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Aus Aller Welt

Mit dem Traktor gegen Schnee und Eis – Landwirte im Winterdienst

Viele Landwirte setzen ihre Traktoren nicht nur auf ihren Feldern ein – sondern rücken auch bei Eis und Schnee aus. Winterdienst ist ein wichtiges Standbein für die Branche geworden.

Bayern, Wiesentfels: Der Landwirt Christian Bezold räumt mit seinem Traktor eine schneebedeckte Landstraße bei Wiesentfels. Viele Landwirte setzen ihre Traktoren nicht nur auf ihren Feldern ein – sondern rücken auch bei Eis und Schnee aus. Winterdienst ist ein wichtiges Standbein für die Branche geworden. Foto: dpa

Von Kathrin Zeilmann
Bayreuth/München (dpa) – Der Tag für Christian Bezold beginnt um 2.30 Uhr am frühen Morgen – wenn es im Winter schneit oder glatt ist. Dann startet er einen seiner zwei Traktoren, fährt damit aber weder aufs Feld noch in den Forst. Bezold räumt und streut Straßen und Parkplätze. Er ist dabei unterwegs im Auftrag des Landkreises Bayreuth, der Stadt Hollfeld in Oberfranken und hat zudem Auftraggeber aus der Wirtschaft, die in der Früh saubere Parkflächen brauchen. Zahlreiche Landwirte und Lohnunternehmer in Deutschland sind mit ihren Traktoren im Winter gegen Schnee und Eis im Einsatz – mit angehängten Räumschildern, Schneefräsen, Streuern.

Allein beim Maschinenring, über den Landwirte Dienstleistungen anbieten oder Maschinen austauschen können, sind etwa 7000 Landwirte registriert, die im Auftrag von Kommunen, Unternehmen oder Privatleuten Schnee räumen und Salz oder Splitt gegen Glatteis streuen.

Die Gesamtfläche, die die Maschinenring-Landwirte dabei bearbeiten, sei in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Sprecher Guido Krisam. «Die Schlagkraft der Maschinen ist größer geworden.» Der Bereich Winterdienst wachse, es kämen immer mehr Objekte dazu. Insgesamt betreuen die Maschinenringe deutschlandweit mehr als 38 Millionen Quadratmeter Fläche. «Die Landwirte wohnen in der Regel im gleichen Ort und sehen dadurch natürlich die Wettersituation.» Zudem habe man ein Netzwerk von 100 eigenen Wetterstationen und mit eigenen Prognosemodellen aufgebaut.

Die Bandbreite der Konstellationen sei extrem vielfältig. Es gebe den Ackerbauern, der klassischerweise für seinen Hof einen Zuerwerb in den kalten Monaten suche und deshalb im Winterdienst arbeite. Oder den kleinen Milchviehhalter, der sich ein weiteres Standbein sichere. Es gebe aber auch auf Lohnarbeiten spezialisierte Landwirte, die Stunden für ihre großen Maschinen sammelten, um diese schneller refinanzieren zu können.

Längst nicht alle Landwirte im Winterdienst rechnen über den Maschinenring ab, viele arbeiten auch direkt mit Städten, Gemeinden, Kreisen oder Firmen zusammen. Statistiken, wie viele Kommunen in Bayern bei Schnee und Eis auf die Unterstützung von Landwirten zurückgreifen, gibt es laut Gemeindetag nicht. Man gehe davon aus, dass vor allem in ländlichen Gemeinden solche Leistungen an Landwirte vergeben werden, wenn der eigene Bauhof nicht leistungsfähig genug oder das Gemeindegebiet sehr groß ist und entsprechend viel zu räumen sei, sagt Wilfried Schober, Sprecher beim Gemeindetag.

Und sogar auf dem Münchner Flughafen steuern bei der Beseitigung von Eis und Schnee viele Bauern der Region ihre Traktoren: Im Normalbetrieb sind im Winter 133 Fahrzeuge auf dem nicht-öffentlichen Bereich des Airports im Einsatz, circa 100 davon werden von Landwirten gefahren.

Im Winterdienst auf Landwirte zu setzen, habe mehrere positive Effekte, sagt Alfons Breiteneicher, Leiter des Flächen- und Winterdienstes: «Traktoren sind wendiger als Lastwagen.» Und im Winter stünden viele Traktoren meist ungenutzt in den Hallen der Landwirte – «da haben wir einen super Synergieeffekt. Die Landwirte haben die Technik, die wir brauchen. Also schließen wir uns zusammen.»

Von Vorteil sei es zudem, dass Landwirte keine Berührungsängste bei großen Flächen hätten, da sie das Arbeiten dort gewohnt seien, und dass sie über Routine und Erfahrung im Umgang mit den Maschinen verfügten. Seit Eröffnung des Flughafens 1992 sei der Anteil der Landwirte im Winterdienst kontinuierlich erhöht worden. «Wir haben die Vorteile gesehen und fahren sehr gut damit.»

Welche technische Ausstattung Landwirte im Winterdienst nutzen, sei ein «breites Feld», sagt Christoph Götz vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Inzwischen gebe es Streuer, die mit großer Präzision das Streusalz ausbrächten und auch genau dokumentierten, wann wo wie viel gestreut worden sei.
Das gibt Rechtssicherheit im Rahmen der Räum- und Streupflicht, hilft aber auch, die Umwelt zu schonen, weil nur so viel Salz ausgebracht wird, wie nötig.

Auf die technischen Möglichkeiten verweist auch Guido Krisam vom Maschinenring: Es lasse sich über moderne Technik im Traktor sogar dokumentieren, wann der Räumschild abgesenkt wurde. Wie gut oder schlecht ein Landwirt oder Lohnunternehmer im Winterdienst verdient, hängt davon ab, ob viel Schnee fällt oder die Straßen oft glatt sind. Zwar ist laut Maschinenring bei 90 Prozent der Verträge eine Bereitstellungs- und Bereitschaftspauschale vereinbart, vergütet wird aber nach Fläche oder Einsatzstunden.

Christian Bezold hat nach einem schneereichen Tag in Oberfranken seine Räumschicht beendet, viele Kilometer war er unterwegs – und ist froh darüber, dass im Winter 2020/21 schon einige Male Schnee gefallen ist. Denn die weißen Flocken sind im Winter sein Geschäft, dafür steht er gerne früh auf. «In den vergangenen drei Jahren hatten wir eigentlich keine richtigen Winter. So einen Schneetag wie heute hatten wir schon lange nicht mehr.»

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Sport

Erst Applaus, dann raus: Straßers wildes Slalom-Wochenende in Flachau

Skirennfahrer Linus Straßer erlebt im Salzburger Land ein Auf und Ab. Platz fünf am Samstag folgt das frühe Aus am Sonntag. Mit Blick auf die WM bleibt der Münchner aber der größte deutsche Hoffnungsträger

Flachau: Ski alpin: Weltcup, Slalom Herren, 1. Durchgang: Linus Straßer aus Deutschland reagiert.
Straßer schied aus. Foto: dpa

Von Christoph Lother
Flachau (dpa) – Der Höhenflug ist vorerst gestoppt, der Optimismus mit Blick auf die WM aber bleibt nach wie vor groß. Nach drei Top-5-Ergebnissen in Serie hat Skirennfahrer Linus Straßer beim Slalom in Flachau am Sonntag einen kleinen Dämpfer kassiert. Weil er im ersten Durchgang einfädelte, war das Rennen für den 28-Jährigen vorzeitig beendet. Allzu lange grämen wollte sich der Münchner nicht. «Sieg und Niederlage liegen sehr eng beieinander. Einfädeln kannst du immer, das passiert einfach, das gehört dazu», sagte Straßer der ARD.

Der Sieg im Salzburger Land ging am Sonntag an den Norweger Sebastian Foss-Solevaag vor dem Österreicher Marco Schwarz und dem Franzosen Alexis Pinturault. Foss-Solevaags Premieren-Erfolg dürfte den gebeutelten Norwegern guttun, die verletzungsbedingt für den Rest der Saison neben Youngster Lucas Braathen auch auf Gesamtweltcupsieger Aleksander Aamodt Kilde (beide Knieblessuren) verzichten müssen.
Am Samstag hatte ausgerechnet der Österreicher Manuel Feller seinen ersten Weltcup-Triumph gefeiert. Der Tiroler hatte den flachen Hang in Flachau, auf dem zuletzt jahrelang eigentlich nur Frauen-Weltcups stattgefunden hatten, im Vorfeld noch etwas abfällig als «Märchenwiese» bezeichnet und damit für Aufsehen gesorgt.

Durchaus bemerkenswert war einmal mehr Straßers Vorstellung am Samstag. Erneut hatte sich der Sensationssieger von Zagreb und Zweite von Adelboden im zweiten Durchgang noch ein Stück nach vorne gearbeitet – und mit Platz fünf seinen Aufwärtstrend der vergangenen Wochen fortgesetzt. Einen Tag später folgte der kleine Rückschlag.

Offensichtlich wollte Straßer zu viel. Er habe probiert, diesmal schon im ersten Lauf «mehr Gas zu geben» und sei dann «vom Timing ein bisschen zu früh geworden», sagte er. Und weil ihm die richtige Balance fehlte, gab’s für den Bayern eben auch kein weiteres Finale. Natürlich sei es «immer ärgerlich, wenn man ausscheidet», erklärte er: «Aber es ist Teil des Spiels und so nehme ich das auch.»

Mit allzu viel Frust im Gepäck reist Deutschlands bester Slalomfahrer nach seinem wilden Wochenende also nicht aus Flachau ab. «Jetzt haben wir ein bisschen Luft», sagte er mit Blick auf die kurze Pause bis zum nächsten Torlauf in Schladming am 26. Januar. Diese wolle er nutzen, um «gut zu trainieren und ein bisschen auszuruhen und dann wieder anzugreifen».

Trotz seines Ausrutschers am Sonntag ist Straßer der mit Abstand größte Hoffnungsträger des deutschen Technik-Teams für die nächsten Rennen und die WM im italienischen Cortina d’Ampezzo im Februar. In Flachau waren am Samstag zwar auch seine Kollegen Anton Tremmel als 22. und Julian Rauchfuß als 26. in die Punkte gefahren, am Sonntag verpasste das Sextett des Deutschen Skiverbands (DSV) aber geschlossen den zweiten Durchgang und sorgte für eine Nullnummer.

Beim Nachtevent in Schladming wollen es die deutschen Alpin-Herren wieder besser machen. Anschließend stehen noch zwei weitere Slaloms im französischen Chamonix (30. und 31. Januar) an. Spätestens da gilt es für Straßer und Co. dann, sich (wieder) in WM-Form zu bringen.

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Feuilleton

Worms feiert großes Luther-Jahr

Eine riesige Statue Martin Luthers (r) steht als Zentrum des Luther-Denkmals von 1868 hinter einer Figur, die Kurfürst Friedrich III. von Sachsen darstellt (l).
Foto: Picture Alliance/Frank Rumpenhorst/dpa

Von Wolfgang Jung
Worms (dpa) – Ein Schlüsselereignis der Kirchengeschichte wird 2021 ein halbes Jahrtausend alt. «Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen» – diese berühmten Worte soll der Reformator Martin Luther auf dem Wormser Reichstag als Gegenrede zu Kaiser und Papst gesprochen haben. Die Reformation nahm ihren Lauf. Am 18. April 1521 ist das 500 Jahre her. Der Jahrestag steht im Mittelpunkt eines feierlichen Gedenkens in Worms.

Mit mehr als 80 Einzelveranstaltungen – darunter die traditionellen Nibelungen-Festspiele und eine Landesausstellung – erinnert die Stadt in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) an die Widerrufsverweigerung. Als einzelner Mensch habe Luther sich gegen die mächtigsten Institutionen seiner Zeit gestellt, betont EKHN-Präsident Volker Jung vor dem Jubiläum. Diese Standfestigkeit fasziniere bis heute. «Was damals in Worms geschah, gehört zu den großen Stunden der Weltgeschichte», meint Jung.

Zum Jahrestag plant Worms Großes. Eröffnet werden die Feiern am 16. April 2021 mit dem symbolischen Einzug von Luther. Tags darauf soll die Dreifaltigkeitskirche bei einer Multimedia-Inszenierung zur «größten Leinwand Europas» werden. Abgeschlossen wird das Eröffnungswochenende mit einem ökumenischen Festgottesdienst mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und Bischof Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz. Am 3. Juli öffnet die Landesausstellung «Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021» im Museum der Stadt am Rhein (bis 31. Oktober).

Dazu gebe es Zusagen für mehr als 120 Exponate aus ganz Deutschland, betonen die Organisatoren. Sie spannen den Begriff «Gewissen und Protest» bewusst weit und schlagen dabei auch eine Brücke in die Gegenwart. So soll unter anderem ein handschriftlicher Brief von Luther an Cranach den Älteren vom 28. April 1521 über die Befragung in Worms zu sehen sein, aber auch etwa ein Kleid von Sophie Scholl und die «Mandela-Bibel» von 1976: In ihr sind die Umrisse einer Pistole eingeschnitten. Das Buch wurde der Ehefrau Nelson Mandelas zur Zeit der Apartheid in Südafrika als Todesdrohung hinterlassen.

Er sei froh über die hochwertigen Zusagen, sagt Olaf Mückain, Kurator der Ausstellung und wissenschaftlicher Leiter der Wormser Museen. «Sie ermöglichen es uns, zusammen mit 14 Medienstationen und ebenso vielen Themeninseln sowohl Luthers mutiges Auftreten vor dem Reichstag als auch das Thema «Gewissensfreiheit und Protest» in historischen Kontexten der letzten 500 Jahre anschaulich und für die Besucher attraktiv zu präsentieren.»

Auch bei den Nibelungen-Festspielen 2021 steht Luther (1483-1546) im Mittelpunkt. Das Stück schreibt der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss, Regie führt die Ungarin Ildikó Gáspár. «Wir denken an etwas Spektakuläres. Ich arbeite meistens mit Video, Licht und Musik, so dass man meine Arbeiten in den Kritiken oft ein Gesamtkunstwerk nennt», sagt Gáspár. Die Spiele finden seit 2002 vor dem Dom statt.

Wo Luther die berühmten Worte gesprochen haben soll, ist heute in Worms ein Park. Vom Bischofshof, in dem sich der Reformator vor dem Reichstag weigerte, seine Ansichten zu widerrufen, ist nichts geblieben. «Alle historischen Gebäude wurden zerstört», sagt Volker Gallé, Kulturverantwortlicher der Stadt Worms. Seit 2017 befindet sich an dem geschichtsträchtigen Ort im heutigen Heylshofpark unter anderem die Bronzeskulptur «Luthers Schuhe». Anders als etwa in Wittenberg (Sachsen-Anhalt), wo Luther 1517 seine Thesen ans Portal der Kirche nagelte, sind authentische Zeugnisse verschwunden.

In seinen 95 Thesen verurteilte der Augustinermönch und Theologieprofessor den Ablasshandel der katholischen Kirche, um sich von Sünden freikaufen zu können. In Worms sollte er seine Schriften widerrufen, was er verweigerte. «Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen.» So sind Luthers Worte überliefert. Ob dabei wirklich auch der Satz «Hier stehe ich und kann nicht anders» gefallen ist, lässt sich Experten zufolge nicht ganz sicher belegen. Die Reformation führte zur Kirchenspaltung.

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Gesundheit

Mit Typ-1-Diabetes regelmässig aktiv sein

Sport ist wichtig für Diabetiker.

Wer an Typ-1Diabetes erkrankt ist, sollte auf regelmäßige Bewegungseinheiten achten.        Foto: dpa

Bayreuth (dpa) – Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten stets körperlich aktiv sein. Das habe „extrem positive Effekte“, sagt der Sportphysiologe Prof. Othmar Moser. Regelmäßige Bewegung senkt nach seinen Worten das Mortalitätsrisiko, es ist quasi lebensverlängernd.

Als Richtschnur gilt dieselbe Empfehlung wie für gesunde Menschen, also 150 Minuten Aktivität pro Woche mindestens und möglichst nie mehr als ein Tag Sportpause.

Wichtig ist, dass man dabei seinen Blutzucker möglichst perfekt einstellt und im Auge behält. Denn weil der Körper nicht in der Lage ist, selbst Insulin zu produzieren, muss es gespritzt werden – wird aber zu viel gespritzt, kann es zu Unterzuckerung kommen.

„Das spürt man während des Sports weniger, kann aber zur Ohnmacht führen“, sagt der Wissenschaftler von der Universität Bayreuth. In so einer Situation kann man sich nicht mehr selbst helfen. Aus dem Grund rät Moser auch, riskante Sportarten wie Klettern oder Paragliding nur bei einer guten Zucker-Einstellung zu machen.

Ansonsten gilt: Alles was Spaß macht und sicher durchführbar ist, ist erlaubt. „Am effektivsten für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining“, sagt Moser. Dies habe viel mehr positive Effekte auf den wichtigen HbA1c-Wert, der die Höhe des Langzeitblutzuckers angibt, auf die Mortalität und den Krankheitsverlauf als nur Kraft- oder nur Ausdauertraining.

Moser hat federführend mit anderen Forschern aus verschiedenen Ländern neue Leitlinien für das Glukosemanagement beim Sport entwickelt. Der Anlass sind moderne Glukose-Messsysteme, bei denen der Glukosewert permanent durch einen Sensor unter der Haut gemessen wird – und die damit nicht mehr eine Blutabnahme am Finger zur Kontrolle erfordern.

Diese neuen Systeme zeigen Moser zufolge den aktuellen Wert in der Gewebsflüssigkeit – der sei ein wenig abweichend zur Zuckerkonzentration im Blut. „Die neuen Messsysteme zeigen den Wert also etwas verzögert. Dafür sieht man, wie der Verlauf des Wertes zuletzt war und auch, wohin er wohl gehen wird“, erläutert der Forscher. Das sei ein riesiger Vorteil.

Mit Hilfe der neuen Leitlinien, die Moser und seine Kollegen für die Fachgesellschaft European Association for the Study of Diabetes (EASD) und die Internationale Gesellschaft für Diabetes bei Kindern und Jugendlichen (ISPAD) aufgeschrieben haben, sollen Menschen mit Typ-1-Diabetes, die die neuen Messsysteme nutzen, besser einschätzen können, wann sie zusätzliches Insulin spritzen müssen, oder bei welchen Glukosewert sie welche Menge an Kohlenhydraten essen sollten.

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Reise

Dänemark beschränkt Reiseverkehr

Der Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen (1876–1959) schuf die 1913 aufgestellte Skulptur Kleine Meerjungfrau, die zum Wahrzeichen Kopenhagens wurde. Foto: dpa
                

Kopenhagen (dpa) – Dänemark verschärft seine Einreisebeschränkungen für alle Länder der Welt. Von jeglichen Reisen ins Ausland wird den Dänen wegen Sorgen vor mutierten Varianten des Coronavirus sowie der Corona-Lage weltweit nunmehr abgeraten, darunter auch Dienstreisen. Das gab Außenminister Jeppe Kofod jetzt auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt. Die Botschaft sei ganz klar, dass man nicht ausreisen solle. Dänen im Ausland müssten sich nicht beeilen, ins Land zurückzukehren.

Zugleich werden nur noch Personen ins Land gelassen, die einen triftigen Grund dafür haben und einen negativen, maximal 24 Stunden alten Corona-Test vorweisen können, wie Justizminister Nick Hækkerup sagte. Als triftige Gründe gelten etwa Besuche naher Angehöriger. Andere bislang als ausreichend betrachtete Gründe – etwa ein Studium oder Au-pair-Aufenthalt – werden vorübergehend gestrichen. Für Einwohner der Grenzregionen in Deutschland und Schweden sowie den Warentransport und Transitverkehr sollen laut Hækkerup Ausnahmen gelten.

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Hoch hinaus: Frankfurts Skyline wächst weiter

Die Frankfurter Skyline ist das Wahrzeichen der Stadt und wächst immer weiter. In den Türmen wird längst nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt. Es entstehen neue Luxusappartements, aber nicht nur.

Baufahrzeuge sind auf der Baustelle für das Projekt «Four» im Einsatz. Mitten in Frankfurt liegt eine der größten innerstädtischen Baustellen Deutschlands. Auf einer Fläche von 16 200 Quadratmetern entstehen in den nächsten drei Jahren auf dem Gelände der Deutschen Bank vier futuristische Hochhäuser mit bis bis zu 233 Metern Höhe. Foto: Arne Dedert/dpa

Von Jenny Tobien
Frankfurt/Main (dpa) – Mitten in Frankfurt liegt eine der größten innerstädtischen Baustellen Deutschlands. Zwischen Bankenviertel und Innenstadt entsteht das Projekt Four. Der Name ist Programm: Wo aktuell noch klaffende Baugruben zu sehen sind, werden in den nächsten drei Jahren gleich vier Türme wachsen. Der kleinste soll 100, der größte 233 Meter hoch werden.

Derzeit rollen auf dem Grundstück noch die Bagger. In bis zu 22 Meter Tiefe wird gegraben. «Insgesamt müssen wir 350 000 Kubikmeter Erdreich ausheben», sagt Oberbauleiter Roger Schmitt. Mit Schutzhelm und Warnweste ausgerüstet blickt er auf die lärmende Baustelle, wo mehr als 100 Kollegen arbeiten. Am Rande stehen große blaue Tanks, in denen das geförderte Grundwasser aufbereitet wird, bevor es dann beispielsweise in den Main kommt.

Im neuen Jahr soll nicht mehr nur unterirdisch gebaut werden. «Der erste Turm wächst 2021 in die Höhe», kündigt Schmitt an. In die Höhe geklettert sind auch die Kosten: Aktuell wird das Gesamtvolumen auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt, heißt es beim Projektentwickler Groß & Partner. 2018 war in der Presse noch von gut einer Milliarde Euro zu lesen.

Die Four-Baustelle liegt in direkter Nachbarschaft zu Deutschlands höchstem Hochhaus, dem Commerzbank-Tower (259 Meter). Diesem könnte allerdings bald ein neuer Turm den Rang ablaufen. So soll der geplante «Millennium Tower» einen Meter mehr – also 260 Meter – messen. Aktuell läuft ein Architekturwettbewerb, bis Ende Januar werden Vorschläge für das Areal unweit des Hauptbahnhofs erwartet.

Der Wolkenkratzer soll neben Büros ein Hotel und eine Aussichtsplattform mit Gastronomie beherbergen. Daneben ist ein weiteres Hochhaus mit 150 Metern vorgesehen. Insgesamt sind rund 500 Wohnungen geplant, 200 davon öffentlich gefördert. Auch Einzelhandel, Arztpraxen und andere Dienstleistungen sollen in den Gebäuden unterkommen. Denn statt auf klassische Büro- und Bankentürme wird in den Frankfurter Hochhäusern neuerdings vermehrt auf einen Mix – etwa mit Wohnungen und Gastronomie – gesetzt.

Ein weiteres Projekt, das langsam Fahrt aufnimmt, entsteht auf dem Areal des Alten Polizeipräsidiums. Dort soll ein Ensemble bestehend aus einem neuen 175 Meter hohen Turm und dem denkmalgeschützten Bestand entstehen. Eine Wettbewerbsjury kürte einen entsprechenden Entwurf von Meixner Schlüter Wendt Architekten vor einigen Monaten zum Sieger. «Aktuell rechnen wir mit einem Baustart in 2022», heißt es beim Projektentwickler Gerchgroup (Düsseldorf). Dieser hatte die seit 2002 leerstehende Immobilie für rund 212,5 Millionen Euro vom Land Hessen gekauft. Auch hier sollen neben Büros frei finanzierte und geförderte Wohnungen untergebracht werden.

Die Sorge ist berechtigt, dass sich der Frankfurter Wohnungsmarkt aufgrund der Luxusimmobilien in den glänzenden Wolkenkratzern weiter anspannt. Zuletzt waren solche hochpreisigen Appartements beispielsweise im Grand Tower und im Omniturm entstanden. Die Politik reagiert bereits: Bei neuen Bauprojekten soll künftig generell eine Quote von 30 Prozent für öffentlich gefördertes Wohnen gelten.

Die Wolkenkratzer bilden ein Wahrzeichen Frankfurts. Insgesamt sind mehr als 30 Häuser in «Mainhattan» über hundert Meter hoch. Etwa die Hälfte davon misst sogar über 150 Meter, was im Allgemeinen als Definition von Wolkenkratzern gilt. Ihre Lage definiert der Hochhausentwicklungsplan. Er sorgt auch dafür, dass die meisten Türme nicht vereinzelt, sondern in Gruppen stehen, wodurch die markante Skyline entsteht. Der Plan wird derzeit aktualisiert und sieht vor, dass es künftig im Bankenviertel, im Ostend und am westlichen Mainufer neue Standorte geben könnte. Ziel sei eine behutsame Weiterentwicklung des Stadtraums, sagt Mark Gellert, Sprecher des Frankfurter Planungsamtes.

Zurück zur Four-Baustelle: In dem Komplex sind neben Büros, Restaurants und Geschäften auch ein Hotel, eine Kita und eine öffentliche Dachterrasse vorgesehen. Dazu kommen 600 Wohnungen, davon knapp 80 sozial geförderte. Der Verkauf der Eigentumswohnungen hat bereits begonnen. «Wir sind zufrieden, die Vermarktung läuft gut an», sagt ein Sprecher von Groß & Partner. Der Fokus liege auf Interessenten aus der Region, die das Quartier beleben, und nicht auf Käufern von Spekulationsobjekten. «Wir wollen hier keine Geistertürme.»

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