31. Juli 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Weihnachten im Hochsommer – Familie holt großes Festessen nach

Weihnachten ist in der Corona-Pandemie für viele Menschen kleiner ausgefallen. Eine Familie aus Nordsachsen hat bis zum Sommer gewartet, um doch noch in großer Runde Entenbraten zu genießen

Sachsen, Hayna/Schkeuditz: Großen Spaß haben Sarah (l-r) und Alicia beim Schmücken des Weihnachtsbaumes unter Aufsicht von Oma Martina Sawatzke. Mitten im Hochsommer holt die Familie Sawatzke das im Dezember wegen der Corona-Pandemie kleiner ausgefallene Weihnachtsessen in großer Runde mit Freunden und Familie nach. Im großem Festzimmer, in dem ein geschmückter Weihnachtsbaum, leuchtende Sternen an der Decke und Weihnachtslieder für die weihnachtliche Atmosphäre sorgen, gibt es dann Entenbraten mit Rotkohl und Klößen. Foto: dpa

Schkeuditz (dpa) – Nachdem ihr Corona im vorigen Dezember einen Strich durch die Rechnung machte, hat eine Familie in Nordsachsen ihr großes Weihnachtsessen im Hochsommer nachgeholt. Mit Freunden und Familie tafelten Martina und Dietmar Sawatzke am Sonntagabend in festlich geschmücktem Ambiente in Hayna. Auf dem Speiseplan stand Barbarie Entenbrust mit Rotkraut und Klößen. 15 leuchtende Weihnachtssterne an der Decke und ein Baum mit 60 Kerzen sorgten im Juli für jene festliche Stimmung, die Sawatzkes sonst im Dezember so mögen.

«Unser letztes Weihnachten war nur ganz klein. Wie überall. Wer ein bisschen vernünftig war, hat es doch so gemacht», sagte Dietmar Sawatzke. Der 70-Jährige ist Vater von drei Kindern und hat sechs Enkel und Enkelinnen. Normalerweise versammele sich Heiligabend «die ganze Truppe» im «Weihnachtszimmer». Den großen Raum hat Sawatzke vor ein paar Jahren in der Tenne seines früheren Bauernhofes eingerichtet. Neben Weihnachten feiert die Familie dort auch Geburtstage und andere Feste. «Da saß ich Silvester alleine mit meiner Frau und hab Fernsehen geguckt. Meine Frau hat immer gesagt: “Das war doch diesmal nix. Das müssen wir nachholen!”»

Weihnachten sei für sie schon immer wichtig gewesen, sagt Martina Sawatzke (70). «Das ist ein schönes Familienfest. Uns macht das Spaß. Manche mögen es nicht, aber wir mögen es.» Für Dietmar Sawatzke sind vor allem die Rituale wichtig. Er zeigt sein Technik-Schränkchen, das er hinter Tapete versteckt in der Wand eingebaut hat. Dort liegt Heintjes Platte «Weiße Weihnacht» auf dem Schallplattenspieler. «Die gehört immer dazu. Ich weiß gar nicht mehr, woher ich die habe. Das ist ja eine West-Platte», sagte er lachend.

Alicia (8), die jüngste Enkelin der Sawatzkes, findet es «cool», dass Oma und Opa zum Weihnachtsessen im Sommer eingeladen haben. Aber wie groß ist denn der Appetit auf Ente, Rotkraut und Klöße, wenn draußen 25 Grad sind? «Ach», sagt Martina Sawatzke fröhlich, «das kann ich immer essen.»

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Sport

Und, wie ist die Stimmung? Wie die
Deutschen Olympia ohne Fans finden

Olympia: Das ist für viele Randsportarten das Stimmungshighlight mit vollen Tribünen wo sonst kaum jemand sitzt. In Tokio ist das inmitten der Corona-Pandemie anders. Es fehlt etwas. Die Wahrnehmung der Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland ist ziemlich einhellig.

Ohne Fans – 26.07.2021, Japan, Tokio: Judo: Olympia, Vorkampf, 57 kg, Frauen, 1. Runde, Stoll (Deutschland) – Liparteliani (Georgien), in der Kampfsporthalle Nippon Budokan. Theresa Stoll (unten) und Eteri Liparteliani in Aktion. Foto: dpa

Von Maximilian Haupt, Christoph Lother, Miriam Schmidt und Eric Dobias
Tokio (dpa) – Laura Ludwig kennt das noch aus London und Rio. Wie es ist, wenn man bei Olympischen Spielen vor dem Match in ein volles Beachvolleyball-Stadion joggt und die Zuschauer auf den Tribünen einem schon vor dem ersten Ballwechsel entgegenbrüllen. In Tokio? Klatschen eine Handvoll Betreuer und die Volunteers in ihren blauen Shirts gegen die Einlaufmusik an. «Es ist schon komisch», sagt die Olympiasiegerin zur Atmosphäre auf dem Center Court im Shiokaze Park. Wegen Corona darf kein zahlender Fan in die Arenen, außer den anderen Sportlerinnen und Sportlern und Mitgliedern der Delegationen sind nur noch die Menschen mit Aufgaben da: Volunteers und Medienschaffende.

Allerdings: Lange halte dieser komische Eindruck nicht an. «Man vergisst das teilweise wirklich, dass da keine Zuschauer sind. Am Anfang, wenn man Aufschläge macht, denkt man noch: krass, wie ruhig das hier ist. Aber das ist komplett weg dann», sagt die 35 Jahre alte Fahnenträgerin. Die mitunter deplatziert und traurig wirkenden Anfeuerungsanimationen auf den Leinwänden nehmen die Spielerinnen und Spieler gar nicht wahr.

Neben Ludwig berichten das noch andere Athletinnen und Athleten. Sobald die Mitglieder des deutschen Teams in Japan auf dem Weg zu Gold, Silber und Bronze wettstreiten, stecken sie im Tunnel. «Als der Wettkampf dann losging, war ich voll konzentriert und bei der Sache und habe nicht an Corona oder irgendetwas anderes gedacht. Wenn das Licht ausgeht und auf den Bahnen die Lampen an, ist da eh nur der Gegner», erzählt Säbelfechter Max Hartung.

Der scheidende Athletensprecher verschweigt aber nicht, dass in Japan trotzdem etwas fehlt. «Für mich ist es vielleicht weniger schlimm als für die, die das erste Mal dabei sind. Durch das Dorf zu ziehen und mit anderen Athleten zu quatschen, diesen besonderen Ort zu erleben und die vielen verschiedenen Sprachen zu hören – dieses Flair geht natürlich schon verloren», sagt Hartung. Die Sorge vor einer Ansteckung mit Corona ist da, in das berüchtigte Isolationshotel des positiv getesteten Radfahrers Simon Geschke will niemand.

Im Bewusstsein, dass sie zwar etwas verpassen, scheinen aber gerade die Olympia-Neulinge trotz der fehlenden Kulisse glücklich mit ihrer olympischen Erfahrung. «Olympisches Flair kommt auf jeden Fall trotzdem auf. Da muss man den Japanern echt ein Riesenkompliment machen. Wie das Ganze organisiert ist und die Wettkampfstätten aufgebaut, das hätte auf jeden Fall verdient gehabt, dass das Stadion voll ist. Es macht richtig viel Spaß», sagt Beachvolleyballer Clemens Wickler. Hockey-Nationalspieler Florian Fuchs nimmt «die Atmosphäre als sehr positiv wahr. Es sind immer wieder Leute da, die wild zum Bus winken. Bei der Eröffnungsfeier waren die Leute sehr begeistert.»

Oft reichen auch die Rufe und Reaktionen der eigenen Teams auf den Rängen, sich nicht ganz verloren zu fühlen im Geschehen. «Wir unter uns jubeln ganz normal, die anderen jubeln unter der Maske. Die Emotionen merkt man auch, wenn man den Mund nicht sieht», sagt Bogenschützin Michelle Kroppen, die im Team Bronze holte.

Die Einschätzung von Wicklers Beach-Kollegen Julius Thole teilen viele andere sinngemäß: Die Spiele «jetzt auch noch mit Zuschauern, das wäre natürlich noch ein anderes Flair. Gleichzeitig haben wir das jetzt einfach anderthalb Jahre auch geübt, wir kennen das und können damit umgehen. Für alle Teams ist das ja zur Zeit Normalität.»

Um diese Normalität im weitesten Sinne sind die Veranstalter auch bemüht. Ob beim Basketball, beim Turnen, in der Schwimmhalle oder in den Pausen beim Handball: Wo normalerweise mit Musik oder Kommentaren über die Lautsprecher Stimmung gemacht und das Geschehen untermalt wird, passiert das auch in Tokio. Künstliche Atmo vom Band ist die Ausnahme, die gewohnten Sounds rund um den Sport werden geschätzt. «Das ist ganz, ganz wichtig. Sonst würde das gar nicht rüber kommen. Ohne die Musik: Katastrophe», sagt Beachvolleyballerin Karla Borger.

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Feuilleton

«Luther» eröffnet Nibelungen-Festspiele in Worms

Jürgen Tarrach (links) und Jan Thürmer im Stück „Luther“ bei den Nibelungen-Festspielen in Worms. Foto: David Baltzer/dpa

Worms (dpa) – Mit der Premiere des Stücks «Luther» haben vor historischer Kulisse in Worms jetzt die Nibelungen-Festspiele begonnen. Auf der Bühne vor dem Kaiserdom widmete sich das Ensemble um Sunnyi Melles und Jürgen Tarrach in knapp drei Stunden Spielzeit dem Wirken von Martin Luther (1483-1546) – allerdings stand der namensgebende Reformator nicht als Figur auf der Bühne. Luther tritt nicht auf, er ist aber allgegenwärtig.Vor genau 500 Jahren hatte der Mönch sich beim Reichstag zu Worms geweigert, seine Schriften und Thesen zu widerrufen. Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss spürt in seinem Stück einerseits dem Menschen Luther nach und andererseits der öffentlichen und politischen Figur. Unter der Intendanz von Nico Hofmann führt die Ungarin Ildikó Gáspár Regie. Bis zum 1. August zeigt das Ensemble das Stück an 15 Tagen. Die Spiele finden seit 2002 statt. In diesem Jahr erlebt das Publikum wegen des Jubiläums von Luthers Auftritt in Worms 1521 ausnahmsweise keine Neuinszenierung der berühmten Nibelungen-Sage. Pandemiebedingt durften rund 700 der etwa 1400 Plätze auf der Zuschauertribüne besetzt sein. 2020 machte Corona die Aufführung zunichte.

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Gesundheit

Zeit in der Natur tut
nachweislich gut

Einfach mal auf die Wiese fallen lassen: Die Natur bewusst 
wahrzunehmen, wirkt vitalisierend. 
Foto: Christin Klose/dpa

Von Katja Sponholz
Berlin/Freiburg (dpa) – Es lohnt sich so oft wie möglich die Ruhe im Grünen zu suchen. Sowohl für den Körper als auch den Geist.

«Kanadische Studien haben gezeigt, dass bereits nach 20 Minuten ein guter Effekt da ist», sagt Andreas Michalsen, Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus in Berlin.

Konkret: Der Puls wird langsamer, Blutdruck und Stresslevel sinken, das Immunsystem wird stimuliert. Im Gehirn werden jene Areale besser durchblutet, die für Entspannung und Ruhe zuständig sind; bei Kindern lassen ADHS-Symptome nach.

Die stressreduzierende und vitalisierende Wirkung durch Naturerlebnisse sei mittlerweile durch eine Zusammenschau von mehr als 100 Studien belegt, sagt Psychologin Anja Göritz. «Das ist keine Esoterik, sondern man kann wirklich sagen, dass solche Aufenthalte im Grünen etwas bringen», betont die Wirtschaftspsychologie-Professorin der Uni Freiburg. Nicht nur körperliche Effekte seien messbar. Auch psychische Probleme wie Angst und Depressionen werden bei Aufenthalten in der Natur reduziert.

Und dabei muss es nicht immer die perfekte Umgebung im abwechslungsreichen Mischwald oder eine stundenlange Wanderung durch die Berge sein. Selbst bei Menschen, die man mit einem Rollstuhl ins Grüne gefahren habe, haben sich die positiven Wirkungen eingestellt, sagt Mediziner Michalsen: «Es geht vor allem darum, dass wir uns mit unseren Sinnen auf die Natur einlassen – das bedeutet für mich Naturerleben.» Das sei zum Beispiel auch möglich, wenn man auf einer Wiese sitzt oder einfach nur die Wolken betrachtet.

Das haptische Erleben, wie es zum Beispiel beim Bäume-Umarmen forciert wird, sei jedenfalls nicht ausschlaggebend für den Effekt, sagt der Experte: «Vermutlich gehen 70 bis 80 Prozent über die Optik, der Rest über die gute Luft und Düfte sowie über akustische Reize wie Vogelgezwitscher oder Rascheln.»

Deshalb lohne es sich, alleine und leise in der Natur unterwegs zu sein, statt laut redend mit einer Gruppe oder gar telefonierend, rät Michalsen. «Auch das Konzept der Achtsamkeit spielt eine große Rolle», sagt der auf Naturheilverfahren spezialisierte Arzt mit Blick auf japanische Studien, die führend bei diesem Thema seien.

Wer mit ständigem Blick auf die Fitness-Uhr durch den Wald joggt oder mit Musik aus den Kopfhörern auf dem Mountainbike die Wege entlang rast, profitiert zwar von der Bewegung an der frischen Luft und tut Herz und Lunge etwas Gutes. Viele wichtige Effekte bleiben dann aber im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Oder wie Michalsen sagt: «Für diese Menschen gibt es zwar die saubere Luft, aber vieles bekommen sie nicht mit.»

Natürlich müsse man es wertschätzen, dass sie überhaupt Sport treiben, fügt er an. «Aber sie könnten noch viel mehr an Vorteilen haben, wenn sie einfach mal die Technik rauslassen oder ein bisschen langsamer laufen würden.»

Nicht nur das bewusste Erlebnis im Wald oder im Park, sondern auch die unmittelbare Umgebung kann die Gesundheit fördern: Grünflächen in der Innenstadt können das Wohlbefinden im Alltag von Stadtbewohnern unmittelbar verbessern, zeigte 2019 eine interdisziplinäre Studie des Karlsruher Instituts für Technologie, des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim und der Universität Heidelberg.

Eine Erkenntnis der Studie: Von den Grünflächen profitieren vor allem Menschen, bei denen die Gehirnkapazität, um negative Gefühle selbst zu regulieren, vermindert ist. Diese Erkenntnisse seien auch für die Stadtplanung unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung interessant.

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Reise

Deutsche Autobahn: Tempolimit 130?

Kommt in Deutschland bald das Tempolimit 130? Das könnte sich bei der Bundestagswahl entscheiden. Foto: Oliver Berg/dpa

Frankfurt (dpa) – Ohne Tempolimit mit dem Auto über die Autobahn düsen – für viele ist das fast so etwas wie ein Nationalheiligtum. Eine mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung sorgt daher schnell für hitzige Diskussionen. Vor der Bundestagswahl 2021 ist das Tempolimit in Deutschland wieder zum Wahlkampfthema geworden.

Befürworter eines Tempolimits verweisen auf Unfallstatistiken und einen positiven Einfluss auf das Klima. Gegner befürchten Verluste für die Wirtschaft und sehen eine Geschwindigkeitsbegrenzung als Eingriff in ihre Freiheit. Ein Tempolimit sei „gegen jeden Menschenverstand“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) 2019 zu Vorschlägen aus einem Gremium zu Beratungen über die Zukunft der Mobilität. Auch Bundestag und Bundesrat hatten ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Deutschlands Autobahnen zuletzt abgeschmettert.

In Europa ist Deutschland das einzige Land, in dem man auf der Autobahn so schnell fahren darf, wie man will – zumindest auf Teilstrecken. Auf insgesamt 70,4 Prozent der Autobahnstrecken oder auf 18.115 Kilometern gilt in Deutschland kein Tempolimit, geht aus einem Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2017 hervor.

In anderen europäischen Ländern gelten auf den Autobahnen Geschwindigkeitsbegrenzungen zwischen 90/100 und 140 km/h. In Norwegen ist das Tempolimit mit 90 bis 100 km/h auf der Autobahn am niedrigsten, in Polen mit 140 km/h am höchsten in Europa. Und auch weltweit ist Deutschland eines von nur wenigen Länder ohne Tempolimit. Das könnte sich bald ändern und Autofahrer, die zu schnell auf der Autobahn unterwegs sind, müssten teuer dafür bezahlen. Für viele Verkehrssünden müssen Autofahrer in Deutschland bald tiefer in die Tasche greifen. Im neuen Bußgeldkatalog 2021 werden manche Bußgelder sogar doppelt so teuer.

Angesichts des Aufschwungs der Grünen rückt ein Tempolimit auch in Deutschland in greifbare Nähe. Im Fall einer Regierungsbeteiligung wollen die Grünen um Annalena Baerbock einen neuen Anlauf nehmen, um ihr Herzensprojekt umzusetzen. „Das ist wahrscheinlich die erste Maßnahme einer neuen Regierung, wenn die Grünen dabei sind“, so Parteichef Robert Habeck im Sommer 2020. Auch die SPD hat das Thema in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Immer wieder wird bei der Diskussion um das Tempolimit auch betont, dass eine Mehrheit der Deutschen dafür ist – eine neue Studie liefert nun ein eindeutiges Ergebnis.

Für eine Mehrheit der Deutschen gehören Umwelt- und Klimafragen auch während der Corona-Pandemie zu den wichtigsten Themen, so das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts. Rund 65 Prozent der Befragten halten beide Themen weiterhin für sehr wichtig. „Besonders interessant wird die Studie da, wo es konkret wird, etwa beim Tempolimit“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

In der Umweltbewusstseins-Studie 2020 zeichnet sich eine breite und klare Mehrheit für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen. Im Vergleich zur vorherigen Befragung habe es einen spürbaren Zuwachs gegeben. Den Ergebnissen zufolge sind insgesamt 64 Prozent der Befragten der Ansicht, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung kommen sollte.

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Weniger geht kaum: Warum Bralettes so angesagt sind

Huch, die laufen ja nur noch im BH rum! Draußen! Ja, das ist ein Modetrend. Sprechen wir also über Bralettes und wie man sie trägt.

Bralettes sind prinzipiell BHs, die ohne Wattierungen und Bügel gearbeitet sind.
Foto: Catwalk Junkie/dpa

Von Andrea Abrell
Berlin/München (dpa) – Nur im BH ohne T-Shirt oder Bluse: Ist das der richtige Dresscode für die Straße? Warum nicht, denn das sogenannte Bralette ist keine Alltagsfliege, sondern hat seit einiger Zeit schon das Zeug zum echten Modehit.

Unter Bralettes versteht man prinzipiell BHs, die ohne Wattierungen und Bügel gearbeitet sind. Sie sind meistens in Triangle-Form geschnitten und wahlweise aus edler Spitze, zartem Mesh oder sportlichem Elastikmaterial gefertigt. Diese Bralettes verstecken sich nicht, sie werden offen gezeigt. Sie sind das Oberteil.

Wie so mancher Trend hat es eine ganze Zeit gebraucht, bis sich dieser, anfangs von den Stars auf den Straßen der hippen Mode-Hauptstädte getragen, sich auch bei uns ausgebreitet hat. Anfangs wirkte das fast wie ein kleiner Skandal.

Erst trugen das die Stars
Etwa als 2019 Hollywoodstar Katie Holmes in New York am Straßenrand ein Taxi herbeiwinkte – nur eine lässige, an einem einzigen Knopf geschlossene Kaschmirjacke tragend, unter der deutlich der ganze BH hervorblitzte. Im Alltag, nicht auf einem roten Teppich. Ein Paparazzo machte von dieser Szene einen Schnappschuss – und löste weltweit Verwunderung und einen Trend aus.

Ab vergangenem Herbst war dieser Look dann bisweilen schon auf unseren Straßen zu sehen. Aber in diesem Sommer haben die Bralettes endgültig die Mode erobert.

Das liegt ein Stück weit zwar daran, dass Stars wie Katie Holmes so gestylt auf die Straße gegangen sind, aber nicht nur, wie Mode-Redakteurin Madeline Dangmann vom Magazin «Glamour» findet. «So ein bisschen symbolisiert das Bralette auch eine leise Revolution in der Mode», sagt sie. «Weg von Push-up-BHs, die alles möglichst perfekt präsentieren sollten, oder Bügel-Varianten, die ebenfalls für eine bestimmte Formgebung verantwortlich zeichnen, und hin zu mehr Lässigkeit, die aber dennoch sexy wirkt.»

Homeoffice als Trendbeschleuniger

Natürlich habe sich die Mode auch dadurch verändert, dass viele Frauen jetzt vermehrt im Homeoffice sitzen und es dort möglichst bequem haben wollen. Kern des Bralette-Trends sei: «Präsentiere dich so, wie du bist – jeder Körper ist schön.» Damit folge dieser Look klar der Tendenz zu einem positiven Körpergefühl.

Die Auswahl der Bralettes im Handel ist immens, findet die Einkaufsberaterin Stephanie Zarnic aus Berlin. «Sportliche Varianten aus schlichtem Elasthan sind ebenso dabei wie romantische Spitzen-Bralettes oder moderne Varianten im Batik-Look.» Auch die Formen variieren von ganz knapp bis zu großzügigen Bralettes, die an Bustiers erinnern.

«Eigentlich ist dieser Trend recht einfach zu kombinieren, wenn man sich an ein paar Spielregeln hält», erklärt Shoppingberaterin Andrea Lakeberg aus Berlin. «Immer auf der sicheren Seite ist man beispielsweise, wenn man einen Bralette unter einem schmal geschnittenen Blazer trägt.» Wer es sportlich mag, greift zur Jeans- oder Lederjacke.

Keine hautengen Leggings dazu tragen
«Allerdings sei dieser Trend nicht unbedingt der Richtige für jeden Figurtyp und sollte schlanken, trainierten Frauen vorbehalten bleiben, vor allem dann, wenn man viel vom Bauch sieht», findet die Shoppingberaterin.

Und Andrea Lakeberg rät allen Frauen, auf die Kombination von knappen Bralettes und hautengen Leggings, «womöglich sogar noch in Knallfarben», zu verzichten. «Das ist nicht nur zu viel des Guten, je nach Bralette sieht man dann auch aus, als habe man nach dem Fitnesstraining keine Zeit mehr zum Umziehen gehabt.»

Eine Möglichkeit, den Trend so oder so mitzumachen, nennt Mode-Redakteurin Madeline Dangmann: «Wenn das Bralette aus festem, elastischem Stoff ist, sieht es auch über einem Shirt toll aus. Voraussetzung: Das Shirt darf nicht zu locker sitzen und das Bralette muss passen.»

Tipp: Paperbag-Hose kombinieren
Modeberaterin Stephanie Zarnic rät: «Ideal ist es, wenn man das Bralette zu einer hoch geschnittenen Hose wie den aktuellen Paperbag-Hosen kombiniert wird. Das verkürzt den Raum zwischen Bralette und Hose und wirkt dezent.» Eine Paperbag-Hose ist ein Modelle mit sehr hoch geschnittenem Bund, der so mit einem Gürtel geschlossen wird, dass oben geraffter Stoff herausschaut – wie bei einer Papiertüte, die man zusammenknüllt.

Aber Zarnic findet, dass Bralettes nicht unbedingt jobtauglich sind. Einzige Ausnahme: «Wenn man eine halbtransparente Bluse darüber trägt und der Abstand des Bralette zur Hose recht klein ausfällt, kann das funktionieren – allerdings auch nicht in jedem Beruf.» Anders sehe das am Abend aus: Hier sei ein extravagant geschnittenes Bralette mit einem Blazer durchaus ein tolles Outfit.

Bralette-Größe: Die richtige Größe zu finden, ist bei einem Bralette nicht so schwierig wie beim bekanntermaßen komplizierten BH-Kauf: Anstelle von 75B oder 80C gibt es Bralettes in den gängigen Kleidergrößen.

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Wie gut ist Deutschland auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet?

Die starken Regenfälle in Westdeutschland haben ein verheerendes Ausmaß. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge könnten solche Extremwetter-
Ereignisse in Zukunft häufiger werden. Ist das Land dagegen gewappnet?

ARCHIV – 17.07.2021, Nordrhein-Westfalen, Erftstadt: Autos stehen auf der überfluteten Bundesstraße 265 im Wasser. Innerhalb der EU ist man sich weitgehend einig, dass man bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein will. Die Folgen des Klimawandels aufhalten wird man damit laut Experten nicht – höchstens abmildern. Wie es in Deutschland bis dahin aussehen könnte, zeigen Klimaforscher und andere Fachleute. Foto: dpa

Von Fatima Abbas
Berlin (dpa) – Es ist ein Alptraum, der Tausende Menschen innerhalb weniger Stunden aus ihrem Alltag gerissen hat. Die Starkregen-Ereignisse in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind ungewöhnlich heftig, die Zahl der Toten hat längst die der Jahrhundertflut aus dem Jahr 2002 überschritten. Wissenschaftler sind überzeugt: Die Extremwetterphänomene hängen auch mit dem Klimawandel zusammen. «Bei einer Erwärmung von zwei Grad Celsius oder gar mehr müssen wir mit noch viel heftigeren Extremwetterereignissen rechnen», sagt der Chef des Umweltbundesamts (UBA), Dirk Messner. Schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erhitzt.

Nach den Daten des UBA würde ein ungebremster Klimawandel erhebliche Schäden für Natur, Infrastruktur und das Wirtschaftssystem in Deutschland mit sich bringen. Und auch die Starkregen-Ereignisse in Westdeutschland haben laut Messner klar gezeigt: Ohne ambitionierten Klimaschutz wird sich die Lage verschlimmern. Ohne Anpassung an die neuen Herausforderungen allerdings auch.

Denn: Wenn Länder und Kommunen keine Maßnahmen treffen, um gegen sintflutartige Regenergüsse oder Hitzewellen wie jüngst in Kanada gewappnet zu sein, sind viele Menschenleben gefährdet.

Der Vorsitzende des Vereins Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, Martin Herrmann, geht davon aus, dass auch die Gesundheitsversorgung derzeit nicht optimal auf Extremwetter eingestellt ist. «Die meisten Krankenhäuser haben zwar vorbereitete Pläne, wie sie mit dem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten umgehen. Aber ob sie bei extremen Wetterereignissen strukturell und personell die eigene Leistungsfähigkeit aufrechterhalten können, ist völlig unklar», sagt Herrmann. Er kritisiert, dass es flächendeckend auch keine Hitzeschutzpläne für Kliniken oder Praxen gebe.

Auch die Menschen selbst wüssten oftmals nicht, wie sie sich in der unerwarteten Not zu verhalten hätten, sagt Professor Boris Lehmann, der an der Technischen Universität Darmstadt zu Wasserbau und Hydraulik lehrt. «Menschen unterschätzen die Kraft und Geschwindigkeit des Wassers nur allzu oft.» In Gefahrensituationen tendiere die Bevölkerung dazu, an Habseligkeiten, etwa an Autos oder Gegenständen im Keller, festzuhalten, statt sich sofort in Sicherheit zu bringen. Mehr Aufklärung, bereits in der Grundschule, wäre aus seiner Sicht dringend geboten.

Auch wenn es der Bürger allein nicht wird richten können. Bund und Länder müssten gemeinsam neue Wege zur Anpassung an den Klimawandel finden, meint Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Zu diesem Zweck schlägt die SPD-Politikerin sogar überraschend vor, das Grundgesetz zu ändern. Nur so könnte der Bund dauerhaft Mittel für die Klima-Vorsorge bereitstellen. Bislang sind ihm die Hände gebunden.

«Wir müssen jetzt diese nationale Katastrophe national beantworten», lautet Schulzes Appell. Erst Anfang Juli war das erste bundesweite Beratungszentrum zur Klimaanpassung in Kommunen an den Start gegangen. Es hilft und berät etwa in Pflege– oder Obdachlosenheimen, damit Bewohner bei Höchsttemperaturen im Schatten sitzen können. Unter anderem – denn: Der Anpassungsbedarf ist enorm.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Klimawandel – climate change
verheerendes – devastating
Ausmaß – extent
Ereignisse – events
gewappnet – armed
Alptraum – nightmare
überschritten – surpassed
überzeugt – convinced
Vergleich – comparison
erhitzt – heated up
ungebremster – unimpeded
erhebliche – considerable
Schäden – damage
Wirtschaft– – economy
Klimaschutz – climate protection
Lage – situation
verschlimmern – worsen
Anpassung – adjustment
Herausforderungen – challenges
allerdings – certainly
sintflutartige – deluge-type
Regenergüsse – downpours
gefährdet – endangered
geht davon aus – assumes
Gesundheitsversorgung – healthcare
Leistungsfähigkeit – efficiency
aufrechterhalten – maintain
flächendeckend – wide-spread
unerwartetet – unexpected
Not – need
sich verhalten – act
unterschätzen – underestimate
Habseligkeiten – belongings
Gegenstände – things
Aufklärung – enlightenment
bereits – starting already
dringend – desperately
Bürger – citizen
richten – prepare
schlägt vor – proposes
dauerhaft – lasting
Vorsorge – preventive measures
bereitstellen – put in place
bundesweite – nationwide
Beratungszentrum – consultation center
Pflegeheimen – nursing homes
Obdachlosenheimen – homeless shelters
im Schatten – in the shade
Anpassungsbedarf – need for adjustment

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*