O5. Juni 2021 Selected Articles

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Aus Aller Welt

Erster Heuler der Saison in der Seehundstation Friedrichskoog

Der kleine «Lønne» wurde als Frühchen auf Sylt entdeckt. Nun wird das Jungtier als erster Heuler der Saison in der Seehundstation im schleswig-holsteinischen Friedrichskoog aufgepäppelt.

Friedrichskoog: Der Seehund Lønne wird mit Brei gefüttert. Am 26. Mai 2021 wurde das Tier als erster Heuler der Saison in den Aufzuchtbereich der Seehundstation Friedrichskoog umgesiedelt. Das Seehundbaby war Mitte Mai als Frühgeburt auf Sylt gefunden worden. Anschließend wurde es für die Aufzucht nach Friedrichskoog übergeben. Foto: dpa

Friedrichskoog (dpa) – «Lønne» ist der erste Heuler der Saison in der Seehundstation im schleswig-holsteinischen Friedrichskoog. Das Jungtier wurde am 11. Mai als Frühchen in List auf Sylt gefunden, wie die Seehundstation am Mittwoch mitteilte. Nach einem 14-tägigen Aufenthalt im Erholungsbereich unter einer Wärmelampe darf Lønne nun in den Aufzuchtbereich. Auf den jungen Seehund warten bereits weitere Spielgefährten, die ebenfalls neu aufgenommen wurden.

Ein Heuler ist ein von der Mutter verlassenes Seehundjunges, welches aus Hunger und Einsamkeit heult und ohne menschliche Hilfe nicht überleben würde. Die Jungtiere werden in der Seehundstation aufgepäppelt und auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Die durchschnittliche Aufzuchtzeit beträgt 70 Tage. In Friedrichskoog wurden letztes Jahr 236 Robben eingeliefert, darunter 199 Seehundheuler, wie eine Tierärztin der Station sagte.

Die Seehundstation ist seit Mitte Mai wieder für Besucher geöffnet, sie brauchen jedoch einen negativen Corona-Test.

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Sport

«Immer schön lächeln» – Japans fragwürdiger Neuanfang zu Olympia

Von Vorfreude auf Olympia ist in Japan keine zwei Monate vor dem geplanten Beginn der Spiele in Tokio nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die Probleme dauern genau wie die Corona-Pandemie an. Das spüren auch die freiwilligen Helfer. Dabei hatte Japan einen Neuanfang erhofft.

Tokio: Ein Mann protesitert mit einem Plakat mit der Aufschrift
“Cancel the Tokyo Olympics” gegen die Olympischen Spiele. Foto: dpa

Von Lars Nicolaysen
Tokio (dpa) – Ausländische Fans ausgesperrt, die Athleten im Olympischen Dorf wie eingesperrt und eine Bevölkerung, die überhaupt keine Lust auf sündhaft teure Spiele in Corona-Zeiten hat – Japans hochfliegender Traum von Olympia als nationaler Neuanfang droht zum Alptraum zu werden. Eigentlich wollte sich Japan als ein Land präsentieren, das die jahrzehntelangen wirtschaftlichen Folgen der gesellschaftlichen Überalterung überwunden und es wieder an die Spitze der Welt geschafft hat.

Doch der extrem spät und langsam angelaufene Impfprozess, die ständig nötige Verlängerung des Corona-Notstands, der zugleich den erstaunlichen Rückstand in Sachen Digitalisierung offengelegt hat – all das passt so gar nicht zum coolen Image, das Japan eigentlich der Welt vermitteln will.

Zwar werden Japans Olympia-Macher und das Internationale Olympische Komitee nicht müde zu versichern, dass die in weniger als zwei Monaten geplanten Spiele «sicher» und «geschützt» sein werden. Doch allen Beteuerungen zum Trotz halten sich Zweifel und Sorgen. Auch unter den zehntausenden Freiwilligen, die die größte Gruppe der Teilnehmer stellen. Sie wissen weniger als zwei Monate vor Beginn nicht einmal, ob sie auf Corona getestet, geschweige denn geimpft werden. «Darüber gibt es null Informationen», beklagt Barbara Holthus.

Die stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio hat sich als Freiwillige für die Spiele angemeldet. «Wir haben zwei Masken erhalten, sollen zu den Athleten zwei Meter und zu allen anderen Leuten einen Meter Abstand halten, unsere Hände desinfizieren und 14 Tage vor Beginn unserer Arbeit ein Tagebuch über unseren Gesundheitszustand führen. Das ist alles», erklärt Holthus der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. Und wer angesichts der schwülen Sommerhitze während der Spiele keine Maske tragen könne, für den reiche auch ein Plastikvisier vor dem Gesicht.

Die Deutsche, die seit Jahren in Japan lebt und forscht, kann über derlei «Schutzmaßnahmen» nur den Kopf schütteln. Während die 15 000 Athleten täglich Corona-Tests unterzogen werden, seien Tests für die Zehntausenden von Freiwilligen bislang «nicht auf der Agenda». Genauso wenig eine Impfung außerhalb der offiziell nach Alter festgelegten Reihenfolge. Ohnehin wird der größte Teil der japanischen Bevölkerung bis zu den Spielen noch nicht geimpft sein.

Zwar sind für die Athleten äußert strikte Verhaltensregeln vorgesehen, so strikt, dass das Olympische Dorf manchem schon wie ein Gefängnis anmutet. Das Heer der Freiwilligen ist derweil auf die öffentlichen Bahnen angewiesen. Und die sind in Tokio selbst während des Corona-Notstands hoffnungslos überfüllt. In den vergangenen Tagen haben denn auch wiederholt Ärzte vor den Risiken gewarnt, so auch davor, dass während der Spiele eine neue «Super-Mutante» aus dem Zusammentreffen der bisherigen Virus-Varianten entstehen könnte. Auch Holthus befürchtet, dass sich das Virus rasant ausbreiten könnte.

Dennoch gilt für sie und all die anderen freiwilligen Helfer die oberste Maxime: «Immer schön lächeln». Und das, obwohl jeder Maske tragen muss. «Das ist schon arg unsensibel», kritisiert Holthus. «Da fühlt man sich irgendwie auf den Arm genommen.» Medienberichten zufolge haben sich bereits rund 1000 Freiwillige zurückgezogen, aus Protest über frauenfeindliche Äußerungen des zurückgetretenen Olympia-Organisationschefs. Wenn sich die Lage nicht bessere, könnten noch mehr abspringen, so Holthus. Auch sie selber wisse noch nicht, ob sie am Ende teilnimmt. «Das hängt vom Infektionsgeschehen ab».

Dabei hatte Japans Regierung eigentlich gehofft, mit den Olympischen Spielen eine neue Kultur der Freiwilligenarbeit schaffen zu können, um nach dem riesigen Spektakel viele der sozialen Probleme des Landes beheben zu können. Freiwilligenarbeit wurde lange in Japan als eine Pflicht an der Gesellschaft beziehungsweise des Staates angesehen. Jetzt soll dagegen der Spaßfaktor in den Vordergrund rücken. Olympia sei ein cooles Erlebnis, bei dem man neue Leute treffe, die man in Japans festgefahrenen Strukturen sonst nicht kennenlernen würde.

Eine solche positive Olympiaerfahrung, so war bislang die Hoffnung der Regierung, würde in Zukunft mehr Bürger dazu bringen, sich auch für andere, weniger coole Aufgaben freiwillig einzusetzen. Und auf diese Weise zu einem stärkeren Zusammenhalt in Japans rasant alternder Gesellschaft führen, in der immer mehr Menschen allein leben. Ob dieser Wunsch des Staates in Erfüllung gehen wird, ist mehr als fraglich. Statt cool zeigt sich Japan Beobachtern derzeit eher von seiner alten, höchst bürokratischen Seite. «Ich fürchte, dass das Ganze noch zu einem Imageschaden führen könnte», meint auch Holthus.

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Feuilleton

Ausstellung «Spätgotik» zeigt künstlerische Wege in neue Zeiten

Ein Gemälde von Hans Multischer auf einem Flügel des Wurzacher Altars aus dem Jahr 1437. Das Werk in den Ausstellungsräumen der Gemäldegalerie wird bis zum 05.09.2021 gezeigt. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin (dpa) – Eine Kunstepoche durchgreifender Veränderungen steht im Zentrum der Ausstellung «Spätgotik. Aufbruch in die Neuzeit» in der Berliner Gemäldegalerie. Voraussichtlich bis zum 5. September zeigen rund 130 Leihgaben und zentrale Werke aus Beständen der Staatlichen Museen Berlin die umfassenden künstlerischen Entwicklungen der Übergangsphase zwischen Mittelalter und Neuzeit. Nach Museumsangaben ist es die erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum zur Kunst der Spätgotik.

«In dieser Zeit gab es im Grunde eine Medienrevolution vergleichbar der Einführung des Internets», erläuterte der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Michael Eissenhauer, vor Eröffnung der Ausstellung. Mit dem Buchdruck können sich Motivgestaltung und künstlerische Ansätze im 15. Jahrhundert deutlich schneller als zuvor verbreiten. In den häufig gattungsübergreifenden Darstellungen sind zunehmend Licht und Schatten zu entdecken, Körper und Raum werden mehr und mehr wirklichkeitsnah dargestellt, selbst religiöse Szenen bekommen ein weltliches Umfeld.

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Gesundheit

EU-Behörde: Farbstoff E171
im Essen nicht sicher

Viele Süßigkeiten enthalten Farbstoffe. Hierfür zugelassen ist bisher auch E171, eine Zutat, die Lebensmittel weiß färbt.  Foto: dpa

Parma (dpa) – Das als Farbstoff in vielen Lebensmitteln verwendete Titandioxid ist nach Einschätzung einer EU-Behörde wegen möglicher Krebsrisiken nicht sicher für den menschlichen Verzehr. Ihre neue Bewertung gaben die Fachleute der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bekannt.

Titandioxid, in der Zutatenliste oft E171 genannt, kann zum Beispiel in Kaugummi, anderen Süßigkeiten, Backwaren, Suppen und Salatsoßen stecken. Verbraucherschützer etwa von Foodwatch fordern seit einiger Zeit einen Verzicht auf den Stoff, der für weiße Farbe sorgt.

Die Experten der EU-Behörde fanden nach eigenen Angaben zwar keine abschließenden Beweise für eine toxische Wirkung von E171. Sie konnten aber negative Effekte auf das menschliche Erbgut in den Zellen und mögliche Krebsrisiken nicht ausschließen. Deshalb gaben sie die Empfehlung, Titandioxid als nicht mehr sicher zum Essen einzustufen. Die Behörde verhängte kein Verbot, sondern gibt ihre Studien an die Europäische Kommission und die 27 EU-Mitglieder. Brüssel und die Staaten können dann mit Vorschriften aktiv werden.

Die EFSA in Parma war in einer früheren Studie 2016 zu einem weniger strengen Schluss gekommen. Sie hielt damals mehr Forschung für erforderlich. Jetzt erläuterte der für Lebensmittelzusätze verantwortliche EFSA-Sachverständige, Maged Younes: „Unter Berücksichtigung aller verfügbaren wissenschaftlichen Studien und Daten kam das Gremium zu dem Schluss, dass Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher angesehen werden kann.“ Entscheidend gewesen seien Bedenken mit Blick auf die DNA, also das genetische Erbmaterial von Zellen. Zwar nehme man durch Essen nur wenig Titandioxid-Partikel auf: „Sie können sich jedoch im Körper ansammeln“, erläuterte der Experte.

Die EFSA habe ihre Sicherheitsbewertung auf Ersuchen der EU-Kommission neu geprüft, hieß es. Dabei seien zahlreiche Studien genutzt worden, die seit 2016 verfügbar geworden seien. So ging es etwa um Daten zu besonders kleinen Partikeln, sogenannten Nanopartikeln. Titandioxid enthalte bis zu 50 Prozent davon.

Titandioxid kann auch in anderen Produkten sein, etwa in Zahnpaste und Waschmittel. Um diese Waren ging es bei der Prüfung nicht. Für eine andere Produktgruppe, etwa für Farben, Lacken oder Mörtel, hatte die EU-Kommission 2019 erklärt, dass es für Titandioxid in Pulverform künftig einen Warnhinweis geben sollte. Dabei ging es um mögliche Krebsrisiken durch das Einatmen von Pulver.

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Reise

Oberösterreich: Besuch im Nationalpark Kalkalpen

Der Nationalpark Kalkalpen bietet wilde Natur und ist daher die Heimat vieler seltener Pflanzen- und Tierarten.  Foto: Verena Wolff/dpa

Von Verena Wolff
Steyr/Molln (dpa) – Echte Wildnis müssen Naturfreunde auch in den Alpen suchen. Im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich werden sie fündig. Hier wächst Urwald, der vom Menschen gänzlich unberührt geblieben ist.

Im Urwald im Nationalpark Kalkalpen ist ordentlich was los. Auf den ersten Blick mag das anders erscheinen, immerhin wachsen die Bäume an manchen Stellen seit Menschengedenken. Nie wurden sie gefällt, weil das Gebiet mit schweren Maschinen nicht zu erreichen ist. So durfte die Natur schon immer machen, was sie wollte. Und das tut sie vergleichsweise schnell.

Wanderer sehen das, wenn sie im Reichraminger Hintergebirge auf dem ausgeschilderten Weg unterwegs sind. Im Jahr 2002 gab es hier ein schlimmes Hochwasser, das Forststraßen und Tausende Bäume wegriss. Danach tat man – nichts. Die Bäume blieben liegen.

Auch heute, knapp zwei Jahrzehnte später, ist der Weg nur bedingt begehbar, Stämme versperren ihn. Neue Bäume haben Wurzeln geschlagen, es grünt überall. Platz zum Wandern ist nicht mehr viel.

«Die Natur hat sich dieses Gebiet zurückgeholt und das innerhalb kürzester Zeit», sagt Franz Sieghartsleitner, einer der Initiatoren des einzigen Nationalparks in Oberösterreich.

Noch beeindruckender sind die imposanten Buchenwälder der Kalkalpen mit Überresten eines alten Urwalds und Unesco-Weltnaturerbe. Seit Jahrhunderten hat dort kein Mensch einen Baum entfernt oder die Landschaft umgegraben. Pflanzen und Tiere waren sich selbst überlassen, entwickelten sich wie an wenigen anderen Orten.

Vor allem der Tierwelt gefällt die Einsamkeit im Nationalpark, wie Christian Fuxjäger erklärt. Er ist für die großen Tiere zuständig, behält die Arten im Auge. Sechs Luchse sind es im Nationalpark, außerdem Steinadler, Auerhähne und Fischotter. Und natürlich das Schalenwild, doch das wird nicht so genau beobachtet.

Fuxjäger hat im Park Fotofallen installiert, in die vor allem die Luchse immer wieder hinein tapsen. Die Raubkatzen mit den markanten Pinseln auf den Ohren kamen im Nationalpark nicht natürlich vor, sie sind aus der Schweiz nach Oberösterreich umgesiedelt worden – von Fuxjäger selbst. «Ich erkenne jeden unserer Luchse an seinen Fellflecken», sagt er. Denn die sind einzigartig.

Aktuell machen die großen Katzen ihm etwas Sorgen. «Wir warten vergeblich auf Nachwuchs», sagt der Experte. Woran das liegt, ist unbekannt und wird untersucht. Fuxjäger hofft trotzdem, dass er bei der Auswertung seiner Fotofallen zufällig auf junge Luchse stößt.

Im Liebesleben des Rotwilds ist offenbar mehr los. Den Eindruck kann jedenfalls bekommen, wer im Herbst gegen Abend unterwegs ist. Die röhrenden Hirsche in der Brunft sind von weither zu hören.

Berufsjäger und Ranger Michael Kirchweger, der im historischen Forsthaus Bodinggraben lebt, berichtet gar von schlaflosen Nächten, wenn die Hirsche mit lauter, tiefer Stimme um die Damen werben. Wenn die Dämmerung sich langsam über Wälder und Weiden senkt, dann sind die Hirsche aktiv. Vom Bodinggraben können Besucher des Nationalparks mit einem Ranger eine Wanderung unternehmen und noch mehr über das Paarungsverhalten des Rotwilds erfahren.

Sind die Hirsche eher träge, locken die Ranger sie behutsam aus der Reserve – mit einem großen Rohr, das die Rufe nachahmt.
Abseits solcher Spektakel ist der Nationalpark Kalkalpen vor allem Wildnis. Kalk und Dolomit sind das vorherrschende Gestein, unter der Erde liegen Höhlen, Seen und Schächte. Hier steht die älteste Buche des Alpenraums, 568 Jahre soll sie im Stamm haben. Und hier befindet sich das längste natürliche Bachsystem der Nördlichen Kalkalpen mit mehr als 800 Quellen. Der Park kommt auf 17 000 Tierarten, darunter allein 17 Fledermausarten. Urforellen leben hier, die Luchse und Steinadler, seltene Waldvögel wie Weißrückenspecht, Sperlings- und Raufußkauz und Zwergschnäppe. Und 1560 Schmetterlingsarten.

Der Nationalpark zählt zudem 30 Waldtypen mit verschiedenen Baumarten. Neben den Urwaldresten sind da etwa alte Buchenwälder, der Schneeheide-Kiefernwald oder der Gebirgsauwald.

Früher war das Holz wichtig für die sogenannten Schwarzen Grafen: Sie brauchten es, um das Eisenerz aus der Region zu Sensen, Sicheln, Nägeln, Messern und Waffen zu schmieden. Holzknechte und Flößer brachten das Holz aus dem schier unendlichen Bestand des heutigen Nationalparks auf dem Wasserweg nach Reichraming und Steyr.

«Die Schwarzen Grafen waren die Besitzer der Sensenwerke», klärt Rangerin Iris Egelseer auf. Sie waren wohlhabend und hatten einen guten Stand in der Bevölkerung. Wohl auch, weil sie selbst jeden Tag am Sensenhammer arbeiteten und dabei schmutzig wurden.

Einen Einblick in dieses Leben der vorvergangenen Jahrhunderte gibt das Freilichtmuseum Schmiedleithen bei Leonstein. Ein Themenrundweg führt zu dem denkmalgeschützten Ensemble mit Herrenhaus, Werkstätten, Stallungen, Gärten und Bauernhof. Die Arbeit der Sensenmacher ist genauestens dargestellt. Wer viel Glück hat, trifft einen Nachfahren der Schwarzen Grafen, die noch immer in dem Anwesen leben.

Wie beschwerlich und gefährlich das Leben der Flößer war, ist in einigen der Schluchten im Nationalpark zu erahnen. Rund 500 Jahre lang war die «Holztrift» im Hintergebirge üblich. Über sogenannte Holzriesen rutschten die Stämme zu Tal. Klausenbauwerke stauten die Bäche auf. Wurden sie geöffnet, schwamm das Holz mit dem Hochwasser.

42 dieser Klausen gab es zu Boomzeiten auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks. Holzknechte, die über Monate in einfachen Hütten im Wald wohnten, begleiteten die Ware auf teils extrem gefährlichen Triftsteigen. Zunächst löste eine Waldbahn diese Art des Holztransports ab, später errichtete man Forststraßen.

Heute ist der Nationalpark in erster Linie ein Rückzugsort für Mensch und Tier. Und ein einzigartiger Lebensraum, in dem sich die Natur ungestört ausbreiten und erneut zum Urwald werden darf.

Reiseziel: Der Nationalpark Kalkalpen ist mit 20 850 Hektar Fläche der zweitgrößte der sechs österreichischen Nationalparks. Er liegt im Bundesland Oberösterreich an der Grenze zur Steiermark und zu Niederösterreich.
http://www.kalkalpen.at
Einreise und Corona-Lage: Seit dem 19. Mai sind die Corona-Restriktionen in Österreich weitgehend aufgehoben werden.
Benötigt wird dann ein negativer Corona-Test oder der grüne Pass als Impfnachweis.

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Mode als Spiegel: Warum wir gerade fröhliche Outfits tragen

In die Welt des Hip-Hops und der Comics abtauchen: Dieses kastige Oversize Hemd von Asos Design besteht aus glänzendem Satinstoff (ca. 40,00 Euro).
Foto: Asos Design/dpa

Von Andrea Abrell
Frankfurt/Main (dpa) -Die aktuelle Mode ist farbenfroh, und das trotz des Pandemieblues. Smileys, Comics und bunte Figuren zieren Shirts und Pullover – und heben so unsere Stimmung.
An grauen Tagen geht der Griff tendenziell eher zu unauffälligen, gar dunklen Kleidungsstücken.
Das spiegelt oft die Laune wider. Doch es gibt auch diese Momente: Morgens entscheidet man sich trotz allem ganz bewusst für ein farbiges Outfit, um sich selbst etwas Gutes zu tun.
Deshalb sind Smileys, lustige Comicfiguren und kunterbunte Blumenmuster gerade ein Modetrend. Wir leben schließlich in einer bitterernsten Pandemie.

«Klar ist: Die Zeiten sind aktuell für die meisten Menschen eher schwierig. Da setzt dieser Modetrend ganz bewusst ein Zeichen zu mehr Optimismus und Fröhlichkeit», erklärt der Stilberater Andreas Rose aus Frankfurt. «Das gilt nicht nur für die Trends, die man jetzt in den Läden findet. Das war auch schon auf den internationalen Laufstegen der Top-Designer so.»

Trendsetter tragen fröhlich-kindliche Mode
Vor kurzem war das noch unvorstellbar, vor allem bei den Stilbewussten. «Es ist noch gar nicht lange her, dass kindlich-naive Modeideen verpönt waren – wer sie trug, wurde nicht wirklich ernst genommen», so Trendexperte Rose. «Das allerdings war typisch deutsch, in anderen Ländern gab es dieses Phänomen gar nicht.»

Mittlerweile aber habe sich das auch hierzulande geändert. Denn die fröhlich-kindliche Mode sei für so manchen Modefan und Trendsetter auch ein Stück Rebellion gegen allzu großen Ernst im Alltag.

Gesellschaftliche Stimmungen und Mode hängen immer zusammen. «Mode ist einerseits Ausdruck der eigenen Identität, andererseits aber auch der Gesellschaft, in der wir leben», erläutert Kommunikationspsychologe Prof. Carlo Michael Sommer aus Darmstadt. «Denn es geht nicht nur darum, darzustellen, wer wir sind, sondern auch darum, wie andere uns sehen. Kleidung hat immer auch eine klare Botschaft.» Allerdings funktioniere diese Botschaft nicht über eine Modesaison, sondern sei eine langfristigere Angelegenheit.

Das wohl berühmteste Beispiel von gesellschaftlichen Begebenheiten und Mode ist «die Länge der Röcke im Kontext zur wirtschaftlichen Entwicklung», sagt Modeexperte Rose. Danach werden die Röcke kürzer, wenn die Wirtschaft einen Aufschwung verzeichnet – und vice versa.

Diese sogenannte Rocksaumtheorie des Ökonomen George Taylor aus den 1920er Jahren ist mittlerweile durch empirische Untersuchungen belegt worden, auch wenn die Entwicklung einen gewissen Zeitraum braucht, um zu greifen. Daher steht die Vermutung im Raum: Smileys, Blumen- oder bunte Punktemuster sowie alles andere Fröhliche könnten in nächster Zeit verstärkt in die Entwürfe der Designer eingehen und auch entsprechend vermehrt gekauft werden.

Tragbar ist das allemal. «Allerdings nicht jedes Stück», findet die Stilexpertin Andrea Lakeberg aus Berlin. «So funktionieren im Businesslook T-Shirts mit frechen Sprüchen überhaupt nicht.» Ein allgemein fröhliches Motiv auf dem Shirt zu einem klassischen Business-Anzug – bei Frauen dazu Pumps – seien eine Möglichkeit für den Arbeitstag, so Lakeberg.

Im Privatleben dagegen darf das Outfit ruhig lässiger ausfallen. Zumal sich im vergangenen Jahr viele Menschen im pandemiebedingten Homeoffice modisch grundsätzlich verändert haben.
«Und sie sind dabei experimentierfreudig geworden», sagt Lakeberg. «Gerade mit kindlich-fröhlichen Trends kann man da viel machen.» Ein schönes Beispiel von der Einkaufsberaterin ist die Kombination aus Tüllrock, Motiv-Shirt und Lederjacke.

Trotzdem sollte man auch in der Freizeit immer ein wenig auf die Gesamtwirkung Outfits achten. Und zwar so, «dass man unterm Strich nicht aussieht wie eine Vierjährige», so Lakeberg. «Wer also noch unsicher ist, ob dieser Look wirklich zu einem passt, versucht es besser erstmal mit wenigen Stücken.»

Und mit Haltung. Denn, so betont Lakeberg weiter: «Wer fröhlich-kindliche Stücke mit Selbstbewusstsein und einem gewissen Augenzwinkern trägt, wird auch ernstgenommen.»

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Aus Allen Staaten

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WOCHENPOST-Wortschatz

Selected Articles with helpful translations for those less comfortable with the German language

Saison für Flößer fällt erneut aus

Zu Pfingsten wird in Sachsen traditionell angeflößt. Das Spektakel lockt Tausende Schaulustige an. Doch dieses Jahr ist der Saisonstart ausgefallen. Corona ist dabei nicht die einzige Sorge, die die Muldenberger Flößer umtreibt. Trotzdem verfolgen sie große Pläne.

ARCHIV – 07.05.2016, Muldenberg: Besucherandrang 2016 beim Saisonauftakt der sächsischen Flößer in Muldenberg im Vogtland. Die Muldenberger sind der einzige Flößer-Verein in Sachsen; das Dorf wurde im 16. Jahrhundert eigens wegen dieses Handwerks angelegt Foto: dpa

Muldenberg (dpa) – Die künstlich angelegten Wassergräben gelten inzwischen als technisches Denkmal. Jahrhundertelang wurde hier Brennholz aus Wäldern im Vogtland weiter in Bäche und Flüsse geleitet. Das Ziel waren Städte wie Leipzig und Halle, wie Bernd Kramer vom Vogtländischen Flößerverein Muldenberg sagt.

Eigentlich sind die Flößer um Pfingsten in Aufbruchstimmung. Doch Flößerfeste, verschiedene Treffen und das Schauflößen, bei dem das traditionelle Handwerk der Öffentlichkeit präsentiert wird, fallen coronabedingt aus. Das zweite Jahr in Folge ist auch das Flößerfest mit 4000 Besuchern in Muldenberg als dem 1. Flößerdorf Deutschlands betroffen.

Dabei wollen die Flößer bald Immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden. “Wir vermitteln ein Handwerk, das lebendig erhalten werden muss. Das Erbe muss in Aktion gezeigt werden”, sagt Kramer.

2022 hoffen die Flößer aus Deutschland zusammen mit Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien als Immaterielles Erbe der Menschheit durch die Unesco anerkannt zu werden, wie Martin Spreng als Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung in Altensteig (Baden-Württemberg) sagt. Das hat die Bundesrepublik kürzlich der Unesco vorgeschlagen.

Schon die Ernennung zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands 2014 habe Rückenwind gebracht, erzählt Spreng. “Örtliche und staatliche Stellen scheinen aufgeschlossener für unsere Probleme zu sein.” Denn das Wissen um das alte Handwerk geriet in Vergessenheit. Erst als 1992 die Deutsche Flößerei-Vereinigung entstand, wurde laut Spreng das Bewusstsein der Öffentlichkeit für dieses Traditionshandwerk wieder geweckt.

“Die Pandemie hat unser Vereinsleben lahmgelegt. Aber danach soll es wieder Aktionen in Schulen und Flößertage geben”, versichert er. “Wir wollen die Begeisterung für die Flößerei an die nächsten Generationen weitergeben.” Aber schon zuvor habe es Probleme gegeben. Der Klimawandel mit niedrigen Wasserständen verhindere Floßfahrten und Vorführungen. Umgebaute Gewässer und zunehmende Vorschriften für deren Benutzung machten es den Flößern ebenfalls schwer.

Die Deutsche Flößerei-Vereinigung ist Dachverband von 35 Mitgliedsorganisationen. Darunter sind Spreng zufolge fünf Städte, die eine Flößertradition haben, und 30 Flößervereine. Die Flößer aus Muldenberg bilden den einzigen sächsischen Verein.

Auch in der Internationalen Flößerei-Vereinigung, in der Bernd Kramer neben seinem Muldenberger Verein die Präsidentschaft übernommen hat, gibt es Probleme. “Einige können den aktuellen Jahresbeitrag nicht bezahlen.” Hauptgrund für die klammen Kassen seien die weggefallenen Flößerfeste vor Ort. 38 internationale Flößereivereine seien in der Vereinigung unter anderem aus Deutschland, Tschechien und Lettland.

Sein Muldenberger Verein sei der einzige, der die sogenannte Brennholzflößerei nachstelle. Dabei seien früher die kleinen Holzscheite durch die Wassersysteme in fern gelegene Orte gekommen.

Gezeigt wird das uralte Handwerk normalerweise mit originalem Werkzeug. Bäume fällen und zerkleinern inklusive. Der Untergang der Flößerei kam im 19. Jahrhundert. “Das Holz verlor seine Bedeutung als wichtigster Brennstoff”, erläutert Kramer. Die Vereine würden alles tun, um ehrenamtlich dieses Erbe lebendig zu halten. “Im Moment liegen Freud und Leid bei unserer Arbeit eng beieinander”, sagt Bernd Kramer.

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

Flößer – timber raftsmen
lockt an – attracts
Schaulustige – curiosity
ausgefallen – didn’t take place
umtreibt – bothers
verfolgen – pursue
künstlich – artificially
angelegten – constructed
Wassergräben – ditches
Denkmal – monument
Brennholz – firewood
Bäche – brooks
Ziel – destination
Pfingsten – Pentecost; Whitsunday
Aufbruchstimmung – mood to start
Schauflößen – demonstration timber rafting
bedingt – required
in Folge – in succession
betroffen – affected
Immaterielles – intangible
vermitteln – impart
anerkannt – recognized
vorgeschlagen – proposed
Ernennung – appointment
Rückenwind – tailwind
Stellen – sites
aufgeschlossener – unlocked
geriet in Vergessenheit – fell into oblivion
Bewusstsein – consciousness
lahmgelegt – paralyzed
Aktionen – campaigns
versichert – assures
Wasserständen – water levels
Vorführungen – demonstrations
umgebaute – reconstructed
Vorschriften – regulations
Dachverband – umbrella organization
Jahresbeitrag – annual dues
nachstelle – recreates
Untergang – fall
ehrenamtlich – honorary
Erbe – inheritance
lebendig zu halten – to keep alive

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

*Note: Previous selections can be found in the Archives section of the site.*