundheitsorientiertes Hobby verzichten. Der Deutsche Sauna-Bund mit Sitz in Bielefeld hat gut 1000 Mitglieder, vor allem Bäderbetreiber.

Den Zuwachs bei Privat-Saunas zeigten auch Daten des Statistischen Bundesamtes, sagt Thorsten Damm vom Bundesfachverband Saunabau, Infrarot- und Dampfbad in Wiesbaden. Zwar sei in Pandemiezeiten wegen der Schließungen weniger in große Saunaanlagen investiert worden, dafür hätten sich viele Nutzer zu Hause eine Sauna eingebaut. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 hätten 13 deutsche Hersteller im ersten Halbjahr 2021 bei Saunakabinen aus Holz eine Steigerung der Stückzahlen von 118 Prozent verzeichnet. Es seien deutlich mehr Kabinen eingebaut worden, aber im Schnitt weit günstigere als 2020, also eher im Privatbereich.

Nach Angaben des Deutschen Sauna-Bundes bezeichneten sich vor der Pandemie knapp 31 Millionen Menschen bundesweit als Saunagänger, von ihnen nutzten laut Pieper 16 Millionen Saunen in öffentlichen Bädern.

Im niedersächsischen Lüneburg zum Beispiel hat Indra Küster während des Corona-Lockdowns eine Sauna selbst gebaut, die sie inzwischen an vier Tagen in der Woche vermietet. In Celle vermieten Gina Hoog und Timo Maurer eine mobile Fass-Sauna, derzeit noch als Nebengewerbe. Die Geschäftsidee habe in der Pandemie einen starken Schub bekommen, sagen die beiden Gründer.

Top

Sport

Olympia zwischen Protz und Nachhaltigkeit: «Es ist der Wahnsinn»

Wohl kaum schneeweiß, aber «grün». Nicht pompös, sondern «schlicht» sollen die Winterspiele in Peking werden. Die Widersprüche sind groß, der Aufwand ist gigantisch. Wie nachhaltig ist die Olympia-Show?

Von Andreas Landwehr
Zhangjiakou (dpa) – «Das Wetter hier ist wirklich gut zur Herstellung von Schnee», sagt Pierpaolo Salusso über die hügelige Gegend von Zhangjiakou und Yanqing vor den Toren Pekings, wo die Skiwettbewerbe der Olympischen Winterspiele stattfinden. «Es ist allgemein trocken und sehr kalt.» Der Italiener führt durch die örtliche Werkshalle von TechnoAlpin und zeigt die neuesten Schneekanonen des Südtiroler Herstellers. Der Weltmarktführer für Beschneiungsanlagen wird dafür sorgen, dass ausreichend und guter Schnee auf den Skipisten liegt, wenn vom 4. bis 20. Februar die Winterspiele stattfinden.

Ausgerechnet in einer der trockensten Regionen der Welt findet das olympische Schneespektakel statt. Peking ist die erste Stadt, in der sowohl Sommer- als auch Winterspiele stattfinden. Wie schon 2008 scheuen die chinesischen Olympia-Macher auch diesmal keine Mühen und Kosten. Umstritten sind die Spiele nicht nur wegen der weiter um sich greifenden Pandemie oder der Menschenrechtsverstöße des repressiven Systems, sondern auch wegen der Kritik an mangelnder Nachhaltigkeit oder einem gewissen Gigantismus in China. Der sozialistische Staatsapparat wirft sein volles Gewicht hinter die Austragung.

Kritiker bemängeln Verschwendung von Wasser und Strom für die Schneeproduktion in Peking, wo es im Winter oft monatelang keine Niederschläge gibt. Aber Kunstschnee wird auf allen Pisten der Welt gebraucht, egal, ob es schneit oder nicht. «Kunstschnee ist kein Hilfsmittel im Notfall», sagt Yan Jiarong vom Organisationskomitee. «Es ist in Wirklichkeit eine objektive Notwendigkeit, um die Qualität des Schnees für große internationale Wettkämpfe zu garantieren.» Auch sei nur ein kleiner Prozentsatz des lokalen Wasserkonsums nötig.

Der Strom für die Schneekanonen und die Olympia-Stätten fließt über das Umspannwerk in Gonghui 75 Kilometer von Zhangjiakou. «Erstmals in der olympischen Geschichte werden die Austragungsorte mit 100 Prozent grüner Elektrizität versorgt», sagt ein Elektriker und stellt die moderne Anlage vor. Windräder und Solarzellen seien in der Region installiert worden. «Das Versorgungsnetz kann den ganzen Bedarf der 26 Stätten decken.» Vor allem aber die Heizungen der Hotels, Gebäude und Wohnungen fressen im kalten Winter den Strom, schildern die Verantwortlichen. Und sollte es mal nicht reichen, könne auch das nationale Netz angezapft werden, räumen sie ein. Die landesweite Stromversorgung speist sich allerdings vor allem aus Kohlestrom.

«Kohlendioxidneutral» lautet das hehre Ziel: 85 Prozent der Olympia-Fahrzeuge sollen mit Strom oder Wasserstoff fahren. Zum Ausgleich für Emissionen wurden Bäume gepflanzt – sogar in Mali und Senegal. Aber wie grün werden die Spiele wirklich? «Nachhaltigkeit bleibt ein trügerisches Konzept in Olympischen Spielen und generell bei Mega-Veranstaltungen», fasst nüchtern eine Studie internationaler Forscher zusammen, die das Magazin «nature» veröffentlichte. «Alle Olympischen Spiele geben vor, nachhaltig zu sein, aber schaffen es gleichermaßen nicht, eine kohärente Definition oder ein Modell für eine unabhängige Überprüfung zu liefern.»

Da wegen der Pandemie keine ausländischen Zuschauer an den Spielen teilnehmen, ist der Ausfall der Flugreisen wahrscheinlich einer der größten Beiträge für einen ökologischen CO2-Fußabdruck. Zum Thema Nachhaltigkeit heben Pekings Olympia-Macher auch hervor, dass Olympia-Stätten der Sommerspiele 2008 ja ein zweites Mal benutzt werden. Der «Wasserwürfel» für die Schwimmwettbewerbe wurde zum «Eiswürfel» für Curling. In der Wukesong-Basketball-Arena wird Eishockey gespielt. Und die Eröffnungs- und Schlussfeiern finden wie 2008 im «Vogelnest» statt. Dass das Nationalstadion in den 14 Jahren seither kaum für Veranstaltungen genutzt wurde, sondern ein Dasein vor allem als architektonische Attraktion fristet, bleibt unerwähnt.

Dass die Spiele «schlicht» ausfallen sollen, wie offiziell beteuert wird, steht gleichwohl im Widerspruch zum eigentlichen Aufwand. Pekings Olympia-Macher investierten Milliarden für den «Eisschleife» (Ice Ribbon) genannten Hallenneubau, die große Skischanze oder die auch als «protzig» kritisierte Bob- und Rodelbahn – ganz zu schweigen von der Hochgeschwindigkeitsbahn zu den entfernt gelegenen Stätten vor den Toren Pekings. Und die Skipisten wurden ausgerechnet in das frühere nationale Naturreservat Songshan gebaut, dessen Grenzen 2015 kurzerhand dafür neu gezogen wurden, was Biologen empörte.

«Gigantisch» findet der Sportdirektor der deutschen Snowboarder, Andreas Scheid, den Aufwand. «Was hier an Beschneiungsanlagen, Liftanlagen und so weiter aus dem Boden gestampft wurde, ist der Wahnsinn», sagte der 49-Jährige. «Für uns Europäer wirkt das in der heutigen Zeit etwas befremdlich.»

Top

Feuilleton

Franz-Marc-Gemälde «Die Füchse» zurück bei den Erben

Das Gemälde «Füchse» von Franz Marc (1880-1916).
Foto: Marcel Kusch/dpa

Düsseldorf (dpa) – Die Stadt Düsseldorf hat das Gemälde «Die Füchse» von Franz Marc an die Erben des einstigen jüdischen Besitzers zurückgegeben. Das teilte die Stadt mit. Demnach wurde das Werk, dessen Wert auf rund 14 Millionen Euro geschätzt wird, im städtischen Museum Kunstpalast übergeben.

Der Rückgabe war ein monatelanges juristisches Tauziehen vorausgegangen, nachdem der Rat der Stadt Ende April 2021 nach einem jahrelangen Raubkunst-Streit seine Zustimmung gegeben hatte. Das Marc-Gemälde war 1962 als Schenkung aus dem Schweizer Kunsthandel nach Düsseldorf gekommen. Das expressionistische Meisterwerk galt als eines der Spitzenwerke des Kunstpalastes.

Die Stadt Düsseldorf und die Erbengemeinschaft hatten im November 2021 eine Rückgabevereinbarung über das expressionistische Meisterwerk an die Erben des von den Nationalsozialisten verfolgten Kurt Grawi (1887-1944) beschlossen. Das Kommunalparlament war einer Empfehlung der Beratenden Kommission für Raubkunstfälle gefolgt. Die Rückgabe verzögerte sich zunächst wegen einer Strafanzeige und dann wegen einer schenkungsrechtlichen Prüfung der Stadt Düsseldorf. Die im Fall Grawi anspruchsberechtigte Erbin ist 92 Jahre alt.

Im September hatte sich der Jüdische Weltkongress in den Streit eingeschaltet und der Stadt Düsseldorf wegen der Verzögerungen mit juristischen Schritten gedroht. «Mit der Rückgabe des Gemäldes an die Erben Kurt Grawis wird nun einer der wichtigsten Beschlüsse der bisherigen Amtsperiode vollzogen. Ich habe im Verlauf der Diskussionen stets betont, dass die Landeshauptstadt Düsseldorf sich ihrer historischen Verantwortung bewusst ist und den Empfehlungen der Beratenden Kommission Folge leistet», sagte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) laut Mitteilung. Das werde auch für die Zukunft gelten, so Keller.

Top

Gesundheit

Pandemie verlagert den Alkoholkonsum von Partys auf die Couch

Weniger Partys, und zwei Jahre kein Oktoberfest: Das hat sich 
deutlich auf das Trinkverhalten in Deutschland ausgewirkt.  Foto: Finn Winkler/dpa

Von Simone Humml
Berlin (dpa) – Zwei Jahre kein Oktoberfest, weniger Partys und kaum noch Weihnachtsfeiern: Das hat sich deutlich auf das Trinkverhalten in Deutschland ausgewirkt. Es habe bislang während der Corona-Pandemie weniger Gelegenheiten zum gemeinsamen Trinken gegeben, sagt Suchtmediziner und Ärztlicher Direktor Falk Kiefer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Dennoch sei der durchschnittliche Alkoholkonsum in Deutschland im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie in etwa gleich geblieben, er habe sich nur in die Wohnungen und damit auf eine spezielle Untergruppe von Konsumenten verlagert, erläutert Kiefer, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie ist.

«Menschen, die ohnehin schon regelmäßig Alkohol zuhause getrunken haben, zum Beispiel zum Schöntrinken des Abends – zum Vertreiben von Einsamkeit, Langeweile oder Sorgen, die trinken nun mehr», sagt Kiefer mit Verweis auf eigene und internationale Studien. Für Deutschland heißt das: «Die rund 25 Prozent der Erwachsenen, die vor der Pandemie überdurchschnittlich viel getrunken haben, haben ihren Konsum im Schnitt gesteigert.» Die meisten Menschen hätten ihren Alkoholkonsum jedoch nicht geändert, einige, die Geselligkeits- oder Partytrinker, ihn sogar reduziert.

Im ersten Lockdown hatten laut einer Studie des Zentralinstituts und der Uniklinik Nürnberg sogar 37 Prozent der über 2000 befragten Erwachsenen einen höheren Alkoholkonsum angegeben als zuvor, 21 Prozent einen geringeren. Ein ähnliches Bild ergab sich dabei für den Tabakkonsum. Auch wenn solche Studien auf oft online erhobenen Selbstauskünften beruhen, sind die Ergebnisse durch die hohen Fallzahlen und die internationale Vergleichbarkeit laut Kiefer belastbar.

Der Bundesverband Wein und Spirituosen International kann das Bild für Alkohol im Groben belegen: Im Lebensmitteleinzelhandel und Online-Handel sei der Absatz von Wein und Sekt gestiegen, dies kompensiere die pandemiebedingten starken Rückgänge im Gastronomiebereich zumindest teilweise.

Ein internationales Team um Jakob Manthey von der TU Dresden hatte 40 000 Menschen in 21 Ländern Europas von April bis Juli 2020 nach dem Alkoholkonsum befragt. Demnach wurde in dieser Zeit insgesamt etwas weniger Alkohol getrunken als zuvor. «Der Rückgang des Konsums ist vor allem auf eine Reduktion der Gelegenheiten zum Rauschtrinken zurückzuführen», schreiben die Autoren.

In Deutschland (1659 Befragte; 24.4. bis 30.6.2020) habe der Konsum im Schnitt nicht so stark abgenommen wie in Europa insgesamt. So hätten weniger Menschen das Trinken reduziert. Zudem habe es eine Zunahme des Konsums bei Frauen gegeben, bei Menschen mit beruflichen und finanziellen Schwierigkeiten sowie bei denjenigen, die ohnehin schon einen riskanten Alkoholkonsum hatten. Ein möglicher Grund sei der vergleichsweise geringe Preis: «In Deutschland sind alkoholische Getränke traditionell unterdurchschnittlich besteuert», schreiben die Forscher. Hier könne der Staat ansetzen.

Auch Kiefer sieht als einen Grund für ein vermehrtes Trinken den pandemiebedingten psychosozialen Druck. «Menschen, die die Pandemie als belastend empfunden haben, haben im Schnitt mehr getrunken als andere.» Stressfaktoren sind laut Kiefer zum Beispiel Mehrfachbelastungen durch Kinder im Home-Schooling oder Ehepartner im Homeoffice. Aber auch Langeweile und das Gefühl des Nichtgebrauchtwerdens sei für einige ein Grund zum Trinken.

Nach Angaben von Christine Kreider von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ist es schwer, wieder von einem erhöhten Konsum loszukommen. «Alkohol hat die Eigenschaft, dass man sich an ihn gewöhnt.»

«Wir haben zudem eine Kultur, in der Alkoholkonsum normal ist. Wir müssen aber vor allem eine Kultur entwickeln, in der wir mit Freunden, Bekannten und Familie darüber sprechen können», sagt die Expertin für Suchtprävention. Um ein besseres Gefühl für den eigenen Konsum zu erhalten, könne es helfen, sich selbst genauer zu beobachten, sagt sie und rät etwa, ein Trinktagebuch zu führen, dass es bei der DHS auch als App gibt (http://www.trinktagebuch.org). Auch Menschen, die denken, dass sie zu viel trinken, aber noch kein richtiges Problem damit haben, könnten zur Suchtberatung gehen. Und jeder sollte sich notfalls wirklich Hilfe holen: «Alkoholsucht ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit», sagt Kreider.

Angehörige und Freunde sollten es ansprechen, wenn sie meinen, dass jemand zu viel trinkt, rät Mediziner Kiefer. «Wichtig ist, dies nicht als Vorwurf zu formulieren, sondern als Sorge um den anderen. Das regt mehr zum Nachdenken an.»

Alkoholkonsum ist laut Kreider immer riskant. «Es ist ein Zellgift, das schadet mit jedem Tropfen und spielt bei rund 200 Krankheiten eine Rolle. Das berühmte gesunde Glas Rotwein ist ein Ammenmärchen», sagt Kreider. «Kein Tropfen Alkohol ist daher der beste Weg.» Möchten Erwachsene dennoch etwas trinken, sollte die Menge bei gesunden Frauen 12 Gramm Alkohol (etwa 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein) pro Tag nicht überschreiten, für Männer gelte die doppelte Menge. Als Voraussetzung dafür sieht die DHS dabei mindesten zwei bis drei alkoholfreie Tage pro Woche an. Jeder reagiere zudem anders auf Alkohol, so seien etwa auch Größe und Gesundheitszustand zu beachten.

Und für Feste wie etwa Silvester? Vorher überlegen, wie viel man trinken wolle, rät Kreider. «Sich bewusst machen, was man möchte, und das den anderen auch sagen.» Und eben auch mal deutlich machen: «Ich habe mich entschieden, heute keinen Alkohol zu trinken.»

Top

Reise

Wintersport in Oberstaufen

Beliebter Treffpunkt für Familien in Oberstaufen:
das Imberghaus in der Skiarena Steibis. Foto: Doris Burger/dpa

Oberstaufen (dpa) – Die Skiarena Steibis liegt nicht in den Rocky Mountains, sie bietet kein Heli-Skiing oder endlose Winterwildnis für abenteuerlustige Skitourengeher, die im Selbstversorgermodus tagelang unterwegs sind. Aber sie bietet mit nur 18 Pistenkilometern die Heimeligkeit, die vor allem Familien mögen, wenn sie in den Skiurlaub wollen.

Aber nicht nur die: Besonders die Jugendlichen haben es eilig zum Skilift Fluhexpress hinüber zu gleiten, der die schwarzen Pisten erschließt – oder zu den Schikanen im Funpark. Oberhalb der Alpe Hohenegg, einer weiteren Hütte am Imberg im Allgäu und zwei Kilometer entfernt vom Hochgrat (1834 Meter), haben die Snowboarder ihr Revier. Auch Schneeschuhwanderer und angehende Skitourengeher können in der Arena Steibis loslegen. Oberstaufen war lange vor allem für seine Schrothkur bekannt, bei der sich ruhige Trocken- mit aktiven Trinktagen abwechseln. Manche Häuser bieten sie weiterhin an. Jeden zweiten Tag steht eine Tour an der frischen Luft auf dem Programm.
http://www.oberstaufen.de

Top

Konsum und Klima:

Warum weniger beim Shoppen mehr ist

Viele Menschen kaufen viel mehr, als sie wirklich brauchen. Foto: Markus Scholz/dpa

Von Josefine Kaukemüller
Berlin (dpa) – Mit wenigen Klicks zum neuen Winterpulli, für ein paar Euro zum Möbel-Schnäppchen – Shoppen ist in unserem Alltag sehr bequem und vielfach auch kostengünstig geworden. Oft wird nicht lange überlegt, viele Kaufentscheidungen werden fast beiläufig getroffen. Experten warnen: Maßloses Kaufverhalten zerstört unseren Planeten. Der kanadische Umweltjournalist James Bernard MacKinnon etwa mahnt in seinem Buch «Der Tag, an dem wir aufhören zu shoppen», der Konsum habe das Bevölkerungswachstum als größte Bedrohung für die Umwelt überholt. Warum aber shoppen viele Menschen so gern? Und wie kann bewusst reduzierter Konsum gelingen?

Konsum hat aus Sicht der Diplom- und Wirtschaftspsychologin Petra Jagow in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert: «Oft gilt: „Ich kaufe, also bin ich“. Wir shoppen gerne in Situationen, wo es uns nicht gut geht. Dann gönnen wir uns was und entschädigen uns», sagt sie. Im Shopping liege für viele eine Aufwertung des eigenen Alltags, eine Möglichkeit der Unterhaltung und Ablenkung.

Der Gedanke, immer die neueste Mode, das schickste Auto und die modernste Innenausstattung haben zu wollen, entstehe durch das grundlegende Bedürfnis, sich selbst aufwerten zu wollen, erklärt Marktforscherin Jagow. «Das ist dieses persönliche egoistische Motiv, das sehr stark sein kann.» Umweltpsychologe Frank Esken erklärt, entwicklungspsychologisch sei der Wunsch nach Anerkennung durch andere beim Menschen stark verankert. «Wir haben immer die Gesellschaft um uns herum, an der wir uns sehr stark orientieren.»

Stelle man nun Nachhaltigkeit in den Fokus, bedeute das Veränderung und Verzicht, sagt Jagow. «Verzicht fällt uns allen schwer, freiwilliger Verzicht noch mal mehr.» Klimafreundliches Konsumverhalten sei für die meisten nur dann attraktiv, wenn die nachhaltige Alternative als ebenso gut wahrgenommen würde – und als Zusatz noch ein gutes Gefühl entstehen lasse.
Die Marktforscherin betont, wie wichtig es sei, auf dem Weg zu nachhaltigem und klimaneutralem Konsum bei Käuferinnen und Käufern «etwas auf der gefühlsmäßigen Ebene zu bewegen». Das soll heißen, dass ihnen der Zusammenhang zwischen ihrer Kaufentscheidung und den möglichen Auswirkungen deutlich werden müsse, etwa wenn für Discountmode Menschen in ärmeren Ländern in Fabriken unter teils gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten müssten. «Das geht über Bilder, gute Reportagen und Dokumentationen», so Jagow.

Experten sind sich einig: Ohne Minus beim Shoppen lassen sich Klima und Umwelt schwerlich schützen. Wie gravierend die Folgen des Verzichts allein in der Textilindustrie für das Klima wären, hebt Umweltjournalist MacKinnon in seinem Buch hervor: «Würde die weltweite Textilproduktion für ein Jahr eingestellt, so bewirkte dies genauso viel wie ein Stopp des gesamten internationalen Flugverkehrs und der Güterbeförderung auf dem Seeweg für den gleichen Zeitraum.»

Um sich von dem Drang ständigen Konsums zur Aufwertung freizumachen und sich mit weniger wohlzufühlen, dürfe man sich nicht mehr so stark mit anderen und ihren Besitztümern messen, sagt Hochschulprofessor Esken. Das scheine leichter gesagt als getan: Viele knüpften ihr persönliches Wohlbefinden schließlich direkt daran, materiell gut dazustehen. Autor MacKinnon stellt allerdings heraus, dass Materialismus letztlich keineswegs das Wohlbefinden fördere – das habe die Forschung gezeigt. Materialistische Werte schafften keine geistige Gesundheit, keine dauerhafte Geborgenheit oder Zufriedenheit und kein Glück. Vielmehr bestehe ihre Funktion darin, «Angst zu schüren, Unsicherheit zu wecken und uns aus dem Bett zu treiben, damit wir uns in der Welt behaupten», so MacKinnon.

Die Experten kommen zu dem gleichen Schluss: Bei uns selbst braucht es eine gesteigerte Wertschätzung unserer Sachen, um sie nicht jede Saison durch neuste Modelle zu ersetzen. Jagow empfiehlt konkret, vor dem Shopping-Bummel ganz bewusst den eigenen Kleiderschrank gründlich durchzusehen. «Dann merke ich, was ich eigentlich alles noch habe und dass das für die nächste Saison oft noch völlig ausreichend ist. Im Geschäft, im Kaufrausch ist der Gedanke nämlich oft weg.»

Doch auch auf gesellschaftlicher Ebene müsse ein Wertewandel stattfinden, sagt Esken: So dürfe jemand, der – auch durch freiwilligen Verzicht – weniger habe, nicht als jemand gelten, der sich etwas nicht leisten könne. Nötig sei ein allgemeines Umdenken dahingehend, dass materielle Besitztümer nicht die einzigen Werte seien, die jemanden im Ansehen anderer Menschen förderten. «Da muss es weniger darum gehen, materielle Statussymbole und damit eine bestimmte Stellung zu zeigen, sondern eher, dass man ein Umweltbewusstsein hat. Das könnte auch so etwas werden wie ein Statussymbol», regt Esken an.

Expertin Jagow betont, wie wichtig es sei, sich darauf zu besinnen, dass letztlich jede und jeder individuell entscheide, wie sich Selbstwert definiere: «Ich lege fest, ist mein Selbstwert von Statussymbolen abhängig oder nicht.» Ihrer Meinung nach festigt sich gesellschaftlich immer mehr die Position, dass Kommerz nicht automatisch Stärke symbolisiert. «Da findet eine Umwertung statt.»

Im allgemeinen Kaufverhalten sieht Jagow einen sich immer klarer abzeichnenden Umbruch: Bei vielen Menschen sei es mittlerweile ein klares Abwägen, ob wirklich neue Mode gekauft werden müsse. Corona habe einen großen Beitrag geleistet, sagt die Marktforscherin. Viele hätten während der Lockdowns ausgemistet und gesehen, wie viele Dinge sie besäßen. Viele kauften nun bewusster und weniger spontan ein. Und wenn, dann werde verstärkt etwas wirklich Qualitatives gekauft, was lange halte.

Jagow und Esken beobachten in diesem Kontext, dass insbesondere die junge Generation stärker für bewussten und reduzierten Konsum sensibilisiert ist – und beispielsweise nicht immer die neuste Mode oder das neuste Handy haben müsse.

Top

Aus Allen Staaten

•••••••••••••

Top

WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Wegen Corona: Führerschein-Umtauschfrist um halbes Jahr verlängert

Eigentlich läuft am Mittwoch beim Umtausch von Führerscheinen eine erste Frist ab. Kurz vorher entscheiden die Länder: Wer es bis dahin nicht schafft, muss erst einmal kein Bußgeld zahlen.

Ein «rosa Führerschein», ein Autoschlüssel, eine Geldbörse
und ein Fahrzeugschein liegen auf dem Tisch. Foto: dpa

Von Andreas Hoenig
Berlin/München
(dpa) – Ältere Autofahrer sollen mehr Zeit für einen Umtausch alter Papierführerscheine bekommen. Eine erste Frist – und zwar für die Geburtsjahre 1953 bis 1958 – wäre eigentlich an diesem Mittwoch abgelaufen. Verstöße gegen die Umtauschpflicht aber sollen angesichts der aktuellen Belastungen durch die Corona-Pandemie vorerst nicht sanktioniert werden. Das beschloss die Innenministerkonferenz unter dem Vorsitz von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), wie Bayerns Innenministerium am Montag mitteilte.

Die aktuelle Umtauschfrist solle um ein halbes Jahr vom 19. Januar auf den 19. Juli 2022 verlängert werden, hieß es weiter. Davon betroffen sind alle Autofahrer der Geburtsjahre 1953 bis 1958 mit alten Papierführerscheinen, die bis zum 31. Dezember 1998 ausgestellt wurden – das sind also die grauen oder rosafarbenen «Lappen» oder DDR-Führerscheine.

Bayern werde unverzüglich einen Antrag zur Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung in den Bundesrat einbringen, kündigte Herrmann an. Bis zum Inkrafttreten der rechtlichen Lösung solle das sonst fällige Verwarnungsgeld in Höhe von zehn Euro von der Polizei nicht erhoben werden. «Alle Betroffenen sollten sich aber zwischenzeitlich umgehend um den Umtausch kümmern», so Herrmann. Man müsse mehrere Wochen einplanen, bis das neue Führerscheindokument vorliege.

Bis zum Jahr 2033 müssen rund 43 Millionen Führerscheine in Deutschland umgetauscht werden. Grund sind EU-Vorgaben. Führerscheine sollen künftig EU-weit fälschungssicher und einheitlich sein. Außerdem sollen alle Führerscheine in einer Datenbank erfasst werden, um Missbrauch zu vermeiden.

Der ADAC erklärte, die Innenminister der Bundesländer reagierten auf Engpässe der Ämter aufgrund steigender Corona-Krankheitsfälle. «Für die betroffenen Führerscheinbesitzer bringt der Beschluss die Gewissheit, dass sie auch die kommenden Monate sorgenfrei mit dem alten Führerschein fahren dürfen und keine Angst vor Geldbußen haben müssen.» Ungeachtet dessen sollte man aber zügig die Fristverlängerung nutzen und sich zeitnah um einen Termin bei der Führerscheinstelle kümmern. Der ADAC hatte zuvor mitgeteilt, bei der örtlichen Führerscheinstelle komme es coronabedingt vielfach zu Engpässen bei der Terminvergabe.

Das Bundesverkehrsministerium begrüßte den Beschluss der Innenminister. Eine Sprecherin sagte, Ziel sei es, den Führerschein-Umtausch so effektiv und gleichzeitig so bürgerfreundlich wie möglich zu gestalten. Bereits im vergangenen Jahr habe das Ministerium die Situation während der Corona-Pandemie zum Anlass genommen, die zuständigen Länder zu befragen, ob sie eine Verschiebung der Umtauschfristen wegen der Corona-Pandemie für sinnvoll und erforderlich hielten.

Der Bundesrat hatte für den Umtausch der Führerscheine einen zeitlichen Stufenplan mit Fristen beschlossen, damit die Behörden nicht überlastet werden. Ein freiwilliger Umtausch des Dokumentes ist aber jederzeit möglich. Die nächste Frist nach der nun verlängerten für die Geburtsjahre 1953 bis 1958 ist der 19. Januar 2023 – bis dahin müssen Autofahrer der Jahrgänge 1959 bis 1964 ihren Führerschein umtauschen. Die letzte Frist ist der 19. Januar 2033. Das gilt für Autofahrer, die vor 1953 geboren sind – sowie für Führerscheine, die von 2012 bis zum 18. Januar 2013 ausgestellt wurden. Nach diesem Datum ausgestellte Führerscheine entsprechen bereits den neuen EU-Vorgaben.

Nach Ablauf der jeweiligen Fristen wird der alte Führerschein laut Bundesverkehrsministerium ungültig. Außerdem droht ein Verwarnungsgeld in Höhe von zehn Euro. Die Fahrerlaubnis selbst bleibt aber unverändert bestehen. Eine neue Führerschein-Prüfung ist also nicht nötig. Mit dem einheitlichen EU-weiten Dokument soll ein möglichst aktueller Fälschungsschutz gewährleistet sein. Bei Kontrollen sind Besitzer leichter zu erkennen, wenn das Foto nicht so alt ist. Der Umtausch kostet laut ADAC eine Gebühr von 25 Euro.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

läuft ab – expires
Umtausch – exchange
Fürhrerscheinen – driver’s licenses
Frist – deadline
schafft – get it done
Bußgeld – fine
Verstöße gegen – violations
Umstauschflficht – mandatory exchange
angesichts – in view of
Belastungen – burdens
vorerst – for the time being
beschloss – concluded
verlängert – extended
ausgestellt – issued
«Lappen» – “rags”
unverzüglich – without delay
Antrag – proposal
Verordnung – order
einbringen – introduce
Inkrafttreten – going into effect
Verwarnungsgeld – warning fine
erhoben – levied
sich kümmern – take care of
vorliege – exists
fälschungssicher – counterfeit-proof
einheitlich – standardized
erfasst – registered
vermeiden – prevent
Engpässe – bottlenecks
Gewissheit – certainty
zügig – speedily
Terminvergabe – appointment allocation
gestalten – arrange
Verschiebung – postponement
sinnvoll – sensible
erforderlich – necessary
Stufenplan – graduated plan
Behörden – authorities
überlastet – overloaded
Jahrgänge – age group
entsprechen – meet
ungültig – invalid
gewährleistet – guaranteed

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*