30. März 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Modemarke «Bauernkind» soll Stolz auf Herkunft zeigen

Jost Teepker (l-r), Jan Möllenbrink, Ansgar Selhorst und Lukas Meyer-Tonndorf, Gründer der Marke “Bauernkind” posieren vor der Hausfassade eines bäuerlichen Betriebes. Foto: dpa

Kinder aus Bauernfamilien müssen sich immer wieder Sprüche über ihre Herkunft anhören. Studenten aus Göttingen wollen mit einem Modelabel das Wort «Bauernkind» positiv besetzen.

Göttingen (dpa) – Vor gut einem Jahr starteten fünf Göttinger Studenten das Modelabel «Bauernkind» – mittlerweile ist die Nachfrage nach Produkten mit dem Namen stark gestiegen. «Unser Ziel ist es, dieses Lebensgefühl vom Land auszudrücken und über Landwirtschaft ins Gespräch zu kommen», sagt Lukas Meyer-Tonndorf, einer der Gründer.

Die jungen Männer bestellten zunächst mehrere Pullover, bedruckten sie und richteten eine eigene Website ein. Mittlerweile gibt es nicht nur «Bauernkind»-Pullover, sondern auch Shirts, Mützen, Strampler und Ähnliches.

Wirtschaftliche Interessen standen für die Studenten dabei nicht im Vordergrund, «Bauernkind» ist vielmehr ein Bekenntnis zu ihren Wurzeln. «Wir sind stolz darauf, vom Land zu kommen und Bauernkinder zu sein», sagt Meyer-Tonndorf.

Immer wieder sind Kinder aus landwirtschaftlichen Familien kleineren Hänseleien oder sogar Mobbing ausgesetzt. Anfang des Jahres gaben zum Beispiel bei einer Umfrage im Landfrauenverband Baden-Württemberg mehr als 50 Prozent der Teilnehmenden an, als Bauernkind selbst bereits von Mobbing betroffen gewesen zu sein.

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Sport

Neureuther, Bö, Eisenbichler: Die Wintersport-Gesichter der Saison

Denise Herrmann aus Deutschland freut sich nach dem Rennen über insgesamt drei Medaillen, die sie bei der WM gewann. Foto: dpa

Höchstleistungen auf Loipen, Pisten und Schanzen: Die abgelaufene Wintersport-Saison hatte einige Highlights zu bieten. Zu den Personen des Winters gehören auch einige deutsche Sportler.

Frankfurt/Main (dpa) – Auch im Jahr nach Olympia prägen große Triumphe und bittere Niederlagen den Wintersport. Felix Neureuther hört auf, Markus Eisenbichler dreht auf und Johannes Thingnes Bö ist am Ende überhaupt nicht mehr zu schlagen. Die Wintersport-Gesichter der vergangenen vier Monate.

FELIX NEUREUTHER (SKI ALPIN): «Servus, Felix!» Mit größtmöglicher  Aufmerksamkeit hat sich Neureuther, der an diesem Dienstag 35 wird, von der aktiven Alpin-Szene verabschiedet. «In meine Fußstapfen muss gar keiner treten. Es muss jemand versuchen, neue Fußstapfen zu hinterlassen. Das ist das Entscheidende», sagte Neureuther, der in seiner Laufbahn 13 Weltcup-Siege und Medaillen im WM-Slalom feierte, im Abschlussjahr aber keinen Podestplatz mehr einfahren konnte.

MARKUS EISENBICHLER (SKISPRINGEN): Der hochemotionale Bayer krönte sich in Seefeld zum besten Skispringer der WM. Ohne einen Einzelsieg im Weltcup setzte sich Eisenbichler auf der Großschanze von Innsbruck durch und ließ zwei weitere Goldmedaillen in Team und Mixed folgen. Mitte März klappte es im slowenischen Planica dann auch noch mit dem ersten Weltcup-Sieg. «Es war einfach geil», bilanzierte er.

MIKAELA SHIFFRIN (SKI ALPIN): Die Amerikanerin ist der größte Star der Szene; das wird sich nach den Rücktritten von Neureuther, Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal nicht ändern. Sie zeigte einen Winter der Extraklasse: Bei ihren 26 Starts im Weltcup gewann sie 17 Mal – so oft wie noch niemand vor ihr in einer Saison. Dazu kommen zwei Goldmedaillen und einmal Bronze bei der WM.

JAVIER FERNANDEZ (EISKUNSTLAUF): Der Spanier galt als Magier auf dem Eis, der das Publikum verzaubert hat. Bei der EM in Minsk gab der erst 27 Jahre alte Eiskunstläufer seine Abschiedsvorstellung, die er als Drama inszenierte. Nachdem er nur auf Platz drei im Kurzprogramm gelandet war, sicherte er sich mit Sprung-Perfektion und starkem Ausdruck noch den siebten und letzten EM-Titel in Serie seit 2013. Gelernt hat der Anhänger von Real Madrid auch von Trainer Brian Orser, der selbst einst Weltmeister war.

JOHANNES THINGNES BÖ (BIATHLON): Historische 16 Weltcupsiege, dazu viermal Gold und einmal Silber bei der WM in Schweden – der 25 Jahre alte Norweger war der Dominator des Biathlon-Winters. Bö konnte sich in den vergangenen Monaten durch Fehler am Schießstand nur selbst schlagen. Als Gesamtweltcupsieger löste er den Franzosen Martin Fourcade ab, der zuvor sieben Mal nacheinander triumphiert hatte.

DENISE HERRMANN (BIATHLON): Mit einmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze bei der WM wurde die Sächsin überraschend die erfolgreichste deutsche Biathletin in dieser Saison. Nur drei Jahre nach ihrem Wechsel vom Langlauf zu den Skijägern überzeugte die 30-Jährige nicht mehr nur in der Loipe, sondern auch am Schießstand. «Das war eine richtig gute Saison», sagte Herrmann, die mehrfach sogar Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier die Show stahl.

ERIC FRENZEL (NORDISCHE KOMBINATION): Eine durchwachsene Weltcup-Saison, aber drei WM-Medaillen in Seefeld: Kombinierer Eric Frenzel hat sich sein Leistungshoch im vergangenen Winter mal wieder für den besten Zeitpunkt aufgehoben. Vorher Sprungprobleme und krank, danach wieder krank, doch bei der WM voll dabei: Der Lohn waren zweimal Gold und eine Silbermedaille im Team.

NATALIE GEISENBERGER (RODELN): Natalie Geisenberger ist die herausragende Athletin des Winters. Die 31 Jahre alte Bayerin gewann als erste Frau zum siebten Mal den Gesamtweltcup – diesmal mit einem riesigen Vorsprung von 259 Punkten. Zudem wurde die Olympiasiegerin von 2014 und 2018 Einzel- und Sprint-Weltmeisterin bei der WM in Winterberg.

FRANCESCO FRIEDRICH (BOB): Alles, was es zu gewinnen gab, hat Francesco Friedrich gewonnen. Alle Zweierbob-Weltcups – was vor ihm noch kein Pilot schaffte – und zudem erstmals den Gesamtweltcup im Viererbob. Bei der WM in Whistler schrieb der 28-jährige Sachse mit seinem Double-Hattrick Geschichte: Denn seit 2017 ist er bei WM und Olympia in beiden Disziplinen ungeschlagen.

MARTINA SABLIKOVA (EISSCHNELLLAUF): Drei WM-Titel und drei Weltrekorde: Die unverwüstliche Martina Sablikova erlebte ihren dritten Frühling. Die 31-jährige Tschechin sicherte sich bei der Allround-WM in Calgary ihren 20. WM-Titel und entthronte damit Gunda Niemann-Stirnemann, die seit 2001 mit 19 Goldmedaillen oben stand.

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Feuilleton

Erste Doppelausstellung:
Franz Marc und August Macke

Franz Marc  „Le rêve {Der Traum)“, 1912. Foto: Museo
                                  Thyssen-Bornemisza, Madrid/dpa

Paris (dpa) – Franz Marc und August Macke, zwei der bedeutendsten Vertreter des «Blauen Reiters», starben beide während des Ersten Weltkriegs an der Front in Frankreich. Das Museum der Orangerie in den Tuilerien widmet den beiden deutschen Malern nun ihre erste Doppelausstellung in Paris. Die Werkschau schließt einen Ausstellungszyklus im Rahmen der Gedenkjahr-Veranstaltungen zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 ab, wie die Kuratorin Sarah Imatte sagte. Marc (1880-1916) starb im Alter von 36 Jahren bei Verdun, Macke (1887-1914) im Alter von 27 Jahren bei Perthes-lès-Hurlus in der Champagne.

Zu sehen sind bis zum 17. Juni Arbeiten aus allen Schaffensphasen von Marc und Macke, die ihre Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Unterschiede illustrieren. Beide interessierten sich für französische Kunst, dabei war Marc anfänglich unter anderem stärker von Paul Gauguin beeinflusst und Macke von Paul Cézanne.

In ihren farbkräftigen Bildern spiegelt sich ihre Faszination für Landschaft wider, wobei die Naturdarstellungen bei Marc mehr Ausdruck einer spirituellen Suche sind.

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Gesundheit

Computerspiele: Experten warnen vor Suchtgefahr für Kinder

Computerspiele sind Teil der Jugendkultur. Aber können sie auch 
ungesund für Kinder sein? 
Manche Experten sehen die Sache deutlich anders als die Spielebranche.                                        Foto: dpa

Berlin (dpa) – Im Umgang mit Computerspielen legen nach Hochrechnungen rund 465 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ein auffälliges Verhalten bis hin zur Sucht an den Tag. Das geht aus der Studie «Geld für Games» des Deutschen Zentrums für Suchtfragen (Hamburg) und der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Für die Studie wurden tausend 12- bis 17-Jährige zu ihrem Spielverhalten befragt. Die Suchtexperten sehen bei rund 12 Prozent der Teilnehmer Anzeichen riskanten und bei rund 3 Prozent Anzeichen krankhaften Spielverhaltens.

Dazu wurden Kriterien abgefragt, die ein US-Diagnosehandbuch als maßgeblich für das Krankheitsbild Computerspielsucht aufführt. Dazu zählen Interessensverlust an früheren Hobbys, ständiges Denken ans Spielen, Entzugserscheinungen, Lügen über das Ausmaß des Spielverhaltens, Kontrollverlust bezüglich der Spieldauer und Gefährdung des eigenen Werdegangs. In der Gruppe der 465 000 Kinder und Jugendlichen sehen die Forscher mehr Ausgaben für Computerspiele, häufigeres Fehlen in der Schule und mehr emotionale Probleme als bei unauffälligen Spielern.

«Wenn mehr als 450 000 Jugendliche in Deutschland Gefahr laufen, die Kontrolle über das eigene Computerspielen zu verlieren, dann läuft etwas richtig schief», erklärte Marlene Mortler (CSU), Beauftragte der Bundesregierung für Drogenfragen. Richtig ärgerlich sei, wenn Jugendliche in einigen Spielen «abgezockt» würden. Spielehersteller installierten «dubiose Mechanismen», um jungen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, darunter sogenannte Lootboxen. Das sind Überraschungskisten mit virtuellen Inhalten, die Spieler als Belohnung für erreichte Spielziele oder gegen Bezahlung erhalten. Mortler stuft das als Glücksspiel ein, das Jugendlichen in Deutschland nicht angeboten werden dürfte. «Da müssen die Aufsichtsbehörden einfach ran», ergänzte sie.

Der Branchenverband Game sieht die Spiele als festen Bestand der Jugendkultur und geht davon aus, dass weniger als ein Prozent aller Spielenden ein ungesundes Nutzungsverhalten entwickelten. Der Verband lehne ein Verbot von Lootboxen weiter ab, sagte Geschäftsführer Felix Falk. Entscheidende Unterschiede zu Glücksspielen würden in der Debatte übersehen. So enthielten diese Boxen immer einen vorher genannten Umfang an virtuellen Gegenständen und Zusatzinhalten, lediglich die exakten Inhalte seien nicht bekannt. «So wie auch bei Panini-Sammelbildern oder Überraschungseiern», sagte Falk. Der Spieler erhalte immer einen Gegenwert in Form virtueller Inhalte. Ein Verlust des eingesetzten Geldes ist deshalb nach Meinung der Branche ausgeschlossen.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Spieleindustrie die Aufmerksamkeit der Jugendlichen clever fessele und ihnen auch für vermeintlich kostenlose Spiele mehr und mehr Taschengeld entlocke, erklärte dagegen DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Er forderte ein Verbot von Lootboxen. Nötig seien außerdem Warnhinweise für Spielzeiten und Ausgaben.

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Reise

Weniger Besucher in der Dominikanischen Republik

Weiße Palmenstrände, Sonne und Baden im Meer: Das ist es, was viele Touristen in die Dominikanische Republik lockt. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Weiße Palmenstrände, Sonne und Baden im Meer: Das ist es, was viele Touristen in die Dominikanische Republik lockt. Die deutschen Urlauber sind jedoch weniger geworden, was vor allem an der Air-Berlin-Pleite liegt.

Die Zahl der deutschen Urlauber in der Dominikanische Republik ist deutlich gesunken. Im vergangenen Jahr kamen 216.528 Gäste aus Deutschland – ein Minus von 18,4 Prozent im Vergleich zu 2017.

Der Rückgang lag dem Fremdenverkehrsamt zufolge am Wegfall der Air-Berlin-Flüge. Hinzu kam der Rückzug von Azur Air aus dem deutschen Markt. Ab Deutschland hätten 284 Flüge gefehlt, so Petra Cruz, die Europa-Direktorin des Fremdenverkehrsamts. Die Kapazitäten konnten nicht aufgefangen werden. Air Berlin hatte im Spätsommer 2017 Insolvenz angemeldet. Damals war sie die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft.

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Kritik an der Vermenschlichung von Haustieren

Ein Pudel schaut auf der Messe “Hund & Katz” aus einem Kinderwagen. Foto: dpa

Von Ulrike von Leszczynski

Berlin (dpa) – Sie heißen Leo und Emma, haben vier Pfoten und liegen mit im Bett. Das ist für den Berliner Tierpathologen Achim Gruber ok. Doch er findet, dass immer mehr Menschen mit der Liebe zu ihrem Tier übertreiben – zum Leid ihrer Schützlinge.

An Karl Lagerfelds Katze kam kaum jemand vorbei, auch nicht in den Nachrufen auf den Modemeister. Ist Lagerfelds innige Liebe zu seiner Birma-Katze Choupette, die er seine Muse nannte, Ausdruck eines Trends zur Vermenschlichung von Haustieren?

Der Berliner Tierpathologe Achim Gruber hat ein Buch über das Phänomen geschrieben. «Das Kuscheltier-Drama» heißt es. Gruber berichtet darin über Haustiere, die still leiden: unter Herrchen und Frauchen, die sie zu sehr lieben.

Wenn Mieze oder Bello im Bett liegen, hat Gruber damit kein Problem. «Wenn sie geimpft und entwurmt sind», betont er. «Und wenn dem Tier das auch gefällt.» Das ist der springende Punkt bei seinen Thesen zum Kuscheltier-Drama. Kann ein Mensch Bedürfnisse von Heimtieren wahrnehmen – und will er das?

Haustiere sind beliebt. Nach Umfragen der Heimtier-Branche leben rund 34 Millionen in Deutschlands Haushalten, darunter fast 14 Millionen Katzen und 9 Millionen Hunde. 4,7 Milliarden Euro geben Halter nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts pro Jahr allein für Futter und Spielzeug ihrer Lieblinge aus, rund eine Milliarde Euro mehr als vor zehn Jahren.

Gruber ist Tierpathologe an der Freien Universität Berlin. Er untersucht Proben, wenn Tierärzten kranke Patienten mit Fell oder Federn Rätsel aufgeben. Er obduziert auch Haus- und Zootiere, die plötzlich starben, darunter Eisbär Knut.

Mit der Zeit ist Gruber immer nachdenklicher geworden. «Wir machen unsere Haustiere zu Opfern», sagt er heute. «Sie werden so vermenschlicht, dass wir ihnen ihre Natur nehmen.»

Dass sich im Verhältnis zwischen Mensch und Tier etwas verschoben hat, bemerkt auch Lothar Hellfritsch, ehemaliger Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologen. «Früher waren Haustiere meist zum Schutz da. Wie der Hofhund», sagt er. «Heute sind sie oft ein Spielzeug auf Zeit.» Die Fixierung auf ein Haustier werde heute als normaler betrachtet als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Tiere dienen heute als Kind- oder Partnerersatz und heißen statt Bello und Mieze jetzt Felix und Emma. Und was Menschen in Tierverhalten sähen, sei meist eine Projektion eigener Bedürfnisse.

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