5. März 2022 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Weiße Tauben und drei Mal «Kölle Alaaf» für den Frieden

Statt Rosenmontagszug gibt es eine Friedensdemo in der Karnevalshochburg Köln. Die Resonanz ist überwältigend: Nach Schätzung des Festkomitees kommen mindestens 150 000 Menschen – mit oder ohne Kostüm, aber alle gegen den Krieg.

Düsseldorf: Ein Motivwagen, der den russischen Präsidenten Putin zeigt, der die Ukraine “schluckt”, steht am Rheinufer und wird von Karnevalisten bestaunt. Foto: dpa

Von Petra Albers
Köln (dpa) – Kostümierte mit blau-gelben Flaggen, «Alaaf»- und «Stoppt Putin»-Rufe, Schunkeln zu Friedensliedern: In Köln sind am Rosenmontag Zehntausende Menschen durch die Stadt gezogen – aber nicht zum traditionellen Karnevalszug, sondern zu einer riesigen Friedensdemonstration. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte dazu aufgerufen, «bunt und laut» gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren.

Berta schiebt ihren zweijährigen Sohn Gabriel im Buggy vor sich her. Eigentlich wollte sie heute bei einer Freundin ein bisschen Karneval feiern, hat sich dann aber kurzfristig umentschieden. «Das hier ist wichtig, da musste ich einfach hingehen», sagt die junge Mutter.

«Man kann ja nicht viel tun, aber wenigstens kann man zeigen, dass man gegen den Krieg ist», meint Peter Hillebrand. Zusammen mit Elfi Kluthke ist er schon eine Stunde vor Beginn der Demo zum Startpunkt an der Severinstorburg gekommen. Beide tragen Clownskostüme mit einer Friedenstaube auf dem Rücken: «Die habe ich gestern noch schnell drauf genäht», sagt Kluthke.

Das Festkomitee lässt echte weiße Tauben in die Luft steigen. In ohrenbetäubender Lautstärke brüllt die Menge drei Mal «Kölle Alaaf» auf den Frieden in Europa. Es sind Gänsehautmomente bei der Auftakt-Kundgebung. Ein weiterer folgt, als Brings ihr Antikriegs-Lied «Liebe gewinnt» anstimmen – es ist fast wie eine Hymne, denn die Band hatte das Musikvideo im Vorfeld mit russischen Untertiteln versehen.

Viele Teilnehmer tragen Schilder mit Aufschriften wie «Freiheit für die Ukraine» oder «Putin Go Home». Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn ruft die zentrale Botschaft von der Bühne: «Herr Putin, stoppen Sie diesen Wahnsinn, stoppen Sie diesen Krieg!» Dafür erhält er tosenden Applaus, genau wie Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), als sie sagt: «Ich empfinde grenzenlose Bewunderung für all die mutigen Russinnen und Russen, die bereits seit Freitag auf die Straßen ihres Landes gehen.»

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der ebenfalls dabei ist, würdigt die Demo als «Riesenleistung des organisierten Karnevals». Das Festkomitee hatte sie innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Nachdem der Rosenmontagszug wegen der Corona-Pandemie zum zweiten Mal abgesagt worden war, wollten die Karnevalisten als kleinen Ersatz einen «Zoch» mit Persiflagewagen im Stadion veranstalten. Doch als an Weiberfastnacht der russische Angriff auf die Ukraine begann, entschieden sie noch am selben Tag: Das können wir so nicht machen.

Stattdessen also eine Friedensdemo, unterstützt von zahlreichen Gruppen und Organisationen, etwa dem 1. FC Köln, Parteien, Verbänden und Gewerkschaften. Nach Schätzung des Festkomitees sind mindestens 150 000 Menschen dabei. Manche kommen mit Kostüm und manche ohne. Als einziger Wagen rollt ein blutiges Motiv zum Thema Ukraine mit: Es zeigt eine russische Fahne, die die Friedenstaube aufspießt.

Die anderen Persiflagewagen sind auf verschiedenen Plätzen in der Innenstadt ausgestellt. Darunter sind zwei weitere Wagen zu Putin, aber auch Motive zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, zum Klimawandel und zum Streit der Unionsparteien im Bundestagswahlkampf.

Doch bis der schier endlose Demo-Zug die teilweise entlang der Strecke ausgestellten Wagen passiert, dauert es. Die riesige Menge kommt einfach nicht voran, denn aus der Gegenrichtung strömen derart viele Menschen heran, dass die Severinstraße verstopft und der Zug blockiert ist. Die «Blauen Funken», die die Demonstration eigentlich anführen sollen, sind irgendwo in der Mitte des Gedränges vorübergehend steckengeblieben.

Die Enge ist ungewohnt. Und so manchem wird zwischendurch etwas unwohl zumute, denn schließlich ist Corona noch nicht vorbei. Für die Teilnehmer gilt Maskenpflicht – fast alle halten sich daran.

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Sport

Russland im Weltsport isoliert – Ausschluss in WM-Qualifikation droht

Was kommt nach der Bestürzung? Die großen Fußballverbände tun sich schwer, tiefgreifende Konsequenzen aus der Invasion Russlands in die Ukraine zu ziehen. Die Boykottforderungen sind unüberhörbar, in den WM-Playoffs hat Russland keinen Gegner mehr.

Karlsruhe: Fußball: 2. Bundesliga, Karlsruher SC – FC Schalke 04, 24. Spieltag, im BBBank Wildpark. Der Schalker Marius Bülter Die Schalker spielen wegen dem Krieg in der Ukraine ohne den Schriftzug von Hauptsponsor Gazprom auf den Trikots. Foto: dpa

Von Jan Mies, Thomas Wolfer und Florian Lüttick
Berlin (dpa) – Unter dem Eindruck der dramatischen Bilder aus der Ukraine wird Russland auch im Weltsport zunehmend isoliert. Doch die großen Fußball-Verbände ringen trotz lautstarker Boykottdrohungen mit den für sie einschneidendsten Konsequenzen. Die FIFA hat zwar vorerst internationale Fußballspiele auf russischem Boden untersagt, zu einem Komplett-Ausschluss konnte sich der Weltverband zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht durchringen.

Auch die Europäische Fußball-Union UEFA, die wie die FIFA jahrelang die Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin pflegte, verurteilte zwar die Invasion Russlands in die Ukraine, verbannte bislang aber weder russische Mannschaften noch russisches Geld aus ihren Wettbewerben. Der Druck steigt täglich.

Mit Weltfußballer Robert Lewandowski als eindringlichem Mahner kündigten der polnische sowie später auch der schwedische und der tschechische Fußball-Verband an, nicht zu den WM-Playoffs Ende März in Russland anzutreten. «Ich kann mir nicht vorstellen, in einem Monat auf den Platz zu gehen und zu vergessen, was passiert», sagte Bayern-Stürmer Lewandowski, der am Samstag in der Bundesliga aus Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung mit einer blau-gelben Kapitänsbinde spielte. «Wir wissen, was da passiert und dass die gesamte Welt das nicht akzeptiert. Wir müssen die Ukraine unterstützen.»

Die FIFA entschied am Sonntag, dass Heimspiele der Sbornaja nur noch auf neutralem Boden, ohne Zuschauer sowie ohne russische Hymne und Flagge stattfinden sollen. Dabei orientierte sich der Verband an den Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Immerhin drohte die FIFA mit weiteren Sanktionen bishin zu einem Komplett-Ausschluss des Landes, sollte sich die Situation nicht rasch verbessern.

Die FIFA betonte außerdem, dass sie in Kontakt mit den Verbänden von Polen, Schweden und Tschechien stehe, «um gemeinsam angemessene und akzeptable Lösungen zu finden».Denn die drei Verbände sind bereits weiter gegangen. So steht Russland in den bislang noch angesetzten Ausscheidungsspielen auf dem Weg zur umstrittenen Katar-WM ohne Gegner da. Unter keinen Umständen werde gegen Russland gespielt, teilte der tschechische Verband am Sonntag mit. In den Playoffs sollte laut ursprünglichem Plan zunächst Polen in Russland antreten, der Sieger fünf Tage später zu Hause auf den Gewinner der Partie von Schweden gegen Tschechien treffen. Auch der englische Verband FA kündigte an, keine Länderspiele gegen Russland auf allen möglichen Ebenen zu bestreiten.

Der Frage, ob er den 2019 aus den Händen von Präsident Putin erhaltenen Freundschaftsorden zurückgeben werde, war Infantino am Donnerstag ausgewichen. Der Weltverband wird sich entscheiden müssen, ob er den WM-Gastgeber von 2018 mit dem Ausschluss aus der WM-Qualifikation verprellt – oder mit der gegenteiligen Entscheidung die überwältigende Mehrheit der anderen Verbände.

Möglich in dieser Ausnahmesituation erscheint die Verlegung der Partie Russlands gegen Polen und des Finales um ein WM-Ticket auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr, die WM beginnt am 21. November. Der französische Verbandschef Noël Le Graët brachte am Sonntag aber als erster ranghoher Funktionär den Ausschluss Russlands aus dem Wettbewerb ins Gespräch. «Das ist mein erster Impuls» sagte der 80-Jährige, der im FIFA-Council sitzt, der Zeitung «Le Parisien». «Einem Ausschluss Russlands werde ich sicher nicht widersprechen.»

Die Europäische Fußball-Union, die St. Petersburg bereits das Endspiel der Champions League entzogen hatte, kündigte am Wochenende weitere Notfallsitzungen ihres Exekutivkomitees an. Wichtigster und wohl auch einflussreichster Geldgeber ist weiterhin der in Europa höchst umstrittene russische Energieriese Gazprom, dessen Rolle beim Zweitligisten FC Schalke 04 auch in Deutschland prominent spielt.

«Das ist jetzt schmutziges Geld. Da muss man ganz klar sagen, in jeder Richtung, das darf es nicht mehr geben, das dürfen wir nicht mehr annehmen», sagte DFB-Interimspräsident Hans-Joachim Watzke im ZDF-«Sportstudio». In England sorgte am Samstagabend die Mitteilung des FC Chelsea für Aufsehen, dass der russische Eigentümer Roman Abramowitsch die Verwaltung die Treuhänder der wohltätigen Stiftung abgibt. Ein Schachzug angesichts drohender Sanktionen?

Schalke spielte am Wochenende bereits ohne den Gazprom-Schriftzug auf den Trikots. Watze, auch Geschäftsführer des Gelsenkirchener Revierrivalen Borussia Dortmund, regte finanzielle Hilfen an, sollten sich die Königsblauen endgültig von Gazprom trennen. DFB-Präsidentschaftskandidat Peter Peters, einst auf Schalke für den Gazprom-Deal verantwortlich, äußerte: «Die Dinge haben sich so massiv verändert. Es kann nicht so weitergehen.» In der Frage, ob auch russische Mannschaften aus den Fußball-Wettbewerben ausgeschlossen werden müssten, waren sich Watzke und Peters uneins. «Da trifft man letztendlich den Club, nicht den Staat», sagte Watzke.

Kleinere Verbände beantworteten die Frage für sich. Der Judo-Weltverband suspendierte Putin als Ehrenpräsident und Botschafter der Sportart. Putin ist selbst Träger des Schwarzen Gürtels. Der Biathlon-Weltverband IBU beschloss, dass Biathletinnen und Biathleten aus Russland und Belarus bei den verbleibenden Weltcups in diesem Winter unter neutraler Flagge antreten müssen. Die russische Hymne wird nicht mehr gespielt. Der russische Biathlon-Verband RBU reagierte erwartbar verärgert und kündigte an, in diesem Winter nicht mehr anzutreten: «Dies ist eine direkte Diskriminierung unseres Landes und russischer Athleten.»

Im Skispringen und Turnen gelten ähnliche Regeln. Der Deutsche Fechter-Bund kündigten an, die Athletinnen vom Damendegen-Weltcup in Sotschi zurückzuholen. Der Volleyball-Weltverband FIVB stellt Russland als Ausrichter der WM im August und September auf den Prüfstand.
Der Vereinigung Athleten Deutschland geht das nicht weit genug. «Der internationale und nationale Sport muss jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen und geschlossen Sanktionen mit voller Härte aussprechen, um seinen Werten treu und glaubwürdig zu bleiben», hieß es in einer am Samstagabend veröffentlichten Mitteilung.

Die Interessensvertretung deutscher Spitzensportler will etwa, dass Verbände aus Russland und Belarus komplett aus dem Sporverbandssystem ausgeschlossen, alle Beziehungen zu russischen Geldgebern abgebrochen, Funktionäre aus beiden Ländern ausgeschlossen und Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus während des Krieges nicht mehr an internationalen Wettbewerben teilnehmen dürfen.

«Der russische Angriffskrieg lässt keine andere Wahl, als dass Sanktionen auch unschuldigen Dritten Schaden zufügen», hieß es. Ähnliche Forderungen stellte auch der norwegische Sportverband. «Russlands Angriffe auf das ukrainische Volk und Verstöße gegen das Völkerrecht erfordern internationale Verurteilung und Sanktionen», hieß es vom Nationalen Olympischen Komitee Norwegens in einer Stellungnahme. Ein Ausschluss der Aktiven aus Russland und Belarus außerhalb ihrer Heimatländer sei «die klare Meinung» des Verbandes.

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Feuilleton

«Die Heldin reist» – Doris Dörrie erzählt vom Unterwegssein

Doris Dörrie ist eine großartige Erzählerin und üblicherweise viel unterwegs. Das ist eine vielversprechende Kombination. Der beste Beweis ist ihr neues Buch: «Die Heldin reist». Foto: Jens Kalaene/dpa

Von Andreas Heimann
Zürich (dpa) – Reisen ist für Doris Dörrie mehr, als nur eine Strecke von A nach B zurückzulegen. Es ist immer auch ein Aufbruch voller Neugierde, ein wesentlicher Teil ihres Lebens, ein Erfahrungsschatz. Vielleicht musste erst die Corona-Pandemie kommen, damit sie darüber ein Buch schreiben konnte: «Die Heldin reist» erscheint am Mittwoch bei Diogenes. Es ist sehr persönlich, sehr klug, sehr unterhaltsam. «Im Jahr 2019 bin ich in die USA, nach Japan und Marokko gereist. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass es für längere Zeit die letzten Reisen gewesen sein sollten», schreibt die 66-Jährige. «Noch schien mein Leben ganz so zu sein wie in den Jahren zuvor: fast immer unterwegs, selten mehr als drei Monate zu Hause.»

Reisen ist der Regisseurin («Männer», «Kirschblüten – Hanami») und Autorin («Und was wird aus mir?», «Alles inklusive») immer als Chance erschienen, über den Tellerrand hinauszublicken, seit sie nach dem Abitur in Hannover nach San Francisco aufgebrochen ist, um in den USA zu studieren. «Die ganze Welt schien mir ein aufregender, aber prinzipiell freundlich zugewandter Ort zu sein, den ich nun zu durchwandern hatte, um zu lernen und zu wachsen.»

Manchmal gibt es für das Reisen ganz profane Gründe, ein Filmfestival etwa, aber das, was es für Dörrie ausmacht, hat mit solchen Anlässen nur am Rand zu tun. «Unterwegs zu sein war mein Idealzustand, unterwegs fühlte ich mich von mir selbst befreit, und gleichzeitig träumte ich unbeirrt weiter davon, in der Fremde eine andere, bessere Version meiner selbst zu werden.»

Dörrie erzählt von prägenden Reiseerinnerungen, wie sie zum ersten Mal nach Japan kommt zum Beispiel, vor Aufregung nicht schlafen kann, wie ihr die weißen Handschuhe des Taxifahrers auffallen, die kurzbeinigen Tische und die Höflichkeit der Frauen an der Hotelrezeption. Die Autorin ist eine hervorragende Beobachterin – auch als Reisende. Japan ist ihr längst vertraut geworden – ihre beiden «Kirschblüten»-Filme gäbe es sonst nicht. Und auch in «Die Heldin reist» ist das immer wieder zu spüren. «In keinem anderen Land fühle ich mich so aufgehoben und beschützt wie hier.»

Zu den eindrücklichsten Geschichten des Buches gehört aber ausgerechnet die über Tatsu, eine befreundete Japanerin, die an der Musikhochschule in Hannover studiert hat, eine quälende, schmerzhafte Affäre mit einem Gesangslehrer inklusive. Es ist die umgekehrte Perspektive: die einer Japanerin auf ein fremd erscheinendes Deutschland, das so anders ist als erwartet und ihr gleichzeitig immer vertrauter wird.

Oft ist mit Reiseerfahrungen Anekdotisches verbunden, das spart Dörrie nicht aus. Dazu zählt, dass sie mit ihren drei Schwestern als Kind eng gequetscht auf der Rückbank des elterlichen Autos sitzend endlos erscheinende Fahrten nach Italien durchhalten musste, während die Autoscheiben als Schutz vor der Sonne mit Tüchern verhängt waren. Oder dass sie auf das Einreiseformular für die USA unter Berufsbezeichnung stets «Hausfrau» schreibt, um die schlecht gelaunten Immigration Officers zu beruhigen.

«Die schlimmeren Geschichten sind meist die besseren», ist Doris Dörrie überzeugt. Es sind auf jeden Fall die spannenderen. Und wie um das zu beweisen, erzählt sie vom geplanten Rückflug ab San Francisco, als ein Knall zu hören ist, vor den Fenstern ein gelber Schein zuckt, Feuer flackert, sie sich in Todesangst windet, ihr Zeitempfinden verliert, nur noch Panik empfindet, als die Maschine umkehren muss. Am Schluss landet sie dann doch und ist nicht abgestürzt – vielleicht sind die besten Geschichten die schlimmen, die gut ausgehen.

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Gesundheit/Umwelt

Bellender Kinder-Husten: Pseudokrupp kann Angst machen

Bei einer Kruppattacke sollten Eltern das Kind hochnehmen und 
in eine aufrechte Position bringen. Foto: Mascha Brichta/dpa

Von Lorena Simmel
Dresden (dpa) – Der Pseudokrupp ist eine typische Kleinkinderkrankung. Er äußert sich vor allem durch einen bellenden Husten, Heiserkeit und ein lautes Atemgeräusch beim Einatmen.

Die Symptome treten meist abends oder nachts auf und vermehrt im Herbst oder Winter. Häufig kündigt sich der Pseudokrupp schon ein bis zwei Tage vor der ersten «Kruppattacke» durch leichte Infektanzeichen an: Das Kind hat Schnupfen und eventuell gering erhöhte Temperatur.

«Ursache für einen Pseudokrupp oder das Kruppsyndrom ist meist ein Erkältungsinfekt durch Parainfluenzaviren», sagt Kinderpneumologe Christian Vogelberg vom Uniklinikum Dresden. «Im Herbst und Winter sind diese Viren quasi überall anzutreffen und jedes Kind kann sich damit anstecken.» Potenzielle Infektionsquellen seien zum Beispiel Geschwisterkinder oder der Kindergarten.

Bei einer Infektion entzündet sich die Schleimhaut im Kehlkopfbereich und schwillt an. Die Folgen: Schmerzen, eine Verengung der Atemwege, Probleme beim Luftholen.

Schätzungsweise 15 Prozent aller Kleinkinder im Alter von zehn Monaten bis vier Jahren sind mindestens einmal einer Kruppattacke ausgesetzt. «In diesem Alter ist der Bereich der Atemwege sowieso relativ eng», sagt Christian Vogelberg. «Bei einer Infektion führt das schnell zu den genannten Symptomen.» Wenn die Kinder älter sind, kann es sein, dass sie zwar dieselbe Art von Infektion durchmachen, aber nicht die gleichen Symptome entwickeln.

Wie schwer ein Kind im Moment einer Kruppattacke betroffen ist, lässt sich anhand einiger Anhaltspunkte auch zu Hause gut einschätzen.

1.) Bei ganz leichten Verläufen fällt zunächst der bellende Husten auf. Wenn sich das betroffene Kind aufregt, kommt manchmal das auffällige Geräusch beim Einatmen dazu.
2.) Bei Kindern, die durch den Infekt und die entzündeten Atemwege eine stärker ausgeprägte Enge und folglich einen etwas schwereren Verlauf haben, können der auffallende Husten und das Atemgeräusch auch im Ruhezustand auftreten.
3.) Kinder mit einer besonders schweren Verengung der Atemwege leiden unter deutlicher Luftnot und einer sehr hohen Atemanstrengung. Das auffallende Atemgeräusch zeigt sich bei ihnen sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen.

«Als erste therapeutische Maßnahme, gerade auch, wenn man keine entsprechenden Medikamente zur Hand hat, hilft das Hochnehmen des Kindes in eine aufrechte Position», sagt Kinderarzt Jakob Maske. Das Liegen verstärkt den Effekt der Schleimhautanschwellung und der Verengung der Atemwege. Aus diesem Grund tritt das Kruppsyndrom häufig akut aus dem Schlaf heraus auf.

Wenn man das Kind hochnimmt, verändert sich die Durchblutung im Kehlkopfbereich. Das ist ähnlich wie bei einem Erkältungsschnupfen: Legt man sich hin, geht die Nase zu. Setzt man sich auf, geht sie nach einer Weile wieder auf und man kriegt wieder Luft.

«Wichtig ist es auch, das Kind zu beruhigen und mit ihm gemeinsam zu atmen», sagt Maske. «Oft merkt es dann, dass es eigentlich ganz gut Luft bekommt.» Außerdem könne man sich mit dem Kind ans offene Fenster stellen. Kalte Luft führt dazu, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen.
Es kommt zu einer Verminderung der Durchblutung und somit zum Abschwellen der verengten Atemwege. Oft hilft das schon und man muss mit dem Kind nicht zum Arzt.

Wenn die Maßnahmen zu Hause nicht helfen, sollte das betroffene Kind bei einem Arzt oder in der Notaufnahme einer Kinderklinik vorgestellt werden. Dort wird der gleiche Ansatz wie zu Hause verfolgt: Die Schleimhaut wird zum Abschwellen gebracht.

Dafür kommen meist zwei Medikamente zum Einsatz: Erstens eine Inhalation mit Epinephrin, einer Substanz, die die Gefäße sehr schnell sehr eng stellt und die Atemwege zum Abschwellen bringt. Mit der Inhalation überbrückt man den Wirkungseintritt der Steroide, die nach der Inhalation als Saft oder Zäpfchen verabreicht werden. Nach einer halben bis dreiviertel Stunde ist der Effekt der Steroide voll da und hält dann auch mehrere Stunden an: Die Schleimhaut schwillt weiter ab, der Entzündungsreiz geht zurück.

Häufig können betroffene Kinder im Anschluss an so eine Behandlung und nach einer gewissen Beobachtungszeit direkt wieder nach Hause entlassen werden. Wenn sich die Symptome aber nicht eindeutig bessern oder weitere Behandlungszyklen nötig sind, werden sie stationär aufgenommen. Die Behandlung dauert so lange, bis sie beschwerdefrei sind. Die meisten Kinder machen das Kruppsyndrom aber eher leicht durch. Schwerere Verläufe sind selten.

Übrigens können die Symptome eines Kruppsyndroms kaum mit den Symptomen verwechselt werden, die bei einer Covid-19-Erkrankung auftreten. «Wenn bei Kindern bei einer Corona-Erkrankung überhaupt Symptome auftreten», sagt Kinderpneumologe Christian Vogelberg, «dann – ähnlich wie bei Erwachsenen – Fieber und Husten.»

Der Husten, der im Zuge eines Krupps auftritt, klingt aber keinesfalls wie normaler Husten. Er ist unverkennbar und sehr auffällig. «Wenn ein Kind so etwas schon einmal gehabt hat, können sich Eltern in den meisten Fällen gut daran erinnern.» Und Eltern, die den Husten zum ersten Mal hören, werden sofort wissen, dass ihr Kind jetzt besondere Aufmerksamkeit und Zuneigung benötigt. In den meisten Fällen ist das Kruppsyndrom eine gut verlaufende Krankheit. Bei Unsicherheiten sollten Eltern mit dem betroffenen Kind aber trotzdem frühzeitig eine Kinderklinik aufsuchen. Auch und gerade dann, wenn ihr Kind bereits zum wiederholten Mal eine Kruppattacke erleidet. Ein Grund zur Beunruhigung besteht zwar in den meisten Fällen nicht. Aber sicher ist auf jeden Fall sicher.

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Reise

Fünf Gründe: Darum lohnt sich im Winter eine Reise nach Athen

Wer einen tollen Ausblick über Athen sucht, ist auf der Akropolis gut aufgehoben – sie thront hoch oben über den Dächern der Stadt. Foto: Verena Wolff/dpa

Von Verena Wolff
Athen (dpa) – Die Hauptstadt von Griechenland ist vieles: riesengroß, laut, quirlig, historisch und sehenswert. Die meisten Touristen kommen im Sommer nach Athen, oft auf der Durchreise auf eine der Inseln. Zwar haben viele Griechen im August frei und flüchten dann aus der Stadt, die einem Ofen gleicht. Trotzdem sind die Schlangen an den Sehenswürdigkeiten lang, für einen Restaurantbesuch empfiehlt sich eine Reservierung. Aber es geht auch anders.
Denn wesentlich entspannter geht es in der zweiten Jahreshälfte zu. Wenn die Temperaturen in Deutschland zur kalten Jahreszeit sinken, kehren auch die Athener in ihre Heimat zurück. Dann nämlich gehört Athen ganz den Griechen. Hier sind fünf Gründe, warum die Stadt auch im Winter attraktiv für Touristen ist.

  1. Es gibt kaum Schlangen an den Sehenswürdigkeiten
    Die Akropolis, die Museen, die Grabungen: Athen hat viele weltbekannte Sehenswürdigkeiten, die die jahrtausendealte Geschichte der historischen Stadt erzählen. Die Akropolis zum Beispiel mit ihrem Parthenon – der Tempel, Kirche und sogar Moschee in einem war – thront auf seinem strategisch günstig gelegenen Hügel über allem.

    Wer im Sommer den Weg zum Mittelpunkt der alten Stadt erklimmen will, muss viel Wasser dabeihaben, denn es geht ordentlich in die Höhe – und es ist heiß. In der warmen Jahreszeit liegen die Temperaturen hier oft bei mehr als 40 Grad. Endlich oben angekommen laufen dann Tausende Besucher gleichzeitig mit dem Handy vor dem Gesicht über die unebenen Wege.

    Der Tempel der Göttin Nike, gleich am Eingang mit den steilen Marmorstufen, das Erechtheion mit den sechs Frauenstatuen statt der sonst üblichen dorischen Säulen – all das kann man im Winter genauer und in Ruhe unter die Lupe und vor die Linse nehmen. Denn dann gibt es keine Spur von Touristenströmen.

    So wie in den Sommermonaten sah es hier in der Antike wohl nur alljährlich am 15. August aus. An jenem Tag, gleich dem katholischen Mariä Himmelfahrt, ging jeder Athener auf die Zitadelle, um Opfer zu bringen und Gebete zu sprechen. Zudem wurde dann eine große Party hoch oben über der Stadt gefeiert.
  2. Mehr Platz in den Museen
    Unweit des Eingangs zur Akropolis steht das Akropolismuseum, eröffnet im Jahr 2009. Dort befindet sich eine der weltweit größten und wertvollsten Sammlungen antiker griechischer Kunst. Und jede Menge Plexiglas-Fenster im Boden, die den Blick auf das verborgene Innere freigeben – denn wie so ziemlich alles in Athen ist das Neue auf den Ruinen des Alten aufgebaut.

    Im dritten Stockwerk des Museums steht ein rechteckiges Gebäude mit Stahlsäulen – genauso viele wie am antiken Parthenon. Auch das Gebäude ist genauso groß. Darin zu sehen sind zahlreiche Skulpturen, die Stirnseite des Parthenonfries sowie viele weitere Kunstwerke.

    Während im Sommer alle am Nachmittag in das klimatisierte Museum strömen, kann man im Winter in aller Ruhe die Statuen, die Farben und die uralte Geschichte auf sich wirken lassen. Das gilt nicht nur für das Akropolismuseum, sondern auch für das Archäologische Nationalmuseum, das Nationale Historische Museum, die frisch renovierteNationalgalerie oder das Goulandris-Museum für zeitgenössische Kunst.

    Das Goulandris-Museum geht aus der Stiftung von Basil und Elise Goulandris hervor, einem griechischen Ehepaar, das fast 50 Jahre lang zeitgenössische Gemälde, Skulpturen und Installationen gesammelt hat. Deren Ziel sei es immer gewesen, die Werke einmal in einem eigenen Museum auszustellen, sagen Kunstexperten.

    Zumindest ein Teil der üppigen Sammlung ist nun im Goulandris-Museum zu sehen. Von van Gogh und Chagall über Picasso und Miro hin zu zahlreichen griechischen Künstlern: Es gibt kaum einen großen Meister, der hier nicht mindestens mit einem Werk vertreten ist.
  3. Viel Zeit, um die kulinarische Szene zu entdecken
    Athen hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Kulinarik-Destination entwickelt – die Auswahl an Lebensmitteln und Restaurants ist riesig. Menschen, die gutes Essen und gute Weine schätzen, finden in Athen zahlreiche Tavernen, Gasthäuser und Geschäfte mit Spezialitäten vom Festland und den Inseln.

    Außerdem es gibt mehrere Markthallen, die sowohl Café und Restaurant als auch Supermarkt und Feinkostgeschäft in einem sind. Manchmal muss man genau hinschauen, um nicht vorbeizulaufen an den oft unscheinbaren Hauseingängen, die Cafés mit langer Tradition beherbergen.

    Um nichts zu verpassen, können Besucherinnen und Besucher sich zum Beispiel auch an Insider wie Carolina Doriti halten: Sie ist Köchin und kennt fast jeden, der im Varvakios-Markt Fisch oder Fleisch anbietet, Gewürze in der Straße Evripidou sowie Obst, Gemüse und Oliven ums Eck. Sie kann viel erzählen zur Wirkung verschiedener Olivenöle und weiß um die reiche Geschichte Griechenlands in Sachen Wein, Tsiporo, Ouzo sowie den Produkten aus Mastix, dem getrockneten Harz von Bäumen und Sträuchern, der ausschließlich von der Insel Chios kommt.

    In Carolina Doritis Workshops und Kochkursen können Besucherinnen und Besucher nicht nur jede Menge über griechisches Essen lernen, sondern es auch selbst kochen. Etwa den typischen Eintopf Yiouvarlakia mit Hackbällchen, die mit einer mediterranen Mischung aus Kräutern gewürzt werden. Oder die süße Nachspeise Halva, in die eine ordentliche Menge Olivenöl gehört. Auch können Doritis Gäste lernen, wie das leicht bittere Gemüse Stamnagathi so richtig gut schmeckt – nämlich erst mit süßen Granatapfelkernen.
  4. Die Stadt mit den Augen eines Einheimischen sehen
    Pangrati ist Alteingesessenen- und Hipster-Viertel zugleich – östlich des Syntagma-Platzes, der so etwas wie der zentrale Punkt in Athen ist. «Hier lebt eine bunte Mischung von Menschen», erzählt Spyridon Kagkas. Er führt Touristinnen und Touristen als offizieller Reiseführer durch sein Viertel – immer entlang verwinkelter Straßen und über zahlreiche belebte Plätze.

    Wirklich touristisch ist es in diesem Viertel nicht. Hier verirrt sich nur hin, wer etwa eine private Unterkunft gemietet hat. Oder eben, wer eine kostenlose Tour bei Spyridon Kagkas oder einer seiner Kolleginnen von «This is Athens» gebucht hat. Eine solche Tour gibt einen Einblick in das echte Leben in der griechischen Hauptstadt. Außerdem kennt Kagkas auch die besten Restaurants, Bars und Eisdielen.

    Und: Er macht einen Abstecher in den beliebten Sportpark des Viertels – von dem aus man einen herrlichen Blick über das alte Olympia-Stadion hat. Das Stadion wurde zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit auf den Ruinen des alten Stadions errichtet und bietet bis zu 60 000 Zuschauern Platz. Wie bei so vielen anderen Motiven der Stadt erstrahlt auch dort im Hintergrund die Akropolis.
  5. Ausflüge ins Umland
    Von der lebhaften Stadt ist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schnell im Umland und kann dort zum Beispiel ein paar Stunden am Strand verbringen – selbst bei kühleren Temperaturen. Die nahe gelegensten Strände sind Akti tou Iliou und Asteras Glyfada. Alternativ lohnt sich ein Ausflug zum Vouliagmeni-See, dessen warmem Wasser heilende Kräfte nachgesagt werden.

    Ein bisschen wie auf einer griechischen Insel fühlt man sich am Limanakia Vouliagmenis, einer Bucht, die von Felsen umgeben ist, und von den Athenern vor allem im Sommer frequentiert wird. Wer lieber auf Berge steigt, findet den Berg Ymittos nur rund eine halbe Stunde per Bus von der Stadt entfernt.

    Reiseziel: In Griechenlands Hauptstadt Athen leben rund fünf Millionen Menschen. Athen hat eine wechselhafte Geschichte und gilt als Wiege der Demokratie und Heimat großer Philosophen. In Athen gibt es ein Metro- und Bussystem, die Taxen sind günstig – doch um ein richtiges Feeling für die Stadt und ihre Viertel zu bekommen, lohnt es sich, viel zu Fuß zu gehen.
    Anreise: Verschiedene Airlines fliegen Athen mehrmals am Tag von verschiedenen deutschen Flughäfen aus an. Der Venizelos Flughafen ist rund 25 Kilometer von der Stadt entfernt. Eine Bahn verbindet ihn mit dem Stadtzentrum.
    Corona-Lage und Einreise: Griechenland ist derzeit als Hochrisikogebiet eingestuft (Stand Februar 2022). Erwachsene und Kinder über fünf Jahre müssen bei Einreise einen negativen PCR-Test oder Schnelltest eines anerkannten Testlabors vorlegen. Dabei darf die Probenentnahme beim PCR-Test nicht länger als 72 Stunden zurückliegen, beim Schnelltest sind es sogar nur 24 Stunden. Das gilt unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus. Zudem gilt für Reisende eine Online-Anmeldepflicht.
    Unterkunft: In Athen gibt es Hotels der verschiedensten Preisklassen, die überwiegend zentral liegen. Oft sind die Preise im Winter deutlich günstiger. Da kann es sich lohnen, nach einer Unterkunft Ausschau zu halten, die entweder einen Pool, eine Bar oder ein Restaurant auf dem Dach hat – denn der Ausblick über die Stadt und auf die Akropolis ist einzigartig.
    http://www.discovergreece.com

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Minderwertige Altkleider: Afrika wird zur «Müllkippe des Westens»

Tunis: Kunden schauen sich gebrauchte Kleidungsstücke auf einem zentralen Markt in Tunesiens Hauptstadt an. Foto: Cindy Riechau/dpa

Von Cindy Riechau, Kristin Palitza und Erich Reimann
Tunis/Accra (dpa) – Berge von T-Shirts, Jeans und Schuhen türmen sich auf wackeligen Tischen. Mit viel Ausdauer durchstöbern die Kunden an einem sonnigen Wintertag die gebrauchten Kleidungsstücke auf einem zentralen Markt in Tunesiens Hauptstadt. «Die Preise sind gut», sagt ein junger Mann aus Tunis, der regelmäßig hier auf dem sogenannten Fripe einkauft. Mal eine Jacke, mal ein paar T-Shirts. Die meisten Sachen kosten umgerechnet nicht mehr als drei Euro, einige sind für ein paar Cent zu haben. Manchmal gingen Sachen allerdings auch schnell kaputt, sagt der Tunesier und zeigt auf das Loch im Ärmel eines Pullovers.

Second-Hand-Klamotten sind in dem nordafrikanischen Land weit verbreitet. Tunesier mit T-Shirts einer deutschen Musikschule oder Sportvereins sind kein seltener Anblick. Denn in Tunesien landen auch viele gebrauchte Waren aus Deutschland. Nach UN-Angaben ist die Bundesrepublik einer der größten Exporteure von Altkleidern.

Mehr als eine Million Tonnen gebrauchte Textilien werden in Deutschland dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) zufolge jährlich für die Wiederverwertung gesammelt. Das sind über 15 Kilogramm pro Einwohner – mit steigender Tendenz.

Auch nach Ghana werden Unmengen gebrauchter Textilien aus westlichen Ländern verschifft. Die Wegwerfmentalität des Westens habe hier eine Umweltkatastrophe ausgelöst, sagt Sammy Oteng, Projektleiter der OR Stiftung in der Hauptstadt Accra, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie einsetzt.

Allein auf dem größten Second-Hand-Markt des Landes, Kantamanto, gingen wöchentlich 15 Millionen Kleidungsstücke ein. «Bei einer Bevölkerung von 31 Millionen Menschen kann man leicht ausrechnen, dass die Hälfte aller Ghanaer ein Kleidungsstück kaufen müsste», erklärt Oteng. «Das ist völlig unmöglich.» 40 Prozent aller ankommenden Altkleider seien außerdem zu alt oder zu schäbig, um wiederverwertet zu werden. Jeden Tag werden Oteng zufolge rund 70 Tonnen Textilien von Kantamanto auf eine Müllhalde am Ufer der Korle-Lagune in Accra abgeladen. Von dort werde die Kleidung oft in die Lagune geweht und ins Meer gespült. «Wir sind zur Müllkippe des Westens geworden.»

Der Trend zur billigen Wegwerfmode bereitet auch der Branche in Deutschland Sorgen. Synthetik-Fasern und Materialmixe sind laut BSVE inzwischen dominierende Bestandteile der Modeindustrie. Diese Stoffe ließen sich nur schwer wiederverwerten.

Auch in Chile kommen Unmengen an Altkleidern aus dem Westen an. Die Hügellandschaft der dortigen Atacama-Wüste wird inzwischen durch neue gigantische Berge ergänzt: Kleiderhaufen. Nahe der Stadt Alto Hospicio stapeln sich alte Hosen, T-Shirts und Pullover an dem trockensten Ort der Welt. In dem südamerikanischen Land würden rund 40 Prozent der ankommenden Textilien aussortiert und entsorgt, sagt der Umweltbeauftragte der Stadt, Edgar Ortega. Jeden Tag landeten so rund 20 Tonnen alter Klamotten in der Wüste.

Auch rund die Hälfte aller Sachen aus deutschen Altkleider-Containern oder kirchlichen Sammelstellen könne nicht weiter getragen werden, berichtet der Dachverband Fairwertung, in dem sich gemeinnützige Altkleidersammler zusammengeschlossen haben. Die Textilien ließen sich dann nur noch zu Putzlappen oder Rohstoffen verarbeiten – oder müssten entsorgt werden.

Nur rund fünf bis zehn Prozent der in Deutschland gesammelten Altkleider werden laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen am Ende an Bedürftige hierzulande weitergegeben oder in hiesigen Läden als Second-Hand-Ware weiterverkauft. Rund 40 Prozent der gesammelten Textilien werden in osteuropäische und afrikanische Länder verkauft. Der Export der Ware in afrikanische Staaten ist auch schon lange umstritten, weil die Flut an Billigware die einheimischen Textilproduzenten bedroht.

Vor ein paar Jahren versuchte sich eine Gruppe ostafrikanischer Empfängerländer – Kenia, Ruanda, Uganda und Tansania – mit einem Importstopp gegen die Einfuhr von Altkleidern zu wehren. Die USA drohten daraufhin, die Länder aus dem Agoa-Handelsabkommen hinauszuwerfen, das vielen afrikanischen Staaten zollfreien Zugang zum US-Markt gewährt. Nur Ruanda behauptete sich. Alle anderen machten einen Rückzieher.

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Aus Allen Staaten

Carpathia Jäger Wild Game Dinner – Taste the Great Outdoors!

Taste the great outdoors – the Carpathia Jäger wild game dinner is back!

Archiv: Oberjäger Bob Hammer and his lovely wife Betty
Bob Pstoka (r) won the 2020 King Shoot trap shooting competition.
Interestingly, his brother, Kurt Pstoka (l), took the king spot in the 2021 competition.
Archive: Fathers and sons (f.l.) – Smiling
faces on John and Adam Zeig and Pete and Paul Tittjung

By Monica T. Forest
Join the Jäger on March 12, 2022, for a delicious dinner, live band, complimentary wine tasting, and much more. More than a dinner, it’s a great way to spend an event filled evening with friends. Everyone is welcome!

Dinner includes three entrée meats: venison, wild boar and Carpathia’s famous Schnitzel along with other German specialties. Tommy Schober and the Sorgenbrecher play all night for great live music and entertainment. Speaking of entertainment, the Schwäbischer Männerchor will be singing. And, later in the evening, the Jäger have the best raffle around! The raffle Master of Ceremonies is one of the Jäger, but he’s also a true entertainer that gets a lot of audience participation. People have a blast shouting “Mix It Up!”

The Wild Game Dinner is celebrating two of the past years’ top shooters – who happen to be brothers! Bob Pstoka won the 2020 King Shoot trap shooting competition. Covid restrictions cancelled the celebration for Bob and his wife, Carolyn. Interestingly, his brother, Kurt Pstoka, took the king spot in the 2021 competition. So Kurt and his wife, Debbie, will be joining Bob and Carolyn for a joint celebration!

This year’s Wild Game Dinner is extra special. The Carpathia Jäger are finally getting the chance to celebrate their 50th anniversary. People still talk about the wonderful Jäger picnics from years past. And people still like to look at photos of the skits put on by the Jäger wives, bunny costumes and all! The styles change, but the friendships are still the same.

Honoring the past is important, but the Jäger are still moving forward today with outdoor activities for everyone. They meet monthly and shoot an air rifle league after every meeting. They have a summer archery league and summer trap shooting competitions with their friends from Leamington, Canada. The autumn brings pheasant hunts and the big trap shooting event of the year, the king shoot. Later in the season, many people hunt deer and have a good-natured buck pool. Then, in the winter, the Jäger participate in the winter trap league with our friends at Huron Pointe.

Today’s Jäger also sponsor a Jäger Youth Outdoor Day in the spring. The past few years, the Jäger have partnered with Cabela’s to include target shooting, archery and even a fishing pond! From little kids to college-aged young adults, it’s a great way to get outside and try something new. Funds from the wild game raffle support all these types of events. Stay in touch with the Carpathia Club event’s page for details and dates.

There’s another reason the Jäger hope you attend the Wild Game Dinner. After the world took a long break from seeing each other, this wild game dinner is a reason to get together with family and friends. The Jäger invite you to join them. Everyone is welcome. Whether on a hunt or around a campfire, spending time with new friends or old, there is something in human nature that only togetherness can fill.

Purchase tickets in advance for this popular event at 586-822-2366 mdosenberger@comcast.net or buy tickets online at http://www.carpathiaclub.com.

If you’re interested in more information on joining the Jäger group, contact Bob Hammer at rhammer39@gmail.com.

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Finale für den Königsstuhl – mehr Besucher am Kreidefelsen erwartet

Über Jahrhunderte lockte der Königsstuhl auf Rügen Besucher an. Nun steht die endgültige Schließung der Plattform des berühmten Kreidefelsens bevor. Die Verantwortlichen planen einen besonderen Abschluss.

Sassnitz: Besucher stehen auf der nur noch bis Ende April 2022 geöffneten Aussichtsplattform Königsstuhl an der Kreideküste der Insel Rügen. Um den 118 Meter hohen Kreidefelsen an der Ostsee zu schützen, sollen Besucher zukünftig auf einem ovalen 185 Meter lang Brücken-Rundgang über der Steilküste die Aussicht bewundern. Foto: dpa

Sassnitz (dpa) – Seit Jahrhunderten lockt Deutschlands wohl berühmtester Kreidefelsen Besucher an. Vor der endgültigen Schließung der Aussichtsplattform auf dem Königsstuhl auf Rügen Ende April rechnen die Verantwortlichen noch einmal mit mehr Andrang. «Das denken wir schon», sagte Franziska Prommer vom Nationalpark-Zentrum Königsstuhl. «Wir planen ja auch einen Ausklang auf dem Königsstuhl.»

Derzeit wird an einer neuen Aussichtsplattform – dem sogenannten Königsweg – gearbeitet. Sie soll an einem starken Mast hängend mehrere Meter über dem Kreidefelsen schweben. Vor allem der Weg über eine Erhöhung namens Königsgrab hin zur bisherigen Aussichtsplattform auf dem 118 Meter hohen Felsen sei von Erosion betroffen, sagte Prommer. Daher seien seit 2011 verschiedene Alternativen diskutiert worden. Im vergangen Jahr begannen dann die Arbeiten an der jetzt vorgesehenen Stahlkonstruktion. Der 185 Meter lange Rundweg soll noch in diesem Sommer eröffnet werden. Die Kosten für das Projekt werden auf mehr als 7,5 Millionen Euro beziffert.

Zuvor war die Schließung der bisherigen Plattform schon für Ende Februar vorgesehen. Derzeit werde für die Bauarbeiten aber weniger Platz benötigt, so dass Besucher noch bis Ende April zur Plattform gelangen könnten, sagte Prommer. Das Besucheraufkommen sei aktuell normal. «Man hat natürlich die Besucher, die jetzt kommen, weil sie davon gehört haben und das natürlich noch mal mitnehmen wollen.»

Zum Ausklang sollen Gäste in den letzten zwei Wochen die Gelegenheit erhalten, symbolisch Steine abzulegen, die auch nach der Schließung verbleiben, wie es hieß. In Anlehnung an «Der Wanderer über dem Nebelmeer» des Malers Caspar David Friedrich solle zudem eine Figur als Fotokulisse aufgestellt werden.

Zum Königsstuhl kommen nach Aussage Prommers jährlich normalerweise ungefähr 300 000 Besucher. Die erste bekannte Erwähnung des Königsstuhls stamme von 1584. Etwa im späten 17. bis 18. Jahrhundert habe der Tourismus eingesetzt.

Diskussionen gab es in der Vergangenheit um eine Treppe in der Nähe. Der bisherige Abstieg zum Strand war 2016 in Teilen beschädigt und abgebaut worden. Einen ähnlichen Vorfall gab es auch schon an anderer Stelle der Steilküste auf Rügen. Da Nationalpark und Umweltministerium bisher einen Wiederaufbau der Treppe ablehnten – auch unter Verweis auf die Gefahren – gab es mehrfach Proteste von Anwohnern und Rügenbesuchern.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

n.b. Rügen, found in the Baltic Sea, is Germany’s largest island
lockte an
– attracted
steht bevor – imminent
endgültige – final
Schließung – closure
Verantwortlichen – those responsible
Abschluss – closing
Kreidefelsen – chalk cliff
Aussichtsplattform – viewing platform
mehr Andrang – bigger rush
Ausklang – send off
schweben – swing
Erhöhung – elevation
betroffen – struck
vorgesehenen – intended
Stahlkonstruktion – steel construction
Rundweg – trail loop
eröffnet – opened
auf beziffert – estimated at
benötigt – required
gelangen – successfully reach
Besucheraufkommen – visitors coming up
Gelegenheit – opportunity
erhalten – have
Steine – stones
abzulegen – layer
verbleiben – remain behind
in Anlehnung an – in a nod to
Fotokulisse – photographic background
aufgestellt – set up
ungefähr – approximately
Erwähnung – mention
stamme – stems
eingesetzt – started up
Vergangenheit – past
Abstieg – descent
beschädigt – damaged
abgebaut – dismantled
ähnlichen – similar
Vorfall – occurrence
Steilküste – steep coastline
ablehnten – turned down
Verweis – reference
Gefahren – danger
mehrfach – multiple
Anwohnern – residents

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*