30. Januar 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Drillinge erfüllen sich Jugendtraum bei der Polizei

Sie sehen sich zum verwechseln ähnlich – und tragen auch noch die gleiche Uniform. Gemeinsames Ziel des Trios ist eine Anstellung beim Polizei-Präsidium in Karlsruhe. Die Stadt sei ihre Heimat.

Karlsruhe: Die eineiigen Drillinge, (l-r) Vanessa, Lara und Samira Böß, aufgenommen beim Polizeipräsidium Karlsruhe. Alle drei arbeiten bei der Polizei. Foto: dpa

Karlsruhe (dpa) – Es hat ein bisschen gedauert – aber inzwischen sind die Drillinge Samira, Lara und Vanessa Böß alle in Diensten der Polizei. Damit haben die 24-Jährigen sich quasi einen Jugendtraum erfüllt. Als Realschülerinnen hätten sie Praktika bei der Polizei gemacht, sagte Lara der Deutschen Presse-Agentur.
Während für die heutige Polizei-Obermeisterin Samira schon davor feststand, dass sie Polizistin werden will, gingen die Schwestern erstmal andere Wege.

Lara fing eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten an. «Nach zwei Wochen wusste ich, dass ich zur Polizei will.» Mittlerweile ist sie Polizeimeisterin. Und Vanessa wollte eigentlich freie Wochenenden und Zeit für ihr Hobby, den Turnierhundesport. Nach der Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation arbeitete sie zunächst noch in dem Beruf und ist nun als Polizeimeister-Anwärterin in der Ausbildung.

«Für mich ist das optimal», sagte Vanessa. «Ich kann die zwei immer fragen, wenn ich in der Schule etwas nicht verstanden habe.» Da alle drei wieder zu Hause wohnen, ist der Beruf auch mal Thema nach Feierabend. Aber das werde nicht langweilig, versicherte sie. «Jede erlebt ja etwas Anderes.» Und sie könnten sich austauschen, was die anderen beiden in einer Situation vielleicht gemacht hätten.

Gemeinsames Ziel des Trios ist eine Anstellung beim Präsidium in Karlsruhe. Die Stadt sei ihre Heimat, sagte Samira. Auf jeden Fall wollten sie auch in den Streifendienst, weil der viel Abwechslung biete, sagte Lara. Wegen ihrer Liebe zu Hunden kommt für die Drillinge laut Vanessa auch ein Einsatz in der Hundestaffel infrage.

Der Job hat dabei auch Einfluss auf das Private der Drei: «Man geht anders durchs Leben, wenn man weiß, was alles passieren kann», sagte Vanessa. Sie achte zum Beispiel mehr auf ihre Taschen oder vermeide großes Gedränge etwa auf Weihnachtsmärkten. Aber man müsse auch abschalten können, betonte Samira. «Sonst wäre man dauernd auf 180.» Von Freunden, die mit Drogen zu tun hätten, müsse man sich auch verabschieden, sagte sie. Oder die entfernten sich von selbst.

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Sport

Nach WM-Aus: Deutsche Handballer nehmen Olympia-Gold ins Visier

Für die neuformierte Handball-Nationalmannschaft ist die WM nach dem letzten Hauptrundenspiel gegen Polen am Montag vorzeitig beendet. Obwohl das Viertelfinale ohne die DHB-Auswahl stattfindet, blicken die Verantwortlichen zuversichtlich in die Zukunft.

Handball: WM, Deutschland – Brasilien, Hauptrunde, Gruppe 1, 2. Spieltag.
Bundestrainer Alfred Gislason sitzt an der Seitenlinie auf einem Stuhl. Foto: dpa

Von Eric Dobias und Nils Bastek
Kairo (dpa) – Kaum war die WM-Mission der deutschen Handballer gescheitert, rief Bob Hanning in gewohnt schrillem Outfit das nächste große Ziel aus. «Ich bin überzeugt davon, dass wir um olympisches Gold spielen werden», sagte der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes unbeeindruckt vom frühen Aus bei der Weltmeisterschaft in Ägypten. «Ich wüsste nicht, warum wir dieses Ziel korrigieren sollten.»

Auch Sportvorstand Axel Kromer glaubt trotz des verpassten Einzugs ins WM-Viertelfinale an die Möglichkeit eines großen Comebacks bei den Olympischen Spielen: «Wir wissen, dass wir jedes Team der Welt schlagen können, wenn wir in Vollbesetzung und in Topform sind», sagte er am Sonntag. «Demzufolge halten wir an dem Ziel fest und freuen uns immens, wenn das Ziel erreicht wird.»

Nicht ganz so schnell in den Angriffsmodus umschalten wollte Alfred Gislason, der in seinen Gefühlen hin- und hergerissen war. In der prunkvollen Lobby des noblen Teamhotels in Kairo sah man den Bundestrainer am Sonntag zwar auch lächeln, doch die meiste Zeit schaute er ziemlich ernst. «Ich ärgere mich noch heute schwarz, dass wir das Spanien-Spiel nicht gewonnen und kein Unentschieden gegen Ungarn geschafft haben», sagte der Isländer. «Es ist ein zwiegespaltenes Gefühl. Das ärgert mich jede Stunde.»

Der erfolgsverwöhnte Ex-Coach des Rekordmeisters THW Kiel haderte mit dem frühen Turnier-Aus, das von einer Debatte um ein TV-Interview von Kapitän Uwe Gensheimer begleitet wurde. Der 34 Jahre alte Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen hatte am Samstagabend nach dem 31:24 gegen Brasilien im ZDF zur Kritik an ihm gesagt: «Ich weiß nicht, ob das der Vereinszugehörigkeit geschuldet ist. Missgunst und Neid sind manchmal schon ein bisschen da, habe ich das Gefühl.»

Das führte zu Irritationen, die Gensheimer am Sonntag in einer DHB-Mitteilung ausräumte. Die Aussage habe nicht seinen Teamkollegen, sondern ausschließlich externen Kritikern gegolten. «Ich habe mich nie negativ über Spieler und Trainer geäußert und werde dies auch nicht tun. Wer mir Böses unterstellt, irrt», betonte er vor dem letzten Hauptrundenspiel gegen Polen.

Der Sieg gegen Brasilien war letztlich bedeutungslos, weil Ungarn und Spanien schon vor dem Anpfiff die zwei Tickets für das Viertelfinale gebucht und damit die ohnehin nur leisen Hoffnungen der DHB-Auswahl auf ein Handball-Wunder zunichte gemacht hatten. Dennoch zeigte die deutsche Mannschaft eine konzentrierte Leistung. «Wir haben ja auch den Adler auf der Brust, deshalb wollten wir mit einem Sieg hier rausgehen», sagte Gensheimer.

Gislason richtete den Blick am Tag danach bereits nach vorn. Mitte März geht es für die DHB-Auswahl in Berlin gegen Schweden, Slowenien und Algerien um die Fahrkarte zu den Sommerspielen in Tokio. «Das Qualifikationsturnier wird nicht einfach. Aber ich bin optimistisch, dass uns das, was wir hier gemacht haben, dann helfen kann», sagte der Bundestrainer.

Denn bei aller Kritik am frühen WM-Aus: Es gab auch einige Lichtblicke im neuformierten DHB-Team. «Für Spieler wie Johannes Golla, Philipp Weber oder Timo Kastening war das Turnier extrem wichtig, um in höheren Hierarchieebenen besser zu funktionieren», befand Hanning. Gislason sah ebenfalls viele gute Ansätze. «Was die Jungs geschafft haben in dieser kurzen Zeit, ist schon sehr beachtlich. Da gibt es Taktiken, für die ich Monate gebraucht habe in Kiel, die jetzt bei der Mannschaft schon ziemlich flüssig laufen», stellte er zufrieden fest. «Wir haben jetzt ein gewisses Grundgerüst erstellt, das uns auch im März helfen wird.»

Der Bundestrainer steht nun vor der Aufgabe, aus dem WM-Kader und den zuhause gebliebenen Leistungsträgern eine schlagkräftige Truppe zu formen. «Wenn wir dann alle an Bord haben, dann haben wir eine Mannschaft, die richtig gut sein kann», sagte er.

Dabei plant Gislason fest mit einer Rückkehr des Kieler Trios Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold, das wegen der Corona-Krise freiwillig auf die WM verzichtet hatte und dafür von Torwart Andreas Wolff scharf kritisiert worden war. «Ich werde natürlich mit den Kieler Jungs reden, ob sie noch irgendwelche Vorbehalte haben, oder ob sie – genauso wie ich – Andreas Wolff gut genug kennen, dass solche Aussagen eben auch fallen», kündigte Sportvorstand Kromer an.

Wolff, der gegen Brasilien nur auf der Tribüne saß, gehörte wie Gensheimer zu den großen WM-Verlierern im deutschen Team. Er wird am Montag gegen Polen aber wieder dabei sein, wenn die DHB-Auswahl einen versöhnlichen WM-Abschluss anstrebt. Gislason nahm seine Schützlinge in die Siegpflicht: «Ganz ehrlich, das wäre mir sehr wichtig.»

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Feuilleton

Virtuelle Tour zu Bruegels Werken im Kunsthistorischen Museum Wien

„Die Bauernhochzeit“, von Pieter Bruegel (1568), Öl auf Eichenholz.
Foto: Kunsthistorisches Museum Wien/dpa

Wien (dpa) – Trotz geschlossener Museumstüren können Kunstliebhaber die Werke von Pieter Bruegel dem Älteren weiterhin im Kunsthistorischen Museum (KHM) in Wien ansehen. Das Haus am Ring und das belgische Tourismusbüro «Visit Flanders» haben den Saal mit den Kunstwerken virtuell aufbereitet, wie sie am Freitag mitteilten. Bei einer Online-Tour kann jeder Interessierte die zwölf in Wien befindlichen Werke von Bruegel (1525/30-1569) sehen. Unter den Gemälden sind etwa die «Bauernhochzeit», «Kinderspiele», «Jäger im Schnee» und der «Turmbau zu Babel» Das Angebot ist gratis. Interessierte können so von der Couch aus durch Heranzoomen auch Details der Bilder sehen. Zusätzlich gibt es Informationen über Bruegel und sein Werk in sechs Sprachen. Der Künstler und Flame zählt zu den bedeutendsten niederländischen Malern des 16. Jahrhunderts.

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Gesundheit

Wegen Corona: Wellness klappt auch gut zu Hause

Fitnessstudios, Schwimmbäder und Massagestudios sind wegen Corona geschlossen. Höchste Zeit, sich zu Hause etwas Gutes zu tun. Dabei ist Wellness mehr als eine Gesichtsmaske oder ein entspanntes Bad.

Wellness ist mehr als ein Tag im Spa zu verbringen. Viel mehr sollte man sich Routinen angewöhnen die 
einem jeden Tag gut tun – wie zum Beispiel ein Spaziergang an der frischen Luft. Foto: Christin Klose/dpa

Von Nina Kugler
Köln/Frankfurt am Main (dpa) – Deutschland im Corona-Winter – für viele eine stressige Zeit, in der man ein wenig Wellness gut gebrauchen könnte. Nur leider sind Spas, Thermen, Massagestudios oder Fitnesscenter geschlossen. Wellness zu kaufen gibt es im Moment also nicht.

«Man kann sich aber zuhause immer etwas Gutes tun», sagt Lutz Hertel. Er muss es wissen. Denn Hertel ist nicht nur Diplom-Psychologe, sondern auch seit dreißig Jahren Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wellness Verbandes. Er sagt: «Viele verstehen Wellness falsch, in dem Sinne von ‚Ich lasse mich von anderen verwöhnen‘.»

Dabei sei Wellness viel mehr als ein Spa-Urlaub, eine Gesichtsmaske oder ein entspanntes Bad. «Das ist alles schön und gut. Denn das ist auch mit Freude verbunden. Manche tun das sicherlich auch, um sich zu belohnen», sagt Hertel. «Aber es geht ein bisschen an der ursprünglichen Idee von Wellness vorbei.»

Wellness langfristig
denken

Denn im Grunde gehe es um einen ganzheitlichen Ansatz. «Wellness meint ja eigentlich, dass Sie einen gesunden Lebensstil führen», erklärt er, «dass Sie im Alltag auf sich aufpassen und so leben, dass es nicht nur jetzt im Moment gut für Sie ist, sondern dass es auch nachhaltig einen Effekt hat.»

Deshalb müsse sich jeder selbst fragen: Was tut mir gut? Und zwar auf lange Sicht und nicht nur für einen kurzen Moment. Geht man beispielsweise nach der Arbeit gern spazieren oder liest lieber ein Buch auf dem Sofa? Mag man es laut und tanzt zu lauter Musik durch die Wohnung oder braucht man Ruhe zum Abschalten? Gönnt man sich ein Schaumbad oder geht man joggen?

Auch wenn die Antworten darauf individuell sind, gibt es Dinge, die unerlässlich für einen dauerhaft gesunden Lebensstil sind. «Wichtig ist auf jeden Fall, dass Sie gut und richtig schlafen», sagt Hertel. Grundlage sind regelmäßige Schlafenszeiten, die dafür sorgen, dass man gut ein- und durchschlafen kann. Das führt zu einem erholsamen Schlaf.

Ebenfalls wichtig sei ausreichend Bewegung am Tag. «Mindestens zehntausend Schritte sollen wir am Tag gehen», sagt Hertel. Um das nachmessen zu können, empfiehlt er zum Beispiel die Installation einer entsprechenden Fitness-App auf dem Handy.

Gleichzeitig solle man auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Vor allem während der Corona-Einsamkeit darf das Essen keine Kompensation sein, das man im Frust in sich hineinstopft. «Man kann sich auch von fremden Kulturen und Geschmäckern zu neuen Gerichten anregen lassen», schlägt Hertel vor. «Und vielleicht so sogar etwas in seinem Lebensstil verändern.»

Viele denken bei Wellness aber auch an Körperpflege. Dabei muss es mitnichten nur um Hygiene gehen. «Sie können zum Beispiel Ihr Badezimmer schön gestalten», sagt Hertel. Außerdem solle man darauf achten, dass die Pflegeprodukte, die man verwende, gut für Gesundheit und Haut seien.

Wirkungen von
Düften nutzen

Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel empfiehlt zum Beispiel ein Aromabad. «Düfte beeinflussen unser Wohlbefinden ganz wesentlich und können dazu beitragen, unseren Alltag stressfreier zu gestalten und Auszeiten bewusster zu genießen.» Die unterschiedlichen Düfte kann man dabei ganz bewusst einsetzen.

«Wer nach einem langen Arbeitstag abgespannt ist, sollte beispielsweise einen Badezusatz mit ätherischen Ölen aus Kräutern gegen die Müdigkeit nutzen», sagt Huber. Lavendel wirke in stressigen Zeiten beruhigend und Rosmarin werde aufgrund seiner entspannenden Wirkung geschätzt. «Einen belebenden Effekt erreicht man hingegen mit Zimt, während Düfte aus Früchten wie Mandarine und Zitrone einen aufheiternden und anregenden Charakter haben.»

Huber rät außerdem, für besonders trockene Haut Ölbäder zu verwenden. Sie geben der Haut bereits im Wasser das verloren gegangene Fett zurück und wirken gut gegen trockene und juckende Haut. Ihr Tipp: «Nach dem Baden die Haut nur trocken tupfen, so verbleibt der pflegende Film auf der Haut.» Auch unter der Dusche können Hautöle auf die feuchte Haut aufgetragen werden.

Anschließend sollte man sich regelmäßig eincremen. «Nun sind Pflegeprodukte gefragt, die den Feuchtigkeitsverlust der Haut ausgleichen und die Haut zusätzlich mit Fett versorgen», erklärt Huber. Ob man Creme oder Öl bevorzugt, muss jeder für sich entscheiden.

Haare mit
einer Kur verwöhnen

«Kleine Auszeiten vom Stress des Alltags und eine besondere Portion Pflege bieten hier Masken», sagt Huber. Für das Gesicht gibt es sie beispielsweise als Serum, Creme oder auch als Tuchmaske. «Und auch für die strapazierte Haut der Hände können Masken wahre Wunder bewirken. Dick aufgetragen und unter speziellen Handschuhen gut verpackt, sorgen sie für samtweiche Hände.»

Wie Hertel rät auch Huber zu einer langfristig angelegten Wellness für den ganzen Körper. Die Haare zum Beispiel sind besonders im Winter angegriffen von Heizungsluft und Mützen. Sie brauchen andauernde Pflege, am besten mit Produkten, die Haar und Kopfhaut mit einer Extra-Portion Feuchtigkeit versorgen. «Die Haare freuen sich außerdem, wenn sie regelmäßig mit besonders reichhaltigen Kuren verwöhnt werden, die brüchige Stellen im Haar kitten und die Haarstruktur wieder glätten», sagt Huber.

Sich Wellness und Entspannung nach Hause zu holen, ist also auch in der stressigen Corona-Zeit gar nicht so schwer. «Ich bin dafür, all das wertzuschätzen, was man hat, anstatt sich auf das zu fokussieren, was man im Moment vermisst», sagt Hertel.

«Trotz aller Einschränkungen geht es uns doch gut. Und die Gedanken daran, was uns im Moment fehlt, die machen uns keine gute Laune.» Und schließlich bleibt ja auch die Vorfreude auf wieder geöffnete Wellness-Studios.

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Reise

200. Geburtstag: Wasserwaten auf den Spuren Kneipps

Wasserdoktor, Wickelmeister, Wundermacher: Sebastian Kneipp half Armen genauso wie Prinzen oder dem Papst. Eine Reise zu seiner Wirkstätte führt ins bayerische Bad Wörishofen.

Kaltes Wasser auf die müden Füße: Kneippianer schwören darauf. 
Foto: Dörte Nohrden/dpa

                

Von Dörte Nohrden
Bad Segeberg (dpa) – Ob Pierre Brice oder Erol Sander: Zahlreiche Schauspieler galoppierten schon als Winnetou oder Old Shatterhand durch die legendäre Kalkbergarena in Bad Segeberg. Wenn hier die Karl-May-Festspiele steigen, geht es in dem Luftkurort in Schleswig-Holstein überaus geschäftig zu.

Gleich hinter dem Kalkberg verbirgt sich ein weiterer «Schatz im Silbersee», nicht versteckt auf seinem Grund, sondern sichtbar in die neue Seepromenade eingebettet. Dieser Schatz misst zwei mal elf Meter, ist gefüllt mit eiskaltem Wasser und der Länge nach durchzogen von einem Handgeländer: ein typisches Kneippsches Wassertretbecken. Hier tummeln sich keine Cowboys – dafür Kneippianer.

«Normalerweise treffen wir uns hier immer donnerstags und marschieren im Storchengang ein paar Runden durchs Becken», erzählt Elisabeth Juhls. «Das ist gut für die Durchblutung», sagt die Vorsitzende des Kneipp-Vereins in Bad Segeberg. Für die 72-Jährige ist Kneippen so selbstverständlich wie Zähneputzen. Sie testet die Wassertemperatur: eisige 8 Grad Celsius. «Ach, heute verzichte ich mal.»

Kneippen sei viel mehr als Wassertreten oder eiskalte Kniegüsse, erklärt Juhls. Neben der Hydrotherapie beruht die Kneippsche Philosophie auf vier weiteren Säulen: Heilkräuter, Bewegung, bewusste Ernährung und die sogenannte innere Ordnung. «Ich ernähre mich gesund, mit dem Verein gehen wir walken oder wandern, und ein Kollege organisiert regelmäßig Fahrradtouren und Ausflüge», sagt Juhls. «Es geht auch um die Gemeinschaft.» Dazu gehört auch der monatliche Stammtisch mit Vorträgen und Diskussionen.

Am Beginn von Kneipps Erfolgsgeschichte steht sein eigenes Leiden. Als junger Theologiestudent an Tuberkulose erkrankt und von den Ärzten schon verloren geglaubt, fiel ihm ein entscheidendes Buch in die Hände: «Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen (…)», verfasst von Johann Siegmund Hahn. Von da an marschierte Kneipp, damals in Dillingen lebend, täglich an die nahe Donau und nahm kurze Bäder im eiskalten Fluss. Ob diese halfen oder nicht, Kneipp wurde jedenfalls vollständig gesund.

Beflügelt vom eigenen Heilerfolg entwickelte der angehende Theologe die «Wasserkur» weiter: kalte und warme Güsse und Bäder, Wickel, Waschungen – dazu viel Bewegung, gesundes Essen und die Kraft der Heilkräuter. Heimlich behandelte er zunächst Kommilitonen, später sogar an Cholera erkrankte Menschen. Sein Erfolg gab ihm Recht, und doch: Kneipp war kein Mediziner. Nach seiner Priesterweihe 1852 wurde er nicht nur einmal als Kurpfuscher verspottet und gar verklagt.

Doch was tat Kneipp? Er stellte dem an Gicht erkrankten Richter kurzerhand eine passende Kuranweisung aus. Er wollte helfen. Sein erstes Buch «Meine Wasserkur», welches sich später als Plagiat herausstellte, und das zweite, 1889 erschienene Werk «So sollt ihr leben» verbreiteten seine Gesundheitslehre, in viele Sprachen übersetzt, in die äußersten Winkel Europas.

Das Herz der Kneippkur liegt im Allgäu. Kein anderer Ort ist so stark durch den Pfarrer und Wassertherapeuten Kneipp geprägt wie das bayerische Bad Wörishofen.

Von den heute über 100 Kurhotels erzählt vor allem eines seine Geschichte: das Sebastianeum, 1891 eigens von Kneipp eröffnet.

Insbesondere seit Papst Leo XIII. ihn 1893 zum «Monsignore» und päpstlichen Geheimkämmerer ernannte, setzte ein wahrer Kneipp-Tourismus ein. Hotels wurden gebaut, Bad Wörishofen wuchs und entwickelte sich zum Kurort. Zehntausende pilgerten jedes Jahr ins Allgäu, darunter Prinzen, Fürsten und Herzöge. Sogar ein indischer Maharadscha ließ hier sein Nervenleiden kurieren – und erlernte nebenbei das Schlittschuhlaufen.
Im ehemaligen Sprechzimmer Kneipps dinieren heute Kurgäste. Wie sehr die Kneippkur bis heute ihre Gültigkeit behalten hat, weiß Joachim Bohmhammel. Der therapeutische Leiter und ausgebildete Kneipp-Bademeister ist seit 22 Jahren am Sebastianeum tätig.

Vom Blutdruck- bis zum Burnout-Patienten, von der Atemwegserkrankung bis zur Schlafstörung, er hilft Heilsuchenden mit individuell auf sie zugeschnittenen Wasseranwendungen. Mal seien es warme, mal kalte Güsse, die über Brust oder Beine, Gesicht oder Arme fließen.

«Es gibt 120 Möglichkeiten, Wickeln, Waschungen, Güsse oder Wasserbäder anzuwenden», erklärt Bohmhammel. Die Menschen seien von vielfältigen Symptomen geplagt, doch der Auslöser sei fast immer Stress, berichtet der 57-Jährige. Die Hydrotherapie wirke durch ihre Wärme- und Kältereize hervorragend auf das vegetative Nervensystem: «Ein kalter Armguss macht wach, ein Knieguss hilft beim Einschlafen.» Die goldene Regel: Niemals kaltes Wasser auf kalte Haut.

Der körperliche Aspekt ist nach Ansicht der Kneippianer nicht alles. Die Kurgäste bräuchten und suchten Ruhe, innere Balance und Kontemplation, ist Bohmhammel überzeugt. «Wichtig ist auch der psychologische Effekt. Jede Anwendung ist ja auch eine Zuwendung.» Kneipp selbst schrieb dazu: «Erst, als ich an die Seele der Menschen ging, hatte ich vollen Erfolg.»

Kneippen ist Bohmhammel zufolge alles andere als altbacken: «Die Zeit ist dafür reif, nicht erst seit Corona.» Auch in der jüngeren Bevölkerung nehme er ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und die wiederentdeckte Freude am Einfachen wahr. Viele Anwendungen ließen sich nach der Kur zu Hause oder in Vereinen weiter durchführen.

Der Bad Segeberger Kneipp-Verein ist nur einer von zahlreichen Gruppen. Vom Norden bis in den Chiemgau sind etwa 1200 Vereine unter dem Dach des Kneipp-Bunds organisiert. Daneben gibt es Hunderte öffentlich zugängliche Kneipp-Wassertretbecken in Deutschland. Viele weitere Anlagen verstecken sich in Parks, Seen, Wäldern und Bächen. Gerade jetzt, wenn Fitnessstudios geschlossen haben, laden sie Spaziergänger zu Frischluft und Gesundheitsprophylaxe ein.

Zwar wurde auch Kneipp nicht unsterblich, doch er hinterließ sein Erbe – sozusagen eine «Traditionelle Europäische Medizin», wie Bohmhammel sie nennt. Die deutsche Unesco-Kommission nahm das Kneippen 2015 ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.

Kneipp war überzeugt: «Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.» Im Mai 2021 jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.

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Mode: Farbtrends liegen zwischen Graupalette und Frischekick

Ob Sofa oder Pullover: Die Farbtöne im neuen Jahr sorgen für Geborgenheit und machen Hoffnung.

Für das Jahr 2021 liegen Naturtöne wie Braun oder Beige im Trend. Foto: Mathias Nero/Kasthall/dpa

Von Benjamin Freund
Berlin (dpa) – 2020 ist vorbei und die Pandemie wütet noch immer. Durch Lockdown und Quarantäne hat sich nun auch das Farbbewusstsein der Deutschen verschoben, sagen Experten. Als Trendfarben für 2021 hat das Farbinstitut Pantone einen freundliches Gelb- und einen sanften Grauton auserkoren. Das soll Beständigkeit und Zuversicht vermitteln.

«Es gibt in der Tat eine Rückbesinnung auf einen Farbpragmatismus», sagt der Farbforscher und Designer Axel Venn. Die Tendenz zu gedeckten Tönen beobachte Venn im Interieur-Bereich sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Menschen. «Die Leute binden sich nicht an allzu viel Experimentelles.»

Auch laut der Trendberaterin Gabriela Kaiser sind im neuen Jahr nüchterne Farben angesagt. Sie sagt, dass das eine gesellschaftliche Reaktion auf das Virus ist. «Es gibt Menschen, die jetzt eine Ruheinsel zu Hause haben wollen.»

Farbexpertin und Designerin Hildegard Kalthegener sieht das ähnlich. Sie plädiert für einen achtsamen Umgang mit den Farben. «Grau bleibt eine wichtige Farbe.» Daneben empfiehlt sich für die Inneneinrichtung aber auch «alles, was sich zwischen Leinen, Lehm und Sand abspielt.» Umschreiben lässt sich das laut Kalthegener als eine «langlebige Palette».

Axel Venn fasst einen der Farbtrends derweil unter dem Begriff «Greige» zusammen. Die Farbe, die mitunter als «Nichtfarbton» bezeichnet wird, setzt sich aus Grau und Beige zusammen. Diese Farben sind laut Kaiser übrigens zeitlos und zudem eine «tolle Basis», um im Nachgang ganz bewusst Farbakzente in der eigenen Wohnung zu setzen. Naturtöne als Hoffnungsschimmer, sozusagen.

Wer mit Grau an Wand und Möbeln so gar nicht warm wird, für den empfiehlt Kaiser die deutlich herzlichere Farbe Beige. «Das kann bis zu einem lebendigen Karamell führen. Das kennt man von italienischen Lederfarben in der Mode.» Und Venn ergänzt: «Gelb ist wichtig. Aber es muss immer sehr lehmartig gefärbt sein.»

Dennoch sieht Kaiser den Wunsch nach expliziteren Naturfarben. «Das sind saftige Grüntöne, die wir aus der Natur und unserem Garten kennen.» Rückführen lässt sich diese Natursehnsucht nach Meinung der Expertin auch auf die Zeit während des Lockdowns, in der wir mehr in den eigenen vier Wänden und weniger im Freien verbracht haben.

2021 wird also das Jahr der gedeckten Farben sowie «der neuen Form authentischer Gemütlichkeit», sagt Venn. In der Praxis lässt sich die Faustformel dann nach Kalthegener zum Beispiel so anwenden: «Bei der Couch wird man versuchen, etwas zwischen Grau und Braun zu finden. Tabak ist da eine gute Farbe.»

In der Mode sind 2021 vor allem Monochrom-Looks angesagt. Darin bewege man sich im Ober- und Unterteil in einer Farbe, erklärt Kaiser. «Zum Beispiel Beige in Beige oder Weiß in Weiß». Hellgrau und Beige lassen sich laut der Expertin aber ebenso gut miteinander kombinieren.

Farbakzente können bei der Kleiderwahl dann etwa mit Quietschgelb und Grasgrün gesetzt werden. Die Mode pendelt 2021 ästhetisch zwischen der Besinnung auf das Wesentliche und einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Für Kalthegener steht der Couleur-Charakter der Kleidung im neuen Jahr ganz im Zeichen einer unaufgeregten Entschleunigung: «Ich glaube, dass Schnelllebigkeit, Glanz und Glitzer verschwinden werden. Alles, was nachhaltig und naturorientiert ist, wird bleiben.»

Wie man beim Online-Shopping danach am besten Ausschau hält? «Diese Farben erkennt man auf den zweiten Blick. Sie springen einen nicht an und pendeln zwischen bunt und unbunt», sagt Kalthegener.

Wer es doch etwas wilder mag, für den gibt Kaiser Entwarnung: Ein Blick auf die Modetrends 2021 verrät ihr, dass sich die Designer den pandemiebedingten ausgefallenen Urlaub in Mustern und Grafiken zurückholten. «Das war wie eine Kreuzfahrt auf dem Pullover.» Als Beispiel nennt sie Dschungel-Prints. «Der vereint Naturerleben mit Fernreisen.»

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Eine Frage der Haltung – Über Werbung in Corona-Zeiten

Für Umweltschutz, gegen Sexismus: Werbung erweckt verstärkt den Eindruck, als wollten Konzerne die Welt verbessern. Das zeigt sich auch und gerade in der Corona-Krise. Warum dies ein schmaler Grat sein kann.

Die Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums unter dem Motto #FürMichFürUns wirbt in Zeiten der Corona-Pandemie mit dem Slogan “Ich will wieder tanzen. Dafür fahr ich jetzt Kontakte runter.” (undatierte Aufnahme). Werbung erweckt verstärkt den Eindruck, als wollten Konzerne die Welt verbessern. Das zeigt sich auch und gerade in der Corona-Krise.
Foto: Bundesministerium Für Gesundheit/dpa

Von Michael Kieffe
Berlin (dpa) – Corona hat auch die Werbung verändert. Auf Plakaten und in Fernsehspots war zuletzt viel von «Wir», «Uns» und «Solidarität» die Rede. Nicht nur Behörden wie das Bundesgesundheitsministerium appellierten mit Slogans und Schlagworten wie #FürMichFürUns an den Gemeinschaftssinn. Auch große Konzerne, von denen man dergleichen womöglich weniger erwartet hätte, stimmten ein. «Plötzlich haben (nahezu) alle Marken nur noch ein Thema: wie menschlich, sympathisch und zugänglich sie sind», beobachtet der Hamburger Markensoziologe Oliver Errichiello.

Beispiel Coca-Cola. In einer seit Monaten kaum zu übersehenden Kampagne des Getränkeherstellers heißt es: «Lasst uns offen für das Neue bleiben – so offen wie nie zuvor.» Nicht jeden überzeugt das. Das seien Slogans, als wären sie im Politbüro erdacht worden, hieß es im Sommer in einer «Spiegel»-Glosse. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagt Coca-Cola: «Die Kampagne gründet in der Überzeugung, dass wir nicht zur Normalität zurückkehren müssen, sondern gemeinsam voranschreiten und die Welt anders – und besser – machen können.»

Bereits vor der Coca-Cola-Kampagne und auch schon vor der Corona-Krise war zu beobachten, dass sich Unternehmen mit ihrer Werbung verstärkt zu gesellschaftlichen Themen positionieren – oder anders ausgedrückt: Haltung zeigen. In der Werbebranche hat sich dafür das Schlagwort «Purpose» geprägt (engl.: Zweck/Ziel/Sinn). «Es gibt seit geraumer Zeit in Marketing- und Werberkreisen die Idee, einen höheren Sinn hinter dem wirtschaftlichen Tun zu zeigen oder diesen zu finden», sagt der Werbepsychologe Joost van Treeck, der an der Hochschule Fresenius lehrt.

Im Corona-Jahr 2020 boomten solche Purpose- oder Haltungskampagnen. Sichtbar wurde das etwa im Lebensmitteleinzelhandel. So wandelte der Discounter Penny seinen Slogan «Erstmal zu Penny» ab und warb mit #erstmalzuhause. Das klang fast schon wie von der Bundesregierung: Das Gesundheitsministerium nutzte zuletzt Sprüche wie «Ich will wieder tanzen. Dafür fahr ich jetzt Kontakte runter» oder «Ich will wieder im Stadion jubeln. Dafür lüfte ich jetzt auf Arbeit ständig», um die Menschen zu coronakonformem Verhalten zu bringen.

«Unter dem Motto “Wir sind alle nur Menschen und kämpfen gemeinsam gegen das Virus” machen sich die größten Marken ganz klein», meint Markensoziologe Errichiello. «Die eigentliche Leistung des Unternehmens, der Grund, weshalb die Menschen bereit sind, ihr schwer verdientes Geld auszugeben, rückt immer mehr in den Hintergrund.» Aus Errichiellos Sicht schwächen sich Unternehmen und machen sich austauschbar. «Kunden kaufen Leistungen und keine Gefühle», sagt er. «Konkret wäre doch stattdessen, wenn ein Unternehmen damit werben würde, dass man seine Mitarbeiter für die tolle Arbeit doppelt so hoch bezahlen würde: Das hilft auch den Kunden, die auf motivierte Mitarbeiter träfen. Das ist soziales Handeln.»

Ein frühes Beispiel für Haltungskampagnen ist das Modeunternehmen Benetton, das seit den 80er Jahren auf den Schock-Fotografen Oliviero Toscani setzte. «Die Werbung zeigte keine bunten Pullover mehr, sondern Kriege, Tote und Krankheiten», erklärt Errichiello. Weniger drastisch als Benetton und dennoch wirksam, um Aufmerksamkeit zu erregen, war 2019 ein Anti-Sexismus-Werbespot von Gillette, mit dem der Rasierklingenhersteller für ein neues Männerbild jenseits von Machismo eintrat. Und jüngst thematisierte der Möbelriese Ikea in Tschechien mit einem vermeintlichen Horror-Video das Problem der häuslichen Gewalt in dem Land.

Konsumenten in Deutschland stehen Unternehmen, die eine Meinung zu einem Thema äußern, generell offen gegenüber – zu diesem Ergebnis kam jüngst eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts YouGov. «Zwei Drittel (66 Prozent) sagen, dass Unternehmen und ihre Marken ausdrücken können sollten, wie sie zu einem Thema stehen. (…) Für Marken ist es dennoch ein schmaler Grat zwischen dem Übernehmen von sozialer Verantwortung bzw. dem Äußern einer Haltung zu gesellschaftlich relevanten Themen und der Gefahr, Kunden durch klare Standpunkte zu vergraulen und sogar unglaubwürdig zu wirken», hieß es von YouGov.

Joost van Treeck erinnert an Debatten um sogenanntes Greenwashing. Für Unternehmen sei es ein gefährliches Spiel, sich einem Thema wie Nachhaltigkeit zu verschreiben, sich also einen grünen Anstrich zu geben, dann aber nicht stringent danach zu handeln. Joan Bleicher, Professorin am Institut für Medien und Kommunikation an der Universität Hamburg, sagt: «Aktivitäten etwa im Bereich Umweltschutz statt bloßer Marketing-Slogans könnten zur Glaubwürdigkeit beitragen. Dennoch bleibt jedoch eine potenzielle Skepsis gegenüber den Produktmärchen der Werbung erhalten.»

Zurück zu Coca-Cola. Wie untermauert der Brausehersteller das Ansinnen der «Offen wie nie zuvor»-Kampagne, die Welt ein bisschen besser machen zu wollen? Coca-Cola verweist auf Anfrage unter anderem darauf, die eigenen Gastronomiepartner während der Corona-Krise finanziell zu unterstützen. Auch der Lebensmittel-Discounter Penny will seine #erstmalzuhause-Kampagne nicht als ein Aufspringen auf einen MarketingZug verstanden wissen. So zeige Penny bereits mit einem «klaren Bekenntnis zu sexueller Toleranz» – symbolisiert über Regenbogenflaggen an den Märkten – regelmäßig Haltung, betont ein Sprecher.

Werbepsychologe van Treeck sagt, Unternehmen müssten bei ihren Kampagnen aufpassen, nicht zu erzieherisch zu werden. «Wir alle haben, in unterschiedlicher Ausprägung, einen inneren Bock. Der kommt immer dann zum Vorschein, wenn wir uns zu sehr gegängelt fühlen. Die Reaktion ist Trotz. Wer Kinder hat, weiß, was das bedeuten kann.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

eine Frage der Haltung – it’s about what side you’re on
Umweltschutz – environmental protection
Werbung – advertising
erweckt – promotes
Konzerne – companies
Grat – uptick
Behörden – government agencies
Gemeinschaftssinn – society’s emotional response
große Konzerne – corporate giants
womöglich – whenever possible
zugänglich – accessible
kaum zu übersehenden – all but impossible to overlook
überzeugt – is convincing
Politbüro = communist party policy makers
erdacht – dreamed up
Glosse – gloss
geprägt – coined
seit geraumer Zeit – for some time
sichtbar – visible
klang wie – sounded like
Sprüche – sayings
lüfte…auf Arbeit – airing out my work area
ständig – frequently
schwer verdientes Geld – hard earned money
austauschbar – interchangeable
wirksam – effective
jenseits – diametrically opposed
eintrat – introduced
Möbelriese – furniture giant
vermeintlichen – supposed
häuslichen Gewalt – domestic violence
jüngst – recently
Gefahr – danger
vergraulen – alienate
unglaubwürdig – unbelievable
Nachhaltigkeit – sustainability
verschreiben – to prescribe to
sich einen grünen Anstrich geben – promote their green image
Glaubwürdigkeit – credibility
beitragen – contribute
-Märchen – fairy tale
untermauert – substantiate
Brausehersteller – fizzy drink producer
Ansinnen – suggestion
verweist auf – makes reference to
Anfrage auf – inquires about
Aufspringen – leap
Marketing-Zug – bandwagon
erzierherisch – preachy
Ausprägung – amounts
Bock – drive
kommt zum Vorschein – appears
gegängelt – bossed around
Trotz – defiance

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*