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Aus Aller Welt

Protein-Pudding und Co: Was es mit dem Eiweiß-Hype auf sich hat

Lebensmittel werden immer öfter mit Protein angereichert. Versprochen werden Fitness, Muskeln und purzelnde Pfunde. Ist das die Ernährung der Zukunft oder alles Quark – beziehungsweise Pudding?

Körniger Frischkäse und ein Schokoladen-Pudding mit besonderem Protein-Gehalt. Lebensmittel werden immer öfter mit Protein angereichert. Versprochen werden Fitness, Muskeln und purzelnde Pfunde. Ist das die Ernährung der Zukunft? Foto: dpa

Von Gregor Tholl
Berlin (dpa) – Eiweißbrot und Protein-Pudding: Der Markt für extra eiweißreiche Produkte wächst. Was früher nur Bodybuilder für den Muskelaufbau suchten, ist zum Trend in Supermärkten und Discountern geworden. Es scheint vielen nicht mehr zu reichen, Eiweiß mit natürlich proteinreichen Lebensmitteln zu sich zu nehmen. Der Markt für angereicherte Nahrung wächst. Vor allem spezielle Milchprodukte profitieren. Sie werben gern mit gestählten Frauen und Männern.

Ihren Anfang hatte die Welle Branchenkennern zufolge wie so vieles in der Ernährung in Skandinavien. Vorreiter war demnach die schwedisch-dänische Molkereigenossenschaft Arla («Arla Protein»).

Das Magazin «Vice» lästerte schon vor einigen Jahren: «Hört einfach mal einer Unterhaltung unter Männern um die 20 zu, und ich wette, dass sie spätestens nach ein paar Minuten auf ihre tägliche Eiweißmenge zu sprechen kommen.» Stiftung Warentest und Ernährungswissenschaftler halten natürliche Produkte wie Magerquark für ausreichend.

Ehrmann als eine der größten Molkereien Deutschlands lancierte vor etwa zwei Jahren seine Produktreihe «High Protein». Dazu gehören inzwischen fünf Puddingsorten, sechs Joghurtsorten und Joghurtdrinks.

Noch in diesem Frühjahr sollen mehr fruchtige Drinks, Kefir und weitere Neuprodukte auf den Markt kommen. «“Ich kann was naschen und muss mich nicht geißeln, es ist aber auch noch funktional, hat weniger Fett und ist kalorienärmer”» sei die Aussage vieler Kunden, heißt es bei der Firma. «Viele Frauen essen den Protein-Schokopudding auch als Mahlzeit.» Es sei ohne Laktose, ohne Zucker und glutenfrei.

Ehrmann brachte seinen eiweißangereicherten Pudding 2017 zunächst in Nordeuropa raus. In Finnland und Schweden habe es viel positives Echo gegeben. 2018 habe man dann bei erstmal nur einigen Supermärkten in Deutschland den Pudding in die Regale gestellt. Auch wenn der High-Protein-Pudding um einiges teurer als der klassische Pudding ist, läuft der Absatz. Mittlerweile verkaufe Ehrmann mit dem Protein-Pudding bereits etwa ein Drittel der Menge seiner Grand-Dessert-Puddings, die deutsche Marktführer seien, heißt es bei der Firma.

Eiweißreiche Kost vermarktet auch die Marke Foodspring, die nach eigenen Angaben inzwischen in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Finnland, Schweden, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich aktiv ist und 2013 gegründet wurde. «Die Kernzielgruppe von Foodspring umfasst 18- bis 34-jährige Sportler, Fitnessbegeisterte und all jene, die auf eine gesunde Ernährung achten wollen», heißt es vom Unternehmen in Berlin. Bestseller sei das Whey Protein (Molkenprotein).

Immer mehr Menschen entdeckten die Vorzüge einer eiweißbetonten Ernährung bei Muskelaufbau, Körperfettreduktion, sportlichem Erfolg und körperlicher Leistungsfähigkeit. «Die Erkenntnis darüber und der Faktor, dass Eiweiß lange sättigend ist, machen es so beliebt.»

Die Stiftung Warentest widmete sich vor kurzem in ihrer Zeitschrift «test» (Ausgabe 2/2020) dem Thema «High-Protein-Produkte» und checkte 13 von ihnen – darunter Brot, Pudding und Skyr (eine Art fettarmer, eiweißreicher Frischkäse, der als isländisch und In-Produkt gepriesen wird). Angaben wie «hoher Proteingehalt» oder «eiweißreich» dürfen Lebensmittel laut EU-Recht demnach tragen, wenn mindestens 20 Prozent der Energie aus Proteinen stammen. Die Vorgabe erfüllten alle 13 Produkte – zum Beispiel weil sie eigens mit Milcheiweiß versetzt waren. Einige Produkte waren laut Stiftung aber kalorienreicher als ihr Gegenstück ohne Extra-Eiweiß, in erster Linie das Eiweißbrot, was von besonders fetten Ölsaaten wie Sesam oder Leinsamen komme.

Das Fazit als «Ernährungstipp der Stiftung Warentest» lautete: «Magerquark ist preisgünstiger und liefert ähnlich viel Eiweiß wie proteinangereicherte Milchprodukte. Auch Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sind gute Eiweißquellen.»

Und das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) wird noch deutlicher: «Für die meisten gesunden Menschen macht es wenig Sinn, mit Proteinen angereicherte Produkte zu essen, da sie ausreichend mit Eiweiß versorgt sind. Außerdem sind Lebensmittel mit zugesetztem Eiweiß nicht automatisch gesünder. Häufig enthalten sie viel Fett oder Zucker und/oder diverse Zusatzstoffe. Deshalb empfiehlt es sich, ganz genau auf der Zutatenliste zu schauen, was in dem Produkt steckt.»

Wochenpost – STICHWÖRTER– TRANSLATION

was…sich hat – what’s the fuss
angereichert – enriched
purzelnde Pfunde – weight loss
Quark – cottage cheese-like product
Eiweiß – egg white; protein
werben – advertise
gestählten
Branchenkennern – industry experts
Vorreiter – pioneer
Molkereigenossenschaft – dairy co-op
lästerte – blasphemed
wette – bet
Stiftung – non-profit company
Warentest – similar to Consumer Reports in the U.S.
Ernährungswissenschaftler – nutrition scientists
ausreichend – sufficient
Ehrmann – proper noun of a large dairy producer
lancierte – launched
Produktreihe – product line
Frühjahr = Frühling – spring
fruchtige – fruity
naschen – snack on
sich geißeln – beat myself up
kalorienärmer – lower in calories
Absatz – sales (volume)
Menge – quantity
Marktführer – market leader
Kost – food
vermarktet – marketed by
Marke – trademark
Kernzielgruppe – target market
umfasst – comprises
Vorzüge – advantages
eiweißbetonten – with an emphasis on protein
sättigend – satiated
gepriesen – lauded
Ölsaaten – seed-based oils
Leinsamen – linseed
Fazit – result
Hülsenfrüchte – legumes
Samen – seeds
zugesetztem – added
Zusatzstoffe– artificial additives
Zutatenliste – list of ingredients

Trans: Barbara Weidendorf, B.A., M.A.

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Sport

Playoffs, Eil-Modus oder Englische Wochen: Szenarien für den Fußball

Von Miriam Schmidt
Berlin (dpa) – Der Fußball sucht Wege aus dem Terminchaos. Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Zeitpläne in den nationalen Ligen, im Europapokal und für die Nationalmannschaften durcheinander gewirbelt. Für eine Fortsetzung der Saison gibt es verschiedene Szenarien. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wann kann überhaupt wieder gespielt werden?
Offiziell ausgesetzt ist der Spielbetrieb in der Bundesliga bislang mindestens bis zum 2. April. «Wir gehen davon aus, dass vor Mai nicht gespielt wird», sagte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry der «Süddeutschen Zeitung». Die Liga hofft, die Saison dann zumindest ohne Zuschauer fortsetzen zu können. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit prognostizierte dem Fußball zuletzt allerdings eine monatelange Pause. «Ich gehe fest davon aus, dass es erst wieder im nächsten Jahr stattfinden kann in dem Umfang», sagte er im NDR. In der Woche ab dem 30. März wollen sich die Vereine erneut abstimmen.

Bis wann muss die Saison beendet sein?

Eigentlich gilt der 30. Juni als Schlusspunkt der Saison, Verträge werden bis zu diesem Datum gehandelt. Doch in der Corona-Krise könnte auch im Juli noch gespielt werden. «Wir wissen, dass wir den Juni und theoretisch sogar bis in den Juli hinein planen können», sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert. Auch die Europäische Fußball-Union kündigte bereits Pläne für den «späteren Abschluss der Saison 2019/20» an. Filbry dagegen bezeichnete eine solche Verlängerung als «nicht realistisch».

Welche Szenarien für die Bundesliga werden diskutiert?
Die Verlegung der EM in den Sommer 2021 verschafft den nationalen Ligen zusätzlichen Spielraum. Dennoch könnte die Bundesliga auf ein Zeitproblem zusteuern – je nachdem, wann wieder gespielt werden kann. Die Fans müssen sich wohl auf Geisterspiele einstellen, die Spieler auf deutlich kürzere Pausen zwischen den Partien.

«Da gibt es unterschiedliche Szenarien», sagte Sportdirektor Max Eberl von Borussia Mönchengladbach der «Rheinischen Post» zur Frage der Fortsetzung der Saison. «Wir sind zu allem bereit, zum Beispiel dazu, dass Spiele in sehr kurzer Reihenfolge kommen können.» Die folgenden Szenarien für die Bundesliga sind aktuell im Gespräch:

LIGA IM EM-MODUS: Laut einem Medienbericht könnte die Saison im Modus eines EM-Turniers an festen Spielorten in kurzer Zeit zu Ende gespielt werden. Im Rahmen ihrer Überlegungen prüfe die DFL mehrere Austragungsorte in allen Regionen des Landes, an denen dann mehrere Partien pro Tag angesetzt würden, berichtete der «Sportbuzzer».

EIL-FINALE: Auch ein Saisonende mit allen neun verbleibenden Spieltagen innerhalb von 16 Tagen soll dem Bericht zufolge eine mögliche Option sein. Dabei würden in diesem Zeitraum täglich Spiele stattfinden, die Teams müssten alle zwei Tage antreten.

ENGLISCHE WOCHEN: Mit einer Reihe englischer Wochen und Spiele im Drei-Tage-Rhythmus ließe sich die Bundesliga-Saison ebenfalls in einer relativ kurzen Zeitspanne zu Ende spielen. Etwa vier Wochen müssten für die neun Spieltage eingeplant werden – vorausgesetzt, es finden dann keine Europapokal-Spiele unter der Woche statt.

Was wird aus den Europapokal-Wettbewerben?
Sowohl die Champions League als auch die Europa League stecken im Achtelfinale fest und wurden von der UEFA vorerst ausgesetzt. Bislang waren die Endspiele für den 27. und 30. Mai vorgesehen. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich nun mit der Fortführung. Diskutiert werden mehrere Szenarien, etwa verkürzte Viertelfinals ohne die sonst üblichen Hin- und Rückspiele oder Final-Four-Turniere in den Finalstädten. Ein Grundproblem wären jedoch die möglicherweise weiter geltenden Reisebeschränkungen für Mannschaften und Fans.

Welche Rolle spielen die Nationalmannschaften?
Sowohl die geplanten Testspiele gegen Spanien und Italien als auch die EM sind für Bundestrainer Joachim Löw und seine DFB-Auswahl zunächst gestrichen. Nachgeholt werden könnten die für den März vorgesehenen Testspiele wie auch die noch ausstehenden EM-Playoffs im Juni – und würden den Zeitplan damit zusätzlich verkomplizieren.

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Feuilleton

Abmontierte Liebesschlösser
als Kunstinstallation in Paris

Eine etwa drei Meter hohe Installation mit dem Titel «Chez Nous» von Carmen Mariscal. Die Vorhängeschlösser stammen von den beiden Brücken Pont des Arts und Pont de l’Archevêché.
Foto: Courtesy Chez nous project/dpa

Paris (dpa) – Liebe, Verbindlichkeit, Gefangensein, Schutz – die Installation der französisch-mexikanische Künstlerin Carmen Mariscal in Paris ist vieldeutig. Aus abmontierten Liebesschlössern hat sie eine drei Meter hohe Installation geschaffen, die zugleich an ein Haus und ein Gefängnis erinnert. Mit ihrer Arbeit will Mariscal das Haus als psychischen Raum analysieren und die Liebe als ein Verbunden- und Gefangensein hinterfragen. Mariscal, 1968 in Kalifornien geboren, lebt und arbeitet in Paris.

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Gesundheit

Von Licht bis Ginseng: Tipps gegen das Mittagstief

Irgendwann kommt bei vielen Menschen das berüchtigte Mittagstief. Dann gibt es verschiedene Tipps und Tricks, die auf lange Sicht oder ganz kurzfristig neue Energie bringen. Foto: dpa

Von Sabine Meuter
Regensburg/Berlin (dpa) – Direkt nach dem Kantinenschnitzel oder erst am Nachmittag: Irgendwann kommt bei vielen Menschen der berüchtigte tote Punkt. Bleierne Müdigkeit lässt dann die Augenlider schlapp werden.
Das ist erst einmal kein Grund zur Sorge: «Es ist völlig normal, dass nach allen 90 Minuten voller Aktivität und Konzentration die Leistungskurve beim Menschen abfällt», sagt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley, Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg.
Mit anderen Worten: Nach jeder Leistungsphase muss eine Pause her – sonst schlägt die Müdigkeit irgendwann zu. Doch was, wenn sie trotz regelmäßiger Pausen gar nicht weichen will? Dann gibt es verschiedene Tipps und Tricks, die auf lange Sicht oder ganz kurzfristig neue Energie bringen.

Tipp 1: Mehr Licht
«Ein Grund für Tagesmüdigkeit kann mangelndes Licht sein», sagt Zulley. Auch wenn die Helligkeit in geschlossenen Räumen subjektiv als ausreichend empfunden wird, kann es sein, dass objektiv die Lichtstärke nicht hoch genug ist. Lichtmangel führt dazu, dass der Körper nicht genug von dem stimmungsaufhellenden Botenstoff Serotonin bilden kann. Was hilft: Hellere Lampen anschaffen oder sich regelmäßig dem Tageslicht aussetzen – wenigstens in der Mittagspause.

Tipp 2: Ein Nickerchen
Bei Müdigkeit am Mittag kurz die Augen zumachen. Der sogenannte Power-Nap könne auch dazu beitragen, ein Tagestief zu überwinden, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Ein richtiger Mittagsschlaf sollte es aber nicht sein, schränkt der Schlafforscher Hans-Günter Weeß ein. Konkret heißt das: Nicht länger als 20 Minuten – und nicht nach 15 Uhr.

Tipp 3: Kurz Abschalten
Gerade für Berufstätige ist ein kurzes Nickerchen oft kaum möglich. Aber richtiges Hinlegen muss auch gar nicht unbedingt sein. Am Arbeitsplatz kurz abschalten, entspannt aus dem Fenster schauen und den Gedanken nachhängen: Das reicht manchmal schon, um wieder fit zu werden. «Dieser Effekt ist aber nicht möglich, wenn man weiter am PC sitzen bleibt und dort irgendwelche Spielchen macht», erklärt Zulley.

Tipp 4: Mehr Kaffee
Koffein macht wach. Sogar doppelt belebend, zumindest theoretisch und kurzfristig, ist die Verbindung von Koffein und Zucker in Cola – oder in gezuckertem Kaffee. «Pro Tag vier bis fünf Tassen Kaffee oder bis zu 400 Milligramm Koffein sind harmlos und können ohne weiteres getrunken werden», sagt Sellerberg.

Tipp 5: Nicht zu wenig essen
Wer nicht ausreichend isst und trinkt, riskiert unerwünschte Müdigkeitsattacken. «Pro Tag zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, ist ideal», so Zulley. Dabei sind, wenn es nicht gerade um den Koffein-Effekt von Kaffee oder Cola geht, Wasser und ungesüßte Tees die Mittel der Wahl. «Plötzliche Müdigkeit kann auch ein Anzeichen von Unterzuckerung sein», sagt Sellerberg. Ein kleiner Snack kann dann schon die Lebensgeister zurückbringen

Tipp 6: In Bewegung bleiben
Raus an die frische Luft, einen kleinen Spaziergang machen: Das belebt und vertreibt die Müdigkeit. Und wer – aus welchen Gründen auch immer – nicht hinausgehen mag, kann sich auch drinnen sinnvoll bewegen. «Etwa ein paar Gymnastikübungen am Arbeitsplatz machen oder innerhalb der Firma zu einem Kollegen hingehen und etwas mit ihm besprechen, statt ihn anzurufen oder anzumailen», erklärt Zulley.

Tipp 7: Ätherische Öle
Kurzes Schnuppern an einem Fläschchen mit Pfefferminz- oder Zitronenöl – das allein kann manchmal schon belebend wirken. «Man kann auch ein paar Tropfen von ätherischen Ölen in eine Schale mit Wasser geben und dieses Gemisch inhalieren», sagt Sellerberg. Sie rät allerdings davon ab, ätherische Öle auf die Haut aufzutragen. Das könne zu Hautirritationen führen.

Tipp 8: Pflanzliche Extrakte einnehmen
Gegen anhaltende Müdigkeit und Schwäche helfen vielleicht auch Extrakte verschiedener Arzneipflanzen – aus Ginseng, Taigawurzel, Rosenwurz oder Sojalecithin zum Beispiel. Doch Vorsicht: Die Anwendungsdauer ist begrenzt, bei der Taigawurzel zum Beispiel auf zwei Monate, bei Ginseng sind es drei. Interessierte sollten sich von ihrem Arzt oder in einer Apotheke beraten lassen.

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Reise

Kultauto der Hippies – Fünf Reisetipps rund um den VW Bulli

Der Anbieter Münchner Bulli Tours bietet Stadtrundfahrten im T1 Samba an.
Foto: Hans Field/Münchner Bulli Tours/dpa

Von Mona Contzen
Wolfsburg (dpa) – Blumenkinder, die in bunt bemalten Bussen nach San Francisco oder Kathmandu in Nepal fuhren. Die Flowerpower-Zeiten sind zwar längst vorbei, aber diese Bilder von Hippies auf Reisen aus den 1960ern und 1970ern haben die meisten noch vor Augen – und sie sind eng mit dem Bulli verbunden.

70 Jahre ist es her, dass Volkswagen mit der Serienproduktion des T1 begann. Der Urvater des Bullis, das erste Modell der späteren VW-Bus-Reihe, gilt als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, als eines der ersten Reisemobile, als Inbegriff des Hippie-Lifestyles – und heute lässt die Herzen vieler Oldtimer-Fans höher schlagen.

1,8 Millionen Exemplare des T1 liefen zwischen März 1950 und Juli 1967 vom Band – doch ob Samba oder Westfalia, gut erhaltene Modelle sind heute rar und teuer. Wer in Erinnerungen schwelgen oder einfach nur ein echter Hingucker auf der Straße sein will, kann mit dem Kultfahrzeug trotzdem den ein oder anderen Kurztrip erleben – selbst am Steuer oder auf dem Rücksitz auf Stadtrundfahrt.

Sightseeing im
Retro-Look

Um Deutschlands Großstädte zu erkunden, muss man nicht immer in Doppeldeckerbusse steigen. Ob in Köln, Berlin, München oder Leipzig: Hier kann man die Sehenswürdigkeiten durch die kleinen Fenster eines T1 bestaunen. Individueller ist das Bulli-Sightseeing allemal – nur sieben bis elf Leute passen je nach Modell auf die Federkernsitze.

Zudem fahren die Kleinbusse nicht nur die bekannten Highlights an, sondern auch interessante Nebenstraßen, die für größere Touristenbusse tabu sind. Bleibt nur die Frage, wer am Ende fotogener war – die Stadt oder das Nostalgiegefährt?

Wein und Samba an der Mosel
Deutschlands älteste Weinregion trifft Volkswagens ältesten Bus: Erlesener Riesling von der Mosel ist auch fast so berühmt wie der T1 Samba – aber nicht so teuer. Der Preis für das Sondermodell mit dem polierten VW-Emblem, den Chromleisten und seiner meist zweifarbigen Lackierung lag 1955 noch bei 8475 D-Mark – im Top-Zustand erzielen diese Bullis heute zum Teil sechsstellige Beträge.

Es ist also ein exklusives Erlebnis, das der Zeltinger Hof bietet: Das Hotel in Zeltingen-Rachtig, in der großen Moselschleife, chauffiert Gäste im Bulli durch die rheinland-pfälzischen Weinberge.

Westfalia und Co. mieten
Samba, Westfalia oder T1 Doppelkabine:
Volkswagen Nutzfahrzeuge vermietet seine Klassiker. Ein Wochenende in der Lüneburger Heide, eine Woche Camping an der Ostsee – eigentlich egal, schließlich ist beim Selberfahren der Weg das Ziel. Rund 30 bis 40 Busse stehen zur Wahl. Die Mindestmietdauer beträgt drei Tage.

Ein kürzeres Vergnügen bieten Portale für Erlebnisgeschenke und diverse Oldtimer-Vermietungen an. Mit bis zu acht Insassen kann man etwa am Ufer des Bodensees entlang cruisen und eine Stunde lang der unangefochtene Blickfang auf der Straße sein.

Bulli-Mittsommer am Meer
Sonne, Strand, Meer und schöne alte Bullis: So sieht er aus, der kalifornische Flowerpower-Traum. Wahr wird er beim Midsummer Bulli Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn. Vier Tage lang, in diesem Jahr vom 18. bis 21. Juni, dreht sich alles um den T1 und seine jüngeren Verwandten. Reisevorträge und Fachsimpeleien, eine Händlermeile für die Jagd nach Ersatzteilen und Fan-Artikeln und gemeinsame Ausfahrten rund um die Insel verspricht das Programm.

Außerdem gibt es Kochshows, Lesungen und Blumenkranzbinden für die Kinder. Herzstück des Umsonst-und-draußen-Events ist das kostenpflichtige Beachcamp: Ob Samba-Besitzer oder Bulli-Groupie im normalen Auto, hier darf jeder in unmittelbarer Nähe zum Ostseestrand campen und dem Vanlife frönen. Für Wiederholungstäter organisiert derselbe Veranstalter im September das Bulli Summer Festival am Auesee in Wesel (Nordrhein-Westfalen).

Kultige Nächte in Friesland und Niedersachsen
Im niederländischen Workum, auf dem Campingplatz Welgelegen am Ijsselmeer, stehen zwischen Zirkus- und Retro-Wohnwagen vier hölzerne Sambabus-Hütten. Sie sind ausgestattet mit Doppelmatratzen – und Marke Eigenbau. Aus VW-Produktion wiederum, aber eine Generation jünger, sind die Schlafstätten im Bulli-Camp des Heide Parks Soltau: Sieben originale T2-Kleinbusse, restauriert und umgebaut, stehen am Sandstrand vom Holiday Camp des Freizeitparks.

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