29. Mai 2021 Selected Articles

Aus Aller Welt / Sport / Feuilleton / Gesundheit/Umwelt / Reise / Tipps und Trends / Aus Allen Staaten

Aus Aller Welt

Die Natur entdecken mit dem Smartphone –
Apps boomen in Corona-Zeit

Oft aus Mangel an Alternativen erkunden viele Menschen in der Pandemie ihre nähere Umgebung. Das Handy kann dabei helfen, Blumen, Bäume, Vögel oder Insekten kennenzulernen. Naturbeobachtern ist es auch aus einem anderen Grund eine große Hilfe.

Rolf Jantz, der zu der Community der «Naturgucker» gehört, fotografiert mit einer App auf seinem Smartphone einen Baumstamm im Landkreis Celle, um den Baum zu bestimmen. Oft aus Mangel an Alternativen erkunden viele Menschen in der Pandemie ihre nähere Umgebung. Das Handy kann dabei helfen, Blumen, Bäume, Vögel oder Insekten kennenzulernen. In der Community naturgucker.de werden Apps ebenfalls zur Erfassung und Meldung von Beobachtungen verwendet. Foto: dpa

Von Christina Sticht
Hannover (dpa) – Kaum Urlaubsflüge, kein Kino oder Fitnessstudio: In den Pandemie-Monaten haben viele das Spazierengehen für sich entdeckt – sei es im nächstgelegenen Park, am Feldrand oder im Wald. Aber welcher Vogel zwitschert denn da gerade? Was blüht am Wegrand und wie heißt noch mal der Baum mit den herzförmigen Blättern? Zahlreiche Apps ermöglichen inzwischen das Erkennen von Arten mit dem Smartphone – teilweise genügt dabei ein einziges Handy-Foto.

Zu den Anwendungen gehört zum Beispiel das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt «Flora Incognita», das Künstliche Intelligenz zur Pflanzenbestimmung nutzt – vergleichbar mit der automatisierten Gesichtserkennung. Bisher förderte das Ministerium bereits 14 Apps zum Naturerleben mit 4,8 Millionen Euro.

Die kostenlose App Nabu-Vogelwelt wurde schon mehr als eine Million mal heruntergeladen. Bei ihr lassen sich über In-App-Käufe auch zusätzliche Inhalte erwerben – etwa für 3,99 Euro rund 1000 Gesänge und Rufe von 308 Arten. «Als neues Feature kann man sich Vögel in 3D quasi auf den Wohnzimmertisch projizieren», sagt Nabu-Sprecherin Silvia Teich. Die verschiedenen Apps seien eine Chance, verlorengegangenes Wissen über die Natur zurückzugewinnen. Die Vogelwelt-App nutzen Tausende Menschen zudem, um ihre Beobachtungen für die Zähl-Aktion «Stunde der Gartenvögel» zu übermitteln.

In der Community naturgucker.de werden Apps ebenfalls zur Erfassung und Meldung von Beobachtungen verwendet. Rolf Jantz aus Wathlingen ist jeden Tag im Landkreis Celle und darüber hinaus unterwegs. Früher hatte der 65-Jährige Zettel, Stift und Landkarte dabei, heute benötigt er nur das Handy, wenn er ein Biotop kartiert. Eine Kamera mit einem riesigen Objektiv hat er dennoch dabei, um auch Tiere in größerer Entfernung aufzunehmen. Die Arten bestimmt er dann zu Hause mit Hilfe von Fachbüchern und Experten – die gängigen Apps seien dazu noch zu ungenau, sagt der Banker im Ruhestand.

Jantz ist am liebsten im Moor oder an Gewässern unterwegs. Infolge des Klimawandels verändere sich das Verhalten der Zugvögel, erzählt er. Auch bei Insekten gebe es eine Verschiebung der Verbreitungsgrenze nach Norden. So entdeckte Jantz an einem niedersächsischen Teich eine Pokaljungfer, die wärmeliebende Libellenart ist eigentlich vor allem im Mittelmeerraum und Südwesteuropa zu Hause. «Wenn man selbst zu den Bestandskarten und zur Kenntnis über die Verbreitung beiträgt, ist das schon ein Erfolgserlebnis», sagt der 65-Jährige.

Die Community naturgucker.de zählt zurzeit über 96 000 Aktive. Sie sind über eine Internet-Plattform vernetzt. Ausgehend von der als Genossenschaft betriebenen Seite wurden bisher etwa 15 Apps entwickelt. Das Kernteam sei auch an der Entwicklung der neuen Nabu-Insektensommer-App beteiligt, sagt Gaby Schulemann-Maier, Sprecherin von naturgucker.de.
«Das Interesse an Insekten ist enorm gestiegen. Die Leute fahren total auf Wildbienen ab.» Die neue Nabu-App wird Erkennungshilfen und Porträts von mehr als 450 Arten enthalten und soll im Juni erscheinen.

Wer in der Corona-Zeit die Natur für sich entdeckt, muss allerdings eine Reihe von Regeln beachten. So dürfen zum Beispiel in Naturschutzgebieten die Wege nicht verlassen werden. Und: «Manche nutzen Apps mit Vogelstimmen exzessiv, ihnen ist dabei nicht bewusst, dass sie die Tiere damit massiv stören», sagt Schulemann-Maier. Vogelstimmen sollten nur leise direkt am Ohr abgespielt werden. Wenn die 48-Jährige selbst als Naturbeobachterin mit Kamera und Handy auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen unterwegs ist, wird sie ständig angesprochen und gefragt, ob sie etwas erklären könne. «Die Menschen sagen dann immer, dass mehr für den Naturschutz getan werden muss.»

Zum Schutz empfindlicher Tier- und Pflanzenarten kann im System von naturgucker.de der genaue Beobachtungsort auch verborgen werden, um etwa Störungen von brütenden Vögeln oder sogar Straftaten zu verhindern. Im Landkreis Holzminden waren im vergangenen Jahr bereits zum wiederholten Mal streng geschützte wildwachsende Orchideen ausgegraben und gestohlen worden. Der Diebstahl streng geschützter Pflanzen sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit Freiheits- oder Geldstrafe geahndet werden könne, erklärte der Landkreis damals.

Top

Sport

«Eine historische Geschichte» – Lewandowski-Rekord und große Gefühle

Der FC Bayern feiert emotionale Abschiede und einen denkwürdigen Rekord von Robert Lewandowski. Das 41. Saisontor erlebt der Weltfußballer selbst wie in einem «Science-Fiction»-Film. 250 Zuschauer beenden eine lange Wartezeit in München.

FC Bayern München – FC Augsburg, 34. Spieltag in der Allianz-Arena. Münchens Robert Lewandowski bejubelt sein Tor zum 5:2. Foto: dpa

Von Christian Kunz
München (dpa) – Reichlich Erinnerungsfotos mit der Meisterschale waren den Bayern-Stars um Rekordmann Robert Lewandowski an diesem denkwürdigen Tag besonders wichtig. Die bewegenden Abschiede von Sieben-Titel-Trainer Hansi Flick und dreier Triple-Helden markierten eine Zäsur beim deutschen Fußball-Rekordmeister, der den Nachmittag mit der unglaublichen 41-Tore-Marke von Lewandowski als Höhepunkt bei einer internen Feier im VIP-Bereich des Stadions ausklingen ließ.

«Das ist auf der einen Seite ein schöner Moment. Auf der anderen Seite tut es echt weh, dass wir in der nächsten Saison nicht mehr alle zusammen spielen», sagte Lewandowski, der sich nach seinem ersehnten Rekordtor das Trikot vom Astralkörper riss. «Es ist emotional und rund um die Aura des Rekords hat man gemerkt, das ist etwas Großes.»

Das Tor des Weltfußballers in fast letzter Sekunde beim 5:2 gegen den FC Augsburg war die perfekte Pointe eines Bundesliga-Spiels mit großen Gefühlen. Schon bei den Verabschiedungen von Flick, Jérôme Boateng, David Alaba, Javi Martínez sowie der Co-Trainer Miroslav Klose und Hermann Gerland vor dem Anpfiff gab es feuchte Augen. Auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß auf der Tribüne war gerührt.

Flick erlebte vor allem das Ende der Bayern-Epochen seiner Leistungsträger Boateng und Alaba ganz besonders intensiv. «Da musste ich mich schon ganz schön zügeln, um nicht so ganz die Emotionen rauszulassen», gestand der 56-Jährige, der selbst sehr bewegt und seiner «geilen Mannschaft» dankbar war.

«Mit dem Tag heute ist die Reise wirklich zu Ende, die vor knapp zwei Jahren begonnen hat», sagte Flick. «Das ist eine absolute Benchmark für mich, in meinem Leben. Ich werde die Zeit nie vergessen, weil es zwei tolle Jahre waren.» Zu seiner erwarteten Zukunft als Bundestrainer verriet er nichts.

Der Wert der Flick-Amtszeit wurde am Sonntag nochmal deutlich, als sich der FC Bayern zum dritten Mal im Goldenen Buch der Stadt München verewigte. Zuvor hatte sich der FC Bayern nach dem Champions League-Sieg 2001 und dem Triple 2013 ins Goldene Buch eingetragen. «Diese Ehre wird uns nur nach herausragenden Erfolgen zuteil, und wir sind stolz, dass unsere historische Sechs-Titel-Saison so gewürdigt wird», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Tag nach dem torreichen Sieg über Augsburg.

Nachdem FCA-Kapitän Jeffrey Gouweleeuw (9. Minute) die Münchner per Eigentor früh in Führung gebracht hatte, schlug der Meister durch Serge Gnabry (23.), Joshua Kimmich (33.) und Kingsley Coman (43.) im Zehnminutentakt zu. Nach der Pause gestaltete Augsburg das Ergebnis durch André Hahn (67.) und Florian Niederlechner (72.) freundlicher. Und dann, als Flick schon nicht mehr mit dem 41. Tor von Lewandowski rechnete, schlug der Wunderstürmer doch noch zu. «Das war wie Science-Fiction», sagte der 32-Jährige. «Dass ich den Rekord in der letzten Minute geschafft habe, ist auch eine historische Geschichte.» Ausgelassen wurde mit der Meisterschale gejubelt.

Mit nun 41 Toren in einer Saison liegt er einen Treffer vor Gerd Müller, dessen fast 50 Jahre alte Bestmarke als ein Rekord für die Ewigkeit galt.

Bis Lewandowski in 29 Spielen eben jene unglaubliche Zahl von 41 erreichte. 250 Zuschauer durften beim ersten Spiel in der Allianz Arena vor Publikum seit März 2020 im Stadion dabei sein.
«Ich glaube nicht, dass dieser Rekord von Lewy irgendwann nochmal gebrochen wird», sagte Kimmich. «Es ist aber ein stückweit auch ein Verdienst der Mannschaft.» Lewandowski überreichte nach dem Spiel ein T-Shirt mit der Aufschrift «4ever Gerd» und Widmung an Uschi Müller, Ehefrau des kranken Gerd Müller.

«Ich weiß, dass Gerd Müller eine historische Leistung gebracht hat und ich habe allergrößten Respekt vor ihm», würdigte Lewandowski den «Bomber». Vom «Kicker» wurde Lewandowski zum sechsten Mal mit der Torjägerkanone ausgezeichnet – Müller bekam sie sieben Mal. Mit insgesamt 365 Liga-Toren liegt Müller noch klar vor Lewandowski, dem mit 277 Treffern aber auch diese ewige Marke zugetraut werden kann.

Einen bedeutsamen Platz in der ruhmreichen Club-Historie nehmen auch die doppelten Triplesieger Alaba, Boateng und Martínez ein. «Es gehen schon Charaktere, die diesen Verein in den letzten neun Jahren dahin getragen haben, wo er heute ist», sagte Kimmich. «Jetzt müssen wir schauen, dass wir eine neue Ära einläuten.» Der künftige Trainer Julian Nagelsmann wird dabei besonders gefordert sein.

Top

Feuilleton

Aquarell von Kandinsky wieder aufgetaucht

«Gebogene Spitzen» von Wassily Kandinsky.
Foto: Ketterer Kunst GmbH/dpa

München (dpa) – Nach über 70 Jahren ist das Kunstwerk «Gebogene Spitzen» des russischen Malers Wassily Kandinsky wieder aufgetaucht. Experten konnten die Arbeit mit einem Schätzpreis von rund 300 000 Euro zweifelsfrei zuordnen, teilte das Münchner Kunst-Auktionshaus Ketterer Kunst am Freitag mit. Das Aquarell stamme aus dem Nachlass einer rheinländischen Privatsammlung und soll nun Mitte Juni in der bayerischen Landeshauptstadt versteigert werden.

Das Bild zählt mit seinen strengen geometrischen Kompositionen nach Angaben des Auktions-Hauses zu den gefragtesten Papierarbeiten des Künstlers. «Zahlreiche Kandinsky-Forscher haben sich mit dieser Arbeit beschäftigt, doch über Jahrzehnte war das genaue Aussehen und der Verbleib unbekannt», sagte Firmenchef Robert Ketterer.

Das Aquarell soll bereits zu Lebzeiten Kandinskys (1866-1944) ausgestellt gewesen sein – etwa in Berlin, Paris oder Stockholm. 1932 endete die Ausstellungshistorie, wie das Auktionshaus mitteilte. Später soll Kandinsky das Werk einem Kunsthändler gegeben haben, der es nach aktuellem Kenntnisstand der Experten 1949 verkaufte. Anschließend verlor sich die Spur des Kunstwerks.

Top

Gesundheit

WHO empfiehlt Grenzwerte für Salzgehalt in Nahrungsmitteln

Wer seinen Salzkonsum aus gesundheitlichen Gründen reduzieren will, hat es nicht leicht. 
Denn es ist nicht damit getan, einfach den Salzstreuer aus der Küche zu verbannen.
Oft steckt Salz in verarbeiteten Lebensmitteln.      Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Von Christiane Oelrich
Genf (dpa) – Zu viel Salz im Essen ist ungesund: nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen weltweit elf Millionen Todesfälle im Jahr auf Risikofaktoren in der Ernährung zurück, drei Millionen davon auf den Verzehr von zu viel Salz. Jetzt legte die WHO eine Tabelle mit empfohlenen Höchstwerten für einige Dutzend Nahrungsmittel vor.

So sollen etwa 100 Gramm süße Kekse nicht mehr als 265 Milligramm Salz enthalten. Unter den rund 60 Richtwerten sind außerdem: Popcorn, Nüsse und Kerne 280, Sauerteig- oder Hefebrot 330, tiefgekühlter Pizza 450, Käse wie reifer Gouda 625, Tomatenketchup 650 und Muskelfleisch wie Serrano-Schinken 950 – heißt: 100 Gramm dieses Schinkens sollen nicht mehr als 950 Milligramm Salz enthalten.

Allgemein empfiehlt die WHO, nicht mehr als 5 Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt höchstens 6 Gramm. Sie berichtete aber in einer Studie 2019, dass Frauen in Deutschland durchschnittlich 8,4 Gramm und Männer 10 Gramm Salz zu sich nehmen. 50 Prozent der Männer und 38,5 Prozent der Frauen nehmen täglich mehr als 10 Gramm Salz auf.

Zu viel Salz konsumieren kann nach Angaben von Experten den Blutdruck und damit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Solche Erkrankungen machen fast ein Drittel der weltweiten Todesfälle aus, die nicht auf ansteckende Krankheiten zurückzuführen sind. Zu salzhaltiges Essen könne auch zu chronischen Leberkrankheiten, Nierenleiden, Fettleibigkeit und Magenkrebs beitragen, so die WHO.

Die WHO ermuntert Länder, eigene Maßstäbe innerhalb der Richtwerte zu setzen. Sie hat für ihre Liste schon vorhandene Grenzwerte aus verschiedenen Ländern zugrunde gelegt. Sie seien wissenschaftlich geprüft, medizinisch sinnvoll und einhaltbar.

2013 hatten die WHO-Mitgliedsländer das Ziel ausgegeben, bis 2025 den Salzkonsum der Menschen im Schnitt um 30 Prozent zu reduzieren. Nach den Ernährungsbericht 2020 betrug der Rückgang pro Jahr aber nur 0,2 Prozent, statt der nötigen 2,4 Prozent. Deshalb dürfte dieses Ziel nicht erreicht werden, so die WHO.

Top

Reise

Zauberhafter Balkan: Montenegro mit dem Mietwagen

Entlang der Küstenstraße bieten sich immer wieder Orte, die zum Verweilen und einen Kaffee einladen.                                              Foto: Martin Lewicki/dpa

Von Martin Lewicki
Podgorica (dpa – Ein Roadtrip, das klingt nach Freiheit. Aber auch nach vielen ermüdenden Stunden hinter dem Steuer. Was aber, wenn das Urlaubsland so klein ist, dass die nächste Sehenswürdigkeit immer schon gleich um die Ecke liegt? Dann bleibt mehr Zeit und Energie für das Ziel selbst. Montenegro ist so ein Land. Der Balkanstaat eignet sich perfekt für eine Rundreise im Mietwagen.

Tag 1: Von Podgorica an den Skadarsee (40 Kilometer)
Die Hauptstadt Montenegros hat unter Reisenden nicht den besten Ruf. Sie gilt nicht gerade als Schönheit, vor allem im Kontrast zum Rest des Landes. Deshalb am besten gleich bei der Ankunft am Flughafen das Auto in Empfang nehmen und Podgorica hinter sich lassen.

Der Weg in eine völlig andere Welt dauert nur eine halbe Stunde. Der Skadarsee – auch Skutarisee – auf der Grenze zu Albanien ist das größte Binnengewässer des Balkans. In Virpazar starten Bootsausflüge in die einzigartige Seenlandschaft des Nationalparks. Im Anschluss lässt sich in dem kleinen Ort hervorragend speisen.

Ein Geheimtipp zum Übernachten ist die benachbarte Gemeinde Donja Seoca. Der Weg dorthin über die einspurige Küstenstraße sorgt für Adrenalinschübe. Belohnung für den wilden Ritt ist ein kleines Dorfidyll in den Bergen, das bekannt ist für süffigen Wein.

Tag 2: Über Rijeka Crnojevica nach Budva (80 Kilometer)
Die Pracht des Skadarsees und seiner Umgebung offenbart sich am besten auf dem Weg von Virpazar nach Rijeka Crnojevica. Rund eine Stunde ist man auf einer der schönsten Straßen Montenegros unterwegs, bevor man den verträumten Ort erreicht. Mindestens einen Kaffee sollte man sich am gleichnamigen Fluss gönnen, bevor es zum beliebten Aussichtspunkt Pavlova Strana geht. Hier bietet sich der vielleicht schönste Ausblick im gesamten Skadar-Nationalpark.

Von hier einfach dem Straßenverlauf bis zur M2-3 folgen, die direkt nach Budva führt. Nach einer Fahrt durch die bergige Landschaft eröffnet sich ein Szenenwechsel: Die Adria zeigt sich.

In der Bucht schimmert die Küstenstadt Budva im Sonnenlicht. Hinab führen Serpentinen. Maritimes Flair. Eine weitläufige, von Palmen gesäumte Strandpromenade und der Duft des Meeres empfangen Besucher. An Übernachtungsmöglichkeiten mangelt es nicht. Besonders atmosphärisch sind Unterkünfte in der Altstadt und in Küstennähe.

Tag 3: Budva und Sveti Stefan (20 Kilometer)
Budva ist ein Touristen-Hotspot, an dem gerne gefeiert wird. Die ummauerte Altstadt versprüht trotzdem Charme. Es macht Freude, sich in den Gassen zu verlieren und unverhofft an dem kleinen Strand der Altstadt herauszukommen. Der Sonnenuntergang ist hier ausgesprochen farbenprächtig. Tagsüber erreicht man spazierend die beiden größeren Strände Mogren Beach und Mogren Beach 2.

Wenn man schon in Budva ist und ein Auto zur Verfügung hat, sollte ein Abstecher zur kleinen, vorgelagerten Insel Sveti Stefan nicht fehlen – ein wahres Postkartenmotiv. Die Fahrt dauert nur eine Viertelstunde, doch leider ist der Ort selbst mittlerweile ein Luxusresort und nur Hotelgästen zugänglich. Trotzdem lässt sich an den beiden Stränden rechts und links des Eilands baden.

Tag 4: Von Budva nach Kotor (50 Kilometer)
Von Budva geht es über Porto Montenegro nach Kotor. Der Umweg ist lohnenswert. So bekommt man nicht nur den Jachthafen zu sehen, sondern auch den besten Eindruck von der Bucht von Kotor. Von Porto Montenegro führt nämlich eine echte Traumstraße, die Jadranska Magistrala, direkt am Wasser entlang.

In Kotor ist sofort offensichtlich, warum die Stadt die vielleicht bekannteste Sehenswürdigkeit Montenegros ist. Zweitausend Jahre Geschichte präsentieren sich hier malerisch. Die älteste Stadt des Landes wurde von den Römern gegründet.

Am zentralen Platz vor Kotors Wahrzeichen, dem Uhrturm, lässt sich wunderbar eine Limonade schlürfen, bevor es anschließend zur Festungsruine geht. Die 1300 Stufen nehmen die meisten gerne in Kauf, um den Blick auf die fjordartige Landschaft genießen zu können.

Zum Übernachten empfiehlt sich der Nachbarort Dobrota. Dort geht es etwas ruhiger und weniger touristisch zu. Vor allem locken hier kleine Privatunterkünfte am Berghang. Der Ausblick auf die Bucht verführt dazu, länger als nur eine Nacht zu bleiben.

Tag 5: Lovcen, Perast und Herceg Novi (120 Kilometer)

Nun rufen wieder die Berge. Nur eine Stunde ist es mit dem Auto von Dobrota aus in den Nationalpark Lovcen. Je höher man aufsteigt, desto großartiger wird die Aussicht auf die Küstenlinie. Zahlreiche Haltebuchten bieten Gelegenheit für sichere Fotos.

Nach der Einfahrt in den Nationalpark verengt sich die Straße und wird einspurig. Das erfordert Aufmerksamkeit. Vom Parkplatz am Aussichtspunkt geht es zu Fuß weiter. Rund 460 Treppenstufen führen durch einen Tunnel. Dann erreicht man das Mausoleum des größten montenegrinischen Dichters und Herrschers: Petar II. Petrovic Njegos (1813-1851). Die 360-Grad-Aussicht ist unvergesslich.

Zurück in die Bucht von Kotor. Dort versteckt sich eine weitere Sehenswürdigkeit: Perast, der wohl romantischste Küstenort Montenegros. Hier kann man idyllisch am Wasser speisen. Anschließend geht es weiter auf der Küstenstraße E65 entlang der Bucht von Kotor bis nach Herceg Novi. Der Ort bietet Strände, eine Promenade und eine Altstadt mit Festungsbauten und Amphitheater aus dem 16. Jahrhundert. Am besten eine Nacht bleiben, um alle Eindrücke zu ordnen.

Tag 6: Kloster Ostrog und Zabljak (220 Kilometer)
Heute folgt eine Ausnahme: Man verbringt vier bis fünf Stunden am Steuer. Doch es lohnt sich. Unterwegs von Herceg Novi zum Kloster Ostrog ist die Landschaft zunächst weniger spektakulär als in den Tagen zuvor. Am Ende wartet jedoch eine acht Kilometer lange Serpentinenstraße hinauf zum Sakralbau auf 900 Metern Höhe. Obwohl jedes Jahr Tausende Pilger die Strecke absolvieren, ist die schmalspurige Fahrbahn am Berg nichts für schwache Nerven.

Es grenzt an ein Wunder, dass Bischof Vasilije Ostroski im 17. Jahrhundert hier ein Kloster in zwei Höhlen einer senkrechten Felswand errichten ließ. Dort liegen heute seine Gebeine. Da man die Serpentinen wieder hinunterfahren muss, kann ein Gebet nicht schaden. Nun geht es weiter Richtung Zabljak in den Durmitor-Nationalpark, wo sich mindestens zwei Übernachtungen empfehlen.

Tag 7: Der Durmitor und die Tara-Schlucht (20 Kilometer)
Zabljak ist mit 1456 Metern der höchstgelegene Ort Montenegros und der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in den Durmitor-Nationalpark. Wer Lust auf eine entspannte Wanderung hat, der sollte zum Crno jezero, dem Schwarzen See. Trotz des Namens schimmert das Gewässer inmitten eines Waldes und umgeben von Bergen eher smaragdgrün.

Unweit von Zabljak befindet sich die spektakuläre Tara-Schlucht, welche insbesondere am Brojila-Aussichtspunkt optisch ihre volle Wucht entfaltet. Von dort blickt man mehr als 1000 Meter in die Tiefe des rund 78 Kilometer langen Canyons. Die Tara, die sich durch das Tal schlängelt, ist der längste Fluss Montenegros. Und formte eine der eindrucksvollsten Schluchten in ganz Europa.

Tag 8: Auf zum Bobotov Kuk (40 Kilometer)
Der Durmitor-Nationalpark beherbergt den höchsten Berg Montenegros, den Bobotov Kuk. Für erfahrene Bergwanderer ist der Aufstieg ein Muss. Gut drei Stunden benötigt man, um vom Startpunkt in Sedlo den Gipfel zu erreichen. Es gibt luftige Passagen mit Seilversicherungen, an denen man sich heraufziehen muss. Ganz oben, kurz vor dem Gipfel, wartet noch ein nervenaufreibender Felsvorsprung. Auch wer diese letzten Höhenmeter nicht mitnimmt, hat eine grandiose Sicht.

Wer keine Lust auf eine anspruchsvolle Bergwanderung hat, der kommt im Durmitor dennoch auf seine Kosten: Die Straße P14, die von Zabljak nach Sedlo und weiter führt, gehört zu den schönsten des Landes.

Tag 9: Zurück nach Podgorica (180 Kilometer)
Die Strecke von Zabljak in die Hauptstadt ist wieder eine Augenweide. Auf der P4 führt sie entlang der Tara. Nach etwa 25 Kilometern erreicht man die Durdevica-Tara-Brücke. In bis zu 150 Metern Höhe spannt sich das spektakuläre Bauwerk über den Fluss. Auch wundert man sich, wie die Gebirgsstraße in die Felsen gehauen wurde. Weiter auf der E65. In dem Ort Kolasin empfiehlt sich eine Mittagspause. In Podgorica angekommen, versteht man dann etwas besser, warum die Hauptstadt nicht sonderlich beliebt ist. Das übrige Montenegro stiehlt ihr einfach die Show.
Info-Kasten: Montenegro

Klima und Reisezeit:
Die beste Reisezeit für Badeurlaub ist zwischen Juni und September. In den milden Monaten Mai und Oktober sind weniger Touristen unterwegs, die Preise für die Unterkünfte fallen günstiger aus. Zwischen November und März ist es kühl.

Anreise und Mietwagen: Von verschiedenen deutschen Flughäfen aus gibt es günstige Direktflüge nach Podgorica. Den Mietwagen mit Abholung am Flughafen am besten online mehrere Wochen im Voraus buchen. Für eine Rundreise reichen meist die 1400 Inklusivkilometer. In Montenegro gibt es ein striktes Tempolimit, oft sind nur 40 km/h erlaubt.

Einreise und Corona-Lage: Für Montenegro besteht eine Reisewarnung. Für die Einreise ist ein PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, oder der Nachweis einer Corona-Impfung nötig.

Währung: Obwohl Montenegro nicht zur EU gehört, wird mit dem Euro gezahlt. Für rund zehn Euro bekommt man eine SIM-Karte mit mehreren Gigabyte Datenvolumen, was zum Navigieren völlig ausreicht.

Top

Nord oder Süd:

Bei der Balkon-Einrichtung auf die Lage achten

Wer seinen Balkon einrichtet, sollte die Himmelsrichtung kennen. Davon hängt ab, wie viel Sonne es dort gibt, und welche Farben, Materialien und Pflanzen sich eignen.

Bei der Einrichtung raten Experten, die Himmelsrichtung zu beachten.
Foto: Martin Inger/IKEA/dpa

Von Evelyn Steinbach
Bonn/Stuttgart (dpa) – Holzplatten oder Steinboden? Kunststoffsessel oder lieber doch Stühle aus Metall? Wie jemand seinen Balkon gestaltet, hängt nicht nur vom persönlichen Geschmack ab. Auch die Ausrichtung nach einer Himmelsrichtung ist entscheidend.

Auf dem Südbalkon scheint fast den ganzen Tag die Sonne. Auf dem Ostbalkon lässt sie sich nur morgens und auf dem West-Balkon erst nachmittags blicken. Während der Nordbalkon stets schattig ist. Tipps, wie Sie den Balkon je nach Lage einrichten und so ein Wohlfühlklima schaffen, das den ganzen Tag anhält.

Südbalkon: ein standfester Sonnenschutz ist ein Muss
Ständige Sonne ist für viele Menschen ein Traum. Doch die Hitze im Hochsommer kann auch eine Last sein. Daher sind Sonnensegel, Sonnenschirm oder eine Markise auf einem Südbalkon ein Muss.

Während Balkonbesitzer ein Sonnensegel oder eine Markise meist dauerhaft an der Hauswand befestigen müssen, hat ein mobiler Sonnenschirm Vorteile: Man kann die Position verändern und zuerst den Esstisch und später die Liege beschatten.

Ampelschirme werden häufig mit einem Ständer geliefert, der auf das Schirmgewicht abgestimmt ist. Bei Mittelstockschirmen sei dies nicht immer so, warnt der Tüv Süd. Schirmständer mit Gehwegplatten seien stabiler als ein mit Wasser befüllter Ständer.

Auf Flexibilität und Durchzug achten
Auch eine Kippvorrichtung ist sinnvoll, um die Schirmneigung dem Sonnenstand anzupassen. Die meisten Stoffe bieten einen Lichtschutzfaktor von mindestens 50 – oft auch mit «UPF» für Ultraviolet Protection Factor abgekürzt. Der Tüv Süd empfiehlt einen Wert zwischen 60 bis 80, um sich vor UV-Strahlen zu schützen.

Der Südbalkon sollte nicht permanent abgeschirmt sein. «Ein zu starker Schatten hat zur Folge, dass sich die Hitze unter dem Sonnenschutz staut und die Luft nicht mehr zirkulieren kann», sagt Landschaftsarchitekt Martin Staffler aus Stuttgart.

Das sei auch für Pflanzen nicht gut, die das direkte Sonnenlicht mögen, wie Yukkapalmen, Hanfpalmen und Zwergpalmen oder Sukkulenten.

Holzmaterialien heizen sich nicht so auf
Auf einem Südbalkon ist es empfehlenswert, viel Holz einzusetzen. «Vollholz als Bodenbelag speichert eine angenehme Wärme und wird nicht so heiß wie Stein oder Metall», sagt Staffler.
Auch Möbel aus Holz haben Vorteile: «Das Material wird weder heiß noch kalt, sodass man auch im Herbst noch gut auf solchen Stühlen sitzen kann», sagt Ursula Geismann, Wohnexpertin und Geschäftsführerin der Initiative Furnier + Natur in Bonn.

Eine Alternative sind Kunststoffmöbel mit Geflechtstruktur. Oft gibt es sie in Anthrazit-Grau, Braun oder Schwarz. Auch wenn diese Farben eher Sonne anziehen, heizt sich das Material nicht so schnell auf.

Polsterauflagen und mediterrane Farben
Wem Möbel aus Metall besser gefallen, sollte Stoffauflagen verwenden. «Sie können etwas Wärme reduzieren», sagt Geismann. Auf dem Boden kann ein textiler Outdoorteppich Hitze mindern. «Allerdings sollte man wissen, dass die Farben nach zwei bis drei Jahren ausbleichen können, wenn die Sonne täglich intensiv darauf strahlt», ergänzt sie.

Bei der Farbgestaltung sollte man sich insgesamt an mediterranen Tönen orientieren – also überwiegend Beige, Ocker und Terrakotta, erklärt Martin Staffler. Klares weiß blende zu sehr, auch Tischplatten aus Glas reflektieren und erhitzen zu stark.

Passende Naturmaterialien, etwa ein Sichtschutz aus Schilfrohr oder Weiden, machen die Südseite laut Staffler gemütlich. Wobei diese anfällig für die Witterung seien und nicht ewig halten.

Ostbalkon und West-Balkon: Helle Farben und Windschutz
Der Ostbalkon speichert die Sonnenwärme des Vormittags im Idealfall bis in die Abendstunden. Dafür eignen sich Fußboden aus Holz sowie Fliesen, etwa Natursteinplatten, nennt Martin Staffler als Beispiel.

Farblich kann man sich auf dem Ostbalkon an der Sonnenstimmung orientieren. Gelbliche Töne erzeugen nachmittags und abends noch einen aufhellenden Effekt, erläutert der Buchautor. Für etwas Farbe können hier Pflanzen wie Oleander, Hibiskus und Bougainvillea sorgen.

Liegt der Balkon im Westen, kann man den etwas milderen Sonnenschein ab dem frühen Nachmittag bis in die Abendstunden genießen. Dennoch ist auch hier häufig ein Sonnenschutz notwendig.

Pflanzen eignen sich als natürlicher Windschutz
Zudem könne es schnell windig werden. «Gräser wie Bambus und Chinaschilf können einen leichten Wind gut abfangen», sagt Landschaftsarchitekt Staffler. Großblättrige Pflanzen seien hierzu weniger geeignet, da sie umstürzen können.

«Eine Alternative bei Wind sind Leinentücher, die man wie einen Vorhang an einem gespannten Draht zwischen den Stützpfeilern des Balkons spannt», sagt Staffler. Der Vorteil: die Luft kann weiter zirkulieren. Wer stark von Wind betroffen ist, könne eine Glasfront oberhalb der Brüstung in der Hauptwindrichtung montieren lassen.

Nordbalkon: Möglichst hell und gemütlich einrichten
Auch auf der Nordseite mit viel Schatten lässt sich ein Balkon einladend gestalten. «Es wird nicht gleich dunkel, wenn die Sonneneinstrahlung fehlt. Dennoch sollten hier weiß oder andere helle Farben dominieren», sagt Ursula Geismann. Für die Nordseite sollte man also solche Farben für Möbel, Textilien und Boden wählen. Sie reflektieren das Licht. So wirkt der Balkon heller.

Nachhelfen kann man auch mit LED-Lichterketten und Kerzen.
Was die Wahl der Möbel betrifft, ist hier vieles möglich. Hauptsache es entsteht eine warme und gemütliche Atmosphäre. Geismann empfiehlt hier etwa einen Sitzsack oder Palettenmöbel mit dicken Auflagen. Auch auf der Nordseite können Pflanzen farbliche Akzente setzen – zum Beispiel Purpurglöckchen und Bergenien. Sie leuchten auch ohne Sonne in warmen roten, gelben oder orangen Farben, sagt Pflanzenexperte Staffler. Damit genügend Licht auf den Balkon fällt, empfiehlt er einen mobilen Sichtschutz, den man nur bei Bedarf verwendet.

Top

Aus Allen Staaten

***************

Top

WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Neue Himmelsschreiber grüßen aus 3000 Metern Höhe

Texten kann jeder. Bei Tim Tibos Team sind die Buchstaben aber 200 Meter groß. Denn er skytextet – am Himmel. Wenn die fünf Kunstpiloten Botschaften ins Blau schreiben, sind ihnen «Ohs!» und «Ahs!» sicher.

Rheinland-Pfalz, Traben-Trarbach: Pilot Tim Tibo steht auf dem Flugplatz Traben-Trarbach an einem einmotorigen Flugzeug vom Typ Moran. Tibo ist Geschäftsführer der Firma Skytexter, deren Piloten in 3000 Meter Höhe Texte in den Himmel schreiben. Die einzelnen Buchstaben sind 200 x 200 Meter groß. Foto: dpa

Von Birgit Reichert
Traben-Trarbach/Unterwössen (dpa) – Plötzlich entstehen da große Buchstaben am Himmel. Ein H, ein A, ein L, noch ein L und dann ein O. Und dann ein «TRIER» und ein «BLEIBT GESUND». Die Schreiber am Himmel sind fünf Kunstflugpiloten, die ihre Botschaften mit weißem Dampf im Blau hinterlassen. «Unsere Buchstaben sind jeweils rund 200 mal 200 Meter groß», sagt Pilot Tim Tibo vom Skytexter-Team. Pro Letter brauchen die Maschinen wenige Sekunden, so dass die Botschaft in 3000 Metern Höhe nach eineinhalb Minuten steht.

Und? «Die Leute sind alle sprachlos», erzählt Tibo, gebürtig aus Bengel (Kreis Bernkastel-Wittlich) an der Mosel. «Wir bekommen so viele positive Feedback-E-Mails.» Der Pilot bei einer großen deutschen Airline hat die Skytexter 2020 unter anderem mit vier Job-Kollegen an den Start gehen lassen. «In der Corona-Zeit haben wir in Deutschland schon viele dutzend Mal “Bleibt gesund” geschrieben. Das begeistert die Leute: Es ist eine positive Nachricht und sie sehen etwas, was sie vorher noch nicht gesehen haben.»

Denn: Die Himmelsschreiber 2.0 sind etwas Neues am deutschen Himmel – die Idee stammt aus den USA. In Deutschland kennt man Flugzeuge, die Banner mit Nachrichten oder Werbung in Sichtweite vorbeischleppen. Und jene Himmelsschreiber, die solo abheben und die Buchstaben mit einer Paraffinspur in die Luft schreiben. «Das war früher eine ganz andere Technik», sagt Achim Ochs vom Deutsch-Amerikanischen Segelflug-Club (DASC) Traben-Trarbach. «Da war das vorne noch nicht fertig und dann verwehten hinten schon die Buchstaben.»

«Wir nutzen heute die digitalen Möglichkeiten», erzählt Tibo (44), der im oberbayerischen Unterwössen wohnt. Bevor die fünf Flugzeuge abheben, ist programmiert, welche Maschine zu welchem Zeitpunkt eine Wolke absetzen muss. In der Luft fliegen die Flugzeuge in einem Abstand von 20 bis 30 Metern in einer Linie nebeneinander her, meist in einer V-Formation. Das sei «sehr anspruchsvoll».

Und dann? Die Maschinen sind über WLAN miteinander verbunden und bekommen das Signal zum Einsatz von einer Hauptsteuerungseinheit. Tibo fliegt das Leader-Flugzeug in der Mitte der Formation. So sind bereits Grüße entstanden wie «Moin Hamburg», «Guude Frankfurt» oder «Moien Letzebuerg». Die Reaktion eines Zuschauers: «Ich war völlig verblüfft, als ich sah, wie Buchstaben und Wörter am blauen Himmel erschienen … Ein echter Blickfang

Die Buchstaben entstehen durch den Ausstoß von Paraffinöl. «Das wird im Auspuff erhitzt und verdampft dabei», erklärt der Pilot. Es sei weder umwelt- noch gesundheitsschädlich. Wenn es windstill ist, könnten die Buchstaben fünf bis zehn Minuten am Himmel bleiben. «Wenn es windig ist, fängt es nach zwei Minuten an zu verwischen», sagt Tibo, Geschäftsführer von Skytexter.

Inzwischen haben viele Firmen Wind von der Luftwerbung bekommen. «Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden», sagt Tibo. Für Unternehmen sind die begeisterten Kunstflieger schon über München, Hamburg, Lübeck, Berlin und Frankfurt geflogen. Demnächst kommen Köln, Bonn und Düsseldorf hinzu. Als Linienpiloten spiele ihnen gerade Corona in die Hände, da sie durch Kurzarbeit oder weniger Dienste viel Zeit hätten. «Mein Traumberuf würde ich aber nie an den Nagel hängen

Zum Skytexter-Team gehören insgesamt acht Piloten, die meisten stammten aus Rheinland-Pfalz – von der Mosel und aus Mainz. Die anderen kämen aus Bayern und Baden-Württemberg. «Viele von uns sind segelfliegerisch aufgewachsen», sagt Tibo. Er und sein Kollege Manuel Lange zum Beispiel hätten Fliegen auf dem Flugplatz Mont Royal in Traben-Trarbach gelernt. Noch heute sind sie Mitglied im dortigen Deutsch-Amerikanischen Segelflug-Club. «Segelfliegen ist für junge Leute, die sich für die Fliegerei interessieren, eine super Schule.»

Lange und Tibo sind auch an der Mosel auf den Segelkunstflug gekommen. Die Idee zum Skytexten bekam Tibo bei einer Kunstflugshow in Melbourne in Florida in 2017. «Da habe ich es zum ersten Mal gesehen und gedacht, das kann doch nicht sein.» Danach habe er es in China bei einer Flugshow ausprobiert und anschließend mit seinem Team nach Deutschland geholt. Lange war es «learning by doing».

Es habe sich gelohnt. In letzter Zeit bekomme er auch oft Anfragen, ob die Skytexter auch Heiratsanträge in den Himmel schreiben könnten. Technisch kein Problem. Aber: «Wenn wir dann sagen müssen, dass das einen fünfstelligen Betrag kostet, ist das Gespräch schnell beendet.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Himmelschreiber – sky writers
Kunstpiloten – stunt flyers
Botschaften – messages
entstehen – appear
Dampf – steam
sprachlos – speechless
gebürtig aus – born in
begeistert – amazed
Nachrichten – news
Werbung – advertising
Sichtweite – within sight
vorbeischleppen – drag behind
abheben – take off
Paraffinspur – paraffin oil trail
Segelflug – glider
verwehten – blow away
Wolke – cloud
absetzen – drop off
Abstand – distance
anspruchsvoll – superior
verbunden – connected
Einsatz – inset
Hauptstererungseinheit – central steering unit
moin – good morning
völlig – totally
verblüfft – astounded
echter – genuine
Blickfang – eye-catcher
Ausstoß – discharge
Auspuff – exhaust
erhitzt – heated
verdampft – vaporized
weder…noch – neither…nor
gesundheitsschädlich – harmful to health
verwischen – erase
Entwicklung – development
Unternehmen – businesses
Linienpiloten – airline pilots
Dienste – service
Traumberuf – dream job
nie – never
an den Nagel hängen – call it quits
stammten aus – stem from
ausprobiert – tried out
anschließend – afterwards
gelohnt – worth it
Anfragen – requests
Heiratsanträge – marriage proposals
fünfstelligen Betrag – five-figure sum

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*