31. August 2019 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Traumjob Müllfrau – Werbekampagne von Abfallentsorger hat Erfol

Immer noch arbeiten bei der Müllabfuhr überwiegend Männer. Hannover will nun mit einer Kampagne erreichen, dass auch Frauen in der Stadt Müllwagen fahren. Gesucht sind «Heldinnen in Orange», die nicht «aus Zuckerwatte» sind. Was reizt Frauen an der anstrengenden Arbeit?

Petra Vitrani fährt bei einem Aktionstag vom Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover aha auf dem Trittbrett eines Müllfahrzeuges. Mit einem sogenannten Speeddating “Trittbrettfahrerin gesucht” wirbt das Unternehmen um mehr Frauen bei der Müllabfuhr. Mehr als 30 Frauen informierten sich über den Job und konnten sich als Müllwerkerinnen ausprobieren. Foto: dpa

Von Christina Stich
Hannover (dpa) – Es ist eine der letzten Männerdomänen: Auf dem Trittbrett der Müllwagen in der Region Hannover steht bisher keine einzige Frau. Das soll sich ändern. Mit einer Werbe-Kampagne unter dem Motto «Trittbrettfahrerinnen gesucht» will der kommunale Entsorger aha Bewerberinnen finden, die teamfähig und nicht «aus Zuckerwatte» sind. Zu einem Job-Speeddating kamen rund 40 Kandidatinnen. An Stationen konnten sie ausprobieren, wie es sich anfühlt, zehn Kilo schwere Papiersäcke in den Wagen zu werfen oder 240-Liter-Tonnen durch einen Parcours zu manövrieren.

Petra Vitrani strahlt und streckt den Daumen noch oben, als sie zum Abschluss eine Runde hinten auf dem Müllwagen über das Betriebsgelände fahren darf. Die 57-Jährige hat früher Elektronikteile montiert. «Ich arbeite gerne an der frischen Luft», begründet sie ihre Bewerbung. Frische Luft bringt man nicht unbedingt mit Abfall in Verbindung. «Wenn überhaupt, riechen nur die Biotonnen im Sommer, wenn es heiß ist», beteuert der Chef der Abfall- und Wertstoffabfuhr, Maik Renneberg.

Valerie Blume hat keine Angst vor Gerüchen und körperlicher Arbeit. Sie lacht und sagt: «Ich bin in der Altenpflege.» Die 31-Jährige nutzt die Gelegenheit, um mit möglichen künftigen Vorgesetzten und Kollegen ins Gespräch zu kommen. «Ich habe nach der Feinstaubbelastung gefragt», erzählt sie danach. Für die ausgebildete Malerin und Lackiererin ist Müllwerkerin ein Traumberuf: «Ich gehöre einfach nach draußen», meint sie.

Zunächst sollen drei Stellen mit Frauen besetzt werden. Renneberg hofft, dass sich damit der Umgangston auf den Touren und das Arbeitsklima unter den etwa 750 Müllwerkern verbessern. «Es gibt sogar Auswertungen dazu, dass auch die Unfallquote langfristig sinkt», sagt er. Frauen seien oft vorsichtiger und gingen weniger Risiken ein.

Müllwerker müssen fit sein und früh aufstehen: 6.30 Uhr morgens müssen sie in der Betriebsstätte sein, wo die Touren geplant werden. Zehn bis zwölf Kilometer legen sie an einem Vormittag zu Fuß zurück, 80 bis 100 Kilometer fährt der Müllwagen auf einer Tagestour und sammelt dabei rund 16 000 Kilogramm Abfälle.

Das Einstiegsgehalt für Müllwerker bei dem Entsorger von Hannover und Umgebung liegt zurzeit bei 2488 Euro brutto im Monat, hinzu kommen Sonderzahlungen und ein finanzieller Ausgleich für Überstunden – eine gute Bezahlung für einen Job, der keinen bestimmten Schulabschluss und keine Ausbildung erfordert. Bei Bedarf können die Frauen nach der Einstellung auch den Lkw-Führerschein machen.

Die Kandidatinnen beim Speeddating sind zwischen 18 und 60 Jahre alt – darunter Paketzustellerinnen und Verkäuferinnen. Viele reizen der sichere Job und die verlässlichen Arbeitszeiten – einige möchten auch als Pionierin eine Männerdomäne erobern. Die Abiturientin Luise-Marie Trantow will nur in den Job hereinschnuppern, sie hat sich bei der Polizei beworben.

Andernorts haben Kampagnen zur Werbung von Frauen für die Müllabfuhr bereits gefruchtet. In Berlin gibt es unter den etwa 1300 Müllwerkern und Kraftfahrern inzwischen 15 Kolleginnen (1,2 Prozent). Bei der Stadtreinigung Hamburg sind 10 der 753 Müllabfuhr-Mitarbeiter weiblich (1,3 Prozent). Bei den Straßenreinigern in Hamburg liegt der Frauenanteil bereits bei 6,9 Prozent. Auch bei aha in Hannover sind Kolleginnen in der Kfz-Werkstatt, am Steuer von Container-Lastwagen sowie auf den Wertstoffhöfen tätig.

Nach der Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) steigt der Frauenanteil in typischen Männerberufen kontinuierlich. So liegt der Frauenanteil bei den Auszubildenden zum Tischler inzwischen bei 13 Prozent. Ähnlich männerlastig wie bei den Müllwerkern sieht es allerdings im Ausbildungsbereich noch bei den Maurern (1,1 Prozent) oder Straßenbauern (0,8 Prozent) aus.

Wochenpost – ÜBERSETZUNG – TRANSLATION

Traumjob – dream job
Werbekampagne – advertising campaign
Müllabfuhr – trash removal
überwiegend – overwhelmingly
Zuckerwatte – cotton candy
Trittbrett – running board
aha Bewerberinnen – catch the eye of potential applicants
ausprobieren – try out
Tonnen – trash bins
Parcours – obstacle course
strahlt – beams
montiert – assembled
riechen – smells
beteuert – solemnly declares
Wertstoffabfuhr – removal of recyclables
keine Angst – no fear
körperlicher – physical
Altenpflege – eldercare
künftigen Vorgesetzten – future bosses
Feinstaubbelastung – particulate matter pollution
ausbegildete – trained
Umgangston – working relationships
Unfallquote – incidence of accidents
vorsichtiger – more cautious
Betriebsstätte – company’s site
Einstiegsgehalt – starting pay
Umgebung – surroundings
zurzeit – currently
brutto – gross pay
keine…erfordert – doesn’t require
bei Bedarf – by request
reizen – are attracted by
verlässlichen – dependable
Pionierin – pioneer
erobern – conquer
hereinschnuppen – give (the job) a try
gefruchtet – born fruit
Straßenreinigern – street sweepers
am Steuer – drivers
Wertstoffhöfen – recycling facilities
Tischler – cabinetmaker
männerlastig – male-dominated
Mauerern – masons
Straßenbauern –street builders

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Phänomen Werth stellt mit 20. EM-Gold Springreiter in den Schatten

Die letzte Dressur-Prüfung der EM wirkt wie eine deutsche Meisterschaft vor internationalem Publikum. Herausragend ist dabei erneut die erfolgreichste Reiterin der Welt. Da können die Springreiter nicht mithalten.

Rotterdam: Europameisterschaft, Pferdesport, Dressur, Grand Prix Freestyle (Kür): Die Reiterinnen Isabell Werth (l, Gold) und Jessica von Bredow-Werndl (Bronze) aus Deutschland feiern auf dem Podium ihre Medaillen. Foto: dpa

Von Michael Rossmann
Rotterdam (dpa) – Die dominierende Reiterin der Europameisterschaft war mit ihren drei Goldmedaillen längst daheim in Rheinberg, als die Springreiter am Sonntag leer ausgingen. Isabell Werth beherrschte die EM-Woche in Rotterdam und setzte ihre Siegesserie auch in der Kür fort. Im Springen sorgte nach Team-Silber Simone Blum für das beste Ergebnis im Einzel und kam am Sonntag auf Rang vier.

Die 30 Jahre alte Weltmeisterin aus dem bayrischen Zolling ritt mit ihrer Stute Alice in den zwei schweren Runden vom achten Platz aus vor, verpasste aber durch einen Abwurf Bronze. «Der vierte Platz ist undankbar», sagte Blum. «Aber eigentlich darf ich nicht enttäuscht sein. Bisher lief es immer gut, und Alice ist hier auch gut gesprungen.» Europameister wurde der Schweizer Martin Fuchs mit Clooney vor dem Briten Ben Maher mit Explosion und dem Belgier Jos Verlooy mit Igor.

Auch Marcus Ehning arbeitete sich am letzten EM-Tag nach vorne. Als zweitbester deutscher Starter belegte der 45-Jährige aus Borken mit Comme Il Faut Rang fünf. «Ich hatte auf eine Medaille gehofft», gab Ehning zu. Ohne die zwei Abwürfe am schwachen Donnerstag wäre er auf Platz 1 gekommen. «Das war ein teurer Tag», kommentierte der dreimalige Weltcup-Sieger.

«Im ersten Moment war ich enttäuscht, denn wir waren ja sehr nahe dran», sagte Bundestrainer Otto Becker als Fazit am Ende der EM-Woche. «Aber nach dem Silber mit der Mannschaft ist es insgesamt okay. Als Mannschaft haben wir überzeugt.»

Daniel Deußer hatte als Siebter vor dem Finale die beste Ausgangsposition, fiel aber nach acht Strafpunkten mit Tobago auf Platz 14 zurück. «Das ist ein bisschen enttäuschend», kommentierte der in Belgien lebende Hesse: «Es war ein bisschen die Luft raus. Er ließ sich vom Gefühl her am Ende ein bisschen hängen. Der Plan war eigentlich, noch aufzuholen statt an Boden zu verlieren.»

Die beherrschende Person war Isabell Werth, die am Samstag ihre 20. EM-Goldmedaille gewonnen hatte. Bei der Siegerehrung ließ Isabell Werth den Champagner spritzen und machte die Konkurrenz auch auf dem Podium nass. Vergnügt und feucht-fröhlich feierte die Dressurkönigin im Stadion ihre dritte Goldmedaille bei der EM in Rotterdam, ehe es im Stall weiterging – und Werths Siegerstute Bella Rose zumindest Möhren als Belohnung für ihre Meisterleistung erhielt.

Isabell Werth ist ein Phänomen. Vor 30 Jahren gewann die Dressurreiterin ihr erstes EM-Gold und feierte nun die EM-Titel 18, 19, und 20. Manchmal macht es den Eindruck, als genieße die 50 Jahre alte Ausnahmereiterin diese Erfolge noch mehr als früher. «Ich bin einfach nur super-glücklich», kommentierte die Seriensiegerin, die sich immer mal wieder eine Träne wegwischen musste.

Schon bei der letzten Lektion ihres Rittes hatte das begeisterte Publikum am Samstagnachmittag im Takt mitgeklatscht. Sogar die Niederländer, die einige Jahre mit Anky van Grunsven die schärfste Konkurrenz stellten, feierten mit Werth eine fantastische Kür.

Und sie erlebten deren erneuten Sieg nach einer deutschen Meisterschaft mit europäischen Gästen. Denn die erfolgreichste Reiterin der Welt gewann mit ihrer Stute Bella Rose mit 90,875 Prozent vor Dorothee Schneider aus Framersheim mit Showtime (90,561) und Jessica von Bredow-Werndl aus Tuntenhausen mit Dalera (89,107). «Mit diesen Damen verreist man gerne», witzelte Verbandspräsident Breido Graf zu Rantzau.

Nur hauchdünn war Werths Vorsprung. «Ich hatte das erwartet», sagte die Siegerin mit einem kecken Seitenblick auf Schneider, die wie schon im Grand Prix Spezial auch in der Kür Silber holte. Die Konkurrentin war mit dem zweiten Platz «sehr glücklich», wie sie betonte. «Ich habe es einfach genossen», sagte die 50-Jährige, die erst spät in die Weltspitze vorgestoßen ist.

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Feuilleton

Schloss-Wiederaufbau in Dresden
kostet rund 389 Millionen Euro

Teilnehmer des Rundgangs in den rekonstruierten Paraderäume im Dresdner Residenzschloss laufen durch den Audienzsaal. Foto: dpa

Dresden (dpa) – Für den Wiederaufbau und Ausbau des Dresdner Residenzschlosses rechnet das Land Sachsen mit rund 389 Millionen Euro Gesamtkosten. Der Bund beteiligt sich nach Angaben vom Dienstag mit 29 Millionen Euro.

Für die Rekonstruktion der einstigen Residenz von Sachsens Kurfürsten und Königen wurden bisher 351 Millionen Euro ausgegeben. Allein rund 35 Millionen Euro wurden seit 2016 in die Wiederherstellung der Paraderäume investiert.

Die zur Hochzeit seines Sohnes mit einer Kaisertochter 1719 von August dem Starken prunkvoll eingerichteten Gemächer können ab 28. September besichtigt werden. Damit sei eine wichtige Etappe der Schlosssanierung abgeschlossen, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beim Baustellenbesuch.

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Gesundheit

So futtert man sich gesund
durch den Tag

Zum Frühstücken sollte sich morgens niemand zwingen – aber eine Mahlzeit am Vormittag sollte es schon sein.

Mit Schwung und Elan durch den Tag, das geht am besten mit ausgewogener Ernährung. Foto: dpa

Bonn/Düsseldorf (dpa) – Mit Schwung und Elan durch den Tag, das geht am besten mit ausgewogener Ernährung. Doch wie füllt man seine Energiereserven über den Tag am besten, ohne dabei das Körpergewicht in die Höhe zu jagen? Fünf Mahlzeiten – oder besser nur drei? Abends gar nichts mehr? Und wie wichtig ist das Frühstück?

«Feste Regeln gibt es nicht», sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED). Jeder sollte zum Beispiel für sich abwägen, ob er mit drei oder mit fünf Mahlzeiten besser über den Tag kommt. So sieht es auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). «Entscheidend für die Entwicklung des Körpergewichts ist die Energiebilanz eines Tages», erklärt DGE-Sprecherin Antje Gahl.

Bei Kindern ist es anders. «Für sie eignen sich fünf Mahlzeiten, weil sie einen regen Stoffwechsel haben», sagt Yvonne Knips von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zudem ist der Magen von Kindern kleiner. Daher können sie die Nahrungsenergie, die sie benötigen, gar nicht allein durch drei große Mahlzeiten aufnehmen.

Zwischenmahlzeiten sind aber grundsätzlich auch für Erwachsene eine gute Idee. Denn sie bieten eine Gelegenheit, Nüsse oder Rohkost zu naschen. «Das rundet eine vollwertige Ernährung ab und macht es einfacher, die Empfehlung von fünf Portionen Obst und Gemüse täglich umzusetzen», erklärt Knips.

Vor der ersten Zwischenmahlzeit liegt das Frühstück. Es beendet die längste Fastenperiode des Tages: die meist nahrungsfreie Zeit in der Nacht, die in der Regel 10 bis 14 Stunden dauert. Fällt das Frühstück aus, verlängert sich dementsprechend auch die Fastenperiode. «Dies kann vor allem für Kinder kritisch sein, da sie ständig aktiv sind und genügend Power fürs Lernen, Spielen und fürs Bewegen brauchen», so Knips.

Erwachsene müssen sich aber nicht zu einem Frühstück zwingen, wenn sie morgens keinen Appetit haben. «Den optimalen Essensrhythmus für alle gibt es nicht», betont Gahl. Die DGE empfiehlt aber, wenigstens im Laufe des Vormittags eine Mahlzeit einzunehmen.

Und auch Morlo rät, morgens nicht völlig nüchtern aus dem Haus zu gehen. Sonst besteht die Gefahr von Konzentrationsmangel oder Leistungstiefs. «Zumindest sollte ein Joghurt gegessen oder ein Glas Saft getrunken werden», sagt sie.

Die größere erste Mahlzeit am Tage, die entweder zu Hause oder unterwegs am Vormittag eingenommen wird, kann sich jeder nach Belieben zusammenstellen. «Wer gerne etwas Süßes mag, isst Marmelade oder Honig auf seinem Brot oder Brötchen», sagt Morlo. Für wen das nichts ist, der nimmt Käse oder Aufschnitt. Vollkornflocken oder ungezuckertes Müsli, etwas Joghurt und Obst sind aus Sicht von Gahl ebenfalls eine gute Frühstücksvariante.

Eine warme Mahlzeit am Tag ist nicht zwingend erforderlich. Was aber dafür spricht: «Die Zubereitung und das Kochen begünstigen eine vielfältige Lebensmittelauswahl», erklärt Knips. Ob mittags oder abends warm gegessen wird, spielt keine Rolle. Auf dem Speiseplan sollten entweder Kartoffeln oder Nudeln stehen. Gleiches gilt für Hülsenfrüchte, Gemüse oder Salat. Zwei- bis dreimal die Woche darf es zusätzlich Fleisch, mindestens einmal die Woche Seefisch sowie zwei- bis dreimal pro Woche ein Ei sein.

Ein Nachtisch ist kein Muss, kann aber die Mahlzeit abrunden. Obst ist ein ideales Dessert, auch Quark oder Joghurt. «Zu große Mengen sollte man mittags nicht essen», rät Morlo. Denn das macht müde und schläfrig – das Weiterarbeiten oder die Hausaufgaben fallen schwer.

Appetit auf etwas Süßes am Nachmittag? «Dann darf es ruhig auch mal ein Stückchen Torte sein», sagt Morlo. In kleinen Mengen und mit Genuss gegessen, wirkt sich das nicht negativ auf die Figur aus. Wer seine Energiespeicher auffüllen will, kann auch Vollkornprodukte oder Obst zu sich nehmen. Und wer im Lauf des Tages nur wenig Milchprodukte gegessen hat, holt das jetzt nach.

«Schmackhafte Snacks können etwa Milchreis mit heißen Kirschen oder Vollkornwaffeln sein», so Knips. Die Lust auf Süßes kann auch mit süßem Obst, Rosinen oder anderen Trockenfrüchten gestillt werden – es muss nicht immer Gebäck und Schokolade sein.

Gegen Abend nimmt die Aktivität des Stoffwechsels im Körper ab. Das heißt: Beim Abendessen sollte man, um Übergewicht zu vermeiden, kleinere Mengen essen. «Das gilt für alle, die sich nach dem Essen vor den Fernseher setzen oder direkt ins Bett gehen», erklärt Morlo. Wer sich noch bewegt und etwa einen Spaziergang macht, darf auch etwas mehr futtern.

Körperliche Aktivitäten sind abseits der Ernährung ohnehin wichtig – und auch die am besten über den Tag verteilt. Das heißt etwa: morgens zu Fuß zum Bäcker gehen, Treppen steigen statt Aufzug fahren und auf dem Heimweg vielleicht eine Station früher aus dem Bus. Aber das allein reicht nicht. «Jeder sollte mindestens einmal in der Woche beim Sport ins Schwitzen kommen», so Knips.

Schwieriger ist eine gute und ausgewogene Ernährung für alle, die im Schichtdienst und vor allem in der Nachtschicht tätig sind. Denn der ungewohnte, ständig wechselnde Rhythmus von wach und schlafend, nüchtern und satt bringt die innere Uhr durcheinander. Die Folge können Verdauungsprobleme sein, mangelnder Schlaf kann zudem eine Gewichtszunahme begünstigen. Morlo rät daher in solchen Fällen zu einer professionellen Ernährungsberatung.

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Reise

Spanien: Nobelkarossen und Muskelshirts – Mythos Marbella

In Marbella gaben sich einst die Promis die Klinke in die Hand. Alfonso Prinz zu Hohenlohe und sein Hotel standen im Mittelpunkt des Jetset-Rummels an der Costa del Sol. Was ist vom Mythos geblieben? Eine Spurensuche mit Rudolf Graf von Schönburg – oder kurz: Conde Rudi.

Blumen schmücken die Balkone des Rathauses. Marbella ist nach wie vor ein beliebter Ort für Prominente und Reiche. Foto: dpa

Marbella (dpa) – Auf einem orientalisch ausstaffierten Esel kommt Alfonso Prinz zu Hohenlohe im Scheichkostüm auf die Party geritten. «Arabian Nights» lautet das Motto der Sause im berühmten Marbella Club Hotel – und die Reichen und Schönen, darunter US-Filmstar Mel Ferrer im gestreiften Kaftan, sind in Scharen gekommen, um mitzufeiern. «Damals gab es jede Woche eine Themen-Party», erinnert sich Rudolf Graf von Schönburg an die Golden Sixties und die Glorious Seventies, wie er jene Jahrzehnte nennt, in denen der internationale Jetset an Marbella und Alfonso (1924-2003) nicht vorbeikam. Und wie ist es heute um das Städtchen bestellt?

Ein Blick zurück. «Conde Rudi», wie der 86-Jährige allseits liebevoll betitelt wird, begann 1957 als frischgebackener Absolvent der Hotelfachschule in Lausanne seine Laufbahn im Marbella Club und führte die 1954 eröffnete Luxusherberge seines Vetters Alfonso später jahrzehntelang als Direktor. Sein geschäftstüchtiger Cousin war viel in St. Moritz und Hollywood unterwegs und rührte fleißig die Werbetrommel für das kleine Paradies in Südspanien. Alfonso galt nicht nur als galanter Playboy, sondern war auch für Skandale gut – etwa, als er 1955 im Alter von 31 Jahren die erst 15-jährige Ira von Fürstenberg ehelichte.

Conde Rudi war vielleicht nicht die strahlende Galionsfigur des Unternehmens Marbella Club – aber er hat sie alle persönlich gekannt, sie umsorgt, mit ihnen gefeiert und ihre Aufenthalte bis ins Detail betreut: Gunter Sachs und Brigitte Bardot, Audrey Hepburn und Sean Connery, Maria Callas und Aristoteles Onassis, James Stewart, Gina Lollobrigida, Kim Novak, Rennfahrer-Legende James Hunt und Milliardär Adnan Kashoggi – auch Bundeskanzler, Aristokraten, Monarchen.

Noch heute kommt der Onkel von Gloria von Thurn und Taxis jeden Tag ins Hotel, schließlich sei die Luxusherberge «sein Baby», lächelt Conde Rudi und nimmt auf einem der weißen Korbsessel im typisch andalusisch gestalteten Patio Platz. Keiner kann besser als er aus dem Nähkästchen plaudern, wenn es um die Glanzzeit Marbellas geht, als der andalusische Ort in einem Atemzug mit Saint-Tropez, Monte Carlo und Capri genannt wurde.

«Wir haben fast jeden deutschen Kanzler hier gehabt, außer Helmut Schmidt, der kam nur zum Essen vorbei», erzählt Graf von Schönburg. «Der Schmidt meinte: „Ich kann doch nicht im Marbella Club wohnen! Das ist viel zu jetsetty, zu viel Highlife!“» Aber beim Essen sei er dann doch «glücklich» gewesen, «und der Franz Josef Strauß sowieso».

Und wer war sein Favorit unter den Hollywood-Stars? «Audrey Hepburn mochte ich besonders gerne, das war eine echte Dame», sagt Conde Rudi, und sein Blick schweift voller Stolz über die tadellos gepflegte Pflanzenwelt des Innenhofs. Trompetenblumen, Bougainvillea, Palmen und schattenspendende Baumriesen, darüber ein wolkenlos blauer Sommerhimmel. Eine Oase der Stille, in der schicke Gäste flanieren und Kellner in makelloser Livree Drinks servieren.

Fast jeder macht kurz Halt, um Graf von Schönburg zu begrüßen und kurz zu plaudern – er ist, obwohl schon lange offiziell im Ruhestand, bekannt wie ein bunter Hund. Kein Wunder: Den Mythos Marbella, er hat ihn aktiv mitgestaltet. «Schließlich habe ich 13 Jahre lang selbst im Hotel gewohnt, bin seit 63 Jahren im Städtchen – da wird man zu einer Institution.» Vor einigen Jahren wurde sogar eine Straße in Marbella nach dem Schönburg-Grafen benannt, die «Avenida Conde Rudi» – zu Lebzeiten eine ganz besondere Ehre.

Es sei kaum zu glauben, wie viele Celebrities der Marbella Club – der in seiner Anfangszeit nur 18 Zimmer hatte – in kurzer Zeit anlocken konnte. «Es gab Zeiten, wo es von bekannten Namen nur so gewimmelt hat. Jeder hat uns um unsere Kundschaft beneidet.» Aber für ihr Kommen wurden die Gäste auch reich entlohnt. «Sie wohnten schließlich nicht in schablonenartigen Hotelzimmern, sondern in Gästezimmern wie in einem Schloss, mit viel persönlichem Charme.» Und wie aus dem Ei gepellt, dank einer Haushälterin aus Böhmen, «die noch mit dem Finger unter den Betten auf Staub kontrolliert hat. Ein echter Hausdrachen war das», lacht Conde Rudi.

Wenige Kilometer entfernt befindet sich ein weiterer langjähriger Hotspot der High Society: der Reichenhafen Puerto Banús, 1970 vom Unternehmer José Banús eingeweiht. «Puerto Banús läutete eine neue Ära ein: Im Laufe der 70er Jahre sollte Marbella zum internationalen Anziehungspunkt werden, wo jeder, der etwas auf sich gab, zu sein hatte, und der Marbella Club war der Ort, wo man zu wohnen hatte», informiert die Website des Hotels.

Auch im Sommer 2019 liegen riesige Jachten vor der Promenade, viele gehören arabischen Ölmillionären, die die Gebühren der Hafenbetreiber von mehreren Hunderttausend Euro pro Quadratmeter locker aus dem Ärmel schütteln. Die Schaufenster der Designerläden von Louis Vuitton bis Dolce & Gabbana sind in schmucke weiße Häuser integriert, davor parkt neben schlichten Kleinwagen auch immer mal ein Porsche, ein Maserati, ein Lamborghini. Deren Besitzer lassen sich allerdings kaum in der Öffentlichkeit blicken. Stattdessen bewundern Touristen in Gummiflipflops und Muskelshirts die PS-starke Pracht und posieren grinsend neben den Nobelkarossen für ein Foto.

«Marbella ist aber auch heute noch eine Welt der Reichen», sagt der Franzose Sebastien, der als Kapitän millionenteure Jachten hütet und die vermögenden Besitzer zu Spritztouren auf das Mittelmeer fährt. «Es ist einer dieser Orte, wo die Leute zeigen können, was sie haben, und sich dabei mit anderen Reichen messen.» Im berühmten Ocean Club in Puerto Banús etwa, wo abends zu hippen Sounds aus aller Welt getanzt wird. Oder im Chiringuito (Strandrestaurant) des Hotels Puento Romano, wo Gäste mit «Seafood, Sangria and Sunsets» verwöhnt werden, wie es auf der Website heißt.

Hier kocht ein Deutscher. Thomas Stork aus Oberbayern, der unter anderem bei Sternekoch Heinz Winkler in Aschau im Chiemgau gelernt hat, verwöhnt heute als «Executive Chef» Spitzensportler, Musiker und Hollywood-Ikonen in den verschiedenen Restaurants des im Stil eines andalusischen Dorfes gebauten «Puente Romano». Besonders berühmt ist sein «Sea Grill». Manuel Neuer und Toni Kroos haben schon die kulinarischen Kreationen des 46-Jährigen gekostet, ebenso wie Boris Becker, Supermodel Adriana Lima oder Mitglieder der spanischen Königsfamilie. Wer genau, das will Stork nicht verraten – Diskretion wird in Marbella großgeschrieben.

Die meisten Gäste kämen aus England, den USA, Deutschland und Frankreich, dazu «Präsidenten aus Afrika» sowie Russen und Araber. «Marbella ist heute wieder groß im Kommen», sagt Stork. «Wir haben die 60er Jahre zerquetscht», lacht er. Früher habe es nur wenige Luxushotels und höchstens drei richtig gute Restaurants im Ort gegeben, «heute gibt es total viele Fünf-Sterne-Hotels und Spitzenlokale auf sehr hohem Niveau». Dabei sei Marbella eine verhältnismäßig günstige Alternative zur Côte d’Azur.

Was viele immer wieder herlockt, ist das einzigartige «Mikroklima» des Örtchens mit stets angenehmen Temperaturen, selbst wenn im nahe gelegenen Málaga im Hochsommer Bullenhitze herrscht. Das haben Marbella und das wenige Kilometer entfernte Estepona dem Gebirgszug Sierra Blanca mit seinem höchsten Berg La Concha (1215 Meter) zu verdanken, in dessen Schutz sie liegen.

Die Folge: eine üppige, artenreiche Vegetation. Die ist vor allem in der kleinen aber feinen Altstadt zu bewundern: Von den Balkonen schlängeln sich Blumen an den Fassaden hinab, die romantischen Gässchen und kleinen Plätze sind mit Palmen, Sträuchern und Blüten gesprenkelt. Alfonso Prinz zu Hohenlohe nannte es das «Marbella-Aroma» – jene «verführerische Mischung aus Jasmin, Orangenblüten und Bougainvillea», wie er einmal schwärmte.

«Man sitzt hier wegen der Sierra quasi im toten Winkel, wie in einem Nest», erläutert Conde Rudi und deutet auf das Gebirge. Unterhalb liegen versteckt riesige Villen, die einflussreichen Familien wie den Thyssens oder den Rothschilds gehören. «Wenn es La Concha noch nicht gäbe, man müsste den Berg wegen seines Einflusses auf das Klima glatt erbauen…» Auch das Meerwasser ist erstaunlich frisch. Grund: Marbella liegt am Kreuzpunkt zwischen dem Mittelmeer und dem kalten Atlantik, kurz vor der Straße von Gibraltar.

Die Uferpromenade ist derweil ein bisschen weniger stilvoll. Gesichtslose Hochhäuser reihen sich aneinander, am Paseo Marítimo wimmelt es von billigen Souvenirständen und Bars mit Plastikstühlen. «100 Tapas ab 1 Euro», wirbt ein Schild vor einem Restaurant. Marbella ist erschwinglich geworden, auch für eine weniger kultivierte Kundschaft als die, die früher in das Städtchen einfiel. «Aber es könnte alles noch viel schlimmer sein, so wie es in Torremolinos nahe Málaga geschehen ist, wo unansehnliche Betonburgen die Landschaft zerstört haben», sagt Conde Rudi.

Dennoch, meint er nachdenklich, werde es nie mehr so sein wie in den 60er und 70er Jahren. «Das ist der Lauf der Dinge.» Auch im Marbella Club Hotel «quillt es nicht mehr über vor lauter Promis», erzählt er. Sting sei letztens dagewesen, auch Cristiano Ronaldo, Lady Gaga und Lenny Kravitz gehörten zu den Gästen. Zudem organisiere Alfonsos Sohn mittlerweile wieder freitags Patio-Partys. «Das bringt junges, lustiges Leben hinein.»

Aber ein bisschen Wehmut bleibt. Nach jenen Zeiten, «als elegante Leute kamen, die sich hübsch angezogen haben und einfach Spaß haben wollten», wie Conde Rudi es formuliert. Nach den Jahren der Kostümfeste im Beach Club unter freiem Himmel, «der besten Disco, die ich je gesehen habe». Nach den Abenden, an denen Alfonso und Rudi die neuesten Platten auflegten und Promis aller Couleur zusammen tanzten, tranken und turtelten. Und nach einem verkleideten Prinzen, der auf einem Esel zur arabischen Nacht geritten kommt.
http://www.marbellaclub.com
http://www.spain.info/

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Berchtesgaden und Schönau: Schluss mit Rollladensiedlungen

Die Rollläden an den Fenstern eines Hauses sind heruntergelassen. Berchtesgaden und die Nachbargemeinde Schönau am Königssee wollen per Satzung keine Zweitwohnungen mehr zulassen. Das Vorbild stößt auch bei anderen Tourismusgemeinden auf Interesse. Foto: dpa

Berchtesgaden/Schönau am Königssee (dpa) – Ein eigenes Feriendomizil in Bayern mit Blick auf Watzmann oder Königssee – damit ist nun Schluss: Berchtesgaden und Schönau am Königssee lassen keine Zweitwohnungen mehr zu. Erste bayerische Orte folgen bereits. Bundesweit wird das Beispiel beäugt.

Geschlossene Rollläden – und das die längste Zeit im Jahr: Zweitwohnungsbesitzer sind selten da. Dabei wird Wohnraum knapper. Die Preise explodieren, Einheimische finden keine Bleibe. Tourismusorte von Berchtesgaden bis Sylt ringen mit dem Phänomen. Vielfach liegt die Zweitwohnungssteuer schon bei 20 Prozent der Kaltmiete. Das spült Geld ins Gemeindesäckel, schreckt aber betuchte Interessenten kaum ab. Berchtesgaden und Schönau am Königssee im Süden Bayerns gehen einen in Deutschland neuen Weg: Die oberbayerischen Gemeinden haben einen Zweitwohnungsstopp verhängt. Das könnte Schule machen.

Denn nicht zuletzt sind Wohnungen weiter auch als Geldanlage gefragt – nicht nur in attraktiven Städten, sondern auch in anderen begehrten Lagen, etwa an der Nord- und Ostsee oder wie eben im Süden Bayerns.

Ruhpolding in den Chiemgauer Alpen ist Berchtesgaden schon gefolgt. Er wolle damit ein Signal setzen, sagt Bürgermeister Claus Pichler (SPD). Baugrund sei begrenzt. Die Natur rundum sei es, was Touristen schätzten. Und während für die einen Wohnen immer schwerer finanzierbar sei, könnten sich andere Zweitwohnungen leisten. «Wir können nicht ewig auf der Wohlstandswelle schwimmen.» Auch Kreuth im Tegernseer Tal plant ein Zweitwohnungsverbot. «Wir haben einen Entwurf vorbereitet und zur rechtlichen Prüfung vorab dem Gemeindetag zugeleitet», sagt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Wahrscheinlich nach der Sommerpause solle die Satzung beschlossen werden.

Die Satzungen von Berchtesgaden und Schönau hatten über Bayerns Grenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt. Damit ist eine Nutzung als Zweitwohnung genehmigungspflichtig – und diese Genehmigung wird im Regelfall versagt, wie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (CSU) sagt. Wohnraum werde immer knapper und teurer – und solle deshalb auch zum Wohnen genutzt werden. «Wir wollen verhindern, dass Wohnraum leer steht.»

In einer Handvoll Fälle sind laut Rasp schon ablehnende Bescheide ergangen. Ein Interessent habe von sich aus vom Kauf einer Wohnung abgesehen. Ein anderer, der schon eine Eigentumswohnung im Ort besitzt, wollte dort einen Zweitwohnsitz anmelden – abgelehnt: «Ziehen Sie her und melden Sie den Erstwohnsitz an – oder vermieten Sie.» Bestehende Zweitwohnungen hätten aber Bestandsschutz. Rund sieben Prozent der Wohnungen in dem Kurort mit knapp 8000 Einwohnern sind laut Rasp Zweitwohnungen. Das sei für eine Tourismusgemeinde nicht besonders viel. Aber: «Es soll nicht mehr werden.»

Die Schönauer Satzung ist noch strikter. Die Nutzung als Zweitwohnung wird schon vor einem Verkauf ausgeschlossen. Ein Eigentümer habe daraufhin Wohnungen nicht mehr verkauft, sondern als Mietwohnungen belassen, berichtet Bürgermeister Hannes Rasp (CSU). «Das ist genau unser Ziel.» Schönau hatte laut Rasp schon Anfang der 1990er Jahre eine Vorläuferregelung, die aber wieder aufgehoben wurde, weil damals Zweitwohnungen nicht mehr gefragt waren.

Derzeit aber hält gerade im südlichen Oberbayern die Nachfrage an. Etwa in Tegernsee, wo auch der russische Milliardär Alischer Usmanow und Bayern-Kapitän Manuel Neuer Villen besitzen, war die Zahl der Nebenwohnsitze binnen zehn Jahren um 24 Prozent gestiegen. «Das ist nicht gesund», sagt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Das Problem seien nicht Millionäre wie Neuer oder Usmanow, deren Anwesen abseits lägen, sondern die Belegung normaler Wohnungen. Hoteliers fänden kein Personal, «weil sie keine Wohnungen für die Leute haben».

Seit die Stadt im Januar 2018 die Zweitwohnungssteuer auf 20 Prozent erhöht hat, gebe es erstmals einen leichten Rückgang. Ob Tegernsee Berchtesgaden folgt, sei offen. «Wir müssen erst einmal sehen ob das Modell Bestandskraft hat – zum einen rechtlich und zum andern ob es tatsächlich die Wirkung entfaltet, die man sich verspricht.»

Urlaubsorte im Norden blicken skeptisch gen Süden. Sylt etwa möchte nicht mit Verboten arbeiten, sondern «den positiven Weg» über Bebauungspläne gehen, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos). Derzeit würden Wohnungen für die Sylter gebaut. Pflegekräfte, Feuerwehrleute und Verwaltungsangestellte bräuchten erschwinglichen Wohnraum.

Auch das Ostseebad Binz auf Rügen ringt um Wohnraum für Einheimische. «Das ist in allen touristischen Destinationen ein Problem, dass Wohnraum nicht wie genehmigt genutzt wird», sagt Bürgermeister Karsten Schneider. Normale Wohnungen würden als Ferienwohnungen vermietet oder als Zweitwohnung genutzt. Hier will die Gemeinde den Besitzern mehr auf die Finger schauen und verschärft überprüfen. «Wir wollen das nicht mehr zulassen», sagt Schneider.

Aber: «Der Weg, den Berchtesgaden beschreitet, ist erst einmal keine Option.»

Auch wenn es in Österreich und in der Schweiz schon ähnliche Vorstöße wie in Berchtesgaden gegen «kalte Betten» gibt – für Deutschland ist der Stopp für neue Zweitwohnungen bisher ein Pilotmodell. Mehrere Rathauschefs halten es für möglich, dass die Regelung angegriffen wird – wie die Zweitwohnungssteuer, gegen die vielfach geklagt wurde.

Die neuen Satzungen fußen auf dem Baugesetzbuch. Es gesteht Tourismusregionen zu, die Nutzung von Räumen als Nebenwohnung einer Genehmigung zu unterstellen, wenn sie an mehr als der Hälfte der Tage im Jahr unbewohnt sind. Allerdings gibt es dafür Auflagen.

«Diese Regelung gilt für Orte, die überwiegend vom Fremdenverkehr bestimmt sind», sagt Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Sie sei nicht in jeder Kommune anwendbar. «Das wäre ein erheblicher Eingriff in Eigentumsrechte.»

Städte wie München, Hamburg oder Berlin können den Weg demnach nicht beschreiten. Berchtesgadens Vorgehen gegen die Rollladensiedlungen sei aber unterstützenswert, sagt Düsterdiek. «Wir halten das für einen sinnvollen Ansatz.»

Auch Wilfried Schober, Sprecher des Bayerischen Gemeindetages sieht darin Chancen, zumal bei der Zweitwohnungssteuer «der große Abschreckungseffekt» nicht eingetreten sei: «Das ist ein komplett neuer Weg, um Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zu erhalten und ihn betuchten Zuzüglern nicht zugänglich zu machen.»

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Aus Allen Staaten

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