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Aus Aller Welt

Berlin bekämpft erneut Massen exotischer Sumpfkrebse

In manchen Berliner Gewässern tummeln sich Krebse, die dort nicht hingehören. Die Tiere vermehren sich rasant. Hunderte Kilo wurden in den vergangenen Jahren gefangen. Jetzt beginnt erneut die Fangsaison.

Berlin: Gefangene Amerikanische Flusskrebse krabbeln in einer Reuse im Tiergarten. Die Sumpfkrebse in zwei Berliner Parks sollen in diesem Sommer weiter zurückgedrängt werden. Foto: dpa

Berlin (dpa) – Im fünften Jahr in Folge versucht Berlin einer Plage unerwünschter exotischer Sumpfkrebse Herr zu werden. Die Fangsaison starte in diesem Jahr am 1. Juni, sagte Wildtierexperte Derk Ehlert von der Umweltverwaltung der Deutschen Presse-Agentur. Wie in den Jahren zuvor erhält ein Fischer die Erlaubnis für die Entnahme der Tiere aus zwei Gewässern der Hauptstadt, unter anderem im Tiergarten.

Trotz rückläufiger Trends beim Fang in den vergangenen Jahren bleibe das Eingreifen nötig, sagte Ehlert. Ziel sei es, den Bestand der invasiven Art zu reduzieren und eine Ausbreitung in weitere Gewässer zu verhindern. In den vergangenen Jahren waren Hunderte Kilo Rote Amerikanische Sumpfkrebse in die Reusen gegangen. Das entspricht mehreren Tausend Stück pro Jahr.

Angenommen wird, dass es sich bei den etwa handtellergroßen Sumpfkrebsen um Nachkommen ausgesetzter Tiere handelt, etwa aus Aquarien. Ihr Vorkommen blieb in Berlin lange weitestgehend unbemerkt, bis im August 2017 im Tiergarten wandernde Sumpfkrebse gesichtet wurden. Die Tiere kommen eigentlich im Süden der Vereinigten Staaten und in Nordmexiko vor. Die Allesfresser, die sich sehr schnell vermehren, werden als Gefahr für heimische Arten und Ökosysteme gesehen.

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Sport

Die neue Dimension: Eisern Union ist die fünftstärkste Kraft

Party in Köpenick. Europa kann sich auf die Fußball-Kumpels freuen. Im Urlaub werden es Trainer und Spieler richtig begreifen. Nach dem Katerfrühstück ist aber auch schon wieder vor der neuen Saison. Und was Max Kruse mit dem Erfolg zu tun hat, verrät Trainer Urs Fischer.

FC Union Berlin – VfL Bochum, 34. Spieltag, An der Alten Försterei. Berlins Grischa Prömel (r) jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 mit Teamkollegen. Foto: dpa

Von Jens Marx
Berlin (dpa) – Urs Fischer verließ die rauschende Party gegen Mitternacht, selbst nach ein paar Stunden Schlaf konnte der Erfolgscoach den Einzug des 1. FC Union Berlin in die Europa League noch immer nicht fassen. Auf dem Parkplatz des Stimmungstempels in Berlin-Köpenick wurden bei sommerlichen Temperaturen noch die Reste der Feier mit den Fans beseitigt, die Spieler machten sich auf den Weg in den Urlaub, die Führungsriege ordnete am Sonntagmorgen mehr oder weniger ausgeschlafen die gerade mal dritte Saison der Eisernen in der Fußball-Bundesliga ein. «Wir stoßen in allen Bereich im Club in neue Dimensionen», sagte Vereinspräsident Dirk Zingler.

Aufstieg 2019, Tabellenelfter 2020 mit 41 Punkten, Tabellensiebter mit 50 Punkten, Einzug in die Conference League 2021, und nun Tabellenfünfter mit 57 Punkten, Europa League. Nur der FC Bayern, Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig sind besser. «Ich empfinde es als noch verrückter als gestern», sagte Fischer am Sonntag: «Ich kann es noch immer nicht richtig einordnen.»

Nicht auszudenken, was (noch) möglich gewesen wäre, hätten die Unioner nach dem überraschenden Weggang von Max Kruse Ende Januar nicht eine Schwächephase mit fünf Niederlagen, einem Remis und nur einem Sieg gehabt. Für ihn sei nach dem Wechsel von Kruse zurück zum VfL Wolfsburg entscheidend gewesen, «dass die ganze Mannschaft und der Verein akzeptiert haben, das Max nicht mehr da war», sagte Fischer. Das Team sei dabei noch mal enger zusammengerückt.

Die Folge: In den letzten sieben Saisonspielen holte Union 19 von 21 möglichen Punkten, keine Mannschaft war besser. «Ich kann ihnen die Stimmungslage sagen: Man muss sich kneifen, um es zu glauben», sagte Manager Oliver Ruhnert, der den Coach am Ende eines hochemotionalen Tages und nach mindestens zwei Bierduschen nach Hause gefahren hatte.

22 012 Fans erlebten am Samstag einmal mehr, was auch in der Europa-League-Saison den womöglich äußerst namhaften Gegnern versagt bleiben wird. Denn die mindestens drei Heimpartien wird Union wieder im Olympiastadion von Hertha spielen. Beim 3:2 gegen den VfL Bochum aber bebte die Alte Försterei wieder, befeuert vom Spielverlauf. Grischa Prömel schoss Union früh in Führung, Taiwo Awoniyi erhöhte per Handelfmeter. Dann aber glich Bochum aus. In der 88. Minute erlöste Awoniyi die Eisernen mit seinem 15. Saisontor.

Was folgte, war ein Platzsturm light, den die Ordnungskräfte schnell in den Griff bekamen und der von den anderen Fans mit Pfiffen quittiert wurde. Fischer bekam die erste Bierdusche noch auf dem Platz, die zweite während der Pressekonferenz. Gefeiert wurde mit 40 Fässern Freibier und immer wieder «Stadtmeister, Stadtmeister»-Rufe nach insgesamt drei Siegen über den Konkurrenten aus dem Westend. Dessen Abrutschen auf den Relegationsrang löste nach dem Schluss noch mal großen Jubel bei den Anhängern aus. Daumen drücken will Präsident Zingler auch nicht, das mache er nur bei einem Verein: Union. Und Union schaffte, wonach sich die Hertha so lange schon sehnt.

«Der ganze Verein ist aktuell dabei, sich allmählich damit abzufinden, dass das alles kein Traum ist», sagte Ruhnert. «Ich finde keine Worte», meinte Kapitän Christopher Trimmel. «Einfach alles aufsaugen, was noch geht. Denn das, was Union vorlebt, gibt es nur ganz selten», sagte Grischa Prömel und überlegte schon, ob er als Neuzugang der TSG 1899 Hoffenheim womöglich mal eine Donnerstagreise mit seinen Ex-Kollegen macht, «wenn ein geiles Los dabei ist».

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Feuilleton

Große Ausstellung in Paris

Besucher stehen vor dem Werk «Bildnis der
Journalistin Sylvia von Harden» von Otto Dix.
Foto: Sabine Glaubitz/dpa

Paris (dpa) – Otto Dix, George Grosz, Christian Schad, Max Beckmann und August Sander: Werke der Vertreter der Neuen Sachlichkeit werden seit Mittwoch in einer Ausstellung im Pariser Centre Pompidou gezeigt. Bis zum 5. September widmet das Museum der in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Kunstrichtung eine große Werkschau – die erste umfangreiche und genreübergreifende Ausstellung in Frankreich. 

Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Literatur, Architektur, Theater, Film: Die Bewegung (1918/19-1933) hat fast alle Bereiche der Kunst umfasst, wie das Museum mit der Werkschau «Deutschland – 1920er Jahre – Neue Sachlichkeit – August Sander» dem französischen Publikum zeigen will. Kein leichtes Unterfangen, denn die Bewegung ist der französischen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. 

Die Schau beginnt mit dem Porträt, das Grosz von dem Schriftsteller Max Herrmann-Neisse gemalt hat. Ein Bild eines Mannes mit kahlem Schädel und skelettartigen Händen, das von konzessionslosem Realismus und verstörender Nüchternheit ist – charakteristische Stilmerkmale der Neuen Sachlichkeit. 

Auch der Fotograf August Sander (1876-1964) steht im Fokus der Werkschau, vor allem sein einzigartiges Werk «Menschen des 20. Jahrhunderts», sachlich-dokumentarische Porträts von Menschen seiner Zeit wie Soldaten, Ärzte, Anwälte, Arbeitslose, Bäcker oder Lehrer. 

Walter Gropius, Marcel Breuer, Bertolt Brecht, Erich Kästner und Paul Hindemith: Architekten, Schriftsteller, Dramaturgen und Komponisten ergänzen mit ihren realitätsbezogenen Werken die Ausstellung, die erfolgreich illustriert, dass Deutschland in den 1920er Jahren das Epizentrum der Neuen Sachlichkeit war. 

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Gesundheit/Umwelt

Weltgesundheitsorganisation erforscht Alternativmedizin

Ein Patient wird im Guangxi International Zhuang Medicine Hospital in Nanning mit traditioneller Akupunktur-Therapie behandelt. Foto: Xinhua/dpa

Von Anne-Sophie Galli
Neu Delhi (dpa) – Traditionelle Medizin nutzen viele Menschen – aber was bringen diese Methoden wirklich? Ein neues Zentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) will das herausfinden. Das Zentrum befindet sich in Indien, einem Land, in dem Alternativmedizin so wichtig ist, dass sie gar ein eigenes Ministerium hat – eines für Ayurveda, Yoga, Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie.

Bei der Eröffnung des Zentrums in der Stadt Jamnagar Mitte April war auch Indiens Premier Narendra Modi zugegen. «Indiens traditionelles Medizinsystem ist nicht nur eine Behandlung. Es ist holistische Wissenschaft des Lebens», sagte er. Seine Regierung unterstützt das Zentrum nach WHO-Angaben mit 250 Millionen US-Dollar (230 Millionen Euro).

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte: «Das Zentrum soll ein Motor der Innovation sein, um eine Agenda für Belege, Daten und Nachhaltigkeit in der traditioneller Medizin voranzubringen.» Es solle Praktiker traditioneller Medizin weltweit verbinden und helfen, Standards für die Forschung zu setzen.

Traditionelle Medizin ist ein weites Feld. Laut einer WHO-Mitteilung zum Zentrum nutzen 80 Prozent der Weltbevölkerung traditionelle Medizin. Dazu zähle unter anderem Akupunktur, Ayurvedische Medizin und Kräutermischungen.

Traditionelle Medizin ist auch in der modernen Wissenschaft vertreten. Rund 40 Prozent aller heute zugelassenen Arzneimittel rühren nach WHO-Angaben von natürlichen Substanzen her. Die Entdeckung von Aspirin etwa habe sich auf alte Rezepturen aus Weidenbaumrinde gestützt. Die Forschung über Artemisinin zum Einsatz gegen Malaria, für die 2015 der Nobelpreis vergeben wurde, habe mit einem Studium alter Texte zu chinesischer Medizin begonnen.

Sich über Jahrhunderte entwickelte Heilverfahren zumindest mal genauer anzusehen, auf Plausibilität zu prüfen und im Zweifelsfall dazu gute klinische Studien durchzuführen, erscheine sinnvoll, sagte Georg Rüschemeyer von Cochrane, einem internationalen Netzwerk, das wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitswesen bereitstellt. Cochrane ist besonders für seine sogenannten Cochrane Reviews bekannt, systematische Übersichtsarbeiten, die die gesamte wissenschaftliche Evidenz zu einer konkreten Fragestellung aus der Medizin oder anderen Gesundheitswissenschaften zusammenfassen.

Rüschemeyer betonte jedoch auch, dass man neben den von der WHO erwähnten Beispielen für traditionelle Verfahren, die die Basis von inzwischen etablierten Therapien bilden, vermutlich noch zahlreiche Beispiele finden könne, in denen sich traditionelle Verfahren bei genauerer Überprüfung als unwirksam oder gar gefährlich erwiesen – Stichwort Aderlass. Ob ein Verfahren rechtfertige, viel Geld in überprüfende Studien zu stecken, sei immer eine wichtige Abwägungsfrage.

Es gebe etliche Cochrane Reviews zur Anwendung traditioneller Verfahren wie Akupunktur für konkrete Fragestellungen. Aber: «Aus meiner persönlichen Erfahrung bei Cochrane würde ich sagen, dass mir noch nicht viele solche Cochrane Reviews untergekommen sind, die wirklich überzeugende Evidenz für ein traditionelles Verfahren zeigten», sagte Rüschemeyer. Das liege oft daran, dass man bei der Suche danach nur wenige und oft schlecht gemachte Studien finde, die dann einen Nutzen weder be- noch widerlegen könnten – womit man wieder bei der Frage wäre, ob man begrenzte Forschungsgelder in ein Verfahren stecken solle, dass wissenschaftlich wenig plausibel erscheine – beispielsweise Homöopathie.

Der emeritierter Professor Edzard Ernst, der lange einen Lehrstuhl für Alternativmedizin an der Universität Exeter hatte, gibt zudem zu bedenken: Man solle zwar noch warten und schauen, wer das Zentrum leiten werde und welche Arbeiten hervorkommen würden, die WHO-Pressemitteilung sei jedoch voller heißer Luft und Plattitüden.

Von der WHO heißt es, sie wolle im neuen Zentrum auch moderne Technologien nutzen, um traditionelle Medizin zu studieren – künstliche Intelligenz und Big Data etwa. Das Zentrum soll sich darauf konzentrieren eine zuverlässige Beweisgrundlage für die Politik zu schaffen sowie Standards für traditionelle Medizinpraktiken und -produkte.

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Reise

Comer See: Wo Stars Dolce Vita genießen

Der Comer See und Como von oben betrachtet – welch schöner 
Ausblick aus dem Wasserflugzeug. Foto: Bernhard Krieger/dpa

Como (dpa) – Zwei Hüpfer noch und schon heben sich die Kufen der Cessna aus dem Wasser. Eine Welle rüttelt das Wasserflugzeug ein letztes Mal durch, dann steigt es in den Himmel über dem Comer See.

Durch das Seitenfenster weht eine Brise in die Kabine, die besorgten Naturen den Angstschweiß auf der Stirn trocknet. So mancher Passagier klettert sicher mit einem mulmigen Gefühl in den zerbrechlich wirkenden Flug-Oldtimer vom Typ «Bird Dog».

«Keine Sorge», beruhigt Cesare Baj. Die US-Airforce habe diese kraftvolle Maschine als Aufklärer im Korea-Krieg eingesetzt, sagt er. Dann sei sie von der italienischen Luftwaffe übernommen wurden. «2013 landete sie schließlich im Aero Club Como.»

Der weißhaarige Pilot hat fast so viele Flugstunden auf dem Buckel wie das 1946 erbaute Wasserflugzeug. «An Flugerfahrung sollte es uns nicht mangeln», scherzt Cesare Baj.

Baj ist Autor einiger Fachbücher und Vize-Präsident des Aero Club Como. Der 1930 gegründete Verein ist der älteste Wasserflieger-Club der Welt. Neben den Oldtimern hat er zahlreiche moderne Flugzeuge in seiner Flotte. Unzählige Piloten wurden hier ausgebildet und noch mehr Gäste zu Rundflügen mitgenommen.

Auf der Luft wie ein Y – auf den Kopf gestellt
Nach dem Start fliegt Cesare Baj in weitem Bogen über Como. Der Blick auf das Gassengewirr und die Kuppel des Doms ist grandios. Die Stadt wird eingerahmt von bewaldeten Bergen.
Aus der Luft von Süden kommend sieht der drittgrößte See Italiens aus wie ein auf den Kopf gestelltes «Y». Auf halber Höhe – bei Bellagio – gabelt sich der 51 Kilometer lange Lago di Como. Der östliche Arm endet in Lecco, der westliche in Como.

Baj nimmt Kurs nach Norden. Im Cockpit des Zweisitzers ist der erfahrene Pilot umgeben von altertümlichen Instrumenten und Hebeln. Das modernste Teil in der «Bird Dog» scheint ein roter Feuerlöscher zu sein. Aber auch ohne Hightech liegt die Propellermaschine sicher in der Luft. Unter ihr kreuzen Surfer.

Ein Motorboot liefert sich erfolgreich ein Wettrennen mit dem Schaufelraddampfer «Milano» und versucht das gleiche erfolglos mit einem Tragflügel-Schnellboot der Gesellschaft Gestione Navigazione Laghi, die die Ufer auch mit Autofähren verbindet.

Die Villa, die den Weltruhm brachte
Entlang der Uferstraßen krallen sich die Orte an steil abfallende Hänge, andere quetschen sich in enge Buchten. Bauland ist knapp und teuer. Nach Klerikern, Adligen und Industriellen aus der wohlhabenden Lombardei sind es heutzutage Fußballer von AC und Inter Mailand sowie Promis aus aller Welt, die die Preise hochtreiben. Villen kosten viele Millionen, einige sind schlicht unbezahlbar.

Dazu zählen die aus dem 18. Jahrhundert stammende Villa Carlotta in Tremezzo, die heute ein Museum mit imposantem Park ist, sowie die noch ältere Villa d‘Este in Cernobbio.

Der Grundstein für die spätere Renaissance-Residenz wurde 1442 gelegt. Sie war Domizil für Kardinäle, Könige und Zaren, bevor sie 1873 in ein Luxushotel umgewandelt wurde. Für Cesare Baj ist das Grand Hotel mit dem im See schwimmenden Pool ein Highlight seiner Rundflüge, für Danilo Zucchetti der Höhepunkt seiner Karriere. Der Mailänder ist Direktor der Villa d’Este, die den Comer See weltweit als einen Urlaubsort mit «Grandezza» bekannt gemacht hat.

Sinatra, de Niro, Lady Gaga – alle waren hier
Zucchettis wichtigste Aufgabe ist es, den Mythos der Villa zu erhalten, ohne dass sie aus der Zeit fällt. Seine Devise lautet deshalb: «Ständig weiterentwickeln, aber nichts verändern.» Und er scheint Erfolg damit zu haben: Kamen einst Gary Cooper, Liz Taylor und Frank Sinatra, sind es heute Robert de Niro oder Bruce Springsteen, der hier Stammgast ist.

«Nach Terminen für ihren «House of Gucci»-Film ist zuletzt auch Lady Gaga länger geblieben als geplant», verrät Zucchetti. Den Spitznamen «Hollywood on Lake Como» trägt das Hotel zurecht.
Die Strahlkraft der Villa d‘Este und seiner illustren Gäste aus der Film- und Musikbranche haben den Comer See in den USA zum Inbegriff des sommerlichen «Dolce Vita» Italiens werden lassen.
Hier sonnt man sich, brettert in den eleganten Riva-Jachten von Como Classic Boats über den See oder golft in Menaggio und im Club Villa d’Este. Der gehört nicht zu dem berühmten Hotel, bietet aber einen der imposantesten Golfplätze des Landes.

Clooney und der Comer See
In Deutschland sind Gardasee und Lago Maggiore bekannter als der Comer See. Auch wenn Schauspieler George Clooney, der seit 2003 im Örtchen Laglio unweit von Como die Villa Oleandra besitzt, auf Fotos vom Comer See auch immer mal in deutschen Klatschblättern zu sehen ist und dem Lago so Publicity bringt.

Laglios Bürgermeister Roberto Pozzi tut zwar alles, um seinen Ehrenbürger vor neugierigen Blicken zu schützen. Verhindern, dass Bootsausflügler dessen Seegrundstück ausspähen, kann er aber nicht. «Der arme Kerl hat kaum Privatsphäre», sagt Cesare Baj, als er mit der Cessna über Clooneys Villa hinweg fliegt.

Clooney sei ein super Botschafter für den Lago di Como, sagt Marco Montagnani. «Aber die Initialzündung für den Tourismus hier hat die Villa d’Este gegeben», gibt der Direktor des neuesten Luxushotels am See neidlos zu. Das Victoria in Menaggio ist keines der klassischen Grand Hotels, sondern eine gelungene Kombination aus historischem Altbau und modernem Anbau. Ganz neu ist das edle Vista Palazzo in Como. Die Liste der Luxusherbergen um den See wird länger.

Wohlbetuchte haben am Comer See also viel Auswahl, Normalverdiener weichen eher auf Ferienwohnungen aus. Campingplätze sind rar. Es gibt einen in Menaggio, der beim Blick aus der Cessna besonders einladend wirkt. Während andere Orte am steilen Westufer früh am Tag schon im Schatten liegen, ist die Piazza des Campingplatzes mit Eisbar und Restaurants noch in Sonnenlicht getaucht. Der Einschnitt in der Bergkette hinter dem Ort macht es möglich.

Bellagio ist die Bühne
Varenna am Ostufer und Bellagio auf der weit in den See hineinragenden Landspitze sind bis zum Sonnenuntergang in warmes Licht getaucht. Dahinter ragen die oft schneebedeckten Gipfel der Veltliner Alpen auf. Bellagio ist die Bühne, Varenna die Tribüne.

Vor allem von dem terrassenförmig zum See abfallenden Restaurant Royal Gourmet in Varenna hat man einen wunderbaren Blick auf Bellagio gegenüber. Wegen seiner Gässchen, die sich steil zur Seepromenade mit ihren üppig blühenden Oleander-Bäumen schlängeln, gilt es als «Perle des Lago». Auch der riesige botanische Garten der Villa Melzi hat zum Ruhm Bellagios beigetragen.

Cesare Baj fliegt am liebsten in einem großen Bogen von Varenna aus über Bellagio hinweg. So ist der Blick auf die über dem Ort thronende Villa Serbelloni am schönsten.

Der Palast aus dem 16. Jahrhundert gehörte lange der aus den USA stammenden Prinzessin Ella Walker. Die in Bellagio bis heute als Wohltäterin verehrte Dame vermachte ihn 1959 der Rockefeller Stiftung. Die Stiftung stellt die Villa seitdem Künstlern und Wissenschaftlern zur Verfügung.

Als der damalige US-Präsident John F. Kennedy im Sommer 1963 in der Villa Serbelloni zu Gast war, kam es zu einem wahren Volksauflauf.

Amerikaner brachten den Reichtum
Trubelig geht es Bellagio im Sommer immer zu. Das Caffè Bar Sport an der Basilica San Giacomo bildet da keine Ausnahme. Es wird seit mehr als 100 Jahren von der Familie der Brüder Augusto und Emilio geführt. «Wir sind die Nachrichtenbörse für Einheimische und Anziehungspunkt für Touristen», erzählt der über 80-jährige Augusto.

Vor allem die ausgabefreudigen Amerikaner haben das Dorf reich gemacht. Dass in Las Vegas das berühmte Casino-Hotel Bellagio nach dem Ort am Comer See benannt wurde, hat den Boom weiter angefacht.

Signora Tiziana hat den Aufstieg persönlich miterlebt und auch ein wenig mitgestaltet. Sie leitet gemeinsam mit ihrer Mutter Lucia und ihrer Tochter Giulia das Boutique-Hotel Belvedere. «Das Hotel wurde 1880 als bescheidenes Gasthaus von einer Frau gegründet und seitdem über fünf Generationen hinweg von Frauen geführt», erzählt Tiziana. Statt mit Prunk und Protz wie manches Grand Hotel punkten die drei Damen vom Belvedere mit ihrem Blick für Details und einem hervorragenden Restaurant.

Von ihrer Restaurantterrasse schaut man auf den kleinen Hafen von Pescallo. Dort wartet Carlo Tettamanzi mit seinen Segeljachten auf Gäste. Der Rechtsanwalt hat schon als Profi-Skipper Regatten gefahren und den Atlantik überquert, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, um auf dem Comer See Touren unter dem Namen Bellagio Sailing anzubieten.

Wo Robbie Williams zu viel gezahlt hat
Tettamanzi ist ein charmanter Geschichtenerzähler, der Gott und die Welt kennt. «Für diese Villa dort hat sich Clooney interessiert, weil sie vielleicht mehr Privatsphäre bietet», sagt er. Und er weiß auch, wo Sänger Robbie Williams zugeschlagen hat. «Die 40 Millionen Euro für seine Villa waren zu viel.» Tettamanzi schmunzelt, dann setzt er die Segel auf dem 13 Meter langen Jacht-Klassiker «Dama di Bellagio».

Der Skipper, der wie so viele am See perfekt Englisch spricht, hat natürlich unzählige Restaurant-Tipps auf Lager. Restaurant-Führer listen Dutzende Top-Adressen in der Region auf.

Zu den besten zählt das Kitchen in Cernobbio, wo der junge Sizilianer Andrea Casali mit einer fantasievollen, aber dennoch auf die Qualität der Zutaten fokussierten Küche brilliert. Seine cremigen roten Gamberi mit fermentierten Mandeln oder die mit Parmesan und Gänseleber gefüllte Pasta waren dem Guide Michelin einen Stern wert.

Die Sommerresidenz des ersten Bundeskanzlers
Cesare Baj überfliegt das Kitchen, nachdem er kurz zuvor Cadenabbia passiert hat, wo der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer viele Sommerurlaube in der Villa La Collina verbrachte.
«Die Villa ist heute eine Einrichtung der Konrad-Adenauer-Stiftung», erzählt Baj. Unter seiner Maschine staut sich auf der westlichen Uferstraße, der Strada Regina, mal wieder der Verkehr. «Wenn es den Einheimischen am See zu voll wird, flüchten sie übers Wochenende ins Hinterland.» Dort gebe es zahlreiche Agriturismi mitten im Grünen.

Erst Waldbad, dann Wasserbad
Ein ganz besonderer Agriturismo ist die Tenuta De L‘Annunziata nahe der Grenze zur Schweiz. Waldbaden, statt Planschen im See, lautet hier das Motto. Hinter dem burgähnlichen Palazzo hoch in den Hügeln erstreckt sich ein Wald mit 40 markierten Bäumen. «Jeder hat eine andere bioenergetische Wirkung auf den Menschen», erklärt Elisabetta Guffanti, die mit ihrer Schwester Arianna den Agriturismo führt.

So soll das Energiefeld der Kirsche bei Herzbeschwerden und das der Kastanie bei Magenproblemen helfen, wenn man sich mindestens zehn Minuten in ihrer Nähe aufhält. Eine Frage des Glaubens. Schaden kann es sicher nicht, einige Zeit neben einem Baum zu stehen.

Nach dem Waldbad können die Gäste im großen Spa des Agriturismo im Wasser baden. Auch im Restaurant wird die Verbundenheit zum Wald und den umliegenden Feldern großgeschrieben. Alle Zutaten und sogar der Wein stammen aus eigener Produktion oder von anderen Agriturismi.

Cesare Baj spart sich die Extra-Schleife zu dem rund 15 Kilometer westlich von Como liegenden Agriturismo und setzt zum Landeanflug an. Mit Blick auf die Altstadt von Como sinkt seine «Bird Dog» langsam und setzt sanft auf dem See auf.

Info-Kasten: Comer See

Anreise: Mit dem Auto ist der Comer See über die Schweiz via Lugano auf der Autobahn A2 erreichbar. Die Zuganbindung ist optimal Dank der schnellen Strecke durch den Gotthard-Tunnel. Die nächsten Flughäfen sind in Mailand, Bergamo und Lugano.
Einreise: Vor der Einreise nach Italien ist eine Online-Anmeldung erforderlich. Zudem wird der Nachweis einer Impfung, Genesung oder eines negativen Corona-Tests (PCR-Test nicht älter als 72 Stunden, Schnelltest nicht älter als 48 Stunden) verlangt. Ohne Nachweis ist eine Quarantäne von fünf Tagen vorgesehen. Kinder unter sechs Jahren müssen keinen Nachweis vorzeigen.
Klima und
Reisezeit:
Der Comer See ist ein klassisches Sommerziel mit durchschnittlichen Höchsttemperaturen von 25 bis 27 Grad Celsius. Aktivurlauber schätzen die Region auch im Frühjahr und Herbst.
Internet Informationen: http://www.lakecomo.is

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Polterabend oder Junggesellenabschiede?

Polterhochzeit ist eine Mischform zwischen Hochzeit und Polterabend.
Foto: Silas Stein/dpa

Hamburg/Nürnberg (dpa) – Mit Junggesellenabschieden ist es so, wie mit Spielen oder Beiträgen auf einer Hochzeit. «Es kann eine Riesen-Chance sein, etwas wirklich Tolles und eine bleibende Erinnerung zu schaffen», sagt der Hamburger Autor Thomas Sünder («Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen»).

Manchmal kann es jedoch auch in die Hose gehen. Weil offenbar viele meinen, dass man bei Braut oder Bräutigam in spe irgendeine Verlegenheit oder gar Peinlichkeit erzeugen sollte. «Aber es macht überhaupt keinen Sinn, die beste Freundin oder den besten Freund vorzuführen», sagt Hochzeitsplanerin Judith Ihl-Lange. Sie weiß allerdings: Junggesellenabschiede sind in – «mehr denn je».

Ganz im Gegensatz übrigens zu einer so genannten Polterhochzeit. Also jener Mischform zwischen Hochzeit und Polterabend, die als weniger förmlich als ein «klassisches» Fest gilt und eher bodenständig gefeiert wird. «In zwölf Jahren habe ich noch keine einzige Polterhochzeit miterlebt», sagt Thomas Sünder, der als DJ bei mehr als 500 Hochzeiten dabei war.

Junggesellenabschiede: Schmerzhaft oder Spaß?
Das ist bei Junggesellenabschieden – kurz «JGA» genannt – natürlich anders. Und jeder hat sie schon irgendwo gesehen: Ob beschwipste junge Frauen, die im Pferdewagen in den Pfälzer Weinbergen unterwegs sind, oder auch bierselige Männertrupps, die mit Bollerwagen über die Reeperbahn ziehen. Wobei der künftige Ehemann neben einer Damenperücke nicht selten ein T-Shirt mit Sprüchen wie «Ein Sexgott verlässt den Olymp» oder «Letzte Tour in Freiheit» trägt.

Derweil eine Braut oft an einem Bauchladen zu erkennen ist, aus dem sie allerlei Krimskrams verkaufen soll. Nicht jeder, der das sieht oder selbst erlebt, hat jedoch auch immer Spaß daran. «Das Schlimmste war, dass ich mal eine Frau gesehen habe, die penisförmige Lollies verkaufen musste», sagt Thomas Sünder.

Auch Judith Ihl-Lange findet, dass es Grenzen gibt: Die allerdings sind ganz individuell. «Die Eine empfindet schon den Bauchladen als schmerzhaft, für die Andere fängt der Spaß da erst an.»
Letztendlich ist es da wie mit vielen Dingen: Erlaubt ist, was gefällt und Spaß macht. Vor allem aber der Braut. «Die Frage ist: Was kann ich ihr zumuten? Wenn ich ihr etwas aufbürde, wobei sie sich nicht wohlfühlt, dann kann es schnell kippen», sagt die Hochzeitsplanerin.

Warum nicht mal Wellness-Trip statt Peep-Show?
Auch der Besuch einer Peep-Show muss kein Pflichtprogramm für Junggesellen sein. «Man muss nicht auf Krampf in einen Strip-Club gehen, nur weil man denkt, man muss es jetzt noch mal richtig krachen lassen, bevor die Ehe kommt», sagt Sünder. Das sei vielleicht früher so gewesen, als man noch mit Anfang 20 geheiratet habe. «Aber so funktioniert die Welt nicht mehr. Heute sind sich viele Paare eh schon lange vor der Hochzeit treu.»

Statt das Sexuelle bei solchen JGA-Bräuchen überzubetonen, sei es doch viel schöner, die Freundschaft der JGA-Teilnehmer ins Zentrum zu stellen. «Meine persönliche Idealvorstellung ist, es irgendwie hinzubekommen, mit einer Gruppe irgendwo zwei Tage zu verbringen und wirklich Zeit füreinander zu haben», sagt Sünder.

Das könne ein Städte-Trip mit vollem Programm genauso wie eine einsame Berghütte mit Wandertouren sein. «Alles ist denkbar – es hängt ganz von der Clique ab», sagt Judith Ihl-Lange. Auch ein Kurztrip nach Mallorca, eine Shoppingtour oder ein Wellnesswochenende könne die Alternative zur ausgelassenen Fete mit Stripper-Besuch sein.

Doch ganz gleich, wie man feiert: Die jeweiligen Mütter oder Väter der Brautleute sind beim JGA selten dabei. «Im Prinzip sind sie außen vor, weil auch die Interessen unterschiedlich sind», sagt die Hochzeitsplanerin. Denn der Junggesellenabschied ist vor allem – geschlechtsspezifisch aufgeteilt – für eine Gruppe gedacht: die ältesten beziehungsweise engsten Freunde und Freundinnen von Braut und Bräutigam.

Polterabend für all jene ohne Hochzeitseinladung
Wie aber feiert man mit jenen Menschen, die einem nicht ganz so nahestehen? Die keine Einladung zur Hochzeit haben? Aber mit denen man sich trotzdem irgendwie verbunden fühlt? «Für so etwas bietet sich ganz klar ein Polterabend an!», sagt Judith Ihl-Lange.

Oft laden dazu jene Paare ein, die sich ehrenamtlich engagieren oder Mitglied in einem Verein oder der Feuerwehr sind. Die Feier findet dann in einem ganz lockeren Rahmen statt: meistens zuhause mit Zelt, Bierbänken und zünftigem Büffet. Förmliche Einladungen muss es dazu nicht geben. «Das ist total ungezwungen, da kann jeder Nachbar vorbeikommen – auch als Nichteingeladener.»

«Das ist eine tolle Chance, um die Leute dabei zu haben, die bei der offiziellen Feier nicht dabei sind», sagt Thomas Sünder. Man müsse nur ein bisschen aufpassen, wenn sich Gäste unterhalten und erfahren, wer beim richtigen Hochzeitsfest eingeladen ist und wer nicht. «Da muss man dann ein Händchen haben, dass keiner beleidigt ist», sagt Sünder. «Aber im Grunde genommen verstehen es die meisten. Schließlich zeigt man als Brautpaar, dass es einem wichtig ist, auch Kollegen, Nachbarn oder Vereinsmitglieder dabei zu haben.»

Zerdeppertes Porzellan in Großstädten eher selten
Es gibt jedoch Polterabende, da wird gar nicht richtig «gepoltert». Sprich: Nicht in jeder Region werfen die Gäste draußen bei ihrer Ankunft Porzellanteller und Keramiktassen auf den Boden, weil das die bösen Geister vertreiben und Glück bringen soll. Anders als auf dem Land, ist dieser Brauch in Städten eher selten. «In Hamburg habe ich noch nie Scherben zu solch einem Anlass gesehen», sagt Thomas Sünder.

In einer Sache sollten sich die Brautpaare landauf landab jedoch einig sein: beim Zeitpunkt. Vom traditionellen Termin, dem Vorabend vor der Hochzeit, raten die Experten jedenfalls ab. Drei Tage sollten mindestens zwischen den Feierlichkeiten liegen, besser vielleicht sogar eine Woche.

«Wer am Abend vor der Hochzeit zum Polterabend einlädt und da bis ans Limit geht, für den wird das Hardcore», prophezeit Judith Ihl-Lange. Und auch Thomas Sünder empfiehlt: «Auf keinen Fall am Abend vorher feiern.» Denn eine Hochzeit sei «dermaßen kräftezehrend: Da sollte man in solch einen Tag keinesfalls mit einem Kater und übermüdet starten».
Internet:
Bund deutscher Hochzeitsplaner

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